Durch die Zeit

Kategorie: GT

GT (36)

Beobachten bzw. etwas zu registrieren und daraus Rückschlüsse zu ziehen, ist ja eher die Stärke der Frauen. Ich versuche seit Jahren das zu üben – immerhin in der Therapiegruppe gelingt es mir zu registrieren, aber eben noch nicht immer, Schlüsse zu ziehen.

Heute saß L. mal wieder im Sessel und nicht wie in den letzten Wochen, wie wir alle, auf dem Stuhl. Also interpretierte ich, dass sie sich mal wieder in sich zurückgezogen hat und von ihr, wie dann immer wenn sie den Sessel wählt, nichts zu erwarten ist.

Doch dann hat sie eine Stunde lang die Runde gerockt und soviel geredet wie die ganze Zeit, seit ich dabei bin nicht – und alle fanden es gut, dass sie endlich mal aus sich herausgekommen ist. Auch der Psychodoc war überrascht und wollte dann von ihr wissen, warum sie den Sessel gewählt hätte. Der, so sie, hätte ihr Sicherheit gegeben und die hohe Rücklehne hätte ihr bei Gegenwind, den sie erwartet hat, den Rücken gestärkt. Gegenwind gab’s keinen.

Mir kamen die 90 Minuten irgendwie doppelt so lang vor. Musste mich auch anstrengen, zuzuhören. Mich interessiert es gerade nicht wirklich. Überhaupt interessieren mich die anderen gerade wenig. Ich glaub, ich muss erst mit meinem Thema durch sein, dass ich wieder auf machen kann.

GT (35)

Nach der Winterpause fremdeln wir überraschend wenig. Das war nach der Sommerpause noch deutlich anders. Ein Neuer ist da, er weckt Erinnerungen, leider nicht so richtig gute, schau ich mal. Sind sogar etwas ins arbeiten gekommen – aber wie immer viel zu wenig.

Satz des Tages vom Psychodoc: Der Schiffbrüchige bricht erst am Strand zusammen. Das hat J. wirklich gut getan und ich werde mir den Satz auch sicher merken.

GT (35)

Wie zu erwarten bei der letzten Gruppentherapiesitzung im Jahr: Rückschau. Aber das – natürlich – positiv. Wir sollen die „Ernte einfahren“, wie der Psychdoc das formulierte, aufzeigen, welche Entwicklung ein jeder genommen hat und – damit es gut hält – gleich noch von den anderen ein postives Feedback bekommen.

Mir fällt es sichtlich schwer, in der in den letzten Wochen hochgekommenen Scheiße irgendeine positive Entwicklung zu sehen. Als „Ernte“ kann ich immerhin 60 Seiten Therapietagebuch vorweisen und als Entwicklung presse ich mir dann ein „in Bewegung gekommen sein“ heraus. Damit darf ich es dann aber auch belassen lassen. Mit so positiven Feedbacks tue ich mir ja an sich schwer und so richtig kommt bei mir nix an.

Jetzt mal Pause – find ich nicht schlecht.

 

GT (34)

A. ist am Limit.
L. ist bald am Limit.
C1. gehts im Grunde richtig ordentlich.
B. ist am Limit.
J. ist am Limit.
S. ist über’m Limit.
C2. ist etwas irritiert.

GT (32)

Die erste Hälfte verbringen wir – mal wieder – mit der Frage, wie wir mehr Wumms reinbekommen. Die verabredete Änderung ist marginal.

Die zweite Hälfte entfaltet mal wieder diese irre Überaschungen, die eine Gruppentherapie, wenn alle arbeiten, bietet. Diesmal ist es C., die die Stunde rockt und sich ganz neu zeigt, während J. sehenden Auges einer Katastrophe zusteuert.

Mir scheint, das heute jeder nicht wenig mitgenommen hat.

GT (30)

(Therapeutische) Prozesse sind echt spannend – wenn man eine Ahnung hat, warum oder weswegen oder wofür sie stattfinden.

Am Ende der Einstiegsrunde (das der Beginn der Schlussrunde war) erzählte C II von sich – was mit mir und meinen Themen so gar nix zu tun hat. Meine Reaktion: Ich wurde einfach nur tief traurig und hätte heulen können.

Meine Aufgabe also rauszubekommen, was der Tricker war. Zeit habe ich ja – hab‘ mich für ne Woche krank schreiben lassen, um a) dann schlafen zu können, wenn ich schlafen kann und b) einfach mal alles aufzuschreiben, was seit Wochen im Kopf tobt.

Echte Krise gerade. Aber wenn man den Ursprung des Wortes kennt, dann heißt es ja „Krisis“ – und das beschreibt den „Wendepunkt“ bei einem Verlauf der Krankheit. Daher: Ich nehme mir gerade notwendige Zeit.

GT (29)

Wir haben anscheinend so eine ausgeglichene Zeit. Jeder hat so sein / ihr Thema – aber nix, was brennt. Bei mir ‚brennt‘ auch nur die permanente Denküberlastung, so dass der Doc die Idee gar nicht schlecht findet, einfach mal zwei, drei Tage krank ‚zu machen‘ um dann mal zu schlafen, wenn es geht und vielleicht doch alles mal aufzuschreiben, um Struktur in den Gedankenwust zu bekommen.

Es gibt für mich dann noch einen sehr, sehr spannenden ‚Beifang‘ zum Thema Aggression – noch ein Denkthema mehr.

GT (28)

Die Krankenkasse zahlt jetzt doch weiter – alles andere wäre im jetzigen Moment echt fatal gewesen.

Die Neue ist da. Sie könnte die Zwillingsschwester ihrer Namensvetterin sein, nicht nur vom Aussehen – also arg ruhig und so gut wie hermetisch verschlossen.

Die kurze Pause von drei Wochen hat mir gut getan, neuer Input wäre einfach zu viel gewesen.

Merke, dass ich immer noch ganz schön mit mir beschäftigt bin, den anderen zwar aufmerksam zuhöre, aber irgendwie doch nicht dabei bin.

GT (28)

Anders heftig als letzte Woche. Aber dennoch: wieder richtig arg heftig.

Ich bin mit meinem Thema nicht alleine (was in einer Therapiegruppe dann auch nicht wirklich verwundert, sonst wären wir ja nicht da), aber deswegen ist es nicht kleiner, allgemeiner, alltäglicher oder gar einfacher.

Immer, wenn ich etwas sage, kämpfe ich mit den Tränen. Kenne ich von mir so absolut nicht. Der Psychodoc kommt mir entgegen und bietet eine verstandesmäßige Erklärung an. Hilft mir mich zu verstehen.

Gegen Ende ein paar Minuten, während der wir alle einfach schweigen – und es alle danach einfach geil fanden, das wir ohne Stress / Druck schweigen konnten. Für jede/n von uns hat das echt Kraft gegeben.

GT (27)

Zu intensiv, zu heftig, zu traurig heute, als dass ich jetzt hier irgendwie darüber schreiben könnte.

Aber es ist gut, dass ich diesen ersten Schritt gemacht habe, auch wenn es damit nicht getan sein wird.

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