Durch die Zeit

Kategorie: GT

GT (16)

Um mir die / meine Zeit zu sichern, beginne ich die Einstiegsrunde. Mir geht das Thema echt nach und beherrscht den Kopf. Für die Gruppe muss ich ein paar Außenumstände (= Familie) erläutern und registriere mit, ja mit was? … mit Entsetzen, mit dem Gefühl der Bestätigung, mit (etwas) Verwunderung, sicher mit etwas Traurigkeit … dass die meisten aus der Gruppe mich anschauen, als sei ich ein lila Elefant. Es kommt zu ein paar sehr erstaunten, fast ungläubigen Nachfragen. T. hat dann zwar nicht den erlösenden Gedanken, aber sein Einwurf ist passend, ist ein Hinweis, in welche Richtung ich weiterdenken kann.

Der Rest der Stunde verläuft wieder einmal lebhaft. Es ist wirklich die Gruppe, die ‚arbeitet‘ und eben nicht nur Psychdoc mit einem von uns. Was er aber halt richtig gut kann, ist auf die großen Bögen zwischen uns aufmerksam zu machen. A. und ich beispielsweise haben dann doch auch ein gemeinsames Thema, was zumindest ich heute das erste Mal in Ansätzen sehe.

Ich gehe noch voller, als ich gekommen bin – und da ich nicht vor 23 Uhr zu Hause sein und erst dann ‚Feierabend‘ haben werde, ist jetzt schon klar, dass ich mich morgen mal krank melde, um irgendwie zum Durchatmen zu kommen.

GT (15)

Deutlich lebendiger als letzte Woche. T. holt gleich mal ne große Frage aus dem Koffer, während alle anderen mit dem Alltag kämpfen. Über die Einstiegsrunde kommen wir gar nicht hinüber, mir bleiben die letzten drei Minuten. Passt, denke ich mir diesmal, hab‘ aber die Rechnung ohne den Psychodoc gemacht, der mich gleich mal an’s / auf’s Thema nagelt. Aber da spült er nix Neues hervor. Dennoch gute Stunde mit viel Beifang.

GT (14)

Nach drei (oder vier?) Wochen Pause heute wieder Gruppe. Zur Enttäuschung der Meisten: Kein Neuer wie angekündigt. C. freut sich über sich, dass sie sich im Vorfeld icht aufgeregt hat, wäre ja umsonst gewesen.

Die Einstiegsrunde gewohnt lang, aber etwas langweilig. Zwar hat sich bei allen etwas bewegt, aber das ist in der Zusammenfassung dann weniger aufregend / spannend / dynamisch als die ‚prozesshaften Kleinigkeiten‘ innerhalb einer Woche. Daher wird auch dann nicht gewählt, sondern der PsychDoc schlägt eine Erfahrungsrunde zum Thema „Was an Lebenserfahrung hat bisher geholfen“ vor. Auch das gestaltet sich etwas uninspiriert. Aber der PsychoDoc kitzelt dann drei dann doch ganz gehörig und bittet sie, nächste Stunde darauf einzugehen. Fall die sich nicht erinnern, wird er sich aber auch nicht erinnern.

Schlußrunde: Ich bin mal wieder komplett müde und stelle in den Raum, ob das an der Anstrengung, der miesen Luft oder einer möglichen Entspannung liegen könnte. Einwurf des PsychoDocs: „Oder vielleicht von allen drei etwas?“ Und das sind dann so Kleinigkeiten, die aufmachen. Klar weiß ich auch, dass nicht alles und jedes monokausal zu erklären ist, aber in gewissen Bereichen mache ich es mir einfach bzw. kompliziert. Der eingeworfene Satz gibt zu denken.

GT (13)

Wir sind nur zu sechst. Aber die Einstiegsrunde dauert dennoch eine Stunde. Aber irgendein Thema will sich nicht ergeben. Der Psychdoc stellt in den Raum, die nächsten vier Wochen in den Blick zu nehmen, in denen wir uns nicht sehen werden (da Osterpause ist). Mir fällt ein, dass ich mal so eine ‚virtuelle‘ Wunschrunde mitgemacht habe und sage das. Der Psychodoc nimmt das auf und schlägt vor, dass wir uns gegenseitig das sagen, was der / die andere in den nächsten vier Wochen schaffen wird. (OK, eine Empathie-Übung, nicht gerade die Herausforderung für mich). Also bekommen von mir Befähigungen:

  • T., dass er eine geile Gliederung für seine Bachelor-Arbeit erarbeitet, an der er sich ann stressfrei abarbeiten kann
  • J., dass er mal wieder Sport macht und sich auspowert, so dass er mal wieder sich uns einen Körper spürt
  • C. I, dass sie einen Smalltalk so gestaltet, dass beide am Ende sich überlegen, ob man sich nicht mal auf einen Kaffee treffen könnte
  • C. II, dass sie einfach mal sich vollkommen grundlos was Gutes tut.

Das mag jetzt banal oder nach „Na ja“ klingen. Aber schaue ich mir das an, was die anderen mir zugesprochen haben, dann haben alle ihre Finger mehr oder weniger heftiger auf offene Wunden oder Punkte gelegt. Gerade C. II, die jetzt doch anscheinend etwas Vertrauen zu mir findet, bringts elegant auf den Punkt.

Das ‚Besondere‘ an dieser Art ist, dass ‚Schwächen‘ als Möglichkeiten / Optionen ‚umgedeutet‘ werden und man selber das zu einem Gesagte plötzlich nicht so als Hürde sieht.

Bin echt gespannt, was wir in vier Wochen berichten werden.

GT (12)

Nicht ganz so bewegt wie letzte Stunde, aber zumindest in der zweiten Hälfte waren wir recht weit weg von den Dialogen sondern eher im Gruppengespräch. Immerhin wird nun auch gelacht, das finde ich ein gutes Zeichen für die Gruppe. J. hat ein echtes Päckchen bei der Herkunftsfamilie, während A. sich durch Weigerung die meisten Probleme selbst macht. Aber ich sollte vielleicht nicht mit Steinen schmeißen.

GT (12)

Mit meiner Beschwerde letzte Woche scheine ich etwas angestoßen zu  haben.

Ich nehme mir jedenfalls heute das erste Wort und nehme mir auch die Zeit zu erläutern, was da in mir abgegangen ist, was danach noch abging.

Der Psychodoc nimmt das zum Anlass zu thematisieren, wie wir uns als Gruppe denn so organisieren wollen. Einerseits halten wir die alte Struktur bei (d.h. jede/r spricht in der Eingangsrunde, über die wir heute auch nicht hinauskommen, was ihn / ihr gerarde so angeht), andererseits mischen sich alle viel mehr ein, stellen Fragen, geben ungefragt Rückmeldungen. Meiner Überzeugung nach steuert der Psychdoc dennoch ganz geheuer, verwirrt C II auf ‚hinterhältige‘ Art, provoziert aus dem Nichts C I, die dann aus sich rausgeht und von den spontanen Rückmeldungen positiv erschlagen wird …

Bisher war das eigentlich eher so, dass eine/r was erzählte, der Psychodoc Fragen stellte bzw. ins Gespräch ging und der Rest zuhörte, wenn nicht ausdrücklich Rückmeldungen eingefordert wurden. Heute saßen da sieben Leute die etwas vorsichtig und verhalten, aber dennoch deutlich als Gruppe agierte. Es war ein buntes Miteinander – zwar immer mit einem gewissen Schielen auf den Doc – aber freier als sonst. C II beschwerte sich über A., A. (Mann) ‚gestand‘, dass er mit S. (Frau) nach der letzten Sitzung noch viel miteinander gesprochen hätten (was quasi untersagt ist) und sie über das Thema Erziehung so gar nicht übereinkämen, worauf T. (Mann) die These in den Raum stellte, dass A. wohl von S. mehr wollte als nur das Gespräch in der Gruppe.

Kurz: Da ist was in Bewegung gekommen und ich kann L., die jetzt für fünf Wochen in Rhea geht, gut verstehen, dass sie arg, arg unsicher ist, ob sie die Gruppe, wie sie sie kennt, dann wieder vorfinden wird. Sie gibt uns allen als Wunsch auf den Weg, zumindest in fünf Wochen noch dazu sein. Irgendwie rührend. (Und ich habe darauf den Mut, bei der Verabschiedung sie kurz an der Schulter zu berühren als ich ihr eine gute Zeit in der Rhea wünsche.)

GT (10)

Die Sitzung dauert üblicherweise 90 Minuten (plus minus 5 oder so, wie das halt so ist).

Die Einstiegsrunde (!) dauerte heute 100 Minuten – bis ich dann als Letzter überhaupt mal zu Wort gekommen bin.

Und da hab‘ ich dann einfach nicht mehr gewollt.

Klar musste das der Psychodoc gleich thematisieren. Klar, dass ich die ‚Schuld‘ nicht nur auf ihn und die anderen schieben kann. Klar, dass er das gut ‚herausgearbeitet‘ hat. Aber auch klar, dass ich da bewußt in die Situation rein bin mit allem dem Frust und den damit offenen Flanken.

Ganz schön viel Kopf jetzt.

Ich werde ab nun alle Termine nach der GT auf „möglicherweise“ setzen, aber nix mehr fest zusagen. Den Abend hätte ich für mich gebrauchen können … na ja, es gibt ja noch die Vollmondnacht.

GT (9)

Es war schon letzte Woche zu spüren. Zwischen PsychoDoc und A. aus der Gruppe gibt es Spannungen. Nachvollziehbar für mich, da A. zwar ne Menge Probleme hat – aber der Überzeugung ist, alles bestens im Griff zu haben (aber in Therapie geht und jedes mal beginnt mit „Ich kann nicht mehr…“ … egal … Logik ist echt nicht alles). Heute bricht das noch etwas deutlicher zu Tage, T. spricht es dann auch noch an, so dass es zu einer Rückmelderunde der Eingangsrunde kommt, in der das Thema dann so richtig schön hochkocht.

Alles sind darauf aber sowas von unentspannt, dass ich dem Psychdoc gewillt bin zu unterstellen, dass er es extra inszeniert hat, um mal ein bisschen mehr Dynamik in die Gruppe zu bringen. Gegen Ende meinte er auch, dass die Gruppe stark genug sein, so etwas auch „auszuahlten“.

Mir bescheert es richtig hinterlistige Kopfschmerzen und auf dem Stammtisch, auf den ich dann noch gehe(n muss / will), verweigere ich mich dem Essen, obwohl ich brüllenden Hunger habe.

Mir reicht das als Beweis, dass die GT was bewirkt, auch wenn ich – frank und frei zugegeben – nicht auch nur die Bohne einer Ahnung habe, was gerade.

GT (8)

Nach einer Woche Pause wieder pünktlich hin. Wir sind ja alle in paar Minuten früher da, damit wir pünktlich anfangen können – darauf legt der Psychodoc wert (wg. Tagesstruktur und so). Als wir eben schon sitzten und warten, erkundige ich mich, ob ich letzte Woche was verpasst hätte. Zu meiner großen Überraschung ist es C., die Bericht erstattet – und zwar mit mehr als zwei Sätzen. Es ist das erste Mal (Nummer drei in dieser Woche), das es davor zu einem, wenn auch schleppendem Gespräch kommt. T. unterstütz mich – aber dann versiegt es doch.

Die Einstiegsgrunde lang und hart. Ich realisere zum ersten Mal, dass es zweien von uns wohl richtig übel gehen muss, denn das Thema Klinik wird angesprochen. Von den Ausschnitten, wie ich die beiden kenne, wäre ich da nie darauf gekommen – aber da weiß Psychdoc natürlich mehr. Gut, dass es angstfrei einfach Thema sein kann. Der zweite geht natürlich, so ist er halt, darüber hinweg, schließlich hat er ja alles im Griff. Das lässt der Psychodoc heute so gar nicht durch und es kommt zum ersten Mal (also das ist jetzt das vierte erste Mal in dieser Woche – Liebes Schicksal, könntest Du mir bitte auch noch was für den Rest des Jahres aufbehalten?) zu einer Art Auseinandersetzung zwischen Therapeut und Patient.

Bis auf mich haben echt alle viel zu berichten, teils heftiges Zeugs, teils Fortschritte. Zwar höre ich mit Interesse zu – dabei bin ich aber nicht so richtig. Es ist gerade eben auch viel Neues für mich und ich merke, dass nicht nur meine Aufnahmekapazitäten sondern auch die Verarbeitungskapazitäten am Rande sind. Da ich in der Einstiegsrunde als zweiter dran bin und eben von meinem „alles gerade etwas viel“ berichte, ‚entbindet‘ mit der Psychdoc quasi von der Mitarbeit und gibt mir freien Raum. Das ist echt ein erfahrener Hund!

Viel nehme ich heute nicht mit. Ist aber OK so.

GT (7)

Die Einführungsrunde nimmt fast die gesamte Zeit ein. Aber bei vielen ist auch richtig was in Bewegung gekommen. Alleine bei L.! Sie sitzt zum ersten Mal auf einem Stuhl wie alle anderen auch und nicht mit hochgezogenen Beinen auf einem der beiden Sessel. Sie hat normale Kleidung an und nicht nur so Wohlfühlschlappersachen und – Trommelwirbel – sie eröffnet die Runde! Und dass dann nicht in diesem Jammerton sondern mit eine eher festen Stimme und den Wunsch was zu ändern.

Die Aufstellung letzte Woche hat nicht nur bei J. etwas ausgelöst. Als ich ihm meine Rückmeldung gebe, fühlt sich, wie sich später herausstellt, S. stark angegriffen, die meint, J. und A. vor mir schützten zu müssen. S. beteuert, dass ich aber gar nichts gemacht hätte, meine Rückmeldung hätte sie getriggert. In der Schlussrunde will sie noch was von mir wissen – ich bin etwas überrascht, dass mein Beitrag heute so Wellen schlägt – und bin etwas erstaunt, dass einer meiner offenen Punkte anscheinend doch so offen liegt.

Wie und warum und wieso das alles zusammenhängt weiß ich ebensowenig, wie was „das“ mit mir macht. Aber wenn ich die Reaktionen des PsychDocs richtig deute, dann ist er mit der entstandenen Dynamik gerade richtig zufrieden.

Und ja, auch wenn heute nichts ‚bearbeitet‘ wurde – es war ne richtig gute Runde.

SY-Carioca

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