Durch die Zeit

Kategorie: GT

GT (10)

Die Sitzung dauert üblicherweise 90 Minuten (plus minus 5 oder so, wie das halt so ist).

Die Einstiegsrunde (!) dauerte heute 100 Minuten – bis ich dann als Letzter überhaupt mal zu Wort gekommen bin.

Und da hab‘ ich dann einfach nicht mehr gewollt.

Klar musste das der Psychodoc gleich thematisieren. Klar, dass ich die ‚Schuld‘ nicht nur auf ihn und die anderen schieben kann. Klar, dass er das gut ‚herausgearbeitet‘ hat. Aber auch klar, dass ich da bewußt in die Situation rein bin mit allem dem Frust und den damit offenen Flanken.

Ganz schön viel Kopf jetzt.

Ich werde ab nun alle Termine nach der GT auf „möglicherweise“ setzen, aber nix mehr fest zusagen. Den Abend hätte ich für mich gebrauchen können … na ja, es gibt ja noch die Vollmondnacht.

GT (9)

Es war schon letzte Woche zu spüren. Zwischen PsychoDoc und A. aus der Gruppe gibt es Spannungen. Nachvollziehbar für mich, da A. zwar ne Menge Probleme hat – aber der Überzeugung ist, alles bestens im Griff zu haben (aber in Therapie geht und jedes mal beginnt mit „Ich kann nicht mehr…“ … egal … Logik ist echt nicht alles). Heute bricht das noch etwas deutlicher zu Tage, T. spricht es dann auch noch an, so dass es zu einer Rückmelderunde der Eingangsrunde kommt, in der das Thema dann so richtig schön hochkocht.

Alles sind darauf aber sowas von unentspannt, dass ich dem Psychdoc gewillt bin zu unterstellen, dass er es extra inszeniert hat, um mal ein bisschen mehr Dynamik in die Gruppe zu bringen. Gegen Ende meinte er auch, dass die Gruppe stark genug sein, so etwas auch „auszuahlten“.

Mir bescheert es richtig hinterlistige Kopfschmerzen und auf dem Stammtisch, auf den ich dann noch gehe(n muss / will), verweigere ich mich dem Essen, obwohl ich brüllenden Hunger habe.

Mir reicht das als Beweis, dass die GT was bewirkt, auch wenn ich – frank und frei zugegeben – nicht auch nur die Bohne einer Ahnung habe, was gerade.

GT (8)

Nach einer Woche Pause wieder pünktlich hin. Wir sind ja alle in paar Minuten früher da, damit wir pünktlich anfangen können – darauf legt der Psychodoc wert (wg. Tagesstruktur und so). Als wir eben schon sitzten und warten, erkundige ich mich, ob ich letzte Woche was verpasst hätte. Zu meiner großen Überraschung ist es C., die Bericht erstattet – und zwar mit mehr als zwei Sätzen. Es ist das erste Mal (Nummer drei in dieser Woche), das es davor zu einem, wenn auch schleppendem Gespräch kommt. T. unterstütz mich – aber dann versiegt es doch.

Die Einstiegsgrunde lang und hart. Ich realisere zum ersten Mal, dass es zweien von uns wohl richtig übel gehen muss, denn das Thema Klinik wird angesprochen. Von den Ausschnitten, wie ich die beiden kenne, wäre ich da nie darauf gekommen – aber da weiß Psychdoc natürlich mehr. Gut, dass es angstfrei einfach Thema sein kann. Der zweite geht natürlich, so ist er halt, darüber hinweg, schließlich hat er ja alles im Griff. Das lässt der Psychodoc heute so gar nicht durch und es kommt zum ersten Mal (also das ist jetzt das vierte erste Mal in dieser Woche – Liebes Schicksal, könntest Du mir bitte auch noch was für den Rest des Jahres aufbehalten?) zu einer Art Auseinandersetzung zwischen Therapeut und Patient.

Bis auf mich haben echt alle viel zu berichten, teils heftiges Zeugs, teils Fortschritte. Zwar höre ich mit Interesse zu – dabei bin ich aber nicht so richtig. Es ist gerade eben auch viel Neues für mich und ich merke, dass nicht nur meine Aufnahmekapazitäten sondern auch die Verarbeitungskapazitäten am Rande sind. Da ich in der Einstiegsrunde als zweiter dran bin und eben von meinem „alles gerade etwas viel“ berichte, ‚entbindet‘ mit der Psychdoc quasi von der Mitarbeit und gibt mir freien Raum. Das ist echt ein erfahrener Hund!

Viel nehme ich heute nicht mit. Ist aber OK so.

GT (7)

Die Einführungsrunde nimmt fast die gesamte Zeit ein. Aber bei vielen ist auch richtig was in Bewegung gekommen. Alleine bei L.! Sie sitzt zum ersten Mal auf einem Stuhl wie alle anderen auch und nicht mit hochgezogenen Beinen auf einem der beiden Sessel. Sie hat normale Kleidung an und nicht nur so Wohlfühlschlappersachen und – Trommelwirbel – sie eröffnet die Runde! Und dass dann nicht in diesem Jammerton sondern mit eine eher festen Stimme und den Wunsch was zu ändern.

Die Aufstellung letzte Woche hat nicht nur bei J. etwas ausgelöst. Als ich ihm meine Rückmeldung gebe, fühlt sich, wie sich später herausstellt, S. stark angegriffen, die meint, J. und A. vor mir schützten zu müssen. S. beteuert, dass ich aber gar nichts gemacht hätte, meine Rückmeldung hätte sie getriggert. In der Schlussrunde will sie noch was von mir wissen – ich bin etwas überrascht, dass mein Beitrag heute so Wellen schlägt – und bin etwas erstaunt, dass einer meiner offenen Punkte anscheinend doch so offen liegt.

Wie und warum und wieso das alles zusammenhängt weiß ich ebensowenig, wie was „das“ mit mir macht. Aber wenn ich die Reaktionen des PsychDocs richtig deute, dann ist er mit der entstandenen Dynamik gerade richtig zufrieden.

Und ja, auch wenn heute nichts ‚bearbeitet‘ wurde – es war ne richtig gute Runde.

Etwas kurz

Den Tag habe ich irgendwie nur halb mitbekommen. Einfach etwas übermüdet. Aber das ist man halt gerne mal, wenn die Nacht um 3:30 Uhr schon ein Ende gefunden hat, wobei man erst um 23:30 ins Bett gekommen ist. Aber die Alpträume haben es gerade echt in sich. Danach bin ich zwar nicht wirklich wach – aber ein erholsamer Schlaf ist definitv was anderes. Ich schiebe das mal auf die Therapie. Da musste ich ja unterschreiben, dass es zu solchen ‚Nebenwirkungen‘ kommen kann. Aber so richtig verstehe ich es dann doch nicht, denn die Themen bisher gingen mir ja nicht wirklich nah. Nun ja …

GT (5)

Nur sieben. Was aber nicht heißt, dass die Einstiegsrunde nicht genauso lange dauert. Danach die ‚Neuerung‘, es gibt keinen eindeutigen Entscheid, welches Thema wir bearbeiten wollen. Die Lösung des Problems kostet fast eine Viertelstunde Zeit, weil von uns keiner auf die Idee kommt, die beiden zu fragen, ob sie sich nicht untereinander einigen können.

Wieder Aufstellung, ich darf wieder einen Elternteil geben, diesmal die Mutter – aber gerne doch. J., der aufstellt, wird im Verlauf ganz schön von mir / der Mutter tracktiert und in die Enge getrieben, aber der Psychdoc zeigt ihm Wege auf, wie er ggf. aus der Ohnmacht bzw. der Übermacht herauskommt. Das probiert er aus. Man sieht ihm an, was das für Überwindung und Kraft kostet. Ich bin gespannt, was er nächste Woche erzählt.

GT (4)

  • Mit A. komme ich vor der Gruppe ins Gespräch. „Aha“ bzw. „soso“ oder auch „nicht wahr“.
  • Meine Unzufriedenheit von letzter Woche machte der PsychDoc in der Einstiegsgrunde gleich zum Thema. Ich gebe zu Protokoll, dass gerade meine Unzufriedenheit mir zu denken gegeben hätte, schließlich waren es ja gar nicht meine Themen, die liegen geblieben sind.
  • Die Einstiegsrunde gestaltet sich (deswegen?) recht zügig. Niemand kann sich an die Themen von letzter Woche erinnern, also gebe ich den Chronist.
  • Die Themenwahl fällt mir echt schwer, denn irgendwie spricht mit alles und gar nichts an. Entscheide mich dann für A., weil es bei ihm gerade am Meisten brennt.
  • In der Aufstellung darf ich mal wieder den Vater geben.
  • Der Energieverbrauch in den 90 Minuten ist enorm. Auf dem Weg in die Oper (Bach-Abend) gähne ich am laufenden Band und habe für ne gute Stunde Kopfschmerzen, als würde der Schädel platzen wollen.
  • Auf dem Weg fällt mir auf / ein, dass Gruppentherapie gewissermaßen ein Paradox darstellt. Man ist zwar mit anderen zusammen, soll aber nur von sich sprechen.

GT 3

Für langweilige Konferenzen gibt es ja „Bullshit-Bingo“. Irgendsowas ähnliches werde ich für die Gruppentherapie mit der Zeit auch mal anfertigen, auch wenn es, und das muss an dieser Stelle gesagt sein, echt nicht langweilig ist. Aber die Begriffe, die heute am meisten fielen waren „Schuld“ (wenig überraschend) und „Komfortzone“. Ersters wurde irgendwie mehr gähnend zur Kenntnis genommen, bei zweiteren gab es dann doch sehr unterschiedliche Interpretationen und Ansichten. Leider – und das war heute das Nervende bzw. Frustrierende – nix konnte auch nur in Ansätzen vertieft werden, weil die Einstiegsrunde irgendwie ausartete, obwohl der Vielerzähler A. es richtig knapp gehalten hat. Keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist. Dann wurde noch jemand aus der Gruppe verabschiedet – und weg war die Zeit.

War schon arg schade, denn bei J. und A. lagen die Themen wirklich offen da und es hätte nicht viel gebraucht, da einfach was zu bewegen. T. dagegen war heute gegenüber den anderen beiden Malen in meinen Ohren enorm schwammig, bekam aber die meisten Rückmeldungen. Anscheinend gibt es Problemkreise, die mir dann doch irgendwie fremd sind.

Unbefriedigend aber anstrengend ist für heute das Kurzfazit – ich bin, wie immer gespannt – was das Un(ter)bewußte jetzt noch draus bastelt.

GT (2)

Die Einstiegsrunde dauert fast die Hälfte der gesamten Zeit. Am Ende frage ich A. ob das nicht außergewöhnlich lange gewesen wäre. Nein, ist die Antwort, das sei eher kurz gewesen.

Bei der Aufstellung dann, darf ich für T. seinen Stiefvater mimen und bringe ihn nach wenigen Sätzen an den Rand. Der Psychodoc fängt echt gut auf und erweitert das Ganze. Mir gibt das Vertrauen.

An zwei Punkten bleibe ich heute hängen. Das ist Augenkontakt und Gefühlsvermeidung. Auch der Vater taucht irgendwie auf und auf dem Heimweg erkläre ich mir mal wieder die Welt.

Erkenntnisse keine, aber es ist gerade sehr OK, dass es anstrengend ist und ebenfalls sehr OK, dass ich ins Nachdenken und Überprüfen komme.

Ich beginne also einzukreisen.

Und: Nach dem Ende noch mit T. und A. ein paar Sätze gewechselt.

GT (1)

Ich hatte es ja schon mal hier thematisiert, dass ich mich mit dem Gedanken trage, ne Therapie zu machen bzw. machen zu müssen. Und so ein bisschen habe ich überlegt, ob ich das hier auch zum Thema machen soll / kann, oder ob ich darüber den Mantel des Schweigens hänge. Aber ich habe was dagegen, dass man gerade den ganzen Psychobereich gerne stigmatisiert. Viele haben kein Problem über ihre körperlichen Krankheiten lang und breit zu erzählen, doch sind die Beeinträchtigungen psychisch, dann ist meist Schweigen. Dabei sind psychische Erkrankungen oder Irritationen in der Gesellschaft äußerst weit verbreitet und gehört für nicht wenige zum Alltag. Auch unter den LeserInnen hier wird es welche geben, die eine Therapie gemacht haben oder machen (bzw. machen werden bzw. bräuchten).

Ich war echt noch nie ein Freund von Biolek (wenn der noch überhaupt bekannt ist). Aber der hat zumindest einmal was Kluges gesagt, was ich hier natürlich nur noch paraphraisert wiedergeben kann: „Wer Bauchschmerzen hat – geht zum Arzt. Warum sollte man dann nicht auch zum Arzt gehen, wenn man Seelenschmerzen hat?“ Und ‚Seelenschmerzen‘, der Begriff stammt sicher von mir, soll all das beinhalten, was man früher auch als „Gemütskrankheit“ oder „Irre im Kopf“ oder sonstwie bezeichnet hat. Aber Biolek hat recht. Wenn man einen Knoten im Hirn hat oder die Gefühle ohne einen Tango tanzen, warum sollte man sich nicht Hilfe suchen, um das / um sich wieder in den Griff zu bekommen?

Lange Rede – kurzer Sinn: Über die Termine in der Gruppentherapie werde ich hier einfach schreiben, wenn auch die Scheere im Kopf keine kleine sein wird. Jede/r hat da sein Recht auf Privatheit und man muss Intimstes von anderen nicht einfach so in die Luft posten, was man im Vertrauen erfahren hat. Hindert mich aber nicht daran, meine Eindrücke zu schildern und – vielleicht, wer weiß – eigenen Fortschritte / Besserungen zu dokumentieren. Ich werde sehen – ihr werdet lesen.

Also, erster Eintrag:

Statt wie angekündigt zehn TeilnehmerInnen sind es ’nur‘ neun – davon fehlt eine. Geschlechtermäßig ist es ausgeglichen, ein weibliches Wesen mehr. Altersmäßig übernehme ich den Altersvorsitz (mal abgesehen von Therapeut S., der dürfte zwei, drei Jahre älter als ich sein). Eine Frau kommt meinem Alter noch nahe, eine andere dürfte so um die 40 sein, alle anderen sind Mitte / Ende 20, vielleicht Anfang 30. Der erste allgemeine Eindruck: Es herrscht eine eher freundlich-zugewandte Stimmung, auch wenn wir beide Neuen für Unsicherheit sorgen.

S. bittet die ‚Alten‘ sich etwas ausführlicher vorzustellen und warum sie hier sind … mir kommen dann schon die Zweifel, ob ich da gerade mit Katzen auf Elefanten schieße oder ob ich doch viel heftiger einen an der Waffel habe, als ich mir selber zugestehe. Ich verbuche das mal unter „erste Prozesse“ und versuche mir derweil soviel wie möglich von den anderen zu merken. Eine Frau ist mir jetzt schon recht unsymphatisch, eine andere könnte ich mögen, wenn sie sich mögen lässt. Die Jungs sind alle recht interessant, einer auch das, was ich früher gerne mal als „Schnitte“ bezeichnet habe.

Der Ablauf ist etwas differenzierter als eine Supervision, teilweise sehr gewöhnungsbedürftig … aber dann doch so, dass ich meine Widerstände überwinden und mich zumindest ein wenig darauf einlassen kann:

  • Einstiegsrunde, klassisch. Wie ich bin ich heute da? Was liegt an? Was war seit dem letzten Termin?
  • Bewegungseinheit: Kurzer Gang durch den Raum mit Frischluftzufuhr, Reflexion der Einstiegsrunde: Was hat von dem Gehörten auch mit mir zu tun?
  • Themenauswahl, körperlich: Man legt dem / der, dessen / deren Thema ‚Raum‘ geben will, die Hand auf die Schulter. Im ersten Moment finde ich das so was von doof, lasse mich aber sofort eines Besseren belehren, denn es kommt dadurch zu räumlichen Konstellationen. Echt spannend.
  • Themenbearbeitung, klassisch: Also hier in erster Linie Rollenspiel (was ich gar nicht so mag) oder eben Gruppenrückmeldung.
  • Abschlussrunde, klassisch: Wie geht es mir? Wie geh‘ ich jetzt?
  • Abschlussritual: Man nimmt sich nach einem bestimmten Muster an den Händen und schwingt diese, bis der Therapeut auf drei zählt. Macht einen etwas albernen Eindruck, aber es hat was (Ab)Schließendes. Mal sehen.

Kurz: Ich gucke nach wie vor kritisch, aber bin dann doch etwas erleichtert gewesen, da die Gruppe auf mich den Eindruck macht, dass da gearbeitet werden will (und nicht nur hingefühlt). Und S. redet auch nicht so um den heißen Brei rum – so zumindest der erste Eindruck – und versteht es auch, ein gewisse Leichtigkeit in das schwere Thema zu bringen.

Noch was: Überlegt, ob ich mich heute schon beteiliegen soll oder nicht. Was zu sagen hätte ich gehabt. Aber ich dachte, ich sollte auch mal lernen, mich zurückzuhalten.

Resultat nach der ersten Sitzung: Kopfschmerzen.

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