Durch die Zeit

Jahresrückblick / Literatur / TOP 5

In meinem vorigen Blog habe ich am Ende des Jahres einen statistischen Rückblick gegeben: soundsoviele Bücher gelesen, soundsooft geheult, soundsooft Sex gehabt, soundsovielmal schwimmen gewesen … Natürlich waren so gut wie alle Zahlen hingefühlt … aber warum erzähle ich das?

Egal: Kurzer Rückblick auf das Lesejahr 2020

27.299 Seiten in 62 Büchern gelesen. [Und das sind nicht hingefühlte, sondern fein säuberlich dokumentierte Daten.] Zahlenmäßig ein sehr gutes Jahr – aber an wirklich guten Büchern hat es ganz schön gemangelt, in der Hinsicht war 2019 äußerst schwach, selbst die preisgekrönten hatten vor mir wenig Bestand. So führen die TOP 5 drei definitiv ältere Bücher an, auf Platz 4 dann das einzige Buch aus deutscher Feder von diesem Jahr. Aber guckt selbst:

  1. Lukrez: De rerum naturaBisschen über 2.000 Jahre alt, erst vor 600 Jahren zufällig wieder entdeckt, eine Art erste Atomtheorie mit Erläuterungen, wie man ein gutes Leben führen sollte. Einiges nun wahrlich veraltet – aber alles andere: Bedenkenswert.
  2. Victor Klemperer: Tagebücher 1933-19451.400 Seiten für keine 20 Euro. Wenn das kein Schnäppchen ist. Aber das ist auch das schwächste Argument, was man hierfür benutzten sollte. Die Tagebücher sind ein wirklich ergreifendes Zeitdokument. Und wenn mir heute einer kommt, man hätte das nicht nicht wissen können oder das war doch alles nicht so schlimm, dem schlage ich mit den beiden Bänden auf den Kopf, falls er sie nicht freiwillig liest. Es ist viel Stoff – aber er lohnt. Auszüge gibt es auch als Hörbuch, wirklich, das lohnt!
  3. T.C. Boyle: WassermusikSchon fast ein alter Schinken. Aber wer die perfekte Sommerlektüre braucht, hier ist sie. Unterhaltsam, lustig, komisch, erotisch (na ja), historisch, frisch, dramatisch, sozialkritisch, sprachmächtig, …
  4. Lucy Fricke: TöchterMich wundert es selber, dass es bei mir soweit oben gelandet ist, aber … Eigentlich ein Roman, der auf den ersten Blick ganz locker daher kommt, dann aber mit Tiefe überrascht. Auch wenn es sich jetzt ’schwer‘ anhört – passt auch gut in den Urlaub.
  5. Roberto Saviano: Die LebenshungrigenMan sollte davor „Clan der Kinder“ gelesen haben, sonst wird es a) nicht ganz verständlich und b) nimmt man sich auch eine Menge. Eine herausragende Studie über prekäre Jugendliche in Neapel und zugleich eine Einführung in die Funktionsweise von Mafiastrukturen – dabei auf hohem literarischen Niveau. Nicht zuletzt für mich der Auslöser, im März nach Neapel zu fahren.

24 – Agathe ist wirklich da (892-899)

Agathe ist bei Ulrich angekommen – erkundet das Haus – beide trinken Tee, sprechen über die Einrichtung – sie teilen sich die Zimmer auf – Ulrich freut sich irgendwie, dass seine Schwester da ist – beide fremdeln etwas – sie macht sich frisch und zeigt sich Ulrich nur in Wäsche

Wahrhaft schön finden kann man seine eigene Schwester nicht, es kann höchstens schmeicheln, daß sie anderen gefällt. (897)

Das Experiment beginnt. Beide sind auf das Zusammenleben neugierig, ist es für beide ja eine Neuheit. Andererseits wissen sie nicht so recht und müssen, schon beginnend bei der Aufteilung der Zimmer, improvisieren. Großes Gedankenhinundher, als Agathe aus dem Bad kommen will und nicht weiß, was jetzt schicklich ist. „Sie konnten die natürliche Folgewidrigkeit, die an der See fast die Nacktheit gestattet, im Zimmer aber den Saumweg am Rand von Hemd oder Höschen zum Schmuggelpfad der Romantik macht, beide einen Augenblick lang nicht von sich abstreifen“ (898). Sie geht dann doch in Unterwäsche durch den Raum, in dem Ulrich ist und bittet ihn sogar später, ihr mit dem Kleid zu helfen. Er nimmt ihren schönen Körper wahr. Beide erleben eine andere Form von Geschwisternähe.

Bilddatenschrott

Irgendetwas ist beim ersten und zweiten Überspielen schief gegangen. E. und ich habe keine Ahnung, ob es am Rechner oder am Stick gelegen haben könnte. Jedenfalls gab’s leichten Bilddatenschrott – aber mit eigener Anmutung (nach leichter Bearbeitung), wie ich finde.

Gute alte Zeit

Die Bankangestellte war schon leicht genervt. Die Kunden vor mir waren aber auch wirklich nicht einfach gewesen. Und dann nun ich mit dem Wunsch, ein Sparbuch zu eröffnen. Gott sei Dank wußte sie nicht, dass ich alle Sparbücher vor drei Monaten gekündigt hatte. „Warum das denn?“ war ihre leicht entgeisterte Reaktion. Ich war dann so nett und habe ihr erklärt, dass, wenn man Kleingeld (mehr als 50 Münzen) bei ihrer und meiner Bank einzahlen will, seit neustem eine Gebühr von 5 Euro (!) fällig wird. Wenn man dagegen ein Sparbuch hat … und da man gerolltes Geld nicht mehr bringen darf, angeblich eine EU-Verordnung …

Dass ich seit ich 13 oder 14 bin mein Kleingeld in einer Büchse sammle, und mit dem Geld, wenn die Büchse dann mal voll ist, mir irgendetwas leiste, habe ihr nicht erzählt. Aber den Brauch möchte ich einfach nicht aufgeben, daher haben mich die 25 Minuten Wartezeit auch nicht übermäßig gestört.

Donnerstag bringe ich also dann 3,356 Kilogramm Münzgeld in die Bank, warte ein paar Tage, bis es dem Sparbuch gut geschrieben wird, gehe auf die Bank, hebe es ab, stecke es in meinen blauen Buchkauf-Umschlag oder zahle es am Automaten auf mein Girokonto ein falls ich was bestellen will …

Küssen kann man nicht alleine

Jetzt mussten halt mal T. und A. herhalten. Aber mir war einfach danach. Verdient hatten sie es ja eh schon lange. Und war ja auch nur jeweils ein ganz unschuldiger Kuss auf die Wange.

23 – Bonadea oder der Rückfall (878-892)

Man trifft sich wieder – sie auf alle Fälle selbstbewusster – jetzt mit Diotima etwas befreundet – über Diotima – die nach wie vor etwas verwirrt ist – beschäftigt sich dank Bonadea mit Sexualwissenschaft – Bonadea gibt Nachhilfe in Sachen Aufklärung und Sex – von der Minderwertigkeit der Frau – von der Minderwertigkeit des Mannes -Ulrich will für eine Zeit keine Frau mehr anders zu lieben, als wie eine Schwester

Du bist ein mißglücktes Sexualerlebnis, sagt deine Kusine. (880)

Ein wirklich großartiges Kapitel, denn die gereifte und emanzipiertere Bonadea nimmt kein Blatt vor den Mund und konfrontiert Ulrich mit ihrer eigenen Lust, macht klar, dass beide Geschlechter die gleichen Rechte haben. Ein für damalige Zeit sicher sehr modernes, wenn nichts sogar gewagtes Kapitel, da der Mann beim Sex nur noch ein Teil ist. Bonadea macht es sogar Spaß Ulrich darauf aufmerksam zu machen, dass Männer im Bett auch ‚versagen‘ können. Zudem ist sie Lehrerin für Diotima, die dank des offenen Austausches auch mehr / anderes von ihrem Mann verlangt. Am Ende des Kapitels zieht Ulrich quasi den Schwanz ein, in dem er jetzt erstmal keinen Sex mehr haben will und sich auf Geschwisterliebe zurück zieht.

Akt – 1 Grad

Sowas geht einfach nur mit E.

Für mein Neujahrsphoto war heuer die Vorgaben: Kein Gesicht – (etwas) nacktes Fleisch. Mir war einfach danach. Dann kam die Idee verhüllter Körper vor Landschaft … aber E. war ja da und da er ja schon mal behilfich war … und fotografieren kann … und ich weiß, dass ich ihm notfalls meinen nackten Körper zumuten kann … und er kreativ ist … und wir uns da gut absprechen können … und er meine Spleens akzeptiert (und ich seine) …

Also sind wir auf dem Dorf los mit ner groben Idee – davor hab‘ ich mir ein Herz genommen und ihn in das eingeweiht, was mich seit Herbst so umtreibt und mir alles Herzklopfen mal wieder genommen hat, die man sich vorher nicht vorstellen kann – und da kam uns die Waldbühne gerdade recht …

Ich find’s einfach klasse wie selbstverständlich dann Nackheit werden kann … obwohl er schon was prüdes an sich haben kann … wie er Sorge trägt, dass mir nicht zu kalt wird bei 1 Grad Außentemperatur … wie er andererseits hinschaut, dass das Foto trotz altem Körper einigermaßen wird … magisch schöne Momente …

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Das hier nur „Bonus-Material“ und wohl eins der letzen Akte, die ich gemacht haben werde.

E., Liebster, danke!

update

Kurz nach dem Aufstehen rufe ich J. an. Ihre Tochter, meine Patentochter ist am Apparat – sie wollte ich auch sprechen. Es stellt sich heraus, dass die keinen Kaffee haben – also ziehe ich mich an und bringe Kaffee für den Frühstück vorbei. Bleibe zwei Stunden sitzen und erfahre das Neuste aus dem Leben der Familienmitglieder samt vorhandenem Anhang.

So kann Familie auch funktionieren. Statt zu beneiden konnte ich es genießen.

x

War nicht einfach gestern bei Mutter mit einer Lüge abzusagen. Aber es war richtig. Denn die Prozesse, die alleine jetzt, in einem ruhigen, eher geschütztem Umfeld ablaufen, sind echt nicht von „schlechten Eltern“. Aber da ich zuhause geblieben bin, kann ich das gut auffangen. Mir war auch klar, dass Weihnachten noch mal so ein besonderer Moment sein würde, schließlich ist das Inbegriff von „heiler Familie“.

Nur schlafen ist halt nach wie vor doof – die Träume sind schonungslos.

22 – Von der Koniatowski’schen Kritik des Danielli’schen Satzes zum Sündenfall. Vom Sündenfall zum Gefühlsrätsel der Schwester (864-878)

Ulrich wieder auf der Straße – hat nach dem Gespräch mit Leinsdorf „Hunger nach Bürgerlichkeit“ – trifft die Astronomin Dr. Strastil – Geplauder – über Koniatowski, Keppler und Danielli – über das Wesen von Gefühlen – muss an seine Schwester denken – über Moral – folgt einfach so einer Frau – trifft Bonadea, die keine Zeit hat

Moral ist Zuordnung jedes Augenblickszustandes unseres Lebens zu einem Dauerzustand. (869)

War im vorigen Kapitel Agathe das Zentrum, so ist es in diesem Ulrich. Er bleibt sich treu und findet zu jedem Gedanke das Gegenteil.

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