Durch die Zeit

Kategorie: Aus dem Regal

Lukretz: Über die Natur der Dinge

Heute nur die beiden Vorworte gelesen. Wird nicht wirklich einfach werden. Aber es hört sich echt vielversprechend an. Ich freu‘ mich richtig drauf.

Hat es heute morgen gegeben?

So ein Tag halt, von dem man nächste Woche schon gar nicht mehr weiß, ob er überhaupt gewesen ist. Immerhin im bösen Internet drei Bücher von meiner Wunschliste gefunden und downloaden können.

Resümee: Peter Weiss

Auf Wunsch von E. noch ein letzter Abend zur „Ästhektik des Widerstands“ von Peter Weiss. Nach 1 3/4 Jahr der Lektüre die Resümees der Teilnehmenden. Es verwundert nicht, dass die von I. und K. positiv ausfallen, auch H. hat nichts zu möppern. Von ihr hätte ich dann schon ein paar Spitzen erwartet – aber vielleicht ist es die Milde des Alters bei ihr. E. macht es letztendlich sehr diplomatisch – also wesentlich dipomatischer als ich – und benennt sehr geschickt umschrieben die Schwachstellen, scheut sich aber dann doch, diese zusammenzufassen.

Das mein Resümme dann bei I. und K. auf Protest stoßen wundert mich nicht, denn ich formuliere zusammenfassend: „Ein gescheiteter Solitär“. Darin ist in meinen Augen alles enthalten. Inhaltlich ist die Ästhetik wirklich ein Solitär, denn ich kenne kein Roman / Buch, was sich so intensiv, faktenreich und menschlich mit dem Widerstand im 3. Reich literarisch auseinandersetzt. Gescheitert, weil die über 1.000 Seiten einfach nicht funktionieren. Es gibt Seiten, die nahezu genial sind, dann Strecken, die sich wie abgeschrieben aus dem Notizbuch anmuten.

Alleine hätte ich – und ich bin hart im nehmen, was Literatur betrifft – nicht durchgehalten, definitiv nicht. Andererseits bin ich ganz froh, es mit Hilfe der Gruppe es geschafft zu haben. Denn ein weiteres Buch aus der Reihe „Weltbekannte Bücher, die kaum jemand gelesen hat“ gehört bei mir nicht mehr dazu.

Wanted!

Im Briefkasten ein Umschlag. Darin ein Büchergutschein. Nicht von schlechten Eltern. Bloß: Von wem? Kein Gruß, keine Nachricht. Im Buchladen die Auskunft, man könne das gar nicht rückverfolgen bei Bargeschäften. Jetzt darf ich (wieder) suchen. Oder meldet sich hier jemand freiwillig?

Lumumpe

Bis heute Abend kannte ich das auch nicht. Ist was zu Essen. HIER das Rezept von der tollen Kochpoetin. Man braucht halt drei Töpfe und eine Pfanne – etwas viel für das eher einfache Gericht. Und da wir keine Worcestershiresauce haben, war es der Hit nun nicht – aber mal was anderes.

Bis Freitag muss ich mich eh noch nach neuen vegetarischen Rezepten umsehen und für den Dezember muß ja noch ein großes Geburtstagsessen her. Schade, dass ich bei der Arbeit das Internet nicht privat nutzen kann.

Ansonsten bin ich gerade irgendwie so ein bisschen neben mir mit ohne Grund.

Bevorteilt

Beim Prüfungstag heute tauchte ein Prüfling auf, den die Natur, wie meine Mutter es ausdrücken würde, echt bevorteilt hat. Selten so einen schönen, ästhetischen jungen Mann (23) gesehen – ohne das er ein Schönling wäre – mit einer echt tollen Stimme und einer echten Eleganz in der Bewegung. Dazu sowas wie verschmitzer Witz im Prüfungsgespräch aber auch brennende Leidenschaft für sein Gewerk: Boots- und Schiffbau. Der Prüfungsvorsitzende und ich mussten uns zwar nach der praktischen Unterweisung erst nochmals erklären lassen, was er denn da gerade unterwiesen hatte – Bootsbau weißt dann doch eine Komplexität auf, die zumindest ich bis dato komplett unterschätzt habe – aber dennoch war uns klar, dass er im echen Leben jeden Azubi für die Sache entflammt. Mich hat es echt fasziniert, mit welcher Akribie, mit welcher Zwanghaftigkeit, mit welchem Perfektionismus aber zugleich mit welcher Lust er da seinen Azubi erklärte, wie er welches Maß zu übertragen hätte (dazwischen so tolle Begriffe wie „Wasserlinie“ (was ist das?), „Spantenriss“, „Mallkante“ und vorallem „Strak“!) So ein Typ, der Wissen saugt und dem ich zutraue, es dann nicht nur einfach umzusetzen, sondern es kreativ weiter zu bearbeiten. Ich war jedenfalls komplett fasziniert von ihm und – zugegeben – nicht mehr ganz objektiv. Dass er dann aber die 45 Punkte im Mündlichen machte, ist dem Prüfungsvorsitzenden geschuldet, ich hätte ’nur‘ 40 gegeben.

Sei’s drum. Es war einfach ein Genuß und ich war etwas traurig zu wissen, dass ich eben jetzt in einer Altersklasse bin, die ihn kaum interessiert. Von da ist es dann ja echt nicht mehr weit zu ‚meinem‘ Höderlin:

Sokrates und Alcibiades

»Warum huldigest du, heiliger Sokrates,
Diesem Jünglinge stets? kennest du Größers nicht?
Warum siehet mit Liebe,
Wie auf Götter, dein Aug‘ auf ihn?«

Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste,
Hohe Jugend versteht, wer in die Welt geblickt,
Und es neigen die Weisen
Oft am Ende zu Schönem sich.

Friedrich Hölderlin

(Zur Info: Alcibiades galt als einer der schönsten Männer, wenn nicht der schönste überhaupt, im ollen antiken Griechenland. Wie im „Symposion“ von Platon nachzulesen, war Alcibiades aber total frustriert, dass Platon auf seine Avancen nicht eingegangen ist, obwohl diese Form der ‚Liebe‘ damals unter den Hochgestellten gang und gäbe war. Überhaupt: „Symposion“ ist ein echt guter, auch gut lesbarer Text zum Thema Liebe und Leidenschaft – ohne Einschränkungen empfehlenswert (nun ja, es könnte zu Erkenntnisgewinn führen, als dann doch: „Erkenntnisgewinnwarnung!“.)

FINIS – Peter Weiss: Ästhetik des Widerstands

2018-10-16 20.35.10
Beginn Lektüre für Lesekreis: April 2017
Anzahl gelesene Seiten: 1.199
Dauer Lektüre geschätzt: 60 Stunden
Anzahl Treffen Literaturkreis: 23
Anzahl Stunden Gespräch über Lektüre im Literaturkreis geschätzt: 85
Anzahl Seiten Notizen: 17
Länge Unterstreichungen geschätzt: größer 100 Meter
Derweil getrunkenen Flaschen Weißwein (alle) geschätzt: 25
Derweil getrunkenen Flaschen Bier (alle) geschätzt: 52
Derweil getrunkenes Wasser (alle) geschätzt: mehr als 100 Liter
Derweil verspeiste Pistazien (alle) geschätzt: 5,75 Kilogramm
Derweil verspeistes Studentenfutter (alle) geschätzt: 7,8 Kilogramm
Derweil verspeiste Tomaten (alle): 4
Anzahl der von Teilnehmenden gemachten Kopien für die andren geschätzt: 670
Anzahl der gelesenen Kopien von den Teilnehmendne geschätzt: 35
Höhe des Erkenntnisgewinns: nicht darstellbar.

Das muss mal gesagt sein

Wolfram von Eschenbach ist klasse! Aber sowas von. OK, mit den Namen, da hat er nicht so ein glückliches Händchen, aber wer ist schon perfekt?

Ich bin wirklich erstaunt, mit welcher Rafinesse und Ironie er da seinen fetten (bezogen auf die Seitenzahl) Prazival geschrieben hat. Sehr auffallend finde ich, dass Frauen wie Männer in ihrer jeweiligen Schönheit, wenn sie es denn sind, beschrieben werden und da keine Verklemmtheit herrscht, auch mal einen Jungen hübsch zu finden. So werden dann auch nicht nur die Roben der Frauen beschrieben, sondern auch der feine Schnitt so mancher Uniform. Das ist echte Gleichberechtigung.

Immer wieder bringt er gar keine schlechten Vergleiche, aber im 8. Buch ist es dann doch mit ihm etwas durchgegangen. Da hat einer seiner Nebenhelden, Gawan, ein Techtelmechtel mit einer Königstochter – ist natürlich nicht statthaft zu dieser Zeit und es kommt so richtig zum Krach. Beide müssen sich jedenfalls handgreiflich verteidigen. Während sie lauter Sachen aus dem Turm auf die ‚Angreifer‘ schmeißt, wehrt er sich mit einem Schachbrett (!). Mitten im Kampf, quasi als retatierendes Moment, hat Eschenbach bzw. Gawan noch ausreichend Zeit, um die Königstochter wohlwollend zu betrachten. So heißt es dann:

Und was tat Gawan? Immer wenn er einen Augenblick Muße hatte, so schaute er das Mädchen an, ihren Mund, die Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem Bratspieß könnte euch eine elegantere Figur machen, das glaube jedenfalls ich, so war sie gebaut da zwischen Brust und Hüfte.

Ihr Leib kommte sehr wohl Gelüste nach ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt ihr finden, die eine bessere Taille zu bieten hätte als sie dort, so ihr Gürtel lag.  … Gawan kümmerte die Wut der Finde sehr wenig, wenn er das Mädchen erblickte; darum verloren viele von ihnen den Leib.

Eschenbach, Wolfram von: Prazival. Übersetzung Peter Knecht. Berlin / New York (Walter de Gruyter) 2003, S. 413f

Komm in den totgesagten park

Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb – das weiche grau
Von birken und von buchs – der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz
Vergiss auch diese letzten astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Stefan George

F.W.N.

In Vorbereitung auf das Musil-Projekt lese ich gerade eine Biographie zu Friedrich Wilhelm Nietzsche. Entweder ist seine Philosophie so ein bisschen ‚durch‘ oder ich steig da nicht wirklich durch. „Also sprach Zarathustra“ habe ich ja vor ein paar Monaten schon mal gelesen und entschlossen, dass es absolut nix für mich ist. Auch da bin ich nicht wirklich durchgestiegen oder war mir permanent unsicher, ob er das wirklich so meint, was er schreibt, oder ob ich da etwas ‚Verstecktes‘ übersehen / überlesen habe – oder aber ob ich einfach zu doof für ihn bin.

Noch habe ich gut 100 Seiten, vielleicht kommt ja noch die Erhellung. Und wenn nicht, dann schlage ich mich halt so durch Musil, habe ich ja bei der ersten Lektüre auch getan.

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Gedanken zu Büchern und dem Leben

Neues aus Absurdistan

Ist es möglich, sehenden Auges die Absurditäten unserer Zeit wahrzunehmen, ohne daß einem der Mund überfließt?

Musil lesen

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