Durch die Zeit

Tag: E.

caj

Ich / Wir sind ja echt nicht oft beim Steh-Türken um die Ecke. Obwohl der ne Pizza macht, die man sonst hier in der Umgebung echt lange suchen muss. Und wenn „scharf“ dransteht, dann ist die es auch.

Da ich heute ja von einem Termin zum anderen renne, reichte es beim Umsteigen von der einen Straßenbahn in die andere eben dort vorbeizugehen, um mir – Großverdiener, der ich ja jetzt bin – nen kompletten Döner-Teller reinzuziehen. Mit nem Glas Tee, den ich bei E. in Istanbul lieben gelernt habe – denn ohne jede Diskussion: Mit nem Schiff über den Bosporus, nen Tee in der Hand, die Kulisse von Istanbul vor oder hinter sich … g e i l!

Beim Bezahlen kommt der Chef angerannt um dem Neuen hinter dem Tresen zu verklickern: Der Tee geht bei dem selbstverständlich aufs Haus.

Keine Ahnung wie ich zu dieser Ehre komme – aber es hat mich gefreut.

Es wird auch mal wieder kürzer – nur heute nicht

Irgendwie komme ich so richtig gar nicht nach. Vor drei Monaten hätte ich aus den Erfahrungen der letzten 48 Stunden gut und locker für hier zehn Einträge verfasst. Jetzt reicht es gerade für ne kleine Liste, weil mir die Müdigkeit aus den Augen quillt, ich morgen um 7 raus muss, weil ich für Verein 1 um 8 in Aktion sein „will“ …

  • Yoga: Ich möchte mich definitiv nicht dabei sehen müssen und bemitleide die österreichische Lehrerin für den Anblick. Aber es tut einfach nur gut! Mit nur Yoga-Hose und nur leichtem T-Shirt und sonst nichts, ist es echt noch ne Ecke intensiver.
  • Bibliothek: Begegnung der 3. Art. Das Müffelmonster hinter dem Tresen für Rückgabe überschlägt sich vor Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Ich brauche unbedingt eine neue Version des Ausweises. O-Ton: „Da wir uns so gut kennen, machen wir das einfach mal auf dem kleinen Dienstweg – Sie bekommen in den nächsten zwei, drei Wochen ne Mail!“ Die Mail kam heute.
  • Warum hat „n1gw“ ihren Blog so plötzlich auf privat gesetzt?
  • Job 2: Die fachlich fundierte Kollegin muss sich Kinder-krank melden. Drei Kurzberatungen bleiben an mir hängen. Ich schwimme bei allen drei. Ich frage bei ihr nach – alles richtig gemacht.
  • Job 1: Der AL schmeißt mich mit Geheimaufgaben zu. D.h.: Er hat die Nase von Kollegin M.B. voll (ich eh) und M.B. wird mich kreuzigen und auf Ewigkeiten verfluchen, wenn sie mitbekommt, was ich da mache. Zugegeben, ich komme in einen leichten Loyalitäts-Konflikt – aber bei der Abteilung, ist ja eh nix zu holen. Dennoch, hab‘ das WE zum Denken.
  • Ist es verwerflich, dass ich einem Kandidaten, dessen schriftliche Arbeit ich heute dann doch schon korrigiert habe, einen halben Punkt zuschusterte, damit er nicht die Prüfung wiederholen muss?
  • Erotik wandert durchs Gemüt.
  • Letztes Jahr las ich mal irgendwo den Satz: „Nie erledigt man so viel, wie am Tag vor der Fahrt in den Sommerurlaub“. Mir scheint gerade, dass ich seit zwei Monaten jeweils am nächsten Tag für sechs Wochen in den Urlaub fahre.
  • E. würde jetzt vielleicht sagen: „B. hat Oberwasser.“ Es fühlt sich gerade so an, aber es ist ’nur‘, dass man mir Aufgaben zutraut. Die hätte ich auch alle in den letzten vier Jahren schon machen können. Arbeitslosigkeit ist in diesem Land selbstverschuldetes Elend – in vielen anderen Ländern ein gesellschaftlicher Missstand.

# 530

Wenn mir nix einfällt, dann halt mal wieder ein Foto.

Den Fotografen findet man HIER.

Noch ne gescheiterte Annäherung

„Heimat“-„Urlaub“. Also ein Wochenede in meiner Geburtsstadt. „Heimat“ ist das schon lange nicht mehr, aber eine andere hat es danach auch nie gegeben . (Köln hätte es werden können, wenn wir da nicht nach vier Jahren wieder weggezogen wären.) Muttern „feierte“ Geburtstag, d.h. die Restfamilie war heute essen. Aber zu sagen, zu erzählen hatte man sich so gut wie nichts. Ein paar Belanglosigkeiten eben, mehr nicht, nichts darüberhinaus. Ich find’s echt irgendwie traurig.

Wenn ich mir dann die Familie von E. bzw. T. anschaue, klar, da ist auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, echt nicht, aber dennoch, die interagieren, reden, sind sich irgendwie auch nah bzw. nehmen sich wahr … . Ich weiß in der Zwischenzeit auch nicht mehr, ob ich wirklich dahinter kommen will, warum das so ist, so geworden ist. Schräg ist das allemal und hat, vereinfacht gesprochen, einfach damit zu tun, dass es eine Menge von Tabus gibt.

Egal für heute, ich komm‘ eh nicht so richtig ran.

Es war halt einfach nur anstrengend und wenn man wo ankommt und gleich wieder weg will, dann ist es kein gutes Zeichen.

Resümee: Peter Weiss

Auf Wunsch von E. noch ein letzter Abend zur „Ästhektik des Widerstands“ von Peter Weiss. Nach 1 3/4 Jahr der Lektüre die Resümees der Teilnehmenden. Es verwundert nicht, dass die von I. und K. positiv ausfallen, auch H. hat nichts zu möppern. Von ihr hätte ich dann schon ein paar Spitzen erwartet – aber vielleicht ist es die Milde des Alters bei ihr. E. macht es letztendlich sehr diplomatisch – also wesentlich dipomatischer als ich – und benennt sehr geschickt umschrieben die Schwachstellen, scheut sich aber dann doch, diese zusammenzufassen.

Das mein Resümme dann bei I. und K. auf Protest stoßen wundert mich nicht, denn ich formuliere zusammenfassend: „Ein gescheiteter Solitär“. Darin ist in meinen Augen alles enthalten. Inhaltlich ist die Ästhetik wirklich ein Solitär, denn ich kenne kein Roman / Buch, was sich so intensiv, faktenreich und menschlich mit dem Widerstand im 3. Reich literarisch auseinandersetzt. Gescheitert, weil die über 1.000 Seiten einfach nicht funktionieren. Es gibt Seiten, die nahezu genial sind, dann Strecken, die sich wie abgeschrieben aus dem Notizbuch anmuten.

Alleine hätte ich – und ich bin hart im nehmen, was Literatur betrifft – nicht durchgehalten, definitiv nicht. Andererseits bin ich ganz froh, es mit Hilfe der Gruppe es geschafft zu haben. Denn ein weiteres Buch aus der Reihe „Weltbekannte Bücher, die kaum jemand gelesen hat“ gehört bei mir nicht mehr dazu.

Geburtstag auf dem Lande

Diese Woche ist T. 18 geworden. T. ist der jüngere Neffe von E. Kennengelernt habe ich ihn und seinen etwas älteren Bruder F. vor Jahren schon unter nicht ganz so schönen Umständen. Aber so richtig befreundet haben wir uns dann in Istanbul, als wir alle auf der Hochzeit ihres Onkels waren. Da ist mir T. schon aufgefallen, der damals für sein Alter irre interessante Fragen stellte und immer etwas nach dem Dahinter schaute.

15 Uhr war gestern die Geburtstagsfeier angesagt. Gedanken, wie und vorallem was das werden wird, habe ich mir im voraus nicht gemacht. Und statt pünktlich zu kommen, kam ich eineinhalb Stunden später, weil ich mir so dachte: Ach, das ist eh alles recht locker, die nehmen das schon nicht so genau. Nun, ein Fehler. Denn so verpasste ich das Kaffeetrinken von 25 (!) Gästen. Die mussten sich mit nur *grins* acht oder neun verschiedenen Kuchen zufrieden geben. Als ich das realisierte, hat es mich erstmal wieder zurück aus dem Wohnzimmer gehauen, denn ich hatte so einen kleinen Flashback, wie solche Feiern (wenn auch nie mit so vielen Gästen und maximal zwei verschiedenen Kuchen) bei uns abgelaufen sind – und darauf hatte ich definitiv keine Lust. Echt nicht.

Also erstmal etwas Geschirr abspülen geholfen und schließlich – mit einem Bier bewaffnet – an die abgedeckte Tafel (die hatten mal locker ausreichend Tische und Stühle für min. 25 Menschen!), die, da einfach nur abgedeckt auf dem Dorf wohl nicht geht, mit Schalen voller Süßigkeiten vollgestellt war, als hätte es eben nie Kuchen gegeben. Wenige Sekunden später musste ich über das Wesen von Portwein referieren und mit E.’s Bruder auch gleich ein Glas kippen. Dann erzählte F. von seinem Studium und den Motor, den er gerade in der Garage ausgebaut hatte, T. kam irgendwann mit Kafka’s „Verwandlung“ an, … kurz: Das war einfach richtig schön. Das war lebendig, durcheinandrig, mal laut, mal leise, aber vorallem war es ungezwungen. Ich hab‘ das echt in vollen Zügen genossen.

Abendessen gab es natürlich auch. „Fünf Pfund“ nannte sich da Gericht. Das heißt, man nehme 1 Pfund Gehacktes, 1 Pfund Rindfleisch, 1 Pfund Schweinefleisch … die anderen beiden Pfunde konnte mir dann niemand so genau erklären, jedenfalls kommt, man will ja auch gesund essen, auch noch Paprika rein. Dass die Mutter Pfund mit Kilo verwechselt hat, hat mich irgendwie dann nicht verwundert, schließlich hatte es ja in den drei Stunden zuvor so gut wie nichts gegeben. Um das ausreichend auszugleichen gab es eben noch Salate, Wurst, Käse und Nachtische … eine Landvöllerei. Ich wußte echt nicht, wie gern ich das alles mag. Aber eben wie geschrieben, „Familie“ & „ungezwungen“ ist halt die Entdeckung.

T. ist jetzt nicht so der große Leser vor dem Herrn. In seiner Schule gibt es wirklich „betreutes Lesen“. Dennoch war ich so old-school und hab‘ ihm u.a. das „Symposium“ von Platon geschenkt. Das wird er dieses Jahr nicht lesen, nächstes wohl auch noch nicht – aber ich bin mir sicher, dass er es irgendwann in der Hand halten und überlegen wird: Wegschmeißen? Das ist der Moment, in dem er dann zumindest reinschauen wird, weil so ohne eine Zeile gelesen zu haben wird T. es nicht übers Herz bringen. Dann – so denke ich echt – wird es ihn packen. Ich gebe zu, dass ich auch keine so rechte Ahnung habe, was er später mal machen sollte bzw. in welchem Beruf ich ihn mir vorstellen kann – aber ich traue ihm auf alle Fälle weit aus mehr zu, als war er jetzt (und seine Freundin) nach dem Abi berufstechnisch vor hat. Ich würde ihn echt viel, viel lieber auf einer Uni sehen, denn da gehört er einfach hin.

Muskeln – Knochen – Sehnen

Beiden H.’s, um E. nochmal zu sehen bevor er sich wieder in ferne Länder aufmacht. Er hätte am Haus zwar heute noch was zu tun, aber nicht so lange. (Das letzte Mal war es eine Steinmauer.) Um halb zwölf holt er mich von der Bahnstation ab, aber 12 stehen wir vor dem Haus und er erklärt, was er noch vor hat. Neffe F. will auch helfen, muss aber für zwei Stunden noch weg. Fangen wir halt schon mal an. Sieben Stunden später schmerzt alles –  aber so richtig – , doch nach drei gescheiterten Versuchen liegen nun ca. 10-15 Quadratmeter* Meter Pflaster vor dem Haus.

Ich hege die Hoffnung wie die Vermutung, heute Nacht mal durchschlafen zu können.  Ans Aufstehen denke ich mal lieber noch nicht.


* Ich kann es echt nicht schätzen, könnte auch mehr oder weniger sein – aber für uns Laien und bei dem Untergrund ne durchaus ordentliche Leistung.

Angenommen

Bei der Ablösung gerade W. getroffen. Seit gut vier Monaten nicht mehr gesehen. Aber der war auch unterwegs, 3.000 Kilometer in 120 Tagen zu Fuß. Wie bei E. damals: Respekt. Ich werd‘ so was ähnliches wohl nicht mehr machen, ich wär’s mir schon zufrieden mal 100 Kilometer in sieben Tagen zu wandern (ohne dauernd nach Hause zu fahren).

Es stellt sich heraus, dass W. ein Wochenendhaus an einem See hat, der das Ziel der vierten Etappe eines Steigs ist, den ich noch machen will. Wenn ich vorher anrufe und eine Zahnbürste mitnehme, bin ich gerne eingeladen. Sie würden mich dann wieder zurück nehmen.

Spieglein, Spieglein an der Wand

Mit E. versucht von mir über drei Spiegel ein Portrait zu fotografieren, bei dem zumindest zwei Spiegel als Spiegel zu erkennen sein sollten.

Wir waren leicht überfordert.

Fortsetzung folgt.

Besser spät, denn nie

Ohne dass E. es wusste, richtete seine Frau ihm heute zu seinem 70. Geburtstag eine kleine Party aus. Als Überraschunggast gab es den Sohn aus Amerika. Die Überraschung bestand jetzt aber nicht darin, dass der Sohn den weiten Weg von Washington D.C. auf sich genommen hatte, sondern dass es ihn überhaupt gibt.

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