Durch die Zeit

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Gesucht!

Ein Pfannkuchenrezept! Ein gutes natürlich. Ich rühre meinen Teig immer frei Schnauze zusammen – was mal klappt, mal nicht. Aber gerade da hätte ich gerne ein bisschen mehr Kontinuität. Daher:

Wer hat ein gutes Pfannkuchenrezept (und verrät es auch)?

Heute probierte ich eins aus, was sich sehr praktikabel anhörte: 1 Teil Eier, 2 Teile Mehl, 3 Teile Milch plus Salz. Und wenn man Mehl und Milch zuerst verrührt und dann erst die Eier dazu gibt, dann gibt es auch keine Klümpchen. Auszubacken war der Teig sehr schön – aber er schmeckte einfach nicht wirklich, halt arg mehlig. (Und das Rezept stammt von einem Profi-Koch!) Da hat auch die Nuss-Butter nichts mehr reißen können.

Wer mir also helfen kann, der / dem sei heute schon gedankt. Ich würde mich mit einem einfachen (aber total schmackhaften) Nachtisch – Gelato al Café – revanchieren oder mit ’nem Schokokuchen, dem a) niemand wiederstehen kann und der b) Kalorien hat, die man nicht mehr zählen kann.

+ 1926: Rainer Maria Rilke

Winterliche Stanzen

Nun sollen wir versagte Tage lange
ertragen in des Widerstandes Rinde;
uns immer wehrend, nimmer an der Wange
das Tiefe fühlend aufgetaner Winde.
Die Nacht ist stark, doch von so fernem Gange,
die schwache Lampe überredet linde.
Lass dichs getrösten: Frost und Harsch bereiten
die Spannung künftiger Empfänglichkeiten.

Hast du denn ganz die Rosen ausempfunden
vergangnen Sommers? Fühle, überlege:
das Ausgeruhte reiner Morgenstunden,
den leichten Gang in spinnverwebte Wege?
Stürze in dich nieder, rüttle, errege
die liebe Lust: sie ist in dich verschwunden.
Und wenn du eins gewahrst, das dir entgangen,
sei froh, es ganz von vorne anzufangen.

Vielleicht ein Glanz von Tauben, welche kreisten,
ein Vogelanklang, halb wie ein Verdacht,
ein Blumenblick (man übersieht die meisten),
ein duftendes Vermuten vor der Nacht.
Natur ist göttlich voll; wer kann sie leisten,
wenn ihn ein Gott nicht so natürlich macht.
Denn wer sie innen, wie sie drängt, empfände,
verhielte sich, erfüllt, in seine Hände.

Verhielte sich wie im Übermaß und Menge
und hoffte nicht noch Neues zu empfangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
und meinte nicht, es sei ihm was entgangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
mit maßlos übertroffenem Verlangen
und staunte nur noch, dass er dies ertrüge:
die schwankende, gewaltige Genüge.

Rainer Maria Rilke, Dezember 1913

* 1904: Alejo Carpentier

Meiner Meinung nach hätte er ohne jede Frage den Literaturnobelpreis bekommen sollen, denn er war nicht nur ein mächtiger Erzähler sonder auch ein politische Romancier, der gerade die südamerikansichen Verhältnisse mit dem Blick des Aufklärers durchleuchten konnte.

Dass ‚die Südamerikaner‘ eh ein Talent zum Erzählen haben, ist nichts neues, aber Carpentier konnte es besonders.

Daher empfehle ich einfach mal alles, was auf deutsch erschienen ist:

  • Das Reich von dieser Welt
  • Die verlorenen Spuren
  • Hetzjagd
  • Explosion in der Kathedrale
  • Die Methode der Macht
  • Barockkonzert
  • Le Sacre du Printemps
  • Die Harfe und der Schatten
  • Mein Havana

Und wer je noch ein Exemplar von „Barockkonzert“ bekommen sollte – ok, ok, ZVAB listet ne Menge zu niedrigem Preis an: Kaufen! Lesen! Es ist wohl die musikalischste Novelle der Literaturgeschichte und macht einfach nur Spaß, denn es ist zugleich ein Zeitreise: zu Beginn hat man es noch mit Händel  und Konsorten zu tun, die mitternachts in einem Mädcheninternat (!) ein Spontankonzert veranstalten, am Ende tönt dann Louis Amstrong.

+ 1989: Samuel Beckett

Was soll ich zu dem bloß sagen? Für mich nicht nur einer der größten Autoren überhaupt sondern mit Abstand auch der schönste.

Und da ja alle im Weihnachtsstress sind und nicht zum lesen kommen, nur noch soviel von ihm:

Die Sonne schien, weil sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.

Samuel Beckett: „Murphy“

* 1917: Heinrich Böll

Es hat damals ein Jahr gedauert, bis ich realisierte, dass ich ja in der gleichen Stadt wohne wie Heinrich Böll, der damals aber schon tot war. Mit einem alternativen Stadtführer war die Wohnung von ihm schnell gefunden. Natürlich bin ich da hingepilgert, auch wenn es außer einem Wohnhaus nichts zu sehen gab.

Letztens habe ich mir sein Skandalroman „Ansichten eines Clowns“ nochmals angehört und die ganze Zeit darauf gewartet, was das Skandalöse sein sollte – denn ich fand einfach nichts. Ich habe echt nachlesen müssen, über was die sich damals so aufgeregt haben: Der Clowon lebt ohne Trauschein mit einer Frau zusammen (und wird wahrscheinlich sogar noch Sex mit ihr haben).

„Gruppenbild ohne Dame“ fand ich damals das beste von ihm – aber ich vermute ganz stark, es würde heute nicht mehr wirken. Der große Böll ist ganz schön aus der Zeit gefallen.

+ 1775: Jane Austen

Äh, was soll ich zu ihr sagen: Lesen.

Gilt gemeinhinlich als „Frauenliteratur“. Interssanterweise spricht nie jemand von „Männerliteratur“.

Und Austen muss man echt lassen: Die war in ihrer Schreibe, in ihren Charakterisierungen, im Aufbau aber sowas ihrer Zeit vorraus. Sie ist ne Zeitgenössein vom total übeschätzten Göthe. Und man lese einfach mal 15 Seiten von ihm und 15 Seiten von ihr (in freier Auswahl) – und jede/r Laie/in (nee! – ich werde einfach keine gendergerechte Geschreibserei machen, denn es gilt nach wie vor: Genus ist nicht Sexus!) wird auch ohne Studium merken, wie modern, wie geschmeidig, wie intelligent, wie psycholgisch sie geschrieben hat.

Manche, überwiegend für mich weibliche, Figuren von ihr (ha, Gott sei Dank habe ich gerade dem gernderInnen gerechten schreibweisen*innen abgeschworen, sonst müsste ich jetzt wohl auch nocht „Figurinen“ bzw. „FigurInInnen“ schreiben!) sind echt Topos.

Gehört zu der Autorenschaft (das ist gendergerecht), von der es viel zu wenig zu lesen gibt.

+ 1769: Christian Fürchtegott Gellert

Und, alle mal die Hand heben und hier „Hier“ tippen, die schon was von ihm gelesen haben. So richtig viel hat er nicht auf seiner Liste, aber allein der Titel „Die Betschwester“ hat es verdient, das er weiter genannt wird. „Die zärtlichen Schwestern“ habe ich mir mal reingezogen und natürlich „Das Leben der schwedischen Gräfin von G.“.

Wenn man so die Titel liest, könnte man meinen: Ein unbekannter de Sade. Aber weit gefehlt! Sehr weit sogar. Die ersten beiden Titel sind „Lustspiele“, was aber mit Sex so gar nix zu tun hat, und die „Schwedeische Gräfin“ ist ein zweibändiger Roman, dem die Ehre anheim fehlt, dem deutschsprachigen Roman eine kräftigen Schubs gegeben zu haben.

* 1901: Ödön von Horvath

Bin mir nicht ganz sicher, ob das auch so ein Pubertätsautor ist. Also einer, den man in der Pubertät verschlingt, auswendig kann und mit dem Alter schlichtweg vergißt. Seine Theaterstücke („Glaube, Liebe, Hoffnung“ wohl das bekannteste – ich hätte geschworen, es sei ein Roman, gut wenn man im Zweifel mal nachschlägt) wreden ja noch gespielt, und „Jugend ohne Gott“ oder „Der ewige Spießer“ sagt dem ein oder anderem auch noch was … aber er ist auch so einer, der ein bißchen aus der Zeit gefallen ist und wohl in 100 Jahren erst richtig wiederentdeckt werden muss.

Präsent ist er mir vorallem durch eine Sendung, die mal im HR2 lief. Ist schon Äonen her. „Musik schwarz weiß“ oder „Musik mit anderem Vorzeichen“ hieß sie und ein paar wenige Moderatorinnen und Moderatoren stellten zu einem Thema Musik aus alle Epochen zusammen. Da rockte Pink Flyod schon mal nach einer Partita von Bach, Janis Joplin röhrte vor Schubert … richtig krass geil war das.

Und da gab es eben eine Sendung die abmoderiert wurde mit dem Satz: „Der rote Faden, der heute ein schwarzer war.“ Denn es gab nur Musik von Leuten die eines nicht natürlichen Todes umgekommen sind. Horvath hat jetzt nicht komponiert, aber er wurde auch erwähnt, denn, als er endlich nach der Annektion Österreichs in Paris angekommen war, erschlug ihn am ersten Abend der Ast einer Kastanie auf der Champs-Élysées.

+ 1814: Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade

Wie nun auch immer – aber an dem kommt man nicht vorbei, wenn an auch nur fünf Cent Interesse an erotischer bzw. in seinem Fall oft / meist pornographischer Natur hat.

Ganz unter uns: Wenn ich ihn lese, bekomme ich ab Seite zwei oder drei so nen richigen Ständer, aber Seite vier oder fünf könnte ich über alles herfallen, was menschlich und geschlechtsreif ist und ab Seite sieben oder acht könnte man mir den ein oder anderen geilen Mann wahlweise noch geilerere Frau auf den Bauch binden und ich würde lieber Schach spielen wollen.

Sade ist das beste Beispiel, wie eine zu genaue Detailtreue, wie zu große Settings, wie viel zu viel Technik die Phantasie zusammenbrechen lässt.

Ich möchte aber klar festhalten, dass er das zu einer Zeit schrieb, wo vorehelicher Geschlechtsverkehr genauso sündig und auch im weltlichten Recht verboten (!) war, wie wenn man sich mal kurz einen runterholte. Dass er mit seinen Schriften daher zu den Aufklärern gehört (nicht nur sexuell sondern in erster Linie geistesgeschichtlich), darf in keinster Weise vergessen werden, auch wenn sein Werk für heutige Augen oft bemüht daher herkommt. (Denn über das, was er beschrieb, von dem gibt es heute Pornofilme in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen mit genauesten Details. Aber? Wer hat’s erfunden? Die Menschen! Und de Sade war der erste akribische Chronist. Also: Ehre, wem Ehre gebührt.)

Und auch mal ganz deutlich: „Die Philosphie im Boudoir“ (1795) sollte nun echt jede/r gelesen haben, die / der meint, sich über Sexualität und Moral moralisch auslassen zu müssen. Wer es nicht gelesen hat, möge bis dahin bitte einfach mal die Klappe halten.

+ 1935: Fernando Pessoa

Lesen! Lesen! Lesen!

Und zwar „Das Buch der Unruhe“. Früher für viel Geld bei Amann, jetzt gibt es eine preisgünstige Taschenbuchausgabe (die aber naturgemäß nicht so schön sein kann, wie die Ausgabe bei Ammann, für die man heute um die 30 Euro hinlegen muss).

Pessoa ist Verantwortlich für Zitate wie:

Könnte das Herz denken, stünde es still.

***

Zwei Menschen sagen „ich liebe dich“ oder denken und fühlen es gegenseitig, und doch verbindet jeder damit eine andere Vorstellung, ein anderes Leben, vielleicht sogar eine andere Farbe, ein anderes Aroma oder einen anderen Duft innerhalb der abstrakten Summe von Eindrücken, die das Seelenleben ausmacht.

***

Ein wahrhaft sensibler und vernünftiger Mensch versucht naturgemäß, wenn ihn Übel und Ungerechtigkeit der Welt bekümmern, zunächst dort gegen sie anzugehen, wo sie am deutlichsten zutage treten, nämlich bei sich selbst. Und damit wird er sein Leben lang beschäftigt sein.

Und mein absolut-absolutes bestes Lieblings-Knutsch-Zitat:

„Jede Straße, sogar diese Straße von Entenpfuhl trägt dich ans Ende der Welt.“ Doch das Ende der Welt ist, sobald man die Welt vollständig umkreist hat, das gleiche Entenpfuhl, von dem man ausgegangen ist. In Wahrheit ist das Ende der Welt wie ihr Anfang unsere Auffassung von Welt. In uns sind die Landschaften Landschaft. Deshalb erschaffe ich sie, indem ich sie mir vorstelle; wenn ich sie erschaffe, sind wie; wenn sie sind, sehe ich sie wie die anderen. Wozu reisen? Wo wäre ich in Madrid, in Berlin, in Persien, in China oder an beiden Polen ander als in mir selbst und in Typ und Art meiner Wahrnehmung?

Sicher kein Buch, was man wie einen Roman so runter liest, dafür ist es einfach zu schwer, zu heftig, erfordert zu viel Aufmerksamkeit. Aber immer mal wieder einen Abschnitt – herrlich, weil man oft „Ja“ schreit, „endlich sagt es mal jemand“ oder weil man stumm davor sitzt und denkt „Wie meinen Herr Pessoa?“.

Von was ich übrigens bei Pessoa abrate sind seine Briefe. Es ist unglaublich, wie einer das „Buch der Unruhe“ schreiben kann und dann in seinen Briefen eine Einfachheit und Navität an den Tag legt, vor der man einfach nicht lesen will.

+ 1959: Hans Henny Jahnn

Ich glaube HHJ gehört zu den spannensten deutschsprachigen Schriftstellern des letzten Jahrhunderts und zugleich zu dem am wenigsten gelesenen. Wer kennt schon „Fluß ohne Ufer“, geschweige denn, wer hat die beiden dicken, schweren Bände durchgeackert? (Öh, ich *hüstel*) „Pastor Ephraim Magnus“ ist vielleicht noch denen bekannt, die viel mit Theater zu tun haben, aber der Rest?

Und HHJ ist wohl einer der ganz wenigen Autoren, die zugleich auch in einem ganz anderen Metier Großes geleistest haben: Er war nämlich noch (autodidaktischer!) Orgelbauer und hat in Norddeutschland dazu einges geleistet.

Ja, HHJ ist schwer zu lesen, er ist etwas schwülstig, er ist immer etwas angeschwult, er ist immer etwas blutig, absolut keine Wohlfühl-Lektüre – und daher eben echte und echt große Lektüre. Er lotet, in fast expressionistischer Weise, Lebenswirklichkeiten aus, die sich nicht immer miteinander vertragen. Und daraus macht er dann großes Drama, die er z.T. langsam aufbaut.

Er hat eine Reihe von anderen Autoren stark beeiflusst wie beispielsweise Hubert Fichte (der auch leider immer mehr in Vergessenheit gerät).

Wer also mal abseits vom Mainstream etwas lesen will … es gibt verschiedene Sammelbände, in denen sich das Reinlesen auf alle Fälle mal lohnt.

+ 1970: Yukio Mishima

Als ich anfing ernsthaft zu lesen, war mir früh klar, dass ich  mich auf ein Gebiet beschränken müsse, wenn ich wenigstens da zu etwas Ahnung kommen wolle. Und da ich und Fremdsprachen … also ist mein Hauptlesegebiet „Deutschsprachige Literatur der Gegenwart“ mit den „Sondergebieten“ „Deutsche Literaturgeschichte mit Schwerpunkt 17. / 18. Jahrhundert“ sowie „Europäische Klassiker“. D.h., die amerikanische und südamerikanische Literatur lasse ich mit wenigen Ausnahmen außen vor, genauso die afrikanische, asiatische und u.a. grönländische. Und da ist es dann schon eine Besonderheit, dass sich mit „Geständnis einer Maske“ ein japanischer Roman in meiner ‚Biblitohek‘ findet.

War mal ein echtes Muss-Buch.

* 1869: André Gide

Mir war echt nicht bewusst, dass er schon so alt ist. Für mich gehört er einfach zu den modernen Schriftstellern. Auch wenn in seinen Werken, soweit ich mich jetzt erinnere, Homosexualität keine Rolle spielt, bleibt er für mich dennoch ein schwuler Autor, auch wenn er, wie ich, auch dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt war. („Die Ringeltaube“, posthum erschienen, scheint das einzig Schwule von ihm zu sein – gerade bestellt, ich verdien ja wieder, da darf ich (etwas).)

Auch wenn ich jetzt Probleme hätte, die Inhalte von „Die Falschmünzer“ oder „Der Immoralist“ wiederzugeben, ich weiß aber noch, dass es beeindruckende Bücher waren. Und ich gehe nach wie vor davon aus, dass Dinge, an die man sich heute nicht mehr erinnert, doch als Prägendes immer noch irgendwie präsent sind.

Auf alle Fälle steht er auf der Liste „Wiederlesen“ ganz weit oben – und irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass man unbedingt seine Tagebücher lesen sollte. Die Stadtbibliothek hat sie nicht – muss ich mal bei der Uni schauen.

+ 1947: Wolfgang Borchert

Mit Wolfgang Borchert kann ich wohl den Start meine ‚Karriere‘ als Literaturwissenschaftler verorten. Denn er war es mit „Draußen vor der Tür“, der mich veranlasste nicht nur ein Stück „toll“ zu finden sondern auch zu fragen, woher es kam, Entstehungsumstände, Autoreneingeschaften, gesellschaftliche Bedingungen, und und und … Ich hab‘ mir damals eine Wolf gemacht, um wirklich das Gesamtwerk zu lesen (und zu besitzen – zumindest, was veröffentlicht wurde), was richtig schwierig war. (Wenn ich mich recht erinnere, ist auch nicht alles veröffentlicht worden.)

„Draußen vor der Tür“ ist heute wohl veraltet und wird, wie der Autor, die übernächste Lesergeneration nicht mehr erleben, denn es ist schon eben sehr spezifisch. Ich müsste mal suchen gehen, ob ich noch die Gedichte von ihm habe, ob da etwas dabei ist.

Aber er ist es dennoch wert, das man sich immer wieder an ihn erinnert.

* 1933: Peter Härtling

Nun, wenn ich ihn im Radio höre, dann gibt es nur eins: um- oder ausschalten. Seine schwäbische Behäbigkeit bringt mich nach drei Silben einfach auf die Palme und wenn ich es dann ein paar Silben länger aushalte, dann rege ich mich furchtbar über seine intellektuell-gedrechselten Sätze auf und erst recht über seine Besserwisserei. Aber man muss ihn ja nicht hören, man kann ich still für sich lesen. Da sind – und wer Stelle eins hat, weiß ich selber nicht, also alphabetisch: „Benn liebt Anna“ und „Hölderlin“. Letzteres wohl sein bedeutenstes Buch, das sich wirklich vielwissend und einfühlsam mit einem der größten Lyriker der deutschen Sprache auseinandersetzt.

Vom Rest kenne ich nicht viel, habe ihn – was die Literatur betrifft – unter „weichgespült“ abgelegt. Aber die beiden genannten sind fast schon ein Muss.

* 1880: Robert Musil

Es gibt wenige Bücher, die ich wirklich ‚verschlungen‘ habe, d.h., dass man einfach gar nicht aufhören konnte zu lesen. Eins davon war mal von Peter Härtling „Ben liebt Anne“ und ganz, ganz früher „Das Tagebuch der Anne Frank“. Aber der nachhaltigste Flash ist und bleibt „Die Verwirrungen des Zögling Törleß“ von Musil. Spät abends begonnen habe ich es noch in der selben Nacht durchgelesen, durchgelebt, durchgearbeit, auch wenn ich am nächsten Morgen echt früh raus musste – sei’s drum. Mein Exemplar  ist voll von Unterstreichungen, Ausrufezeichen und Kommentaren. Es gibt Seiten, da hätte ich lieber die Sätze unterstreichen sollen, die ich nicht unterstreichenswert fand – das hätte mir die Arbeit erleichtert.

Letztlich ist der Törleß, ähnlich wie das Schneekapitel aus dem „Zauberberg“ von Thomas Mann ein camouflierter Coming-Out-Text, die beide brilliant aufzeigen, wie der Schleier von der Seele gezogen werden kann, man das Eigentliche sieht und auch annehmen könnte – doch vor der Wahrheit zurückschreckt und ein Leben ohne diese Erkenntnis, ohne diese Wahrheit führt.

Klar stand auch der „Mann ohne Eigenschaften“ auf der Liste – und bald wird er auch wieder da stehen. Ein grandioser Roman, der aber an seiner großen Anlage scheitern musste. Aber hier zeigt sich die wahre Kunst von Musil, denn die Kapitel von 2, 3 Seiten Länge machen oft satter als ganze Romane.

* 1903: Evelyn Waugh

Man mag zwar meinen, das ist eine Autorin, ist aber nicht so. War ein potenter Mann (immerhin sieben Kinder), dessen Biographie noch zu schreiben sein wird, denn da geht kaum etwas gerade aus. Aber vor der Biographie stehen die Werke und da die gerade alle neu und gut übersetzt werden einfach mal für den Hinterkopf: Wenn euch ein Waugh auf dem Büchertisch begegnet: Mitnehmen!

* 1929: Arno Holz

Ein echt zu unrecht Vergessener. OK, auch kein einacher. Denn manches von ihm ist schon fast kitschig oder art sozialromantisch, aber dann findet man immer echte Besonderheiten. „Phantasus“, aus dem auch das Zitat unten ist, sei jetzt mal denen anempfohlen, die es wagen wollen.

Rote Dächer!

Aus den Schornsteinen, hier und da, Rauch,
oben, hoch, in sonniger Luft, ab und zu Tauben.
Es ist Nachmittag.
Aus Mohdrickers Gartern her gackert eine Henne,
die ganze Stadt riecht nach Kaffee.

Ich bin ein kleiner, achtjähriger Junge
und liege, das Kinn in beide Fäuste,
platt auf dem Bauch
und kucke durch die Bodenluke.
Unter mir, steil, der Hof,
hinter mir, weggeworfen, ein Buch.
Franz Hoffmann. Die Sclavenjäger.

Wie still das ist!

Nur drüben in Knorrs Regenrinne
zwei Spatzen, die sich um einen Strohhalm zanken,
ein Mann, der sägt,
und dazwischen, deutlich von der Kirche her,
in kurzen Pausen, regelmäßig, hämmernd,
der Kupferschmied Thiel.

Wenn ich unten runtersehe,
sehe ich grade auf Mutters Blumenbrett:
ein Topf Goldlack, zwei Töpfe Levkoyen, eine Geranie
und mittendrin, zierlich in einem Zigarrenkistchen,
ein Hümpelchen Reseda.

Wie das riecht? Bis zu mir rauf!

Und die Farben!
Jetzt! Wie der Wind drüber weht!
Die wunder, wunderschönen Farben!

Ich schließe die Augen. Ich sehe sie noch immer.

* 1796: Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde

OK, von ihm habe ich auch nur ein paar Gedichte / Novellen gelesen. Irgendwie so überhaupt nicht meine Kragenweite.

Aber: Es gibt ein Band von ihm mit dem schönen Titel „… bleibe ich doch wunderbar unglücklich.“ Es sind Tagebucheintragungen, Gedichte und Briefe, die Platen als 22- und 23jähriger verfaßt hat, als er in Liebe zu Adrast (d.i. Eduard Schmidtlein) entbrannte, ein Komilitone aus der Würzburger Studienzeit. Aufgang und Niedergang einer Liebe, eine kurze, all zu kurze Hoch-Zeit dazwischen, dann Trennung, Abschied, Schmerz und – Vergessen. Adrast war nicht der erste Angehimmelte des junge Platen, der schon früh um seine Homosexualität wußte – zu dieser (Jugend-)Zeit sie aber auch nicht ausleben konnte.

Jedenfalls ist das eine aus der Ferne Anhimmelei, dass man es so gut wie nicht mehr aushält.

21. Juni 1818
Ich habe nun Aussicht, Adrast’s Bekanntschaft zu machen; ja ich weiß sogar, daß er an mit Theil nimmt, sich mir nähern sucht, sey es auch nur aus Neugierde.

Und es dauert und dauert, bis sie überhaupt mal ein Wort wechseln – aber, wir Tucken können halt Drama!

12. August 1818
Von heute an endlich sage ich mich feyerlich los von meinen neuerwachten Thorheiten. Ich erwähne Adrast nicht mehr; es sey mein fester Vorsatz.

Ha! Da kann man doch nur darüber lachen, denn:

8. Juni 1819
Gestern gingen wir das erste Mal Arm in Arm spazieren: er hatte seinen Arm um meinen Hals gelegt, und ich hielt die Mitte seines Körpers umschlungen, dessen teures Gewicht gleichzeitig auf meinen Schultern ruhte.

Ja, ja *stöhn* – wie schön war doch die Liebe einst. Aber die Zeit erlaubt es nicht:

26. Juli 1819
O warum, warum nur hat mich die Vorsehung so geschaffen! Warum ist es mir nicht möglich, die Frauen zu lieben, warum muß ich verhängnisvolle Neigungen hegen, die niemals erlaubt sein werden, die niemals jemand erwidern wird? … Gibt es Menschen, deren Leben nur eine lange Schule der Tränen ist?

Und so bleibt auch Adrast nur eine Schwärmerei die endet, als Adrast Würzburg verlässt. Sie haben sich nie wieder gesehen.

* 1870: Iwan Bunin

Viel gelesen habe ich nicht von ihm (sollte ich wohl). Aber „Mitjas Liebe“ wird mir, solange ich nicht dement werde, wohl in Erinnerung bleiben. So eine typische russische Erzählung / Novelle im Sommer auf einem Landgut, der gestrenge Vater, der bei einem Examen durchgefallene Sohn. Strenge und Einsamkeit – aber dann, auf dem Nachbargut, ein junges Mädchen, die Liebe entbrennt und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Und das Geile daran: Bunin ist der einzige, der sich mal nicht an die literarischen Wetterregeln hält und so regnet es, als sein Protagonist glücklich ist und so scheint die Sonne, als es tragisch wird.

* 1741: Choderlos de Laclos

„Gefährliche Liebschaften“! Und damit meine ich nicht die Verfilmungen. Von denen die mit Glenn Close ja gar nicht mal schlecht ist (und ich immer denken muss, dass ein Mitstuden von früher die männliche Hauptrolle übernommen hat). Aber gegenüber dem Buch: Schwacher, arg schwacher Abklatsch eines perfid-dramatisch-erotischen Psychothrillers. Gerade jetzt im Herbst / Winter beste Sofalektüre.

+ 1948: Alfred Kerr

(Sorry, die Rubrik ist mir ja vollkommen aus den Fingern geglitten. Liegt wohl am Halbtagsjob und daran, dass ich den Schreibtisch aufgeräumt habe und somit der Kalender unter einem Stapel verschwand.)

Ich hatte es ja hier dieser Tage mal von Literaturkritik, Karrasek und so. Aber wenn ich Kerr höre, dann denke ich mir immer: Gott, warum gibt es im deutschsprachigem Raum nur noch bewertende Nacherzählung und keine Literaturkritik mehr? Das, was heute als Literaturkritik daher kommt ist ein müder, lascher, lauwarmer Abklatsch von dem, was Literaturkritik sein sollte. Und der, der es – zumindest im deutschen Sprachraum – bisher absolut unübertroffen gemacht hat, war eben dieser Alfred Kerr, den wenige nur noch vom Namen kennen.

Bei Reclam gab es mal eine Auswahl seiner Theaterkritiken – übrigens: Reclam, schäm Dich, dass Du es nicht mehr verlegst – und wenn man auch nur zwei oder drei davon gelesen hatte, dann war einem klar: Der kann’s.

Sein Stil etwas gewöhnungsbedürftig, weil er reduzierte, weil er nur in Quintessenzen schrieb, die äußerst pointiert den Kern trafen und alles selbstgefällige Schi-Schi verbannte.

Im Studium habe ich mal ein Semester lang über Literaturkritik bei einem verdammt fähigen Professor studiert. Jede Woche vier, oder fünf Kritiken auf dem Prüfstand, wobei immer versucht worden ist, dass das besprochene Werk von mindestens zwei bis drei bekannt war. Aufwändig, anstrengend – und lehrreich bis ins Mark.

Also: Lest Kerr! Es soll Euer Schaden nicht sein.

Und falls ihr  mal etwas elegant-vernichtendes für den nächsten Kinofilm oder Theater- bzw. Opernbesuch braucht, hier ein echter Kerr:

Die Vorstellung begann um acht Uhr. Als ich um zehn Uhr auf die Uhr schaute, war es erst halb neun.

* 1804: Eduard Mörike

Wer kennt es nicht?

Frühling lässt sein blaues Band …

Mehr kenne ich dann auch nicht wirklich.

Vor Jahren mal einen direkten Nachfahren von ihm kennen gelernt. Der hatte mit Lyrik-Zeilen nichts am Hut, der war Softwareentwickler und stand auf Code-Zeilen.

* 1818: Emily Brontë

„Wuthering Heights“ bzw. „Sturmhöhe“ von 1847 letztens mal aus Neugierde gelesen (und weil es hier noch so rumfuhr). Der Aufbau ist etwas eigen, denn der Ich-Erzähler lässt zu gut 90 Prozent eine Haushälterin erzählen. Das Personal zu Beginn etwas unübersichtlich – hätte ich keine Legende am Ende des Romanes gehabt, ich wäre wohl bald gescheitert. Ansonsten ein Psychodrama vom Feinsten. Würde man die Story in die Jetzt-Zeit übertragen – ich wäre mir sicher, dass das ein Renner würde.

+ 2011: Agota Kristof

Da fällt mir „Das große Heft“ ein. Das einzige was ich von ihm gelesen habe. Aber einen brutaleren Bruder hat es in der Literaturgeschichte wohl selten gegeben. Was mir damals so gefallen hat, war das Lakonische, die kurzen, klaren, harten Sätze, diese Direktheit.

Kurz gesucht, hier ein Beispiel:

Der Junge öffnet seinen Hosenlatz und sagt:
– Lutsche! Wenn du ihn mir lutscht, lassen wir dich deinen Eimer füllen.
Hasenscharte hockt sich hin. Der Junge weicht zurück:
– Glaubst du, ich stecke meinen Pimmel in deinen dreckigen Mund? Schlampe!

Und ja, auch nach 28 Jahren auf alle Fälle lesenswert.

* 1905: Elias Canetti

Einer der ‚Großen‘ sagt man. Einer von denen, die man gelesen haben ‚muss‘.

Ich hab mir erst letztens „Die Blendung“ von ihm als Hörbuch reingezogen und war komplett überrascht, wie witzig das war. Und genauso überrascht war ich, dass ich den Roman vor Jahren schon mal gelesen haben sollte. Was spricht nun für / gegen ihn bzw. mich?

* 1922: Georg Kreisler

Ich gestehe, ich kenne von ihm echt nur das hier:

* 1871: Marcel Proust

Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.

Das wird der erste Satz sein, den ich heute Abend bei der Proust-Lesung vorlesen werden. Es ist auch der erste Satz von „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Und die, die auch nur etwas Ahnung haben wissen, dass das einer der kürzesten Sätze des Romans sind.

Wie auch immer – ich bin und bleibe Fan dieses gut 4.500 Seiten dicken Romans, den ich bisher zwei mal gelesen habe (und zwei- bis dreimal gehört). Ich kenn nichts vergleichbares, in das man so eintauchen kann, in das man so verschwindet, in das man so mitlebt. Zudem zwingt Proust einen, denn er mag und will und kann einfach nicht gefällig sein. Er drängt sich auf, er bestimmt und man muss über 4.500 Seiten Stellung zu ihm nehmen.

Und so dekadent er auch immer war (wie auch die handelnden Personen) – man nenne mir eine/n Autor/in, die / der auch nur ansatzweise es geschafft hat, mit zwei Sätzen eine Person so zu schildern, dass man genau meint zu wissen, wie die Person denkt, isst, fickt und sich die Zehennägel schneidet.

Nein, nicht jeder Satz von ihm ist für die Ewigkeit bestimmt, es gibt Stellen, die werde ich nie wieder lesen, weil einfach langweilig, Zeilenschinderei und, hätte er es noch erlebt, wohl bei der Korrektur dem Rotstift zum Opfer gefallen wäre.

Proust hat mir auch etwas beigebracht, was mir bei Diskussionen über Literatur dann immer sehr geholfen hat:

Der Leser ist der Leser seiner selbst.

Als ich das kapiert hatte, stürzten eine Menge von mir gehörte Kritiker in die Bedeutungslosigkeit und bei manchem Gespräch über Literatur mit Freunden endete es in hochspannenden Diskussionen über die Stellung zur Lebenswirklichkeit.

Proust lesen braucht Zeit, viel Zeit – aber Proust leben bereichert und bleibt. Das kann man über nur recht wenige Autoren bzw. Autorinnen sagen.

* 1905: Jean Paul Satre

Klar hab‘ ich den gelesen. Sicher nicht alles und auch eher die Romane und Theaterstücke. Aber ich scheine aus einer anderen Zeit zu sein. Denn Satre – er ist kein ‚Gott‘ für mich, er ist keine ‚zentrale Figur‘, keine ‚Erweckung‘. Ich weiß, gerade von Älteren, die sich an ihm abgearbeitet haben, die noch heute mit Zitaten von ihm um sich werfen, als gäbe es kein Morgen mehr … mich hat er nie wirklich erreicht.

OK, das kann einfach daran liegen, dass ich ein bisschen dumm bin oder so, das kann aber auch einfach daran liegen, dass die Früchte, die er mit seinen Thesen und Diskussionen ermöglicht hat, von mir als selbstverständlich geerntet worden sind … oder aber auch das ich / wir / die Gesellschaft in der Zwischenzeit schon so abgestumpft sind, dass wir, wenn wir Satre lesen, denken: ach, noch einer.

Wäre jedenfalls mal eine abendliche Diskussion wert, was Satre heute noch zu sagen hat oder auch nicht. Frage ich mich: Finde ich noch drei, die Satre gelesen haben und gerne französischen Wein trinken?

* 1812: Iwan Alexandrowitsch Gontscharow

Nun, was schreiben?

Gontscharow = Oblomow = genial

Also, der nächste Winter kommt bestimmt. Und dann ab auf’s Sofa, nen Tee, nen Kaffee, was zum Knabbern, wie auch immer und dann:

In der Gorochowaja-Straße, in einem der großen Häuser, dessen Bewohnerschaft für eine ganze Kreisstadt ausgereicht hätte, lag Ilja Iljitsch Oblomow eines Morgens in seiner Wohnung im Bette.

Er war ein Mann von zwei- oder dreiunddreißig Jahren, von mittlerer Statur und angenehmen Äußern, mit dunkelgrauen Augen; aber seine Gesichtszüge zeigten einen Mangel an jeder bestimmten Idee und an jedem regen Interesse. Ein Gedanke flog wie ein freier Vogel über sein Gesicht, flatterte in den Augen umher, setzte sich auf die halbgeöffneten Lippen, versteckte sich in den Falten der Stirn, ging darauf ganz verloren, und dann verbreitete sich über sein ganzes Gesicht die warme, gleichmäßige Helle der Sorglosigkeit. Von dem Gesichte ging diese Sorglosigkeit auf die Haltung des ganzen Körpers über, sogar auf die Falten des Schlafrocks.

Manchmal verdunkelte sich sein Blick durch einen Ausdruck von Müdigkeit oder Langerweile; aber weder die Müdigkeit noch die Langeweile vermochten auch nur für einen Augenblick von seinem Gesichte die Weichheit zu verscheuchen, die der herrschende Zug, der Grundzug nicht nur seines Gesichtes, sondern auch seiner ganzen Seele war; seine Seele aber leuchtete hell und offen in seinen Augen, in seinem Lächeln, in jeder Bewegung des Kopfes und der Hände. Auch ein kühler, flüchtiger Beobachter würde, wenn er Oblomow im Vorbeigehen angeblickt hätte, gesagt haben: »Das muß ein guter Kerl, eine treue Seele sein!« Ein Mensch mit tieferem Blicke und wärmerem Herzen würde ihm lange ins Gesicht geschaut haben und, in angenehmes Sinnen versunken, mit einem Lächeln auf den Lippen weitergegangen sein.

Ilja Iljitschs Gesichtsfarbe war weder frisch und rot, noch auch gebräunt, noch auch geradezu blaß, sondern von unbestimmtem Charakter, oder wenigstens machte sie diesen Eindruck, vielleicht weil Oblomow in einer seinen Jahren gar nicht entsprechenden Weise aufgedunsen war: sei es infolge des Mangels an Bewegung, sei es infolge des Mangels an frischer Luft, vielleicht auch aus beiden Gründen. Überhaupt schien sein Körper, nach der matten, übermäßig weißen Farbe des Halses, den kleinen fleischigen Händen und den weichen Schultern zu urteilen, für eine Mannsperson gar zu sehr verzärtelt zu sein.

Seine Bewegungen wurden, selbst wenn er erregt war, durch eine gewisse Weichheit und durch eine einer eigenartigen Anmut nicht entbehrende Lässigkeit gemäßigt. Wenn eine Sorgenwolke aus seiner Seele über sein Gesicht dahinlief, so umflorte sich sein Blick; auf der Stirn erschienen Falten; Zweifel, Trauer und Besorgnis spielten auf seinem Gesichte; aber nur selten verdichtete sich diese Unruhe in Form einer bestimmten Idee, noch seltener verwandelte sie sich in einen Vorsatz. Die ganze Unruhe endete mit einem Seufzer und erstarb in Apathie oder in einem Zustande des Halbschlafs.

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