Durch die Zeit

Tag: I.

3 –

Eigentlich hatte ich hier gerade eine lange ‚Besprechung‘ des Abendessens bei I. geschrieben. Aber ich fand, das war irgendwie fies. Also gelöscht. Nur soviel: I. und ihr Mann können definitiv den besseren Prosecco / Wein / Schnaps anbieten (aber die haben auch echt genug Geld), aber so gut kochen, wie sie immer behauptet, dagegen nicht.

 

heute

Komischer Tag. Beginnt schon damit, dass ich bei der Arbeit etwas zu tun habe – und zwar zum ersten Mal die ganze Zeit. Das muss wohl eine kosmische Fügung gewesen sein, denn alle Anfragen, die ich in den letzten drei Wochen losgeschickt habe, wurden heute beantwortet, was dann natürlich die ein oder andere Aktion nach sich zog.

Dazwischen vermeldete mein Mann, dass er nun auf dem Weg nach Griechenland sei (was jetzt aber keine Überraschung war, da schon bekannt) und in dem Moment stand seine Nichte im Raum, die mit ihren 17 Jahren meint, eins auf ‚Schwarze Furie‘ machen zu müssen.

Zuhause dann kurzes Mittagessen, Tageslektüre und Aufbau des ‚Studios‘. Dann warten auf I. und ich werde so grottenmüde, dass ich fast Angst habe, am Schreibtisch über Marx einzuschlafen und das Klingeln nicht zu hören.

I. kommt dann mit A. Was in der Hinsicht interessant ist, dass ich A. aus einem komplett anderen Zusammenhang kenne, der mit schwul aber so gar nix zu tun hat. Wie sich dann im Laufe der nächsten Stunden herausstellt, scheinen sie ein Paar zu sein.

Vor der Kamera ist I. irgendwie gehemmt, bewegt sich zwar gut, aber dennoch etwas verhalten, es fehlt das Quentchen Extra. Sonst hat I. kein Problem, auch mal einen Ständer zu produzieren, wenn es zum Foto passt – heute hat das Seltenheitswert.

Mehl ist nach wie vor aufwändig (im Aufräumen) und bringt nur wenig gute Bilder. Die ersten Versuche mit Holi-Farben schlagen fehl, da braucht man echt Mengen.

Als beide weg sind, beschleicht mich irgendwie eine tiefgründige Traurigkeit. Ich nacke dann zwar auch noch etwas vor der Kamera, aber das wird alles nicht so richtig. Also noch kurz einkaufen, damit ich was zum Essen habe und etwas fernsehen, schon mal viele Bilder bearbeitet und mich sämtlichen Kontaktversuchen verweigert. Morgen gehe ich wohl auch etwas später zur Arbeit – scheint, ich muss mich mal etwas um mich kümmern.

WSMDEGT 10/16

Wie schon auch letzten Monat fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag.

00:45 – Doch noch eine Mail an U., der ich wohl etwas hart über den Mund fuhr, als sie schon wieder mit ihrem Thema begann, was im Grunde schon seit zwei Jahren geklärt ist. Aber die Nerven lagen da schon blank.
01:30 – Doch mal ins Bett.
06:48 – Beim Aufwachen das Gefühl, es könnte Schnee liegen. Es regnet aber ’nur‘.
06:51 – Das Bad ist kalt:
06:59 – Warum steh‘  ich eigentlich nicht auf frisches Brot, wie all die anderen?
07:18 – Immerhin heute mal pünktlich an der Straßenbahn.
07:36 – Arbeitstrott – es gibt sogar etwas zu tun.
09:35 – Die Sekretärin will wissen, warum ich so „voll Scheiße“ aussehe. Ich spare mir die Erklärung.
09:37 – Die Sekretärin bittet mich in der Personalabteilung anzurufen, ich hätte mich vergessen einzustempeln.
09:39 – Mein Mann ruft an und sagt nur: „Ham wa“.
10:30 – Es ist definitiv – fertig wird heute nix, weil dauernd …
10:55 – Straßenbahn schon zurück, denn …
11:17 – …soll T. mit dem Zug ankommen.
11:33 – rollt dann der Zug mit „5 Minuten Verspätung“ ein.
11:50 – Reden, Tee trinken, Pfannekuchen machen, Pilze machen
12:15 – Kommunikatives Mittagessen
12:50 – Rückzug hinter den Computer. Eine ‚Kategorie‘ ist eine ‚Kategorie‘ die eine ‚Seite‘ ist – bei ihr. Bei WordPress gelingen ihr Sachen, die ich noch nie gesehen habe – keiner kann sie aber (er)klären. Leise Zweifel, ob sie überhaupt etwas von mir lernt.
15:50 – Zeit für ein Spaziergang, doch vorher kurz Zugzeiten checken. Der, mit dem sie fahren wollte fällt aus, entweder jetzt oder erst in drei Stunden mit unsicherer Prognose. Da die Kinder ‚warten‘ …
16:27 – Wir holen ein paar wenige Küsse nach … und jede/r denkt vermutlich so ihren / seinen Teil. Die Gemengenlage ist aber auch etwas appart.
16:37 – Der Zug ist auf die Minute püntklich und weitgehend leer.
16:45 – Kurz auf der Post. Päckchen holen. Nächste Whiskey-Lieferung die mir –  wie sollte es anders heute sein – T. geschenkt hat.
16:55 – Kurz Mails etc. checken
17:10 – Tageslektüre: 3 Seiten „Die besten deutschen Gedichte“ und 10 Seiten Jürgen Neffe: „Marx, der Unvollendete“.
18:00 – Auf die Minute Abendessen, mein Mann muss noch weg, ich später ja auch. Bis dahin schimmel ich echt ne Runde ab.
19:39 – Wieder auf der Straßenbahn
19:55 – Längere Übergabe, da ich I. lange nicht gesehen habe und wir uns, obwohl wir uns kaum kennen, sehr, sehr mögen.
20:10 – Scheint ruhig zu beginnen. Aber das schien dann nur so.
23:00 – Die Ablöse ist pünktlich. Und da G. gestern auch dabei war, will sie mir gestehen, wie schrecklich sie den Abend fand. Wir kommen in einen kleinen, für mich überraschend gleichmeinenden, Austausch und entwicklen zwei Ideen, von der die eine ich wohl morgen gleich auf den Weg bringen werde. Daher erst …
23:35 – … zu Hause. Mein Mann ist überraschend noch wach, eins kann ich noch loswerden.
23:55 – Wein und TV – ich werd‘ sicher noch eine Stunde brauchen – aber der Ersatzsohn T. kommt morgen sicher nicht vor, da reicht es dann mal für einen Mittagsschlaf.

 

Mir fällt gerade keiner ein

Geburtstagsfeier bei I. Um das mal in gewisser Weise zu verdeutlichen: Es ist ihr 66ster. D.h., die einzige Droge, die noch die Runde machte war Alkohol (und vielleicht zu späterer Stunde Herztabletten und ggf. Viagra). Ich kenne etwa 60 Prozent der Leute vom Sehen (auch aus anderen Kontexten, weil wir da einem Freundeskreis etwas assoziiert worden sind) – schon seit Jahren. Aber wie ihnen geht es mir genauso: Namen sind enorm schwierig.

Dennoch heute: Vier Frauen kommen freudestrahlend auf mich zu, begrüßen mich mit Umarmung und Küsschen (hat es bei allen vieren bis dato noch nie gegeben), auch die dazugehörigen Männer geben nicht nur die Hand sondern gleich ihre Brust zur Begrüßung frei. Und ich komme über den Abend mit allen mehr oder weniger ins Gespräch – und kann feststellen, dass sie Informationen über mich haben, die ich ihnen sicherlich nicht gegeben habe.

Aber irgendwann findet man mich wieder in der Küche beim Geschirr spülen, Abfall wegräumen, ‚Büffet‘ richten, Wein nachschenken, der Gasteberin bei dem ein oder anderen zur Hand gehen. (Vielleicht sollte ich das mal als Gewerbe anmelden.) Keine Ahnung, warum ich schon wieder so fremdel und mich überall rausziehe.

Ich finde mich da auch danach immer so ein bisschen unfair gegenüber den anderen, die Kontakt signalisieren, ich den auch annehme aber nur gerade so, wie es ‚ausreichend‘ ist, um sich dann ab zu machen. Zu befürchten hätte ich von denen echt nix, da alles eher aufgeschlossene Menschen und eher aus dem ‚reflektierten Bereich‘, will heißen, Psychologen, Psychotherapeuten, Psychoanalytiker und Ärzte. Und es wird definitiv NICHT die Professionen bei den Feten ausgeübt.

Ach, ich weiß gerade auch nicht. Irgendwie war’s schön, irgendwie hätte ich schon gerne mehr mit der ein oder dem anderen gesprochen – aber dann verkrieche ich mich doch in die Küche.

 

# 380

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Mit der Hand

Gestern bekam ich von I. eine Rückmeldung auf meine Sylvesterkarte. Sie bedankte sich dafür und gestand, dass sie längere Zeit gebraucht hätte, mich hinter dem Luftballon zu erkennen. Witzig daran ist, dass ich auf der Rückseite ihr noch einige Zeilen geschrieben und auch mit meinem Namen unterschrieben habe – aber das war wohl, mal wieder, so vollkommen unleserlich.

Müsste man Blogs handschriftlich führen – ich wäre definitiv nicht dabei. Denn wenn ich was mit Hand schreibe, dann ist es selbst für mich eine (zum Teil unlösbare) Herausforderung, das Geschriebene wenige Zeit später zu entziffern.

Immerhin halte ich mir zugute dass M., der kurz nach dem Abi schwerst verunglückte und es lange Zeit unklar war, ob er noch wird richtig sehen können, als ersten Sehtest eine Postkarte von mir vorgelegt bekam. Und als er immerhin die Hälfte vorlesen konnte waren alle komplett überzeugt, dass weder die Augen noch das Hirn geschädigt sein konnte.

Aber so eine schöne Kritik an meiner unleserliche Handschrift, wie sie Marcel Proust Emmanuel Berl teilhaben ließ, hatte ich noch nie und werde sie wohl auch nie bekommen. Proust schrieb ihm wohl im Okt0ber 1919 folgendes:

Ich will Ihnen […] sagen, dass ich heute Morgen einen Brief von Ihnen erhalten habe, der mir das größte Vergnügen bereitet hat, denn ich habe darin die mysteriösen Arabesken wiedererkannt, die Sie ironischerweise als Ihre Schrift bezeichnen. Aber dieses Mal habe ich […] kein einziges Wort entziffern können … .

Wenn man mal nicht da ist

Man lässt mich grüßen. Von denen, die auf dem Geburtstag waren, wo ich mich habe ‚verleugnen‘ lassen. Freut mich – eine Geste eben.

Stutze aber dann doch sehr über die ausführlichen Grüße von K.-H. Wenn ich die Gesprächsanteile  zwischen ihm und seiner Frau I. benennen sollte, dann käme in etwa ein Verhältnis von 90 zu 10 für I. raus. Kann mich kaum erinneren, mehr als zwei Sätze mit K.-H. gewechselt zu haben. Aber er ist es, der mir ausrichten lässt, dass ihm mein ‚fremdeln‘ in so eine Situation sehr bekannt vorkommt.

Ist zur Zeit echt komisch alles. Aber spannend.

Freigaben

Heute Vormittag eine überraschend großzügige Freigabe der Bilder von I. bekommen. Hätte ich nicht gedacht, dass er nur eine Serie nicht in der Öffentlichkeit sehen will (was ich übrigens verstehe, denn Ständer-Bilder sind halt schon etwas speziell). Na, dann werde ich für hier vielleicht noch das ein oder andere raussuchen.

I. und die gewisse Enge

Wie gestern schon geschrieben, stand ich in den letzten Jahren hin und wieder mal vor der ein oder anderen Kamera. Überwiegend bei J., hin und wieder, wenn auch oft spontan – aber warum nicht -, bei Fr. und Hr. K., und einmal bei einem Fotografen aus H., dessen Modebilder man in allen wichtigen Zeitungen und Zeitschriften findet.

Wie gestern nicht geschrieben, steht der ein oder andere Mann bei mir vor der Kamera – und wer die Kategorie „Durch die Linse“ verflogt haben mag, wird durchaus das Gefühl haben, dass diese Aussage durchaus richtig ist. Und da ich mich für Mode so gar nicht interessiere haben die Männer bald eben nix mehr an. Und da passiert es schon, dass der ein oder andere auch mal einen Ständer bekommt bzw. bekommen will. Sei’s drum – da ist eh vorher abgesprochen, ob ich dann weiter fotografieren kann / soll oder eben nicht.

Und es wäre total gelogen, würde ich jetzt behaupten, dass in diesen Momenten bei mir gar nix passiert. Ja, ich bekomme in solchen Fällen meist auch einen Ständer – für die Dauer von 2-3 Fotos. Denn, bis auf eine längst vergangene Ausnahme, ist mir an den Bildern gelegen und ich habe genug zu tun um zu schauen, ob die Haltung stimmt, das Modell im richtigen Licht steht, das die Blickachse stimmt, das … fotografieren ist genauso viel Arbeit wie fotografiert werden. Und da hat Lust bei mir, wenn ich fotografiere, nur für einen Moment Platz. (Als Modell, wenn es um Lust geht, ist die Arbeit die, sich abzukapseln und so zu tun, als wäre man alleine, als gäbe es den Fotograf gar nicht und als wären die Anweisungen des Fotografen eigene Gedanken.)

Heute war I. das zweite Mal da. Hat mich eh überrascht, dass er sich nochmals gemeldet hat. Das erste Shooting war extrem hölzern, wir fanden nicht wirklich einen Draht zueinander. Damals hat mich gestört, dass er mit seinem Körper einfach nicht kann. Es gibt echt Männer um die 30, die haben Probleme in den Schneidersitz zu kommen. I. ist einer davon. Und er ist ein Typ von Mann, den ich nicht sehe. So überhaupt nicht mein Beuteraster. Einer, den man mir auf den Bauch schnalln muss – und dann passiert meinerseits doch nix. Überraschenderweise hatte er beim ersten Shooting auch gleich nen Ständer – was eher ungewöhnlich ist, denn die Situation so alleine vor einem (fremdem) Fotografen ist anfänglich wenig erregend. Warm geworden sind wir bei dem ersten Shooting wirklich nicht – das sind zwei fremde Welten.

Heute war er – überraschenderweise – wieder vor der Kamera. Und es war ein anderer Mensch. Der hat sich bewegt, hatte Ideen, hat Vorschläge gemacht. Wenn ich sagte, das wäre jetzt mit Ständer gut, dann gab es den auch, meinte ich, geht das auch ohne, dann war der sofort weg.

Das war einfach richtig kreativ und locker und offen – dass kenne ich eigentlich nur von C. (der aber noch nie mit einem Ständer aufwartete).

Was mich heute irritierte – ab einen gewissen Punkt hatte ich einen Dauerständer, denn das was I. da bot, war jetzt nicht Porno, das war einfach ‚Lust vor der Kamera‘.

Und ja, wenn ich die Freigaben habe, zeige ich hier das, was ich hier zeigen kann.

Leicht ist was anderes

Ich bin ja echt kein Freund von der Supervision, zu der ich 14-tägig hin muss. Meist wird ja eh nur gelabert, dass gelabert ist, so nach dem Motto: „Lasst uns reden, denn wer redet, ist nicht tot“ (frei nach Gottfried Benn), wobei halt die Tätigkeit im Vordergrund steht und nicht der Inhalt.

Aber gestern bin ich ‚gerne‘ hin, denn dan brannte mir dieser eine Vormittag nach wie vor auf der Seele.

OK, es war gut zu erzählen, gemeinsam „hinzuschauen“. Aber als I., die ich kaum kenne, aber die eine ähnliche Situation hat durchstehen müssen, auf mich zukam mit den Worten: „Komm, lass Dich mal umarmen“ … da war das der erste Moment, an dem ich mich echt etwas entlastet fühlte aber mir auch klar war: Das wird an mir kleben bleiben!

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