Durch die Zeit

Tag: F.

In diesem Sinne

20 Uhr. Kurze Dienstübergabe, F. erzählt noch schnell was. Dann verabschiedet sie sich mit den für mich überraschenden, aber auch berührenden Worten: „Sei behütet!“.

T. kommt

Zwar erst Ende Juli – aber immerhin ein Termin ist gefunden. Sein Bruder F. hat ihn schon vorgewarnt, dass das mit dem Kaffee kochen hier ne echte Herausforderung ist. Keine Pads sondern ein Becher und so ein Porzellanding mit Papier was man reinlegen muss und dann Pulver und dann kochendes Wasser und man muss aufpassen dass nicht zu viel oder zu wenig Wasser und überhaut wieviel Pulver …

T. ist auf der einen Seite ein ganz normaler 15-jähriger (Computer, Musik, Bier, keine Lust auf Familie, …), auf der anderen Seite irgendwie ‚feinsinnig‘ und ‚denkend‘. Nichts gegen seinen Bruder, der herrlich über eine bestimmte Automarke schwadronieren kann und mit seinen 17 Jahren in einem Zwischenreich lebt, in dem man halt roten Ohren bekommt, wenn ein hübsches Mädchen einen anspricht. Aber im Gegensatz zu F. stellt T. Fragen. Gute Fragen. Und er kann zuhören. Kritisch zuhören.

Und er isst gerne Nudeln. Ha – wenn das nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft ist?

T.

Ist jetzt schon wieder echt ne Ecke her, dass ich T. gesehen haben, den Bruder von F., den wir gerade eine Woche hier hatten, was heißt, dass es die Neffen von E. sind. Und über E.s Hochzeit in Istanbul bin ich mit den beiden Junges überhaupt erst richtig in Kontakt gekommen, als wir ein paar Tage in einer Art Groß-WG lebten, in der es in erster Linie drunter und drüber ging – es aber einfach nur gut war.

Und es gab so Momente mit T., wo mir die Spucke wegblieb, denn der kann richtig gute Fragen stellen und mit einfachen Antworten hat er sich bei mir jedenfalls nicht abgegeben.

Und er war für mich eine echte Herausforderung, trägt er doch den gleichen Vornamen wie mein tödlich verunglückter Bruder – den ich bis dahin quasi nie wieder in den Mund genommen habe.

Heute alles etwas schüchterner, fremdelnder, mühseliger, zäher. Aber es ergab sich, dass wir dann doch 15-20 Minuten unter vier Augen hatten und da blühte er dann doch schon um einiges mehr auf. Und gute Antworten auf meine Fragen.

Fazit: a.) Die beiden mit ihrer Mutter waren zum Abendessen hier und es hat ihnen gefallen. b.) Im März würden sie gerne wieder zum Essen kommen. c.) Beim Gehen meinte T., er würde auch gern mal ein paar Tage zu uns kommen.

Ich ein Pädagog?

Immerhin, F. hat heute – todesmutig, wie 17-järhige sein können – Champignons probiert. Und sie für essbar befunden. Die Petersilie, die ich untergemischt hatte, um ihn zu etwas Grünem zu zwingen verpuffte komplett. Petersilie, Schnittlauch und Dill gehen ohne jede Frage.

Gestern zwei, ab heute abend einen

Wir machen hier gerade mal eins auf Familie. Gestern war die Nichte (15) meines Mannes mit ihrer besten Freundin über Nacht da. Erst Abendessen (oh, sie aß diesmal echt normal, wenn auch vielleicht etwas laut), dann ein bisschen gespielt (und die beide bei Monopoly aber so was von abgezockt).

Nach dem Abendessen kommt F., der Neffe (16) von E., der dann eine Woche bei uns bleiben wird, weil er eine Woche an der Uni rumschnuppert. Auch ein leicht kapriziöser Esser … aber das werden wir schaukeln, denn F. ist nun wirklich mit etwas Vernunft gesegnet.

Die Jungs

Die Jungs haben sich gerade gemeldet! Nehmen die Einladung an. Möchten im September kommen. Passt. Freut mich sehr.

Langzeitwirkung

Gerade hat das M. angerufen.

(Das M. ist eigentlich der F. und gehört wohl zu den wichtigsten Menschen in meinem Leben. Was daran liegt, weil ich mit ihm wirklich eine richtig heiße und geile Affaire hatte, weil er aber vielmehr ein Schanier meines Schicksals ist … wie auch immer, sollte ich je eine Biographie schreiben, er bzw. es bekommt sicher ein eigenes Kapitel.)

M. wollte mir nur erzählen, dass er sich heute mit einem Lehrer-Kollegen länger unterhalten hätte und sie feststellten, dass sie ja in der gleichen Uni studiert hätten. Daraufhin hechelten sie wohl die Professoren und Lehrbeauftragte durch, bis der Kollege von einem Wolfgang-Koeppen-Seminar schwärmte, was ich damals gehalten hatte.

Nach dem Studium habe ich drei Jahre lang Grundstudium-Seminare gegeben … bis ich diesem Bereich leider den Rücken kehren musste.

An das Koeppen-Seminar erinnere mich in der Hinsicht noch gut, weil am Ende genau die zwölf Studierende im Raum saßen die auch den ersten Termin wahrgenommen hatten, obwohl meine verpflichtende Leseliste schon für damalige Verhältnisse extrem fett war: vier Romane, komplett! OK, ich hatte Daten angeben, bis wann die Romane gelesen sein müssten und – ich gestehe – ich war so fies und habe auch mehr oder minder geschickt abgefragt, ob das dann auch gelesen war. Und ich gestehe auch, dass ich mich tierisch gefreut habe als ich feststellen konnte, dass die Studierenden nicht nur diese vier Romane gelesen hatten – sondern mal schlichtweg weit darüber hinaus.

Das ist jetzt irgendetwas über 20 Jahre her, aber es tut schon verdammt gut, dass da einer von den zwölf ist, die sich heute nicht nur daran erinnern können, sondern heute noch gerne davon erzählen.

Ich heiße Max

Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie Menschen für andere einstehen. Heute hatte ich zwei. Da war die 14-Jährige, die sich um ihre Freundin Sorgen machte, die nicht mehr lachen kann. Und dann der 20-jährige F., der alles, wirklich alles tun würde, damit seine 18-jährige Ex-Freundin aufhört, sich zu ritzen bzw. einen gefakten Suizidversuch nach dem anderen zu unternehmen.

F. hat mich wirklich beeindruckt. Einerseits durch eine total Unbekümmertheit, andererseits durch seine wirklich guten Überlegungen. Anfänglich hat es mich zwar enorm gestört, dass er mich wie selbstverständlich duzte, aber dann fand ich es nur noch witzig, dass er mir sogar noch einen Namen gegeben hat, damit es persönlicher wird. Ich heiß zwar nicht so, aber es war dennoch gut von ihm.

War ein gutes Gespräch mit F., auch wenn es Stellen gab, bei denen er wirklich arg betroffen war und vielleicht etwas von seiner Jugendlichkeit hat einbüßen müssen. Aber solange es solche Typen auf der Welt gibt, ist sie noch nicht ganz verloren.

Strohwitwer

So, bis Montag Strohwitwer mit allen Pflichten und Freiheiten. Muss noch überlegen, was ich so unternehme. Wetter soll ja nicht so schlecht werden. Aber schätzungsweise wird ein Teil der Zeit mit der Überlegung draufgehen, wo man den perfekten Liebehaber für ein Wochenende findet. Das M. ist ja einfach zu weit weg, F. einfach zu langweilig im Bett und B. hat ja gerade so seine moralische Phase. Mal gucken.

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