Durch die Zeit

Kategorie: Aus dem Regal

FINIS – Peter Weiss: Ästhetik des Widerstands

2018-10-16 20.35.10
Beginn Lektüre für Lesekreis: April 2017
Anzahl gelesene Seiten: 1.199
Dauer Lektüre geschätzt: 60 Stunden
Anzahl Treffen Literaturkreis: 23
Anzahl Stunden Gespräch über Lektüre im Literaturkreis geschätzt: 85
Anzahl Seiten Notizen: 17
Länge Unterstreichungen geschätzt: größer 100 Meter
Derweil getrunkenen Flaschen Weißwein (alle) geschätzt: 25
Derweil getrunkenen Flaschen Bier (alle) geschätzt: 52
Derweil getrunkenes Wasser (alle) geschätzt: mehr als 100
Derweil verspeiste Pistazien (alle) geschätzt: 5,75 Kilogramm
Derweil verspeistes Studentenfutter (alle) geschätzt: 7,8 Kilogramm
Derweil verspeiste Tomaten (alle): 4
Anzahl der von Teilnehmenden gemachten Kopien für die andren geschätzt: 670
Anzahl der gelesenen Kopien von den Teilnehmendne geschätzt: 35
Höhe des Erkenntnisgewinns: nicht darstellbar

 

Das muss mal gesagt sein

Wolfram von Eschenbach ist klasse! Aber sowas von. OK, mit den Namen, da hat er nicht so ein glückliches Händchen, aber wer ist schon perfekt?

Ich bin wirklich erstaunt, mit welcher Rafinesse und Ironie er da seinen fetten (bezogen auf die Seitenzahl) Prazival geschrieben hat. Sehr auffallend finde ich, dass Frauen wie Männer in ihrer jeweiligen Schönheit, wenn sie es denn sind, beschrieben werden und da keine Verklemmtheit herrscht, auch mal einen Jungen hübsch zu finden. So werden dann auch nicht nur die Roben der Frauen beschrieben, sondern auch der feine Schnitt so mancher Uniform. Das ist echte Gleichberechtigung.

Immer wieder bringt er gar keine schlechten Vergleiche, aber im 8. Buch ist es dann doch mit ihm etwas durchgegangen. Da hat einer seiner Nebenhelden, Gawan, ein Techtelmechtel mit einer Königstochter – ist natürlich nicht statthaft zu dieser Zeit und es kommt so richtig zum Krach. Beide müssen sich jedenfalls handgreiflich verteidigen. Während sie lauter Sachen aus dem Turm auf die ‚Angreifer‘ schmeißt, wehrt er sich mit einem Schachbrett (!). Mitten im Kampf, quasi als retatierendes Moment, hat Eschenbach bzw. Gawan noch ausreichend Zeit, um die Königstochter wohlwollend zu betrachten. So heißt es dann:

Und was tat Gawan? Immer wenn er einen Augenblick Muße hatte, so schaute er das Mädchen an, ihren Mund, die Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem Bratspieß könnte euch eine elegantere Figur machen, das glaube jedenfalls ich, so war sie gebaut da zwischen Brust und Hüfte.

Ihr Leib kommte sehr wohl Gelüste nach ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt ihr finden, die eine bessere Taille zu bieten hätte als sie dort, so ihr Gürtel lag.  … Gawan kümmerte die Wut der Finde sehr wenig, wenn er das Mädchen erblickte; darum verloren viele von ihnen den Leib.

Eschenbach, Wolfram von: Prazival. Übersetzung Peter Knecht. Berlin / New York (Walter de Gruyter) 2003, S. 413f

Komm in den totgesagten park

Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb – das weiche grau
Von birken und von buchs – der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz
Vergiss auch diese letzten astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Stefan George

F.W.N.

In Vorbereitung auf das Musil-Projekt lese ich gerade eine Biographie zu Friedrich Wilhelm Nietzsche. Entweder ist seine Philosophie so ein bisschen ‚durch‘ oder ich steig da nicht wirklich durch. „Also sprach Zarathustra“ habe ich ja vor ein paar Monaten schon mal gelesen und entschlossen, dass es absolut nix für mich ist. Auch da bin ich nicht wirklich durchgestiegen oder war mir permanent unsicher, ob er das wirklich so meint, was er schreibt, oder ob ich da etwas ‚Verstecktes‘ übersehen / überlesen habe – oder aber ob ich einfach zu doof für ihn bin.

Noch habe ich gut 100 Seiten, vielleicht kommt ja noch die Erhellung. Und wenn nicht, dann schlage ich mich halt so durch Musil, habe ich ja bei der ersten Lektüre auch getan.

Kampfkommunikator

Manchmal reicht eine Kleinigkeit und die Gemütslage kommt in Schieflage. Heute war es einfach eine nicht gestellte Frage und ich war zu stolz, sie einzufordern. Ich hatte heute schon so viel zugehört, dass ich einfach mal gefragt werden und mir das Rederecht nicht erkämpfen wollte. Ich bin nicht so der Kampfkommunikator. Jetzt hadere ich mit der Situation, ob ich nicht doch … und ob ich recht habe, jetzt so ein bisschen sauer zu sein … und lauter solche Doofgedanken.

Aber auf dem E-Reader ist der neue Leon, den zieh‘ ich mir noch mit einem Glas Weißwein im Bett rein und lass den Tag mal Tag sein.

Zitat

Die Religion, das Bewußtsein der strafenden und beglückenden Allmacht Gottes, wirkt für sich alleine niemals „zivilisierend“ oder affektdämpfend. Umgekehrt: Die Religion ist jeweils genau so „zivilisiert“, wie die Gesellschaft oder wie die Schicht, die sie trägt.

Elias, Norbert: Über den Prozeß der Zivilisation, Bd. 1, Frankfurt / Berlin (Suhrkamp), 31.2017, S. 370

Leseprojekt MoE?

Nicht zuletzt durch Xenina, die gerade Proust liest (nämlich H I E R), bin ich seit Wochen schon am überlegen, nicht mal wieder mit einem ähnlichen Leseprojekt zu starten. Die „Jahrestage“ von Johnson und die „Bibel“ habe ich ja schon hinter mich gebracht*. Proust stand ganz oben auf der Liste … aber da fände ich jetzt irgendwie doof und außerdem macht es Spaß, Xenina da zu begleiten.

Jetzt ist mir „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil in den Sinn gekommen (Teil 1). Auch so ein dickes Ding und recht bald auch gar nicht so einfach. Meine Idee jetzt: Jede Woche ein Kapitel (und manchmal auch mal zwei, vielleicht gar drei?) und das mit drei Rubriken:

  1. Inhalt in Stichworten, aber wirklich fortlaufend, so dass am Ende die tausend Seiten auf 200 (?) geschrumpft sind.
  2. Meine Impressionen dazu. Hier gibt es keine Regeln.
  3. Das Zitat. Da bin ich noch am überlegen, ob es wirklich ‚Pflicht‘ werden soll, denn das könnte wirklich in Arbeit ausarten, immer etwas zu finden und dann auch abzutippen, vor allem, wenn es länger wird.

Als Grundlage steht der Roman natürlich schon gelesen schon lange im Regal, neu wäre für mich die Lesung, die auf meinem Rechner schlummert. Ich würde es mir also einerseits vorlesen lassen, derweil selber lesen und dann … dann würde es, falls es bei einem Beitrag pro Woche bleibt, 123 Wochen dauern! Das heißt, würde ich im Oktober anfangen, bräuchte ich bis Februar 2021 – irgendwie ein bisschen lang, oder?

Gerade finde ich eine Hammerseite dazu im Netz, so dass jede/r ohne Kosten mitlesen könnte, nämlich HIER.


*Links werden nachgereicht, wenn’s interessiert.

.onion

Den Nachmittag im Darknet verbracht. Mal gucken, was das so an ebooks anbietet. Wenn ich das richtig kapiert habe, sind es ca. 108.000 deutschsprachige Bücher. Das das Darknet nicht literaturaffin ist, merkt man recht schnell, wenn man nach dem ein oder anderen sucht. Es ist so eher mainstream mäßig unterwegs und hat echte Leckerbissen nicht zu bieten. Man findet so die üblichen Verdächtigen, aber den neusten Donna Leon habe ich vergeblich gesucht. Bei Klassiker ist man beim Projket Gutenberg jedenfalls deutlich besser aufgehoben, auch von der Spiegel-Bestsellerliste finde sich nur am Rande etwas. Fachliteratur, wenn es nicht um Computer geht, hat Seltenheitswert. Überhaupt: von meiner Wunschliste ist überhaupt nichts vorhanden, so dass es nicht einmal in den Fingern juckt.

Seit gestern gibt es auch Punkte

Seit meiner Studienzeit schreibe ich ja zu jedem gelesenen Buch ein paar Zeilen (oder Seiten). Habe ich von E. übernommen. Ist zwar manchmal echt anstrengend, aber dafür sind jetzt vier Aktenordner fast voll.

Zusätzlich gibt es seit gestern auch Punkte. Das war die Denksportaufgabe im Urlaub. Noch nicht ganz ausgereift in der Beschreibung, aber als ich gestern wieder zu den Büchern geschrieben habe, zeigte sich das als ganz brauchbar.

10 Weltliteratur, oder was ich dafür halte nicht diskutieren: sofort lesen!
9 Gerade so doch keine Weltliteratur
8 Anwärter auf „Buch des (aktuellen) Jahres“ klar lesen
7 Gehört wirklich zu den bessern
6 Hat was! lesen
5 OK
4 Soweit ganz OK, auch wenn nicht gerade die Erhellung muss echt nicht sein
3 Gut gemeint – dann aber doch nicht gekonnt
2 Es hätte viele, viele Alternativen gegeben bloß nicht lesen
1 Da haben alle versagt: Autor, Lektor, Verlag, …

 

So langsam werde ich dann doch alt

Das hat aber auch etwas Gutes, wie ich gerade feststelle. Fast Gutes. Vor zwei Wochen einen Roman zu Ende gelesen, den ich so gut nicht fand. Geade eben entdeckt, dass ich ihn vor 20 Jahren schon mal gelesen habe – mit Begeisterung.

Noch ein paar Jahre – dann brauche ich mir wohl keine Bücher mehr zu kaufen und lese das Tausend, was im Regal steht, einfach nochmals.

Bis dato war ich echt stolz auf mich, dass ich nur wenige Sätze brauche um mich zu erinneren, ob oder ob nicht. Tja, da tauchen wohl erste, dicke Lücken auf.

Aber Proust und Joyce und Dostojewskij und Schiller und Schmidt und Jahnn und Gray und … nochmals so lesen zu können, als wäre es das erste Mal. Das hat definitiv was!

Scheinbar hat die Demenz auch gute Seiten.

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