Durch die Zeit

Kategorie: Vom Tage

Dann mal weg

Bevor ich mich hier gar nicht mehr melde, melde ich mich außerplanmäßig aus meinem Urlaub. War es bisher nicht ganz unanstrengend, habe ich mir am Wochenende dann den Rest gegeben. Samstag knapp acht Stunden bei meinem neuem Meisterprüfungsausschuss, denn bis Mitternacht mit Ersatzsohn T. auf dem Sofa, Sonntag ab 8 (!) wieder im Meisterprüfungsausschuss, dann ab 17 Uhr für meinen Mann länger am Computer, nicht ins Bett gekommen und heute morgen klingelte der Wecker um 5:30. Im Zug (7 Stunden für 24 Euro – kann man nicht meckern) nicht schlafen können und selbst am Nachmittag wegen Übermüdung kaum.

Wie auch immer: Vom Sofa aus sehe ich das M E E R!

Die Bude hier ist so warm, dass ich mir keine Hosen anziehen muss, der Weißwein ist gut gekühlt, das Fernsehprogramm genauso beschissen wie überall, der Italiener um die Ecke etwas laut, aber soweit OK … ich denke, wenn ich morgen mal geschlafen habe, kann das richti gut werden – auch wenn die Wassertemperaturen nur 4 Grad beträgt.

Ich werde mir diese Woche einfach keinen Stress machen – das betrifft auch meine Schreiberei hier. Wenn ich Lust habe …

Gespreizte Giraffe oder so

Dieses komische Gefühl in den Oberschenklen sind dann doch keine Vorboten einer Erkältung, sondern einfach die Nachwirkungen des gestrigen Yogas.

Nachgetragene (Vor)Gedanken

Dass es zu einer Haftstrafe kommen würde, war klar. An der Tat konnte es keinen Zweifel geben, Staatsanwaltschaft wie Verteidigung waren da einer Meinung. Klar, dass die Würdigung etwas unterschiedlich ausgefallen ist, nicht aber so sehr der Strafrahmen. Einzig und allein die Sicherheitsverwahrung war das Schwierige. Doch auch an der konnte bei genauer Betrachtung nicht gerüttelt werden.

Ich hab‘ mir die letzte Woche echt viele Gedanken dazu gemacht, gerade was meine Rolle betrifft bzw. meine Möglichkeit, auf das Urteil als Laienrichter einzuwirken. Mal abgesehen davon, dass ich mit einer Mindermeinung eh überstimmt worden wäre und das ein halbes Jahr – für das man ggf. hätte kämpfen können – länger oder kürzer unter dem Aspekt der Sicherheitsverwahrung pillepalle ist, ist die Rolle des Laienrichters wirklich die des Korrektivs. Denn die drei Berufsrichter heute mussten ja in der Urteilsfindung erst uns erklären und uns überzeugen, dass man dieses Urteil verhängen kann / muss / soll. Nicht dass der Vorsitzende Richter von mir genervt gewesen wäre, aber ich habe mir akribisch die Varianten erläutern lassen, die da noch möglich gewesen wäre. Und zu fünft haben wir uns wirlich dem Urteil über Diskussion und Austausch so lange angenähert, bis wir es gefunden hatten. Auch hat letztendlich der Angeklagte durch die Art seiner Tat & leztendlich hat das Strafgesetzbuch da wenig Varianten übrig gelassen. Also Erfüllungsgehilfe? Marionette eines Systems?

Ich denke, man kann das durchaus so sehen, wenn man nicht mit dem deutschen Rechtssystem einverstanden ist. Ich bin aber ein Verfechter genau dieses Systems – das amerikanische bspw. bevorteilt meiner Meinung nach die, die Geld haben und ist großen Manipulationen ausgesetzt. Und wenn ich dieses System stützen will, dann habe ich ohne Ansehen der Person es gegen Personen zu verteidigen, die meinen, sich zum Schaden anderer darüber stellen zu können. Denn das System schützt, jede und jeden.

Es hat mir schon weh getan, diesen Menschen für weitere vier Jahre ins Gefängnis zu schicken. Wenn er diese Haftstrafe abgesessen hat, wird er ein Drittel seines Lebens in Unfreiheit verbracht haben. Macht es definitv für ihn nicht einfacher. Aber solange er mit seinem abweichendem sexuellem Verhalten derat nicht zu recht kommt, so dass andere darunter massiv leiden (physisch wie psychisch), so lange kann er nicht an der Gesellschaft teilnehmen.

Das System hat ihm schon nach der ersten (schweren) Tat die Möglichkeit gegeben, sich professionelle Hilfe aus dem therapeutischen / sozial-therapeutischen / sexualmedizinischem / … Bereich zu holen. Es wurde ihm sogar angeboten. Doch eine vollkommene Ablehnung dessen, hat den Spielraum bei der Urteilsfindung verkleinert. Gerade dieser Punkt, inwieweit es dem Angeklagten möglich oder unmöglich war / ist, sich hier ansatzweise zu öffnen oder tastend sich am Rande darauf einzulassen, stand im Fokus meiner Frage an den – wie ich nachrecherchiert habe: angesehenem – Gutachter.

Wenn ich mir das Geschriebene gerade so durchlesen, dann ist das alles … nun ja … wenig neu oder speziell oder besonders oder furchtbar tiefsinnig oder … . Aber es ist das eine am Tisch bei Bier und Wein mit Freunden über das Rechtssystem zu diskutieren – was ich, wenn es die Gelegenheit gibt, äußerst gerne mache. Es ist das eine, mit dem StGB und der StPO auf den Knien einen Tatort zu verfolgen. Es ist das eine, sich über Urteile, die man im Radio / Fernsehen gehört / gesehen hat aufzuregen, weil man sie als ungerecht empfindet. Und es ist ein anderes, das System aktiv zu leben.

Ich kann nur sagen: Eine Lebenserfahrung reicher – und aus diesem Tag heute, hätte ich in den letzten Jahren locker eine ganze Woche bestritten.

Im Namen …

zu einer Haftstrafe von 4 Jahren mit Anordnung der Sicherheitsverwahrung …

Wir haben uns das echt nicht leicht gemacht. Später vielleicht noch mehr. Ich muss das gerade erstmal sacken lassen.

21:16 / 23:40 / doch ganz anders

Nach meiner Computeruhr ist es jetzt 21:16. Nach meiner inneren bzw. meiner inneren gefühlten Uhr ist es mindestens 23:40 oder kurz nach 1, wenn nicht sogar etwas später.

Der Arbeitstag war – vollkommene Ausnahme – nicht nur etwas anspruchsvoll sondern sogar anstrengend. Dann die GT, die auch nicht schlecht Energie saugt, anschließend noch Stammtisch von Verein 1. Dort komme ich zum wiederholten Mal genau neben dem Menschen zu sitzen, den ich von den 70-80 MitgliederInnen des Vereins so überhaupt nicht ab kann (er mich aber auch nicht, wie ich das an seinen Beleidigungen mir gegenüber fest machen kann). Daneben die zwei, die auf dem vorletzten und vorvorletzten Platz stehen.

G. bringt mich dankenswerterweise mit dem Auto nach Hause und nach zwei Broten ist der Akku alle – obgleich ich heue noch Bücher schauen und runterladen / kaufen wollte, da ich ja nächste Woche eine Woche an der See sein werde und ausreichend zum lesen brauche. Morgen werde ich keine Zeit dazu haben, aber dann ist ja noch das WE.

Wie auch immer: Dass es jetzt 21:28 Uhr – also gefühlt 2:33 – ist … dafür bin ich echt noch gut dabei.

Why not

Wir werden mit den Jahren immer lockerer. Heute bin ich mal gekommen.

Es wird auch mal wieder kürzer – nur heute nicht

Irgendwie komme ich so richtig gar nicht nach. Vor drei Monaten hätte ich aus den Erfahrungen der letzten 48 Stunden gut und locker für hier zehn Einträge verfasst. Jetzt reicht es gerade für ne kleine Liste, weil mir die Müdigkeit aus den Augen quillt, ich morgen um 7 raus muss, weil ich für Verein 1 um 8 in Aktion sein „will“ …

  • Yoga: Ich möchte mich definitiv nicht dabei sehen müssen und bemitleide die österreichische Lehrerin für den Anblick. Aber es tut einfach nur gut! Mit nur Yoga-Hose und nur leichtem T-Shirt und sonst nichts, ist es echt noch ne Ecke intensiver.
  • Bibliothek: Begegnung der 3. Art. Das Müffelmonster hinter dem Tresen für Rückgabe überschlägt sich vor Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Ich brauche unbedingt eine neue Version des Ausweises. O-Ton: „Da wir uns so gut kennen, machen wir das einfach mal auf dem kleinen Dienstweg – Sie bekommen in den nächsten zwei, drei Wochen ne Mail!“ Die Mail kam heute.
  • Warum hat „n1gw“ ihren Blog so plötzlich auf privat gesetzt?
  • Job 2: Die fachlich fundierte Kollegin muss sich Kinder-krank melden. Drei Kurzberatungen bleiben an mir hängen. Ich schwimme bei allen drei. Ich frage bei ihr nach – alles richtig gemacht.
  • Job 1: Der AL schmeißt mich mit Geheimaufgaben zu. D.h.: Er hat die Nase von Kollegin M.B. voll (ich eh) und M.B. wird mich kreuzigen und auf Ewigkeiten verfluchen, wenn sie mitbekommt, was ich da mache. Zugegeben, ich komme in einen leichten Loyalitäts-Konflikt – aber bei der Abteilung, ist ja eh nix zu holen. Dennoch, hab‘ das WE zum Denken.
  • Ist es verwerflich, dass ich einem Kandidaten, dessen schriftliche Arbeit ich heute dann doch schon korrigiert habe, einen halben Punkt zuschusterte, damit er nicht die Prüfung wiederholen muss?
  • Erotik wandert durchs Gemüt.
  • Letztes Jahr las ich mal irgendwo den Satz: „Nie erledigt man so viel, wie am Tag vor der Fahrt in den Sommerurlaub“. Mir scheint gerade, dass ich seit zwei Monaten jeweils am nächsten Tag für sechs Wochen in den Urlaub fahre.
  • E. würde jetzt vielleicht sagen: „B. hat Oberwasser.“ Es fühlt sich gerade so an, aber es ist ’nur‘, dass man mir Aufgaben zutraut. Die hätte ich auch alle in den letzten vier Jahren schon machen können. Arbeitslosigkeit ist in diesem Land selbstverschuldetes Elend – in vielen anderen Ländern ein gesellschaftlicher Missstand.

Nicht, das jemand behauptet, man hätte als Prüfer irgendwelche Vorteile!

Ich hatte ja bereits erzählt, dass ich als Prüfer für eine gewisse Prüfung im Handwerksbereich seit letztem Jahr zuständig bin (natürlich mit anderen).

Ich hatte ja bereits erzählt, dass ich selber für den neuen Halbtagsjob diese Prüfung auch ablegen muss. Und nach Meinung der neuen AL soll ich nur (!) die schriftliche und praktische Prüfung ablegen, nicht aber den 80-stündigen Unterricht besuchen. Sie traut es mir zu. Zugegeben, die praktische Prüfung vor den PrüfungskollegInnen ist definitv nicht das Thema. Die schriftliche macht mir da schon eher Sorgen, daher ist noch nichts entschieden.

Heute wurde ich von einer anderen Abteilung im Haus gefragt, ob ich kurzfristig bereit wäre, einen Schwung der schriftlichen Prüfungen zu korrigieren und zu bewerten. Es gäbe dazu eine Musterlösung, das wäre also gut zu machen. Nach taktischem Zögern habe ich ja gesagt.

So weit ich weiß, gibt es pro Jahr immer die selben schriftlichen Prüfungsaufgaben. Aber da erkundige ich mich nochmals genau.

Ich schwör‘

Heute das schon zweite erste Mal in dieser Woche. Diesmal als (Hilfs-)Schöffe einer großen Strafkammer (drei Berufsrichter, zwei Laienrichter) des Landgerichts.

Da ich nicht weiß, wie es genau ablaufen wird, bin ich etwas fürher da als in der Ladung steht. Ich muss warten und setze mich auf dem langen, langen Flur noch hin. Dann wird es kinoreif. Wenige Minuter später kommen drei Herren in schwarzen Anzügen, der mittlere im gesetzten Alter, mit wohlgesetzten Schritten den Gang entlang. Vollkommen klar, dass das die Berufsrichter sein müssen. Sie schauen weder nach rechts noch links, sondern steuern auf den Saal zu, schließen die Tür für die „Prozessbeteiligten“ auf. Die Frau neben mir und ich ihnen hinterher – quer durch den Sitzungssaal ins Richterzimmer. Dort ein freundliches Handschütteln und ein bisschen Smaltalk – so, als hätten wir uns schon mehrfach getroffen und würden uns kennen.

Die Richter legen ihre Roben an und der Vorsitztende erklärt, um was es gehen wird, denn außer der Ladung wissen wir Schöffen ja nix. Angeklagt ist jemand wegen § 177 StGB ( Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung) was eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren nach sich ziehen könnte. Hinzukommt, dass aus gewissen Gründen auch §22 StGB im Raum steht: Sicherheitsverwahrung.

Per Lichtzeichen wird übermittelt, dass der Angeklagte in den Saal geführt wird (und das Gericht so lange im Zimmer bleiben muss). Dann klopft die Justizsekretärin und gibt Bescheid, dass „man“ so weit wäre. Und tatsächlich, alle stehen auf, als wir reinkommen, bleiben auch stehen, bis wir vereidigt sind.

Dann geht es los mit der Anklageverlesung, und bevor darauf reagiert werden kann, erhebt die Verteidigung einen Besetzungseinwand nach §222b StPO. Das dauert dann fast eine Stunde bis das geklärt ist – ausreichend Zeit mit den Richtern sich bei Kaffee zu unterhalten.

Schließlich Prozessalltag. Acht Zeugen, ein Sachverständiger. Ich schreibe mit, als müsste ich nächste Woche das Urteil verfassen – aber mir hilft das mich zu konzentrieren und die Essenzen besser zu erfassen.

Als letzter ist am Nachmittag der Gutachter dran. Er trägt recht lange vor und versucht es den interessierten Laien verständlich zu machen. Ich traue mich sogar eine Frage zu stellen, die ich echt für wichtig erachte, nachdem ich mich beim Vorsitzenden erkundigt habe, ob das OK ist.

Nach über sechs Verhandlungsstunden ist Schluß. Fortsetzung dann nächste Woche. Bis dahin kann ich mir ja schon mal Gedanken machen.

Die Ausweise bitte!

Heute meine erstes Mal als „Stellv. Prüf.Vors. des MPA* XY“. Und die bestand nicht nur darin, zwei schwere Koffer mit den Prüfungsunterlagen zu schleppen sondern dann 35 Prüflinge bei ihrem ersten Tag der schriftlichen Prüfung – mit zwei anderen – zu beaufsichtigen.

Und der echt anstregende Prüfungstag für die begann mit der Feststellung der Anwesenheit, bei der wir uns mit Hilfe eines mitzubringenden „Ausweispapiers mit Lichtbild“ überzeugen mussten, dass da die angemeldeten auch saßen. G. der noch-Vorsitzende las die Namen vor und ich sprintete in dem Raum von Tisch zu Prüfuling, um mich davon zu überzeugen, dass das, was ich hörte, mit dem, was ich las, auch übereinstimmte. Damit war auch mein aktiver Part beendet, der Rest bestand aus zwei Mal drei Stunden zugucken, dass niemand abschreibt und dass nicht zwei gleichzeitig auf die Toilette gehen. Ohne Scheiß, das war echt nicht unanstrengend, denn schließich musste man ja noch sowohl gravitätisch-streng wie aufmunternd-kumpelhaft gucken.

Klar, werden die sich nicht gefragt haben, was das für ein Heiopei da vorne ist, der seine Lebensaufgaben anscheinend darin sieht, auf Prüflinge aufzupassen – und ich finde es mit meinen Augen (Insider!) auch recht skurril, gerade in diesen MPA geraten zu sein – aber ich glaub‘, man kann als Prüfer irgendwie auch Mensch bleiben.

_________________
*MPA = Meisterprüfungsausschuss

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