Durch die Zeit

Kategorie: Der Mann ohne Eigenschaften

18 – Schwierigkeiten eines Moralisten beim Schreiben eines Briefs (821-827)

Ulrich schreibt Agathe einen Brief – Überlegungen – darf sie das Testament fälschen?

…  „Tu!“ und „Tu nicht!“ … (823)

Genau darüber kann man sehr, sehr lange nachdenken und schreiben.

16 – Wiedersehen mit Diotimas diplomatischen Gatten (802-810)

Ulrich geht Diotima besuchen – wird von ihrem Mann, Sektionschef Tuzzi, aber vorher abgefangen – Geplauder – haben Männer Seelen?

Die Wahrheit schwimmt wie ein Fisch in einem unsichtbaren Prinzip; sobald man sie herausgreift, ist sie tot. (804)

Es ist schon viel, zuviel?, was Musil in solchen Kapiteln wie diesen will. Denn die Seelen-Frage ist andeutungsweise schon in die Frage nach dem männlichen und weiblichen Wesen zu übersetzen, eine für damalige Zeit neue Diskussion wenn man die These betrat, dass es da keine Unterschiede gibt. Davon ausgehend versucht Musil das Thema auch auf die europäische Ebene zu heben – und übernimmt sich meiner Meinung nach. Sehr sperriges Kapitel voller Andeutungen.

15 – Das Testament (792-802)

Rückblende – Ulrich erinnert sich an den Abreisetag – letztes gemeinsames Abendessen – Agathe will das Testament des Vaters ändern, damit ihr Ex so wenig wie möglich bekommen kann – Diskussion – was darf man, was nicht – über Moral – Verabredung, dass Agathe wenige Tage später zu ihm kommt

Es schwebte eine Gerechtigkeit mit Flammen statt mit Logik um sie. (798)

Hier die uralte (und immer noch offene) Diskussion, was man unter bestimmten Umständen vielleicht doch darf – oder eben doch nicht. Auch Musil kann das nur ‚durchspielen.

14 – Neues bei Walter und Clarisse. Ein Schausteller und seine Zuschauer (780-792)

Ulrich bei den Freunden – die haben Meingast (den verehrten Schriftsteller) für einige Zeit bei sich aufgenommen – sie schwärmen Ulrich eins vor – Ulrich zweifelt an diesem „Zarathustra“ – alle beobachten vom Zimmer aus einen fremden Mann draußen – ein Exhibitionist (wenn ich das richtig zwischen den Zeilen lese), der dann aber gestört wird und abzieht – Walter ist nicht ganz klar, wie Clarisse zu Meingast steht – ist argwöhnisch – der Exhibitionist findet dann doch noch ein Opfer, was schreiend wegrennt –

Besonders schöne Männerköpfe sind gewöhnlich dumm. (783)

Komisches Kapitel, steig ich nicht wirklich durch. Es ergeht sich in vielen Andeutungen und wenn ich als Aushilfsaugure einigermaßen richtig liege, geht es hier um Grenzüberschreitungen, die aber, wie das Beispiel des Exhibitionisten zeigt, irgendwie zweideutig ist. In seiner einfachen Form zeigt ein Exhibitionist (sind das eigentlich immer und ausschließlich Männer?*) halt unaufgefordert seinen Schwanz. OK, muss man nicht unbedingt mögen, aber gefährlich ist das nun auch wieder nicht – aber eben verboten. Aber scheinbar geht es hier um die Frage, wann Grenzen überschritten werden müssen, also ist diesem windigen Propheten Meingast nun doch zu glauben, der sich früher mal versucht an Clarisse zu vergehen. Und ist wiederum dieses Vergehen nicht vielleicht auch nur … Kurz beschrieben also: Grenzauslotungen.

* Es gibt auch weibliche Exhibitionistinnen – aber die gehen, weil es kein entsprechendes Gesetzt gibt, straffrei (!) aus, denn §183 StGB („Exhibitionistische Handlungen“ spricht ausdrücklich nur von Männer. Strafandrohung geht immerhin bis zu einem Jahr Haft.)

13 – Ulrich kehrt zurück und wird durch den General von allem unterrichtet, was er versäumt hat (771-780)

Ulrich ist zurück – es ist viel Post gekommen – liest aber nicht alles – General Stumm lässt anrufen – und kommt sofort vorbei – sie duzen sich (ist mir was entgangen?) – es gibt Schnaps und Kommisbrot zum Frühstück – es sind Verhandlungen zwischen Arnheim und Stumm im Gange – politisch hoch brisant, daher unter Geheimhaltung – in der Parallelaktion hat mit die Parole der Tat ausgegeben – Diotima und Arnheim scheinen sich etwas überworfen zu haben

… und verständnislos blickte Ulrich auf den Abdruck einer vergangenen Stunde … (771)

Alles ging in Ulrichs Abwesenheit seinen gewohnten Gang. Ulrich hat aber nicht  mehr so richtig Lust auf den gewohnten Gang und will aus der Aktion aussteigen. Stumm ist komplett dagegen. Er braucht ihn als ‚Spion‘.

12 – Heilige Gespräche. Wechselvoller Fortgang (753-771)

Metaphysische Gespräche – Agathe war vor Hagauer schon mal verheiratet, aber schnell Witwe geworden – sie bestraft sich mit Hagauer – viele Erinnerungen an den ersten Mann – über das Wesen der Liebe und des Verliebtseins – über den Glauben

Eine vernünftige Askese besteht in der Abneigung gegen das Essen bei ständig gut unterhaltener Ernährung! (759)

Dieses Kapitel mutet so an, als hätte Musil mit einem neuen Roman begonnen, in dem Ulrich zwar auch vorkommt, dessen Protagonisten aber Agathe ist. Ein Kapitel dass sich diesem Lektüreprojekt entzieht und ich befürchte, dass wird immer mehr werden. Hier gibt es so gut wie keine Handlung, die man nacherzählen könnte, sondern ein reger Gedankenaustausch, der aber wiederum so komplex ist, dass eine Zusammenfassung Stunden brauchen würde, bis sie auf dem Papier wäre – mir zuviel Arbeit. Musil versucht – gerade am Ende des Kapitels, wo Ulrich quasi sein Glaubensbekenntnis ablegt – eine Vereinigung zwischen Mystik und Vernunft hinzubekommen, genau die beiden Pole zu vereinen, zwischen denen Ulrich (und seine Zeit) hin- und hergerissen ist. Die äußerte Kurzfassung ist dann das „Ich glaube also und glaube nicht!“ (770) von Ulrich.

11 – Heilige Gespräche. Beginn (746-752)

Unterhalten sich viel über Moral – über Bös- / Gutsein – Agathe möchte wissen, was Ulrich da so liest

Ich bin nicht fromm; ich sehe mir den heiligen Weg mit der Frage an, ob man wohl auch mit einem Kraftwagen auf ihm fahren könnte. (751)

Über die Moral und wie man über die Moral kommt. Frage nach Grenzen der Moral und wie dynamisch Moral ist. Moral als etwas allgemeines oder situatives? Die Geschwister beginnen ich füreinander immer mehr zu interessieren, nehmen Körperkontakt auf.

10 – Weiterer Verlauf des Ausflugs auf die Schwedenschanze – Die Moral des nächsten Schrittes (733-745)

Über Verbrecher und ihre Anlagen – Ulrich lag mal mit einer Schussverletzung in einem Spital – „In allem Minus ein Plus“ – über die Notwendigkeit – kehren in ein armes Bauernhaus ein, um sich zu wärmen – Agathe macht Ulrich Vorwürfe, sie nicht ausreichend zu beachten – über die Moral der Zeit – Agathe äußert den Wunsch, ihren Mann umzubringen

Nur ein Geisteskranker könnte es ich einbilden. Oder ein achtzehnjähriger Ästhet. 735

Andere Autoren hätten aus diesem Kapitel zwei, drei Romane gemacht. Und das wird langsam für Musil zum Problem, denn er hat so viele Gedankenstränge aufgemacht und spielt sich variationsreich immer wieder durch, so dass er langsam scheinbar den Überblick verliert und dann versucht, in einem Kapitel alles mal wieder auf einen Stand zu bringen. Moderne Lektoren hätten mehrfach „Motivation?“ an den Rand geschrieben, denn hier wird von einem Thema zum nächsten gesprungen. So langsam fühlt es sich immer mehr als ein Bergewerk an, aus dem man immer mal wieder einen Diamanten birgt, aber eben auch vieles, was gerade nicht gebraucht wird.

9 – Agathe, wenn sie nicht mit Ulrich sprechen kann (725-732)

Agathe fasste auf dem Bahnhof dem Beschluss, nicht mehr zu ihrem Mann zurück zu kehren – war in der Kindheit lange krank gewesen – angeblich verhext von einer Bettlerin – war ein folgsames Kind – glaubte aber nicht an da, was man ihr sagte – hat nichts für die Emanzipation übrig – macht mit Ulrich einen Ausflug – lässt sich nichts vormachen – ist belesen, aber Theorien abgeneigt – Erinnerung, wie ihr Mann Hagauer bei der Beerdigung war und wie sie ihn schnell wieder losbekommen hat

Ein Bach, der Fabriken treibt, verliert sein Gefälle. (729)

Eine etwas ausführlicherer Vorstellung Agathens. Eine selbstbewusste, selbstdenkende Frau mit eigenem Verstand (um nicht Dickkopf zu sagen), die sich nicht gerne unterordnen lässt, es aber als ihre Rolle ansieht. Dürfte für die ein oder andere Überraschung gut sein.

8 – Familie zu zweien (715-725)

Ulrich sinniert über Nähe zweier Menschen – Ulrich und Agathe treffen sich im Salon – Beschreibung Salon – beide kennen niemanden in der Stadt – Ulrich arbeitet wieder etwas an der Mathematik – Agathe ist übrigens 27 – über Schicksal – Schicksal uns Statistik – Agathe will leben

In späteren, besser unterrichteten Zeiten wird das Wort Schicksal wahrscheinlich einen statistischen Inhalt gewinnen. (720)

Mal wieder so ein schwierige Kapitel, im dem Ulrich und Agathe ihren Gedanken nachhängen und so durch die Gegend irrlichtern. Beide sind auf sich bezogen, weil sie niemanden kennen. Sie fühlen sich zwar nahe, gehen sich aber aus Respekt aus dem Weg.

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