Durch die Zeit

Tag: Arno Schmidt

499.436 in 1.572

Diesen Beitrag widme ich nocheinglaswein – denn ohne sie hätte ich einfach in einem Buch weitergelesen.

Und es begab sich vor mehrern Tagen, dass ich auf dem Blog von besagter nocheinglaswein auf einen Beitrag stieß, in dem sie kurz schrieb, dass sie gerade ihre Bücher, korrekter deren ISBN-Nummern, scannen würde. Das hat mich elektrisiert und einen Nachrichtenaustausch später, hatte ich die App auf meinem neuen Tablet.

Zugegeben, es macht Spaß die Kamera auf den Barcode zu halten und – schwupps – hat man Titel, Autor, Verlag, Seitenzahl, Erscheinungsjahr, Cover und manchmal noch mehr auf dem Display. Gut, manchmal funktioniert es nicht sauber, da muss man die ISBN selber eintippen. Gut, manchmal hilft das auch nicht so richtig weiter und man mus alle Angabe selber eintippen. Und wenn man nicht aufpasst, fehlt irgendeine Angabe oder den russischen Autorennamen hat man in mehreren Schreibweisen, oder die Titel sind falsch, oder …

Es ist eine Sauarbeit (vorallem, weil gefühlt 80% meiner Bücher keinen Barcode besizten)!  Dutzenden von heftigsten Niesanfällen später weiß ich also: Ich besitze mindestens 1.572 Bücher (ein paar sind noch bei E.) die es auf insgesamt 499.436 Seiten bringen. Davon habe ich 65,3% der Bücher und 58,8% der Seiten gelesen. Stimmt natürlich alles nicht. Zum einen verstecken sich hinter mancher ISBN-Nummer mehrbändige Werke und nicht alle Bücher weisen Seitenzahlen auf.  Kann man ein Lexikon, welches man seit 30 Jahren nutzt nun als ‚gelesen‘ kennzeichnen oder nicht und wie verfährt man bei Bildbänden, Reiseführern, Sammelbänden, …

Aber ich weiß jetzt wenigstens, welche Bücher mir über die Jahre verloren gegangen sind (u.a. „Der Untertan“ von Heinrich Mann – Pflicht in jedem deutschen Haushalt) und was für Schätze lagern (u.a. ein Erstdruck von Frans Masereel).

Am interessantesten ist aber die Aufzählung der TOP-14-Autoren. Handke und Kafka sind meiner frühen Jugend geschuldet. Warum Frisch sich nicht da vorne findet wundert mich, da ich so gut wie alles von ihm gelesen habe, da scheint doch einiges verloren gegangen zu sein:

  1. Marcel Proust
  2. Thomas Bernhard
  3. William Shakespeare
  4. James Joyce
  5. Bertolt Brecht
  6. Philip Roth
  7. Arno Schmidt
  8. Fjodor M. Dosotjewskij
  9. Ralf Rothmann
  10. Hermann Broch
  11. Peter Handke
  12. Hermann Hesse
  13. Franz Kafka
  14. Wolfgang Koeppen

Es lässt sich aushalten gerade

  • So lässt es sich auch mit Corona leben: Spargel, Kartoffeln, zwei Sorten Schinken und die weltbeste Sauce Hollandaise meines Mannes.
  • Davor mit A. ein Distanzspaziergang durch die Sonne. Ihre Krankheit ist präsent aber (noch) nicht bestimmend. Ärgere mich, dass ich nicht schon früher auf die Idee gekommen bin, mit ihr ein paar Kilometer zu gehen.
  • A. will jetzt „Drück-Dich“- und „Kuss“-Gutscheine machen, damit sie die Anzahl nicht vergisst. Aber die Knutschorgie ist eh irgendwie geplant, da brauch es das nicht.
  • Und die Aussicht auf Sonne morgen und übermorgen, wo ich Home Office habe.
  • Und E. bringt mir noch ein 12-bändiges Lexikon von 1870 vorbei – der absolute Klassiker, auf den Arno Schmidt nichts hat kommen lassen.
  • Die Online-Bibliothek beschränkt massiv Vormerkungen und Ausleihdauer – scheinbar werden sie gerade vor Anfragen nur so überrollt. Schön das.

Oh Arno – Arno, Du!

Die Welt ist groß genug, dass wir alle darin Unrecht haben können.

Ferientag 1

Schon Anfang der Woche war klar, dass ich heute mit meinem Mann in die Sauna zu gehen zu habe. Worüber man nichts entscheiden kann, darüber muss man sich ergeben – Wittgenstein oder so.

Also Jugendlicher / junger Mann bin ich richtig gerne und richtg oft in die Sauna gegangen. Irgendwie war das auch immer ein ästhetisches Erlebnis, um nicht zu sagen, ein durchaus erotisch reizvolles, gab es doch immer Männer mit schönen Schwänzen und umgekehrt. Da war oft die Lust zum Zugreifen und die Anstregung der Vermeidung der eigenen (sichtbaren) Erektion. Aber scheinbar hat absolut keine Männergeneration nach meinem Geburtsjahrgang jemals mehr etwas von einer Sauna gehört, denn in den letzten Jahren vermute ich mich im Kreise (Arno Schmidt hätte, um auf das kommende vorzubreiten entweder K/Greise geschrieben, wobei das K und das G übereinander gestanden hätten) / Greise einer gerontopsychiatrischen Station. Altern ist jedenfalls in vieler (möglicherweise sogar in aller) Hinsicht defintiv nichts Schönes.

Gut gepeelt hat es sich am Nachmittag dann wunderbar geschlafen. Nehme es schon mal als Entschädigung für die kommende Nacht.

So langsam werde ich dann doch alt

Das hat aber auch etwas Gutes, wie ich gerade feststelle. Fast Gutes. Vor zwei Wochen einen Roman zu Ende gelesen, den ich so gut nicht fand. Geade eben entdeckt, dass ich ihn vor 20 Jahren schon mal gelesen habe – mit Begeisterung.

Noch ein paar Jahre – dann brauche ich mir wohl keine Bücher mehr zu kaufen und lese das Tausend, was im Regal steht, einfach nochmals.

Bis dato war ich echt stolz auf mich, dass ich nur wenige Sätze brauche um mich zu erinneren, ob oder ob nicht. Tja, da tauchen wohl erste, dicke Lücken auf.

Aber Proust und Joyce und Dostojewskij und Schiller und Schmidt und Jahnn und Gray und … nochmals so lesen zu können, als wäre es das erste Mal. Das hat definitiv was!

Scheinbar hat die Demenz auch gute Seiten.

Sprunghaft

Lese gerade das Tagebuch von 1954 von Alice Schmidt. Sie war die Ehefrau des Schriftstellers Arno Schmidt, den ich ja hochverehre. Und sie schildert darin u.a. eine Reise nach dem Flecken Ahlden und Berlin (der Link ist echt geil!!!!). Arno Schmidt hat daraus dann den wirklich tollen Roman „Das steinerne Herz“ gemacht (er sei jedem, der gute Literatur lesen will, auf das Wärmste empfohlen!). Und während ich das so lese, wie sie beide durch die Straßen laufe, erinnere ich mich so was von genau daran, wie ich vor ein paar Jahren mit dem Rad extra nach Ahlden gefahren bin, um mir das dort vor Ort anzuschauen.

Und dann muss ich an B. denken, der gerade mal 65 km davon entfernt lebt – und morgen wohl zum dritten Mal Vater wird.

Noch 29 Tage

Schön, wenn man weiß, was man sich zum Geburtstag wünscht. Das hier. Ich denke, wenn ich allen einen Tipp gebe, sich an meinen Mann zu wenden, der dann Geld einsammelt, dann wird es reichen.

So ein Tag halt

Es gibt einen kleinen Text von Arno Schmidt, den er selber auch mal vorgelesen hat, der beginnt mit: „Es gibt seltsame Tage“. Und es gibt eben Tage wie heute. Vermutlich werde ich mich morgen nur noch schwer erinneren können, was ich heute gemacht habe, obgleich ich wirklich nicht untätig war. Aber da war nix mit wirlicher Freude oder Intensität dabei. Job ist nach wie vor todlangweilig, die Spiegeleier zum Mittagessen sind jetzt auch nicht so die Spitze, Protokoll schreiben, etwas telefonieren, etwas planen, etwas schreiben … nix, was ich gestern nicht auch schon gemacht hätte und vorgestern und vorvorgestern und vorvorvorgestern und …

Vielleicht setzt ja nur etwas verfrüht ne Endjahresdepression ein, was ich ja ganz gern mal habe.

Muss mal gucken, was ich mir heute irgendwie noch Gutes tun kann.

Lesung

Seit drei Jahren darf ich ja einmal im Jahr ein Lesung veranstalten, d.h., C. und ich lesen vor. Bisher hatten wir Joyce, Proust und Schmidt (also deN Arno Schmidt). Der Veranstalter hat uns jetzt etwas unter Druck gesetzt, weil wir Mitten des Jahres immer noch mit keinem Vorschlag gekomen sind. Also wieder Not-Sitzung halbnackt auf dem Balkon und, siehe da, die Unispiration verfliegt nach wenigen Minuten und eine Stunde später haben wir ein 10-Jahres-Programm aufgestellt. Und für das mag ich C. so ungemein.

Wir lesen übrigens: Thomas Bernhard

Alles Gute, Arno!

Aufs Dorf ziehen. Doof sein. Rammeln. Maul halten. Kirche gehen. Wenn n großer Mann in der Nähe auftaucht, in n Stall verschwinden : dahin kommt er kaum nach!

Arno Schmidt: Tina

GA AS

Die Gesamtausgabe von Arno Schmidt kostet – in Leinen, Halbleder habe ich erst gar nicht nachgeschaut – schlappe 1.431,40 Euro. (Warum suche ich mir immer die teuersten Autoren aus?)

Da ich zwei Bände schon habe, verringert sich das notwendige Kapitel für die restlichen Bände auf 985,40 Euro – was sich nicht ganz soo schlimm anhört.

Da ist es!!! – Endlich!!!

2015-07-16 19.10.49-2

Das erste Gänseblümchen in unserem Balkonkasten! Ein schwere, eine sehr schwere Geburt (und dann noch unscharf)!

Beim ersten Versuch gab es nur Rasen und Pilze (!), bei zweiten Versuch Rasen und Löwenzahn. Schon wollte ich aufgeben, da meinte mein Mann: „Abwarten!“. Er hatte – ausnahmsweise – Recht oder einfach nur Glück. Jetzt wird das „Rasenmähen“ im Balkonkasten echt eine Herausforderung – aber der stelle ich mich gerne.

Wer wissen will, warum ich gerade so jubiliere, der kann wegen der Bedeutung hier klicken, das ‚Projekt‘ findet sich (sehr kurz) hier und besondere Auswüchse dann hier.

*angeb*-‚Bekanntschaften‘

Ich kannte (da schon tot) jemanden, die jemand kannte, der ein guter Freund von Theodor von Fontane war.

Ich kannte (da schon tot) jemanden, die Milena Jesenská kannte, die mit Franz Kafka liiert war.

Ich kenne jemanden (nun gut, einmal ein geinsames Frühstück), der Arno Schmidt kannte.

Ich kenne jemanden (seit heute, ein Abendessen immerhin), die Samuel Beckett kannte.

* 1914: Arno Schmidt

Tja, diese Woche hat es in sich. Dienstag Joyce und heute gleich der nächste Dichterpriester: Arno Schmidt. Für diese Reihe hier habe ich quasi schon letztes Jahr alles dazu geschrieben und fotografiert, nachzulesen HIER.

Ich glaube ich muss nicht betonen, dass Arno Schmidt auch heute noch zu den zu Unrecht unbekannten deutschen Schriftstellern gehört, der aber – wie kaum jemand anderes – gelesen gehört. Man muss jetzt wirklich nicht mit Zettels Traum anfangen, das wäre wohl fatal, aber wer ihn mal probieren will, der möge sich doch einfach Das steinerne Herz besorgen, gibt es für 8,90 Euro bei Fischer.

Max. 3.000

Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20000, demnach rund 15000 Lesetage zur Verfügung. Nun kommt es natürlich ebenso auf das betreffende Buch, wie auch auf die literarische Aufnahmefähigkeit an. Das Kind schlingt seinen dicklichen MAY=Band in 2 Tagen hinunter (und die schönsten Stellen werden sogar mehrmals genossen); der Mann, tagsüber im Büro, oder hinter Pflug&Schraubstock, druckst, selbst bei bestem Willen, 3 Wochen lang über`m WITTIKO, den ihm ein sinnlicher Kollege empfahl. Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues Buch – dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst, wenn man nur 3 Tage für eines benötigte, wären`s immer erst arme 5000. Da sollte es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen 10 und 20 Millionen verschiedener Bücher auf unserem Erdrund gibt, sorgfältig auswählen heißen. Ich möchte es noch heilsam=schroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen; Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!

Arno Schmidt

Ich bin gerade bei Nr. 1.788 und damit ich die 3.000 schaffe, muss ich rechnerisch noch 20 Jahren leben und lesen.

Gänseblümchen bzw. Besuch beim DP AS

Es war, zumindest für mich, der rührendste Moment am Ende der Ausstellung „Arno Schmidt 100“ im Bomann-Museum in Celle (KLICK). Es war die 101. Station. Links an der Wand wurde folgendes Zitat eingeblendet:

>>Du; Wir legen Jedes 1 Stein hier hin; eng nebm’nander: die finden Wir dann, und erkennen Uns daran.<<; (Sie bückt sich. Spricht zu dem tapfren Gänseblümchen daneben): >>Du mußt aber auch wieder komm’m. -<<

Und vor einem ein Ständer mit Samen mit der Aufforderungen, sich doch zu bedienen.

Gänseblümchen

Ja, ich bin ein Arno-Schmidt-Fan und bin derzeit zudem auf dem Weg, sogar „Zettelianer“ zu werden, und so schön und gut und klasse und informativ und unterhaltsam und spannend und witzig und nachdenklich und … die Ausstellung auch immer ist (die jede und jeder unbedingt besuchen muss!) – der Besuch heute in Bargfeld war dann schon was noch Besondereres.

Weil M. und ich dieses Jahr keinen gemeinsamen Urlaub haben, schlug ich vor, doch dann zumindest mal Tagesausflüge zu machen. Und als H. mich daran erinnerte, dass in Celle doch … M. war sofort bereit und er war es auch, der dann die Zug, Hotel und die Fahrräder organisierte, um  heute eben die 26 Kilometer nach Bargfeld fahren zu können (ein Bus hin und zurück jeweils einmal täglich).

Das war schon etwas wie pilgern. Und wir hatten so ein Schweineglück, dass uns eine Mitarbeiterin der Arno-Schmidt-Stiftung bei den Photos ansprach, ob wir zur Führung wollten. Ja klar!

Und dann stand ich vor dem Haus, dem kleine, grauen Haus, kleiner als mir vorgestellt, aber in einer viel, viel schöneren Umgebung als vorgestellt. Und wir gingen über das Gründstück, zum Grab der von ihm und ihr (ein einfacher Stein – mehr nicht) und dann eben ins Haus, in das Zimmer, zurück in die Vergangenheit. Die Schreibmaschine, die Brille, die Lupe, die Nachschlagewerke. Hier hat also dieser spröde, dieser menschenscheue, dieser fast ans Autistische erinnernde Mensch gearbeitet, geschrieben und Texte verfasst, die vor Lebendigkeit und Kreativität  nur so sprühen.

Und auf dem Schreibtisch, auf der Wiese: Gänseblümchen. Ich hab mir drei aus dem Garten mitgenommen und einen kleinen Wacholderzweig vom Busch neben seinem Grab. Werden gerade gepresst, wandern dann in „Zettel’s Traum“.

Ganz am Schluss, als die CD’s bezahlt waren und wir bereit zur Rückfahrt, holte die Mitarbeiterin für einen anderen Besucher zwei Plakate hervor. Irgendwie hat sie mitbekommen, dass mein Hals in dem Moment etwas länger wurde. „Ich glaub‘, Sie wollen auch eins. Moment bitte, eins habe ich noch.“

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A.S. für morgen

Die Zwischentexte für morgen fehlen noch. Nochmals kurz da und nochmals kurz dort reingeschaut, mich versichert, ein paar Daten konkretisiert … und dann hat es Spaß gemacht, sie zu schreiben, an ihnen zu feilen.

C. bei der Probe heute recht angeschlagen mit einem Infekt. Hoffentlich kann er heute Nacht gut pennen, morgen bringe ich eine Familienpackung Aspirin mit und lege ihn dann persönlich wieder ins Bett.

Und danach, so schätze ich mal, wird vieles von mir abfallen.

Warum einfach …

Knappe zwei Stunden haben C. und ich gebraucht, um die Stelle aus „Zettel’s Traum“ zu präparieren, d.h., wer liest was, wo kommen die Glossen hin, wie liest man was, usw.

Das Ergebnis: Für die eine (!) Seite brauchen wir mindestens zwölf Minuten – und das dürfte für die nichtsahnenden Zuhörer ausreichend sein.

Probelesung …

… für Sonntag. Wie immer: Alles zuviel. Dennoch, die Auswahl geht auf. „Zettel’s Traum“ noch schwieriger als gedacht – aber es geht auf. Wir werden die Seiten wohl auseinander schneiden müssen und dann zusammenkleben und so.

C. und ich machen eins auf so, als würden wir das mindestens alle drei Monate machen. Ist einfach gut, mit ihm zu arbeiten. Keiner von uns nimmt es den anderem übel, wenn er verbessert wird. Ich bin bei englisch und französisch auf ihn angewiesen, er bei dem ein oder anderem schmidtschen Wortungeheuer.

C. meets A.S.

Letztes Jahr war das auch schon so. Ich sichere H. zu, dass C. und ich die Lesung bestreiten. Ich bereite alles vor und maile C. an, wann er denn Zeit hat. Keine Reaktion, keine Antwort, nichts. C. hat sich dann fünf Tage vor der Lesung gemeldet und wir haben dann jeden Tag zwei Stunden geübt. Denn ich hatte ne Ulysses-Lesung vorbereitet, die für uns Vorlesenden schon teilweise anspruchsvoll war, denn bei einem Teil haben wir quasi nach jedem zweiten Wort die Stimmen gewechselt usw.

Und dieses Jahr darf ich nochmals ne Lesung machen, „Arno Schmidt zum 100.“ , und wieder mit C., so zumindest geplant. Letztes Jahr grob angefragt, Zustimmung bekommen, dieser Tage die Texte ausgesucht, ihn angetickert bei Mail, per sms … keine Antwort. Bis Sonntag hab ich ihm Zeit gelassen, ab morgen werde ich mir Plan B. überlegen.

Vor einer Stunde stand C. auf einmal im Wohnzimmer, alles gut, viel Lust und wir sind richtig professionell schon mal die Texte durch, ich hab ihm meine Ideen erzählt, er hat Ergänzungen gebracht. Wochenende Textstudium, Montag erste Probe und Verifizierung, wie wir das mit Zettels‘ Traum machen, da hat er für die vierfach Rollenwechsel schon erste gute Ideen.

Und auf einmal bin ich „zu Hause“, da ist alles mein Thema, ich hab da Ideen dafür, die Texte sind alles in sich stimmig, da gibt es einen roten Faden … und C. grinst mich an und ich weiß, es wird einfach wieder Lust machen, mit ihm zu proben und den Sonntag werden wir mal wieder rocken.

 

Lesung

Ups! Eine Mail erinnerte mich, dass ich ja in zwei Wochen 90 Minuten Arno Schmidt lesen soll.

OK, dann lesen wir eben „Vom neuen Großmystiker“ (eine dialogischer Essay zu Karl May), den Beginn von „Das steinerne Herz“ und als Häppchen ein, zwei Seiten aus „Zettel’s Traum“ (die ich jetzt noch finden muss).

Und dann will ich mal hoffen, dass mein Mitleser überhaupt Zeit hat.

Leseweise

Die Antwort vom Presse- und Informationsamt der Bundesregierung ist unterschrieben mit „Armin Disput“. In Schmidtscher Leseweise liest sich das dann als „Arm in Disput“ – stimmt auch bei der Antwort irgendwie.

Arno, aber bitte!

(>Dich, langer Bursche, Dich mag ich am liebsten leiden / … : so sieh mich doch ein wenig lüstern an! / Auch cuntet Ihr anständig-nackter gehen, / dies lange Phalltnhemmt ist über=sittlich – / sie wenden sich – : von hinten anzusehn! – / : die Rakker sind doch gar zu uppeTittlich!<)

ZT, 104

Oh ja

(Das’ss ooch so’ne ganzegroße Klasse von Menschn : Die die Antworten Ihre Gegenüber immer selbst vorweg (& zu Zweidritteln falsch!) formulieren; (und gleich noch Replik & Triplik zugeben) – alles, eh der Andre überhaupt’n Mund uffgemacht hat. Unsre Kampfgockeline hier war insofern rara avis, als Sie’s meist von selber & relativ rasch merkte.) / – )

Arno Schmidt, Zettels Traum, S. 78

(rara avis = „seltener Vogel“ im Sinne von Sache / Person, die selten in einem bestimmten Umfeld auftaucht)

ZT

Ich hab‘ hin und her überlegt, aber mich dann doch entschlossen, ZT ‚alleine‘ zu lesen und hier nicht darüber regelmäßig zu bloggen. Ne reine Nacherzählung der Geschehnisse ist jetzt einfach zu langweilig, denn auf den ersten 60 Seiten sind die vier gerade mal über ein Stück Acker gelaufen und die beiden Frauen waren schwimmen, und alles andere würde mir einfach zu viel Zeit kosten, da man mit (ausführlichen) Zitaten arbeiten müsste. Und die abzutippen dafür fehlt mir echt die Zeit (und sicher auch dann die Nerven). Die besten Begriffe aufzuschreiben ist nun auch nicht gerade das Gelbe vom Ei, also werde ich erstmal gar nix tun.

60 Seiten habe ich bisher geschafft über ein langes Wochenende. Wenn ich konzentriert lese, schaffe ich in einer Stunde 10 Seiten, aber länger als 1,5 Stunden am Stück kann ich ZT nicht lesen, weil da gibt es nichts, wo das Auge mal huschen kann.

Proudly present: ZT

Arno Schmidt: Zettel’s Traum: 1.513 Seiten; 6,1 kg; 35 x 26 x 8,5 cm; geschrieben 25.8.1965 bis 31.12.1968.

Finanziert durch 2 Monate, 21 Tage und 14 Stunden des nicht-rauchens – ok nicht ganz, es fehlen eigentlich 3 Tage, 6 Stunden und 56 Minuten, aber da ich bei P. Prozente bekommen habe … passt schon. Das Witzige ist, dass P. mir vor ca. 14 Jahren das Werk schon mal mit Prozenten besorgt hat, damals aber als Faksimilie-Ausgabe (was anderes hat es bis zu der Ausgabe hier auch nicht gegeben), ebenfalls zu einem horrenden Preis, ich meine mich zu erinnern, dass ich dennoch um die 400 DM gezahlt habe.

Der Umschlag, wie ich gerade gesehen habe lässt sich quasi als Plakat an die Wand hängen, denn er ist gefaltet. (Sorry, Handy-Aufnahme, es musste jetzt einfach schnell gehen.)

2014-04-17 21.55.47

Eine typische Seite – ich liebe diese Kombination von „?:?:?: …“ – und äh, das macht übrigens Sinn.

2014-04-17 21.57.11

 

So, und morgen überlege ich mir, wie ich dieses Machwerk angehe, denn es wird für mich, literarisch gesehen, wohl die letzte Herausforderung sein. Denn bei „Finnegans Wake“ von Joyce muss ich eh die Waffen strecken und darüberhinaus kenne ich kein Werk mehr der Weltliteratur, was so richtig fordert. So wie ich das überblicke. Hinweise nehme ich natürlich gerne entgegen.

ZT (2)

Jetzt ist es amtlich. Wenn alles gut geht, habe ich Ende der Woche Zettel’s Traum von Schmidt vor mir liegen. Bin ja so was von gespannt.

Daumen drücken

Gestern kam die Nachricht, dass P. morgen leider ihre Chefin fragen muss, ob sie Zettel’s Traum mit Rabatt bestellen kann. Da greife ich mal zu bewährten Hausmitteln und verstecke beide Daumen in der Handfläche.

ZT

Streng genommen müsste ich noch 15 Tage warten. Aber da ich über P. Prozente bekomme und ich einfach mal irgendwas zum Freuen brauche, habe ich heute beschlossen, mir meine Rauchen-Aufhör-Belohnung jetzt zu bestellen, nämlich ein Buch. Gut 1.500 Seiten, 1.6 Kilogramm oder so schwer, Sonderformat. Es gehört zu den Büchern der Literaturgeschichte, von denen man schon mal was gehört hat, aber niemand kennt, der es gelesen hat. Zu diesen Brocken zähle ich u.a. den „Ulysses“ von James Joyce („zu schwer“) oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust („zu lang“ – na ja, etwas mehr als 3.000 Seiten). Aber da ich die beiden hinter mir habe (jeweils zwei Mal, wenn ich angegeben darf) gibt es jetzt eben „Zettel’s Traum“ von Arno Schmidt – die letzte deutschsprachige Herausforderung.

Jetzt muss P. nur noch ihre SMS checken, dann ihre Mails und dann es bestellen können. Prozente tun da richtig gut, denn für ZT hat man 348 Euro auf die Theke zu legen.

(Und jetzt kann ja jede/r ausrechnen, wie viel ich früher geraucht habe.)

Anton Weyrother

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