Durch die Zeit

Tag: Arzt

Phantomsandkorn

vormittag | Zusammen mit dem Mann auf dem Markt und dauernd mit der Hand am tränenden Auge, muss wohl was reingekommen sein.

mittag | Dann doch mal in den ärztlichen Bereitschaftsdienst wegen des Auges, der findet aber nix und gibt mir ne Einweisung in die Augenklinik für den Abend.

nachmittag | Nahezu kommentöser langer Mittagsschlaf, danach tun mit die Beinmuskeln vor Entspannung richtig weh. Das Auge tränt immerhin nicht mehr, fühlt sich jetzt nur noch etwas entzündet an.

früher abend | Beschließe nicht nochmal in die Klinik zu gehen, das Auge ist zwar nicht richtig gut, aber nicht mehr so heftig wie morgen. Da wir vor lauter Essenseinladungen vergessen haben, für heute etwas einzukaufen, gibt es ’nur‘ Spiegelei.

Edelmetall: Hilf!

Nüchtern zur Blutabnahme. Der Arzt hat das große Programm verordnet. Am Schluss liegen sieben Ampullen Blut in der Schale. Ich will wissen wie viel das ist. Gut 55 Milliliter ist die Antwort und ich will mir schon etwas darauf einbilden, da meint die Arzthelferin: „Eine Frau verliert, wenn sie die Tage hat, das Fünfache – und wenn sie Pech hat, fünf Tage lang“.

Also jammer ich noch kurz über meinen Abszess, da fragt sie, ob sie ihn sich mal anschauen dürfe. Also lasse ich die Hosen runter. Sie findet die Medikation des Arztes jetzt nicht so prickelnd, guckt in ihren Schränken und kommt dann mit Silber (!) und versorgt die Stelle, die etwas ungeschickt genau auf Gürtelhöhe liegt. Für das Wochenende packt sie mir ausreichend Silber und Verbandsmaterial ein – wenn am Montag nicht wirklich besser, dann geht es unter’s Messer.

Wieder unter den Lebenden

Kopf zwar noch etwas dicke, Nase und Ohren auch noch etwas zu, die Stimme nun noch leicht belegt aber das Fieber hat sich immerhin verflüchtigt und heute war ich schon mal den halben Tag auf.

Meine Herrn! Drei Tage am Stück im Bett gelegen. Das hat es echt noch nie gegeben. Hin und wieder bekomme ich schon mal eine Erkältung, aber dass sind immer so Turbo-Sachen, nach 24 Stunden oder so ist es durch. Aber das hier?

Am Montag war ich ja irgendwie noch zuversichtlich, am Dienstag habe ich dann glücklicherweise bis auf drei Termine alles komplett abgesagt, ohne Rücksicht auf irgendwelche Verluste.

Der eine Termin war dann heute morgen noch beim Neurologen, auf den ich jetzt an die vier Monate gewartet habe wegen den Händen. Immerhin, ich muss zugeben, Herr Dr. K. hat sich wirklich Mühe gemacht, mich nicht nur der Apparatemedzin unterworfen – ist das eklig, wenn auf einmal die Finger zucken, weil die Arzthelferin etwas Strom an den Arm legt – sondern sich nach allen Regeln der Kunst den Händen gewidmet. Dass die nicht die kräftigsten sind ist ja eh bekannt – was will man von einem schwulen Querflötenspieler schon in der Hinsicht anderes erwarten – aber dass man meine gespreizten Finger mit so wenig Druck schließen kann … jedenfalls ein paar unwichtige Nebenbefunde, was die Schmerzen betrifft … bekanntes Schulterzucken.

Mich dann noch für die Generalprobe für Samstag zu C. geschleppt – das war’s dann für heute aber sicher. Morgen darf ich noch zu Hause bleiben und bis auf Markt keine weiteren Aktionen.

Hey, ist das schon das Alter???

100 statt 50 für 5

Beim anderen Hausarzt, weil der erste im Urlaub ist und mir die Schmerztabletten ausgehen. Auch er guckt sich meine Hände an, drückt rum, zuckt mit den Schultern.

Immerhin gibt er sich Mühe mich etwas zu beruhigen. Das seien zwar schon starke Schmerzmittel, aber man könne die wirklich bedenkenlos eine Zeit nehmen, vor allem weil ich ja sonst nix schlucke und sie hätten ja auch einen „kurativen“ Anteil.

Und weil 100 so teuer sind wie 50 …

„Bananenstaat“

Der e-Reader hat sich beim Artzbesuch fast verdient gemacht – diesmal war die Wartzeit aber wirklich erträglich. Was dann erfolgte war es dann nicht ganz so. Der Hausarzt zuckt ob meines Berichtes vom Hand-Chirurg weiter mit den Schultern. Die Überweisung zum Neurologen ist schnell ausgestellt – aber dann der ’nette‘ Hinweis: In der Stadt, wo ich lebe, sei es um Neurologen, weil sie so schlecht bezahlt werden, echt schlecht bestellt. Er empfiehlt mit dem Zug in einer guten halben Stunde das Bundesland zu wechseln, um in einer Winz-Kleinstadt den Neurologen aufzusuchen. Wir schreiben a) 2016, wir schreiben b) Bundesrepublik Deutschland und wir schreiben c) Millionen-Übeschüsse bei den Krankenkassen.

Mich macht das gerade etwas fertig. Trotz Schmerztabeletten gestern wieder Schmerzen gehabt (ok, ich hatte an zwei Tagen nur aus Vergesslichkeit eine statt zwei genommen) und jetzt die Aussicht warten und warten und warten zu müssen. Klar, ich bin absolut kein ‚Notfall‘, aber Schmerzen sind Schmerzen.

Der Handchirurg hat mir eine Packung Schmerztablette N1 verschrieben, 20 Stück. Der Hausarzt veschreibt gleich mal N2, 50 Stück – Aussage genug.

97 Minuten

Da ich eh heute einen Impftermin hatte mal höflich gefragt, ob der Herr Doktor vielleicht mal schnell … Mal schnell war zwar dann nicht, aber ansonsten wie erwartet: Freundliches Schulterzucken, fachmännisches in die Luft gucken bis ihm Karpaltunnelsyndrom in den Sinn schoß. Also dass es das nicht ist konnte selbst ich schon diagnostizieren. Also Überweisung zum Hand-Chirurgen. Davon gibt es anscheinend in meiner Stadt derer zwei. Der eine hatte den nächsten feien Termin im Juni – oder war es Juli? -, der andere beorderte mich durch seine dem Kasernhof entstammende Artzhelferin gleich mal für 15 Uhr ein. Am Ende die Diagnose: „Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Könnte vielleicht … aber dann total untypisch … gehen Sie doch mal zum Neurologen.“ Immerhin entzündungshemmende Schmerzmittel bekommen, gegen die ich gerade echt nix einzuwenden habe.

Notiz an mich: Du hast einen E-Reader! Warum nimmst Du den nicht mit zum Arzt? Oder haben Dir 97 Minuten Wand anschauen sooo gefallen?

Die anderen halt mal wieder

Komme gerade von einem türkischen – genauer: alevitischen – Tanz- und Musikabend. Nicht ganz so mein Ding, aber ich bin halt, um meinem Mann einen Gefallen zu tun, mitgegangen, der davon irgendwie nie genug bekommen kann. (Er guckt sich jetzt die zweite Hälfte noch an – ich habe mich mit (echten!) Magenproblemen mal schon verabschiedet.)

Für eine gewisse Zeit finde ich das schon hören- und sehenswert – aber ich erkenne halt so gut wie keine Unterschiede, und wenn da einem nicht wirklich was erklärt wird, dann wird es ein Einerlei mit Unterschieden.

Derweil aber darüber nachgedacht, was eine gleichgroße Menge Deutscher im östlichsten Anatolien auf die Bühne bringen würde, wenn sie auch einen „Deutschen Tanz- und Musikabend“ veranstalten würde.

Meine Generation könnte wohl gerade noch ein paar Lieder der neuen deutschen Welle anstimmen, Lieder von Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer wären wohl auch dabei – ich würde sogar Stefan Sulke (!) anstimmen können -, und ganz Mutige dann noch BAP. Aber über die ersten zwei Zeilen würden wohl nur die wenigsten hinauskommen. Sehr wahrscheinlich käme es dann zum Absingen von Werbesongs – Vorsicht Ohrwurm: „Mars macht mobil, …“ –  Und Tanz, also ‚deutscher Tanz‘ … Fehlanzeige.

Meine Elterngeneration würden sicher noch ein paar Volkslieder mit allen Strophen hinbekommen und – jedenfalls die aus meinem Kreise – ausreichend Kirchenlieder mit allen Strophen bis der Arzt kommt. Aber – mal abgesehen vom biblischen Alter dieser Generation jetzt – wäre es mit dem Tanz auch nicht weit her.

Klar gibt es auf Dörfern immer noch besondere Tänze und Lieder, die aber nie eine regionale Verbreitung gefunden haben. Die aus dem Nachbardorf standen wohl schon längst in Konkurrenz. (Ich vermute, die Bayern muss ich mal ausnehmen, die bekommen außer Bier trinken dann doch noch paar Tänze und Lieder hin – aber gehört Bayern wirklich zu Deutschland?) Und wenn es dann noch Lieder und Tänze gibt, aus welchem Jahrhundert stammen die? Die sind gegen die Tänze und Lieder, die ich heute gehört habe, ja noch nicht einmal in der Pubertät.

Und selbst wenn ich in die E-Musik gehe, gibt es kein kollektives Wissen oder Erinnern an Musik. Test gefällig? Die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart kennt so gut wie jede/r: daa dada dadadada daa daa daa da da da da da daa …und wie geht es weiter?

Klar, es gibt Erklärungsmodelle, warum sich eine Tanz- und Liedtradition in Deutschland nie über Jahrhunderte flächendeckend entwickeln konnte – aber das ändert jetzt gerade nicht den neidischen Blick.

 

P.S. Es war meine erste Veranstaltung in einem Theater, dass mit einer Personenkontrolle am Eingang aufwartete. In welchem Land, in welcher Zeit leben wir denn?

 

o.B.

Schulterzucken des Arztes. Erklären kann er sich das nicht wirklich. Sich verstärkendes Aufeinandertreffen zweier Symptome?

Abwarten und beobachten ist nun angesagt. Ist jedenfalls besser als das andere.

Ganz anders

Danach reicht er mit ein Tuch mit der Aufforderung, die Glitsche vom Bauch zu wischen. Davor hat er eine Zeitlang an mir rumgemacht – aber die Sonographie hat nichts ergeben. Jetzt hat er einen Verdacht, der, wenn er sich bestätigt, mir so gar nicht gefallen wird. Blut ist abgenommen, Donnerstag weiß ich mehr.

„etwa“

Beim Arzt. Er studiert die Werte fast sätmlicher Flüssigkeiten und Ausscheidungen, die so ein Körper nun mal hergeben kann. „Mhm … joo … also … aha … mhm … so so …“ geht es gefühlte 20 Minuten. Dann hebt er den Kopf zu mir und fragt, als könne er es nicht glauben: „Trinkst Du Alkohol?“ Es fehlt nur noch das „etwa“ in der Stimme und der sofortige Verweis aus der Praxis. Ob es einen Schauspieler gibt, der in dieser Situation überzeugend lügen könnte? Ich versuche es erst gar nicht und nicke. Er studiert wieder eine Zeitlang die Zahlen. „Mach einfach mal halblang, dann hab‘ ich es wieder schön auf dem Bildschirm.“

Wenn er meint

Nein, was das Juckende da sein könne, weiß der Arzt auch nicht. Aber weil ich ja gerade vor ihm sitze macht er gleich mal ne Welle und jetzt bin ich mindestens (!!!) einen halben (!!!) Liter (!!!) Blut los zudem ist  für kommende Woche ein Gernalcheck angesagt und sobald ich das Impfbuch finde, wird er wohl auch da noch nachlegen.

4 – 90 – 2 – 5 – 20

Irgendwie wird man dann doch bescheiden. Nachdem ich jetzt vier Wochen auf den Arzttermin warten musste, ertrug ich es auch stoisch, nochmals eineinhalb Stunden in der Praxis warten zu müssen. Die Untersuchung und das ärztliche Gespräch dauerte dann ca. zwei Minuten. Dafür gab es aber fünf Minuten extra, wie die junge rumänische Ärztin mit zwei Fingern eine zu mischende Salbe Buchstabe für Buchstabe aus ihren handschriftlichen Unterlagen in dem Computer abtippte um dann Buchstabe für Buchstabe zu kontrollieren.

(Zwei Tippfehler hat sie dann doch übersehen – aber der Apotheker (bei dem ich auch noch 20 Minuten warten musste, weil er erst seine Bestände überprüfte, ob auch alles da sei) versicherte mir alles verstanden zu haben, um was es da geht.)

100!

Am Anfang habe ich so alle 10 bis 15 Minuten geschaut, wie viel Zeit seit der letzten Zigarette vergangen ist. Dann war es nur noch jede Stunde, schließlich jeden Tag. Jetzt schaue ich sehr unregelmäßig auf die kleine App, die mir sagt, wie lange ich nicht mehr rauche. 100 Tage sind es also nun, ich hab‘ unglaubliche 7 kg zugenommen und bin nun „hässlich, wie ein Bär“ (Shakespeare). OK, schätzungsweise rieche ich dafür etwas besser und meinen Hausarzt würde es auch freuen, wüsste er davon.

Ansonsten bin ich halt eine Sucht los, muss nicht dauernd planen, wann ich wo die nächste rauchen kann, wann ich das nächsten Päckchen Tabak kaufen muss etc. Ist schon stressfreier – aber irgendwie ‚gesünder‘ fühle ich mich nicht. Vernunftentscheidung eben, die werden selten mit irgendwelchen Glücksgefühlen begleitet.

Und manchmal vermiss ich sie schon, die gute alte Zigarette – aber wenn ich 80 bin, dann darf ich wieder.

Die Maßnahme (25)

Wenn ich mir überlege, was es bisher in dieser Einheit zu lernen gab, dann ist das Ergebnis nur erschütternd. Bisher wurden entweder Allgemeinplätze oder Veraltetes ‚gelehrt‘ und das wenige − das sehr wenige − was noch übrig bleibt, wurde nur sehr oberflächlich und unkritisch besprochen. Ein Blick in den Heijnk ist jedenfalls um einiges sinnvoller.

Dafür netten Chat mit N., die sich genauso langweilt. Auch sie weiß in der Zwischenzeit, wie ich nackt aussehe.

Dümmliche Gruppenarbeit ist angesagt. Frage die anderen, wie es ihnen ergeht. Die eine schreibt an einem Buch weiter, der andere weiß sie auch zu beschäftigen.

Eineinhalb Stunden spare ich mir und gehe mal zum Arzt – einer von zwei Gründen, mit dem man das Fortbildungszentrum verlassen darf.

„Hier ist nichts. Das, wonach du gesucht hast, ist momentan nicht unter dieser Adresse zu finden. Es sei denn, du hast diese Fehlermeldung gesucht – in diesem Fall: Glückwunsch, das war ein Volltreffer!“

Thomas Glavinic: Wie man leben soll

Ein paar Rezepte reicher.

Und dann mal wieder sinnlose Gruppenarbeit – wir blödeln uns so durch.

Geht auch so

Zu Beginn war es schon sehr gewöhnungsbedürftig, Du zu sagen. Aber in der Zwischenzeit ist es schon normal und erleichtert das Gespräch auch ungemein. Hätte ich mir nicht so vorstellen können, dachte, da wäre „professionelle Distanz“ wichtig. Die ist nach wie vor vorhanden, halt nur in der Sprache nicht. Ähh, es geht um meinen Arzt.

Anton Weyrother

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