Durch die Zeit

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Gesucht!

Ein Pfannkuchenrezept! Ein gutes natürlich. Ich rühre meinen Teig immer frei Schnauze zusammen – was mal klappt, mal nicht. Aber gerade da hätte ich gerne ein bisschen mehr Kontinuität. Daher:

Wer hat ein gutes Pfannkuchenrezept (und verrät es auch)?

Heute probierte ich eins aus, was sich sehr praktikabel anhörte: 1 Teil Eier, 2 Teile Mehl, 3 Teile Milch plus Salz. Und wenn man Mehl und Milch zuerst verrührt und dann erst die Eier dazu gibt, dann gibt es auch keine Klümpchen. Auszubacken war der Teig sehr schön – aber er schmeckte einfach nicht wirklich, halt arg mehlig. (Und das Rezept stammt von einem Profi-Koch!) Da hat auch die Nuss-Butter nichts mehr reißen können.

Wer mir also helfen kann, der / dem sei heute schon gedankt. Ich würde mich mit einem einfachen (aber total schmackhaften) Nachtisch – Gelato al Café – revanchieren oder mit ’nem Schokokuchen, dem a) niemand wiederstehen kann und der b) Kalorien hat, die man nicht mehr zählen kann.

+ 1926: Rainer Maria Rilke

Winterliche Stanzen

Nun sollen wir versagte Tage lange
ertragen in des Widerstandes Rinde;
uns immer wehrend, nimmer an der Wange
das Tiefe fühlend aufgetaner Winde.
Die Nacht ist stark, doch von so fernem Gange,
die schwache Lampe überredet linde.
Lass dichs getrösten: Frost und Harsch bereiten
die Spannung künftiger Empfänglichkeiten.

Hast du denn ganz die Rosen ausempfunden
vergangnen Sommers? Fühle, überlege:
das Ausgeruhte reiner Morgenstunden,
den leichten Gang in spinnverwebte Wege?
Stürze in dich nieder, rüttle, errege
die liebe Lust: sie ist in dich verschwunden.
Und wenn du eins gewahrst, das dir entgangen,
sei froh, es ganz von vorne anzufangen.

Vielleicht ein Glanz von Tauben, welche kreisten,
ein Vogelanklang, halb wie ein Verdacht,
ein Blumenblick (man übersieht die meisten),
ein duftendes Vermuten vor der Nacht.
Natur ist göttlich voll; wer kann sie leisten,
wenn ihn ein Gott nicht so natürlich macht.
Denn wer sie innen, wie sie drängt, empfände,
verhielte sich, erfüllt, in seine Hände.

Verhielte sich wie im Übermaß und Menge
und hoffte nicht noch Neues zu empfangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
und meinte nicht, es sei ihm was entgangen,
verhielte sich wie Übermaß und Menge
mit maßlos übertroffenem Verlangen
und staunte nur noch, dass er dies ertrüge:
die schwankende, gewaltige Genüge.

Rainer Maria Rilke, Dezember 1913

* 1904: Alejo Carpentier

Meiner Meinung nach hätte er ohne jede Frage den Literaturnobelpreis bekommen sollen, denn er war nicht nur ein mächtiger Erzähler sonder auch ein politische Romancier, der gerade die südamerikansichen Verhältnisse mit dem Blick des Aufklärers durchleuchten konnte.

Dass ‚die Südamerikaner‘ eh ein Talent zum Erzählen haben, ist nichts neues, aber Carpentier konnte es besonders.

Daher empfehle ich einfach mal alles, was auf deutsch erschienen ist:

  • Das Reich von dieser Welt
  • Die verlorenen Spuren
  • Hetzjagd
  • Explosion in der Kathedrale
  • Die Methode der Macht
  • Barockkonzert
  • Le Sacre du Printemps
  • Die Harfe und der Schatten
  • Mein Havana

Und wer je noch ein Exemplar von „Barockkonzert“ bekommen sollte – ok, ok, ZVAB listet ne Menge zu niedrigem Preis an: Kaufen! Lesen! Es ist wohl die musikalischste Novelle der Literaturgeschichte und macht einfach nur Spaß, denn es ist zugleich ein Zeitreise: zu Beginn hat man es noch mit Händel  und Konsorten zu tun, die mitternachts in einem Mädcheninternat (!) ein Spontankonzert veranstalten, am Ende tönt dann Louis Amstrong.

+ 1989: Samuel Beckett

Was soll ich zu dem bloß sagen? Für mich nicht nur einer der größten Autoren überhaupt sondern mit Abstand auch der schönste.

Und da ja alle im Weihnachtsstress sind und nicht zum lesen kommen, nur noch soviel von ihm:

Die Sonne schien, weil sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues.

Samuel Beckett: „Murphy“

* 1917: Heinrich Böll

Es hat damals ein Jahr gedauert, bis ich realisierte, dass ich ja in der gleichen Stadt wohne wie Heinrich Böll, der damals aber schon tot war. Mit einem alternativen Stadtführer war die Wohnung von ihm schnell gefunden. Natürlich bin ich da hingepilgert, auch wenn es außer einem Wohnhaus nichts zu sehen gab.

Letztens habe ich mir sein Skandalroman „Ansichten eines Clowns“ nochmals angehört und die ganze Zeit darauf gewartet, was das Skandalöse sein sollte – denn ich fand einfach nichts. Ich habe echt nachlesen müssen, über was die sich damals so aufgeregt haben: Der Clowon lebt ohne Trauschein mit einer Frau zusammen (und wird wahrscheinlich sogar noch Sex mit ihr haben).

„Gruppenbild ohne Dame“ fand ich damals das beste von ihm – aber ich vermute ganz stark, es würde heute nicht mehr wirken. Der große Böll ist ganz schön aus der Zeit gefallen.

+ 1775: Jane Austen

Äh, was soll ich zu ihr sagen: Lesen.

Gilt gemeinhinlich als „Frauenliteratur“. Interssanterweise spricht nie jemand von „Männerliteratur“.

Und Austen muss man echt lassen: Die war in ihrer Schreibe, in ihren Charakterisierungen, im Aufbau aber sowas ihrer Zeit vorraus. Sie ist ne Zeitgenössein vom total übeschätzten Göthe. Und man lese einfach mal 15 Seiten von ihm und 15 Seiten von ihr (in freier Auswahl) – und jede/r Laie/in (nee! – ich werde einfach keine gendergerechte Geschreibserei machen, denn es gilt nach wie vor: Genus ist nicht Sexus!) wird auch ohne Studium merken, wie modern, wie geschmeidig, wie intelligent, wie psycholgisch sie geschrieben hat.

Manche, überwiegend für mich weibliche, Figuren von ihr (ha, Gott sei Dank habe ich gerade dem gernderInnen gerechten schreibweisen*innen abgeschworen, sonst müsste ich jetzt wohl auch nocht „Figurinen“ bzw. „FigurInInnen“ schreiben!) sind echt Topos.

Gehört zu der Autorenschaft (das ist gendergerecht), von der es viel zu wenig zu lesen gibt.

+ 1769: Christian Fürchtegott Gellert

Und, alle mal die Hand heben und hier „Hier“ tippen, die schon was von ihm gelesen haben. So richtig viel hat er nicht auf seiner Liste, aber allein der Titel „Die Betschwester“ hat es verdient, das er weiter genannt wird. „Die zärtlichen Schwestern“ habe ich mir mal reingezogen und natürlich „Das Leben der schwedischen Gräfin von G.“.

Wenn man so die Titel liest, könnte man meinen: Ein unbekannter de Sade. Aber weit gefehlt! Sehr weit sogar. Die ersten beiden Titel sind „Lustspiele“, was aber mit Sex so gar nix zu tun hat, und die „Schwedeische Gräfin“ ist ein zweibändiger Roman, dem die Ehre anheim fehlt, dem deutschsprachigen Roman eine kräftigen Schubs gegeben zu haben.

* 1901: Ödön von Horvath

Bin mir nicht ganz sicher, ob das auch so ein Pubertätsautor ist. Also einer, den man in der Pubertät verschlingt, auswendig kann und mit dem Alter schlichtweg vergißt. Seine Theaterstücke („Glaube, Liebe, Hoffnung“ wohl das bekannteste – ich hätte geschworen, es sei ein Roman, gut wenn man im Zweifel mal nachschlägt) wreden ja noch gespielt, und „Jugend ohne Gott“ oder „Der ewige Spießer“ sagt dem ein oder anderem auch noch was … aber er ist auch so einer, der ein bißchen aus der Zeit gefallen ist und wohl in 100 Jahren erst richtig wiederentdeckt werden muss.

Präsent ist er mir vorallem durch eine Sendung, die mal im HR2 lief. Ist schon Äonen her. „Musik schwarz weiß“ oder „Musik mit anderem Vorzeichen“ hieß sie und ein paar wenige Moderatorinnen und Moderatoren stellten zu einem Thema Musik aus alle Epochen zusammen. Da rockte Pink Flyod schon mal nach einer Partita von Bach, Janis Joplin röhrte vor Schubert … richtig krass geil war das.

Und da gab es eben eine Sendung die abmoderiert wurde mit dem Satz: „Der rote Faden, der heute ein schwarzer war.“ Denn es gab nur Musik von Leuten die eines nicht natürlichen Todes umgekommen sind. Horvath hat jetzt nicht komponiert, aber er wurde auch erwähnt, denn, als er endlich nach der Annektion Österreichs in Paris angekommen war, erschlug ihn am ersten Abend der Ast einer Kastanie auf der Champs-Élysées.

+ 1814: Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade

Wie nun auch immer – aber an dem kommt man nicht vorbei, wenn an auch nur fünf Cent Interesse an erotischer bzw. in seinem Fall oft / meist pornographischer Natur hat.

Ganz unter uns: Wenn ich ihn lese, bekomme ich ab Seite zwei oder drei so nen richigen Ständer, aber Seite vier oder fünf könnte ich über alles herfallen, was menschlich und geschlechtsreif ist und ab Seite sieben oder acht könnte man mir den ein oder anderen geilen Mann wahlweise noch geilerere Frau auf den Bauch binden und ich würde lieber Schach spielen wollen.

Sade ist das beste Beispiel, wie eine zu genaue Detailtreue, wie zu große Settings, wie viel zu viel Technik die Phantasie zusammenbrechen lässt.

Ich möchte aber klar festhalten, dass er das zu einer Zeit schrieb, wo vorehelicher Geschlechtsverkehr genauso sündig und auch im weltlichten Recht verboten (!) war, wie wenn man sich mal kurz einen runterholte. Dass er mit seinen Schriften daher zu den Aufklärern gehört (nicht nur sexuell sondern in erster Linie geistesgeschichtlich), darf in keinster Weise vergessen werden, auch wenn sein Werk für heutige Augen oft bemüht daher herkommt. (Denn über das, was er beschrieb, von dem gibt es heute Pornofilme in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen mit genauesten Details. Aber? Wer hat’s erfunden? Die Menschen! Und de Sade war der erste akribische Chronist. Also: Ehre, wem Ehre gebührt.)

Und auch mal ganz deutlich: „Die Philosphie im Boudoir“ (1795) sollte nun echt jede/r gelesen haben, die / der meint, sich über Sexualität und Moral moralisch auslassen zu müssen. Wer es nicht gelesen hat, möge bis dahin bitte einfach mal die Klappe halten.

+ 1935: Fernando Pessoa

Lesen! Lesen! Lesen!

Und zwar „Das Buch der Unruhe“. Früher für viel Geld bei Amann, jetzt gibt es eine preisgünstige Taschenbuchausgabe (die aber naturgemäß nicht so schön sein kann, wie die Ausgabe bei Ammann, für die man heute um die 30 Euro hinlegen muss).

Pessoa ist Verantwortlich für Zitate wie:

Könnte das Herz denken, stünde es still.

***

Zwei Menschen sagen „ich liebe dich“ oder denken und fühlen es gegenseitig, und doch verbindet jeder damit eine andere Vorstellung, ein anderes Leben, vielleicht sogar eine andere Farbe, ein anderes Aroma oder einen anderen Duft innerhalb der abstrakten Summe von Eindrücken, die das Seelenleben ausmacht.

***

Ein wahrhaft sensibler und vernünftiger Mensch versucht naturgemäß, wenn ihn Übel und Ungerechtigkeit der Welt bekümmern, zunächst dort gegen sie anzugehen, wo sie am deutlichsten zutage treten, nämlich bei sich selbst. Und damit wird er sein Leben lang beschäftigt sein.

Und mein absolut-absolutes bestes Lieblings-Knutsch-Zitat:

„Jede Straße, sogar diese Straße von Entenpfuhl trägt dich ans Ende der Welt.“ Doch das Ende der Welt ist, sobald man die Welt vollständig umkreist hat, das gleiche Entenpfuhl, von dem man ausgegangen ist. In Wahrheit ist das Ende der Welt wie ihr Anfang unsere Auffassung von Welt. In uns sind die Landschaften Landschaft. Deshalb erschaffe ich sie, indem ich sie mir vorstelle; wenn ich sie erschaffe, sind wie; wenn sie sind, sehe ich sie wie die anderen. Wozu reisen? Wo wäre ich in Madrid, in Berlin, in Persien, in China oder an beiden Polen ander als in mir selbst und in Typ und Art meiner Wahrnehmung?

Sicher kein Buch, was man wie einen Roman so runter liest, dafür ist es einfach zu schwer, zu heftig, erfordert zu viel Aufmerksamkeit. Aber immer mal wieder einen Abschnitt – herrlich, weil man oft „Ja“ schreit, „endlich sagt es mal jemand“ oder weil man stumm davor sitzt und denkt „Wie meinen Herr Pessoa?“.

Von was ich übrigens bei Pessoa abrate sind seine Briefe. Es ist unglaublich, wie einer das „Buch der Unruhe“ schreiben kann und dann in seinen Briefen eine Einfachheit und Navität an den Tag legt, vor der man einfach nicht lesen will.

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