Durch die Zeit

*HUUNNNNNNNNG*

Die Schmerzen lassen im Grunde gar nicht mehr nach. Meistens latent vorhanden und dann – ohne erkennbaren Anlass – schießen sie anfallartig in die linke Gesichtshälfte, dass mir schlecht wird. Migräne? Neuralgie?

Morgen Zahnartz, dann Hausarzt, nicht zur Arbeit. Denn wenn ich mich ’still‘ verhalte, ist es zwar nicht schön, aber auszuhalten.

Proust | Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Vater erlaubt, dass die Mutter bei ihm übernachten darf. Man macht schon mal ein Bücherpaket auf, dass es erst in zwei Tagen hätte geben sollen, so haben sie etwas zum (vor)lesen.

… da ich ja ein neues Bucht nicht als eine Sache unter viele anderen ähnlich betrachtete, sondern als eine einzigartige Persönlichkeit, die ihren Daseinsgrund in sich selbst hatte … (1.62)

GT (43)

Nichts wirklich Neues unterm dem gruppentherapeutischen Himmel – ausgenommen danach.

Derweil kauen wir an unseren Themen rum und kommen in lebhaften Austausch. Der Psychdoc heute auch sehr gesprächig und erklärend. Er bringt eine Zeichnung von F.K. Wächter mit. Darauf zu sehen ein fliegender, übermäßig dürrer Hahn, auf dem eine Fette Henne sitzt, und sich fliegen lässt. Text dazu: „Denk daran, dass ich Dich unter Schmerzen geboren habe.“ Kommt (noch) nicht bei allen an.

Kurz unterhalte ich mich noch mit S. auf der Straße, da kommt C. auf mich zu, sie wolle mir noch etwas sagen und – ja, wir wagen es! obwohl aus therapeutischen Gründen nicht gewollt, nahezu verboten: Wir gehen ein Stück des Heimweges gemeinsam. Premiere, die gut tut.

*ARGL* – *EEK* – *OOÜAAH*

Sonntag hat es angefangen. Da dachte ich noch, na, das kann ja auch wieder verschwinden. Tat es aber nicht. Also heute zur Zahnärztin, die gleich mal Hammer, Pickel und Speer zückte, um damit auf meinen Zähnen rumzuhauen, als gäbe kein Stück Brot mehr zu kauen. Die sind an den Zahn- und Kieferschmerzen aber wohl gar nicht schuld. Was dann? Keine Ahnung. Mal bis Freitag beobachten (und solange Schmerztabletten futtern die muss man ja nicht kauen).

Bin gerade etwas mit der Bereifung runter.

Proust | Marcel muss heuer ungeküsst ins Bett – Swann ist mal wieder da. Aber ganz ‚Mann‘ überlegt er sich eine List, doch an den mütterlichen Kuss zu kommen. Sie misslingt. Gibt er auf? Nein, er ’steht‘ seinen ‚Mann‘ und bezieht gegenüber seiner Mutter Stellung und fordert, auch wenn ihm bewußt ist, dass bei Misslingen die Strafe hoch ist.

Der Knabe kämpft – mehr oder minder geschickt, mehr oder minder erfolgreich – um seinen Gute-Nacht-Kuss wie später der Mann um die Frau, dass sie sich ihm öffnet und er sie penentrien kann. Und wenn dann Männer nicht gelernt haben, dass es auch Misslingen gibt, dann werden sie Arschlöcher.

# 530 – Blue Sky

… oder nicht?

Arbeitsmäßig total unmotiviert. Soll ich mir einen Tag Urlaub nehmen? Oder doch nicht? Aus lauter Unmotiviertheit, vergesse ich eine Entscheidung zu treffen. Morgen wäre die letzte Möglichkeit der Woche gewesen, Do und Fr vertrete ich die Kollegin, da gibt es keine Genehmigung.

Proust | Während Marcel schon Panik bekommt, mit nur einem Kuß von Muttern ins Bett zu müssen, weil Monsieur Swann mal wieder zu Besuch kommt, bereiten sich die Erwachsenen vor, sich ihm von ihrer besten Seite zu zeigen. Und weil sie es extra gut machen wollen, übetreiben sie es – und Swann ist einfach nur verwirrt.

Nicht nur ich habe Swann in die falsche ‚Klasse‘ gesteckt, die Erwachsenen tun es auch mit den unterschiedlichsten Personen aus unterschiedlichen Gründen. Ergebnis: Jeder wähnt den andern da, wo er gar nicht ist. „… als soziale Person sind wir eine geistige Schöpfung der anderen.“ (1.29)

Alte Knochen

Weil mir die Knochen vom Samstag weh tun, heute alles mehr oder weniger in Zeitlupe. Stand ja eh nichts von Wichtigkeit an. Liebäugel sogar, mich in die Badewanne zu legen.

Proust | Bisher hatte ich es immer andersrum verstanden. Ich dachte, Swann würde gesellschaftlich tiefer als die der Familie von Marcel, dem Ich-Erzähler, stehen. Ist aber genau andersum. Ist aber derzeit noch egal, derzeit bevölkert man abends den Garten auf dem Lande und Marcel, der Knabe, schiebt Panik vor dem ins-Bett-gehen.

Proust, Marcel: Recherche

Ab heute zehn Seiten täglich. So das Vorhaben. Heißt, ich bin im August Oktober 2021 damit durch – denke aber, ich schaff es etwas schneller.

1984 / 1985 das erste Mal gelesen. Mit absoluter Begeisterung nach dem ersten Satz, der – »Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen« – jetzt nicht gerade so der Burner ist. Aber dann beschreibt Proust ja auf den ersten Seiten ausführlich, wie es ist, wenn man einschläft oder meint noch wach zu sein, während man schon eingeschlafen ist … das ist einfach nur großartig und was er dann auf den nächsten (je nach Augabe 3.000 bis 5.172) Seiten macht, ist ganz einfach Weltliteratur.

Ende des letzten Jahrtausend dann auch immer mal wieder bei einer Lesung in Köln dabei gewesen und mir über die Jahre die 135 (!) CDs zusammenschenken lassen und x-mal gehört.

Aber nun Lust auf die eigene Lektüre der kommentierten Ausgabe mit der dazughörigen Enzyklopädie und einem Bildband.

Ein richtiges Leseprojekt mache ich nicht draus, aber der Plan ist – im Moment zumindest – wenn ich blogge, dann auch immer ein, zwei Sätze zu Proust zu schreiben.

Außeneinsatz

Bei E.’s Familie auf dem Dorf. Die legen gerade ihre Terasse höher. Ich hab‘ von sowas zwar keine Ahnung, aber so mithelfen tu ich hin und wieder ganz gerne: Work-out.

Mit so nem Presslufthammer für Arme gearbeitet, bis mir die Arme abgefallen sind; rumgeflext und überrascht gewesen, dass das Funken macht; geschippt, was es so zu schippen gab und mit Beton rumgeworfen, als würde ich das schon Jahre machen, nun ja … fast jedenfalls. Ach ja, und mal wieder Steine geschleppt, bis die Arme lang wurden.

Jetzt tut mir alles weh, will gar nicht an morgen denken und hab schon mal begonnen meine blauen Flecken zu zählen. Sieht ganz nach häuslicher Gewalt aus.

Steter Tropfen

So, jetzt haben wir auch einen Grill. So klassisch, mit für Kohle und echtem Feuer. Hat nur knappe zwei Jahre gedauert, bis mein Mann klein beigegeben hat.

Schnipsel

  • Den Vögeln haben wir ein neues Haus hingestellt. Das finden sie jetzt (noch) nicht. Muss ich morgen wohl Hänsel-und-Gretel-mäßig ne Körnerspur legen.
  • Nach acht Wochen mal wieder Treffen des Lesekreises im Garten bei Kaffee und Erdbeerkuchen – die Pandemie scheint spurlos an uns vorüber gegangen zu sein, zumindest chrakterlich alles beim Alten.
  • „Kann ja nicht so aufwendig sein“, meinte mein Mann für ein weiteres Video – wurden dann aber alleine 90 Minuten Schnitt-Zeit für 2:31 Resultat – OK, ich bin noch nicht so versiert und muss einiges noch länger suchen.
  • Muss ich noch mal mit etwas mehr Text versehen, frei nach Helene Fischer: „Hosenlos, durch den Tag“ – das wird einer der nächsten Sommerhits und ich endlich reich.
  • Ein kleiner Text von Bodo Kirchhoff plättet mich gerade total – nachts ein komplett neuer Gedanke, der ein weiteres, schweres Tor aufmacht – morgen während der ‚Arbeit‘ dann endlich Zeit, ausführlich Thera-Tagebuch zu  schreiben. Ich komm gerade weiter.
Anton Weyrother

weyrother.net

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