Durch die Zeit

Tag: F.

Geburtstag auf dem Lande

Diese Woche ist T. 18 geworden. T. ist der jüngere Neffe von E. Kennengelernt habe ich ihn und seinen etwas älteren Bruder F. vor Jahren schon unter nicht ganz so schönen Umständen. Aber so richtig befreundet haben wir uns dann in Istanbul, als wir alle auf der Hochzeit ihres Onkels waren. Da ist mir T. schon aufgefallen, der damals für sein Alter irre interessante Fragen stellte und immer etwas nach dem Dahinter schaute.

15 Uhr war gestern die Geburtstagsfeier angesagt. Gedanken, wie und vorallem was das werden wird, habe ich mir im voraus nicht gemacht. Und statt pünktlich zu kommen, kam ich eineinhalb Stunden später, weil ich mir so dachte: Ach, das ist eh alles recht locker, die nehmen das schon nicht so genau. Nun, ein Fehler. Denn so verpasste ich das Kaffeetrinken von 25 (!) Gästen. Die mussten sich mit nur *grins* acht oder neun verschiedenen Kuchen zufrieden geben. Als ich das realisierte, hat es mich erstmal wieder zurück aus dem Wohnzimmer gehauen, denn ich hatte so einen kleinen Flashback, wie solche Feiern (wenn auch nie mit so vielen Gästen und maximal zwei verschiedenen Kuchen) bei uns abgelaufen sind – und darauf hatte ich definitiv keine Lust. Echt nicht.

Also erstmal etwas Geschirr abspülen geholfen und schließlich – mit einem Bier bewaffnet – an die abgedeckte Tafel (die hatten mal locker ausreichend Tische und Stühle für min. 25 Menschen!), die, da einfach nur abgedeckt auf dem Dorf wohl nicht geht, mit Schalen voller Süßigkeiten vollgestellt war, als hätte es eben nie Kuchen gegeben. Wenige Sekunden später musste ich über das Wesen von Portwein referieren und mit E.’s Bruder auch gleich ein Glas kippen. Dann erzählte F. von seinem Studium und den Motor, den er gerade in der Garage ausgebaut hatte, T. kam irgendwann mit Kafka’s „Verwandlung“ an, … kurz: Das war einfach richtig schön. Das war lebendig, durcheinandrig, mal laut, mal leise, aber vorallem war es ungezwungen. Ich hab‘ das echt in vollen Zügen genossen.

Abendessen gab es natürlich auch. „Fünf Pfund“ nannte sich da Gericht. Das heißt, man nehme 1 Pfund Gehacktes, 1 Pfund Rindfleisch, 1 Pfund Schweinefleisch … die anderen beiden Pfunde konnte mir dann niemand so genau erklären, jedenfalls kommt, man will ja auch gesund essen, auch noch Paprika rein. Dass die Mutter Pfund mit Kilo verwechselt hat, hat mich irgendwie dann nicht verwundert, schließlich hatte es ja in den drei Stunden zuvor so gut wie nichts gegeben. Um das ausreichend auszugleichen gab es eben noch Salate, Wurst, Käse und Nachtische … eine Landvöllerei. Ich wußte echt nicht, wie gern ich das alles mag. Aber eben wie geschrieben, „Familie“ & „ungezwungen“ ist halt die Entdeckung.

T. ist jetzt nicht so der große Leser vor dem Herrn. In seiner Schule gibt es wirklich „betreutes Lesen“. Dennoch war ich so old-school und hab‘ ihm u.a. das „Symposium“ von Platon geschenkt. Das wird er dieses Jahr nicht lesen, nächstes wohl auch noch nicht – aber ich bin mir sicher, dass er es irgendwann in der Hand halten und überlegen wird: Wegschmeißen? Das ist der Moment, in dem er dann zumindest reinschauen wird, weil so ohne eine Zeile gelesen zu haben wird T. es nicht übers Herz bringen. Dann – so denke ich echt – wird es ihn packen. Ich gebe zu, dass ich auch keine so rechte Ahnung habe, was er später mal machen sollte bzw. in welchem Beruf ich ihn mir vorstellen kann – aber ich traue ihm auf alle Fälle weit aus mehr zu, als war er jetzt (und seine Freundin) nach dem Abi berufstechnisch vor hat. Ich würde ihn echt viel, viel lieber auf einer Uni sehen, denn da gehört er einfach hin.

WMDEDGT 8/18

Wie schon vorletzten Monat (im letzten war ich in Urlaub, mit ohne Internet), mache ich wieder mit bei der Frage: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

7:35 – Es ist Sonntag! Warum sollte der Wecker auch nicht mal früh klingeln?
7:37 – Ich arbeite mich aus dem Wasserbett und bin erstaunt: Musklen fühlen sich alle soweit OK an.
7:45 – In der Küche E., der Kaffee kocht, ich nehme auch einen.
7:55 – E.’s Neffe F. ist nun auch aufgetaucht, bringt mir eine Badehose mit.
8:10 – Wir sind bei bewölktem (!) Wetter im Schwimmbad. Laut Anzeige ist dass Wasser vier Grad wärmer als die Luft. Ich ziehe mich trotzdem um.
8:15 – Das Wasser ist nicht ganz so kalt wie befürchtet, das Mittelmeer war aber bedeutend wärmer.
8:40 – Im Schwimmbad gibt es Panecake und Kaffee
9:15 – Wieder bei E.’s Familie, noch nen Kaffee, dann schwinge ich mich aufs Rad.
10:24 – Die Bahn kommt pünktlich.
11:05 – Wieder zu Hause mit brüllendem Hunger. Schwimmen ist das eine, ne Steinmauer am Vortag bauen das andere.
12:10 – Mir fallen fast die Augen zu, also gibt es einen Mittagsschlaf.
14:00 – Die Muskeln meinen mich nun sehr deutlich erinnen zu müssen, dass ich gestern mit E. und T. malocht habe wie Idioten (Steinmauer und so). Die Bewegungsabläufe sind siebzigjährigmäßig.
14:15 – Tee und (Fach-)Lektüre auf dem Balkon. Ertappe mich kurz bei der Überlegung, mir zumindest ne Hose anzuziehen. Aber ich schwächel doch nicht als Vollzeitnudist bei 23 Grad!
15:35 – Weitere Arbeit am Rechner. Mein Mann hat für seine Schulung Fotos gemacht, die müssen erst ausgesucht, in Reihenfolge und beschriftet werden. Die Berarbeitungen frühestens am Dienstag oder so, mir fehlen noch zwei Idee für die Moderation am Dienstag.
17:45 – Kochen: Lammcury mit Blumenkohlsalat.
18:30 – Seehofer gucken im Ersten. Große, leere Worte, ein schlaffer Luftballon. Grauenhaft, dass sojemand macht hat und meint Trump machen zu müssen, in dem er Sachen behauptet, die nicht stimmen.
18:45 – Wir essen trotzdem! Dazu Lindenstraße, Nachrichten, Weltspiegel.
19:45 – Anruf bei Muttern. Wie schon seit 5 Wochen: Total unklar ob OP möglich oder nicht, geschweige denn wann. Dennoch scheint sie etwas entspannter zu sein als in letzter Zeit.
20:15- Wie (fast) immer: Tatort. Nachdem wir letzte Woche zum ersten Mal „Im Schmerz geboren“ gesehen haben. war die Erwartung sehr gering, dass der heute auch was zu bieten hätte. Hat er aber, wenn auch ’nur‘ formal. Eine Kamerfahrt über 90 Minuten – das ist mal was.
21:45 – etwas Fernsehen, etwas Internet, etwas Plaudern, etwas Käse, etwas Handcreme suchen, etwas … und etwas bettfertig machen. Morgen klingelt der Wecker schon um 5:45, denn meine Musklen melden jetzt schon lautstark an, dass das Mit-dem-aus-dem-Bett-steigen ’ne längere Geschichte werden könnte.

In diesem Sinne

20 Uhr. Kurze Dienstübergabe, F. erzählt noch schnell was. Dann verabschiedet sie sich mit den für mich überraschenden, aber auch berührenden Worten: „Sei behütet!“.

T. kommt

Zwar erst Ende Juli – aber immerhin ein Termin ist gefunden. Sein Bruder F. hat ihn schon vorgewarnt, dass das mit dem Kaffee kochen hier ne echte Herausforderung ist. Keine Pads sondern ein Becher und so ein Porzellanding mit Papier was man reinlegen muss und dann Pulver und dann kochendes Wasser und man muss aufpassen dass nicht zu viel oder zu wenig Wasser und überhaut wieviel Pulver …

T. ist auf der einen Seite ein ganz normaler 15-jähriger (Computer, Musik, Bier, keine Lust auf Familie, …), auf der anderen Seite irgendwie ‚feinsinnig‘ und ‚denkend‘. Nichts gegen seinen Bruder, der herrlich über eine bestimmte Automarke schwadronieren kann und mit seinen 17 Jahren in einem Zwischenreich lebt, in dem man halt roten Ohren bekommt, wenn ein hübsches Mädchen einen anspricht. Aber im Gegensatz zu F. stellt T. Fragen. Gute Fragen. Und er kann zuhören. Kritisch zuhören.

Und er isst gerne Nudeln. Ha – wenn das nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist?

T.

Ist jetzt schon wieder echt ne Ecke her, dass ich T. gesehen haben, den Bruder von F., den wir gerade eine Woche hier hatten, was heißt, dass es die Neffen von E. sind. Und über E.s Hochzeit in Istanbul bin ich mit den beiden Junges überhaupt erst richtig in Kontakt gekommen, als wir ein paar Tage in einer Art Groß-WG lebten, in der es in erster Linie drunter und drüber ging – es aber einfach nur gut war.

Und es gab so Momente mit T., wo mir die Spucke wegblieb, denn der kann richtig gute Fragen stellen und mit einfachen Antworten hat er sich bei mir jedenfalls nicht abgegeben.

Und er war für mich eine echte Herausforderung, trägt er doch den gleichen Vornamen wie mein tödlich verunglückter Bruder – den ich bis dahin quasi nie wieder in den Mund genommen habe.

Heute alles etwas schüchterner, fremdelnder, mühseliger, zäher. Aber es ergab sich, dass wir dann doch 15-20 Minuten unter vier Augen hatten und da blühte er dann doch schon um einiges mehr auf. Und gute Antworten auf meine Fragen.

Fazit: a.) Die beiden mit ihrer Mutter waren zum Abendessen hier und es hat ihnen gefallen. b.) Im März würden sie gerne wieder zum Essen kommen. c.) Beim Gehen meinte T., er würde auch gern mal ein paar Tage zu uns kommen.

Ich ein Pädagog?

Immerhin, F. hat heute – todesmutig, wie 17-järhige sein können – Champignons probiert. Und sie für essbar befunden. Die Petersilie, die ich untergemischt hatte, um ihn zu etwas Grünem zu zwingen verpuffte komplett. Petersilie, Schnittlauch und Dill gehen ohne jede Frage.

Gestern zwei, ab heute abend einen

Wir machen hier gerade mal eins auf Familie. Gestern war die Nichte (15) meines Mannes mit ihrer besten Freundin über Nacht da. Erst Abendessen (oh, sie aß diesmal echt normal, wenn auch vielleicht etwas laut), dann ein bisschen gespielt (und die beide bei Monopoly aber so was von abgezockt).

Nach dem Abendessen kommt F., der Neffe (16) von E., der dann eine Woche bei uns bleiben wird, weil er eine Woche an der Uni rumschnuppert. Auch ein leicht kapriziöser Esser … aber das werden wir schaukeln, denn F. ist nun wirklich mit etwas Vernunft gesegnet.

Die Jungs

Die Jungs haben sich gerade gemeldet! Nehmen die Einladung an. Möchten im September kommen. Passt. Freut mich sehr.

Langzeitwirkung

Gerade hat das M. angerufen.

(Das M. ist eigentlich der F. und gehört wohl zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Was daran liegt, weil ich mit ihm wirklich eine richtig heiße und geile Affaire hatte, weil er aber vielmehr ein Schanier meines Schicksals ist … wie auch immer, sollte ich je eine Biographie schreiben, er bzw. es bekommt sicher ein eigenes Kapitel.)

M. wollte mir nur erzählen, dass er sich heute mit einem Lehrer-Kollegen länger unterhalten hätte und sie feststellten, dass sie ja in der gleichen Uni studiert hätten. Daraufhin hechelten sie wohl die Professoren und Lehrbeauftragte durch, bis der Kollege von einem Wolfgang-Koeppen-Seminar schwärmte, was ich damals gehalten hatte.

Nach dem Studium habe ich drei Jahre lang Grundstudium-Seminare gegeben … bis ich diesem Bereich leider den Rücken kehren musste.

An das Koeppen-Seminar erinnere mich in der Hinsicht noch gut, weil am Ende genau die zwölf Studierende im Raum saßen die auch den ersten Termin wahrgenommen hatten, obwohl meine verpflichtende Leseliste schon für damalige Verhältnisse extrem fett war: vier Romane, komplett! OK, ich hatte Daten angeben, bis wann die Romane gelesen sein müssten und – ich gestehe – ich war so fies und habe auch mehr oder minder geschickt abgefragt, ob das dann auch gelesen war. Und ich gestehe auch, dass ich mich tierisch gefreut habe als ich feststellen konnte, dass die Studierenden nicht nur diese vier Romane gelesen hatten – sondern mal schlichtweg weit darüber hinaus.

Das ist jetzt irgendetwas über 20 Jahre her, aber es tut schon verdammt gut, dass da einer von den zwölf ist, die sich heute nicht nur daran erinnern können, sondern heute noch gerne davon erzählen.

Ich heiße Max

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie Menschen für andere einstehen. Heute hatte ich zwei. Da war die 14-Jährige, die sich um ihre Freundin Sorgen machte, die nicht mehr lachen kann. Und dann der 20-jährige F., der alles, wirklich alles tun würde, damit seine 18-jährige Ex-Freundin aufhört, sich zu ritzen bzw. einen gefakten Suizidversuch nach dem anderen zu unternehmen.

F. hat mich wirklich beeindruckt. Einerseits durch eine total Unbekümmertheit, andererseits durch seine wirklich guten Überlegungen. Anfänglich hat es mich zwar enorm gestört, dass er mich wie selbstverständlich duzte, aber dann fand ich es nur noch witzig, dass er mir sogar noch einen Namen gegeben hat, damit es persönlicher wird. Ich heiß zwar nicht so, aber es war dennoch gut von ihm.

War ein gutes Gespräch mit F., auch wenn es Stellen gab, bei denen er wirklich arg betroffen war und vielleicht etwas von seiner Jugendlichkeit hat einbüßen müssen. Aber solange es solche Typen auf der Welt gibt, ist sie noch nicht ganz verloren.

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