Durch die Zeit

Tag: H.

13 x 9 / 2

Oh Wunder! Seit schon fünf Jahren lese ich mit C. einmal im Jahr einen ‚großen‘ Autor. Dieses Jahr eben Robert Musil. Wie immer mit verteilten Rollen, wie immer teilen wir uns nicht nur Abschnitte, sondern auch einzelne Sätze. Und auch wenn heute nur dreizehn ZuhörerInnen da waren – es macht einfach Spaß. Und Spaß macht auch die Vorbereitung, das Lesen in der Küche, das Chaos, wenn man sich die Sätze falsch notiert hat und beide anfangen zu lesen oder eben keiner. Und gut tut es eben, wenn als Rückmeldung kommt, dass man es genießen konnte, dass man die Angst vor dem „Mann ohne Eigenschaften“ etwas verloren hat, dass man Lust auf die Lektüre bekommen hat, dass … .

Was mich besonders freut ist, dass meine Auswahl funktioniert hat.

Und in der Hutkasse lag dann übrigens genauso viel wie letztes Jahr, als gut 30 Leute da waren. (Und wir waren letztes Jahr definitiv nicht schlechter, aber H., der Organisator, hat dieses Jahr den Spendendruck etwas erhöht – und somit habe ich zwei Bücher wieder finanziert.)

Das und dies und jenes

Überraschenderweise nochmals die Sonne auf dem Balkon genießen können. Bekomme derweil von P. über Mail ein Foto in ähnlicher Situation (wenn auch in schönerer Umgebung).

Anruf von H., kurze Rückfrage bei C. und nach zwölf Minuten ist klar: Im November machen C. und ich unsere jährliche Lesung, diesmal Robert Musil.

Dann Lust das Abendessen mit A. und T. etwas zu pimpen und da uns vieles fehlt machen wir dann Griesschnitten mit Zimtzucker und gedünsteten Äpfeln … manch Einfaches ist einfach nur gut.

Frau Merkel scheint mir leicht angepisst zu sein während Herr Schulz sie viel zu oft annickt. Damit ist die Wahl definitiv gelaufen und die bleierne Zeit wird weiter gehen. Man kann nur hoffen, dass sich die SPD in der Oppsition sich aufrafft um dann endlich mal wieder zu ihren Wurzeln zurück zu kommen um dann auch Paroli bieten zu können.

M. oder #381

Überraschenderweise fand ich heute eine Mail von M. in meinem Postfach. Ich war eigentlich davon ausgegangen, von ihm nichts mehr zu hören, brach der Kontak doch schon vor vier Jahren ab, von jetzt auf nachher.

Ist schon einige Jahr her, dass ich M. irgendwo im Netz ‚aufgetan‘ habe, wir uns dann recht bald trafen und recht bald stand er vor der Kamera. Mit C. zusammen mein liebstes Modell. Er hatte damals einen quasi ‚unschuldigen‘ Körper, der aber nur so von sexueller Leidenschaft ’sprach‘ – wenn er nackt vor der Kamera stand (was man hier ja nicht zeigen kann). Mich hat das damals sehr gereizt – dass er mich auch gerzeit hat, muss nicht extra hinzugefügt werden.

akt02_21

[Das Foto ist noch aus dem allerersten Shooting, als er noch seine Männlichkeit versteckte.]

Später hatte er auch Lust mit mir zusammen vor der Kamera zu stehen – und da sind ein paar Reihen / Serien enstanden, die wirklich zu den besseren Fotos von mir gehören.

Aber auch so hatten wir einiges miteinader zu tun. Er gerade mit der Schule fertig in einer Findungsphase in vielerlei Hinsicht und ich hatte halt offene Ohren, die ein oder andere Frage, das ein odere andere schiefe Grinsen, wenn er meinte, mir mal wieder ein U für ein X vormachen zu können oder vielmehr sich … war wirklich sehr lebendig das.

Und dann ist er zu seinem (ersten) Freund ab nach H. und ward nicht mehr gesehen, gehört, gelesen. Das hatte mir schon weh getan, denn ich hatte wirlich gedacht, dass da etwas mehr ist, dass es da bei einem ‚etwas‘ bleibt.

Die Mail muss ihm, wie er schreibt, echt Überwindung gekostet haben, denn da scheint viel Scham zu sein. Gut geht es ihm derzeit wohl auch nicht und was ich da zwischen den Zeilen zu lesen meine, lässt jetzt nicht gerade Himmel-hoch-jauchzend erahnen.

Geantwortet habe ich noch nicht.

Fremdkochen

Es war von H. und R. eher eine Notidee, mich und meinen Mann zu fragen, ob wir heute für sie und die vier Gäste kochen könnten. Sie hätten sich sonst das Hauptgericht liefern lassen müssen und dann eben noch irgendwie eine Salat beigesteuert. Aufgrund der Wohnsituation mussten sie uns dann eben auch noch an den Tisch bitten, auch wenn ich von H. weiß, dass mehr als sechs Gäste sie aus kommunikativer Sicht doof finden (was ich meist verstehen kann).

Ausgemacht war, wir kochen, sie zahlen die Einkäufe und legen das drauf, was sie meinen. Aber um das ging es auch nicht, denn würde man wirklich für Geld fremdkochend, dann wird die Klientel extrem klein. Wer zahlt denn schon den Mindestlohn für einen Koch, der für ein viergängiges Abendessen schon mal an die zehn Stunden braucht.

Das Amuse Geul haben wir als Weihnachtsgeschenk beigesteuert (Taubenterrine mit einer Cranberrymarmelade) und für so halt zwei Brote mit Salzbutter (Maldonsalz – da lass ich mich nicht lumpen *lach*). Dann gab es Feldsalat mit Orangendressing, Pastinakensuppe mit Ouzo und Roter Beete, Lammgulasch mit Rosenkohl und Serviertenknödel und schließlich Gelato al Café mit nem Orangenplätzchen.

Zugegeben, wir haben schon gestern damit angefangen, heute habe ich alleine sechs Mal den Feldsalat gewaschen … also es war schon Aufwand ohne jede Frage, aber auch deswegen, weil ich weiß, dass die Küche bei H. extrem klein und extrem schlecht ausgerüstet ist, so dass wir im Grunde alles vorbereitet hatten und nur noch Kleinigkeiten dort machen mussten. Alles andere war in zwei großen Taschen und einem Rucksack verstaut. Das fing beim Schneidebrett an, ging über die Messer bis hin zu den Handschuhen und endete in der kleinen Box mit den Keksen.

Das schönste Kompliment war dann, dass wir es so vollkommen unhektisch gemacht haben, so im Nebenbei eben, dass den Leuten bspw. dann erst am Schluss irgendwie aufgefallen ist, dass sie das Meiste vom selben Teller gegessen hatten, den wir halt zwischen den Gängen abgespült haben. Das hat mich / uns echt gefreut – denn ich habe schon immer den ’stillen Service‘ bewundert.

Ganz klar: Finanziell lohnt sich das definitiv nicht, das ist eine reine Freundschaftssache. Und klar ist: Für jede/n mache/n ich/wir das definitiv nicht. Aber R. hat schon mal für Ostern angefragt … und der hat ne richtig schöne Küche.

 

Thomas Bernhard, oder: Gar nicht so schlecht!

Die Lesung sollte um 19:30 beginnen. Da nicht nur der Veranstalter sondern auch C. und ich nun nicht wirklich berühmt bzw. bekannt sind (wir machen nur einmal im Jahr so eine Lesung) haben wir, wie jedes Jahr bisher mit 20 Leuten gerechnet. Bestuhlt wird immer für 30.

Um 19:20 waren schon die ersten drei Stühle besetzt, um 19:25 schon derer fünf. Um 19:32 musste H. dann in den Keller, um weitere 10 Stühle zu besorgen. Was mich echt gefreut hat, denn entweder zog Thomas Bernhard oder manche mögen es, wie C. und ich lesen. Wir teilen uns die Texte teilweise nicht nur nach Absätzen oder Sätzen auf, sondern bishin zu einzelnen Wörtern – wenn es passt. Im Grunde ist das – neben der Auswahl – die eigentlich Arbeit, herauszuarbeiten, wie wir die Stimmen verteilen.

Diesmal saß C. noch am Klavier, brachte noch einen weiteren C. mit der bei einem Stück das Cello beinahe zersägte – auf dem Programm standen Bartók, Janácek, Mozart und Skoryk – was sich als eine überraschend runde Sache erwies. (Und C. zu beobachten, wie er auswendig das Klavier an seine absoluten Grenzen bringt – klasse einfach!)

Kurz: Es hat – wie jedes Jahr – richtig Spaß gemacht!

Und: Der Aufwand hat sich wieder gelohnt.

Und: Ich wußte es schon immer – bei Bernhard kann man richtig gut lachen (was das Publikum – an den richtigen Stellen übrigens – auch tat).

Und: Der freiwillige Obolus am Ausgang, vermutlich war es der Musik geschuldet – aber für C. und mich wurde es zum ersten Mal dreistellig. (C. Nr. 2 hatte von sich aus sofort auf ein Beteiligung verzichtet, weil er sich bei seinem Job auch locker leisten kann – fand ich echt hochanständig.)

Liebeserklärung

H., gerade 73 geworden, erzählt, wie ihr jetziger Mann damals um sie geworben hat.

In einem Brief schrieb er ihr: „Mögen die Türen der Klöster für dich immer verschlossen bleiben.“

Wie klasse ist das denn!

 

Könnte so weitergehen

Gestern bekam ich von H. einen Kuss, heute konnte es S. nicht unterlassen. Und vermutlich hätte E. auch, wenn sie sich getraut hätte.

H. is calling

H. bekommt von mir jährlich die Sylvesterkarte, dafür bekomme ich unter dem Jahr mal eine Urlaubskarte von ihm – und das ist unser Kontakt. Seit Jahren schon. So richtig lebendig war er ach nur am Anfang, als er bei mir vor der Kamera stand und wir dann – aber Stunden später – in der Kiste gelandet sind. Ich hab nach Sex selten so einen glücklichen Menschen gesehen wie ihn, denn für ihn war es der erste ‚richtige‘ Sex mit einem Mann, d.h., ich hatte ihn von vornherein als schwul angesehen (gut, das er verheiratet war und zwei Kinder hat — was solls?) und ihn auch klar wissen lassen, dass er ein verdammt attraktiver Mann ist. Er hat sich das erste Mal erobern lassen und nicht irgendwie Rubbelaktionen mit Leuten hinter Büschen gehabt, die er nicht wirklich mochte. Er ist das einzige Modell, mit dem mir das passiert ist – sonst trenne ich Foto und Sex dann doch absolut. Bei ihm bereue ich es auch nciht, denn wir konnten und können das sehen was angesagt ist und mischen es auch nicht.

Etwas später stand ich ihm Modell und hatten nach getaner künstlerischen Arbeit noch Zeit für ein hübsches Schäferstündchen auf einer 80-cm-Matratze. Wieder etwas später hatten wir ein sehr ertragreiches 3er-Shooting, dessen Fotos ich hüte wie ein Augapfel.

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Das ist eins der Fotos, die damals entstanden. Ich lasse jetzt mal komplett offen, wer wer ist und wer wo stand oder lag. Ist ja auch nicht so wichtig.

Nun über flickr seit Tagen Mails. Krise, privat wie beruflich. Mir noch unklar, worin es genau besteht. Aber da ich gelernt habe, Fragen zu stellen … Und, dann doch etwas überraschend hat er durchblicken lassen, wir sollten mal wieder zu den Apparaten greifen. Da er jünger als ich bin, wird es sich bei ihm noch lohnen – ich bleib als Modell für die nächsten 20 Jahren außen vor.

Mal so, mal so

Boa ist mir schwindlig. Dabei habe ich nur ein kleines Bier getrunken. Und das während drei Stunden Dante-Lesekreis. Der Schwindel kommt von H. Ich mag sie sehr, eine feine, ältere Frau mit bewegter Vergangenheit und viel, viel gutem, hintergründigem Witz. Aber sie leidet unter Parkinson. Und wenn sie nicht gut mit den Tabletten eingestellt ist, dann ist jedes ADHS-Kind eine Wohltat. OK, wird wohl eine Übertreibung sein. Aber H. kann dann einfach nicht ruhig sitzen, wiegt sich vor zurück, zur Seite, im Kreis … ohne jede Regel, ohne jedes Muster. Und wenn man sich dann eben mit ihr unterhält, dann schaue ich zumindest nicht von ihr weg, sondern verfolge mit meinen Augen ihre Augen – und da sie Gutes zu sagen hat …

Marcel Proust lesen

Gestern rief noch H. an. Ob ich von C. und mir ein Foto hätte, dass man der Presse schicken könnte. Nein hatte ich nicht, aber das erinnerte mich dann doch daran, dass ich da zugesagt hatte, eine Proust-Lesung zu machen. Und H. schickte mir dann auch gleich noch die Pressemitteilung, aus der ich dann entnehmen konnte: Die Lesung ist nächste Woche!

Um Aktivität zu zeigen, habe ich die Mail von H. einfach an C. weitergeleitet, kommentarlos. Der rief dann eine Stunde später leicht hektisch an, ob der Termin denn fest seit, den er da gelesen hätte. Konnte ich nur bejahen, denn das hatten wir Ende Dezember / Anfang Januar zu dritt diskutiert. Schicksalsergeben drängte C. dann auf einen ersten Termin am Mittwoch, später Abend. Das drängte nun mich wiederum heute, zu schauen, was wir denn aus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ lesen könnten.

Ohne Diskussion die ersten beiden Seiten. Darauf, zwingend sozusagen, die Madleine-Szene (und den letzten, geilen Satz, den habe ich mir zugeteilt). Dann, auch recht klar, der „kleine Kreis“ mit Swann und mit dem Zielthema der „kleinen Melodie“, die C. dann ggf. noch auf dem Klavier zu besten geben wird. Und dann wurde es plötzlich extrem schwierig. Denn je weiter ich nach hinten ging, desto mehr hätte ich vorab erklären müssen. Gerne hätte ich ja aus Guermants gelesen, aber da hätte ich eine zu lange Vorrede halten müssen. Der Sodom-Band ist zwar echt ein Highlight, aber auch zu erklärungsbedürftig, um die Feinheiten, die Proust da streut, kapieren zu können.

Letztendlich habe ich mich – schwitzend und nackt auf dem Balkon in der Sonne sitzend – für eine längere Szene aus „Im Schatten junger Mädchenblüten“ entschieden und zwar, als der Ich-Erzähler mit Monsieur Charlus in Kontakt kommt. Da kommt Swann nochmals vor, Saint-Loup ist dabei, die Großmutter – das kann man vorab ganz gut noch einführen. Und es endet mit dieser schönen und super zweideutigen Strandszene, als Charlus den jungen Ich-Erzähler im Badeanzug mal kurz abkanzelt.

Die Aufteilung der Sätze habe ich auch schon mal vorgenommen, so dass wir recht gut einzeln erst üben können und dann im Grunde nur noch auf die Zeiten schauen müssen. Und damit kopiere ich das, was ich drei Jahre lang in Köln hören konnte, als ich Dienstag für Dienstag in die Lengfeld’sche Buchhandlung pilgerte – nach telefonische Anmeldung – um Bernt Hahn und Peter Lieck zu hören, die die „Recherche“ mit verdammt geschickt ‚verteilten‘ Rollen vorlasen – was aufgenommen wurde.

Hatte ich nicht mal so ein Proust-Lese-Blog-Projekt vor? Denn die „Recherche“ gibt es ja als Hör-CD, schlappe 135 CD’s mit jeweils drei Tracks von jeweils meist einer Länge um 30 Minuten (die ich mir über Jahre zum Geburtstag und zu Weihnachten habe schenken lassen). Wenn ich jetzt jede Woche einen Track höre, den Inhalt stichwortartig notiere und dann ggf. noch etwas kommentiere oder geile Sätze zitiere – dann bräuchte ich für dieses Projekt gute acht (!) Jahre. Soll ich?

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