Durch die Zeit

Kategorie: Seelenheil

Und noch ne Runde

Ich werd‘ immer missantrophischer – glaub ich. Dem Vorsitenden von Verein 1 heute am Ende der Sitzung quasi die ‚Führung‘ geklaut, weil ich wenigsten die Hälfte der Punkte auf der Tagesordnung durch haben wollte. Er schwätz ja alles erst zu Tode, bis es weiter geht. Liegt aber vielleichta auch nur daran, dass ich jetzt drei Tage auf „Erfahrungsaustausch“ war, dessen spezifische Regeln besagte, dass, wenn nicht alle den gleichen Inhalt einmal von sich gegeben hat, es nicht in die Pause geht. Also wurde alles zweimal von jedem von sich gegeben, dass es noch schneller in die Pause ging. Der Erkenntnisgewinn war dann doch eher gering. Anderersetis erwische ich mich auch dabei, dass, wenn ich mal ins Reden gekommen bin, dann auch kaum zu stoppen bin. Aber das hat Seltenheitswert. Hört man sich so gerne reden. Ist das Ausdruck, dass die meisten nicht zur Geltung kommen können? Ich werde es wohl nie kapieren.

Heuchelnde Hysterikerin (2)

Kurz vor der Veranstaltug spricht sie mich in der Teeküche an. Sie hätte mit dem Chef reden müssen (! – lässt durchblicken, dass er sie zum Gespräch gebeten hätte, nicht sie ihn um ein Gespräch ersucht hat) und gibt mir gegenüber an, dass sie nicht wirklich kapiert hätte, was er denn von ihr wolle. Ob ich es ihr erklären könne. Doof wie ich bin, frage ich noch höflich nach, was sie denn nicht verstanden hätte – und sie kommt wieder mit dem Dauerthema.

Vorstellungsrunde bei der Veranstaltung mit ca. gut 40 Leuten. Sie spricht von sich und ihrem Kollegen. Nach drei Sätzen unterbricht sie sich und sagt mit einem Fingerweis auf mich: „Und der soll vielleicht auch noch mitmachen dürfen“. Damit ‚wissen‘ alle, dass ich wohl das Arsch hoch zwei bin, denn sie ist in diesem Kreis hochangesagt, hat zwar wenig Ahnung von der Materie, aber ist eben seit Jahren hellikoptermäßig unterwegs – viel Staub aufwirbelnd.

In der Laberrunde weiß ich auf die Frage, wie ich denn heute da bin, keine Antwort, weil ich echt nicht weiß, ob ich mich noch aufregen oder in Gelassenheit das Thema begraben soll.

Momentan: Viele Chancen habe ich da nicht mehr auf einen grünen Zweig zu kommen.

Titellos

Verein 1 schmeißt ne Runde Fortbildung für einen Nebenbereich, in dem ich auch aktiv bin. Referentin ist eine Fachfrau, die ich seit vier Jahren schon über einen bestimmten Mail-Kontakt kenne. Einerseits macht mich das neugierig, andererseits habe ich auch das Gefühl, es könnte mich ggf. bremsen, wenn sie dann merkt, dass ich vielleicht doch nicht so gut bin, wie der Eindruck … . Aber dann wird’s egal.

Sie ist gut, echt gut – das macht 20 Jahre Erfahrung gegen meine vier. Also saugen wir. Doch es wird mit der Zeit auch anstrengend, weil sie nach einer allgemein-theoretischen einführenden Wiederholung zuerst an die Texte geht und dann an die, die diese Texte geschrieben haben – nämlich wir. Zufällig zieht sie bei einer Übung noch gerade mein Hauptthema aus dem Ärmel, was dann mir richtig Kraft kostet, im Setting zu bleiben. Und auch wenn sie nicht das Rad neu erfindet, einiges von aus dem Bereich schon oft Gehörte begreife / sehe ich in anderen Zusammenhängen, erschließen sich mir mit zumindest neuen Aspekten.

U. macht in den Pausen mir gegenüber äußerst kryptische Andeutungen, dass sie am Abend „Grenzen überschreiten“ wird, doch auf Nachfragen heute Abend, kommt nur Kryptisches zurück. Bin so klug wie zuvor, aber auch irgendwie froh, jetzt mir nicht noch was anderes ans Bein gebunden zu haben (auch wenn ich signalisiert habe, dass ich auch morgen noch Mails lese …).

Bei meiner schon seit ein paar Wochen immer bewußter werdenden Selbstbeoachtung komme ich langsam nicht mehr umhin zu konstatieren, dass gegebenenfalls unter Umständen möglicherweise vielleicht sich eine klitzekleine Änderung anbahnen könnte.

Abends die Schwester am Telefon, der die nicht einfache, sie schon seit Wochen überfordernde familäre Lage, langsam bewußt wird. Zu meinem großem eigenen Erstaunen lässt sie sich auf einen kritischen Dialog ein und ich lasse meine Erfahrung spielen und merke, wie ich neue Akzente setzen kann. (Weiß aber auch, dass die Halbwertzeit dieser bei ihr ca. 12 bis 18 Stunden betragen.)

z.K.

Große Unzufriedenheit mit zwei Gesprächen. Aber je länger ich nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich da einfach in einem Dilemma bin. Egal was ich mache, es ist nicht gut. Gebe ich den beiden Raum, dann lade ich sie ein, sich in ihrer Welt weiter zurückzuziehen, sich weiter in ihrem Leiden zu bestätigen. Den Raum den ich ihnen gebe nutzen sie, um ihren eigenen Raum weiter mit noch höheren Mauern zu umgeben, die das Überwinden noch schwieriger zu machen. Je mehr Raum, desto mehr Isolation. Und das danken sie mir.

Gebe ich ihnen aber nicht dem Raum bzw. halte dagegen und versuche in ihren lückenhaften Argumentationen die Lücken zu vergrößern, dann arbeite ich gegen sie. Dann versuche ich, ihr Mauern wieder brüchiger zu machen, damit die Hürde, notwendige professionelle Hilfe zu suchen bzw. sie zuzulassen geringer wird.  Aber wenn ich das tue, dann tue ich ihnen weh weil ich gegen sie bin, sie konfrontiere, nicht bestätige sondern verunsichere und sie nicht entlaste, obwohl sie das mit dem Gespräch gesucht haben.

Ich hab heute bei beiden dagegen gehalten, massiv, auch wenn es ihnen hörbar weh tat. Das kostet Kraft, dass ist auch nicht gerade unagressiv, das sind Kämpfe um Hoheiten. Auch wenn ich mich nicht wirklich dabei wohl fühlte, aber ich möchte einfach die klitzekleine Chance nicht verpassen, dass das Gespräch ein Sandkorn zu einer anderen Entscheidung sein könnte, nämlich zur Entscheidung, professionelle Unterstützung zuzulassen.

Ich habe auch dagegen gehalten, weil ich es bei den beiden einfach nicht mehr ertrage, wie sie sich in ihrem Selbstmitleid suhlen und immer tiefer in ihrer eigenen abgekoppelten Welt einrichten. Sollte ich es ihnen aber nicht gönnen, weil sie ja nichts anderes haben, derezeit aufgrund ihrer persönlichen Lage und psychischer Verfassung nichts anderes können? Wo braucht es die ‚harte Hand‘, wo das Mit-leiden und das einfach-begleiten?

Es wird immer Menschen geben, bei denen das nicht wirklich zu entscheiden sein wird. Daher wird es diese Ungewissheit immer wieder geben. Doch es gibt Tage, wie heute, wo das nicht so einfach auszuhalten ist.

Laberrunde, neu

Erstes Treffen der neuen Supervisionsgruppe 1. Vier Männer darunter, das gab’s noch nie. Mir sind so gut wie alle bekannt, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Doch von den echt Nervigen ist niemand dabei – zum Glück. Die Supervisorin ist nur mässig vorbereitet und obwohl alte Hasin super nervös. Weil wir auch alles alte Hasen sind? Immerhin gibt sie nicht, wie ein Kollege, mit seiner – und das hat er ernst gemeint!!! – „messianischen Menschlichkeit“ an. Es wird viel gelacht – ein gutes Zeichen.

Eigenlob stimmt / stinkt

Sondersitzung von Vorstand Verein 1. Nur ein Thema, das aber komplex. Es werden grosszügig drei Stunden angesetzt. Die Geschäftsführung hatte angefragt, ob ich die Moderation übernehme. Gerne. Der Vorsitzende kann das Experiment nicht so richtig genießen. Egal – nach zwei Stunden und acht Minuten haben wir alles im Kasten einschließlich aller Beschlüsse.

Nachtrag

Wenn man sich mal etwas beobachtet, dann fällt einem (in dem Fall: mir) schon auf, dass man (also ich) gerne auch mal einen Tunnelblick hat. Denn wenn ich über das Schlafen so abkotze (HIER), dann vergesse ich, dass es meist eine Nacht im Monat gibt, bei der ich nicht klage. Liegt daran, dass ich meist einmal im Monat eine komplette Nacht für den Verein 1 opfere, so dass ich am darauffolgendem Abend mehr als 36 Stunden am Stück wach war (abzüglich eines Mittagsschlafs von ein bis zwei Stunden). Wenn ich dann mich hinlege, dann, ja dann schlafe ich eigentlich fast immer a) durch und b) traumlos und c) ohne jeglichen Sonderaktionen, so dass ich immerhin einen Eindruck habe von dem, was andere ‚Schlaf‘ nennen.

Arschkarte, die

  • Im Job vier lange Stunden eigene Beschäftigungstherapie ohne Sinn, Verstand und Zukunft.
  • Termin bei Verein 2. Den letzten habe ich ja ausfallen lassen, weil ich keine Lust habe, Statist bzw. Claqueur zu sein. Aber mein schlechtes Gewissen treibt mich zu dem. Wieder nur Staffage. Jetzt bin ich am überlegen, gar nicht erst bis zur nächsten Mitgliederversammlung zu warten, sondern gleich die „Mitarbeit“ weitgehend einzustellen.
  • Vor Termin bei Verein 1. Allgemeine Begrüßung. B. kommt, ich begrüße sie freudig, versuche ein Gespräch mit ihr zu beginnen. Von ihr kommt nix. Ihr Mann und sie waren schon hier beim Essen, sie waren auf der letzten Fete … aber ich habe echt nicht das Gefühl, dass ich für sie irgendwie von Interesse bin.
  • Termin bei Verein 1. Der Vorstand, zu dem ich seit Jahren gehöre, muss ich von einem als „unfähig“ bezeichnen lassen. Als ich ihn zitiere, behauptet er, das hätte er „nie“ gesagt. Ich weiß, dass er der ewige Nörgler ist – aber es gibt einfach grenzen. Eine andere wirft mir vor, ihr das „nie“ gesagt zu haben, wobei ich es ihr in den vergangenen drei Wochen mindestens vier mal erklärt habe.

Fazit: Um ein paar Leute werde ich mich jetzt einfach nicht mehr bemühen. Auch wenn mir dann noch mehr an Kontakt fehlt, aber ich habe keine Lust den Grüß-August zu machen um die Eitelkeit der anderen zu schmeicheln.

Ansonsten bleibe ich ratlos.

Metalaberei

Gestern die Vorstellung der neuen Supervisorinnen und Supervisoren in Verein 1. Nach einer halben Stunde war klar – die sind mir alle zu pastoral-salbungsvoll, zu denen werde ich sicher nicht gehen. Bleibt mir leider halt nur ein unglücklicher Montagstermin (da ist eigentlich Sport) oder ich wechsle in eine 14-tätige Gruppe (was mir zu oft ist). Aber da ich noch nen Monat mit der Wahl Zeit habe, kann ich ggf. mit der Geschäftsführung vereinbaren, die zweite Variante nur monatlich besuchen zu müssen.

Viel interessanter waren aber die paar Minuten zuvor. Ich hatte nämlich G. gefragt, was für Entscheidungen bei der letzten Vorstandssitzung herausgekommen wäre, an der ich – erst das zweite Mal in sieben Jahren – hatte nicht teilnehmen können. Statt einer Auskunft erhielt ich ein: „Oh B., wenn Du nicht dabei bist, läuft das alles nur schief!“ Das verwunderte mich dann doch sehr, denn meinen ‚Einfluss‘ auf die Sitzung erachte ich als eher gering. Jedenfalls erfuhr ich, dass der verlängerte Zeitrahmen nochmals erheblich gesprengt wurde und dass in der zweiten Hälfte die Stimmung wohl in Richtung Streiterei gekippt ist. Muss richtig großes Theater gewesen sein – und das will in diesen Kreisen echt was heißen.

Lustigerweise sprach mich dann auch noch der Vorsitzende an, der wissen wollte, ob ich bei der nächsten Sitzung wieder dabei wäre.

 

Letztendlich eine Welt

Und die nächste Hospitantin in Verein 1. Aber das erste Mal eine, von der ich lernen könnte – denn was ich seit ein paar wenigen Jahren freiwillig mache, hat sie 30 Jahre lang beruflich gemacht. Finde, mir ist es gelungen das so zu gestalten, dass meine Erfahrung vor Ort und ihre fundierte Erfahrung aus dem anderen Bereich gleichberechtigt zur Geltung kam.

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