Durch die Zeit

Kategorie: Vom Tage

Mit mir nicht mehr

Die, die mich etwas besser kennen (soviele sind das hier dann doch nicht, was aber auch gut ist) werden in etwa abschätzen können, was mich wohl geritten haben muss, heute aus der Kirche auszutreten.

Aber im Rahmen der Therapie ist mir erstmals so richtig klar geworden, wie sehr ich unter diesem System gelitten habe und mit den Spätfolgen gerade kämpfe. Ich kann und will so eine Instituion nicht mehr unterstützen, die einfach keine Knall wahrnimmt und meint weiter wursteln zu können, die so tut, als würde es bestimmte Skandale nicht geben und … und … und … Ich bin jedenfalls draußen.

Damit dürfte ich der erste aus der Familie sein, der diesen Schritt gemacht hat. Mein agnostischer Bruder kann ja nicht, denn der arbeitet ja beim Bischof und da muss man …

Problematisch ist es ja auch nicht, das Geld, dass ich jetzt ’spare‘, denen Institutionen zur Verfügung zu stellen, die was in meinem Sinne mache.

Tagesschnipsel

  • Mein alter Job ist nun offiziel besetzt. Ich kann nicht verstehen, dass die Kollegin, die schon länger als ich im Haus bin und die weiß, was es da (nicht) zu tun gibt, ihn übernommen hat. Einzige Vermutung: Sie ist in meinen Ex-Zimmer-Kollegen so verliebt, wie er in sie.
  • Vormittags mal etwas zu tun gehabt, nachmittags dann wieder Beschäftigungstherapie.
  • Komplett überraschend: Ich habe einen Adventskalender! T. hat sich vorgenommen, mir jeden Tag was per Mail / WU oder sonstwie zu schicken. Heute gleich mal mich um eine Reise beworben, wenn ich gewinne, muss sie mit.
  • Haushaltsverhandlunge in Verein 1. Ich muss morgen da nochmals konzentriert rüber, aber wir werden die Viertelmillionen wohl reißen. Angefangen habe ich vor Jahren bei 100.000.
  • Lesekreis. Erneute Diskussion, was wir nach dem Delius (der neue ist echt nicht gut) lesen. Doch nicht Bernhard, vielleicht Seebald oder gar Seume (nein, bei Reiseliteratur steige ich sofort aus), aber dann doch eher Goethe, wenn nicht vielleicht erstmal nen kurzen Bernhard … Ich habe dafür definitiv keine Nerven und lasse sie alleine diskutieren.

Wort zum Sonntag

Mit der Kirche habe ich immer weniger zu tun. Ein Ergebnis des psychischen Prozesses derzeit wird auch sein, dass ich austreten werde. Seit zwei Jahren betrete ich ja auch keine Kirche mehr, zuviel davon gesehen, und was der Papst macht (oder nicht) geht mir in der Zwischenzeit auch am Arsch vorbei. Und das „Wort zum Sonntag“ empfand ich die wenige Male, die ich es mir angetan habe, einfach nur als „Wohlfühlgeschwätz“, eine christliche Phrasendrescherei, die der Realität nicht stand hält.

Gestern zu müde, um aufzustehen und die Fernbedienung mir zu greifen, also hörte ich mir das „Wort zum Sonntag“ von Pastorin Annette Behnken an. Allein der erste Satz ließ mich aufhorchen und der ganze Rest … nicht schlecht. OK, bei den letzten drei Sätzen ‚himmelt‘ und ‚heiligt‘ es mir ein wenig zu viel, aber bis dahin …

Wer lesen will, ich hab‘ mir gerade den Text geklaut und reinkopiert, ansonsten kann man es hier hören und sehen.

Der Advent funktioniert nicht mehr. Die Welt wird nicht besser davon, dass wir einmal im Jahr vier Wochen lang Kerzen anzünden. Also: abschaffen, denk ich. Und vor mir steht der Adventskranz, den ich diese Woche gekauft hab – zu Hause auf dem Tisch. Daneben mein Laptop.  Und ich seh‘ ein Video, das gerade durch die sozialen Medien geht. Man sieht den Nordpol. Wie das Eis schmilzt. Die letzten 35 Jahre in 35 Sekunden. Im Zeitraffer sieht der Nordpol aus wie ein riesiges Herz, das pumpt und pumpt und allmählich ausblutet. Daneben dieser Adventskranz.

Er funktioniert nicht mehr, der Advent. Nicht mehr so, wie früher.

Gestern wieder Generalstreik: Friday’s for future – da geht es allenfalls noch um Schadensbegrenzung, das ist den Schülerinnen und Schülern klar. Und morgen? Soll Advent sein? Und alles ist schön? Advent, Advent, ein Lichtlein brennt?
Erst eins, dann zwei, …?  – mehr als drei, vier Nazis waren es, die letzten Samstag in meiner Heimatstadt Hannover aufmarschiert sind und Journalisten bedroht haben. Ungeniert die Pressefreiheit angegriffen haben. Nazis proklamieren wieder unverhohlen ihren rechtsradikalen Schrott. Und morgen geht der Advent los. Und es passt nicht.

Die Welt ist nicht besser geworden und wird nicht besser werden davon, dass wir vier Wochen lang Kerzen anzünden. Und ich zünde morgen eine Kerze an. Und auch die zweite und die dritte – in den nächsten Wochen, während, rein statistisch gesehen, auf irgendeiner Straße in irgendeiner Stadt der erste Obdachlose dieses Winters erfriert.

Der Advent funktioniert nicht mehr. Nicht mehr so, wie früher. Da konnte ich noch glauben, was er verspricht. Als ich dachte, wir können das Ruder noch rumreißen, es ist vielleicht fünf vor zwölf, aber – das schaffen wir noch.
Da hat der Advent noch funktioniert. Ich konnte in Kerzenlicht baden und die Botschaft glauben: Advent ist die Zeit der Erwartung. Dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssen. Und Gott kommt in die Welt und macht alles heil!
Ich zünde morgen die erste Kerze an. Mit einer armseligen Hoffnung, die dringend Nahrung braucht. Weil sonst nichts bleibt, außer: Tatsachen, die nicht auszuhalten sind. Außer verreckenden Visionen von einer besseren Welt. Außer Ohnmacht.
Meine Hoffnung funktioniert nicht mehr, wie früher.

Die Welt wird nicht besser, weil wir vier Wochen lang Kerzen anzünden. Aber wir Menschen zünden Kerzen an, wenn die Welt besser werden muss. In den 50er Jahren standen Millionen von Kerzen in westdeutschen Fenstern, um zu zeigen, wie verbunden sich die Menschen im Westen mit denen im Osten fühlten. Tausende Kerzen bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig. Nach Flugzeugabstürzen, nach Gewalttaten – es brennen Lichtermeere und leuchten gegen das Dunkle an. Wenn ein Leben zu Ende geht, wenn eines beginnt – wir zünden Kerzen an.

Keine brennende Kerze macht die Welt besser. Und ich kann die Welt nicht aushalten, ohne Hoffnungslichter. Ohne solche Zeichen. Ohne solche Zeiten, wie den Advent. Kuschelige Weltflucht bei Kerze, Keks und Mandelkern. Ja. Auch das! Das brauchen wir Menschen manchmal. Aber der Advent ist ja mehr! Er passt nicht in diese Welt. Er stellt sich gegen die Welt. Er ist eine Gegenkraft gegen die Hoffnungslosigkeit. Ohne solche Zeiten gehen wir vor die Hunde und die Welt mit uns. Ohne diese Hoffnungskraft, die vom Himmel auf Erden erzählt. Das ist, was wir zum Leben brauchen: Hoffnung. Sehnsucht. Erwartung. Nicht, dass sich etwas wandelt. Nein – dass wir etwas wandeln. Dass Heiliges wahr und Himmlisches wirklich wird. In und durch uns.

Ich find’s gut!

Ich find’s gut, dass es Scholz nicht geworden ist. Walter-Borjans und Saskia Esken traue ich einfach mehr zu, dass sie endlich mal wieder SPD-Themen bespielen und nicht nur als CDU-Claquere fungieren. Die Entscheidung nochmals in die Koalition zu gehen war in meinen Augen eh falsch. Aber das gehört ja zur Geschichte der SPD, dass sie sich immer wieder auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit in die Verantwortung nehmen lässt. Es ist echt an der Zeit, dass sie sich wieder auf sich besinnt und mal nicht als Steigbügelhalter für andere dient.

12 – 1

Da warens nur noch elf. E. wird die Ausbildung nicht machen, was mir jetzt keine Träne hervorlockt, denn es war die, die mir mit ihrem Gute-Welt-Friedem-Gehabe etwas auf den Geist gegangen ist.

Zweiter Tag

Sag‘ ich mal so. Meine theoretischen Kenntnisse zum Thema Kommunikation sind also nach wie vor auf dem neusten Stand und mindestens gut fundiert, meine praktischen Kenntnisse – wenn ich denn dann will – so, dass das Feed-Back nichts vebesserungswürdiges zu melden weiß. Aber da übe ich ja jede Woche mindestens drei Stunden.

Für mich heute etwas langweilig und wenig Neues – aber das war zu erwarten gewesen. Irgendwie auch OK, denn nach der Horror-Alptraum-Nacht heute war ich eh wenige unkonzentriert.

Zweiter Versuch

Ein erster Versuch ist vor zwei, drei Jahren kläglich gescheitert. Ich hab‘ damals zwar etwas Hilfe gebraucht um herauszufinden, warum es scheiterte, aber dann war klar: Mit der Gruppe möchte ich die Mediations-Ausbildung nicht machen. (Und wie mir heute aufgegangen ist: Auch nicht mit der damaligen Leitung).

Heute also die ersten drei Stunden des Kennlernwochenendes, das dazu dient zu schauen, ob man wirklich jetzt über ein Jahr das ein oder andere Wochenende und die beiden Wochen verbringen will.

Wir sind zwölf, ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, ansonsten ein bunter Mix von jedem und allem. Die beiden Teamerinnen erscheinen auf den ersten Blick strukturiert (was mir ja immer wichtig ist) und fürsorglich (was mir auch ganz gut gefällt – es gab nicht nur Obst und so gesundes, faieres und friedliches Zeugs, sondern auch Gummibärchen!). Erfahrung bringen sie auch mit – die Zeichen stehen jedenfalls gut, auch wenn ich mich erst am Ende wirklich entscheiden werde, schließlich kostet die Ausbildung ein paar tausend Euro.

In einen der Teilnehmer habe ich mich bereits verliebt. Der ist wohl um die 30, kommt aus dem Sozialbereich und ist einfach ein locker-sonniges Gemüt, der selber glaube ich gar nicht weiß, wie fein-ironisch er ist. Jedenfalls so ein richtig erfrischendes Menschenkind.

Und tschüß!

Das dürfte jetzt wohl amtlich sein: Mein Apple Notebook hat nach fünf, sechs Jahren (bei weniger Nutzung) einfach so seinen Geist aufgegeben. Damit ist diese Wohnung nun apple-frei – und wird es auch bleiben.

Schön, dass es Weihnachtsgeld gibt

Nicht so schön, dass die beiden neuen Brillen jetzt echt nicht billig waren. Aber jetzt sehe ich wenigstens wieder richtig und die Hauptbrille verdunkelt sich sogar ‚automatisch‘ je nach Helligkeit. Meine Augen werdens danken.

Auszeit

Seit letztem Mittwoch ja bis heute krank geschrieben gewesen. Mit zwei Zielen: Einerseits eben dann zu schlafen, wenn ich es kann und andererseits dem Gedankenwust Herr zu werden. Für diese Tage habe ich komplett alle Termine, bis auf zwei, abgesagt, mir klare Ruhezeiten verordnet und vorgenommen, nix zu tun außer sofort aufzuschreiben, wenn mir zum Thema wieder was in den Kopf schießt.

Zwar habe ich nicht den Schlaf bekommen wie erhofft – aber immerhin bin aus dem Defizit draußen und geschrieben habe ich auch so gut wie gar nichts, aber das Gedankenkarussell hat angehalten.

Also: Hat richtig gut getan und ich halte mich weiter unter Beobachtung.

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