Durch die Zeit

Tag: Arno Schmidt

GA AS

Die Gesamtausgabe von Arno Schmidt kostet – in Leinen, Halbleder habe ich erst gar nicht nachgeschaut – schlappe 1.431,40 Euro. (Warum suche ich mir immer die teuersten Autoren aus?)

Da ich zwei Bände schon habe, verringert sich das notwendige Kapitel für die restlichen Bände auf 985,40 Euro – was sich nicht ganz soo schlimm anhört.

Da ist es!!! – Endlich!!!

2015-07-16 19.10.49-2

Das erste Gänseblümchen in unserem Balkonkasten! Ein schwere, eine sehr schwere Geburt (und dann noch unscharf)!

Beim ersten Versuch gab es nur Rasen und Pilze (!), bei zweiten Versuch Rasen und Löwenzahn. Schon wollte ich aufgeben, da meinte mein Mann: „Abwarten!“. Er hatte – ausnahmsweise – Recht oder einfach nur Glück. Jetzt wird das „Rasenmähen“ im Balkonkasten echt eine Herausforderung – aber der stelle ich mich gerne.

Wer wissen will, warum ich gerade so jubiliere, der kann wegen der Bedeutung hier klicken, das ‚Projekt‘ findet sich (sehr kurz) hier und besondere Auswüchse dann hier.

*angeb*-‚Bekanntschaften‘

Ich kannte (da schon tot) jemanden, die jemand kannte, der ein guter Freund von Theodor von Fontane war.

Ich kannte (da schon tot) jemanden, die Milena Jesenská kannte, die mit Franz Kafka liiert war.

Ich kenne jemanden (nun gut, einmal ein geinsames Frühstück), der Arno Schmidt kannte.

Ich kenne jemanden (seit heute, ein Abendessen immerhin), die Samuel Beckett kannte.

* 1914: Arno Schmidt

Tja, diese Woche hat es in sich. Dienstag Joyce und heute gleich der nächste Dichterpriester: Arno Schmidt. Für diese Reihe hier habe ich quasi schon letztes Jahr alles dazu geschrieben und fotografiert, nachzulesen HIER.

Ich glaube ich muss nicht betonen, dass Arno Schmidt auch heute noch zu den zu Unrecht unbekannten deutschen Schriftstellern gehört, der aber – wie kaum jemand anderes – gelesen gehört. Man muss jetzt wirklich nicht mit Zettels Traum anfangen, das wäre wohl fatal, aber wer ihn mal probieren will, der möge sich doch einfach Das steinerne Herz besorgen, gibt es für 8,90 Euro bei Fischer.

Max. 3.000

Setzen wir, daß man vom 5000. Tage an leidlich mit Verstand zu lesen fähig sei; dann hätte man, bei einem green old age von 20000, demnach rund 15000 Lesetage zur Verfügung. Nun kommt es natürlich ebenso auf das betreffende Buch, wie auch auf die literarische Aufnahmefähigkeit an. Das Kind schlingt seinen dicklichen MAY=Band in 2 Tagen hinunter (und die schönsten Stellen werden sogar mehrmals genossen); der Mann, tagsüber im Büro, oder hinter Pflug&Schraubstock, druckst, selbst bei bestem Willen, 3 Wochen lang über`m WITTIKO, den ihm ein sinnlicher Kollege empfahl. Sagen wir, durchschnittlich alle 5 Tage 1 neues Buch – dann ergibt sich der erschreckende Umstand, daß man im Laufe des Lebens nur 3000 Bücher zu lesen vermag! Und selbst, wenn man nur 3 Tage für eines benötigte, wären`s immer erst arme 5000. Da sollte es doch wahrlich, bei Erwägung der Tatsache, daß es bereits zwischen 10 und 20 Millionen verschiedener Bücher auf unserem Erdrund gibt, sorgfältig auswählen heißen. Ich möchte es noch heilsam=schroffer formulieren: Sie haben einfach keine Zeit, Kitsch oder auch nur Durchschnittliches zu lesen; Sie schaffen in Ihrem Leben nicht einmal sämtliche Bände der Hochliteratur!

Arno Schmidt

Ich bin gerade bei Nr. 1.788 und damit ich die 3.000 schaffe, muss ich rechnerisch noch 20 Jahren leben und lesen.

Gänseblümchen bzw. Besuch beim DP AS

Es war, zumindest für mich, der rührendste Moment am Ende der Ausstellung „Arno Schmidt 100“ im Bomann-Museum in Celle (KLICK). Es war die 101. Station. Links an der Wand wurde folgendes Zitat eingeblendet:

>>Du; Wir legen Jedes 1 Stein hier hin; eng nebm’nander: die finden Wir dann, und erkennen Uns daran.<<; (Sie bückt sich. Spricht zu dem tapfren Gänseblümchen daneben): >>Du mußt aber auch wieder komm’m. -<<

Und vor einem ein Ständer mit Samen mit der Aufforderungen, sich doch zu bedienen.

Gänseblümchen

Ja, ich bin ein Arno-Schmidt-Fan und bin derzeit zudem auf dem Weg, sogar „Zettelianer“ zu werden, und so schön und gut und klasse und informativ und unterhaltsam und spannend und witzig und nachdenklich und … die Ausstellung auch immer ist (die jede und jeder unbedingt besuchen muss!) – der Besuch heute in Bargfeld war dann schon was noch Besondereres.

Weil M. und ich dieses Jahr keinen gemeinsamen Urlaub haben, schlug ich vor, doch dann zumindest mal Tagesausflüge zu machen. Und als H. mich daran erinnerte, dass in Celle doch … M. war sofort bereit und er war es auch, der dann die Zug, Hotel und die Fahrräder organisierte, um  heute eben die 26 Kilometer nach Bargfeld fahren zu können (ein Bus hin und zurück jeweils einmal täglich).

Das war schon etwas wie pilgern. Und wir hatten so ein Schweineglück, dass uns eine Mitarbeiterin der Arno-Schmidt-Stiftung bei den Photos ansprach, ob wir zur Führung wollten. Ja klar!

Und dann stand ich vor dem Haus, dem kleine, grauen Haus, kleiner als mir vorgestellt, aber in einer viel, viel schöneren Umgebung als vorgestellt. Und wir gingen über das Gründstück, zum Grab der von ihm und ihr (ein einfacher Stein – mehr nicht) und dann eben ins Haus, in das Zimmer, zurück in die Vergangenheit. Die Schreibmaschine, die Brille, die Lupe, die Nachschlagewerke. Hier hat also dieser spröde, dieser menschenscheue, dieser fast ans Autistische erinnernde Mensch gearbeitet, geschrieben und Texte verfasst, die vor Lebendigkeit und Kreativität  nur so sprühen.

Und auf dem Schreibtisch, auf der Wiese: Gänseblümchen. Ich hab mir drei aus dem Garten mitgenommen und einen kleinen Wacholderzweig vom Busch neben seinem Grab. Werden gerade gepresst, wandern dann in „Zettel’s Traum“.

Ganz am Schluss, als die CD’s bezahlt waren und wir bereit zur Rückfahrt, holte die Mitarbeiterin für einen anderen Besucher zwei Plakate hervor. Irgendwie hat sie mitbekommen, dass mein Hals in dem Moment etwas länger wurde. „Ich glaub‘, Sie wollen auch eins. Moment bitte, eins habe ich noch.“

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A.S. für morgen

Die Zwischentexte für morgen fehlen noch. Nochmals kurz da und nochmals kurz dort reingeschaut, mich versichert, ein paar Daten konkretisiert … und dann hat es Spaß gemacht, sie zu schreiben, an ihnen zu feilen.

C. bei der Probe heute recht angeschlagen mit einem Infekt. Hoffentlich kann er heute Nacht gut pennen, morgen bringe ich eine Familienpackung Aspirin mit und lege ihn dann persönlich wieder ins Bett.

Und danach, so schätze ich mal, wird vieles von mir abfallen.

Warum einfach …

Knappe zwei Stunden haben C. und ich gebraucht, um die Stelle aus „Zettel’s Traum“ zu präparieren, d.h., wer liest was, wo kommen die Glossen hin, wie liest man was, usw.

Das Ergebnis: Für die eine (!) Seite brauchen wir mindestens zwölf Minuten – und das dürfte für die nichtsahnenden Zuhörer ausreichend sein.

Probelesung …

… für Sonntag. Wie immer: Alles zuviel. Dennoch, die Auswahl geht auf. „Zettel’s Traum“ noch schwieriger als gedacht – aber es geht auf. Wir werden die Seiten wohl auseinander schneiden müssen und dann zusammenkleben und so.

C. und ich machen eins auf so, als würden wir das mindestens alle drei Monate machen. Ist einfach gut, mit ihm zu arbeiten. Keiner von uns nimmt es den anderem übel, wenn er verbessert wird. Ich bin bei englisch und französisch auf ihn angewiesen, er bei dem ein oder anderem schmidtschen Wortungeheuer.

C. meets A.S.

Letztes Jahr war das auch schon so. Ich sichere H. zu, dass C. und ich die Lesung bestreiten. Ich bereite alles vor und maile C. an, wann er denn Zeit hat. Keine Reaktion, keine Antwort, nichts. C. hat sich dann fünf Tage vor der Lesung gemeldet und wir haben dann jeden Tag zwei Stunden geübt. Denn ich hatte ne Ulysses-Lesung vorbereitet, die für uns Vorlesenden schon teilweise anspruchsvoll war, denn bei einem Teil haben wir quasi nach jedem zweiten Wort die Stimmen gewechselt usw.

Und dieses Jahr darf ich nochmals ne Lesung machen, „Arno Schmidt zum 100.“ , und wieder mit C., so zumindest geplant. Letztes Jahr grob angefragt, Zustimmung bekommen, dieser Tage die Texte ausgesucht, ihn angetickert bei Mail, per sms … keine Antwort. Bis Sonntag hab ich ihm Zeit gelassen, ab morgen werde ich mir Plan B. überlegen.

Vor einer Stunde stand C. auf einmal im Wohnzimmer, alles gut, viel Lust und wir sind richtig professionell schon mal die Texte durch, ich hab ihm meine Ideen erzählt, er hat Ergänzungen gebracht. Wochenende Textstudium, Montag erste Probe und Verifizierung, wie wir das mit Zettels‘ Traum machen, da hat er für die vierfach Rollenwechsel schon erste gute Ideen.

Und auf einmal bin ich „zu Hause“, da ist alles mein Thema, ich hab da Ideen dafür, die Texte sind alles in sich stimmig, da gibt es einen roten Faden … und C. grinst mich an und ich weiß, es wird einfach wieder Lust machen, mit ihm zu proben und den Sonntag werden wir mal wieder rocken.

 

Anton Weyrother

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