Durch die Zeit

Kategorie: Die Maßnahme

Leer ist nicht gleich leer

Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal, dass ich für ein paar Tage alleine hier in der Wohnung bin und der Mann abwest. Aber es ist schon doch gerade irgendwie ‚anders‘. Gestern und heute habe ich noch etwas aufgeräumt und merkte, wie ich verschiedene Dinge einfach in den Schrank stelle, weil klar ist, solange mein Mann nicht hier ist, wird das Kännchen nicht gebraucht. (Und ich fragte mich, wie es all denen geht, die so was auch machen müssen, weil sie wissen, dass der / die PartnerIn gerade gestorben ist.)

Mein sorgenvollster Blick gilt dem Kühlschrank, denn der ist voll – und leider auch voll mit Dingen, die ich nicht so mag, aber er. Jetzt bin ich zwar tapfer dabei, die Vorräte aufzuessen – und ich kann nur hoffen, dass E. am WE kommt und mir dabei hilft.

Den Wäscheständer habe ich auch schon aus dem Flur in sein Zimmer verbannt, im Bad hängt an der Heizung nur noch ein großes Handtuch … so was halt.

Und die ‚Leere‘ in der Wohnung fühlt sich ‚länger‘ an.

Was mir zum ersten Mal auffällt, ist, dass mein ‚Fremdeln‘ wohl ein Ausdruck meines ‚inneren Gleichgewichtes‘, meines ‚inneren Zustandes‘ sein könnte. Denn mit und durch die Nachricht von gestern, müsste ich ja eigentlich auf Wolke 7 tanzen, aber heute im Vorstand von Verein 1 (und auch gestern) hab‘ ich fast so gefremdelt, wie damals, als ich bei der ersten Vorstandssitzung teilnahm.

Jetzt üben wir uns halt in SMS und Skype ein (was wir bisher nur in Ausnahmefällen nutzen), ich werde ihn natürlich auch besuchen. Nun, so eine Kur scheint nicht nur rosig zu sein, das Essen jedenfalls ist schon mal arg bedenklich und die Einrichtung des Zimmers eine kleine Zeitreise. Aber er machte heute eine ganz fidelen Eindruck, hat sogar begonnen, ein Tagebuch zu schreiben … will für mich heißen, er lässt sich darauf ein. Diskussionen wird es aber dennoch geben.

 

Die Maßnahme (81) – und Schluss!

Die Verkäuferin beim Bäcker greift nach dem freundlichen „Guten Morgen“ gleich in die Auslage und fragt erst gar nicht, was ich will, sie hat es sich gemerkt – italian style in Deutschland, sehr schön!

Bevor ich die freitägliche Pizza mit einem Glas Weißwein bestellen kann, nickt der Inder mir nur zu und bereitet das Übliche zu. Das halbe Glas Weißwein, was ich mir zu meiner Befreiung zusätzlich gönne, geht dann noch aufs Haus. Italian style in Deutschland, sehr schön!

Und nun das Fazit – und um hier nicht Seite um Seite zu schreiben – nach dem Motto: Was war das Gute am Schlechten?

Ich weiß und kann mehr, als ich mir vor dieser Zeitvernichtungsmaßnahme zugestanden hätte. Ich bin weit besser in vielen Dingen aufgestellt, als ich dachte. Ein kleinwenig habe ich auch gelernt, wenn auch eher Nebensächlichkeiten (und das steht in keinem Verhältnis zu 81 minus vier Tage „Krankheit“). Ein wenig habe ich an Menschenkenntnis gewonnen und zu gleichen Teilen an einer Art Urvertrauen in den Menschen verloren.

N. tat gut. Und A.! Keine Ahnung, was ich ohne den gemacht hätte? Unsere gegenseitige Aufgabe bestand darin, einfach nicht zu verzweifeln und das letzte Fünkchen Hoffnung, dass es doch noch Spurenelemente von Vernunft gibt, nicht fallen zu lassen. Wären wir am gleichen Standort, würde ich ihm in die Arme fallen, so halt nur virtuell: *umarm*

Und ich weiß, dass es nun ein paar Menschen auf dieser Welt gibt, die nach wie vor aber so was von verdammt froh sein können, dass es nur ein virtuelles Klassenzimmer war und die hoffentlich das Glück haben, mir nie vor die Füße zu laufen.

Und am Freitag kann ich wieder auf den Markt!

Und der Standort lässt sich auch nicht lumpen. Neben vielen guten Wünschen zwei Schlüsselanhänger, einen Bilderrahmen und a red, red rose (in der gelben Ausführung).

 

2014-07-11 14.53.45

 

Folgeerscheinungen

Gerade im Chat, folgender Dialog:

u.: was machst du denn so nebenher wieder alles?
ich: ich bin nur durch die maßnahme gewöhnt, dass, wenn jemand etwas sagte, man 20 minuten warten muss, bis das nächste neue gesagt wird: denn j. hat ein technisches problem – b. hat gerade nicht zugehört – c. hat es einfach so nicht verstanden – r. (die doofe) will wissen, ob sie es richtig verstanden hat – und m. fragt, was davor gewesen ist – worauf d. fragt, ob er schon einen schritt weiter ist

Die Maßnahme (80)

Nach dem Aufwachen – ich kann den Wecker immer noch nicht umstellen, werde den wohl am Montag mal zur Reparatur bringen müssen – überlegt, was ich denn heute so vorhabe. Diese Zeitvernichtungsmaßnahme hier ist mir recht spät erst in den Sinn gekommen.

Das Grauen kennt kein Erbarmen, also stolpern wir weiter durch immer die selben Programmteile, mit immer den selben Fragen, mit immer den selben Problemen, mit immer den selben „geht Nichts“ und „funktioniert Nichts“. Und das wenige Neue, was dazu kommt ist eh in mehrfacher Hinsicht irrelevant.

Morgen Prüfungstag. Prüfungsdauer nun viereinhalb Stunden! Das heißt für mich: viereinhalb Stunden Zeit für das Zippen von zwei Dateien, denn das Prüfungsobjekt ist seit gestern ja schon fertig.

Die Maßnahme (79)

Wir schreiben Mittwoch. Heute ‚lernen‘ wir noch die letzte Anforderung, die das eigene Projekt erfüllen muss – d.h., gegen Mittag dürfte das auch eingebaut sein. Was machen wir dann morgen? Und am Prüfungstag haben wir dann drei (!) Stunden Zeit, zwei Dateien zu zippen. Und die Panik vor dieser gewaltsamen Aufgabe, ist jetzt schon deutlich zu spüren.

Freitag muss ich übrigens um 14 Uhr zum Arzt, oder doch schon 13:30 Uhr? Überleg ich mir in der Mittagspause.

Mein Wecker lässt sich immer noch nicht umstellen, ich bin schon ganz verzweifelt. Ob ich mich mal melden sollte und fragen? Vermute, das würde gar nicht auffallen sondern die Bremserinnen nur dazu bringen, lange und breit zu erzählen, dass sie das Problem auch schon einmal hatten.

Dauernd am überlegen, ob ich denen alle ‚ne gepfefferte Abschiedsmail schreibe, oder im Chat noch mal einen raushaue, in mir ist Wut und Ärger ob dieser verlorenen Zeit.

Die Maßnahme (78)

Als wollten sie heute alle nochmals zeigen, was sie so drauf haben! Die Fragen und Beiträge sind einfach nicht mehr zu unterbieten.

Frage mich wirklich, warum die statt aufzupassen alles dransetzen, ihre Systeme zu zerschießen oder seltene Fehlermeldungen zu generieren. Als bekämen sie Geld dafür. Und so funktioniert nach zwei einfachen Klicks bei zwei mal wieder gar nichts. Langwierige Fehlersuche – und da das Spiel ja so schön ist, spielen wir es den ganzen Tag.

Die Maßnahme (77)

Die letzte Woche. Endlich! Und es wird definitiv die anstrengendste, denn ich habe nicht die geringste Lust mehr, ich will nur noch weg, der Widerwille steigt ins ungeahnte und manche Stimmen sind eine einzige Strafe.

Nach zwei bis drei Klicks wird überprüft, ob alle mitgekommen sind. Im Kindergarten hätte ich Verständnis, wenn es da mal ein paar Ausfälle gäbe. Bei uns erwachsenen Menschen in diesem Kurs gibt es grundsätzlich drei, die etwas nicht kapiert haben, etwas nicht finden oder was auch immer für Probleme sie haben.

Den Bremserinnen ist anscheinend jeden Tag alles neu. Jetzt wird diskutiert, wie man eine Probedatei am besten benennt. Und, s.o., zwei bekommen es wieder nicht mit!

In meinem Projekt, was dann Freitag zur Bewertung ansteht, baue ich mir irgendwo einen doofen Fehler ein, der mir alles zerschießt. Als ich nach fünf Minuten den Fehler nicht finde, entschließe ich die zehn oder elf Minuten zu investieren, um alles nochmals von Grund auf zu machen. Denn viel ist es ja nicht, was wir erreicht haben.

Die Maßnahme (76)

Habe ich doch tatsächlich vergessen, mich um meinen Wecker zu kümmern. Komme dennoch leider noch rechtzeitig zur Wiederholung. Wäre das Tempo der Wiederholung das Lerntempo, dann könnte man richtig was mitbekommen. Aber nach der Pause verfallen wir sicherlich wieder in das Zeitlupentempo.

Je länger man hier zuhören muss, desto klarer wird einem, warum manche von uns arbeitslos sind. Denn wenn schon das einfache Abschreiben Probleme bereitet, wie ist es dann mit selbstständigem Denken und / oder arbeiten bestellt?

Nach der Mittagspause gibt’s dann endlich die Spaltung! Frau Lehrerin entlässt, die sich fitter fühlen in eine eigene Gruppe.

Meine Projektseite behandelt übrigens das Thema „Folter“. Und als Header gibt es einen schmalen Ausschnitt eines Bildes aus dieser Serie (hab‘ ich gerade nicht hier auf dem Rechner, ist aber ganz ähnlich, nur noch bunt halt).

 

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Die Maßnahme (75)

Schon wieder verschlafen. Da hat doch jemand tatsächlich meinen Wecker manipuliert. Ob ich das hinbekomme, die Einstellung wieder rückgängig zu machen?

Man muss sich das mal in aller Ruhe reinziehen. Morgens gibt es mindestens eineinhalb Stunden Wiederholung. Fr. Lehrerin schreibt die (mageren) Lernerfolge des vorangegangenen Tages zwar nicht mit Kreide an die Tafel, aber in ein Note-Pad-Dokument – vor sich hinmurmelnd, sich vertippend, korrigierend, … wie das halt so ist. Fast alle im Kurs schreiben das dann wie früher in der 2. Klasse ab. Beliebtester Satz von Teilnehmerinnen (die weibliche Form ist hier leider wichtig) in dieser Phase: „Können Sie gerade kurz warten, ich muss da noch den letzten Satz abschreiben.“ Ach ja: Wenn die Wiederholung beendet ist, lädt Fr. Lehrerin ihr Dokument in einen Austauschordner, auf den alle Teilnehmer Zugriff haben.

Kann man denn überhaupt einen verstellten Wecker wieder zurückstellen?

Im Kurs ist für dieses Modul ein Neuer. Gerade hat er naiv und heldenhaft zugleich eine Diskussion anregen wollen, ob man zweieinhalb Stunden Wiederholung mit Live-Schreiberei nicht abändern könnte in Wiederholung mit vorbereitetem Script. Er war jedenfalls so klug, seine bittere Niederlage sofort einzusehen. Und da er vorher in einem anderen Kurs war, kann man seinem Urteil schon trauen: „Dieser Kurs scheint wirklich nicht durch Intelligenz sich auszuzeichnen.“

Frau Lehrerin klickt vier Schritte vor. Alle klicken die vier Schritte nach. Dann werden diese vier Schritte im Durchschnitt dreimal wiederholt, weil irgendeine der Bremserinnen es nicht mitbekommen hat und dann werden bei immer denselben minutenlang Flüchtigkeitsfehler gesucht. Im Anschluss weiter vier Klicks mit Wiederholung und Fehlersuche … und so verbringt man den gesamten Nachmittag. Weit kommt man übrigens damit nicht.

Dann ist Übungsstunde. Äh, was wollen, sollen, können wir üben? Wir haben doch heute nichts so gelernt, dass sich ein Nachbau lohnen würde, werden uns doch erst morgen die fehlenden Befehle diktiert?

 

Die Maßnahme (74)

Verschlafen. Leider nicht lang genug. Aber eine Idee ist geboren.

Jeder VHS-Kurs für Senioren kommt zügiger voran.

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