Durch die Zeit

1. Schritt

Termin mit einer Ärztin ausgemacht, die mir empfohlen worden ist. Sie guckt auch auf die Psyche – war mir schon immer wichtig. Wenn die Chemie einigermaßen stimmt, dann werde ich sie bitten, den Reha-Antrag zu schreiben. Denn wenn ich dieses Jahr ein Ziel habe, dann für min. vier Wochen in eine psychosomatische Klinik zu kommen, um aus dem Ganzen der letzten Monat ein Paket zu machen.

Laberrunde

Warum hören sich (manche / einige / viele) Menschen so gerne reden?

Warum bekommen Menschen nicht mit, dass sie die gleiche Geschichte nun zum xten Mal erzählen?

Warum müssen Menschen, die etwas erzählt haben, das auch immer gleich noch mindestens einmal wiederholen?

Und warum erzählen Menschen auf das gerade Gehörte mit Geschichten, die gar nicht zu dem gerade Gehörten passen?

Ich bin wohl einfach zu pragmatisch.

XS – # 552-554

Immer wenn Rolli-A. kommt machen wir uns einen Spaß daraus, dass Essen auch in Miniform zu präsentieren. Sie ist ja gerade mal nen Meter lang (wenn überhaupt) und mit 20 kg deutlich leichter als ihr Liegerollstuhl. Unser Anspruch besteht darin, nicht extra etwas für sie zu kochen, sondern das zu kochen, was wir auch anderen Gästen präsentieren würden – wenn halt nur eben alles dann in XS. Eine Einschränkung gibt es aber dann doch: Man muss es irgendwie in sie unfallfrei hineinbekommen – und da sie liegt ist Suppe etwas, was einfach mit Löffel gar nicht geht.

Gestern gab es also dann Caprese von der Kirschtomate

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Ein irre gutes Steipilzrisotto von dem sie fast zwei Portionen gegessen hat und den den Rest gerne mitnahm.

Dann mit einer Schrimps-Farce gefüllte Rigatoni an (na ja, klarem) Tomaten-Sugo auf einem Stöfchen warm gehalten, denn pro Portion dauert es schon ne halbe Stunde, bis die weggeputzt ist, denn man kann nur etwa 1/3 der Kuchegabelzinken mit Essen ‚anhäufen‘, mehr geht nicht in den Mund. (Heute morgen im Bett ist mir dann noch eingefallen, wie man das Gericht noch etwas aufpimpen kann, dann kommt das als Vorspeise sicher extrem gut an, ist zudem noch gut vorbereitbar.)

Ab hier waren wir dann auch zu fünft, weil spontan noch ein befreundetes Ehepaar vorbei kam und die haben dann halt das bekommen, was wir uns für heute Abend mitgemacht hatten. Kurz: Alles weg.

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Und zum Schluss eine Mandarinen-Panna Cotta, wobei die Mandarinen nur ‚Verzierung‘ sind, der Geschmack war echt in der Panna Cotta, da ist meinem Mann echt was gelungen. Eigentlich hätte da noch etwas Schokoladenrapseln dazugehört, aber die hat dann mein Mann vergessen, egal, war auch so gut.

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Ach ja: Ich hab nur auf dem Tischtuch, auf der Servierte und auf meiner Hose Flecken gemacht – nicht aber auf sie. Ich bitte das doch wohlwollend zu belobigen.

28 – Zu viel Heiterkeit (935-945)

Agathe bewegt sich elegant in der Gesellschaft – sie leben sich in dem Haus zusammen ein – da keine Zofe, hilft Ulrich Agathe bei der großen Garderobe – sie kauft viel ein, belegt fast alle Räume – Ulrich sinniert über geschwisterliche Nähe – Frage nach der Rolle als Bruder bzw. als Mann – für Ulrich ist Liebe ein Ausnahmefall – beide suchen ihre Rollen zueinander

»Vielleicht macht es dir nur Spaß,« gab Agathe zur Antwort »Bruder und Schwester zu spielen, weil du vom Mann und Frau Spielen übergenug hast?!« (940)

Mal wieder so ein richtiges Musil-Kapitel, voller Anspielungen, Zwischentöne, Feinheiten und Ideen. Wirklich klasse gemacht, wie er die Unsicherheit von Ulrich umschreibt, wie er als Mann und Bruder zu Agathe stehen kann, darf oder soll. Agathe macht es ihm da auch nicht einfach, da sie, arg von sich überzeugt, nicht nur wörtlich, viel Raum einnimmt. Die Anspielungen auf das, was wir heute ‚freie Sexualität‘ nennen, dürfte schon leicht Skandal umwoben sein, denn dato fand ‚gesellschaftliche Sexualität‘ ja nur in der Ehe statt (sieht man, was großzügig getan wurde, vom Sex zwischen jungen Männern und Dienstmädchen ab). Echt guter Text zu gesellschaftlichen Geschlechterrollen.

Ja was denn?

Zur Zeit weiß ich gar nicht so richtig, was ich hier bloggen soll. Im Alltag ist – was gut ist – eher wenig los. Keine richtigen Aufreger, alles plätschert so vor sich hin.

Die intrapsychischen Prozesse sind nach wie vor im Gang, aber das irrlichtert mehr, als dass ich da konkret was dazu schreiben könnte. Und meine Alpträume stehen in einem extra Dokument, die muss ich hier niemanden zumuten.

Immerhin heute mal einen Termin mit einer Ärztin ausgemacht, die mir jemand aus der Therapiegruppe empfohlen hat. Anfang Februar schaue ich sie mir an in der Hoffnung, dass ich „mit ihr kann“. Denn ich brauch‘ jemand, der mir einen guten Rhea-Antrag stellt – und einen Hausarzt / eine Hauszärztin zu haben ist ja auch nicht falsch. (Meine ehemaliger hat es ja vorgezogen, Expeditionsschiffsarzt zu werden.)

Oder sollte ich mir auch so ein Spielzeug anschaffen?

Jedenfalls schiebe ich heute nach ein paar Monaten Pause mal wieder einen Nachtdienst und komm so auf den ein oder anderen Alptraum rum.

Und der Hölderlin ist heute gekommen. Vielleicht doch mal alle seine Briefe lesen? Die an Neuffer las ich ja als Student mit Begeisterung. Damals war halt der Freundschaftskult hoch im Kurs. Da wimmelte es nur so von „Herzen“ und „Busen“ und „Armen“ und „Seelen“. Klang ganz schön schwul – kein Wunder, dass ich mich damals darauf gestürzt habe. Hölderlin als Coming-out-Helfer – das hätte er sich auch nicht gedacht.

CBD

Jemand hier mit Erfahrung mit CBD? Gestern war das in der Gruppentherapie kurz Thema, eine macht damit gerade erste Erfahrungen. Ich würde es nur zum schlafen nehmen wollen, denn eine Nacht, ohne auf die ein oder andere Art zu Tode zu kommen, fände ich nach Wochen auch mal wieder ganz schön.

27 – Agathe wird alsbald durch General Stumm für die Gesellschaft entdeckt (929-935)

Agathe wird in die Gesellschaft ‚eingeführt‘ – Ulrich geht davon aus, dass sie bald einen neuen Mann findet – General Stumm verliert die Fassung, als er Agathe das erste Mal sieht – ist echt von der Rolle – er befürchtet, dass Frau Professor Drangsal Diotima den Rang ablaufen könnte – Ulrich und Agathe gelten in der Gesellschaft als die „Siamesen“

Es liegt jetzt derzeit ein ganz entschiedenes Man-weiß-nicht-was in der Luft. (931)

Die Reaktion von Stumm kann als die Reaktion der Gesellschaft auf das Auftauchen von Agathe, die bis dahin nicht einmal namentlich bekannt ist, gewertet werden. Aufruhr, denn niemand weiß, was man von ihr zu halten hat und was sie vielleicht bewirken könnte. Störung des Systems sozusagen.

# 521 – S.

sean2

GT (35)

Nach der Winterpause fremdeln wir überraschend wenig. Das war nach der Sommerpause noch deutlich anders. Ein Neuer ist da, er weckt Erinnerungen, leider nicht so richtig gute, schau ich mal. Sind sogar etwas ins arbeiten gekommen – aber wie immer viel zu wenig.

Satz des Tages vom Psychodoc: Der Schiffbrüchige bricht erst am Strand zusammen. Das hat J. wirklich gut getan und ich werde mir den Satz auch sicher merken.

Vergessen

Als ich heimkomme dauert es ne ganz schön lange Weile, bis mir einfällt, dass ich ja vergessen habe die Wäsche vom Keller hochzuholen. Sehe aber auch, dass mein Mann vergessen hat, mir einen Zettel auf den Tisch zu legen, dass ich nicht vergesse, die Wäsche aus dem Keller zu holen. Im Keller stelle ich fest, dass mein Mann vergessen hat, überhaupt Wäsche zu waschen.

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Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)