Durch die Zeit

Kategorie: Zukünftiges

Vielmehr #

Ich glaub, ich poste in nächster Zeit überwiegend Fotos. Zu erzählen gibt es ja gerade arg, arg wenig.

Inflationär

Über ein paar Umwege wurde mir heute mitgeteilt, dass ich mich, im Namen unseres Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier, „Held“ nennen dürfe, weil ich, wie die gut 7.000 anderen meiner ehrenamtlichen KollegInnen „zum Erhalt der Solidarität in der Gesellschaft einen wichtigen Beitrag leisten“ würde.

Ich nannte das früher (!) „christliche Nächstenliebe“, vielen nennen es „soziales Engagement“, manche nutzen noch den Begriff „Ehrenamt“.

Heute gestehe ich mir zu, dass mich Neugierde treibt, dass es mich interessiert, was tief in anderen Seelen vorgeht und dass ich die Erfahrung gemacht habe, das zuhören hilft.

Helden sind andere!

 

Nicht auch das noch!

Ich weiß, wir haben gerade echt andere Probleme. Aber muss dieser sauidiotische und total unnütze Wechsel zur Sommerzeit noch dazukommen? Ich hab‘ da immer gleich zwei, drei Wochen was von – zum kotzen, aber so was von!

OK, dieses Jahr versuche ich mich mal selber komplett aus den Takt zu bringen und mache Montag gleich mal ’nen Nachtdienst, vielleicht rüttelt das dann alles andere etwas schneller zu recht.

Spagat

Ich kann nicht so tun, als wäre nix.

Ich kann aber auch nicht mich nur mit dem Virus beschäftigen.

Und es wird mir mal wieder klar, welche Spagate man so ’normalerweise‘ locker lebt.

‚Meinem‘ Hölderl zum 250.

Wie ich mit Friedrich Hölderlin in Kontakt gekommen bin? Keine Ahnung. Jedenfalls schon früh, denn schon als 19-jähriger stand ich mit Blumen vor seinem Grab in Tübingen und hatte andächtig im Turmzimmer meine / seine Kreise gezogen. Erst (erst!) mit 21 habe ich dann seinen „Hyperion“ gelesen, den ich auch später im Studium studierte und der sich mir immer noch nicht wirklich erschließt.

Und dennoch: Hölderlin ist ein Schatz! Und das für mich aus zwei Gründen:

  • Er fordert zum Denken heraus. Alleine seine wunderbaren Satzkonstruktionen sind oft eine echte Herausforderung. Das kann wirklich Spaß machen, wie sich Wiederholung für Wiederholung der Satzsinn sich einem ent- / erschließt, wie man kapiert, was auf was Bezug nimmt und letztendlich wie raffiniert kombiniert die einzelnen Teile sind. Nichts für Leute, die schnell mal sich was reinziehen wollen, Hölderlin braucht Zeit! Inhaltlich gehört er eh zu den reichsten Lyrikern, die die Welt je hatte, und wer will kann mit ihm philosophieren, politisieren, sozialisieren, …
  • Er fordert zum Fühlen heraus. Ich bin ja wirklich (leider) nicht so der Gefühlige. Nicht, dass mir bei Hölderl die Tränen kämen oder so, beileibe nicht, aber lese ich eins seiner Gedichte, verändert sich meine Stimmung schlagartig und mein Gefühl folgt dem des Textes.

Aber muss man Höldelin denn erklären? Ich weiß nicht. Man sollte ihn einfach lesen! Im Netz gibt es genügend von ihm, einfach mal was ausprobieren und sich Zeit lassen.

Wohl geh‘ ich täglich andere Pfade, bald
Ins grüne Laub im Walde, zur Quelle bald,
Zum Felsen, wo die Rosen blühen,
Blicke vom Hügel ins Land, doch nirgend,

Du Holde, nirgend find ich im Lichte dich
Und in die Lüfte schwinden die Worte mir,
Die frommen, die bei dir ich ehmals

Ja, ferne bist du, seliges Angesicht!
Und deines Lebens Wohllaut verhallt, von mir
Nicht mehr belauscht, und ach! wo seid ihr
Zaubergesänge, die einst das Herz mir

Besänftiget mit Ruhe der Himmlischen?
Wie lang ists! o wie lange! der Jüngling ist
Gealtert, selbst die Erde, die mir
Damals gelächelt, ist anders worden.

Leb immer wohl! es scheidet und kehrt zu dir
Die Seele jeden Tag, und es weint um dich
Das Auge, daß es helle wieder
Dort wo du säumest, hinüberblicke.

Tantra

Ich hab’s ja nicht so mit der Esoterik und irgendwelchen Systemen, die quasi-religiös sind. Vernunft ist das, was bei mir Wert hat und wenn ich dann höre, wie siebenmal geschüttelte Globolis helfen sollen, dann kann ich auch nur schütteln, den Kopf und meist mich gleich mit.

Aber als I. erzählte, dass er Tantra-Massagen anbietet, war mein Interesse schnell geweckt, ist mir gerade doch aus unterschiedlichen Gründen wichtig und spannend, mich selbst zu spüren / spüren zu lernen.

Den Termin haben wir jetzt schon drei mal verschieben müssen – heute dann zum vierten Mal auf unbestimmte Zeit. Irgendwie auf beiden Seiten kein gutes Gefühl, da eineinhalb Stunden in großer körperliche Nähe zu agieren.

Schade das, ich hätte schon gern mal seine Hände gespürt, vorallem, weil ich mir bei ihm sehr gut vorstellen kann, dass er es mit viel Verstand, Sinn und Sinnlichkeit macht. Und da er schon nackt und erregt bei mir vor der Kamera stand, wäre es quasi ausgleichende ‚Gerechtigkeit‘ gewesen, hätte er mal meine Erregung gesehen – wobei er ohne jede Diskussion der Schönere von uns beiden ist.

Jung(s) halt

Als P. und ich gestern vom Italiener zurück sind, war noch Zeit und Lust auf einen kleinen und kurzen Absacker. Also zum kleinen Schränckchen im Flur, der die Alkoholika beinhaltet.

Vier Stunden später saßen wir immer noch auf dem Boden im Flur vor dem Schränckchen. Wie in alten Zeiten, kein Ende finden können, Fragen stellen, antworten, den anderen mit Worten erkunden, abgleichen und jetzt, wo wir die falsche Scham auch abgelegt haben, auch über das zu reden, was gemeinhin als ‚intim‘ gilt.

Geschafft!

Immerhin eine Buchhändlerin des Buchladens, bei dem ich meine Bücher kaufe, kennt nun meinen Namen, ohne erst auf den Bestellzettel schauen zu müssen. Das ging früher definitiv schneller. Liegt aber auch einfach daran, dass ich ca. 2/3 der Bücher ressourcenschonend mir als e-book im Internet besorge.

Und: Wir kamen über den neuen Haslinger in ein kurzes Gespräch und sie wies mich auf ein hörenswertes Interview in hr2 hin.

Was ist ein gutes Gefühl?

Zu wissen, dass die Fahrkarten für den Sommerurlaub nach dem zweiten Anlauf gebucht sind.

Ich üb‘ schon mal

Mich für die nächsten Tage in einen Kurort zurückgezogen. Um zu lesen, zu saunen, zu schlafen, allein zu sein, Ruhe zu haben, abgeschieden zu sein … ich brauch das immer mal.

Der kleine Ort ist voller Reha-Kliniken – und mein Jahresziel ist ja, dass ich dieses Jahr in Reha komme.

So ein bisschen zweifel ich an dieser Idee. Denn wenn ich mich so auf der Straße so umschaue: nur Läden für Frauen, die höchste Apothekendichte, die ich je erlebt habe und FußgängerInnen, die wohl alles was genommen haben, weil sie nur in Zeitlupe über die Straße schlurfen. Lebendig ist irgendwie anders.

Andererseits: Weil alles so unlebendig ist, kann ich in vollen Zügen in Margert Mitchells „Vom Winde verweht“ abtauchen. Da ich den Film nie gesehen habe … und gerade die erste deutsche komplette Übersetzung erschienen ist … und ich einen Buchgutschein hatte. Manchmal fügt es sich eben.

Anton Weyrother

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