Durch die Zeit

Kategorie: Aus dem Regal

Lesetag

So könnte mindestens ein Tag pro Woche sein! Nur gelesen, dazwischen Nahrungsaufnahme, etwas Schlaf – ab 17:30 dann Kontrastprogramm mit kochen und Gästen.

  • Thomas Mann: Joseph und seine Brüder: 1. Buch die „Höllenfahrt“ und die ersten 40 Seiten. Mir ist da Mann etwas zu hoch in seinem Tone, andererseits macht die kommentierte Ausgabe klar, wie durchdacht und recherchiert das Ganze ist. Zudem sehe ich viele Motive aus seinen andern Texten. Ich will nicht unken, aber es könnte ein gute Wahl für den Lesekreis gewesen sein – vorallem, da ich die Bibel ja auch schon durch habe.
  • Proust (14 Seiten)
  • James Ellroy: Jener Sturm (ca. 100 Seiten – nur, aber der Mann hat echt Zeit gekostet).

J.E.

Per Zufall darüber gestolpert, dass gerade ein neuer Ellroy rausgekommen ist. Interessanterweise kaum was darüber zu finden. Aber ich habe keine Minute gezögert, um es zu bestellen. Morgen kann ich es holen und dann komme ich der Welt mal für 900 Seiten abhanden. So kompliziert sein Bücher auch immer sind – sie sind grandios.

Pech

Irgendwie habe ich gerde echt Pech mit meinen Büchern. Jetzt sind es schon vier Stück, die ich gekauft habe und nicht zu Ende lesen werde, weil sie einfach irgendwie zu doof sind. Als da wären:

  • Iris Hanika: Echos Kammer: Das ist einfach selbstgefälligs Geschwätz und die Autorin ergeht sich in ach so kreative Wort und Sprachstile. Höhepunkt ist eine ‚eigene‘ Sprache – Kinderkram.
  • Ben Lerner: Die Topeka Schule: Typisch amerikanisch – aber eben das von der schlechten Sorte. Auch sehr selbstfällig und und daher schwätzend. Nach einem Drittel aufgegeben, denn a) wird klar wie es weiter geht und b) keine Besserung in Sicht.
  • Kerstin Hensel: Regeneins Farben: Das hätte was werden können, aber dann macht die Autorin einfach zuviele Kapriolen und Loopings, kommt so nicht von der Stelle.
  • Hanns Zischler: Der zerissene Brief: Das ist so überklug. Auch in meinen Augen schlechte Idee, dass eine junge Frau und eine alte Frau in deren Vergangenheit kramen und immer genau das Papier oder die Erinnerung aus dem Stapel ziehen, die die Autorin gerde braucht. Höchst unglaubwürdig.
  • Kamel Daoud: Meine Nacht im Picasso-Musem: Kapier ich nicht. Steig ich einfach nicht dahinter. Bin wohl zu wenig ne Kulturschwuchtel.

Jetzt geh‘ ich auf Nummer sicher und lese von Hubertus Wolf: Der Unfehlbare – Pius IX und die Erfindung des Katholizismus im 19. Jahrhundert. Da der ja für meine Katastrophe mitverantwortlich ist, schau ich mir das Elend mal näher an.

Sommerlekütre – Rückschau

  • Connelly, Michael: Late Show – Ein actionreicher Krimithriller, aber nach klassischem Rezept ohne Eigenheiten. Muss man nicht lesen.
  • Cunningham, Michael: Ein Zuhause am Ende der Welt – Nicht fertig gelesen. Typisch amerikanischer Hinfühl-Literatur, nicht mehr auf der Höhe der Zeit.
  • Goldschmidt, Georges-Arthur: Vom Nackexil – Wer ihn nicht kennt, unbedingt „Die Absonderung“ lesen. Das hier eine Ergänzung, dazu. Er hat halt nur das eine Thema, aber das in einer Feinheit, die manchmal an Proust erinnern lässt.
  • Henschel, Gerhard: SoKo Heidefieber – Auf Henschel ist Verlass! Wunderbare Krimisatire, die sich Drehung für Drehung hochwindet. Das ist Sommerurlaubslektüre at the best.
  • Hensel, Kerstin: Regenbeins Farben – Tja, wenn konzentriert, hätte das eine klasse Novelle werden können – so aber einfach zu langamtig.
  • Höhtker, Christoph: Schlachthof und Ordnung – Ich hätte es mir denken können, dass es nichts für mich ist. Aber ein Versuch war es wert, wenn man denkt, es könnte Parallelen zur Cornoa-Impfstofffindung haben. Aber dann war es dann doch nur eine Art Doku-Thriller aus verschiedenen Perspektiven – einfach nur ermüdend.
  • Karples, Eric: Marcel Proust und die Gemälde aus der Verlorenen Zeit – Ich bin Karples echt dankbar, dass er die Bilder zusammengetragen hat und ich sie nicht mühseelig im Internet recherchieren muss. Ein beonderes Plus bei der Proust-Lektüre.
  • Leroy, Jerome: Der Schutzengel – Ein eher formstrenger Politthriller, der etwas an Logik zu wünschen übrig lässt. Woher kommt die Manie des Protagonisgten für die Frau? Für eine Verfilmung geeignet und dann sicher spannend.
  • Pleschinski, Hans: Wiesenstein – Eine Biographie über Gerhart Hauptmann in Romanform, an manchen Stellen arg bemüht, um die Infos an den Leser zu bekommen. Daher stellenweise arg bemüht, stellenweise aber auch schön erzählend.
  • Proust, Marcel: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 2: Im Schatten junger Mädchenblüten – Meine dritte Lekütre – und ich muss mich täglich bremsen, maximal 15 Seiten zu lesen.
  • Pynchon, Thomas: Die Enden der Parabel – Auch da hätte ich mir denken können, dass es nichts für mich ist. Einfach zu unlogisch für mich. Aber: Es gibt – auf den ersten 300 Seiten – schon grandiose Stellen. Höhtker hätte da mal schauen können, wie man es gut macht. Ich warte jetzt darauf, dass ich mir die Hörspielfassung leisten kann und ziehe es mir dann rein.
  • Ruschel, Rudolf: Ruhet in Friedberg – Skuriller ‚Krimi‘. Wer das nicht verfilmt, ist selber daran schuld. Aber noch ein Buch in diesem Stil: definitv Nein.
  • Shakespeare, William: Sämtliche Werke – Die Tage waren zu kurz, also doch nicht täglich ein Drama gelesen.

Darüberhinaus diverse Krimis, aber keiner, der erwähnenswert wäre.

Nachtrag

  • Connelly, Michael: Late Show
  • Cunningham, Michael: Ein Zuhause am Ende der Welt
  • Goldschmidt, Georges-Arthur: Vom Nackexil
  • Henschel, Gerhard: SoKo Heidefieber
  • Hensel, Kerstin: Regenbeins Farben
  • Höhtker; Christoph: Schlachthof und Ordnung
  • Karples, Eric: Marcel Proust und die Gemälde aus der Verlorenen Zeit
  • Leroy, Jerome: Der Schutzengel
  • Pleschinski, Hans: Wiesenstein
  • Proust, Marcel: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Teil 2: Im Schatten junger Mädchenblüten
  • Pynchon, Thomas: Die Enden der Parabel
  • Ruschel, Rudolf: Ruhet in Friedberg
  • Shakespeare, William: Sämtliche Werke

5 B’s

  • Wenn ich den Traum von heute Nacht meinem Therapeuten erzähle, dann schickt der mich sicher zum Psychoanalytiker. Ist schon gut, wenn man schweigen kann.
  • Ich freu‘ mich quasi mit jeder Minute mehr auf den Urlaub. Das hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben.
  • Wenigsten virtuell mit Rolli-A. mal getroffen. Dabei ist mir dann siedendheiß eingefallen: Die liest ja hier mit! Bekommt sie jetzt ein Schaden, wenn sie sich mir nackt vorstellt? Immerhin weiß sie ja, wie ich so aussehe.
  • Lese gerade einen älteren schwulen Krimi (gar nicht mal so schlecht bisher) (und für nureinglaswein: Felix Haß: Angst ist stärker als der Tod) der mich überraschend daran erinnerte, in welchen dunklen Ecken ich mich mal ne zeitlang rumgetrieben habe. Gut zu wissen, dass ich nicht immer brav war.
  • Mein Mann war so nett, meinen Gewinn abzuholen. 20 Euro die wir auf dem Markt demnächst mal einfach so ausgeben können. Die Tendenz geht gerade in Richtung Wachtel.

Proust – exklusiv für die, die hier lesen.

45 Tage für den ersten Band Proust. Wenn ich weiter in dieser Geschwindigkeit lese, bin ich schon im April 21 fertig. Also werden es jetzt weniger Seiten, um es einfach länger genießen zu können (bis auf die ein Stelle in Band 5 oder 6, egal, da wird der Turbo eingeschaltet).

In meinen Zusammenfassungen kann ich ja nur einen Abklatsch eines Abklatsches fromulieren, aber ich schwelge jetzt täglich fast ca. eine Stunde (lesen, Kommentar lesen, Bilder gucken, überlegen, schreiben, ….) in dem Proust-Projekt und bewundere zu tiefst, wie jemand menschliche Regungen in dieser Differenziertheit aufs Papier hat bringen können – und das zeitlos.

Wichtiger Schritt in Richtung Urlaub

Heute in zwei Wochen sitze ich, so ist es geplant, nackt vor unserer Hütte, trinke Wein und erfreue mich des Urlaublebens. Aber das geht nur dann, wenn ich weiß, dass ich genügend zum Lesen dabei habe.

Pro Woche muss ich da mit 1.000 Seiten planen, denn nicht jedes Buch, was ich mitnehme gefällt mir ja dann auch. Und auch wenn ich weiß, dass wir dort Internet haben, alles Equip dabei ist, um Bücher online zu kaufen und zu laden (und es übrigens auch ausreichend Zeit geben wird zu suchen, was man denn lesen könnte) … ich bin gerade erleichtert das auf meiner Liste – die noch genauer zu überprüfen ist, sieben Romane und vier Krimis stehen. Dazu kommen noch die 1.200 Seiten Pynchon, die Werke von Shakespeare und natürlich Proust. Im Hintergrund lauern dann noch zahlreiche Werke von Grisham und Kupfer.

Selbst wenn ich 24 Stunden am Tag lesen werde, werde ich durch den Berg nicht durchkommen – aber auch das ist für mich Urlaub, einfach in einem Berg von Büchern schwelgen zu können – sonst bin ich ja streng mit mir und kauf ja nix auf Vorrat.

Fast vergessen, …

… heute ist ja Bloomsday! Wenn ich nachher, als kurz nach 23 Uhr, nach Hause komme, dann heb‘ ich noch ein Glas irischen Whiskey – d.h. jeweils eins! – auf den guten alten Leopold und seinen Schöpfer James. Verdient hätten sie ja ne ganze Flasche, jeder eine – aber die schaffe ich heute defintiv nicht mehr. Gorgonzola müsste noch da sein …

Da diese wunderbare und vor mir heiß und innig geliebte Onanie-Szene einfach zu lang ist, um sie hier abzutippen – daher auch auf die unvergessliche Cissy Caffrey und die wunderbare Gerty MacDowll ein Glas, jeweils, bekanntermaßen – hier was Stilleres von ihm auf den Abend:

Alone
The moon’s greygolden meshes make
All night a veil,
The shorelamps in the sleeping lake
Laburnum tendrils trail.

The sly reeds whisper to the night
A name– her name-
And all my soul is a delight,
A swoon of shame.

Wiederaufnahme

Nach knapp drei Monaten mal wieder Lesekreis. Etwas mühseeliger Start, da nur die Hälfte das Buch gelesen hatten. (Ich gehörte zu der Hälfte, die es nicht (nocht einmal) gelesen hat.) Dennoch lebhafte Gespräche, wenn auch etwas weniger über Literatur, aber von ihr inspiriert.

Proust (13)

Ein Sonntag. Tante Leonie, hypochondrisch*, tratscht mit Françoise während sie auf Eulalie wartet – die mit dem Pfarrer im Schlepptau kommt, der sich sehr gerne reden hört. Er ergeht sich lobend über die Kirche und verschiedene Namens-Etymologien. Françoise beäugt, ohne neidisch zu sein, argwöhnisch, dass Eulalie etwas Geld für die Besuche bekommt: »damit Sie mich nicht in Ihren Gebeten vergessen». (1.157) Über den Alltagstrott mit Ausnahmen an Samstagen, da gibt es das Mittagessen eine Stunde früher.

* »Und während sie sich eilig auf ein in violetten Samt gebundenes, goldbeschlagenes Meßbuch stürzte, aus dem sie in ihrer Hast die mit Spitzenrand versehenen Bilder aus vergilbtem Papier herausflattern ließ, die die Festtage markierten, begann meine Tante, während sie ihre Tropfen zu sich nahm, so schnell sie konnte, die heiligen Worte zu lesen, deren Sinn ihr durch die Ungewißheit darüber, ob das so lange nach dem Vichywasser eingenommene Pepsin dieses noch erreichen und weiterbefördern werde, leicht verdunkelt wurde.« (1.151)

Proust, Marcel: Recherche

Ab heute zehn Seiten täglich. So das Vorhaben. Heißt, ich bin im August Oktober 2021 damit durch – denke aber, ich schaff es etwas schneller.

1984 / 1985 das erste Mal gelesen. Mit absoluter Begeisterung nach dem ersten Satz, der – »Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen« – jetzt nicht gerade so der Burner ist. Aber dann beschreibt Proust ja auf den ersten Seiten ausführlich, wie es ist, wenn man einschläft oder meint noch wach zu sein, während man schon eingeschlafen ist … das ist einfach nur großartig und was er dann auf den nächsten (je nach Augabe 3.000 bis 5.172) Seiten macht, ist ganz einfach Weltliteratur.

Ende des letzten Jahrtausend dann auch immer mal wieder bei einer Lesung in Köln dabei gewesen und mir über die Jahre die 135 (!) CDs zusammenschenken lassen und x-mal gehört.

Aber nun Lust auf die eigene Lektüre der kommentierten Ausgabe mit der dazughörigen Enzyklopädie und einem Bildband.

Ein richtiges Leseprojekt mache ich nicht draus, aber der Plan ist – im Moment zumindest – wenn ich blogge, dann auch immer ein, zwei Sätze zu Proust zu schreiben.

Porno

Zwischen all den Büchern in meinem Buchregal steht ein Foto, welches mich zeigt. OK, eher meine nackte Mitte und die dann noch im Zustand höchster Erregung. Aus verschiedenen Gründen gefällt mir die Aufnahme wirklich gut und das Foto landete beim Einzug eher zufällig im Regal – und ist dann halt da stehen geblieben.

Immer dann, wie jetzt am Wochenende, wenn jemand mein Zimmer sehen will, vergesse ich, dass da (wohl für viele) Pornographie zu sehen ist und frage mich dann später immer, was die wohl sich gedacht haben / von mir denken.

Direkt angesprochen hat mich noch nie jemand drauf

WMDEDGT 5/20

Der Wecker klingelt um 7:25 was mich aber nicht davon abhält, bis 8:20 im Bett zu liegen. – Um 8:35 schaffe ich es sogar schon meine Dienstmails zu lesen, aber da nur eine zu Aktion aufruft … – Den Vormittag verbringe ich lesend, u.a. mit dem „Decameron“ von Boccacio (nicht so  meins) und den letzten Seiten von Lutz Seiler „Stern 111“ (ebefnalls nicht so meins). Dazwischen immer mal ein Blick auf die Mails und eine erste Waschmaschine, soo untätigt dann doch nicht. – 12:05 gibt’s zwei Spiegeleier und um 12:25 den nach so einem anstregenden Home-Office-Tag notwendigen Mittagsschlaf. – Den habe ich auf 30 Minuten begrenzt, was mich aber nicht daran hindert, um 13:45 aufzustehen. Etwas Recherche und das Holen von Maultaschen aus der Tiefkühle im Keller und dann mache ich mich um 15:00 auf zum Buchladen. – Hole mir „Der Hund“ von Akiz, besorge mir auf dem Rückweg noch zwei Brötchen – und das alles ohne Mundschutz, den ich zu Hause vergessen habe, niemanden scheint es zu stören. – 15:30 weitere Recherchen zur Literatur und ich beginn mit der Lektüre eines schwulen Krimis aus vergangen Tagen: „Tödliches Tarot“ von Carlo de Lux. Nichts für die Ewigkeit, aber schön entspannend. – 16:15 noch schnell einen weiteren Becher Tee und ein Stück „Luffen“. – 17:00 kommt der Mann nach Hause und ist sofort wieder in seinem Nähzimmer verschwunden. Kann ich also Geburtstagsgrüße schreiben. – 18:00 Zubereitung der Maultaschen, aber erstmal gibt es nur Salat, denn gegen 18:30 hat der Mann seine erste Videokonferenz ever. – 19:00 endlich Maultaschen und entblöde mich mal nicht und schaue „Perfektes Dinner“. Die Schwuchtel scheint echt keine Ahnung zu haben, morgen muss er an die Töpfe. – Dann dies und das vor dem Fernseher, keine Ahnung, aber ich bin müde und froh, keinen Ansprüchen mehr genügen zu müssen.

[Wird fortgesetzt]

499.436 in 1.572

Diesen Beitrag widme ich nocheinglaswein – denn ohne sie hätte ich einfach in einem Buch weitergelesen.

Und es begab sich vor mehrern Tagen, dass ich auf dem Blog von besagter nocheinglaswein auf einen Beitrag stieß, in dem sie kurz schrieb, dass sie gerade ihre Bücher, korrekter deren ISBN-Nummern, scannen würde. Das hat mich elektrisiert und einen Nachrichtenaustausch später, hatte ich die App auf meinem neuen Tablet.

Zugegeben, es macht Spaß die Kamera auf den Barcode zu halten und – schwupps – hat man Titel, Autor, Verlag, Seitenzahl, Erscheinungsjahr, Cover und manchmal noch mehr auf dem Display. Gut, manchmal funktioniert es nicht sauber, da muss man die ISBN selber eintippen. Gut, manchmal hilft das auch nicht so richtig weiter und man mus alle Angabe selber eintippen. Und wenn man nicht aufpasst, fehlt irgendeine Angabe oder den russischen Autorennamen hat man in mehreren Schreibweisen, oder die Titel sind falsch, oder …

Es ist eine Sauarbeit (vorallem, weil gefühlt 80% meiner Bücher keinen Barcode besizten)!  Dutzenden von heftigsten Niesanfällen später weiß ich also: Ich besitze mindestens 1.572 Bücher (ein paar sind noch bei E.) die es auf insgesamt 499.436 Seiten bringen. Davon habe ich 65,3% der Bücher und 58,8% der Seiten gelesen. Stimmt natürlich alles nicht. Zum einen verstecken sich hinter mancher ISBN-Nummer mehrbändige Werke und nicht alle Bücher weisen Seitenzahlen auf.  Kann man ein Lexikon, welches man seit 30 Jahren nutzt nun als ‚gelesen‘ kennzeichnen oder nicht und wie verfährt man bei Bildbänden, Reiseführern, Sammelbänden, …

Aber ich weiß jetzt wenigstens, welche Bücher mir über die Jahre verloren gegangen sind (u.a. „Der Untertan“ von Heinrich Mann – Pflicht in jedem deutschen Haushalt) und was für Schätze lagern (u.a. ein Erstdruck von Frans Masereel).

Am interessantesten ist aber die Aufzählung der TOP-14-Autoren. Handke und Kafka sind meiner frühen Jugend geschuldet. Warum Frisch sich nicht da vorne findet wundert mich, da ich so gut wie alles von ihm gelesen habe, da scheint doch einiges verloren gegangen zu sein:

  1. Marcel Proust
  2. Thomas Bernhard
  3. William Shakespeare
  4. James Joyce
  5. Bertolt Brecht
  6. Philip Roth
  7. Arno Schmidt
  8. Fjodor M. Dosotjewskij
  9. Ralf Rothmann
  10. Hermann Broch
  11. Peter Handke
  12. Hermann Hesse
  13. Franz Kafka
  14. Wolfgang Koeppen

37,8

Corona ist es wohl nicht, aber den Rest der Woche soll ich mal alleine verbringen und mich beobachten. Also nuckel ich zauberbergmäßig regelmäßig an der Glaszigarette (oder wie das dort heißt), wenn auch nicht exakt sieben Minuten lang. Ich hab’s lang nicht mehr gelesen, aber ich glaube, dass, was ich habe, ist „Temperatur“,  nicht Fieber.

Erster Satz

Nochmals schnell „Die Pest“ von Camus gelesen – nach 33 Jahren wieder um nun zum dritten Mal. Damals eine erschreckende Dystopie, heute dagegen … Alltag. Immerhin, die derzeitige Gesellschaft scheint dann doch ‚vernünftiger‘ zu sein, als Camus es gesehen hat.

Und ja – da war sie ja, diese tolle Figur, Grand, mit dem Kampf um den ersten Satz: „An einem schönen Maimorgen durchritt eine schlanke Amazone auf einer prächtigen Fuchsstute inmitten der Blumen die Alleen des Bois“. Man kann sagen was man will – das ist für mich einer der gelungeren ersten Sätze, richtig gute gibt es ja nur eine handvoll.

 

Chillig

Eigentlich wollte ich meinen Mann gestern nur aufziehen als ich sagte, ich würde um sieben Uhr aufstehen, um spätestens um 8 zwei Stunden spazieren zu gehen. Das sei ihm definitiv zu früh, aber wenn ich um 9 ginge, würde er mitkommen. Tja, dann haben wir das einfach gemacht. War richtig schön, noch nicht heiß, so gut wie keine Menschen, alles noch in dieser morgendlichen Frische – und fast den ganzen Tag hatten wir noch vor uns, als wir wieder kamen.

Soll ich jetzt auch die „Pest“ (wieder) lesen?

Es lässt sich aushalten gerade

  • So lässt es sich auch mit Corona leben: Spargel, Kartoffeln, zwei Sorten Schinken und die weltbeste Sauce Hollandaise meines Mannes.
  • Davor mit A. ein Distanzspaziergang durch die Sonne. Ihre Krankheit ist präsent aber (noch) nicht bestimmend. Ärgere mich, dass ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, mit ihr ein paar Kilometer zu gehen.
  • A. will jetzt „Drück-Dich“- und „Kuss“-Gutscheine machen, damit sie die Anzahl nicht vergisst. Aber die Knutschorgie ist eh irgendwie geplant, da brauch es das nicht.
  • Und die Aussicht auf Sonne morgen und übermorgen, wo ich Home Office habe.
  • Und E. bringt mir noch ein 12-bändiges Lexikon von 1870 vorbei – der absolute Klassiker, auf den Arno Schmidt nichts hat kommen lassen.
  • Die Online-Bibliothek beschränkt massiv Vormerkungen und Ausleihdauer – scheinbar werden sie gerade vor Anfragen nur so überrollt. Schön das.

Diotima

Ich kann das Wort, Z u f a l l welches ich geschrieben nicht wieder aus den Kopf bringen, es gefällt mir nicht, klingt so klein, und kalt und doch finde ich kein anderes. Könnte man nicht auch sagen, die geheime verkettung der Dinge bilden für uns etwas daß wir Z u f a l l nennen, was doch aber n o t h w e n d i g ist.

Susette Gontard (=Diotima) an Friedrich Hölderlin, 12. März 1799

Wenn die Mimi …

Meine akutelle Krimiempfehlung: „Dunkle Freunde“ von Chris Brookmyr, erschienen im Rowohltverlag und bei jedem kleinen Buchladen um die Ecke käuflich zu erwerben.

Bin zwar erst auf Seite 107 – aber sowas von früh heute im Bett, um weiter lesen zu können.

‚Meinem‘ Hölderl zum 250.

Wie ich mit Friedrich Hölderlin in Kontakt gekommen bin? Keine Ahnung. Jedenfalls schon früh, denn schon als 19-jähriger stand ich mit Blumen vor seinem Grab in Tübingen und hatte andächtig im Turmzimmer meine / seine Kreise gezogen. Erst (erst!) mit 21 habe ich dann seinen „Hyperion“ gelesen, den ich auch später im Studium studierte und der sich mir immer noch nicht wirklich erschließt.

Und dennoch: Hölderlin ist ein Schatz! Und das für mich aus zwei Gründen:

  • Er fordert zum Denken heraus. Alleine seine wunderbaren Satzkonstruktionen sind oft eine echte Herausforderung. Das kann wirklich Spaß machen, wie sich Wiederholung für Wiederholung der Satzsinn sich einem ent- / erschließt, wie man kapiert, was auf was Bezug nimmt und letztendlich wie raffiniert kombiniert die einzelnen Teile sind. Nichts für Leute, die schnell mal sich was reinziehen wollen, Hölderlin braucht Zeit! Inhaltlich gehört er eh zu den reichsten Lyrikern, die die Welt je hatte, und wer will kann mit ihm philosophieren, politisieren, sozialisieren, …
  • Er fordert zum Fühlen heraus. Ich bin ja wirklich (leider) nicht so der Gefühlige. Nicht, dass mir bei Hölderl die Tränen kämen oder so, beileibe nicht, aber lese ich eins seiner Gedichte, verändert sich meine Stimmung schlagartig und mein Gefühl folgt dem des Textes.

Aber muss man Höldelin denn erklären? Ich weiß nicht. Man sollte ihn einfach lesen! Im Netz gibt es genügend von ihm, einfach mal was ausprobieren und sich Zeit lassen.

Wohl geh‘ ich täglich andere Pfade, bald
Ins grüne Laub im Walde, zur Quelle bald,
Zum Felsen, wo die Rosen blühen,
Blicke vom Hügel ins Land, doch nirgend,

Du Holde, nirgend find ich im Lichte dich
Und in die Lüfte schwinden die Worte mir,
Die frommen, die bei dir ich ehmals

Ja, ferne bist du, seliges Angesicht!
Und deines Lebens Wohllaut verhallt, von mir
Nicht mehr belauscht, und ach! wo seid ihr
Zaubergesänge, die einst das Herz mir

Besänftiget mit Ruhe der Himmlischen?
Wie lang ists! o wie lange! der Jüngling ist
Gealtert, selbst die Erde, die mir
Damals gelächelt, ist anders worden.

Leb immer wohl! es scheidet und kehrt zu dir
Die Seele jeden Tag, und es weint um dich
Das Auge, daß es helle wieder
Dort wo du säumest, hinüberblicke.

Virus-Motto

Kam mir heute in den Sinn, bei all dieser notwendigen sozialen Distanz:

Ich kehre in mich selbst zurück, und finde eine Welt.

Rätsel draus machen? Oder gleich sagen, dass es der olle Goethe ist? Aber woraus?

Geschafft!

Immerhin eine Buchhändlerin des Buchladens, bei dem ich meine Bücher kaufe, kennt nun meinen Namen, ohne erst auf den Bestellzettel schauen zu müssen. Das ging früher definitiv schneller. Liegt aber auch einfach daran, dass ich ca. 2/3 der Bücher ressourcenschonend mir als e-book im Internet besorge.

Und: Wir kamen über den neuen Haslinger in ein kurzes Gespräch und sie wies mich auf ein hörenswertes Interview in hr2 hin.

Scarlett, du Zicke!

Es ist Jahre her, dass ich mal so zeitintensiv einen Roman lesen konnte. Und auch wenn „Vom Winde verweht“ echt Längen hat, aber die Abfolge der Ereignisse sind verdammt gut konstruiert und die Dialoge zwischen Scarlett und Rhett sind von einer Modernität, die mich sehr überrascht und mich nahezu begeistern.

Scarlett ist wohl die charaktermieseste Protagonistin eines modernen Romans, eitel bis zum dorthinaus und nur auf ihre eigenen Vorteile bedacht. Rhett kommt als moderner Graf von Monte Christo dagegen recht gut weg, auch wenn er ein schwanzgesteuerter Kapitalist ist.

Ich habe gute Chancen, wenn ich nicht schwächel, dass ich bis Sonntag fertig werde mit den 1.300 Seiten – und dann freue ich mich auf den Film, während dem ich wohl die ganze Zeit stammeln werde: „Aber im Buch ist das irgendwie ganz anders …“.

Zehn Minuten und Thomas Bernhard

  • So, jetzt ist es raus. M. verlässt die Abteilung (bzw. wird verlassen – so genau klar ist das nicht). Die Art und Weise, wie die oberste Führung mit ihm umgegangen ist, war definitiv nicht in Ordnung. Aber das er jetzt uns tritt, ist auch nicht gerade so ganz OK.
  • Ich liebe Thomas Bernhard (falls das jemand noch nicht wissen sollte): „Wir haben das Alter erreicht, in welchem wir selbst der Beweis sind für alles, was uns zu  unseren Lebzeiten zugestoßen ist.“ (Der Keller)
  • Ich bin gerade etwas froh, dass ich einigermaßen in Balance bin.
  • Jetzt stehe ich schon zehn Minuten früher als sonst auf, verpasse aber dennoch immer die eine Straßenbahn, die ich haben will. Wo, bitte schön, verschwinden diese zehn Minuten?

Das Zitat

Für den Stein, der in die Höhe geworfen wird, ist es weder schlimm, herunterzufallen, noch gut, emporgeworfen zu werden.

Marc Aurel: Selbstbetrachtungen

Etwas Lyrik gefällig?

PROJEKTION 1975

Wo ist der Morgen den wir gestern sahn

Der frühe Vogel singt die ganze Nacht
Im roten Mantel geht der Morgen durch
Den Tau der scheint von seinem Gang wie Blut

Ich lese, was ich vor drei, fünf, zwanzig Jahren geschrieben habe, wie den Text eines toten Autors, aus einer Zeit, als ein Tod noch in den Vers paßte. Die Mörder haben aufgehört, ihre Opfer zu skandieren. Ich erinnere mich an meinen ersten Versuch, ein Stück zu schreiben. Der Text ist in den Nachkriegswirren verlorengegangen. Es begann damit, daß der (jugendliche) Held vor dem Spiegel stand und herauszufinden versuchte, welche Straßen die Würmer durch sein Fleisch gehen würden. Am Ende stand er im Keller und schnitt seinen Vater auf. Im Jahrhundert des Orest und der Elektra, das heraufkommt, wird Ödipus eine Komödie sein.

Gerade gefunden. Ist von Heiner Müller. Erinnert mich an den Satz, den ich als 14- oder 15-jähriger im Zimmer hängen hatte: Ich denke gern an meine Zukunft zurück.

Mhd

Mädiavistik war im Studium etwas, was ich sehr ungern gemacht habe. Mittelhochdeutsch war jetzt auch nicht so meine große Lauen, obwohl ich damit recht gut zu recht gekommen bin, wenn es um’s reine Übersetzen / Übertragen ging (Formbestimmungen war noch nie meine große Leidenschaft).

Seit drei Tagen habe ich den „Tristan“ von Gottfried von Straßburg als Tageslektüre in der Mache und bin gerade echt fasziniert, wie der schon mit Sprache kunstvoll ‚gespielt‘ hat und echt reich an Erzählperspektiven ist.

Hier ne Zusammenfassung:

 

Ja was denn?

Zur Zeit weiß ich gar nicht so richtig, was ich hier bloggen soll. Im Alltag ist – was gut ist – eher wenig los. Keine richtigen Aufreger, alles plätschert so vor sich hin.

Die intrapsychischen Prozesse sind nach wie vor im Gang, aber das irrlichtert mehr, als dass ich da konkret was dazu schreiben könnte. Und meine Alpträume stehen in einem extra Dokument, die muss ich hier niemanden zumuten.

Immerhin heute mal einen Termin mit einer Ärztin ausgemacht, die mir jemand aus der Therapiegruppe empfohlen hat. Anfang Februar schaue ich sie mir an in der Hoffnung, dass ich „mit ihr kann“. Denn ich brauch‘ jemand, der mir einen guten Rhea-Antrag stellt – und einen Hausarzt / eine Hauszärztin zu haben ist ja auch nicht falsch. (Meine ehemaliger hat es ja vorgezogen, Expeditionsschiffsarzt zu werden.)

Oder sollte ich mir auch so ein Spielzeug anschaffen?

Jedenfalls schiebe ich heute nach ein paar Monaten Pause mal wieder einen Nachtdienst und komm so auf den ein oder anderen Alptraum rum.

Und der Hölderlin ist heute gekommen. Vielleicht doch mal alle seine Briefe lesen? Die an Neuffer las ich ja als Student mit Begeisterung. Damals war halt der Freundschaftskult hoch im Kurs. Da wimmelte es nur so von „Herzen“ und „Busen“ und „Armen“ und „Seelen“. Klang ganz schön schwul – kein Wunder, dass ich mich damals darauf gestürzt habe. Hölderlin als Coming-out-Helfer – das hätte er sich auch nicht gedacht.

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

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