Durch die Zeit

Kategorie: GT

GT (47)

Je weniger wir sind, desto weniger reicht die Zeit. Wie haben wir zu neunt noch eine halbe Stunde für eine Aufstellung übrige gehabt, wenn wir zu sechst gerade so noch die Einführungsrunde schaffen?

Dass diese Gruppe ein definitives Ende hat, tut ihr gut. Ich hab ja schon sehr, sehr früh die Hosen runtergelassen (Ende letzten Jahres), jetzt beginnt wenigsten S. dem gleich zu tun und auch L. packt mal etwas aus. C I schimmt noch gut mit, während C II und A. wohl langsam merken, dass Verstecken nicht mehr so der Bringer ist.

Es tut gut, dass der Psychdoc auch etwas aus seiner Deckung rausgeht, weil auch er weiß, dass er nicht mehr auf sehr viel Zeit spielen kann.

Ich finde es gerade echt schade, dass wir in eine fünfwöchige Sommerpause gehen.

Und ich freue mich gerade viereckig, dass L. (!!!) mich heute das erste Mal sogar mit einer Bitte direkt angesprochen hat. Und ja, ich werde liefern, ich werde ihr ein paar Proust-Zitate mitbringen.

GT (46)

Komische Stimmung heute. Keine/r will anfangen – das Kampfschweigen dauert lange, bis ich es nur noch doof finde. So zieht sich das durch die 100 Minuten, keine/r will wirklich arbeiten, da kann der Psychdoc sich noch so sehr bemühen, richtig landen tut er nur selten. Ich bin die ganze Zeit – obwohl ich zuhör – weit weg und weitgehend uninteressiert, was gerade abgeht. Aber da nicht viel …

GT (46)

Wir sind nur zu sechst! Und der Psychodoc scheint seine letzten Kräfte zu mobilisieren, da er ja im März aufhören wird. Er ist jedenfalls hochpräsent und messerscharf.

Und da die Einzelnen in dieser kleinen Beseztung mehr Zeit haben, ergibt sich ein extrem spannendes Konglomerat aus den Beiträgen von S., C. II und mir. Und da sich all drei nicht hinter Floskeln verstecken, ist das ein recht harter, aber intensiver Austausch.

S. und mir ist sozusagen das gleich passiert, C. II hat da wohl auch Erfahrungen sammeln müssen. Auch wenn wir da komplett anders damit umgehen, hat sich heute eine Struktur bei uns gezeigt, die sich ähnelt und wo zumindest ich jetzt etwas einfacher von ihnen lernen / abschauen kann.

GT (45)

Fast vollständig – das hat es schon lange nicht mehr gegeben.

Der PsychDoc überrascht mit der Nachricht, dass er nächstes Jahr Ostern aufhören wird. So alt sieht der gar nicht aus. Heißt aber auch: Für mich ist damit das späteste Ende der Therapie terminiert.

Dann wieder ein bunter Strauß an Themen, teils sehr emotional wenn auch manchmal für mich nicht mehr nachvollziehbar. Ich gehöre mit meinem Thema echt zu den ‚leichteren Fällen‘, auch wenn mir dieser Tage eine weitere Auswirkung klar geworden ist.

Kurz vor Ende kann ich aus dem Gesagten dann wenigstens noch etwas für die Woche mitnehmen. So ein Art Tabu-Thema, denn man wünschst ja niemanden den Tod. Aber er kann manchmal für die ‚Hinterbliebenen‘ eine Befreiung sein.

GT (44)

Wir sind nur zu sechst, also kleiner Kreis. Ermöglicht für jeden etwas mehr Zeit. Wir sind alle recht lebendig unterwegs und schenken uns heute nichts. Interessanterweise bringt heute auch fast jede/r ein echtes Thema ein und hüpft nicht nur auf den eigenen Empfindlichkeiten rum. L. geht es so richtig mies, viele Tränen, viel Verzweiflung

GT (43)

Nichts wirklich Neues unterm dem gruppentherapeutischen Himmel – ausgenommen danach.

Derweil kauen wir an unseren Themen rum und kommen in lebhaften Austausch. Der Psychdoc heute auch sehr gesprächig und erklärend. Er bringt eine Zeichnung von F.K. Wächter mit. Darauf zu sehen ein fliegender, übermäßig dürrer Hahn, auf dem eine Fette Henne sitzt, und sich fliegen lässt. Text dazu: „Denk daran, dass ich Dich unter Schmerzen geboren habe.“ Kommt (noch) nicht bei allen an.

Kurz unterhalte ich mich noch mit S. auf der Straße, da kommt C. auf mich zu, sie wolle mir noch etwas sagen und – ja, wir wagen es! obwohl aus therapeutischen Gründen nicht gewollt, nahezu verboten: Wir gehen ein Stück des Heimweges gemeinsam. Premiere, die gut tut.

GT (42)

Man tagt ohne Mund-Nasen-Schutz, also bin ich wieder dabei.

Die Einstiegsrunde ist eher dröge. Ich weiß zu berichten, dass ich die letzten beiden Wochen wirklich viel an meinem Thema gearbeitet habe (auch dank E.), aber das ich aufpassen muss, mich nicht zu übernehmen. Positves gibt es dann auch noch von mir – die Stunde könnte also gleich enden.

Tut sie aber nicht.

J. wird Thema, der in zwei Wochen in die Akutklinik kann – »akut« heißt in dem Fall, er hat nur, dank Virus, fünf Wochen warten müssen. Der Therapeut fordert mich auf, zu einem bestimmten Komplex etwas zu sagen. Nach den ersten zwei Sätzen merke ich, mit welcher Intensität ich da spreche, welche gar nicht mal so schlechte Metaphern mir einfallen, wie eindrücklich ich schildern kann … und als ich fertig bin, will ich nur noch weinen und weiß gar nicht einmal warum.

Meine Wochenaufgabe.

GT (41)

Nach sieben Wochen Corona-Pause treffen wir uns wieder in einem anderen, größerem Raum. Mit Mundschutz. Total surreal, befremdlich und für mich stark beängstigend.

Ein Update wird ausgerufen und jede/r erzählt kurz, wie er / sie die letzten sieben Wochen überstanden hat – was lauter Überraschungen birgt. Kurz zusammengefasst. Einem Teil geht es durch die Lockdown wesentlich besser, geradezu gut, einem andern Teil, einem kleinerem, wesentlich schlechter, so dass jetzt bspw. bei J. Klinik ansteht und einem dritten geht es „gleich“, wozu ich mich zählen würde.

Im Nachhinein sind die Entwicklungen ‚konsequent‘, wenn auch nicht immer gut, denn so hat sich C. (gut) erst recht ins Schneckenhaus zurückziehen können, derweil A. (schlecht) mal was anderes tun musste, als mikroskopische Nabelschau zu betreiben.

Sehr interessant zu beobachten. Vor der Sitzung treffen wir uns alle – ohne Mundschutz – auf der Straße und führen lebhafte Gespräche; anch der Sitzung treffen wir uns alle – ohne Mundschutz – auf der Straße und führen lebhafte Gespräche. Das hat es noch nie gegeben.

Ob ich unter diesen Umständen weiter mache, weiß ich noch nicht, denn diese diffuse Angst derweil lässt mich unkonzentriert sein. Ich kann kaum richtig zuhören, schaue über 90 Minuten kaum jemanden an, erzähle selber nur Trallalla, entwickle Kopfschmerzen und fühle ich mich ausgesprochen unwohl.

 

GT (40)

Zweimal ist keinmal. Aber Zweimal gibt dennoch Hoffnung, dass es dreimal wird. Die zweite Stunde, in der der und die andere endlich mal die Hosen ein Stück tiefer hat fallen lassen. Kerne werden sichtbar. Es geht weniger um Empfindlichkeiten oder Auswirkungen, sondern mehr um das woher-kommt-das.

Zwei der anderen drei, die mit meinem Thema auch unterwegs sind, haben es heute zwar nicht angesprochen, waren aber weit über die Andeutung hinaus. Und in mir sehen sie gerade den Experten. Ich sage ‚gerne‘ was dazu, aber mir kommen derweil die Tränen. Realisiere ich langsam das Leid?

Heute ist was passiert. Ich glaube nicht mehr daran, dass ich gesunden werde, sondern dass ich ’nur‘ lernen kann, damit umzugehen. Der? / Ein? Schleier ist weg?

Es wird immer wichtiger, dass ich mit Menschen in Kontakt kommen, die es auch erlebt haben.

Seit Wochen habe ich auf den Schreibtisch eine Telefonnummer liegen für eine Selbsthilfegruppe.

GT (39)

So richtig viel kann ich mal wieder nicht mitnehmen, aber dafür war die Stunde herrlich dynamisch mit leicht chaotischen Zügen. Diesmal nicht nur dauernd Dialoge zwischen Psychodoc und einem Gruppenmitglied gefolgt von der schüchternen Frage eines anderesn aus der Gruppe, ob er oder sie auch noch was fragen dürfte – nein, heute ging es in die Vollen. Der Psychdoc ließ laufen und hat dann immer noch einen draufgesetzt – das kann er mit vollendeter Grazie und Zielsicherheit.

Anton Weyrother

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