Durch die Zeit

Kategorie: Die Maßnahme

17 – Diotima hat ihre Lektüre gewechselt (810-821)

Diotima ist krank – Ulrich besucht sie in ihrem Schlafzimmer – sie hat Menstruationskrämpfe – Geplauder – über die Tat – Introspektionen zum Thema Liebe – sie denkt viel an Arnheim – Ulrich vermutet derweil, dass Diotima schwanger ist – ist sie aber nicht – beide versinken in eigene Gedanken – bis Rachelle sie daraus erschreckt – er kündigt an, seine Sekretärsstelle niederzulegen – sie spricht ihn auf Bonadea an – weiß von seinem Verhältnis

Kann man denn das Problem der Liebe lösen, indem man sich scheiden läßt oder heiratet? (815)

Kurz zusammengefasst: ein Kapitel über die Frage, ob Ehebruch OK ist oder nicht. In der moralinsauren Zeit von damals eine eher brisante Frage, gerade in so einem ‚ernsten‘ Buch wie dem hier. Beide Protagonisten verkörpern verschiedene Sichtweisen, wobei beide ihre Zweifel an der eigenen Sichtweise haben, so dass bspw. Diotima wegen Arnheim durchaus einen Ehebruch u.U. in Erwägung ziehen könnte.

Leer ist nicht gleich leer

Es ist ja nun wirklich nicht das erste Mal, dass ich für ein paar Tage alleine hier in der Wohnung bin und der Mann abwest. Aber es ist schon doch gerade irgendwie ‚anders‘. Gestern und heute habe ich noch etwas aufgeräumt und merkte, wie ich verschiedene Dinge einfach in den Schrank stelle, weil klar ist, solange mein Mann nicht hier ist, wird das Kännchen nicht gebraucht. (Und ich fragte mich, wie es all denen geht, die so was auch machen müssen, weil sie wissen, dass der / die PartnerIn gerade gestorben ist.)

Mein sorgenvollster Blick gilt dem Kühlschrank, denn der ist voll – und leider auch voll mit Dingen, die ich nicht so mag, aber er. Jetzt bin ich zwar tapfer dabei, die Vorräte aufzuessen – und ich kann nur hoffen, dass E. am WE kommt und mir dabei hilft.

Den Wäscheständer habe ich auch schon aus dem Flur in sein Zimmer verbannt, im Bad hängt an der Heizung nur noch ein großes Handtuch … so was halt.

Und die ‚Leere‘ in der Wohnung fühlt sich ‚länger‘ an.

Was mir zum ersten Mal auffällt, ist, dass mein ‚Fremdeln‘ wohl ein Ausdruck meines ‚inneren Gleichgewichtes‘, meines ‚inneren Zustandes‘ sein könnte. Denn mit und durch die Nachricht von gestern, müsste ich ja eigentlich auf Wolke 7 tanzen, aber heute im Vorstand von Verein 1 (und auch gestern) hab‘ ich fast so gefremdelt, wie damals, als ich bei der ersten Vorstandssitzung teilnahm.

Jetzt üben wir uns halt in SMS und Skype ein (was wir bisher nur in Ausnahmefällen nutzen), ich werde ihn natürlich auch besuchen. Nun, so eine Kur scheint nicht nur rosig zu sein, das Essen jedenfalls ist schon mal arg bedenklich und die Einrichtung des Zimmers eine kleine Zeitreise. Aber er machte heute eine ganz fidelen Eindruck, hat sogar begonnen, ein Tagebuch zu schreiben … will für mich heißen, er lässt sich darauf ein. Diskussionen wird es aber dennoch geben.

 

Die Maßnahme (81) – und Schluss!

Die Verkäuferin beim Bäcker greift nach dem freundlichen „Guten Morgen“ gleich in die Auslage und fragt erst gar nicht, was ich will, sie hat es sich gemerkt – italian style in Deutschland, sehr schön!

Bevor ich die freitägliche Pizza mit einem Glas Weißwein bestellen kann, nickt der Inder mir nur zu und bereitet das Übliche zu. Das halbe Glas Weißwein, was ich mir zu meiner Befreiung zusätzlich gönne, geht dann noch aufs Haus. Italian style in Deutschland, sehr schön!

Und nun das Fazit – und um hier nicht Seite um Seite zu schreiben – nach dem Motto: Was war das Gute am Schlechten?

Ich weiß und kann mehr, als ich mir vor dieser Zeitvernichtungsmaßnahme zugestanden hätte. Ich bin weit besser in vielen Dingen aufgestellt, als ich dachte. Ein kleinwenig habe ich auch gelernt, wenn auch eher Nebensächlichkeiten (und das steht in keinem Verhältnis zu 81 minus vier Tage „Krankheit“). Ein wenig habe ich an Menschenkenntnis gewonnen und zu gleichen Teilen an einer Art Urvertrauen in den Menschen verloren.

N. tat gut. Und A.! Keine Ahnung, was ich ohne den gemacht hätte? Unsere gegenseitige Aufgabe bestand darin, einfach nicht zu verzweifeln und das letzte Fünkchen Hoffnung, dass es doch noch Spurenelemente von Vernunft gibt, nicht fallen zu lassen. Wären wir am gleichen Standort, würde ich ihm in die Arme fallen, so halt nur virtuell: *umarm*

Und ich weiß, dass es nun ein paar Menschen auf dieser Welt gibt, die nach wie vor aber so was von verdammt froh sein können, dass es nur ein virtuelles Klassenzimmer war und die hoffentlich das Glück haben, mir nie vor die Füße zu laufen.

Und am Freitag kann ich wieder auf den Markt!

Und der Standort lässt sich auch nicht lumpen. Neben vielen guten Wünschen zwei Schlüsselanhänger, einen Bilderrahmen und a red, red rose (in der gelben Ausführung).

 

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Folgeerscheinungen

Gerade im Chat, folgender Dialog:

u.: was machst du denn so nebenher wieder alles?
ich: ich bin nur durch die maßnahme gewöhnt, dass, wenn jemand etwas sagte, man 20 minuten warten muss, bis das nächste neue gesagt wird: denn j. hat ein technisches problem – b. hat gerade nicht zugehört – c. hat es einfach so nicht verstanden – r. (die doofe) will wissen, ob sie es richtig verstanden hat – und m. fragt, was davor gewesen ist – worauf d. fragt, ob er schon einen schritt weiter ist

Die Maßnahme (80)

Nach dem Aufwachen – ich kann den Wecker immer noch nicht umstellen, werde den wohl am Montag mal zur Reparatur bringen müssen – überlegt, was ich denn heute so vorhabe. Diese Zeitvernichtungsmaßnahme hier ist mir recht spät erst in den Sinn gekommen.

Das Grauen kennt kein Erbarmen, also stolpern wir weiter durch immer die selben Programmteile, mit immer den selben Fragen, mit immer den selben Problemen, mit immer den selben „geht Nichts“ und „funktioniert Nichts“. Und das wenige Neue, was dazu kommt ist eh in mehrfacher Hinsicht irrelevant.

Morgen Prüfungstag. Prüfungsdauer nun viereinhalb Stunden! Das heißt für mich: viereinhalb Stunden Zeit für das Zippen von zwei Dateien, denn das Prüfungsobjekt ist seit gestern ja schon fertig.

Die Maßnahme (79)

Wir schreiben Mittwoch. Heute ‚lernen‘ wir noch die letzte Anforderung, die das eigene Projekt erfüllen muss – d.h., gegen Mittag dürfte das auch eingebaut sein. Was machen wir dann morgen? Und am Prüfungstag haben wir dann drei (!) Stunden Zeit, zwei Dateien zu zippen. Und die Panik vor dieser gewaltsamen Aufgabe, ist jetzt schon deutlich zu spüren.

Freitag muss ich übrigens um 14 Uhr zum Arzt, oder doch schon 13:30 Uhr? Überleg ich mir in der Mittagspause.

Mein Wecker lässt sich immer noch nicht umstellen, ich bin schon ganz verzweifelt. Ob ich mich mal melden sollte und fragen? Vermute, das würde gar nicht auffallen sondern die Bremserinnen nur dazu bringen, lange und breit zu erzählen, dass sie das Problem auch schon einmal hatten.

Dauernd am überlegen, ob ich denen alle ‚ne gepfefferte Abschiedsmail schreibe, oder im Chat noch mal einen raushaue, in mir ist Wut und Ärger ob dieser verlorenen Zeit.

Die Maßnahme (78)

Als wollten sie heute alle nochmals zeigen, was sie so drauf haben! Die Fragen und Beiträge sind einfach nicht mehr zu unterbieten.

Frage mich wirklich, warum die statt aufzupassen alles dransetzen, ihre Systeme zu zerschießen oder seltene Fehlermeldungen zu generieren. Als bekämen sie Geld dafür. Und so funktioniert nach zwei einfachen Klicks bei zwei mal wieder gar nichts. Langwierige Fehlersuche – und da das Spiel ja so schön ist, spielen wir es den ganzen Tag.

Die Maßnahme (77)

Die letzte Woche. Endlich! Und es wird definitiv die anstrengendste, denn ich habe nicht die geringste Lust mehr, ich will nur noch weg, der Widerwille steigt ins ungeahnte und manche Stimmen sind eine einzige Strafe.

Nach zwei bis drei Klicks wird überprüft, ob alle mitgekommen sind. Im Kindergarten hätte ich Verständnis, wenn es da mal ein paar Ausfälle gäbe. Bei uns erwachsenen Menschen in diesem Kurs gibt es grundsätzlich drei, die etwas nicht kapiert haben, etwas nicht finden oder was auch immer für Probleme sie haben.

Den Bremserinnen ist anscheinend jeden Tag alles neu. Jetzt wird diskutiert, wie man eine Probedatei am besten benennt. Und, s.o., zwei bekommen es wieder nicht mit!

In meinem Projekt, was dann Freitag zur Bewertung ansteht, baue ich mir irgendwo einen doofen Fehler ein, der mir alles zerschießt. Als ich nach fünf Minuten den Fehler nicht finde, entschließe ich die zehn oder elf Minuten zu investieren, um alles nochmals von Grund auf zu machen. Denn viel ist es ja nicht, was wir erreicht haben.

Die Maßnahme (76)

Habe ich doch tatsächlich vergessen, mich um meinen Wecker zu kümmern. Komme dennoch leider noch rechtzeitig zur Wiederholung. Wäre das Tempo der Wiederholung das Lerntempo, dann könnte man richtig was mitbekommen. Aber nach der Pause verfallen wir sicherlich wieder in das Zeitlupentempo.

Je länger man hier zuhören muss, desto klarer wird einem, warum manche von uns arbeitslos sind. Denn wenn schon das einfache Abschreiben Probleme bereitet, wie ist es dann mit selbstständigem Denken und / oder arbeiten bestellt?

Nach der Mittagspause gibt’s dann endlich die Spaltung! Frau Lehrerin entlässt, die sich fitter fühlen in eine eigene Gruppe.

Meine Projektseite behandelt übrigens das Thema „Folter“. Und als Header gibt es einen schmalen Ausschnitt eines Bildes aus dieser Serie (hab‘ ich gerade nicht hier auf dem Rechner, ist aber ganz ähnlich, nur noch bunt halt).

 

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Die Maßnahme (75)

Schon wieder verschlafen. Da hat doch jemand tatsächlich meinen Wecker manipuliert. Ob ich das hinbekomme, die Einstellung wieder rückgängig zu machen?

Man muss sich das mal in aller Ruhe reinziehen. Morgens gibt es mindestens eineinhalb Stunden Wiederholung. Fr. Lehrerin schreibt die (mageren) Lernerfolge des vorangegangenen Tages zwar nicht mit Kreide an die Tafel, aber in ein Note-Pad-Dokument – vor sich hinmurmelnd, sich vertippend, korrigierend, … wie das halt so ist. Fast alle im Kurs schreiben das dann wie früher in der 2. Klasse ab. Beliebtester Satz von Teilnehmerinnen (die weibliche Form ist hier leider wichtig) in dieser Phase: „Können Sie gerade kurz warten, ich muss da noch den letzten Satz abschreiben.“ Ach ja: Wenn die Wiederholung beendet ist, lädt Fr. Lehrerin ihr Dokument in einen Austauschordner, auf den alle Teilnehmer Zugriff haben.

Kann man denn überhaupt einen verstellten Wecker wieder zurückstellen?

Im Kurs ist für dieses Modul ein Neuer. Gerade hat er naiv und heldenhaft zugleich eine Diskussion anregen wollen, ob man zweieinhalb Stunden Wiederholung mit Live-Schreiberei nicht abändern könnte in Wiederholung mit vorbereitetem Script. Er war jedenfalls so klug, seine bittere Niederlage sofort einzusehen. Und da er vorher in einem anderen Kurs war, kann man seinem Urteil schon trauen: „Dieser Kurs scheint wirklich nicht durch Intelligenz sich auszuzeichnen.“

Frau Lehrerin klickt vier Schritte vor. Alle klicken die vier Schritte nach. Dann werden diese vier Schritte im Durchschnitt dreimal wiederholt, weil irgendeine der Bremserinnen es nicht mitbekommen hat und dann werden bei immer denselben minutenlang Flüchtigkeitsfehler gesucht. Im Anschluss weiter vier Klicks mit Wiederholung und Fehlersuche … und so verbringt man den gesamten Nachmittag. Weit kommt man übrigens damit nicht.

Dann ist Übungsstunde. Äh, was wollen, sollen, können wir üben? Wir haben doch heute nichts so gelernt, dass sich ein Nachbau lohnen würde, werden uns doch erst morgen die fehlenden Befehle diktiert?

 

Die Maßnahme (74)

Verschlafen. Leider nicht lang genug. Aber eine Idee ist geboren.

Jeder VHS-Kurs für Senioren kommt zügiger voran.

Die Maßnahme (73)

Langsam wird es zu viel: Nicht nur unfähige Kursteilnehmerinnen sondern auch mal wieder Autofahrerinnen, die gerade bis zu ihrem Lippenstift denken können, und dann hier am Standort Hirnamputierte, die meinen vor den eh schon lauten Räumen noch schlechtes Theater spielen zu müssen. Jetzt wissen alle im Raum, dass ich auch laut werden kann.

Das Niveau nähert sich beängstigend einer einfachen Art von Beschäftigungstherapie an.

Kurz nach dem Mittagessen beschließe ich, Migräne zu haben – und gehe.

Die Maßnahme (72)

Letzter Akt! – Letzte Vorstellungsrunde!

Sympathische Frauenstimme. Klingt so, als hätte sie ausreichend Erfahrung. Aber die Bremserinnen sind wieder geschlossen da, die die letzte Einheit haben ausfallen lassen. Und sie sind wieder mit voller Kraft da … und fast noch dümmer als zuvor!

Eigentlich sind das Kabarettszenen die hier ablaufen. Wäre das alles eine Bühne, für die man Eintritt gezahlt hat, könnte man schallend lachen und fühlte sich ob dieser unerwarteten Wendungen bestens unterhalten. Doch es ist keine Bühne und die Wirklichkeit ist grausam.

Und irgendeine von den Bremserinnen pennt immer – das scheint ein Naturgesetz zu sein.

Und A. bringt es für einige auf den Punkt: „Frührente!“

Die Maßnahme (71)

OK, die Aufgabe ist machbar, haben ja auch genug Zeit. Aber es ist auch die erste Aufgabe mit etwas Anspruch, daher macht sich leichte Nervosität breit.

1 Stunde 15, davon 15 Minuten für einen blöden Denkfehler.

Der Nachmittag dann nach dem Motto: Zum einem Ohr rein, zum anderen gleich wieder raus.

Die Maßnahme (70)

Heute ist mir einer auf dem Rad hinterher. Ich bilde mir mal ein, diesmal war es mein Arsch, der gefiel.

Ansonsten angestrengtes Abschreiben. Didaktisch ist das nicht gerade die hohe Schule.

Morgen die vorletzte Prüfung schon um 9 … nun gut.

Es gibt ja einige (weiblich) im Kurs, die sehr, sehr froh sein können, dass sie mir nicht begegnen – und dennoch, als M. (männlich) kurz anrief gar keine Zögern ihm morgen bei der Prüfung Unterstützung zuzusagen. Da wir ja nicht überwacht werden und wir das Internet zur Verfügung haben und nun auch wissen, welche Tools man so nutzen kann …

Die Maßnahme (69)

So wie eigentlich immer: Es geht überhaupt nicht vorwärts. Und bei dem Großteil der Fragen ist klar, dass die Fragenden entweder nicht aufgepasst oder Grundsätzliches nicht verstanden haben. Und der Herr Lehrer ist sicher, dass die Durchschnittsquote wieder bei 95 Prozent liegen wird?

Wir schreiben Juni – und die Fenster im Raum bleiben das erste Mal geschlossen, es würde sonst echt zu kalt werden.

Die Maßnahme (68)

Mal wieder dem hübschen Arsch hinter her. Der versuchte zu entfliehen, wie gesagt, versuchte.

Tempo wieder zurückgenommen, dazu mal wieder Fragen vom zweiten Tag. Schade, dabei hatte es so gut begonnen.

Übungsaufgabe fordert ganz schön … aber geschafft, fast jedenfalls, das Ding in der Mitte, dazu braucht es irgendeinen mir noch unbekannten Befehl und die Goolge-Suche ergibt nichts Sinniges, weil ich es nicht richtig benennen kann.

Die Maßnahme (67)

Heute nur noch 2/3 anwesend.

Tempo endlich mal so, wie es sein sollte. Es geht vorwärts, man bekommt was mit. Doch nach zwei Stunden der kleine Tempoaufstand: Bitte nicht so schnell – langsamer – mehr wiederholen. Es ist einfach so, als wollten manche partout nichts lernen.

Die Maßnahme (66)

Das Unverständnis nimmt zu. Der kleinste neue Lerninhalt haut mindestens drei aus der Bahn. Das dauert, bis die wieder eingefangen sind. Und dann immer wieder Fragen, die ihre Berechtigung am ersten Tag hatten, aber nicht mehr jetzt.

Die Maßnahme (65)

Gab’s lange nicht mehr: technische Probleme. Die Hälfte schafft es nicht ins Internet (und damit eben nicht in den virtuellen Klassenraum) – also wird so durch die Gegend getrödelt, bis es die Masse geschafft hat.

Etwas später dann eine Einführung in die Benutzung der Tastatur und das Wälzen von Problemen, die die Welt noch nie gesehen hat. Die reinen Slapsticknummern!

Stimmung nicht gut, Stoff heute etwas durcheinander, was zum Chaos führt.

Die Maßnahme (64)

Die morgendliche Rückfragerunde – fünfzehn Minuten sind vorgesehen – verlängert sich am dritten Tag schon massiv.

Dann wieder eine Reihe Anfängerfragen, je mehr es werden, desto unhöflicher wird der Herr Lehrer, der sich dann indirekt auch beschwert. Aber wirklich unterbinden kann er sie leider nicht. Dennoch ein kleines Stück vorangekommen.

Die Maßnahme (62)

Erste Erkenntnis des heutigen Tages: Wenn man etwas zum lernen hat, vergeht die Zeit wesentlich schneller!

Zweite Erkenntnis des heutigen Tages: Wenn man etwas gelernt hat, fühlt man sich irgendwie besser.

Die Maßnahme (62)

Die vorletzte Vorstellungsrunde. Alle verkürzen enorm. Der Herr Lehrer scheint so eine Frohnatur zu sein.

90 Minuten und der Herr Lehrer hat schon die ersten Rüffel verteilt. Kuschelig scheint das nicht zu werden – aber dafür steigen die Chancen, mal etwas zu lernen. Mal sehen, wie die bisherigen Bremsen damit umgehen.

Jour Fixe: Endlich kommt das unterschiedliche Niveau deutlich zur Sprache. Die Bremser, die ja Bremserinnen sind, melden sich eifrigst zu Wort, ich bekomme einiges als Buh-Mann ab, doch zum ersten Mal bekomme ich auch Unterstützung. Ergebnis: die Graben ist nun so richtig tief ausgehoben, die Fronten klar, jetzt können wir die restlichen Tage eins auf „Stellungskrieg“ machen.

Die freitägliche Pizza heute etwas dunkler als sonst.

Dann gibt es Kino, und zwar ganz großes Kino. Herr Lehrer fragt, etwas schnippisch zugegeben, ob denn die Kursteilnehmerin schon mal mit einem Computer gearbeitet hätte, weil es ihr nicht gelingt, einen Ordner auf dem Desktop anzulegen. Die fängt an zu weinen, woraufhin hin eine andere Teilnehmerin den Herr Lehrer anschreit, der fühlt sich beleidigt und donnert zurück. Es wird zurückgedonnert, mit Kursauschluss gedroht. Beide Kurssprecher steigen dann in die Runde und versuchen zu schlichte und zu beruhigen – was dann auch mit einigen Mühen gelingt. Man einigt sich auf „Schwamm drüber“ und einen Neustart. Der Kursbetreuer holt mich dann aus dem Kurs, will wissen was los, ist der stellvertretende Kurssprecher konferiert mit mir in der Pause, nebenher noch etwas Seelentrösterei – wau, was für ein Bausteinauftakt.

Dann geht es im Schneckentempo weiter, alle schauen zu, wie ein neuer Ordner auf einem Desktop angelegt wird – wahnsinnig spannend und so was von lehrreich …

Als ich den Kopfhörer weglege, sprechen mich sofort zwei aus meinem Raum an. Was denn bei mir los sei, das sei ja richtig spannend gewesen zuzuhören. Wir unterhalten uns mindestens zehn Minuten, also eineinhalb Ewigkeiten lang, und stellen fest, in den Kursen ist es überall gleich. Ein Teil hängt gelangweilt über dem Rechner, weil nichts Neues kommt und ätzt im Chat, der andere Teil ist im Stress, weil alles zu schnell geht.

Wenn ich A. nicht hätte!

Die Maßnahme (61)

Verschlafen! Wie konnte das bloß passieren? Tztztz …

Langes warten auf die Bausteinprüfung. Es läuft zum gleichen Programm derzeit ein Parallelkurs, wie ich an der Druckerstation feststellen konnte. Dort lag nämlich deren Aufgabestellung. Sagen wir mal so: Ich hätte an ein paar Stellen Mühen gehabt, d.h., bei einem Teil der anderen wären Tränen der Verzweiflung geflossen. Unsere Aufgabenstellung so pillepalle, dass ich dauernd suchte, ob ich etwas überlesen hätte.

Gleich mal die Aufgabenstellung in den Chat gestellt um zu dokumentieren, was die in dem anderen Kurs gelernt haben und auf welch lächerlichem Niveau wir uns bewegten. Natürlich kam keine Rückmeldung.

Die nächste hat einen Job. Neid.

Warten bis zum Ende, denn früher gehen ist, wie im Kindergarten, ja nicht drin.

Die Maßnahme (60)

Das Unterrichtsskript für heute besteht aus einer einzigen DIN A 4 Seite. D.h.: Zwei Stunden Wiederholung, drei Stunden der neue Stoff, der Rest wird dann ausgefüllt werden mit panischen Fragen zur morgigen Bausteinprüfung. Es ist und bleibt eine reine Zeitvernichtungsmaßnahme.

OK, da ist mein Pessimismus mit mir durchgegangen, wir haben nur vier Stunden gebraucht. Für den Rest des Tages ist Arbeit am eigenen Projekt angesagt, aber da ich mit meinen zwei großen schon durch bin …

Die Maßnahme (59)

Das Wochenende war eindeutig zu lang und zu heiß. Vom Lernstoff am Freitag ist nichts übrig geblieben und bei einigen sind nun auch noch die basalsten Grundkenntnisse der Computerbedienung verloren gegangen.

Der FAZ-Comic ist zwar nicht wirklich gut, vertreibt aber die Zeit.

Vier Dinge gab es heute zum lernen. Im Normalfall hätte man maximal zwei Stunden dafür gebraucht, schätzungsweise weniger. Wir schaffen es mit Mühen in sechs. Eine Mitschülerin will mich wieder aufmuntern und bittet um Geduld – ich antworte u.a. damit, dass wir dennoch einfach nicht weiterkommen, weil ein paar Leute entweder nicht aufpassen oder – und das scheint leider die Wahrheit zu sein – schlichtweg zu dumm sind.

Was die anderen hier im Raum von mir denken? Wenn sie auf meinem Schirm schauen, sehen sie Nachrichtenseiten, Comics, einfache Spiele – und nur selten mal ein Computerprogramm. Ob die mich beneiden?

Die letzten 20 Minuten gebe ich mir hitzefrei – kann diese eine Frauenstimme einfach nicht mehr ab.

Die Maßnahme (58)

Frag mich ja schon seit Wochen, warum ich eigentlich noch pünktlich komme. Denn die morgendliche Wiederholung, Minimum 90 Minuten, brauche ich zumindest nicht. Die anderen tun teilweise so, als hörten sie es zum ersten Mal. Da sind können manche so froh sein, dass es ein virtuelles Klassenzimmer ist.

Es sind noch keine zwei Stunden vergangen und ich könnte die Mittagspause dringend brauchen.

Nach der Mittagspause gibt es für jeden ein Eis mit dem Hinweis: „Nichts im Chat verraten!“

Die Maßnahme (57)

Die Wiederholung überlasse ich den anderen und bastel einfach an einem weiteren Projekt rum.

Heute fällt es mir extrem schwer, zuzuhören. Auf manche Stimmen reagiere nach dem ersten Ton nur noch gereizt. Aber die Ansammlung von dummen und saudummen Fragen ist schon enorm, fast schon wieder eine Leistung. Aber die meinen das wirklich ernst.

Wenn nicht noch was Wesentliches kommt, mache ich eins auf Bauchweh und geh.

Jetzt eine Übung. Brauche um die 10 Minuten, weil die eine Einstellung dann etwas knifflig ist (Minuswerte – was sind denn Minuswerte, das hatten wir doch noch gar nicht und wie stelle ich Minuswerte ein, braucht es da denn ein ‚-‚ davor?). Und was mache ich wieder mit den restlichen 50 Minuten.

Ich hab definitiv Bauchweh und gehe.

Die Maßnahme (56)

Ärger macht sich breit. Eine Mitschülerin beschwert sich ob meiner Seitenhiebe im Chat bei mir. Dann wird es kurz heftig, als ich ihr erkläre, ich würde auch gerne mal etwas lernen.

Jetzt wie immer. Die schöne Stimme erklärt etwas, irgendwelche drei haben es „nicht mitbekommen“, also wird alles nochmals durchgekaut (also das von gestern). Es gibt einfach kein Erbarmen.

Im Pausenraum haben sie einen kleinen Brunnen aufgestellt. Es gibt wohl einige, die etwas Ruhe benötigen.

Keine Ahnung was mit den anderen los ist. Es ist, als wäre es der letzte Tage, an dem es etwas zu lernen gibt. Es wird sich gemeldet, als gäbe es für jede Meldung mindestens fünf Euro. Aber Quantität ist ja bekanntlich nicht immer mit Qualität gleichzusetzen.

Die Maßnahme (55)

Der Tag beginnt wie er verlaufen wird. Ein Mitschüler meldet sich verzweifelt, er bekommt die Datei von gestern nicht auf. Das ist aber auch gut so – er verwendet schlichtweg das falsche Programm.

Multitasking muss eine Lüge sein. Denn eine Datei schließen und (!) derweil zuhören ist zumindest hier im Kurs nicht möglich. Also darf die schöne Stimme wiederholen und wiederholen und wiederholen.

Heute tut die Dummheit richtig weh. Und es sind immer dieselben, die nichts kapieren (oder kapieren wollen) und denen es wohl Lust bereitet, nachzufragen was das Zeugs hält.

Etwas weiter im E.-Projekt und ein paar Rezepte reicher.

Anton Weyrother

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