Durch die Zeit

# 523 – statt Worte

181006_010

Spieglein, Spieglein an der Wand

Mit E. versucht von mir über drei Spiegel ein Portrait zu fotografieren, bei dem zumindest zwei Spiegel als Spiegel zu erkennen sein sollten.

Wir waren leicht überfordert.

Fortsetzung folgt.

3 – Auch ein Mann ohne Eigenschaften hat einen Vater mit Eigenschaften (13-15)

MoE ist aus dem Ausland zurück gekommen – Instandsetzung des Schlösschen war teuer gewesen – MoE ist 32, der Vater 69 – MoE muss den Vater um Unterstützung wg. Umbau bitten – Vater war früher Hauslehrer, dann Rechtsanwaltsgehilfe, später Universitätsdozent und Professor – nun „Rechtskonsulent“ des gesamten Feudalaldes seiner Heimat – Mutter des MoE früh verstorben – reiches Elternhaus jedenfalls – Vater ist zudem „Ritter, Komtur, ja sogar Großkreuz hoher Orden“ – ist quais „Geist des aufstrebenden Bürgertums“ wenn auch in der Zwischenzeit geadelt – macht dem Sohn Vorwürfe

Das Grundgefühl seines Lebens war beleidigt. Wie bei vielen Männern, die etwas Bedeutendes erreichen, bestand es, fern von Eigennutz, aus einer tiefen Liebe für das sozusagen allgemein und überpersönlich Nützliche, mit anderen Worten aus einer ehrlichen Verehrung für das, worauf man seinen Vorteil baut, nicht weil man ihn baut, sondern in Harmonie und gleichzeitig damit und aus allgemeinen Gründen. (15)

Interessant. Der Vater kommt hier ja richtig gut weg. OK, etwas altmodisch in seinen Einstellungen, aber ein Self-made-man, vom „Hauslehrer zum Herrenhauslehrer“ eben. Ist mir so noch nicht aufgefallen (und das wird mir ganz oft passieren, es sind immerhin über drei Jahrzehnte her, dass ich MoE gelesne habe). Später kommt noch eine Figur, die in gewisserweise ähnlich ist. Muss dann mal aufpassen, ob wir es da mit einem Vatererstz zu tun bekommen. Ebenfalls für mich interessant – ich habe mich nie gefragt, wo die Mutter vom MoE eigentlich abgeblieben ist. Wenn die Kapitel alle so kurz blieben, wäre es ja OK.

WMDEDGT 10/18

Wie so gut wie jeden Monat mache ich bei Fau Brüllen mit.

3:00 – Ich in also nicht alleine um die Uhrzeit wach. Aber im Gegensatz zu X. greife ich nicht zu einem Buch, sondern spiele Walzmaschine, wobei ich irgendwann dann wohl doch wieder einschlafe.
8:00 – Das Tablet klingelt und mir dämmert, dass ich ja gar nicht zu Hause bin.
8:07 – Kindergeschrei. Das kann nur H. sein. Also doch auch mal aufstehen.
8:25 – am Tisch mit B., I. und der einjährigen H. Frühstück mit Kaffee und Brötchen, dazu Themen von Suizidalität, Angsterkrankung, Urlaubszielen, Kindererinnerungen … am Schluß sitzen B. und ich noch kurz vor dem Computer und hauen uns gegenseitig eins auf die Mütze.
11:30 – B. bringt mit zum 30 km entfernten Bahnhof, wo wir früh ankommen und weiter klönen kommen.
12:30 – Die Bahn machts hin und wieder doch möglich: Pünktliche Abfahrt – aber was will das schon bedeuten?
15:01 – Diesmal erstaunlich viel, ich komme sogar pünktlich wieder an. Im Zug beim Rausschauen und Nachdenken mir dann aufgefallen, dass ich meinen Vornamen in den letzten 24 Stunden so oft gehört habe, wie sonst in einem Monat wohl nicht. Liegt einfach daran, das B. und ich den gleichen haben und seine Frau ihn immer (!) mit Namen anspricht. Hat mich zwar auch immer hochschrecken lassen, aber aus ihrem Mund klingt er auch irgendwie richtig gut.
15:15 – Brot zwischen die Lippen, die Wahlbenachrichtigung ist für mich nun auch mal gekommen, Internet, etwas Seelenheil, Mails, Wäsche aufhängen, Bier in den Kühlschrank legen, Vorräte checken, Tee kochen, kurz telefonieren und jetzt die Überlegung: Noch was hinlegen oder nicht?
16:35 – Die Enscheidung ist für die Tageslektüre gefallen. Also schlage ich Seite 726 von „Über den Prozeß der Zivilisation“ von Norbert Elias auf.
16:45 – Mir fallen einfach die Augen zu, also doch ne Runde aufs Bett.
17:15 – Noch ein paar Seiten Elias und ein paar Seiten „Parzival“ von Eschenbach.
17:45 – Youtube gucken – was ist denn mit mir heute los?
18:30 – Doch mal Küche. Eigentlich hatte ich auf Youtube nurmal schnell gucken wollen, ob es noch Geheimtipps für Rösti gibt. Nein, gab es nicht.
19:15 – Niemand will anscheinend kommen, also mach ich mir einen selber.
19:15 – Es klingelt, E. stappft die Treppen hoch!
19:35 – Rösti mit Lachs, Meerrettich aus (2 x e, 2 x r, 2 x t) dem Glas und Salat.
20:00 – Nachrichten
20:15 – Wir suchen nach einem Film und verlieren uns in Diskussionen über Hilperts Hotel (also die Frage, ob, wenn man zwei Unendlichkeiten addierte, es zwei Unendlichkeiten sind oder doch nur eine) und über das Wesen von Primzahlen. (Habe ich schon mal erwähnt, dass, wenn E. und ich zusammen sind, schon mal was Ver-Rücktes passieren kann?).
21:10 – Mein Mann kommt nach Hause. Rösti will er nicht mehr, aber Salat.
21:30 – Die Frage, ob Primzahlen endlich sein können oder doch nicht schlägt jegliches TV-Program.
23:50 – Angesichts der letzten Nacht, angesichts der Nacht davor, angesichts der Nacht vor der Nacht davor, angesichts der Nacht vor der Nacht vor der Nacht davor, angesichts …. kurz: Ich versuch mal einfach pennen zu gehen.

2 – Haus und Wohnung des Mannes ohne Eigenschaften (11-13)

Ginge man die Straße, auf der das Unglück passierte weiter, würde man zu einem „Jagd- oder Liebesschlößchen“ kommen – aus dem 17. bzw. 18. Jahrhundert – Haus des Mannes ohne Eigenschaften (MoE) – der zählt Autos – schätzt Geschwindigkeiten – bedenkt die Anstrengungen, die ein Mensch im Straßenverkehr erbringen muss – meint, Atlas hätte weniger Kraft gebaucht, die Welt zu stemmen – MoE ist der Überzeugung, dass die Muskelleistung der Normalbürger insgesamt viel mehr Energie verschlingt, als „die heroischen Taten“ – These des „rationalisierten Heldentums“

Die Zeit bewegt sich. Leute, die damals noch nicht gelebt haben, werden es nicht glauben wollen, aber schon damals bewegte sich die Zeit so schnell wie ein Reitkamel; und nicht erst heute. Man wußte bloß nicht, wohin.

Aha, da hat mich die Erinnerung getrügt, der Mann aus dem 1. Kapitel ist also doch nicht MoE (und seine Schwester) wie ich mich meinte zu erinnern. Nun denn. MoE steht also gelangweilt bei sich zu Hause rum und macht sich tiefsinnige Gedanken. Wenn ich am Fenster stehe und Autos zähle, was ich zugegebenermaßen jetzt nicht wirklich oft tue, was auch daran liegen man, dass so viele Autos nicht vorbeifahren, fällt mir sowas nicht ein. Hier also die Relativierung des Heroischen zu Gunsten des bürgerlichen Lebens. Der Held ist der Mann / die Frau auf der Straße – das ist die Moderne. Fein der Schluss. Der MoE geht zurück durch seine Zimmer, kommt an einem Boxball vorbei und gibt diesem „einen so schnellen und hetigen Schlag, wie es in Stimmungen der Ergebenheit oder Zuständen der Schwäche nicht gerade üblich ist“.

Man/n dankt!

Risotto a porcini.

Schlussendlich

Ich habe mir lange darüber Gedanken gemacht. Die Entscheidung ist mir wirklich nicht einfach gefallen. Aber irgendwann wurde mir klar, dass ich es nicht nur tun sollte, sondern tun muss. Also habe ich mir Herz und Mut genommen und mir einen Pulli angezogen!

Das muss mal gesagt sein

Wolfram von Eschenbach ist klasse! Aber sowas von. OK, mit den Namen, da hat er nicht so ein glückliches Händchen, aber wer ist schon perfekt?

Ich bin wirklich erstaunt, mit welcher Rafinesse und Ironie er da seinen fetten (bezogen auf die Seitenzahl) Prazival geschrieben hat. Sehr auffallend finde ich, dass Frauen wie Männer in ihrer jeweiligen Schönheit, wenn sie es denn sind, beschrieben werden und da keine Verklemmtheit herrscht, auch mal einen Jungen hübsch zu finden. So werden dann auch nicht nur die Roben der Frauen beschrieben, sondern auch der feine Schnitt so mancher Uniform. Das ist echte Gleichberechtigung.

Immer wieder bringt er gar keine schlechten Vergleiche, aber im 8. Buch ist es dann doch mit ihm etwas durchgegangen. Da hat einer seiner Nebenhelden, Gawan, ein Techtelmechtel mit einer Königstochter – ist natürlich nicht statthaft zu dieser Zeit und es kommt so richtig zum Krach. Beide müssen sich jedenfalls handgreiflich verteidigen. Während sie lauter Sachen aus dem Turm auf die ‚Angreifer‘ schmeißt, wehrt er sich mit einem Schachbrett (!). Mitten im Kampf, quasi als retatierendes Moment, hat Eschenbach bzw. Gawan noch ausreichend Zeit, um die Königstochter wohlwollend zu betrachten. So heißt es dann:

Und was tat Gawan? Immer wenn er einen Augenblick Muße hatte, so schaute er das Mädchen an, ihren Mund, die Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem Bratspieß könnte euch eine elegantere Figur machen, das glaube jedenfalls ich, so war sie gebaut da zwischen Brust und Hüfte.

Ihr Leib kommte sehr wohl Gelüste nach ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt ihr finden, die eine bessere Taille zu bieten hätte als sie dort, so ihr Gürtel lag.  … Gawan kümmerte die Wut der Finde sehr wenig, wenn er das Mädchen erblickte; darum verloren viele von ihnen den Leib.

Eschenbach, Wolfram von: Prazival. Übersetzung Peter Knecht. Berlin / New York (Walter de Gruyter) 2003, S. 413f

Erstes Buch – Erster Teil – Ein Art Einleitung – 1 – Woraus bemerkenswerter Weise nichts hervorgeht (9-11)

Ausführliche Wetterbeschreibung – Zeitangabe: 1913 – Stadtszene – Handlungsort: Residenzsadt Wien –  Überschätzung der Frage, wo man sich aufhält – wichtiger wäre zu wissen, wer gegenüber ist – zwei Menschen tauchen auf, die eine Sraße entlang gehen – gehören zu einer besseren Gesellschaftsschicht – Dr. Arnheim und Ermelinda Tuzzi sind es jedenfalls nicht – Menschenauflauf – Unfall: Lastwagen gegen Mann – Die Dame empfindet soetwas wie Mitleid – Der Herr erklärt den Bremsweg – Man macht sich Gedanken, ob das Unfallopfer noch lebt – Man geht davon aus.

Abwechselnd knieten Leute bei ihm nieder, um etwas mit ihm anzufangen; man öffnete seinen Rock und schloß ihn wieder, man versuchte ihn aufzurichten oder im Gegenteil ihn wieder hinzulegen; eigentlich wollte niemand etwas anderes damit, als die Zeit ausfüllen, bist mit der Rettungsgesellschaft sachkundige und befugte Hilfe käme. (10f)

Der berühmte Anfang des Buches. Von ihm hatte ich gehört, was ausreichender Grund war, mit 1986 den Roman ganz reinzuziehen. Schon auf diesen ersten drei Seiten wird einer der Grundgedanken immer wieder leicht angespielt, der Gegensatz von Technik und rationaler Erklärung / Begründung versus dem ‚unbestimmbarem‘ der Gefühle und Gedanken. So fühlt die Dame auch nur „etwas Unangenehmes“ was, das mein für Mitleid halten zu können. Und auf diesen ersten drei Seiten diese leichte bis mittelschwere Ironie. Außer Zeit und Ort der Handlung hat der Erstleser bisher wirklich nicht viel erfahren, siehe auch Titel. Das Arnheim und Tuzzi noch wichtige Rollen spielen werden ist stark zu vermuten (ja klar!) und dass der ungenannte Mann der „Mann ohne Eigenschaften“ sein könnte auch das könnte vermutet werden.

E vs G

Wenn man wie ich es gewohnt ist auf einem Gasherd zu kochen, dann ist das Kochen auf einem E-Herd gelinde gesagt ein Rückschritt in der Entwicklung des Kochens an sich.

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