Durch die Zeit

Tag: Dorf

Akt – 1 Grad

Sowas geht einfach nur mit E.

Für mein Neujahrsphoto war heuer die Vorgaben: Kein Gesicht – (etwas) nacktes Fleisch. Mir war einfach danach. Dann kam die Idee verhüllter Körper vor Landschaft … aber E. war ja da und da er ja schon mal behilfich war … und fotografieren kann … und ich weiß, dass ich ihm notfalls meinen nackten Körper zumuten kann … und er kreativ ist … und wir uns da gut absprechen können … und er meine Spleens akzeptiert (und ich seine) …

Also sind wir auf dem Dorf los mit ner groben Idee – davor hab‘ ich mir ein Herz genommen und ihn in das eingeweiht, was mich seit Herbst so umtreibt und mir alles Herzklopfen mal wieder genommen hat, die man sich vorher nicht vorstellen kann – und da kam uns die Waldbühne gerdade recht …

Ich find’s einfach klasse wie selbstverständlich dann Nackheit werden kann … obwohl er schon was prüdes an sich haben kann … wie er Sorge trägt, dass mir nicht zu kalt wird bei 1 Grad Außentemperatur … wie er andererseits hinschaut, dass das Foto trotz altem Körper einigermaßen wird … magisch schöne Momente …

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Das hier nur „Bonus-Material“ und wohl eins der letzen Akte, die ich gemacht haben werde.

E., Liebster, danke!

Die anderen halt mal wieder

Komme gerade von einem türkischen – genauer: alevitischen – Tanz- und Musikabend. Nicht ganz so mein Ding, aber ich bin halt, um meinem Mann einen Gefallen zu tun, mitgegangen, der davon irgendwie nie genug bekommen kann. (Er guckt sich jetzt die zweite Hälfte noch an – ich habe mich mit (echten!) Magenproblemen mal schon verabschiedet.)

Für eine gewisse Zeit finde ich das schon hören- und sehenswert – aber ich erkenne halt so gut wie keine Unterschiede, und wenn da einem nicht wirklich was erklärt wird, dann wird es ein Einerlei mit Unterschieden.

Derweil aber darüber nachgedacht, was eine gleichgroße Menge Deutscher im östlichsten Anatolien auf die Bühne bringen würde, wenn sie auch einen „Deutschen Tanz- und Musikabend“ veranstalten würde.

Meine Generation könnte wohl gerade noch ein paar Lieder der neuen deutschen Welle anstimmen, Lieder von Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer wären wohl auch dabei – ich würde sogar Stefan Sulke (!) anstimmen können -, und ganz Mutige dann noch BAP. Aber über die ersten zwei Zeilen würden wohl nur die wenigsten hinauskommen. Sehr wahrscheinlich käme es dann zum Absingen von Werbesongs – Vorsicht Ohrwurm: „Mars macht mobil, …“ –  Und Tanz, also ‚deutscher Tanz‘ … Fehlanzeige.

Meine Elterngeneration würden sicher noch ein paar Volkslieder mit allen Strophen hinbekommen und – jedenfalls die aus meinem Kreise – ausreichend Kirchenlieder mit allen Strophen bis der Arzt kommt. Aber – mal abgesehen vom biblischen Alter dieser Generation jetzt – wäre es mit dem Tanz auch nicht weit her.

Klar gibt es auf Dörfern immer noch besondere Tänze und Lieder, die aber nie eine regionale Verbreitung gefunden haben. Die aus dem Nachbardorf standen wohl schon längst in Konkurrenz. (Ich vermute, die Bayern muss ich mal ausnehmen, die bekommen außer Bier trinken dann doch noch paar Tänze und Lieder hin – aber gehört Bayern wirklich zu Deutschland?) Und wenn es dann noch Lieder und Tänze gibt, aus welchem Jahrhundert stammen die? Die sind gegen die Tänze und Lieder, die ich heute gehört habe, ja noch nicht einmal in der Pubertät.

Und selbst wenn ich in die E-Musik gehe, gibt es kein kollektives Wissen oder Erinnern an Musik. Test gefällig? Die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart kennt so gut wie jede/r: daa dada dadadada daa daa daa da da da da da daa …und wie geht es weiter?

Klar, es gibt Erklärungsmodelle, warum sich eine Tanz- und Liedtradition in Deutschland nie über Jahrhunderte flächendeckend entwickeln konnte – aber das ändert jetzt gerade nicht den neidischen Blick.

 

P.S. Es war meine erste Veranstaltung in einem Theater, dass mit einer Personenkontrolle am Eingang aufwartete. In welchem Land, in welcher Zeit leben wir denn?

 

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