Durch die Zeit

Kategorie: Aus dem Regal

Seit gestern gibt es auch Punkte

Seit meiner Studienzeit schreibe ich ja zu jedem gelesenen Buch ein paar Zeilen (oder Seiten). Habe ich von E. übernommen. Ist zwar manchmal echt anstrengend, aber dafür sind jetzt vier Aktenordner fast voll.

Zusätzlich gibt es seit gestern auch Punkte. Das war die Denksportaufgabe im Urlaub. Noch nicht ganz ausgereift in der Beschreibung, aber als ich gestern wieder zu den Büchern geschrieben habe, zeigte sich das als ganz brauchbar.

10 Weltliteratur, oder was ich dafür halte nicht diskutieren: sofort lesen!
9 Gerade so doch keine Weltliteratur
8 Anwärter auf „Buch des (aktuellen) Jahres“ klar lesen
7 Gehört wirklich zu den bessern
6 Hat was! lesen
5 OK
4 Soweit ganz OK, auch wenn nicht gerade die Erhellung muss echt nicht sein
3 Gut gemeint – dann aber doch nicht gekonnt
2 Es hätte viele, viele Alternativen gegeben bloß nicht lesen
1 Da haben alle versagt: Autor, Lektor, Verlag, …

 

So langsam werde ich dann doch alt

Das hat aber auch etwas Gutes, wie ich gerade feststelle. Fast Gutes. Vor zwei Wochen einen Roman zu Ende gelesen, den ich so gut nicht fand. Geade eben entdeckt, dass ich ihn vor 20 Jahren schon mal gelesen habe – mit Begeisterung.

Noch ein paar Jahre – dann brauche ich mir wohl keine Bücher mehr zu kaufen und lese das Tausend, was im Regal steht, einfach nochmals.

Bis dato war ich echt stolz auf mich, dass ich nur wenige Sätze brauche um mich zu erinneren, ob oder ob nicht. Tja, da tauchen wohl erste, dicke Lücken auf.

Aber Proust und Joyce und Dostojewskij und Schiller und Schmidt und Jahnn und Gray und … nochmals so lesen zu können, als wäre es das erste Mal. Das hat definitiv was!

Scheinbar hat die Demenz auch gute Seiten.

Pech

Gerade echt unglücklich mit den Büchern. Seit gut zwei Monaten finde ich keines mehr, was mir gefällt. Mein ‚Buchradar‘ scheint derzeit irgendwie nicht zu funktionieren oder es hat sich ein Parameter in der Presse geändert, den ich nicht mitbekommen habe. Das, was in der Kritik für mich (!) vielversprechend klingt, enttäuscht. Manches, was ich aufspüre, habe ich dann doch schon gelesen. Lesetechnisch gerade eine echt schwierige Zeit … und das ist für mich nicht gerade so eine kleine Nebensache.

Nachlese

  • Regener, Sven: Wiener Straße – 4/10Wer die anderen von Regener kennt, der zieht sich den auch noch rein. Aber langsam wird es einfach langweilig, denn man kann nicht dauernd mit der gleichen Masche meinen, gute Bücher schreiben zu können. Etwas ermüdend und für Quereinsteiger nur dann zu empfehlen, wenn sie vorhaben, nur einen einzigen Regener zu lesen. Der hier hat den Vorteil, dass er kurz ist.
  • Weiler, Jan: Kühn hat Ärger – 4/10Auch Weiler hat schon besser geschrieben, will heißen: spannender. Das hier plätschert so vor sich hin. Für den Strand ganz nett, aber wer eine Alternative hat, der nehme sie.
  • Modick, Klaus: Konzert ohne Dichter – 6/10Nette Idee, Worpswede auferstehen zu lassen. Blöderweise hatte ich es schon mal gelesen. Wie immer bei Modick fein und sensibel geschrieben, stille, aber funktionierende Szenerien. Ein Entspannungsbuch at the best.
  • Binet, Laurent: Die siebte Sprachfunktion – vorerst 6/10 da ich noch nicht ganz durch bin – Ferdinand de Saussure, Roland Barthes, Jaques Derrida, Michel Focualt, Julia Kristeva, Philippe Sollers, Paul de Man, Umberto Eco und einige andere aus der Ecke überhaupt nichts sagt – und wer den Unterschied zwischen Semantik und Semiotik nicht kennt: Der lasse einfach die Finger von dem Buch, das wird nämlich kein Spaß! Wer aber so ein bißchen aus der Ecke kommt, der wird seinen intellektuellen Spaß haben, denn eine Krimi auf der Suche nach der 7. Sprachfunktion (sechs sind ja allgemein bekannt) ist schon witzig. Das Doofe an dem Roman ist ab Kapitel 4: Wer die Herren da oben nicht wirklich gut kennt, der hat da keine Chance mehr, bei einem Kongress alle Anspielungen, versteckten Witze und Sotissen wirklich zu kapiern. Mir war’s dann jedenfalls zu hoch, was den Lesespaß enorm verringerte. Aber es sind ja noch ein paar seiten, vielleicht wird es ja in Venedig nun wieder besser.
  • Nguyen, Viet Thanh: Der Sympathisant – derzeit 1/10Ich kapiers einfach nicht. Ich kapier einfach nicht, wer da spricht. Ich kapier einfach nicht, worüber er spricht. Noch ein Kapitel geb ich dem, dann war es eine Fehlinvestition.
  • Nagelschmidt, Thorsten: Der Abfall der Herzen – 3/10Enttäuschend! Werde es auch definitiv nicht zu Ende lesen. Jeder von uns ist wohl mal mit Anfang / Mitte 20 verlassen worden. Was für ein Drama, auch ich erinnere mich genau. Darüber kann man schreiben ja – aber welche neu Facette will man da noch beleuchten? Nagelschmidt fällt eine Variante ein. Er schreibt über die aktuelle Krise und dann schreibt er noch darüber, wie man die Krise mit 20 Jahren abstand sieht, um nochmals alles umzurühren. Selbstreferntiell bis – sorry, das ist so – zum Erbrechen. Finger weg!
  • Rader, Olaf: Friedrich II – 5/10Abstriche gibt’s einfach dafür, dass man schon etwas mehr über die konkreten politischen Ziele Friedrichs erfahren hätte. Ansonsten sehr umfassende Biographie mit guter zeitlicher Einordnung und flotter Schreibe.
  • Vergil: Aeneis – derzeit 9/10 da noch nicht fertig – Meine Herren ist das gut und spannend!
  • Seedig, Katrin: Das Dorf – 4/10Wer sich fürs Thema Mikrokosmos Dorf als Spiegel der Gesellschaft / Welt interessiert, der lese lieber „Unterleuten“ von Juli Zeh.
  • Melandri, Francesca: Alle, außer mir – 8/10Immerhin, wenigstens ein gutes Buch im Urlaub gelesen. Sie verknüpft sehr, sehr geschickt das aktuelle Italien mit der aktuelle Flüchlingskrise und der Zeit, als die Italiener in Äthiopien als Kolonialherren das Sagen hatte. Die Erzählerin samt Geschwister wird nämlich plötzlich mit einem (schwarzen) Neffen konfrontiert, dessen Vater der eigene Vater in der Kolonie ebenso schnell gezeugt wie vergessen hat. Das ist überraschend vielschichtig und auch wenn man sich mit italienischer Geschichte nicht auskennt wie ich, dennoch gut zu lesen und nachzuvollziehen. Ich hab’s ja echt nicht so mit ‚tagesaktueller Literatur‘ – aber das hier zeigt ohne jeglichen Zeigfinger eine Menge von Aspekten und Facetten auf, die selbstverständlich genauso gut nach Deutschland passen (und für solche Populisten wie Söder eigentlich Pflicht wären – aber denen ist das ja schon wieder zu hoch). Ganz klar: Mit den besten Empfehlungen!

Es gab dann noch die Krimis „Leo Berlin“ von Susanne Goga, „The Drop – Bargeld“ von Dennis Lehane und „Tod in Deauville“ von James Holin sowie „Die Herzen aller Mädchen“ von Monika Geier. Alle mit Müh und Not gerade 2/10 und meine Empfehlung: Lest was anderes.

0,25

0,25 Dioptrien Unterschied auf jedem Auge im Gegensatz zu ein paar Jahren früher finde ich, als Laie, nicht viel. Eher wenig sogar.

Aber die neue Lesebrille ist so was von geil. So entspannt kann lesen sein!

Ich packe meinen Koffer

  • Regener, Sven: Wiener Straße
  • Seume, Johann Gottfried: Spaziergang nach Syrakus
  • Stern, Horst: Mann aus Apulien
  • Weiler, Jan: Kühn hat Ärger
  • Modick, Klaus: Konzert ohne Dichter
  • Binet, Laurent: Die siebte Sprachfunktion
  • Nguyen, Viet Thanh: Der Sympathisant
  • Nagelschmidt, Thorsten: Der Abfall der Herzen
  • Carofiglio, Ginarico: Am Abgrund aller Dinge
  • Rader, Olaf: Friedrich II
  • Vergil: Aeneis

sowie diverse Krimis.

Und falls alle Stricke reißen: Das Gesamtwerk von Robert Musil und Robert Walser ist ebenfalls im Gepäck.

Gesamtgewicht 181 gr.

Gespalten

Einerseits bin ich richtig neidisch auf die, die mit so (für mich) seltenen und schönen Fremdwörter herumschmeisen wie panegyrisch (lobrednerisch). Andererseits ist so was nichts anderes als bildungsbürgerliche Eitelkeit.

Wenn einer eine Reise tut

So richtig planen wir unsere Urlaube ja eigentlich nicht. OK, wie und wann wir wo hin- und zurückkommen, das klar. Und meist gibt es auch ein grobes Programm für die Wochen. Wenn mit dem Rad und dem Zelt unterwegs waren, dann haben wir auch schon mal nach Campingplätzen geschaut, um nicht irgendwo in der Pampa zu landen. Üblicherweise sind diese Planungen aber nach zwei, drei Tagen obsolet und wir arbeiten uns von Tag zu Tag weiter.

Das wird wohl auch dieses Jahr so sein – aber ich bin bedeutend besser vorbereitet. Ich bin gerade nochmals „Das Sandkorn“ von Christoph Poschenrieder durch, habe mir alle genannten Orte rausgeschrieben, auf der Karte gesucht, Ausrufezeichen ins Buch gemalt, im Reiseführer verglichen … und ich merke, wie ich mich freue!

Als ich das Buch vor vier Jahren las, war mir klar: Da muss ich hin. Hat jetzt zwar etwas gedauert, aber was lange währt … Wir werden zwar nicht die Strecke der beiden Protagonisten genau abfahren (dazu ist die auch etwas zu chaotisch), aber mein Plan ist, die entsprechenden Seiten an all den Orten zu lesen, die wir schaffen. Gerade mir noch einen Ausstellungskatalog gekauft, der die Bilder von jenen Forschungsreisen 1914 / 1915 zeigt, die die realen Vorbilder der Romanjungs damals gemacht haben. Wenn Zeit und Gelegenheit ist, dann versuche ich das ein oder andere nachzuknipsen.

Tja, jetzt fehlen eigentlich nur noch die Fahrkarten … (*grins* – sorry, das musste jetzt sein.)

Bloomsday

Aus gegebenen Anlass mal ein paar Zeilen. Und ich werde nicht müde aufzurufen: LEST den ULYSSES! Wer es in diesem Jahr schafft, der / die darf sich auf eine Essenseinladung freuen!

Also wer ist denn bloß dieser lange Lulatsch in dem Macintosh da drüben? Ich gäb was drum, wenn ich nur wüßt. Das heißt, es schert mich imgrunde ja einen Dreck. Immer taucht doch plötzlich jemand auf, an den man nicht im Traum gedacht hätte. Eigentlich könnte man ohne weiteres auch sein ganzes Leben alleine leben. Jawohl, könnte man durchaus. Müßte dann bloß jemand auftreiben, der einen unter den Rasen bringt, wenn man gestorben ist, obwohl man sich natürlich auch vorher ein eigenes Grab buddeln könnte. Tun wir sowieso alle. Bloß der Mensch begräbt. Nee, Ameisen ebenfalls. Das erste, was jedem einfällt. Die Toten begraben. Robinson Crusoe etwa, gilt doch als lebensechte Figur. Tja, und dann hat ihn ja auch Freitag begraben. Jeder Freitag begräbt einen Donnerstag, wenn mans recht überlegt.

Ach du armer Robinson Crusoe,
Wie kamst du da bloß zu so?

Armer Dignam! Sein letztes Lager auf Erden in einer Kiste. Wenn man denkt, daß das allen so geht, kommts einem doch glatt wie Holzverschwendung vor. Wird ja alles zernagt. Könnten stattdessen ne hübsche Bahre mit gleitendem Boden erfinden, eine Art Falltür mit Rutschbahn, und auf die Art dann einfach durch und runter damit. Jaja, aber dann würde gleich wieder jeder seine eigene Rutsche haben wollen. Da sind sie nun mal pingelig. Laßt mich in Heimaterde ruhn. Ein Kleckschen Lehm aus dem Heiligen Land. Nur Mutter und totgeborenesKind werden zusammen in einem Sarg beerdigt. Seh den Sinn schon ein. Ganz klar. Schutz für den Kleinen so lange wie möglich, selbst in der Erde noch. Des Irländers Haus ist sein Sarg. Einbalsamieren in Katakomben, Mumien, derselbe Gedanke. Mr. Bloom stand weit hinten, den Hut in der Hand, und zählte die baren Häupter. Zwölf. Ich bin die dreizehn. Nein. Der Kerl da im Macintosh ists. Todeszahl. Wo zum Teufel ist der plötzlich hergekommen? In der Kapelle war er noch nicht, das kann ich beschwören. Blödsinniger Aberglaube, das mit der dreizehn.

James Joyce: Ulysses

Strophen

Einsam tret ich auf den Weg, den leeren,
Der durch Nebel leise schimmernd bricht;
Seh die Leere still mit Gott verkehren
Und wie jeder Stern mit Sternen spricht.

Feierliches Wunder: hingeruhte
Erde in der Himmel Herrlichkeit…
Ach, warum ist mir so schwer zumute?
Was erwart ich denn? Was tut mir leid?

Nichts hab ich vom Leben zu verlangen
Und Vergangenes bereu ich nicht:
Freiheit soll und Friede mich umfangen
Im Vergessen, das der Schlaf verspricht.

Aber nicht der kalte Schlaf im Grabe.
Schlafen möcht ich so jahrhundertlang,
Dass ich alle Kräfte in mir habe
Und in ruhiger Brust des Atems Gang.

Dass mir Tag und Nacht die süße, kühne
Stimme sänge, die aus Liebe steigt,
Und ich wüsste, wie die immergrüne
Eiche flüstert, düster hergeneigt.

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