Durch die Zeit

Tag: B.

Schwarzes Schaf

Der Bruder meiner Mutter, also mein Onkel, ist vor ein paar Tagen gestorben. Er wurde 93. Ich hab‘ ihn eigentlich gemocht, auch wenn ich ihn vielleicht nur zehn oder zwölf mal in meinem Leben gesehen habe. Er war so ein bisschen das schwarze Schaf in der Familie, weil er sich hat scheiden lassen. Und seine Kinder aus dieser ersten Ehe waren daher auch etwas schwarz, wobei ich den einen, also meinen Cousin B., wirklich sehr gerne mochte und der mal sehr wichtig war, bis meine Mutter meinte da reingrätschen zu müssen …

Seite Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) lese ich die SZ. Da nicht in München anässig, bekomme ich die Deutschlandausgabe, die von Todesanzeigen weitgehenst befreit ist. Heute aber in der E-Paper-Ausgabe was gesucht und zufällig auf eine Todesanzeige für den Onkel gestoßen. Dass er beruflich ein hohes Tier war, wußte ich, aber gleich Regierungsdirektor und zudem Bundesverdienstkreuzträger am Bande?

Das ganze noch ein weiteres Steinchen zum Mosaik, dass ich aus einer echt bescheuerten Familie dann doch stamme.

B. zu B.

Ich liebe einfach die Mails an meinen Großcousin B. Denn wir tragen den gleichen Vornamen und obwohl wir uns jetzt auch schon ein paar Jahre kennen und schreiben … es ist jedesmal eine kleine Besonderheit meinen Namen zu schreiben und nicht mich zu meinen.

Es wird auch mal wieder kürzer – nur heute nicht

Irgendwie komme ich so richtig gar nicht nach. Vor drei Monaten hätte ich aus den Erfahrungen der letzten 48 Stunden gut und locker für hier zehn Einträge verfasst. Jetzt reicht es gerade für ne kleine Liste, weil mir die Müdigkeit aus den Augen quillt, ich morgen um 7 raus muss, weil ich für Verein 1 um 8 in Aktion sein „will“ …

  • Yoga: Ich möchte mich definitiv nicht dabei sehen müssen und bemitleide die österreichische Lehrerin für den Anblick. Aber es tut einfach nur gut! Mit nur Yoga-Hose und nur leichtem T-Shirt und sonst nichts, ist es echt noch ne Ecke intensiver.
  • Bibliothek: Begegnung der 3. Art. Das Müffelmonster hinter dem Tresen für Rückgabe überschlägt sich vor Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Ich brauche unbedingt eine neue Version des Ausweises. O-Ton: „Da wir uns so gut kennen, machen wir das einfach mal auf dem kleinen Dienstweg – Sie bekommen in den nächsten zwei, drei Wochen ne Mail!“ Die Mail kam heute.
  • Warum hat „n1gw“ ihren Blog so plötzlich auf privat gesetzt?
  • Job 2: Die fachlich fundierte Kollegin muss sich Kinder-krank melden. Drei Kurzberatungen bleiben an mir hängen. Ich schwimme bei allen drei. Ich frage bei ihr nach – alles richtig gemacht.
  • Job 1: Der AL schmeißt mich mit Geheimaufgaben zu. D.h.: Er hat die Nase von Kollegin M.B. voll (ich eh) und M.B. wird mich kreuzigen und auf Ewigkeiten verfluchen, wenn sie mitbekommt, was ich da mache. Zugegeben, ich komme in einen leichten Loyalitäts-Konflikt – aber bei der Abteilung, ist ja eh nix zu holen. Dennoch, hab‘ das WE zum Denken.
  • Ist es verwerflich, dass ich einem Kandidaten, dessen schriftliche Arbeit ich heute dann doch schon korrigiert habe, einen halben Punkt zuschusterte, damit er nicht die Prüfung wiederholen muss?
  • Erotik wandert durchs Gemüt.
  • Letztes Jahr las ich mal irgendwo den Satz: „Nie erledigt man so viel, wie am Tag vor der Fahrt in den Sommerurlaub“. Mir scheint gerade, dass ich seit zwei Monaten jeweils am nächsten Tag für sechs Wochen in den Urlaub fahre.
  • E. würde jetzt vielleicht sagen: „B. hat Oberwasser.“ Es fühlt sich gerade so an, aber es ist ’nur‘, dass man mir Aufgaben zutraut. Die hätte ich auch alle in den letzten vier Jahren schon machen können. Arbeitslosigkeit ist in diesem Land selbstverschuldetes Elend – in vielen anderen Ländern ein gesellschaftlicher Missstand.

WMDEDGT 10/18

Wie so gut wie jeden Monat mache ich bei Fau Brüllen mit.

3:00 – Ich in also nicht alleine um die Uhrzeit wach. Aber im Gegensatz zu X. greife ich nicht zu einem Buch, sondern spiele Walzmaschine, wobei ich irgendwann dann wohl doch wieder einschlafe.
8:00 – Das Tablet klingelt und mir dämmert, dass ich ja gar nicht zu Hause bin.
8:07 – Kindergeschrei. Das kann nur H. sein. Also doch auch mal aufstehen.
8:25 – am Tisch mit B., I. und der einjährigen H. Frühstück mit Kaffee und Brötchen, dazu Themen von Suizidalität, Angsterkrankung, Urlaubszielen, Kindererinnerungen … am Schluß sitzen B. und ich noch kurz vor dem Computer und hauen uns gegenseitig eins auf die Mütze.
11:30 – B. bringt mit zum 30 km entfernten Bahnhof, wo wir früh ankommen und weiter klönen kommen.
12:30 – Die Bahn machts hin und wieder doch möglich: Pünktliche Abfahrt – aber was will das schon bedeuten?
15:01 – Diesmal erstaunlich viel, ich komme sogar pünktlich wieder an. Im Zug beim Rausschauen und Nachdenken mir dann aufgefallen, dass ich meinen Vornamen in den letzten 24 Stunden so oft gehört habe, wie sonst in einem Monat wohl nicht. Liegt einfach daran, das B. und ich den gleichen haben und seine Frau ihn immer (!) mit Namen anspricht. Hat mich zwar auch immer hochschrecken lassen, aber aus ihrem Mund klingt er auch irgendwie richtig gut.
15:15 – Brot zwischen die Lippen, die Wahlbenachrichtigung ist für mich nun auch mal gekommen, Internet, etwas Seelenheil, Mails, Wäsche aufhängen, Bier in den Kühlschrank legen, Vorräte checken, Tee kochen, kurz telefonieren und jetzt die Überlegung: Noch was hinlegen oder nicht?
16:35 – Die Enscheidung ist für die Tageslektüre gefallen. Also schlage ich Seite 726 von „Über den Prozeß der Zivilisation“ von Norbert Elias auf.
16:45 – Mir fallen einfach die Augen zu, also doch ne Runde aufs Bett.
17:15 – Noch ein paar Seiten Elias und ein paar Seiten „Parzival“ von Eschenbach.
17:45 – Youtube gucken – was ist denn mit mir heute los?
18:30 – Doch mal Küche. Eigentlich hatte ich auf Youtube nurmal schnell gucken wollen, ob es noch Geheimtipps für Rösti gibt. Nein, gab es nicht.
19:15 – Niemand will anscheinend kommen, also mach ich mir einen selber.
19:15 – Es klingelt, E. stappft die Treppen hoch!
19:35 – Rösti mit Lachs, Meerrettich aus (2 x e, 2 x r, 2 x t) dem Glas und Salat.
20:00 – Nachrichten
20:15 – Wir suchen nach einem Film und verlieren uns in Diskussionen über Hilperts Hotel (also die Frage, ob, wenn man zwei Unendlichkeiten addierte, es zwei Unendlichkeiten sind oder doch nur eine) und über das Wesen von Primzahlen. (Habe ich schon mal erwähnt, dass, wenn E. und ich zusammen sind, schon mal was Ver-Rücktes passieren kann?).
21:10 – Mein Mann kommt nach Hause. Rösti will er nicht mehr, aber Salat.
21:30 – Die Frage, ob Primzahlen endlich sein können oder doch nicht schlägt jegliches TV-Program.
23:50 – Angesichts der letzten Nacht, angesichts der Nacht davor, angesichts der Nacht vor der Nacht davor, angesichts der Nacht vor der Nacht vor der Nacht davor, angesichts …. kurz: Ich versuch mal einfach pennen zu gehen.

Arschkarte, die

  • Im Job vier lange Stunden eigene Beschäftigungstherapie ohne Sinn, Verstand und Zukunft.
  • Termin bei Verein 2. Den letzten habe ich ja ausfallen lassen, weil ich keine Lust habe, Statist bzw. Claqueur zu sein. Aber mein schlechtes Gewissen treibt mich zu dem. Wieder nur Staffage. Jetzt bin ich am überlegen, gar nicht erst bis zur nächsten Mitgliederversammlung zu warten, sondern gleich die „Mitarbeit“ weitgehend einzustellen.
  • Vor Termin bei Verein 1. Allgemeine Begrüßung. B. kommt, ich begrüße sie freudig, versuche ein Gespräch mit ihr zu beginnen. Von ihr kommt nix. Ihr Mann und sie waren schon hier beim Essen, sie waren auf der letzten Fete … aber ich habe echt nicht das Gefühl, dass ich für sie irgendwie von Interesse bin.
  • Termin bei Verein 1. Der Vorstand, zu dem ich seit Jahren gehöre, muss ich von einem als „unfähig“ bezeichnen lassen. Als ich ihn zitiere, behauptet er, das hätte er „nie“ gesagt. Ich weiß, dass er der ewige Nörgler ist – aber es gibt einfach grenzen. Eine andere wirft mir vor, ihr das „nie“ gesagt zu haben, wobei ich es ihr in den vergangenen drei Wochen mindestens vier mal erklärt habe.

Fazit: Um ein paar Leute werde ich mich jetzt einfach nicht mehr bemühen. Auch wenn mir dann noch mehr an Kontakt fehlt, aber ich habe keine Lust den Grüß-August zu machen um die Eitelkeit der anderen zu schmeicheln.

Ansonsten bleibe ich ratlos.

Aufgeschoben, nur

Für morgen hat B. jetzt gerade leider abgesagt. Schade. Sehr schade. Denn er ist einer der ganz wenigen, der auch über eine gewisse Dauer / Länge ein erotisches Knistern beibehalten kann, ohne dass es langweilig wird oder gleich ‚im Äußersten‘ endet.

Er hat auch signalisiert, dass er demnächst gerne Lust auf Fotos hätte. Soll er haben. So wie immer. Gerne doch.

Ände/rung einer Ära

Es waren wohl an die 15 Jahre, dass ich morgens runter zum Briefkasten bin, um meine geliebte SZ zu holen. Denn was ist ein morgen ohne Zeitung? Früher gehörten dazu noch ne Tasse Kaffee und zwei Zigaretten – aber Zeiten ändern sich, jetzt wird die Lektüre von einem Becher Tee begleitet. Nun aber, wenn es die Temperaturen zu lassen, komplikationslos ohne Hosen, denn seit zwei Tagen lese ich sie digital.

In der alten Wohnung habe ich mich zuletzt öfters mal ärgern müssen, dass sie einfach zu spät kam. Und als B. mir zeigte, wie einfach das auf so einem Tablet dann sein kann … und ich jetzt ja auch eins habe … und etwas sparen muss, da ich ja auch noch Netflix habe … und Rohstoffe ja wichtig sind … und ich immer fauler werde, Altpapier wegzubringen …

Und wie mir scheinen will, verändert sich das Leseverhalten etwas und – da ich sie ja jetzt überall dabei habe – lese auf alle Fälle mehr, interessanterweise viel aus dem Wirtschaftsteil, der sonst nicht gerade so im Zentrum stand.

Schaden tut das alles nicht.

Von vor 10 Jahren

happy birthday b.!

Kategorie: diverso

11/07/2007 08:50:00 AM

heute hat b. geburtstag, der einzige mensch, den ich persönlich kenne, der auch meinen vornamen trägt. ich bezeichne ihn immer als einen großcousin von mir (was es aber wohl gar nicht gibt). jedenfalls ist er der sohn eine cousine meiner mutter (oder so).

bisher haben wir uns nur dreimal gesehen, einmal als wir noch kinder waren und dann in den letzten jahren einmal bei ihm in s. und dann bei mir in k.

als er kurz nach dem tod meines vaters telefonisch kontakt mit mir aufnahm, war das extrem komisch. ich hatte irgendwie nicht mehr mit seinem anruf gerechnet.

ich meldete mich mit „b.“ und er ebenfalls mit „b.“. worauf ich hin „ja“ sagte und er nochmals „b.“ da fühlte ich mich dann doch schon leicht verarscht und meinte: „ja, so heiße ich“. darauf lachte er und meinte: „ich ja auch“.

lag dann auf dem bett und telefonierten ewig. er und christian brückner sind die menschen, dir mir auch eine telefonbuch vorlesen können und ich wäre sowas von gespannt und aufmerksam.

herzlichen glückwunsch b., und komm endlich mal wieder rüber!

Genossen!

Heute Vorstellungsgespräch bei der Wohnbaugenossenschaft. Der ehrenamtliche Vorstand wird seiner Aufgabe gerecht und fühlt den potentiellen neuen Mietern und daher auch Genossen mal kräftig auf den Zahn. Der Vorsitzende macht eins auf joval und locker, der zweite ist für das Praktisches zuständig und der dritte ist da, weil ein Zweier-Vorstand bei zwei Bewerbern blöd aussieht. Die eine von zwei Fragen, auf die wir uns vorbereitet haben kommt gleich zu Beginn: Woher kennen wir denn diese wirklich kleine Wohnbaugenossenschaft? Ich erzähle von der Ex-Kollegin B., die damals … und von Freunden, die letzte Monat … . Das von beiden Seiten bemühte aber überaus freundliche Gespräch dauert eine viertel Stunde, wir dürfen schon mal die Farbe des Bodenbelags aussuchen und kund tun, dass der Durchbruch zu gemacht werden soll und wir auf eine zusätzliche Tür für das gefangene Zimmer verzichten können – dann bittet man uns, im Nebenraum zu warten. Wenigen Minuten später: Wir bekommen die Wohnung und zwar zu unserem Wunschtermin 1.1. (weil wir sonst zwei Doppelmieten hätten zahlen müssen).

Auf dem Weg zurück kaufen wir noch im Supermarkt Bier (alkoholfrei – man kann auch ohne Alkohol feiern! (wenn man genug Wein zu Hause hat)) und treffen, klar, die B. (von oben), die wir seit gut sieben Monaten nicht mehr gesehen haben.

„I will survive“

Ich müsste einen neues Blog aufmachen, ich müsste mindestens ein Jahr Dinge posten, damit man den Witz kapiert.

Heute große Geburtstagsfeier von Verein 1. Tolle Location, Büffet war halt Büffet, Stimmung trotz Verabschiedung der langjährigen, guten und beliebten Geschäftsführerin entspannt und locker. Und irgendwann kam eben das hier:

Ich saß an einem Tisch mit ein paar anderen Leuten, beugte mich dann zu B. hinüber und meinte: „Ist schon mutig, dass bei ‚unserer‘ Geburtstagsfeier‘ zu spielen“ – woraufhin B. erst stutzte und dann fast das Weinglas hat fallen lassen vor Lachen.

Ja, sorry, das ist ein Insider, ein totaler, und ich vermute, die zwei, die das hier kapieren könnten, kapieren es auch nicht so richtig, aber mir ist es wichtig, das festzuhalten, denn wenn ich die Aufgabe von Verein 1 in einem Song zusammenfassen müsste, dann der hier. Denn genau das versuchen wir zu vermitteln.

Zudem: Ich kenne keine schwule Fete, auf der dieser Song nicht lief. Und es ist im Grunde der einzige Song, der mich auch fast immer auf die Tanzfläche jagt(e) (und das will bei mir was heißen, denn ein Song, der mich noch öfters auf die Tanzfläche gejagt hat, gibt es nicht). Bei ARTE lief vor wenigen Wochen eine richtig gute und auch für Heten sehenswerte zweiteilige Dokumentation über schwule Hymnen, die man HIER nachgucken kann.

 

Sprunghaft

Lese gerade das Tagebuch von 1954 von Alice Schmidt. Sie war die Ehefrau des Schriftstellers Arno Schmidt, den ich ja hochverehre. Und sie schildert darin u.a. eine Reise nach dem Flecken Ahlden und Berlin (der Link ist echt geil!!!!). Arno Schmidt hat daraus dann den wirklich tollen Roman „Das steinerne Herz“ gemacht (er sei jedem, der gute Literatur lesen will, auf das Wärmste empfohlen!). Und während ich das so lese, wie sie beide durch die Straßen laufe, erinnere ich mich so was von genau daran, wie ich vor ein paar Jahren mit dem Rad extra nach Ahlden gefahren bin, um mir das dort vor Ort anzuschauen.

Und dann muss ich an B. denken, der gerade mal 65 km davon entfernt lebt – und morgen wohl zum dritten Mal Vater wird.

Nicht mehr alleine

Die, die mich etwas näher kennen, wissen, dass ich bis vor drei Jahren einen unglaublichen Aufwand mit meine Unterwäsche getrieben habe (Siehe auch hier, Punkt drei). Beste Stoffe, exquisite Marken, nur das Beste vom Besten und natürlich alles irre teuer. Gott sei Dank war ich nie so blöd und habe mir ausgerechnet, was so mancher Quadratzentimeter denn umgerechnet gekostet hat, schließlich sind an manchen (dreieckigen) Dingern ja nicht wirklich viel dran.

Mit dieser Leidenschaft stand ich wirklich alleine auf der Welt. Stand! Denn jetzt habe ich immerhin einen gefunden (B.), der genauso begeistert über ein bestimmtes Teil sein kann wie ich.

Zwischen Aperol und Grappa

Die Schwester auf Besuch. Muttern gibt ihr Geld mit für ein Abendessen. Also heute beim wirklich guten Italiener.

An einem der Nachbartische zwei Männer. Ich würde sie älter als mich schätzen, daher dürften sie gerade so mein Alter haben. Der eine sitzt ähnlich verknotet am Tisch wie ich es auch gerne tue und hört dem anderen zu. Sein Gegenüber ist am Reden, als würde er Geld dafür bekommen. Mich erinnert die Szene dann sehr an P. und mich. Von der Intensität die uns verbindet, sieht der Betrachter also nichts.

Etwas später nimmt Großvater und Enkel am Nachbartisch Platz. Ein Blick reicht und ich bin in den ca. 10-jährigen Enkel verliebt, da er mich an B. erinnert, den ‚kleinen‘ Bruder meiner Patentochter. Und er ist wie B. Mit ausgesuchter Höflichkeit fragt er beim Großvater nach, ob er die Pizza „mit den Händen“ essen darf (er darf selbstverständlich) und beginnt eine Anti-Liebesgeschichte aus der Schule zu erzählen, so dass Großvater und ich danach in lautes Lachen ausbrechen. Mir ist das im ersten Moment peinlich, aber danach weicht weder er noch ich den gemeinsamen Blicken aus und ich hab‘ das Gefühl: Ist OK.

Zwei Tische weiter ein Freundinnen-Pärchen. Die eine kennt über geschätzt 17 Ecken meinen Mann und tut aber so, als ob sie dicke Freunde wären und nur durch das Unbill des Schicksals nicht am selben Tisch sitzen würden (was mich veranlasst hätte, spontan unwohl zu sein). Jedenfalls kommentiert sie übergriff was wir und was sie auf dem Teller bzw. in den Gläsern haben.

Die türkische Servicekraft (ein exellenter Meister seines Faches) macht wie immer eins auf italienisch und nennt mich permanent „Dottore“. Keine Ahnung warum erst heute, aber jetzt ist er eben der „Professore“. Ehre, wem Ehre gebührt.

Eigentlich ganz einfach

In letzter Zeit erfreute ich mich an den Kommentaren einer bestimmten Person. Die waren irgendwie sehr frisch, mit Witz und Verstand. Dann sind sie mir aber immer unheimlicher geworden, weil ich feststellen musste, dass diese Person etwas mehr von mir kennen muss, als dass ich im Blog preis gegeben habe. Und letztens kam dann noch ein Beitrag, der ganz deutlich so zu deuten war, dass sie sogar weiß wo ich wohne. Da bin ich dann doch ganz schön arg ins Grübeln gekommen, da mir der Nick so gar nichts sagen wollte. Erst hatte ich irgendwie A. im Verdacht, dann B. – aber das konnten beide aus verschiedenen Gründen nicht sein. Erst eine SMS dieser Person hat zumindest mein Un(ter)bewußtstein angeregt und in nicht einmal 48 Stunden – oh ja, ich war schon immer ein Schnellmerker und Blitzdenker – kam mir dann, wass der Nick zu bedeuten hat. Eigentlich ganz einfach die Lösung.

Und ja, logisch, dass sie weiß wo ich wohne, war die Person schon hier und logisch, dass sie selbst über mein Sexleben das ein oder andere weiß, schließlich war das indirekt und direkt schon Thema. Wenn ich sie das nächste mal sehe, dann werde ich mal fragen, ob ich mit einem meiner Kommentare / Beiträge ihr in der Zwischenzeit auf den Schlips getreten bin, denn ich hatte es so gar nicht auf den Schirm, dass sie mitliest – andererseits warum sollte sie nicht.

Sag ich einfach, damit die Person auch weiß, dass ich sie meine: Freu‘ mich auf das nächste Treffen bei der ‚Spanierin um’s Eck‘.

2 + 2

Da scheinen sich zwei „Sorgenkinder“ herauszukristallisieren. Bei P. nach wie vor alles arg unklar und damit auch leicht beängstigend und bei B. wohl so ein Beziehungsgedöhns.

Im Gegenzug ist die Exfreundin gerade sehr schreibfreudig und ausgeschlossen und plötzlich meldet sich auch noch A. aus der Vergangenheit.

Proust läuft

Es wird zwar jetzt nicht so wahnsinnig viele interessieren hier, aber scheinbar gibt es erste (!) bewegte (!) Aufnahmen (!) von Marcel Proust (!): https://www.nytimes.com/2017/02/16/books/marcel-proust-film-movie.html?_r=0

Mit Danke an B.!

Fremdkochen

Beim ‚Weihnachtsessen‘ mit der Abteilung sind auch die alten Kollegen eingeladen. Ein älterer Herr kommt strahlend auf mich zu: „Freut mich Sie wieder zu sehen!“ Ich habe nur Fragezeichen in den Augen, ich kenne den Herrn nicht. „Und meine Frau und reden immer noch von dem Essen!“ Wenn es eine Steigerung von Fragezeichen in Augen gäbe, man würde es mir ansehen. „Alleine die Fleischbrühe!“ Aha! Langsam dämmert es ihm, dass mir überhaupt nicht dämmert und er beginnt umständlich  zu erklären … bis auch ich mich erinnere, dass ich letztes Jahr zweimal bei S. und B. gekocht habe, ohne mitessen zu müssen. Und einmal war dieser Herr mit Frau zu Gast. Nachdem das also geklärt ist, atmet er tief durch und fragt: „Würden Sie das auch mal für uns machen?“

Es gibt auch Ausrufezeichen in Augen.

‚Entlastung‘ – oder: Pauschalierung macht’s halt einfach

Schoß mir gerade in den Kopf. Ich bin ja der einzige (offen lebender) Schwule in meiner Familie. Und da Vaters- und Muttersfamilie alle aus dem katholischen … Also war das für meine Eltern halt immer schon so ein Crux (sic!), dass gerade sie nen schwulen Sohn … und jetzt kapiere ich gerade als meine Mutter letztens anrief, um mir mitzuteilen, dass es Tante B., ihre jüngste Schwester, ja ganz, ganz, ganz schwer hätte, da deren ältester Sohn, S., Moslem geworden ist!

Es gibt also Schlimmeres.

Und da ist einfach so vernunftsunmäßig, so blöd, so … nur weil manche schwul sind, meint irgend so ein Typ in Amerika – dank der ‚genialen‘ Waffenpolitik – 50 Schwule abzuknallen, worauf hin der nächste Gehirnamputierte meint ein Einreiseverbot … erlassen zu wollen, für alle, die gefährlich sind …

Warum fehlt es den Menschen am Mut zu denken? Weil den Finger auf andere zu zeigen einfach leichter ist.

 

 

Mit etwas Mühe

Hat mich dann doch länger am Schreibtisch gehalten, als ich dachte. B, der vor ein paar Wochen hier war, wollte unbedingt das Rezept für „Gaisburger Marsch“ haben, was es abends gegeben hatte. Aber wie erklärt man mit Worten, wann ein Spätzleteig richtig ist? Und ich habe noch nie das Gemüse abgewogen, was bei uns die Fleischbrühe kommt, selbst das Fleisch kaufe ich immer per Augenmaß. Und die Abfolge der einzelnen Arbeitsschritte sind mir ja geläufig, auch, was man parallel machen kann, aber wie beschreibt man das gut?

Er wird berichten und dann werde ich hier berichten und dann werden wir ja gesehen haben, was aus meinen Aufschreibkünsten geworden ist.

#284 – Es war einmal

mum04

Die ehemalige Kollegin B. mal wieder auf einen Kaffee, auf einen Sekt, auf einen Suppe, auf einen Excel-Besprechung  zu Gast. Sie ist ausgebildete Fotografin und mit meinem ‚Werken‘ eigentlich nie einverstanden. Egal. Im Flur sieht sie obiges Foto, stellt sich mit verschränkten Armen davor und lobt. Dann grinst sie mich schelmich an und meint: „Dein weißen Typ da unten kenne ich ja wohl auch.“ (Ich muss wohl dazu sagen, dass der obere Typ ich selber bin und ich davon ausgehen kann, dass B. das weiß, denn es gibt genug Akte von mir, die sie gesehen hat.) Ich schaue arg ungläubig, sie ergänzt, noch breiter grinsend: „Rothaarig!“ In mir rattert es, wo sie denn M. kennengelernt haben könnte – doch dann fällt bei mir der Groschen, sie meint nicht M., sie meint unseren gemeinsamen Ex-Kollegen A.!

Ich kommentier das jetzt mal aus verschiedenen Gründen dann doch lieber nicht.

Dann halt so

Der Sex heute Nacht mit B. war mal wieder ausergewöhnlich gut. Warum er ihn in der Halböffentlichkeit haben wollte ist mir genauso schleierhaft, wie das Experiment mit den einmal mit Salzwasser und einmal mit Süßwasser gefüllten Hunden.

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich gerne mal irgendwie einfach nur schlafen möchte?

Weitere Erkentnisse

Als ich die Frage des Taxifahrers, der mich auf den Waldfriedhof bringen sollte, ob denn da heute eine Beerdigung sei, mit einem recht knappen „Ja“ ausreichend beantwortet hatte, brauchte er mehrere Minuten, um etwas Tröstliches zu finden: „Immerhin – es regnet heute nicht!“

Dass meine Elterngeneration nicht mehr zu den Jüngsten gehört, versteht sich, und daher auch kaum verwunderlich, warum ich den ein oder anderen Onkel bzw. die ein oder andere Tante extrem schwer erkenne. Liegt aber vielleicht auch schlichtweg daran, dass man sich so alle 10 bis 15 Jahren überhaupt sieht.

Der ältere, korpulente Mann dagegen, der die ganze Zeit in der Gegend rumsprang und alles organisierte und richtete, ging mir mit seiner ‚Übersicherheit‘ gehörig auf den Wecker. Er entpuppte sich dann als mein absoluter Lieblingscousin von früher – aber auch hier, das letzte Treffen noch zu Lebzeiten meines Vaters.

Cousine T. und B. dagegen nur angemessen gealtert und vorallem B. wieder mit ihrer sehr eigenen forschen Art. Nach den bei ihnen obligatorischen Wangen-Luft-Küssen die Frage: „Stand da nicht mal Paris auf dem Plan“ (wo sie lebt). Und sie scheint es diesmal irgendwie ernst zu meinen.

Und das Schlimmste: Alle nehmen für mich dort eine Abkürzung meines Vornamens, von dem ich dachte, das macht nur meine Mutter – und der kann ich es ja schlecht verbieten. Aber nein, alle Tanten, Onkels und Cousinen, ach da ist ja der …. und dann endet der Name auf einem langen „i“. Wie scheußlich!

Dauerorgasmus

B. ist da!

Was für eine Stimme!

Was für ein Typ!

B. kommt sicher!

Dem ein oder anderen erzähle ich ja gerne, dass ich mich früher (also minus 25 Jahre von heute) mit Freunden auf Besuche in der jeweiligen Stadt für ein Wochenende per Brief oder Postkarte verabredet habe. Nix noch schnell ne Mail oder noch eine Stunde vorher ne SMS. Das war normal.

B. kommunizert mit mir über das gemeinsam gehasste Facebook aber sowas von kurzfirstig, dass er morgen kommt. Uff! Immerhin weiß ich das. Etwas später von ihm noch eine Nachricht: Wohin er denn genau kommen soll, also welche Straße, welche Hausnummer.

Ich sag jetzt mal nix dazu.

B.

So wie es aussieht kommt in vier Wochen mein Großcousin B. zu Besuch. Das wäre dann das fünfte Mal in unserem Leben, dass wir uns sehen.

Ich mag ihn sehr und in seine Stimme bin ich komplett und hoffnungslos verknallt.

Als wir uns das letzte Mal vor sieben oder acht Jahren sahen, saßen wir zusammen beim Abendessen. Er hat zwei mal das Bier vom Tisch gewischt und x-mal die Gabel fallen lassen, weil er total nervös war. Die Tischdecke danach sah aus wie sau.

Ich kenn‘ ihn, seit ich etwa 13 bin und er war von da ab immer ein Begriff, jemand besonderes, jemand … egal. Er kommt!

Premiere

Nachdem Nummer eins und Nummer zwei in der Zwischenzeit ‚abgearbeitet‘ sind, stand heute also Nummer drei auf dem Plan.

Da es das erste Mal war, habe ich es mir einfach gemacht

  • Gefüllte Wachteleier
  • Bunter Salat mit gebratenen Pilzen und Fenchel-Dressing
  • Ravioli mit Ricotta, Nuss und Basilikum + Zitronenbutter
  • Saltimbocca alla romana (ok, wurden den Involtinis, weil die Fleischfachverkäuferin den Rekord im dünn schneiden von Kalbsschnitzel aufgestellt hatte) mit Kartoffeln und Bohnen
  • Creme Carmel mit kandierten Mirabellen

Ravioli und die Creme habe ich mittags schon zu Hause gemacht und dann halbfertig / fertig mitgenommen. Der Rest dann vor Ort.

Was habe ich gelernt:

  1. Mit den Gastgebern einen Zeitplan ausmachen, wann welcher Gang in etwa serviert werden soll. So war alles auf Abruf, was gewissen Garzeiten nicht wirklich bekam. Zudem schwätzen sich Leute wohl tierisch fest.
  2. Nicht davon ausgehen, dass Mehl in einer Küche vorhanden sein könnte. Kurz: Noch mehr mitnehmen, vor allem die Kleinigkeiten, die man zur Garnierung oder für das gewisse Extra braucht.
  3. Nicht neidisch werden, dass andere eine so große Anzahl von Luxus-Töpfen (ca. 20) und Luxus-Pfannen (ca. 12)  haben, von denen man nur träumen kann.
  4. Es ist im ersten Moment gar nicht so einfach, die Gerichte nacheinander zu kochen. Denn beim Salat muss man schon schauen, was das Wasser für die Ravioli machen und bei den Ravioli muss man schon mal die Bohnen im Auge haben. Aber das würde sich vereinfachen, wenn 1) geklärt ist.
  5. Wenn man nur in der Küche steht, kann man das ‚Lob‘ der Gäste wirklich nur von den leergegessenen Tellern lesen. Im Moment gerade etwas unsicher, ob mir das reicht.
  6. Man sollte Visitenkarten dabei haben.

Macht

Heute morgen rauschte kurz der Abteilungsleiter zu mir rein. Er sah das kleine Notebook auf dem sonst leeren Schreibtisch stehen und meinte: „Das nennt man hier technische Ausstattung?“ Und ehe ich fragend oder bejahend oder wie auch immer blicken konnte, war er wieder draußen.

Wenige Minute später stand einer von der Technik vor mit, bepackt mit Maus, Tastatur und ’nem schicken Bildschirm.

Alles war gerade wenige Minuten installiert, als der Abteilungsleiter wieder reinrauschte und fragte: „Ah, vorhin ganz vergessen: Guten Start gehabt?“

Den Fuß in der Tür

Der Ehemann von S., B., hat ja dafür gesorgt, dass ich heute bei deren beider Oberchef mal vorstellig werden konnte. Ich bin davon ausgegangen, dass das so ein Informationsgespräch wird, dann saßen aber noch zwei andere im Raum und eine Stunde später war klar:  ab Montag arbeite ich für die nächsten beiden Monate dort nun halbtags und darf für die Texte deren nicht geraden kleinen HP sorgen.

Immerhin.

Stellt sich die Frage: Wie macht man sich dort unentbehrlich? Denn der Laden wäre in Größe und Ausrichtung schon was, mit dem ich kann – und auffallend war bei der ersten Runde schon, dass das ne freundlich-offene Stimmung ist. Und dass Frau Pressesprecherin mich dann sogar kannte …

Der Tag *

Ab 5:30 wird zwar nicht zurückgeschossen, aber spätesten da ist meine Nacht zu Ende, da wälze ich mich dann irgendwie rum, schlafe immer wieder ein, träume immer wieder irgendwelche Scheiße, mache mir Gedanken über „wie-geht-das-wohl-weiter“ und fühle mich hin, ob der Pilz mal wieder sich an delikater Stelle sich ausgebreitet oder den Rückzug genommen hat.

Kurz nach acht dann doch auf, wenn auch ohne Lust, nach Bad-Gang die übliche halbstündige Niesattacke mit SZ-Lektüre. Meine Mann machte sich derweil vom Acker, der will zwei Tage noch auf der Burg schuften.

Den restlichen Vormittag vor dem Computer, erst die eine Mail an E. beantworten, dann noch ein paar Mails ehrenamtlicherweise und schließlich die lange, lange Suche nach kostenfreien epubs. Jetzt habe ich 150 Dateien auf dem E-Reader, was wohl an die 500 Bücher entspricht – aber ich bin noch nie so unglücklich hinsichtlich Lektüre in den Urlaub gefahren. OK, im Gesamtwerk von von Keyserling werde ich noch was finden, aber alles andere ist Not-Lektüre: Homer, Platon, Zola, Hugo, Dumas, Weiß, Shakespeare … halt alles ‚altes‘ Zeug aus meist Kategorie zwei. OK, etwas Zeitgenössisches ist noch – verbotenerweise – auch darunter, aber nix, was mich so richtig anspricht. Echt, auf den Kauf von Unterhosen, Klamotten, CDs, Küchenutensilien und was auch immer … no problem, aber Bücher?

Nach nem kleinen Mittagessen bei gaga hängen geblieben, Platz 35 schaffe ich zwar nicht mehr vor dem Urlaub – aber bis Ende des Jahres jetzt dann doch locker.

Und dann stand B. vor der Tür, der jüngere Bruder meiner Patentochter S. Er hätte gehört, ich würde heute für sie kochen. Als ich erläuterte hatte, dass ich vorgestern der Mutter gegenüber ausgedrückt hatte, man könnte ja gemeinsam kochen stand schon die Schwester S. vor der Tür. Nochmals die selbe Erklärung, dann rief die Mutter J. an.

Nach einigem Hin-und-Her folgender Speiseplan:

Dazu das Agreement von J.: „Du kaufst ein, Du kochst – ich mache die Küche, ich zahle!.“ Da stimmte ich doch gerne zu.

Mit der Patentochter dann zwei Stunden in der Küche – und da war irgendwie toll. Denn irgendwie wollte sie schon wissen, wie ich was warum so koche – und hat mich echt gelöchert -, andererseits hatte ich zwar das Heft in der Hand, aber S. hat gekocht und getan und angerichtet und … jedenfalls so, dass man sagen konnte: Ihr Werk. Und dazwischen hatten wir noch Zeit ganz locker und ungezwungen darüber zu reden wie es ihr geht, was das Studium macht, der Freund, die Zukunft … so ein Patenonkel-Patentocher-Gespräch in lockerster Atmosphäre.

Dass ich derweil der Kochpoetin nicht immer gefolgt bin, versteht sich. Hatte zum Teil anderes Ausgangsmaterial (Schlegel) oder auch Fehlendes (Minze) oder auch Unverständnis (warum die Karotten raus?) …  und während ich S. erklärte, warum sie was wie zu tun hätte fiel mir irgendwie auf, dass ich seit ich ihren Blog lese, in der Küche freier, mutiger, selbstbewußter, kreativer …. geworden bin. Ich kann das echt an nix Konkretem festmachen. Aber lese ich eines ihrer Rezepte, dann sehe ich die Arbeitsschritte vor mir und zugleich meine Varianten, Weglassungen, Hinzufügungen, Änderungen, Ergänzungen. Und ich lese viele Rezepte, wirklich, aber die von ihr … magic!

Abendessen war gut, auch wenn ich merkte, dass alle drei Redebedarf hatten, also gucken, dass jede/r zu seinen Zeiten kommt. Noch mitkommentiert den Probezeltaufbau von S., die sich nächste Woche nach Norditalien abmacht und als Onkel es natürlich nicht lassen können, ihr eine halbe Stunde lang vor google-earth zu erklären, wo gut wo nicht, wo guter Campingplatz wo doof – immerhin habe ich klar gemacht, dass sie mitschreiben soll. Aber habe ich damals auf so was gehört? Ja! Wenn es der Lieblingsonkel war! Aber der war Priester und erzählte immer eher was von Sünde und so …

B. tut mir mal wieder etwas leid, er kommt in der Familie nicht zu seinem Recht. Ich mag ihn, aber die Themen die er hat, die sind mir so fremd. Aber er hat heute ohne Protest den Salat gegessen und todesmutig ne Schnecke probiert (wobei es bei der einen dann nicht blieb). Als Nächstes habe ich Tauben in Aussicht gestellt … das scheint angekommen zu sein.

Und das war es dann auch. Jetzt zappe ich noch etwas, werde noch meine Handy-Farm besuchen und für Ordnung suchen und morgen?

Morgen: Hör-CD zurück in die Bib, Hörstöpsel kaufen (die 35-Euro-teuren vom letzen (!) Jahr haben heute endgültig den Geist aufgegeben) und sonst mögliche weitere Absagen ablegen … jedenfalls nichts, was mich animiert, morgen freudig aufzustehen.

„Der Tag“ ist übrigens ein wöchentliche aktuelle gesellschaftlich-politisch-kritische-kulturelle Sendung von HR2, die sich erlaubt, 55 Minuten lang über ein einziges Thema sich aus verschiedenen Sichtweisen kontrovers zu nähern – ohne Gebrüll, ohne Populismus, ohne Selbstdarstellungsneurosen.

Der Tag

Etwas später aufgestanden, da der Mann früh weg musste und erst abends wieder kam. Bei dem Wetter auf eine Hose verzichtet und den ersten Tee mit Grass in der Sonne auf dem Balkon. Ganz wenig Internet zwischendurch, dafür rechtzeitig das „Studio“ aufgebaut. R. kam auf die Sekunde pünktlich. Hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass er so jung ist, so muskulös und so zuvorkommend. Vor der Kamera machte er so, als täte er das täglich – es war sein erstes Mal. Oben rum sich ausziehen war null Problem, mal sehen, ob er beim nächsten Mal es auch untenrum tut. Danach weiter in der Sonne gesessen, bis unerwartet erst B. und dann H. aufschlugen, die Küche bevölkerten und das Abendessen um fast zwei Stunden nach hinten verschob.

Und dann – Trommelwirbel – der erste Spargel in diesem Jahr mit der zweifelsfrei weltbesten Sauce Hollandaise!

Jetzt im Strampelanzug im Spargelkoma auf dem Sofa.

Die Woche kann kommen.

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