Durch die Zeit

Kategorie: Aus dem Regal

Ja was denn?

Zur Zeit weiß ich gar nicht so richtig, was ich hier bloggen soll. Im Alltag ist – was gut ist – eher wenig los. Keine richtigen Aufreger, alles plätschert so vor sich hin.

Die intrapsychischen Prozesse sind nach wie vor im Gang, aber das irrlichtert mehr, als dass ich da konkret was dazu schreiben könnte. Und meine Alpträume stehen in einem extra Dokument, die muss ich hier niemanden zumuten.

Immerhin heute mal einen Termin mit einer Ärztin ausgemacht, die mir jemand aus der Therapiegruppe empfohlen hat. Anfang Februar schaue ich sie mir an in der Hoffnung, dass ich „mit ihr kann“. Denn ich brauch‘ jemand, der mir einen guten Rhea-Antrag stellt – und einen Hausarzt / eine Hauszärztin zu haben ist ja auch nicht falsch. (Meine ehemaliger hat es ja vorgezogen, Expeditionsschiffsarzt zu werden.)

Oder sollte ich mir auch so ein Spielzeug anschaffen?

Jedenfalls schiebe ich heute nach ein paar Monaten Pause mal wieder einen Nachtdienst und komm so auf den ein oder anderen Alptraum rum.

Und der Hölderlin ist heute gekommen. Vielleicht doch mal alle seine Briefe lesen? Die an Neuffer las ich ja als Student mit Begeisterung. Damals war halt der Freundschaftskult hoch im Kurs. Da wimmelte es nur so von „Herzen“ und „Busen“ und „Armen“ und „Seelen“. Klang ganz schön schwul – kein Wunder, dass ich mich damals darauf gestürzt habe. Hölderlin als Coming-out-Helfer – das hätte er sich auch nicht gedacht.

8.004

Um mein ‚Lebensziel‘ zu erreichen – 3.000 gelesene Bücher – fehlen jetzt nur noch 8.004 Stunden Lesezeit. Das ist die gute Info, die ich heute aus dem neu aufgesetztem Excel-Sheet gezogen habe.

Die nicht so gute Info: Bei meiner jetzigen Lesegeschwindigkeit von 46 Seiten pro Tag im Durchschnitt, brauche ich dafür noch 16,9 Jahre.

Ich sollte vielleicht doch mal meinen Bücherschrank durchgehen und schauen, welches Buch ich in der Liste vergessen habe.

Jahresrückblick / Literatur / TOP 5

In meinem vorigen Blog habe ich am Ende des Jahres einen statistischen Rückblick gegeben: soundsoviele Bücher gelesen, soundsooft geheult, soundsooft Sex gehabt, soundsovielmal schwimmen gewesen … Natürlich waren so gut wie alle Zahlen hingefühlt … aber warum erzähle ich das?

Egal: Kurzer Rückblick auf das Lesejahr 2020

27.299 Seiten in 62 Büchern gelesen. [Und das sind nicht hingefühlte, sondern fein säuberlich dokumentierte Daten.] Zahlenmäßig ein sehr gutes Jahr – aber an wirklich guten Büchern hat es ganz schön gemangelt, in der Hinsicht war 2019 äußerst schwach, selbst die preisgekrönten hatten vor mir wenig Bestand. So führen die TOP 5 drei definitiv ältere Bücher an, auf Platz 4 dann das einzige Buch aus deutscher Feder von diesem Jahr. Aber guckt selbst:

  1. Lukrez: De rerum naturaBisschen über 2.000 Jahre alt, erst vor 600 Jahren zufällig wieder entdeckt, eine Art erste Atomtheorie mit Erläuterungen, wie man ein gutes Leben führen sollte. Einiges nun wahrlich veraltet – aber alles andere: Bedenkenswert.
  2. Victor Klemperer: Tagebücher 1933-19451.400 Seiten für keine 20 Euro. Wenn das kein Schnäppchen ist. Aber das ist auch das schwächste Argument, was man hierfür benutzten sollte. Die Tagebücher sind ein wirklich ergreifendes Zeitdokument. Und wenn mir heute einer kommt, man hätte das nicht nicht wissen können oder das war doch alles nicht so schlimm, dem schlage ich mit den beiden Bänden auf den Kopf, falls er sie nicht freiwillig liest. Es ist viel Stoff – aber er lohnt. Auszüge gibt es auch als Hörbuch, wirklich, das lohnt!
  3. T.C. Boyle: WassermusikSchon fast ein alter Schinken. Aber wer die perfekte Sommerlektüre braucht, hier ist sie. Unterhaltsam, lustig, komisch, erotisch (na ja), historisch, frisch, dramatisch, sozialkritisch, sprachmächtig, …
  4. Lucy Fricke: TöchterMich wundert es selber, dass es bei mir soweit oben gelandet ist, aber … Eigentlich ein Roman, der auf den ersten Blick ganz locker daher kommt, dann aber mit Tiefe überrascht. Auch wenn es sich jetzt ’schwer‘ anhört – passt auch gut in den Urlaub.
  5. Roberto Saviano: Die LebenshungrigenMan sollte davor „Clan der Kinder“ gelesen haben, sonst wird es a) nicht ganz verständlich und b) nimmt man sich auch eine Menge. Eine herausragende Studie über prekäre Jugendliche in Neapel und zugleich eine Einführung in die Funktionsweise von Mafiastrukturen – dabei auf hohem literarischen Niveau. Nicht zuletzt für mich der Auslöser, im März nach Neapel zu fahren.

H.H.J.: FoU

Mein Freund E. ist ja immer mal für eine Überraschung gut. Aber seine Antwort auf meine Frage heute, was er denn lese, war ich so gar nicht vorbereitet. Ich gestehe, ich habe es im ersten Moment auch nicht glauben können sowie auch nicht geglaubt bzw. nicht glauben wollen.

Ich zähle mich in der Zwischenzeit schon wirklich zu der kleinen Gruppe von Hardcore-LeserInnen, denen Romane von um die 1.000 oder 2.000 Seiten nichts ausmachen. Und wenn das dann auch noch so sperriges Zeugs ist (Musil: Der Mann ohne Eigenschaften) oder einfach nur so dahin plätschert (Voskuil: Das Büro) – egal, das wird einfach weggelesen.

Gescheitert bin ich bisher nur an Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ und kurz vorm‘ Scheitern war eben das 1.900-Seiten-Werk, was E. gerade liest: Hans Henny Jahn: Fluss ohne Ufer.

FoU ist schon ein ganz besonderes Machwerk, autobiographisch angehaucht, vollkommen verschämt verschwult und mit Lebensthesen, die echt nur in der Entsteheungszeit zu ertragen waren. Ein Stück Literatur, das man nicht lesen sondern an dem man sich nur abarbeiten kann – mit viel Aufwand und Kraft und Zeit.

Schön, dass ich mit meiner Leküre jetzt nicht mehr alleine dastehe, auch wenn ich, um mit ihm richtig diskutieren zu können, vielleicht es nochmals schnell …

3.253 Schritte

Fauler Tag. Na ja, immerhin zehn Hemden gebügelt, zwei Rechnungen bezahlt und ein paar Seiten im Thukydides geschafft. Das geht leider nur mit Internet, denn wo diese antiken Völker und Städte genau lagen — ich weiß das einfach nicht, aber finde es aber schon wichtig zu wissen, wo das in etwa ist, wenn die da dauernd Krieg führen. Bin leicht überrascht, dass der Text, immerhin 2.400 Jahre alt, bei mir ankommt.

Im Radio heute morgen wieder Nele Neunmalklug-Besserwisser gehört, die auf ihre unsägliche Art, jeden Sonntag ein Buch vorstellt. Ich wollte dann doch wissen, über was sie ihr Geschwätz da gegossen hatte: George Eliot: Middelmarch. Gleich bestellt als ich nachlas, dass es ein der wichtisten britischen Romane ist. Und ab 1.000 Seiten aufwärts bin ich ja eh immer dabei.

 

Derb aktuell

Wir wissen nicht was passiert, wenn die Dinge sich verändern, aber wissen wir was passiert, wenn sie sich nicht verändern?

Elias Canetti

Moderne Zeiten

Und ich kanns irgendwie auch genießen. Zu Beginn meiner Beziehung mit meinem jetzigen Mann hätte man die Jahresteebestellung möglicherweise erst frühestenes morgen abschicken können, wenn man dann die Briefmarke für die Bestellkarte gekauft hätte, falls man keine zur Hand gehabt hätte. Heute ist es ein Formular im Internet.

Genauso für ein Teil – Gott ist mir das peinlich – dass ich auf dem gleichen Weg heute für ein paar Euros bestellt habe.

Und als A. heute Abend fragte, ob ich ihm was zum Lesen empfehlen könnte … bißchen Darknet, bisschen Dropbox, bisschen Mail – und bevor er zu Hause angekommen ist (ok, da braucht er zwei Stunden dafür) hat er alles.

Ich schimpfe nicht darüber.

Oh Arno – Arno, Du!

Die Welt ist groß genug, dass wir alle darin Unrecht haben können.

Haltbarkeitstest

Im zweiten Programm des Hessischen Rundfunks gibt es eine richtig gute, viel zu selten gesendete Literatursendung mit dem (mir unerklärlichen) Namen „Schöne Aussicht“. Neben den drei, vier Neuerscheinungen müssen die Teilnehmenden auch immer ein Buch lesen, das schon ein paar Jahre oder ein paar wenige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wenn ich mich recht entsinne firmiert dass dann unter „Haltbarkeitstest“. Die Frage: Hat ein Buch, was – sagen wir mal – vor 15 Jahre ein echter Aufreger war, heute noch Bestand? Sagt es noch was? Oder ist es schon veraltet?

Im Lesekreis lesen wir gerade „Tod des Vergils“ von Hermann Broch. Den Haltbarkeitsstest hat es definitiv nicht bestanden. Nach den ersten 200 Seiten haben wir heute beschlossen, nur noch die das Ende (ca. 30 Seiten) zu lesen und die dazwischenliegenden 200 Seiten zu überspringen (vielleicht finde ich ja ne gute Zusammenfassung irgendwo). Der Roman ist sicher ein wichtiges literaturhistorisches Zeugnis, aber aus dem Heute eine sehr anstrengende und wenig lohnende Zumutung.

Broch / Vergil bekommt jetzt noch einen großen Abschlussabend, dann werden wir wohl mit was „dünnem“ von Thomas Bernhard weitermachen und uns dann dem Gilgamesch Epos – auch nicht gerade dick – ergeben.

Selber dran schuld

Fast den ganzen Tag am Schreibtisch. Ich war so naiv und habe Verein 1 angeboten, nächsten Dienstag zum ‚Weltsuizidpräventionstag‘ das Buch von Thomas Macho „Das Leben nehmen – Suizid in der Moderen“ in einer dreiviertel Stunde vorzustellen. Aber wie fasst man über 400 Seiten angemessen zusammen? Ich sollte in Zukunft etwas vorsichtiger sein mit solchen Angeboten.

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... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)