Durch die Zeit

Kategorie: Aus dem Regal

Derb aktuell

Wir wissen nicht was passiert, wenn die Dinge sich verändern, aber wissen wir was passiert, wenn sie sich nicht verändern?

Elias Canetti

Moderne Zeiten

Und ich kanns irgendwie auch genießen. Zu Beginn meiner Beziehung mit meinem jetzigen Mann hätte man die Jahresteebestellung möglicherweise erst frühestenes morgen abschicken können, wenn man dann die Briefmarke für die Bestellkarte gekauft hätte, falls man keine zur Hand gehabt hätte. Heute ist es ein Formular im Internet.

Genauso für ein Teil – Gott ist mir das peinlich – dass ich auf dem gleichen Weg heute für ein paar Euros bestellt habe.

Und als A. heute Abend fragte, ob ich ihm was zum Lesen empfehlen könnte … bißchen Darknet, bisschen Dropbox, bisschen Mail – und bevor er zu Hause angekommen ist (ok, da braucht er zwei Stunden dafür) hat er alles.

Ich schimpfe nicht darüber.

Oh Arno – Arno, Du!

Die Welt ist groß genug, dass wir alle darin Unrecht haben können.

Haltbarkeitstest

Im zweiten Programm des Hessischen Rundfunks gibt es eine richtig gute, viel zu selten gesendete Literatursendung mit dem (mir unerklärlichen) Namen „Schöne Aussicht“. Neben den drei, vier Neuerscheinungen müssen die Teilnehmenden auch immer ein Buch lesen, das schon ein paar Jahre oder ein paar wenige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wenn ich mich recht entsinne firmiert dass dann unter „Haltbarkeitstest“. Die Frage: Hat ein Buch, was – sagen wir mal – vor 15 Jahre ein echter Aufreger war, heute noch Bestand? Sagt es noch was? Oder ist es schon veraltet?

Im Lesekreis lesen wir gerade „Tod des Vergils“ von Hermann Broch. Den Haltbarkeitsstest hat es definitiv nicht bestanden. Nach den ersten 200 Seiten haben wir heute beschlossen, nur noch die das Ende (ca. 30 Seiten) zu lesen und die dazwischenliegenden 200 Seiten zu überspringen (vielleicht finde ich ja ne gute Zusammenfassung irgendwo). Der Roman ist sicher ein wichtiges literaturhistorisches Zeugnis, aber aus dem Heute eine sehr anstrengende und wenig lohnende Zumutung.

Broch / Vergil bekommt jetzt noch einen großen Abschlussabend, dann werden wir wohl mit was „dünnem“ von Thomas Bernhard weitermachen und uns dann dem Gilgamesch Epos – auch nicht gerade dick – ergeben.

Selber dran schuld

Fast den ganzen Tag am Schreibtisch. Ich war so naiv und habe Verein 1 angeboten, nächsten Dienstag zum ‚Weltsuizidpräventionstag‘ das Buch von Thomas Macho „Das Leben nehmen – Suizid in der Moderen“ in einer dreiviertel Stunde vorzustellen. Aber wie fasst man über 400 Seiten angemessen zusammen? Ich sollte in Zukunft etwas vorsichtiger sein mit solchen Angeboten.

Musil lesen – #486

Ich war schon etwas überrascht, als ich das Foto zwischen Seite 492 und 493 entdeckt habe. Keine Erinnerung daran, es in den „Mann ohne Eigenschaften“ gelegt zu haben.

Aber es passt.

Denn die Erstletüre datiert auf August 1986. Und da es zu diesem Foto noch eine Reihe von anderen gibt ist klar, dass ich damals mit M. (hier auf Bild) auf dem Berghaus war (um als bekennender Hetero mit ihm ständig Sex zu haben).

Ohne dieses Beweise hätte ich mir das heute alles komplett anders zusammengereimt, vorallem, dass mit M. Ich meine mich zu erinneren, dass wir uns nur unendlich zögerlich aneinander angenähert haben. Aber so ist klar, dass ich mit 1986 definitiv das Thema Homosexualität auf der Pfanne hatte – und dann noch acht (!!!) Jahre bis zu meinem Coming-out brauchte. Heftig, heftig.

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Leseempfehlung

Die Überschrift über diesen Post hätte „Ist das so schwer zu kapieren?“ lauten sollen. Und gäbe es hier Untertitel, dann hätte es noch vielleicht gehießen: „Frage an die AfD und sonstige Rechten“.

Als Text wäre dann dieses Zitat von Heinrich Detering gestanden, was ich heute in seiner kleinen Schrift „Was heißt hier ‚wir‘? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten“ (Reclam, Stuttgart, 2019) gefunden habe:

Deutschland ist so heidnisch wie die Merseburger Zaubersprüche, so evangelisch wie Luther, so katholisch wie Ratzinger und so antichristlich wie Nietzsche, so jüdisch wie Martin Buber und so muslimisch wie Navid Kermani; Deutschland ist so mystisch wie Hildegard von Bingen und so aufklärerisch wie Immanuel Kant; so romantisch wie Eichendorff und Bettine von Arnim und so antiromantisch wie Marx und Engels; so männerliebend wie August von Platen und so straight wie Heinrich Heine – die Reihe wäre wahrhaft unendlich fortzusetzen, und es ist beinahe peinlich, daran überhaupt erinnern zu müssen. (S. 34f)

Aber die Frage ist wohl einfach falsch. Denn die Rechten wollen das gar nicht kapieren. Sie wollen vielmehr sich aus Versatzstücken ein ‚Deutschland‘ zusammenbauen, dass frei von jeglichem Welt- und Realitätsbezug ist. Wenn die Rechten etwas wollen, dann ist es die abgespeckte, vereinfachte und verkitschte Hollywood-Variante der Märchen der Brüder Grimm.

Dieser kurze und wirklich lesenswerte Text von Detering – der dann doch erstaunliche sechs Euro kostet für die 41 Reclamseiten des eigentlichen Textes – hat mir jedenfalls die Augen geöffnet, wie rechts die AfD schon ist. Ich lese ja zur Zeit eine dicke Geschichte des Nationalsozialismus – und mit ein bisschen zeitlichen Aufwand wäre es einfach, Zitate von Hitler, Gauland, Höcke und Konsorten zu finden bei denen, ständen die Namen nicht darunter, nur schwer zu erkennen wäre, von wem sie stammten.

Mir hat Detering jedenfalls einen guten Tritt in den Arsch gegeben, wieder genauer hinzuhören und Wörter und Begriffe, Satzkonstruktionen und Analogien kritischer zu hinterfragen. Denn hinter dem wortreichen Getöse verbrigt sich echt eine heftige Fratze.

Auf Nummer sicher

Mit der Lektüre für den Urlaub bin ich vollumfänglich auf der sicheren Seite. (2.300 + 3.000 + 1.500 Seiten.)

Mit den Hörbüchern für den Urlaub bin ich vollumfänglich auf der sicheren Seite. (45 + 120 Stunden.)

Wir wir gerade festgestellt haben, werden wir nicht nur einen Kühlschrank in der Nudistenhütte haben, sondern auch einen Fernseher. Das verspricht sicher gekühlten Weißwein mit einem sicher durchschnittilchem Programm, aber da wir im Urlaub generell Fernsehabstinent sind … .

20 Kilometer entfernt ist ein Sternerestaurant und mein Mann will sich bemühen, da noch einen Tisch wegen gestern zu bekommen, was sicher nicht einfach werden wird, aber es soll dort auf dem Marktplatz einen netten Weinstand geben, der, so wurde mir versichert, angenehme Weine kredenzt.

Und wenn wir unsere ganzen Ladekabel nicht vergessen (samt den Geräten, die damit geladen werden) … dann wird das sicher einfach ein guter Urlaub.

Geiz ist nicht geil

Irgendwie bin ich schon eigenartig. Oder einfach nur geizig? Ich verdiene zwar nicht wirklich viel, aber es ist irgendwie OK, den viel brauche ich echt nicht. Zwar gäbe es so noch ein paar Wünsche, aber die gehen dann gleich in die Tausende – eine Region, in die ich eh nicht mehr kommen werde.

Urlaub steht an, meine Panik, nicht genug zum Lesen dabei zu haben wächst immer mehr, auch wenn wir ja in Deutschland bleiben, es dort auch Internet gibt … aber da steckt noch der Urmensch in mir drinnen, ohne Internet.

Die Bücherwunschliste ist voll, die Kosten lägen bei 130 Euro oder so und dennoch zögere ich, schaue, was ich mir noch vielleicht irgendwie runterladen könnte.

Heute gab es überraschend Geld für eine Kochaktion von vor ein paar Wochen: 350 Euro. Aber anstatt jetzt „Juhu“ zu schreien und die Bücher zu bestellen, bleibe ich skeptisch.

Liegt es daran, dass ich einem E-Book keinen Wert zu spreche, obwohl es ja der gleiche Inhalt ist? Papierbücher will ich mir wegen Platz nur dann noch kaufen, wenn sie mir wirlich wichtig sind und ich vorhabe, in sie auch zu schreiben, Notizen zu machen etc.  Oder liegt es daran, dass ich jetzt ein paar Jahre auch ganz gut damit ausgekommen bin, keine Bücher zu kaufen?

Andererseits, was habe ich davon, wenn ich die 350 aufs Sparbuch lege und „fürs Alter“ neheme, wo ich ja eh nicht weiß, ob ich es erreiche bzw. ob ich da dann nicht dement bin?

Ich lasse es erstmal sacken – und richte mich für’s nächste Kochevent: Langosch über offenem Feuer für 50 Personen.

It’s Bloomsday!

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Anne berichtet über Ihre Erfahrungen in den Büros der Schweizerischen Finanzdienstleister. Ebenso lässt sie euch an ihrem bunten Leben teilnehmen.

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Ich vertrete eine Meinung, die nicht immer die der Mehrheit sein muss. Sollte meine Meinung mit anderen übereinstimmen ist es auch gut. Ich blogge zum Spaß und nicht um die Welt zu verändern.

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Es geht weiter - Ein literarisches Tagebuch

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