Durch die Zeit

Kategorie: Vergangenes

Musil lesen – #486

Ich war schon etwas überrascht, als ich das Foto zwischen Seite 492 und 493 entdeckt habe. Keine Erinnerung daran, es in den „Mann ohne Eigenschaften“ gelegt zu haben.

Aber es passt.

Denn die Erstletüre datiert auf August 1986. Und da es zu diesem Foto noch eine Reihe von anderen gibt ist klar, dass ich damals mit M. (hier auf Bild) auf dem Berghaus war (um als bekennender Hetero mit ihm ständig Sex zu haben).

Ohne dieses Beweise hätte ich mir das heute alles komplett anders zusammengereimt, vorallem, dass mit M. Ich meine mich zu erinneren, dass wir uns nur unendlich zögerlich aneinander angenähert haben. Aber so ist klar, dass ich mit 1986 definitiv das Thema Homosexualität auf der Pfanne hatte – und dann noch acht (!!!) Jahre bis zu meinem Coming-out brauchte. Heftig, heftig.

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Unwesentliche Verzögerung

Mit einer wahrlich klitzekleinen Verzögerung, die man eigentlich als unerachtenswert ansehen kann und muss, habe ich heute die letzte Umzugskiste (vom Januar 2018) aus dem Zimmer geräumt. Damit ist mein Plan, alles zügig einzurichten, voll aufgegangen. Der Berliner Flughafen kann sich da ein Beispiel an mir nehmen.

Leseempfehlung

Die Überschrift über diesen Post hätte „Ist das so schwer zu kapieren?“ lauten sollen. Und gäbe es hier Untertitel, dann hätte es noch vielleicht gehießen: „Frage an die AfD und sonstige Rechten“.

Als Text wäre dann dieses Zitat von Heinrich Detering gestanden, was ich heute in seiner kleinen Schrift „Was heißt hier ‚wir‘? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten“ (Reclam, Stuttgart, 2019) gefunden habe:

Deutschland ist so heidnisch wie die Merseburger Zaubersprüche, so evangelisch wie Luther, so katholisch wie Ratzinger und so antichristlich wie Nietzsche, so jüdisch wie Martin Buber und so muslimisch wie Navid Kermani; Deutschland ist so mystisch wie Hildegard von Bingen und so aufklärerisch wie Immanuel Kant; so romantisch wie Eichendorff und Bettine von Arnim und so antiromantisch wie Marx und Engels; so männerliebend wie August von Platen und so straight wie Heinrich Heine – die Reihe wäre wahrhaft unendlich fortzusetzen, und es ist beinahe peinlich, daran überhaupt erinnern zu müssen. (S. 34f)

Aber die Frage ist wohl einfach falsch. Denn die Rechten wollen das gar nicht kapieren. Sie wollen vielmehr sich aus Versatzstücken ein ‚Deutschland‘ zusammenbauen, dass frei von jeglichem Welt- und Realitätsbezug ist. Wenn die Rechten etwas wollen, dann ist es die abgespeckte, vereinfachte und verkitschte Hollywood-Variante der Märchen der Brüder Grimm.

Dieser kurze und wirklich lesenswerte Text von Detering – der dann doch erstaunliche sechs Euro kostet für die 41 Reclamseiten des eigentlichen Textes – hat mir jedenfalls die Augen geöffnet, wie rechts die AfD schon ist. Ich lese ja zur Zeit eine dicke Geschichte des Nationalsozialismus – und mit ein bisschen zeitlichen Aufwand wäre es einfach, Zitate von Hitler, Gauland, Höcke und Konsorten zu finden bei denen, ständen die Namen nicht darunter, nur schwer zu erkennen wäre, von wem sie stammten.

Mir hat Detering jedenfalls einen guten Tritt in den Arsch gegeben, wieder genauer hinzuhören und Wörter und Begriffe, Satzkonstruktionen und Analogien kritischer zu hinterfragen. Denn hinter dem wortreichen Getöse verbrigt sich echt eine heftige Fratze.

Luxusurlaub

Unvollständige Auflistung, versteht sich.

FRÜHER DIESMAL
Hast Du meinen Pulli gesehen, ich brauch den als Kopfkissen. Ist das mein oder Dein Kopfkissen.
Wie sind den die WC’s so? Oh schau mal, wir haben ein eigenes kleines Klo!
Gibt es noch Erdnüsse? Gibt es noch Erdnüsse?
Mein Schlafsack Unsere Decken
Wie sind denn die Duschen so? Wie sind denn die Duschen so?
Oh, ein kaltes Bier wäre jetzt was. Soll ich mal gehen? Oh, ein kaltes Bier wäre jetzt was. Soll ich Dir auch was vom Kühlschrank mitbringen?
Mist, die Leine reicht schon wieder nicht für die Wäsche. Wer hat eigentlich den Wäscheständer erfunden?
Frühstücken tun wir dann unterwegs. Auch ein gekochtes Ei?
Heute wäre dieser tolle Spielfilm gekomen! Wollen wir den tollen Spielfilm nachher noch  gucken?
Gehen wir essen oder schauen wir so, wie wir satt werden? Kochst Du oder gehen wir essen?
Was für eine geile Kirche. Schau mal, die Libelle da.
Echt spannender Krimi! Echt spannender Krimi!
Wo ist denn die Badehose?
Hast Du Netz? Hast Du Netz?

Ein Manko ist immer

Eines lässt sich bei so einem FKK-Urlaub nicht leugnen: Ein ästhetischer Genuss ist das definitiv nicht! Was man da an Fettschürzen, angefressenen Wohlstandswampen, hängenden Brüsten, verschumpelte Hodensäcken und sonstige Fleischuntergangsszenarien zu sehen bekommt, ist schon heftig. Liegt leider auch daran, dass FKK anscheinend nur noch was für eine Generation 60+ ist, denn jüngere Leute, mal abgesehen bis auf eine handvoll Familien, gab es nicht.

Aber mal von diesem ästhetischen Supergau abgesehen ist FKK-Urlaub einfach nur geil.  Jetzt echt nicht im sexuellen Sinne, sondern in Bezug auf Körperlichkeit und das Empfinden an sich. 23 Grad Celsius am Morgen fühlen sich komplett anders an, als die gleiche Tempertaur zehn oder zwölf Stunden später. Das hat was mit der eigenen Empfindlichkeit zu tun, aber auch mit Luftfeuchtigkeit und anderen Parametern, die man angezogen in der Bandbreite gar nicht fühlen kann.

Es ist zudem richtig irre, wie schnell sich der Körper an die Klamottenfreiheit gewöhnt. Je länger ich nackt war, desto kühler musste die Dusche Tag für Tag gestellt werden. Der Tümpel, der anfangs noch richtig kalt war, empfand ich am Ende zwar nicht als pisswarm, aber erfrischend war er auch nicht mehr. (OK, er dürfte etwas zugelegt haben, dennoch). Nach dem Duschen habe ich es mir dann gegönnt, mich erst gar nicht abzutrocknen, sondern das von der Tür von der Luft, dem Wind erledigen zu lassen. Das ist schon irre, wie es für einem Moment einem echt kalt wird – und hat man das gedacht, ist auch schon alles vorbei und ich war trocken.

Ich vermute mal, Körper und Haut bekommt es einfach besser, wenn es nicht dauernd mit irgendwelchen Hitzestaus umgehen muss, die sich unweigerlich unter den Klamotten bilden. Gerade waren wir einkaufen. Draußen sind es 19 Grad, bedeckter Himmel. Die meisten hatten lange Hosen und langärmliges Oberteile an. Ich hatte eine Short und ein T-Shirt an – und das fand ich schon unerträglich warm darunter.

Wie auch immer: Ich hab’s echt genossen.

 

Nachtrag zu gestern

Gestern war, wie mein Mann und ich heute dann doch immerhin noch feststellten, unser zweiter Hochzeitstag.

AVZ – me as a young student

Mal wieder im AVZ gewesen, dem „Allgemeinen Verfügungszentrum“. Tja, sowas hatte meine Uni damals, die nicht Uni hieß sondern Gesamthochschule. Ein Termin für den Job der vier Stunden ging und ich mich fragte, warum hätte das nicht schneller gehen können. Aber mir war es recht, denn wieder vier Stunden, die ich mit den Weibern des neuen Jobs nicht verbringen muss. Daher auch rechtzeitig, aber sowas von rechtzeitig losgefahren, denn in der Cafeteria wollte ich noch unbedingt einen Kaffee trinken. Ich saß dann auch ne gute viertel Stunde darußen und starrte so vor mich hin. Geändert hat sich da kaum etwas und mich hätte es nicht überrascht, wäre jetzt irgendein Prof oder Kommilitone von damals aufgetaucht. Passierte natürlich nicht.

Das Bild ist maximal aus dem 3. Semester. (Ist das in der Ecke unten links nicht auch N.?) Hat damals mein „Bruder“ gemacht. Das meinte jedenfalls einer der schönsten Kommilitoninnen damals, als sie uns beide gesehen hat. Woher wir uns drei überhaupt kannten entzieht sich meiner Kenntnis, denn wir haben alle etwas unterschiedliches studiert. Mich hat das damals etwas stolz gemacht, denn der „Bruder“ sah schon richtig scharf aus (was ich damals aber so richtig nicht in den richtigen Topf bekam, egal). Und wie es mir scheinen will, ist das auch noch die Lederjacke, die ich zum Abitur bekommen habe.

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Einst

Vor Jahren hätte ich die Hitze echt besser ab haben können. Da wäre ich nach der Arbeit noch schnell mit dem Rad zu Schweinebucht gefahren, um den nackten Körper noch der Sonne anzubieten (und ggf. etwas zu schwimmen, aber nur etwas). Aber jetzt. Jetzt schleiche ich mich in die Straßenbahn, bin froh, einen Sitzplatz zu bekommen, genieße die Kühle des Supermarktes und bewege mich zu Hause im Zeitlupentempo.

Aber besser als frieren ist es allemal.

Erinnerung aus gegebenem Anlass

Nachher dann noch zu T., private Abifeier. Letzter Woche auch schon bei ihm gewesen, da war Abiball. Bei der Zeugnisübergabe war ich dann aber nicht dabei.

Man begeht die Hochschulreife in der Zwischenzeit groß und ausführlich.

Bei mir damals gab es eine lauwarme Rede des Vizedirektors, die Übergabe des Zeugnis, anschließend ewas zu trinken, etwas Musik und gut war’s. Mir hat man damals dann vorzugsweise konduliert, nicht weil mein Abi so schlecht gewesen wäre (immerhin 2,4! was für meine schulische Begeisterung einer 1,1 gleichkommt) sondern da mein Bruder – der genau wie T. heißt – ja kurz davor tödlich verunglückt war.

Und wie sehr man meine Leistung schätzte, brachte wohl am Besten mein Vater zum Ausdruck, der mir mit folgenden Worten ‚gratulierte‘: „Vor zwei Jahren hätte ich keine fünf Mark auf Dich gesetzt.“

Mir ist gerade etwas bitter.

Arno, du

40. Todestag von Arno Schmidt. Ein der größten und bedeutestenden Schrifstellter dieser Nation und Sprache – kennt kaum ein Schwein und gelesen haben ihn noch weniger. Er sei schwer, schwierig, unverständlich. „Nur die Phantasielosn flüchtn in die Realität“ was vielleicht erklären mag, dass man ihn wie ein ungeliebtes Stiefkind behandelt. Dabei öffnet er Welten. Man muss ja nun wirklich nicht mit „Zettels Traum“ anfangen – macht ja eh keiner, denn wer kauft sich schon ein Buch mal so nebenbei, was schlappe 350 Euro kostet.

Aber da er ja genügend anderes geschrieben hat … ist ein Anfang leicht gemacht. Wie der hier:

„Auf Kankerstelzen aus Licht der kleingeschnürte Sonnenleib über der Landschaft. Spätnachmittag im Auto : nochmal nachfühlen – ? – Ja : Notizblock, Fernrohr, Grüne Brille; Ausweise vor allem. / Und die Straße rappelte : Sonne & Kakteen gemischt. Faul lag mein Fingerzeugs vor mir. Daneben rauchte der Captain (und sang; immer auf „uun“ : moon und noon und June und racoon – gibt es etwa schon Menschengruppen, die nur einen auf bestimmte Vokale hin gefärbten Wortschatz erlernen?).“

Das ist aus der „Gelehrtenrepublik“ (1957)

Ich empfehle aber in erster Linie für den Anfäger / die Anfängerin „Das steinerne Herz“ von 1954 – von dem es den Anfang im Internet nicht gibt und ich an mein Exemplar nicht rankomme, weil ich gar nichtzu Hause bin.

Egal.

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