Durch die Zeit

Tag: D.

Roll on / roll off

Hätte nicht gedacht, dass soviele kommen. Und erst recht hätte ich nicht gedacht, das manche so pünktlich kommen und bis auf C. alle ein irres Sitzfleisch mitbrachten. Dass C. nach einer Stunde das Weite suchte kann ich gut nachverstehen, war er doch mit Abstand der Jüngste. Aber mich hats tierisch gefreut, dass er da war (und sich gleich vier Stück Torte einverleibt).

Der Nachmittag / Abend war mal wieder ein Beweis, wie sehr sich die Leute nach Kommunikation sehnen. Im Vorfeld hatte ich mir kurz überlegt, ob und wie ich ggf. ein Gespräch in Gang bringe, weil die Leute sich teilweise echt überhaupt nicht kannten. Aber da hatte ich nix zu tun, ich konnte daneben sitzen und zuhören. Das lief alles von selbst.

Geld lasse ich mir jedenfalls nicht mehr schenken – irgendwie war das ein blödes Gefühl. Dann lieber gar nix. S. und D. haben da sich was anderes einfallen lassen und mir eine Wanderkarte geschenkt mit der Auflage, eine Wanderung mit ihnen zu planen. Wieviele Kilometer steht nicht dabei – aber ich vermute, dass D. nach 12 zu jammern beginnt.

Leicht fiebrig lässt sich so einen Nachmittag und früher Abend echt gut überstehen, denn ich stand immer so ein bisschen neben mir und war gar nicht so erpicht darauf, jetzt aktiv mitmischen zu müssen. Meine Antworten fielen dementsprechend kurz aus, aber, siehe oben, das tat keinen Abbruch.

Morgen melde ich mich nochmals krank, denn etwas schlaff hänge ich schon noch in der Ecke, obwohl das sich mit den Mandlen jetzt erledigt hat.

G.W.F.H.: PdG

Als ‚Tageslektüre‘ schlage ich mich gerade mit einer Einführung in die „Phänomenologie des Geistes“ von Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) rum. Er ist für seine ‚Schreibe‘ ja bekannt (will heißen: berüchtigt):

Die lebendige Substanz ist ferner das Sein, welches die Wahrheit Subjekt oder, was dasselbe heißt, welches in Wahrheit wirklich ist, nur insofern sie die Bewegung des Sichselbstsetzens oder die Vermittlung des Sichanderswerdens mit sich selbst ist.

Und wenn ich konzentriert in dem schmalen Bändchen lese, dann meine ich zu kapieren, was Hegel will – aber schaue ich von dem Buch auf und versuche den Gedanken in eigene Worte zu fassen, fällt einfach alles auseinander. Und wenn ich mir dann D. anschaue, der über Hegel habilitiert hat … ich glaube, Menschen können unterschiedlich gut bzw. komplex ‚denken‘. Ich bin da irgendwie interessiertes Mittelmaß.

Von heute

Es gibt so Tage, da überlege ich lange, was ich denn hier schreiben könnte …

Aus dem heutigen Tag könnte ich wohl mehrere Einträge machen, aber, erstmal einen:

  • D. will von mir wissen, ob ich abgenommen (!!!) hätte. Ich verneine wahrheitsgemäß, denn das Gegenteil ist der Fall – aber sie glaubt mir nicht und bleibt bei ihrer Wahrnehmung. Was an sich nicht schlimm ist, aber die Gefahr besteht, dass sie den „starken Gewichtsverlust“ problematisieren könnte.
  • Beim Telefonat mit P. ist mir aufgefallen, dass ich wie ein was-auch-immer durch die Wohnung laufe, wenn wir telefonieren. Sitzen und telefonieren geht zu Hause überhaupt nicht. (Achtung: Das ist ein indirekter Insider.)
  • P. will sich ein neues Rad kaufen, fragt mich um Rat und Idee, irgendwann ist auch das Thema Ständer dran. Überraschend klar und offen er: „Dass das Thema Dein ist, war mir ja klar, so wie Du auf Ständer stehst.“
  • Frau B. war zusammen mit Herrn J. zu Fotos hier. Er weigerte sich allen meinen ‚Anweisungen‘ zu entsprechen, außer der einen, dass er sich auf den Stuhl setzte. Ansonsten schaute er weder in die Kamera noch an ihr vorbei noch … Ich bin ja selber Misanthrop, ab deswegen ätze ich doch die anderen nicht runter!
  • Die Nachbarn gießen Fr+Sa Blumen, also kann ich gen Bodensee in der Hoffnung auf Hetensex.
  • Heute habe ich mich beschimpfen lassen müssen mal als „Macho-Arschloch“ und dann als „Brüllaffe“.

Vor langer Zeit

Gestern auf dem 50. meines besten Freundes P., den ich jetzt fast auf den Tag genau 30 Jahre kenne. Die einzige, die mich erkennt, ist seine Mutter. Allen anderen muss ich mit der Funktion „der Jugendfreund“ vorgestellt werden. Dann fällt bei ihnen der Groschen, stimmt, da gibt es noch jemanden.

Ich nehme es ihnen nicht übel, denn wenn wir uns überhaupt mal gesehen haben, dann liegt das letzte Treffen mindestens 27 Jahre schon zurück.

Ich finde das schon spannend, dass ich zwar alles über die (erweiterte) Familie weiß und mit verbundenen Augen ein Diagramm aufzeichnen könnte, wie wer warum wieso seit wann mit wem steht oder nicht oder nicht mehr oder jetzt doch wieder – aber es in den letzten beiden Jahrzehnten überhaupt keine Berührungspunkte gab. Seinen Cousin habe ich vor 10 Jahren das letzte mal gesehen, seine Cousine jetzt zum ersten Mal überhaupt. Immerhin scheine ich auf seine Tante D. Eindruck gemacht zu haben, wie er mir gerade mitteilte. Vielleicht ist ihr eingefallen, dass wir vor Äonen schon mal zu dritt nackt im Gras lagen?

Das Leseprojekt 2016

1.871 Bücher mit 522.219 Seiten habe ich bisher nachweislich gelesen. Und bis ich zu meinen 3.000 komme, muss ich bei der durchschnittlichen Lesensleistung 68 Jahre altwerden.  Mein Vater ist nicht so alt geworden.

Letztes Jahr schon entstand die Idee, doch mal „das Buch der Bücher“ zu lesen. Und immer dann, wenn ich es anmerkte erhielt ich im Grunde nur zwei Reaktionen. Die meiste: „Warum das denn?“ begleitet mit einem ungläubigen Blick, die andere: „Das ist kein Buch, dass  man einfach so liest“, begleitet mit einem finsteren, zurechtweisenden Blick.

Und zum Geburstag haben S. und D. dann diese Idee aufgegriffen und mir kurzerhand „Die Jahresbibel“ geschenkt. OK, die ist nun evangelisch was ich nun so gar nicht bin und darf das auch meiner Mutter nie erzählen, sonst enterbt die mich als gute Katholikin! Aber ich habe mir gedacht: Komplett andere ‚Geschichten‘ wird die evangelische Bibel ja schon nicht erzählen (obwohl zwei Bücher aus dem AT fehlen – die muss ich dann halt mal so mir reinziehen) und wenn ich meine, dann kann ich ja in meiner katholischen Bibel und in der Einheitsübersetzung auch noch nachlesen.

Will heißen, morgen, so das Vorwort, wäre ein guter Start mit der Jahresbibel zu beginnen und das Ziel ist, 365 Tage lang durchzuhalten jeden Tag eben zuerst Psalm, dann AT und schließlich NT zu lesen. 15 Minuten heißt es bräuchte man im Schnitt. Und ich vertrau‘ jetzt einfach mal darauf, dass die irgendwie bei der Zusammenstellung sich was gedacht haben.

Kann also sein, dass ich hier in den nächsten 365 Tagen das ein oder andere aus der Bibel zitiere. Man kann zu dieser Textsammlung stehen wie man / frau will – aber das es mit dem Koran zusammen der wirkungsmächtigste Text der Menschheitsgeschichte ist kann echt niemand leugnen – und das ist für mich der Hintergrund: Versuchen zu verstehen, was aus den Texten gemacht wurde.

Projekte über Projekte

Wenn das Geld stimmen würde, käme ich auch ohne Arbeit gut aus.

Bei den Geschenken dieser Tage – nehme ich mal wieder den heldenhaften E. aus – handelte es sich in erster Linie um Flaschen. Überwiegend Rotwein, gefolgt von Öl und Essig. Zwei Gutscheine, ne drei sogar (yeah!) zweimal Buch, einmal Musik. Und drei Bücher. Finde es nach wie vor immer total mutig  mir Bücher zu schenken. OK, das eine war ein Kochbuch und da wir nur derer 40 haben ist die Gefahr, da was zu schenken, was schon da ist, echt gering. Das andere ein (eher schlechter Roman) von Suter, der vor fünf oder sechs Jahren erschienen ist. S. und D. schossen dann aber den Vogel ab. als sie mir ein eher dickes Buch überreichten: Die Bibel für jeden Tag. D.h., bei der Aufteilung braucht uman 365 Tage, dann ist man durch. Hat mich tierisch gefreut, denn das soll ja mein Jahresliteraturprojekt werden. Der nächste geeignete Einsteig wäre nach Vorwort heute – aber ich nehm dann den am 7. Februar.

Danteleseprojekt läuft ja nach wie vor, die „Hölle“ haben wir hinter uns.

Shakespeares Dramen wäre ja auch mal ne nette Aufgabe – chronologisch und zügig.

Aber da ich erfahrungsgemäß im Durchschnitt am Tag nur zu einer Stunde lesen komme und die Bibel schon täglich dann gut 15 Minuten in Anspruch nehmen wird verschiebe ich den Shakespeare mal mit der Begründung, dass ich noch keine anständige Gesamtausgabe der Dramen gefunden habe.

Kurve bekommen

Wie gut, dass ich S. vorhin nochmals gefragt hatte. Aber nicht so plump, sondern geschickt-geschickt. Ob sie sich noch erinnern könne, was es beim letzten Mal gegeben hat. Ich hatte so einen leichten Verdacht nämlich. Wenn sie sich nicht mehr erinnern könnte, dann könnte ich es ja nochmals machen, würde sie sich erinnern, müsste eine Alternative her. Sie wußte noch alles, aber so haargenau, dass ich sehr erstaunt war – Salat mit Avocado?. Gut, wir haben jetzt schnell die Weinbergschnecken gegen Mini-Tartes ausgetauscht (ha, bleiben halt morgen mehr für mich übrig), so dass für S. und D. auf den Tisch nun kommt:

  • Getrüffeltes Rührei (weil ich das so gerne mag)
  • Mini-Tartes mit Ziegenkäse und Koriander, dazu ein bunter (nun ja, ein rot-grüner) Salat
  • (das gespendete) Bio-Huhn (im Bräter mit Zitrone und Salbei)  mit Strohkartoffeln und scharfem Paprikagemüse, die Soße dazu wird erst noch erarbeitet
  • Nochmals Tartes, aber diesmal mit Birnenscheiben, karamelisiert und flambiert (so ein bißchen Budenzauber mögen die beiden ganz gerne).

Vom Häuten der Zwiebel

Die letzten drei Abend versucht D. beizubringen, wie man eine einfach Salatsoße macht. Mit viel, viel Unterstützung ist das dann auch ‚gelungen‘. Aber ich vermute, alleine wird er es nicht hinbekommen, denn alleine das Schneiden einer Zwiebel stellte ihn vor schier unüberwindliche Probleme.

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