Durch die Zeit

Tag: James Joyce

Fast vergessen, …

… heute ist ja Bloomsday! Wenn ich nachher, als kurz nach 23 Uhr, nach Hause komme, dann heb‘ ich noch ein Glas irischen Whiskey – d.h. jeweils eins! – auf den guten alten Leopold und seinen Schöpfer James. Verdient hätten sie ja ne ganze Flasche, jeder eine – aber die schaffe ich heute defintiv nicht mehr. Gorgonzola müsste noch da sein …

Da diese wunderbare und vor mir heiß und innig geliebte Onanie-Szene einfach zu lang ist, um sie hier abzutippen – daher auch auf die unvergessliche Cissy Caffrey und die wunderbare Gerty MacDowll ein Glas, jeweils, bekanntermaßen – hier was Stilleres von ihm auf den Abend:

Alone
The moon’s greygolden meshes make
All night a veil,
The shorelamps in the sleeping lake
Laburnum tendrils trail.

The sly reeds whisper to the night
A name– her name-
And all my soul is a delight,
A swoon of shame.

499.436 in 1.572

Diesen Beitrag widme ich nocheinglaswein – denn ohne sie hätte ich einfach in einem Buch weitergelesen.

Und es begab sich vor mehrern Tagen, dass ich auf dem Blog von besagter nocheinglaswein auf einen Beitrag stieß, in dem sie kurz schrieb, dass sie gerade ihre Bücher, korrekter deren ISBN-Nummern, scannen würde. Das hat mich elektrisiert und einen Nachrichtenaustausch später, hatte ich die App auf meinem neuen Tablet.

Zugegeben, es macht Spaß die Kamera auf den Barcode zu halten und – schwupps – hat man Titel, Autor, Verlag, Seitenzahl, Erscheinungsjahr, Cover und manchmal noch mehr auf dem Display. Gut, manchmal funktioniert es nicht sauber, da muss man die ISBN selber eintippen. Gut, manchmal hilft das auch nicht so richtig weiter und man mus alle Angabe selber eintippen. Und wenn man nicht aufpasst, fehlt irgendeine Angabe oder den russischen Autorennamen hat man in mehreren Schreibweisen, oder die Titel sind falsch, oder …

Es ist eine Sauarbeit (vorallem, weil gefühlt 80% meiner Bücher keinen Barcode besizten)!  Dutzenden von heftigsten Niesanfällen später weiß ich also: Ich besitze mindestens 1.572 Bücher (ein paar sind noch bei E.) die es auf insgesamt 499.436 Seiten bringen. Davon habe ich 65,3% der Bücher und 58,8% der Seiten gelesen. Stimmt natürlich alles nicht. Zum einen verstecken sich hinter mancher ISBN-Nummer mehrbändige Werke und nicht alle Bücher weisen Seitenzahlen auf.  Kann man ein Lexikon, welches man seit 30 Jahren nutzt nun als ‚gelesen‘ kennzeichnen oder nicht und wie verfährt man bei Bildbänden, Reiseführern, Sammelbänden, …

Aber ich weiß jetzt wenigstens, welche Bücher mir über die Jahre verloren gegangen sind (u.a. „Der Untertan“ von Heinrich Mann – Pflicht in jedem deutschen Haushalt) und was für Schätze lagern (u.a. ein Erstdruck von Frans Masereel).

Am interessantesten ist aber die Aufzählung der TOP-14-Autoren. Handke und Kafka sind meiner frühen Jugend geschuldet. Warum Frisch sich nicht da vorne findet wundert mich, da ich so gut wie alles von ihm gelesen habe, da scheint doch einiges verloren gegangen zu sein:

  1. Marcel Proust
  2. Thomas Bernhard
  3. William Shakespeare
  4. James Joyce
  5. Bertolt Brecht
  6. Philip Roth
  7. Arno Schmidt
  8. Fjodor M. Dosotjewskij
  9. Ralf Rothmann
  10. Hermann Broch
  11. Peter Handke
  12. Hermann Hesse
  13. Franz Kafka
  14. Wolfgang Koeppen

It’s Bloomsday!

So langsam werde ich dann doch alt

Das hat aber auch etwas Gutes, wie ich gerade feststelle. Fast Gutes. Vor zwei Wochen einen Roman zu Ende gelesen, den ich so gut nicht fand. Geade eben entdeckt, dass ich ihn vor 20 Jahren schon mal gelesen habe – mit Begeisterung.

Noch ein paar Jahre – dann brauche ich mir wohl keine Bücher mehr zu kaufen und lese das Tausend, was im Regal steht, einfach nochmals.

Bis dato war ich echt stolz auf mich, dass ich nur wenige Sätze brauche um mich zu erinneren, ob oder ob nicht. Tja, da tauchen wohl erste, dicke Lücken auf.

Aber Proust und Joyce und Dostojewskij und Schiller und Schmidt und Jahnn und Gray und … nochmals so lesen zu können, als wäre es das erste Mal. Das hat definitiv was!

Scheinbar hat die Demenz auch gute Seiten.

Bloomsday

Aus gegebenen Anlass mal ein paar Zeilen. Und ich werde nicht müde aufzurufen: LEST den ULYSSES! Wer es in diesem Jahr schafft, der / die darf sich auf eine Essenseinladung freuen!

Also wer ist denn bloß dieser lange Lulatsch in dem Macintosh da drüben? Ich gäb was drum, wenn ich nur wüßt. Das heißt, es schert mich imgrunde ja einen Dreck. Immer taucht doch plötzlich jemand auf, an den man nicht im Traum gedacht hätte. Eigentlich könnte man ohne weiteres auch sein ganzes Leben alleine leben. Jawohl, könnte man durchaus. Müßte dann bloß jemand auftreiben, der einen unter den Rasen bringt, wenn man gestorben ist, obwohl man sich natürlich auch vorher ein eigenes Grab buddeln könnte. Tun wir sowieso alle. Bloß der Mensch begräbt. Nee, Ameisen ebenfalls. Das erste, was jedem einfällt. Die Toten begraben. Robinson Crusoe etwa, gilt doch als lebensechte Figur. Tja, und dann hat ihn ja auch Freitag begraben. Jeder Freitag begräbt einen Donnerstag, wenn mans recht überlegt.

Ach du armer Robinson Crusoe,
Wie kamst du da bloß zu so?

Armer Dignam! Sein letztes Lager auf Erden in einer Kiste. Wenn man denkt, daß das allen so geht, kommts einem doch glatt wie Holzverschwendung vor. Wird ja alles zernagt. Könnten stattdessen ne hübsche Bahre mit gleitendem Boden erfinden, eine Art Falltür mit Rutschbahn, und auf die Art dann einfach durch und runter damit. Jaja, aber dann würde gleich wieder jeder seine eigene Rutsche haben wollen. Da sind sie nun mal pingelig. Laßt mich in Heimaterde ruhn. Ein Kleckschen Lehm aus dem Heiligen Land. Nur Mutter und totgeborenesKind werden zusammen in einem Sarg beerdigt. Seh den Sinn schon ein. Ganz klar. Schutz für den Kleinen so lange wie möglich, selbst in der Erde noch. Des Irländers Haus ist sein Sarg. Einbalsamieren in Katakomben, Mumien, derselbe Gedanke. Mr. Bloom stand weit hinten, den Hut in der Hand, und zählte die baren Häupter. Zwölf. Ich bin die dreizehn. Nein. Der Kerl da im Macintosh ists. Todeszahl. Wo zum Teufel ist der plötzlich hergekommen? In der Kapelle war er noch nicht, das kann ich beschwören. Blödsinniger Aberglaube, das mit der dreizehn.

James Joyce: Ulysses

Über die schreibende Schulter geschaut

So genau weiß man es nicht, aber Marcel Proust soll in seinem 51-jährigen Leben an die 50.000 Briefe geschrieben haben (und die waren alle länger als eine WhatsUp-Nachricht!). Diese ungeheure Zahl ist, schaut man sich dessen Leben und Arbeiten an, nicht wirklich unwahrscheinlich, denn der Mann verbrachte Jahre seines Lebens in seinem Zimmer und schrieb – u.a. auch seinen fetten geilen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Seit Januar habe ich 572 von ihnen in den beiden neuen Briefbänden gelesen und bin nach wie vor fasziniert. Proust als Type ist schon recht eigenartig, eine verklemmte Schwester (der Zeit geschuldet), wohl auch einen Tuck hypochondrisch und in gewisser Weise auch immer mal wieder versessen. Andererseits muss das ein kluger, liebenswerter Kerl gewesen sein, der vor Empathie nur so gestrotzt haben muss. Und so eigen er wohl gewesen war – eitel, trotz auch des späten übergroßen Erfloges, war er nicht.

In geschätzt über der Hälfte der Briefe erwähnt er zwar seine schlechte Gesundheit mit einem Satz – um sich dann anderen Themen zu widmen. Dass kann enervierend ausfühlich sein, wenn es um die Möbel, die Teppiche, die Stühle, die Vorhänge, die Tische, das Bett, der Schrank, das … für die neue Wohnung geht, andererseits schreit es nach mehr, wenn er zur seinen literarischen Arbeiten Stellung nimmt. Aus den Briefen spricht etwas ‚Herzensgutes‘ – was mich vermuten lässt, dass es genau das, was die anderen an ihm nicht verzweifeln ließ, denn er konnte auch durchaus penetrant sein, wenn sein liebendes Herz verbotenerweise mal wieder höher schlug.

Mich freut’s, dass ich auch heute am Bloomsday fertig geworden bin, denn – oh Wunder, oh Zeichen – Marcel Proust und James Joyce sind sich einmal bei einem Abendessen begegnet. Im Jahr seines Todes 1922 am 18. Mai im Hotel Ritz auf Einladung des Mäzenenpaars Sydney und Violet Schiff. Mit dabei – und das muss man sich mal vorstellen – waren noch Igor Strawinsky und Paplo Picasso. Daraus müsste man doch mal einen Film oder ein Theaterstück machen (und etwas von der Wahrheit abgehen, denn nach unterschiedlichen Berichten hatten sich Joyce und Proust nichts oder nur Nichtigkeiten zu sagen).

Und hier noch ein Brief an Emmanuel Berl vom 26. Oktober 1919 der mir deswegen so gut gefallen hat, weil, hätte ich mit Proust eine handschriftliche Korrespondenz geführt, er mir das wohl (auch) geschrieben hätte:

Cher ami,

Ich bin außer Stande, zwei Zeilen zu schreiben. Ich will Ihnen aber doch sagen, dass ich heute Morgen einen Brief von Ihnen erhalten habe, der mir das größte Vergnügen bereitet hat, denn ich habe darin die mysteriösen Arabesken wiedererkannt, die Sie ironischerweise als Ihre Schrift bezeichnen. Aber dieses Mal habe ich, entweder liegt es an meinen Augen oder Sie haben sich selbst übertroffen, kein einziges Wort entziffern können. Ich weiß sogar nur deshalb, dass der Brief von Ihnen stammt, weil ich jede ganz besondere Form der Unleserlichkeit wiedererkannt habe, die die Ihre ist. Aber ich habe sie wiedererkannt wie man aufgrund der Manier sagt „diese Zeichnung stammt von jenem Künstler“, ohne dass man die Signatur gesehen hätte. Wenn Sie ihre Briefe an mich nunmehr diktieren wollen, berauben Sie mich des Vergnüngens, diese Zeichen bar aller rationalen Bedeutung zu betrachten, die in meinen Augen aber ihre Gesichtszüge nachzeichnen. Aber immerhin wüsste ich, was Sie mir sagen wollten.

Ihr ergebener

Marcel Proust

Eine 8 zum Bloomsday

Es gibt andere, die haben heute schon ausführlich zur „Ulysses“ von James Joyce geschrieben (bspw. hier und hier). Daher halte ich mal lieber meine Klappe und werde nachher noch etwas durch die Stadt streifen und versuchen eine 8 zu laufen. Denn Lepold Bloom tut es ja am 16. Juni in Dublin ebenalls. Auf die Einnahme alkoholischer Getränke werde ich aber bis heute abend verzichten, aber so ein Gorgonzola-Sandwich? Denn das Mittagessen Bloom’s besteht aus Gorgonzola-Sandwich mit Senf und einem Glas Burgunder in der Ormon-Bar.

Und ach ja: Lest‘ es, habt kein Angst! (Wer richtig mutig ist auf englisch.)

Have you a cheese sandwich?

—Yes, sir.

Like a few olives too if they had them. Italian I prefer. Good glass of burgundy take away that. Lubricate. A nice salad, cool as a cucumber, Tom Kernan can dress. Puts gusto into it. Pure olive oil. Milly served me that cutlet with a sprig of parsley. Take one Spanish onion. God made food, the devil the cooks. Devilled crab.

—Wife well?

—Quite well, thanks … A cheese sandwich, then. Gorgonzola, have you?—Yes, sir.

*

-Mustard, sir?

-Thank you.

He studded under each lifted strip yellow blobs.Their lives. I have it. It grew bigger and bigger and bigger.

Mr Bloom ate his strips of sandwich, fresh clean bread, with relish of disgust, pungent mustard, the feety savour of green cheese. Sips of his wine soothed his palate. Not logwood that. Tastes fuller this weather with the chill off.

Mit ohne

Gestern und heute ist mir schon recht stark aufgefallen, dass mir die Bibellektüre ‚fehlt‘. Es ist jetzt echt nicht so, dass ich Entzugserscheinungen hätte, aber das tägliche: „Ich muss noch Bibel“ war mal Anker, mal Zäsur, mal Pflicht, mal Entschuldigung.

Und die Freiheit jetzt ist sowohl Freiheit wie aber auch ein „Was kann ich tun?“.

Finde es schon arg spannend, wie ich mich an dieses Ritual der täglichen Lesung gewöhnt habe, auch wenn es in den letzten Wochen eher langweilig-anstrengend war. Die täglichen drei Briefe Proust sind ein nur geringes Gegenwicht.

Aber schätzungsweise werde ich am Montag mit einer regelmäßigen Pflichtlektüre einer dicken (nun ja, 530 Seiten) Luther-Biograhphie beginnen und die dicke Proust-Biographie (900 Seiten) sowie die von Joyce (880 Seiten – jeweils ohne Anmerkungsapparat) stehen ja schon ewig aus. Ich steh halt mehr auf Primär- als auf Sekundärliteratur.

T.B.

Demnächst darf ich, wie in den letzten Jahren, wieder zusammen mit C. vorlesen. Begonnen hatten wir mit Joyce, dann kam Proust, dann Schmidt. Jetzt muss Thomas Bernhard daran glauben.

Als ich dem Veranstalter mailte, aus welchen Texten ich mir vorstellen könnte zu lesen – „Der Keller“, „Der Untergeher“, „Die Auslöschung“ – hatte der nix besseres zu tun, als das als Programm gleich mal als fix anzukündigen.

Das Wochenende jetzt reserviert, um aus den drei Texten passende, lesbare Stellen zu finden … und … ich blätterte also so durch die Texte, bei allen dreien hatte ich wenigsten ein paar Stellen noch im Hinterkopf die mich damals toll fand, fand sie dann zügig auch.

Ich fand’s dann schon erstaunlich, dass ich nach keinen zwei Stunden die drei Hauptstellen identifiziert hatte, dazu noch ein kleines ‚Rahmenprogramm‘ mit Gedichen von ihm und bei „Die Auschlöschung“ natürlich den ‚Witz‘, den ersten und letzten Satz als Rahmen zu lesen.

Mich erstaunt echt, dass ich bei Texten, die ich bspw. das letzte Mal 2001 gelesen habe, zwar nicht mehr die Seitenzahl weiß, wo die Stellen genau sind, aber wenn ich reinlese, weiß ich sofort, ob davor oder danach.

Und C. hat auf meine Mail sogar innerhalb 24 Stunden geantwortet, Montag um 20:30 erste Probe, die sehr lange dauern wird, da wir nicht nur die Rollen verteilen müssen – ok, da setz ich morgen schon mal dran – sondern auch abschätzen müssen, wie lange wir für welche Text brauchen und wo wir dann kürzen müssen / sollen / können.

Lesung

Seit drei Jahren darf ich ja einmal im Jahr ein Lesung veranstalten, d.h., C. und ich lesen vor. Bisher hatten wir Joyce, Proust und Schmidt (also deN Arno Schmidt). Der Veranstalter hat uns jetzt etwas unter Druck gesetzt, weil wir Mitten des Jahres immer noch mit keinem Vorschlag gekomen sind. Also wieder Not-Sitzung halbnackt auf dem Balkon und, siehe da, die Unispiration verfliegt nach wenigen Minuten und eine Stunde später haben wir ein 10-Jahres-Programm aufgestellt. Und für das mag ich C. so ungemein.

Wir lesen übrigens: Thomas Bernhard

Bloomsday

Da wird also heute niemand darum rumkommen. Irischen Whiskey und gebratene Nierchen (oder andere Innereien). Für die Nicht-Joycianer sollte es dann zumindest also schon Tee und ein Gorgonzola-Sandwich sein.

Have you a cheese sandwich?

—Yes, sir.

Like a few olives too if they had them. Italian I prefer. Good glass of burgundy take away that. Lubricate. A nice salad, cool as a cucumber, Tom Kernan can dress. Puts gusto into it. Pure olive oil. Milly served me that cutlet with a sprig of parsley. Take one Spanish onion. God made food, the devil the cooks. Devilled crab.

—Wife well?

—Quite well, thanks … A cheese sandwich, then. Gorgonzola, have you?—Yes, sir.

*

-Mustard, sir?

-Thank you.

He studded under each lifted strip yellow blobs.Their lives. I have it. It grew bigger and bigger and bigger.

Mr Bloom ate his strips of sandwich, fresh clean bread, with relish of disgust, pungent mustard, the feety savour of green cheese. Sips of his wine soothed his palate. Not logwood that. Tastes fuller this weather with the chill off.

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass die Lektüre des Ulysses ein ‚muss‘ ist. Ich helf‘ auch gerne.

#304 – Punkt

„Punkt“ war die Aufgabe diese Woche im Photoblog. Und es ist ja echt unteschiedlich, wie lange ich für eine Idee brauche. Das hier war Mittelstrecke. Einfach den letzten Punkt von Büchern. Ich könnte ja jetzt ein Rätsel veranstalten, aber das wäre dann doch wohl zu leicht, also im Uhrzeigersinn: Bibel – Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit – James Joyce: Ulysses [und ich war mir sooo! sicher, dass der Roman ohne Punkt endet und dass gerade das der Clou hätte werden sollen – denkste] – Fjodor Michailowitsch Dostojewskij: Rodion Raskolnikoff (besser bekannt unter dem Scheißtitel: Schuld und Sühne).

C., Beethoven und die fehlende Hose

C. spielt morgen das 1. Klavierkonzert von Beethoven mit dem hiesigen Uni-Orchester. Heue hat er einer Bekannten geholfen, die Wohnung zu renovieren, war davor in der Uni und schlug um halb zehn Uhr abends dann bei auf, dankbar für ein Bier und Toast. Aber dennoch voller Elan die von mir ausgesuchten Proust-Texte zu lesen.

OK, wie immer: ein Tuck zu lang.

Andererseits: So schlecht war die Auswahl nicht, denn C. muss öfters mal lachen.

Und es erinnert mich an eine Probe von vor zwei Jahren. Da hatten wir uns Joyce vorgenommen und bei der zweiten oder dritten Probe – es war ähnlich heiß wie heute – kam ich in totalen Stress als er klingelte und ich nur ein T-Shirt an hatte. Damals machte es echt TILLT mir mir und ich hab halt dann ohne Hose die Tür geöffnet. C. hat das dann erst weit aus später realisiert, einmal gegrinst, und weitergelesen.

Heute kam ich aus einer Laberrunde mit Verabschiedung des Laberrundenvorsitzenden, zog mir, als ich endlich wieder zu Hause war die Hosen aus und hatte kein Problem, C. die Tür so zu öffnen. Ich vermute, er hatte es eh schon erwartet.

Und das mag ich an ihm: Er kann einfach geschehen lassen. Und es gab oft genug schon Momente, wo er nackt war, ich ihn photographierte und es genauso OK war wie andersrum. Manchmal kann es einfach so einfach sein.

Proust, Joyce, Beckett und C.

Mit C. Lesungen zu planen, macht einfach Spaß. Er ist so herrlich unkompliziert. Für den 10. Juli (Proust) kann ich mir natürlich Musik vorstellen, „das kleine Thema“. C. spielt Klavier. Also kurz hinter die Bücher, welches Stück stand Pate (Fauré: Ballade, op 16 – siehe unten), kurz die Noten im Internet gesucht – OK, bis zum ersten Doppelstrich sicher, der Rest dürfte zu lang und zu kitschig sein, also schlägt er noch Debussy vor und Franck. Wegen Joyce (16. Juni) machen wir uns erst gar keine Gedanken, am 14. und 15. wird geprobt, zwei reichen uns. Und für den 15. März (Beckett) nehmen wir die beiden Texte jetzt wohl schnell am Dienstag auf, die Weiterverabeitung, Hinzufügen von Geräuschen „och, ich mach‘ das schon, bekomme ich wieder etwas Übung.“

Und jetzt das kleine Thema bis 3:20 – danach wirds wild:

JJ und MP mit C.

Oh! Man zeigt gerade Interesse, dass ich am 16. Juni nochmals mit C. zusammen Auszüge aus dem Ulysses von Joyce zum Bloomsday lese.

Oh! Man zeigt gerade Interesse, dass ich am 10 Juli (ggf. mit C zusammen) eine Marcel-Proust-Lesung zu dessen 144. Geburtstag mache.

+ 1941: James Joyce

Unter der Dusche ist es mir gerade wieder eingefallen, was ich seit Tagen im Kopf wälze: Wie schreibe ich hier über den Ulysses von Joyce, um nicht als Angeber dazustehen und die Leser des Blogs zu animieren, diesen genialen Roman (endlich) zu lesen? OK, lest auch alles andere von ihm, es lohnt sich – aber der Literaturhammer ist und bleibt Ulysses, der gerne als Jahrhundertroman bezeichnet wird, der aber in Wahrheit mal ganz locker ein Jahrtausendroman ist.

Wollschläger, der Übersetzer (der sich aber Überträger nennen mag), hat mal einen Text geschrieben, den es im INet leider nicht gibt, mit dem Titel (etwa): „Wer hat Angst vor Ulysses“. Darin beschreibt er, das Ulysses einer der ganz, ganz, ganz wenigen Texten ist, bei denen man nicht weiß, wie es weitergeht. Bzw. man mein es zu wissen und es kommt aber garantiert anders, aber vollkommen anders. Das macht die Lektüre natürlich extrem schwierig, weil sie sich jeder Lesererwartung entgegensetzt. Aber wenn man das annimmt, dann ist dieser Roman das, was er sein will, dann ist dieser Roman das, von dem er schreibt: Ein Abenteuer!

Als ich ihn das erste Mal zu Ende gelesen hatte, konnte ich nur wenig dazu sagen. OK, da gab es einen Leopold Bloom, seine Frau Molly. Da war noch ein Deadalus – sein (unehelicher?) Sohn? -, irgendjemand der gestorben ist und noch ein paar gefühlte 1.253 Personen. Hätte man mich nach der Handlung gefragt, dann hätte ich im Brustton der Überzeugung gesagt: „Also das spielt in Dublin, mit Sicherheit.“

Nach der ersten Lektüre dieser 1.000 Seiten war ich echt frustriert. Stund‘ über Stund‘ habe ich mich da durchgekämpft und am Ende: Kaum was verstanden. OK, Kapitel eins bis fünf nimmt man mit. Zwar den ein oder anderen Perspektivwechsel, aber das kennt man ja. Doch dann … dann muss man sich mit althochdeutsch rumschlagen, ein Kapitel besteht nur aus Fragen und Antworten wie im Katechismus, eins ist total irre und als Dialog von vielen geschrieben, ein anders wartet mit bombastischen Satz- und Wortkaskaden auf, so dass man sich komplett verliert … und man fragt sich die ganze Zeit, wie soll das zusammengehören, um was geht es hier den eigentlich, was soll das und: Wer ist hier eigentlich der Irre? Der, der das geschrieben hat, oder der, der das liest?

Und dieser Frage habe ich mir auch nach der ersten Lektüre gestellt – und da ich nicht irre sein wollte und ich mir es auch wenig vorstellen konnte, das es Joyce sei und ich merkte / fühlte / ahnte, da „ist was“, hab‘ ich das Ding, nach einer kurzen Pause, nochmals gelesen. Viermal habe ich es mir in der Zwischenzeit zu Gemüte geführt, dank E. mir auch das kongeniale Hörspiel reinziehen können, dank Tante G. die komplett Lesung. Es gibt jetzt Stellen, die kann ich sogar erklären, kann sogar das Grundkonzept erläutern, kann auf das ein oder andere hinweisen … aber kapiert, kapiert habe ich den Roman nach wie vor nicht. So – und jetzt bitte mal die Hand hoch von denjenigen, die das von einem anderen Roman auch behaupten können, also mehrfach gelesen, immer noch nicht alles kapiert, aber immer noch interessiert.

Und da hilft eben Wollschläger. Wenn man ein einziges Mal in seinem Leben einem Buch blind vertraut, wenn man einfach mal sagt: Ich bin nicht schlauer als der Autor und ich lasse mich von ihm leiten, ich gebe mich in seine Hände, in seine Worte, wenn man einmal es zulässt, sich von Literatur wirklich (!) überraschen zu lassen, dann, ja dann gibt es nur den Ulysses von Joyce (sage ich bei dem Stand von gut 1.700 gelesenen Büchern).

Und jede und jeder der nun mit dem Gedanken spielt, sich das Machwerk mal reinzuziehen: Ich bin gerne als Begleiter dabei, ohne dem Abenteuer auch nur einen Deut zu nehmen.

Und ohne viel zu verraten, aber vielleicht hilft der Schluss des Buches ja den Roman in Angriff zu nehmen, denn da heißt es ganz, ganz, ganz am Ende:

ja ich will ja

Bloomsday

Kurz habe ich ja überlegt, ob ich nicht die Ulysses-Lesung vom letzten Jahr am heutigen Bloomsday wiederhole. Aber als ich dann mitbekam, dass Deutschland spielt, war die Idee gleich wieder weg – wäre eh niemand gekommen.

Aber lieber Lepold Bloom – denk fest an Dich, wie jedes Jahr!

ZT

Streng genommen müsste ich noch 15 Tage warten. Aber da ich über P. Prozente bekomme und ich einfach mal irgendwas zum Freuen brauche, habe ich heute beschlossen, mir meine Rauchen-Aufhör-Belohnung jetzt zu bestellen, nämlich ein Buch. Gut 1.500 Seiten, 1.6 Kilogramm oder so schwer, Sonderformat. Es gehört zu den Büchern der Literaturgeschichte, von denen man schon mal was gehört hat, aber niemand kennt, der es gelesen hat. Zu diesen Brocken zähle ich u.a. den „Ulysses“ von James Joyce („zu schwer“) oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust („zu lang“ – na ja, etwas mehr als 3.000 Seiten). Aber da ich die beiden hinter mir habe (jeweils zwei Mal, wenn ich angegeben darf) gibt es jetzt eben „Zettel’s Traum“ von Arno Schmidt – die letzte deutschsprachige Herausforderung.

Jetzt muss P. nur noch ihre SMS checken, dann ihre Mails und dann es bestellen können. Prozente tun da richtig gut, denn für ZT hat man 348 Euro auf die Theke zu legen.

(Und jetzt kann ja jede/r ausrechnen, wie viel ich früher geraucht habe.)

brigwords

Leben berührt - Gedichte und Geschichten

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

Kritzelkomplex

Just another WordPress.com site

heat'n'eat

The way I cook/Wie ich koche

wirbelwind68

ich lebe intensiv und reflektiert

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

KenterKönig

und anderes aus der weiten Welt

winterlichtblog.wordpress.com/

Jedes Bild ein Selbstbildnis

herschelmann fotoblog, bestpixel-photowerkstatt-hamburg.de

einige mehr oder weniger tolle Ideen um die Fotografie und die Bildbearbeitung

Rummelschubser

Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia