Durch die Zeit

Kategorie: Hörbares

Hoiho! Hoiho!

Also, ich geh jetzt öfters nach Wagner – denn wann bekomme ich schon so viele Kommentare in so kurzer Zeit? (Danke!)

Apropo Zeit. Mir hat es schon etwas gegraust, fünfeinhalb Stunden. Und als das Programmheft noch zwei Pausen mit insgesamt 80 Minuten ankündigte, hatte ich schon große Sorgen, wann ich denn den Weg ins Bett finden würde. Aber alles halb so schlimm: die 80 Minuten muss man nämlich von den fünfeinhalb Stunde abziehen. Hauptsache anscheinend, man hat etwas getönt.

Apropo „Getön“ (blasen, musizieren). Sprachlich ist das an manchen Stellen nun wirklich schwer auszuhalten. Das „zullende Kind“ (saugende Kind) mag ich mir ja lautmalerisch gerade noch gefallen lassen, würde Wagner es nicht penetrant wiederholen. Aber wenn Siegfried dann ein Schwert „zerschwingt“ (zerschmettert) oder ein „neidliches“ (grimmiges) Schwert schmiedet, nachdem er das alte mit einer Feile „zerspänt“ hat und es nun „zersponnt“ (in Weißglut hämmern) da würde ich Wanger dann doch gern‘ mal „entfragen“ (befragen) was er da so genommen hat beim Schreiben, dass er auf so ein „Gestimm“ (Zusammenklang) kam.

Apropo „ertosendes Gestimm“. Ich hab‘ für mich nun eine Erklärung für die Wagnerbegeisterung gefunden, ich nenne es mal in Ermangelung eines besseren Begriffs, die ‚Wagnerische Linearität‘. Die funktioniert meiner Meinung nach so: Ist gerade bei den Herren (Damen kommen bei „Siegfried“ nur wenige zu Wort) Überlegen angesagt, wird die Musik ruhig und eher leise. Bewegen sich zwei Menschen auf sich zu, ist die Musik schon etwas bewegter und irgendwo auch ein f (forte) versteckt. Singt ein Vögelein im Walde, ja genau, lieblich und ruhig ist die Musik (auch wenn das Vögelein dann durch ein Horn (!) markiert wird). Geht die Luzie ab, dann gibt es auch gene mal fff und alles Blech, was in den Orchestergraben passte, darf „getönen“, was die Backen hergeben. Ohne jede Frage, da gibt es wirklich schöne und dichte Momente, das will ich gar nicht in Abrede stellen – aber eine Erarbeitung des Musikalischen wird den Zuhörenden erspart. Das ist geschrammelte Barockmusik echt anspruchsvoller.

Nein, kein „apropo“ mehr. Die Stimmführung – und das hat mich am meisten gewundert, weil es ja, wie gesagt, mein erster Wagner war – ist vorhersehbar. Im dritten Aufzug habe ich mir den Spaß erlaubt, schon mal ein paar Zeilen ‚vorzusingen‘ um zu schauen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege. Ich lag überraschend oft und recht genau richtig. Enweder bin ich musikalisch ein zweiter Wagner (was jetzt nicht so wirklich zu vermuten ist) oder Wagner, was ich auch als Leistung anerkenne, hat den Dreh raus, wie er (geschwollene) Sprache in Ton setzte, so dass sie modern aber zugleich eingängig erscheint. Das ist für Orchester und Solisten sicher nicht einfach zu spielen / zu singen – aber dennoch für die Zuhörenden eingängig, viel Mitarbeit brauchts da nicht, weil selbst die verschiedenen Motive so klar gesetzt sind, dass man nach ihnen erst gar nicht suchen muss.

Inhaltlich erspar‘ ich mir einen Kommentar, das ist halt kraus zusammengewürfeltes Sagengedöhns mit ordentlich viel großer Gefühle (inklusive Mord, wäre ja sonst langweilig) … sag ich mal so, das ist eine Art vorweggenommener „Krieg der Sterne“ (die haben es halt nur bunter hinbekommen und mit mehr Personal).

Fazit: Ich tu‘ mir in zwei Jahren den gesamten Ring mit weniger Herzklopfen an, denn kurzweilig war das trozt der Länge schon, die Bühnentechnik hat mal zeigen dürfen, was sie alles kann (und ich vermute, dass es in ganz Deutschland keine Nebelpartonen mehr gibt, denn pro Aufführung hier brauchen die hunderte, um über Stunden das gesamte große Haus einzunebeln) und sängerisch wie musikalisch war das definitv keine Provinz.

Wagenerianer werde ich deswegen nicht mehr, aber meine Abneigung hat sich in ein neutrales Dann-lass-sie-halt-doch-spielen gewandelt.

In diesem Sinne:

HOJOTOHO!

Ja, ICH tu es! – JETZT!

Bin in der Oper.

„Siegfried“ von Richard Wagner.

Schlappe fünf Stunden.

(Muss ich jetzt noch irgendwie anfügen, dass ich Wagner eigentlich so gar nicht mag? Weil viel zu bombastisch? Viel zu schwülstig? Weil viel zu heroisch-dramatisch-selbstbezogen? – Aber es ist ein Geburtstagsgeschenk für S.)

(Außerdem ist es eine Vorübung für DAS.)

 

Wer zu spät kommt …

Heute Nachmittag war ich doch tatsächlich so naiv nachzuschauen, ob ich in der Münchner Staatsoper noch Karten für eine Oper Ende Juli mit Iestyn Davies bekommen könnte.

Neuer Gott

Gerade über Niels Kaiser auf Iestyn Davies gestoßen. Und – das habe ich echt Jahre nicht mehr gemacht – gleich zwei CDs (legal) runtergeladen. So wie es scheint, wird das mein Gott für diesen Frühling. Wer drei Minuten reinhören mag, hier was zum wegschmelzen:

Auch Robert Schuhmann machte Yoga

Der Erfinder / Die Erfinder von Yoga wird gerne in den Zoo gegangen sein. Anders erklärt sich mit nicht die vielen Tiernamen. Heute einen weiteren ‚Hüftöffner‘ namens „Die Taube“. Schon bei den anderen beiden hat die Lehrerin darauf hingewiesen, dass so was einen emotional angehen könnte. War aber nicht. Aber heute. Und wie. Am liebsten hätte ich losgeflennt. Und jetzt hänge ich wie ein Schluck Wasser in der Ecke.

Aber Schuhmann ist mir den ganzen Abend nicht aus dem Kopf gegangen. OK, „Rose“ haben wir noch nicht gemacht, aber war da nicht das letzte Mal ne „Lilie“ dabei (oder doch „Libelle“?) Egal, für mich ist das Lied Beweis gengu, dass auch Robert Schuhmann sich quälte.

Giovanni Paisiello

Den entdeck‘ ich gerade. Zeitgenosse von Mozart und in Italien zu seiner Zeit so ein Superstar, dass er es bis zur Zarin nach Russland schaffte. Mal locker 100 Opern geschrieben. Aber echt noch nie was von ihm gehört, ich meine, nicht einmal seinen Namen. Ist auf eine besondere Art leicht aber zugleich auch komplex. Egal – einfach mal anhören, wenn auf die Ohren kommt.

’s einfach so!

Mag jede/r denken was mag, aber für mich ist es einfach so: Hey Kölle, do bes e Jeföhl!

Und mir geht gerade echt das Herz auf!

Man kann es nicht genug bestaunen

Ich lese u.a. gerade den Briefwechsel zwischen Marcel Proust und Reynaldo Hahn. Im Brief vom 3. (oder 4.) September 1896 schreibt er u.a. etwas über ein Bild von Quentin Massys und einen Autoren namens Georges Ohnet. Beide nie gehört.

Drei Minuten später:

Ich höre Musik von Reynaldo Hahn (Spotify).

Ich lese ein paar Zeilen in einen Roman von Ohnet (Darknet).

Ich gucke mir das Bild von Massys an (Google).

Neue Schritte

Ich bin ja so ein IPOD-Fan. Jahrelang habe ich 160 GB Musik und Hörbücher mit mir ‚rumgeschleppt‘, um in jeder Siutation die richtige Musik und das richtige Hörbuch zu haben. Jetzt ist er vor drei Wochen kaputt gegangen – ihn gibt es nun nur noch gebraucht zu teils echt horrenden Kosten, die meinen Geldbeutel sprenge. Also habe ich den von meinem Mann mitnutzen können, aber das ist ja irgendwie nicht das selbe.

Immerhin hat mein neues Handy so um die 40 GB frei, die ich nun teils schon jetzt mit Notmusik und schmalen zwei Hörbüchern belegt habe. Platz gibt es noch, aber der will gut genutzt werden. Ich probier das jetzt einfach mal und rein theoretisch könnte da ja auch noch eine Speicherkarte Platz haben (bloß wo? Aber das wird spätestens A. wissen).

Wie lange der Akku von dem Ding durchhält, werde ich auch noch erst testen müssen, würde mich aber arg, arg wundern, wenn der das Durchhaltevermögen vom IPOD hätte.

Früher war echt nicht alles besser – aber der IPOD war schon ein geniales Gerät.

Leseprojekt MoE?

Nicht zuletzt durch Xenina, die gerade Proust liest (nämlich H I E R), bin ich seit Wochen schon am überlegen, nicht mal wieder mit einem ähnlichen Leseprojekt zu starten. Die „Jahrestage“ von Johnson und die „Bibel“ habe ich ja schon hinter mich gebracht*. Proust stand ganz oben auf der Liste … aber da fände ich jetzt irgendwie doof und außerdem macht es Spaß, Xenina da zu begleiten.

Jetzt ist mir „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil in den Sinn gekommen (Teil 1). Auch so ein dickes Ding und recht bald auch gar nicht so einfach. Meine Idee jetzt: Jede Woche ein Kapitel (und manchmal auch mal zwei, vielleicht gar drei?) und das mit drei Rubriken:

  1. Inhalt in Stichworten, aber wirklich fortlaufend, so dass am Ende die tausend Seiten auf 200 (?) geschrumpft sind.
  2. Meine Impressionen dazu. Hier gibt es keine Regeln.
  3. Das Zitat. Da bin ich noch am überlegen, ob es wirklich ‚Pflicht‘ werden soll, denn das könnte wirklich in Arbeit ausarten, immer etwas zu finden und dann auch abzutippen, vor allem, wenn es länger wird.

Als Grundlage steht der Roman natürlich schon gelesen schon lange im Regal, neu wäre für mich die Lesung, die auf meinem Rechner schlummert. Ich würde es mir also einerseits vorlesen lassen, derweil selber lesen und dann … dann würde es, falls es bei einem Beitrag pro Woche bleibt, 123 Wochen dauern! Das heißt, würde ich im Oktober anfangen, bräuchte ich bis Februar 2021 – irgendwie ein bisschen lang, oder?

Gerade finde ich eine Hammerseite dazu im Netz, so dass jede/r ohne Kosten mitlesen könnte, nämlich HIER.


*Links werden nachgereicht, wenn’s interessiert.

AnneInsideOffice

Anne berichtet über Ihre Erfahrungen in den Büros der Schweizerischen Finanzdienstleister. Ebenso lässt sie euch an ihrem bunten Leben teilnehmen.

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