Durch die Zeit

Kategorie: Vergangenes

Aus Studientage

V. und W. heute zu Gast. Nähere Beschreibungen verbieten sich hier, da sie nicht wissen, dass ich sie hier nenne.

Viele interessante Momente aber heute.

Und ein loses Ende ist keins mehr. Als ich Lit.wiss. studierte, erschien eine Studie, die mich maßgeblich beeinflusste und vor der ich echt viel gelernt habe. Den Autor habe ich sogar einmal gesehen und mit ihm drei Sätze wechseln können. Für mich nach wie vor ein ‚Gott‘. Und immerhin – die Frau eines ehemaligen Arbeitskollengen war für eine Zeit seine Kollegin.

Nun, eine/r der Gäste war mit genau diesem gut zehn Jahre zusammen und berichtete, was für eine schwere Geburt das damals war und welchen Einfluss sie / er hatte auf  jene Studie, die mich so sehr beeindruckte und beeinflusste.

Das ist gerade für mich irgendetwas zwischen Lit. wiss. und Klatscht – und ich genieße es, mich gerade da nicht entscheiden zu müssen.

Kette, gedankliche

Mein Mann und ich schauen einen französischen Film – In einer Szene diskutiert eine Schulklasse über ein Gedicht von Rimbaud – Ich erzähle, dass ich von Rimbaud eigentlich nur „Eine Zeit in der Hölle“ kenne – Mein Mann will wissen, wie es im Original heißt – Ich muss dann doch nachsehen: Une saison en Enfer – Da fällt mir ein, dass ich es mal in F. im Theater gesehen habe – Da fällt mir ein, dass mich danach ein Typ angesprochen hat und wir noch zu ihm sind – Und ich erinnere mich, dass er mir einen runtergeholt hat, während er davon schwärmte, eine Frau sein zu können – Und ich staune mal wieder über meine Verdrängungsleistungen – Denn da war ich wohl erst 17 und weit entfernt das Wort ’schwul‘ überhaupt buchstabieren zu können.

Ände/rung einer Ära

Es waren wohl an die 15 Jahre, dass ich morgens runter zum Briefkasten bin, um meine geliebte SZ zu holen. Denn was ist ein morgen ohne Zeitung? Früher gehörten dazu noch ne Tasse Kaffee und zwei Zigaretten – aber Zeiten ändern sich, jetzt wird die Lektüre von einem Becher Tee begleitet. Nun aber, wenn es die Temperaturen zu lassen, komplikationslos ohne Hosen, denn seit zwei Tagen lese ich sie digital.

In der alten Wohnung habe ich mich zuletzt öfters mal ärgern müssen, dass sie einfach zu spät kam. Und als B. mir zeigte, wie einfach das auf so einem Tablet dann sein kann … und ich jetzt ja auch eins habe … und etwas sparen muss, da ich ja auch noch Netflix habe … und Rohstoffe ja wichtig sind … und ich immer fauler werde, Altpapier wegzubringen …

Und wie mir scheinen will, verändert sich das Leseverhalten etwas und – da ich sie ja jetzt überall dabei habe – lese auf alle Fälle mehr, interessanterweise viel aus dem Wirtschaftsteil, der sonst nicht gerade so im Zentrum stand.

Schaden tut das alles nicht.

Flott, flott, flott

Das ist nun, wenn ich ich richtig nachgezählt habe, meine 12. Wohnung. Und die dritte, in der ich über einen Keller verfüge, der den Begriff auch verdient. In der letzten Wohnung war es eher ein historisches Lehm-Feucht-Biotop, wo auch alles kaputt gegangen ist, was wir – aus Doofheit – da reingestellt haben.

Meine ersten Erinnerungen an den ersten Keller sind natürlich kindheitsmäßig mit Angst verbunden, weil man ja nie wußte, ob a) ein schwarzer Mann wartet oder man b) dort eine Leiche finde. Kurz nach dem wir ausgezogen sind, hat man da auch eine Leiche gefunden, der Sohn von unten links hat sich dort aufgehängt.

In der nächsten Wohnung gab es einen gigantisch großen Keller, der eigentlich ein Hobbyraum war und einen Haushaltskeller. Den fand ich eigentlich immer noch am besten. OK, in dem anderen konnte man sich mal in aller Ruhe und Wärme einen runterholen, aber im Haushaltskeller stand das ganze eingemachte Obst, was ich über die Jahre komplett vernichtet habe und später die guten Weine meines Vaters.

Doch oft ist man da nicht wirklich hin.

Jetzt bin ich eigentlich täglich im Keller. Denn a) ist dort die Waschküche (was ich ja richtig toll finde und auf was ich mich so richtig freue ist, dass ich im Sommer die Wäsche im Hof auf der Wiese aufhängen kann! Und ich werde alles tun, dass sämtliche Unterwäsche so hängt, dass die meisten Leute erröten können) und b) der eigentliche Keller. Der dient derzeit als Zwischenlager für die Müllkippe, aber auch die Weine und Biere sind dahin gelangt. Also geht es flott derzeit treppab und treppauf

 

48 + 14 + 3,3 = viel zu wenig?

In Mathe war ich noch nie gut. Trotzdem liebe ich Excel. Im Durchschnitt ergibt das die Unfähigkeit genau zu berechnen, wieviel Regalmeter ich brauche. Die 48 Meter für die Primärliteratur war knapp. Die 14 Meter für die Sekundärliteratur (Plus 3,3 Meter ‚Reserve‘) ein einziger Witz!

Also heute heldenhaft unter Aufbietung der letzten Kräfte 15 Meter Bücher in den Keller geschleppt.

Nur wenige Stunde später – also jetzt – wundert es mich schon etwas, dass ich ganze Fachabteilungen dorthin ‚verbannen‘ konnte. Aber ich werde halt kein Musiktheoretiker mehr (wobei die Literatur zu Janis Joplin natürlich im Regal ihren Platz bekommen hat). Auch mit der ganzen KZ-Literatur habe ich eine Ende gefunden – ich bin da satt und habe ausreichend Erfahrung in meiner Jungend mit überlebenden KZ-Häftlingen gesammelt, was sich ja nur kaum in Büchern wiederspiegelt. Auch ein großer Teil der schwulen Sekundärliteratur hat den Weg nach unten gefunden. Liegt wohl daran, dass der Prozess der Suche nach der / einer schwulen Identität wohl dann doch fast ein Ende gefunden hat.

Was ich nicht nach unten geben konnte war die komplette Literaturwissenschaft und Philosophie. ‚Überlebt‘ hat es auch ein gehöriger Teil der erotischen Literatur (homo wie hetero) und zu meiner Überraschung die Reiseführer.

Ich hatte auch eine lange Diskussion mit mir, was ich mit den Briefen mache, die ich aufgehoben habe (mehrere Aktenordner voll von Briefen an mich wie den Durchschlägen derer, die ich geschrieben habe). Diese Diskussion hat heute dann ein überraschendes Ende gefunden – sie werden ungesehen vernichtet werden.

Überhaupt: Was steht in den Regalen, weil es meinem Bildungsideal entspricht, mit dem kaum jemand was anfangen kann? Wer weiß es schon zu schätzen, dass Kant, Hegel, Schelling, Marx, Horkheimer, Adorno, Platon, Augustinus und noch ein paar wenige mehr gelesen im Regal stehen? Ist das nicht auch eine Art von Prozerei? Vorallem eine, die kaum einer mehr versteht?

Es endet derzeit in zwei Fragen:

  • Was brauche ich?
  • Was brauche ich für Schön?

Letzte Dinge

Mich würd’s schon interessieren, was ich vor 13 Jahren in die damalig neue Wohnung als erste reingetragen haben. Heute habe ich als letztes jedenfalls den Putzeimer rausgetragen . Wir können sie nun besenrein übergeben – ein Kapitel hat ein Ende.

(Zu den letzten Dingen gehörte viel Putzzeugs, irgendwelche undefinierbaren Stangen und – nicht gerade unsymphatisch – sieben Kästen Bier, fünf davon voll.)

Keinen einzigen Anzug …

… mehr im Schrank. Dafür einen maßgeschneiderten Smoking. Er war das einzige, was mir noch wirklich passte.

OK, den goldenen Anzug habe ich auch noch nicht weggegeben, der muss noch für einen Gag herhalten.

Über die Wupper

Gerade etwas faul, ansonsten hätte ich mit Fotos dokumentiert, was alles in den letzten 36 Stunden über die Wupper gegangen ist. Finde es gerade als einen besonderen Moment, mich von meiner Vergangenheit zu verabschieden. Ohne Wehmut schmeiße ich Dinge in den Müll, von denen ich weiß, dass ich vor ca. 35 Jahren mir Mühe gemacht habe, sie zu bekommen (sprich: Starschnitt von Janis Joplin).

Es ist in gewisserweise ein Paradigmenwechsel, der aber auch der Zeitgeschichte geschuldet ist. Früher, also vor 25-30 Jahren, war es eben nicht selbstverständlich, dass man ein gewisses Buch entweder im Netz gefunden hat, oder über das Internet aus einer entfernten Bib. bestellen konnte. Die Verfügbarkeit war eine ganz andere, eine, die mit Mühen verbunden war. Luxus also, wer es zuhause hatte. Heute ist es eher Luxus eine so geil-schnelle Verbindung zu haben, dass man das Buch eben nicht in 4 Sekunden sondern nur in 1,3 Sekunden sich runterladen zu können.

Die Erkenntnis des Tages ist gerade: Es tut auch gut, sagen zu können: „Das hatte ich mal.“

Der Keller

So lautet einer der fünf autobiographsichen Erzähltexte von Thomas Bernhard, die alle absolut und uneingeschränkt (!) lesenswert sind. Aber den Keller meine ich jetzt nicht, sondern unseren.

Mein Mann scheuchte mich heute hinunter, um gemeinsam zu schauen, was weg kann. Und es ist so, wie Komilitone U. vor Jahren schon behauptete: „Der Keller ist nichts anderes als eine vorgelagerte Müllhalde“.

Aber auch im Dreck – „denn Gold findet man auf der Straße und Straßen sind aus Dreck gebaut“ (M.M.W.) – fand ich noch ein paar kleinere Schätze, u.a. eine Zeitungsfoto, auf dem ich als Jüngling zu sehen bin (bald wohl auch hier), ein paar Casetten von denen ich hoffe, dass ich sie noch digitalisieren kann (eine Raubkopie einer tollen Lesung und ein sechsstündiges Interview, was ich vor Jahren (*lach* – da war ich 21) mal mit einem KZ-Häftling geführt habe), ein paar andere Fotos, u.s.w.

Und – unvermeidlich – noch einige Exemplare Unterwäsche, die letztendlich dann doch noch gut in mein Unterwäschenmuseum gepasst hätten. Aber den Plan habe ich ja in der Zwischenzeit aufgegeben. Vom knappsten String bis zum Ganzkörperbody hatte ich echt alles, in allen Stoffen, Schnitten, Farben, Fabrikaten, … Richtig sicher bin ich mir nicht mehr, aber ich meine, dass ich auch einen Leopardenfell-String hatte. Interessant zu beobachten, dass ich, als ich die Teile noch mal kurz durch bin, bei fast jedem sofort wieder wusste, wie sie sich trugen und warum ich sie aussortiert habe. Fünf Teile haben dann nochmals Gnade gefunden.

Ach ja: Und Wein ist echt ausreichend da. Ein ganzer Schrank voll. Von mir gekauft. Aber komplett vergessen.

 

1. Klasse

1. Klasse ist auch nicht mehr das was es mal war! Gutschein gehabt – sonst lässt sich das ja nicht zahlen.

In einem früheren Berufsleben hatte ich sogar die „BC 100 First“, will heissen, ich hab mich einfach in jeden Zug in die 1. Klasse gesetzt und bin gefahren. Wenn der Schaffner kam reichte die schwarze Karte und alles war gut. Heisst aber auch: Ich bin so gut wie jeden Tag gefahren.

Heute war es nur voll, dreckig, laut und mit einer gehörigen Menge echt gestörter Menschen. Der Unterschied zur zweiten bestand echt nur in der Beinfreiheit.

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