Durch die Zeit

Tag: Krebs

Wie immer?

Vorhin meine Patentante G. angerufen. Jährlicher Pflichtanruf – schließlich muss man sich ja vor seinem Geburtstag (meiner ist in wenigen Tagen) für das Weihnachtsgeschenk bedanken.

Wie immer ist erst Nenntante A. dran. Wie immer in bester Laune. Sie hat Brustkrebs und bekommt gerade eine Chemotherapie.

Wie immer dann Paten- bzw. Nenntante G. in der Leitung. Wie immer in bester Laune – oder das, was sie gerade noch als ‚beste Laune‘ hinbekommt. Ein selten bemühtes Gespräch, sie lacht vielleicht gerade drei, vier Mal – das ist für ihre Verhältnisse erschütternd wenig.

Verständlich wird das recht einfach, wenn man die beiden als Paar ansieht – was ja nicht sein darf und nicht sein kann (siehe auch HIER).

Werde wohl bald mal runtefahren und die beiden ohne (!) meine Mutter und ohne (!) meine Schwester besuchen. Das gibt zwar ein mittelschweres Familiendrama – aber da ich quasi eh schon enterbt bin …

 

 

 

Nette Rechenaufgabe

Und weil man / ich ja nett ist, hilft man nicht nur mal schnell beim Bierbänke und -tische aufbauen, Kühlschrank bestücken und sonstigen Vorbereitungen einer Gartenfete für eine Bekannte, die nach ihrer geheilten Krebserkrankung mit paarundsechzig in den Ruhestand geht, sondern macht noch (morgen) ne Ladung Gougère, der Mann steuert noch Tiramisu bei und – weil sich niemand bereit fand – und heute waren dann eben Hackbällchen noch dran. Ausgangsmasse: ein Kilogramm FlAisch!

Interessant dabei, dass aus der Ausgangsmasse plus 2 Eier, plus 1,5 eingeweichte Brötchen, plus drei eher kleine angeschwizten Zwiebeln, plus diversen Gewürze (20 gr? 30 gr?) und mit dem leider vergessenen Senf es 95 Bällchen á 15 Gramm ergaben. D.h. aus einem Kilo Fleisch nebst Beiwerk sind 1.425 Gramm geworden, obwohl beim Braten der Wasseranteil ja ausgetreten ist.

Wenn mir das mal jemand vorrechnen will – ich mach auch Hackbällchen!

12

Ich werde noch Liebeling aller Fetenausrichter. Für Freund P. den Freitag hingegeben,  um einzukaufen, Wohnung umzurüsten, schnell noch drei Kuchen zu backen … und eben all das tun, wenn am nächsten Tag ab 15 Uhr 60-70 Leute kommen wollen.

Und mir war klar, dass es da ohne meine Mithilfe nicht gehen würde – was mir auch ganz recht war, denn ich bin nicht so ein Feten-Fredy und fremdel derzeit auch enorm.

Kurz und gut, die ersten kamen um 14:30, was für mich dann hieß mit der ersten Kanne Kaffee das Geschehen zu betreten, der letzte ging so gegen 2, was für mich und P. bis 2:30 hieß, noch schnell die letzten Gläser zu waschen und die Reste vom Büffet in die Kühle zu bringen. 12 Stunden am Stück quasi den Dobby gemacht – mehrfach gefragt worden, ob ich eine externe fremde Kraft wäre – aber immerhin P. es ermöglicht, sein Fest zu genießen. (Das Gleiche war ja Anfang des Jahres, als ich mich auch in die Organisations stürtze, einerseits weil ich mit den Lehrern nicht reden wollte und andereseits, weil ich es nicht mit an sehen kann, wenn mies Organisiertes die Fete zu beeinträchtigen droht, weil, bspw. keine Gabel mehr da sind oder kein Idiot Bier nachlegt. Wobei, diese Fete hatte ja dann noch ein ganz besonderes Nachspiel.)

Heißt: Ladet mich ein! Zeigt mir wo alles steht! Und stellt mir ne gute Flasche Weißwein in den Kühlschrank!

N., der mich lange Zeit überhaupt nicht erkannte, fiel mir zum Abschied um den Arm, wie er es noch nie gemacht hatte, P.’s Mutter knutscht mich jetzt auch ganz gerne und wenn wir noch geblieben wäre, hätte M. uns „ein bißchen was für einen Italiener“ dagelassen.

Spannend in erster Linie aber, das R. sehr konkret und nachhaltig Kontakt zu mir suchte. Wir waren mal sehr eng befreundet, was dann aber vor ca. 20 Jahren mit einem lauten Knall auseinander ging. Erst vor drei Jahren habe ich dann wieder Kontakt aufgenommen als ich über P. erfuhr, dass er Krebs hatte. Wir hatten uns zwar vor drei Monaten nach Jahren wieder gesehen, aber außer einem „Hallo“ war da kaum etwas gewesen. So wunderte ich mich schon, als er sich sehr persönlich für die damalige ‚Seelsorge‘ bedankte. Das Eis ist jetzt jedenfalls gebrochen – aber das ‚Herrische‘ an ihm, ist noch ausgeprägter als früher.

Ersatz(bank)

Es dauert bei mir meist ein bisschen, bis ich kapiere, dass ich (mal wieder) als Ersatz(partner) fungiere.

Vor Jahren schon mit R. Immer, wenn er keine Freundin hatte, war ich eine wichtige Person. Wir sind in Urlaub gefahren, haben uns stundenlang unterhalten, waren ‚dicke‘ … und dann, wenn er wieder in einer Beziehung war, dann war ich nicht mehr „echt“, da fehlte es an „Authentizität“ und was auch immer. Jedenfalls Stress. Jetzt ist er schon seit Jahren verheiratet und seitdem haben wir keinen Kontakt mehr. Letztes Jahr ‚flammte‘ er etwas auf, als ich von seiner Krebserkrankung erfuhr, wir haben mehrfach gemailt. Gegen Ende seiner Genesungszeit hat er mal geschrieben, es wäre schön, würde man den Kontakt intensivieren können bzw. wiederaufleben. Mit etwas Verzögerung habe ich dann darauf geantwortet – zurück kam dann eine eher problematisierende Mails mit dem Inhalt: „Wie soll man sich denn über Mail wieder annähern? Ist das Projekt nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?“ – Reagiert habe ich bisher nicht, vermute, dass ich es auch sein lasse.

Derzeit bin ich mal wieder gefordert. Nicht von R. Heute waren es so Themen wie: Welche Bettbreite ist ok? Lohnt sich ein Dampfdrucktopf? Und irgendwas wegen Handy. Gespräche, die man ’normalerweise‘ mit seiner Partnerin / seinem Partner führt.

Ich geb‘ zu, mir ist es manchmal etwas zuviel, zwei ‚Beziehungen‘ parallel zu führen – wie es mir dann auch zu wenig ist, wenn ich wieder zurück auf die Bank geschickt werde.

Aber immerhin – ich seh‘ es jetzt und kann es thematisieren bzw. oralisieren.

Und?

Gerade bekomme ich eine Mail. Hauptbestandteil:

Ich komme gerade vom Kinderhospizverein.
Weißt du, was scheiße ist?
Wenn du als Mutter eines schwerbehinderten Kindes auch noch Krebs kriegst …

Was darauf antworten?

Krebs (3)

Aus verschiedenen Gründen muss das jetzt etwas kryptisch bleiben, aber bei dem einen habe ich eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben und bei dem anderen gebietet es schlichtweg der Anstand.

Kurz: Ich habe es gerade mit zwei Menschen zu tun die Krebs haben. Ich weiß nicht einmal, an welchem Krebs sie erkrankt sind, ich weiß nicht einmal, welche Heilungschancen bestehen, wenn sie bestehen. Und ich ertappe mich immer wieder dabei, sie konkret fragen zu wollen und bin froh, dass ich mich jedes Mal wieder zurückrufen kann. Denn ich glaube, wenn ich wüßte, dass Person A. wahrscheinlich unheilbar erkrankt ist und Person B. wahrscheinlich nicht, würde meine Reaktionen, meine Mails unterschiedlich ausfallen. Und ich weiß nicht, ob ich damit A. oder B. einen Gefallen tun würde. Ob ich jetzt A. oder B. einen Gefallen tue, weil ich die Krankheit bei beiden als schwer klassifiziere, sei auch dahin gestellt, aber nach meiner Erfahrung bin ich davon überzeugt, dass eh jeder an das Schlimmste denkt, wenn die Diagnose Krebs heißt.

Krebs (2)

R. macht mich gerade etwas fertig. Wir hatten ca. 15 Jahre (!) keinen Kontakt, aber über einen gemeinsamen Freund waren wir grob übereinander informiert. Jetzt hat er Krebs, jetzt bin ich auch auf einer e-mail-Verteilerliste, mit Hilfe derer er über seine Krankheit etc. informiert. Letzte Woche kam eine Mail, ich habe nicht darauf reagiert, weil wir uns ja fremd sind, es andere gibt, die näher sind etc. Heute über einen anderen Kanal die Frage, ob ich die Mail bekommen hätte, wobei ich die Nachfrage eher so interpretiere, dass er gern eine Antwort hätte.

Über mein Ehrenamt habe ich ja auch J. „an der Backe“, ebenfalls Krebs, ebenfalls Chemo.

Und was soll ich da schreiben? Das alles wieder gut wird (woran ich nicht glaube)? Das das alles schon so seine Ordnung hat? Das es halt menschlich ist (was es ja auch ist)? Das es mir auch nicht gut geht?

Na ja, die Maßnahme ermöglicht es mir ja, morgen lange darüber nachzudenken und abends dann eine Mail zu schreiben.

Aus dem Gesicht gesprungen

Heute bei der AG. In der Runde sitzt ein Mann, den ich nicht kenne. Ich frage D., wer das ist. Sie: „Du kennst P. nicht?“ Ich erschrecke. Klar kenne ich P. Aber nicht so, nach der Chemo. Noch dicker, dafür Glatze und das Gesicht in einem unnatürlichem Rot, das dem Betrachter nur anschreit: „Ja, es ist Krebs!“

Krebs

Ich hab‘ gerade so gar keinen Plan, wie man Menschen ‚begleitet‘, die Krebs haben. Menschen, den man irgendwie nahe steht, aber nicht so nahe. In meinem Umfeld sind es gerade zwei. Als mein Vater an Krebs erkrankte und starb war das irgendwie ‚einfacher‘. War halt Familie, man hatte alle Rechte und es war eher die Aufgabe, in der Familie für ‚Gleichstand‘ zu sorgen.

In einem der beiden Fälle kann ich wenigstens auf etwas Unterstützung hoffen, um die ich auch gerade gebeten habe. Aber einfach wird das alles dennoch nicht.

R.

Ja klar, das hat jetzt auch noch müssen sein! *kotz* R. haben P. und ich damals in der ZDL-Zeit über ein Theaterprojekt kennen gelernt. Und R. hat uns beide fasziniert. Zwischen mir und P. kam es deswegen auch zu Eifersüchtlichkeiten – aber irgendwie haben wir es zu dritt damals geschafft, dass es überwiegend für alle gut war. Wir waren echt gut!

Mit R. lief es dann irgendwie schief. Ich gnügte nicht mehr seinen Ansrrüchen. Wir versuchten es auf einer Städtereise, um uns zu beleben. Aber das endete im Ende, ich war nicht gut genug – oder was auch immer.

Über P. all die Jahre informiert, wie es R. geht, was er macht etc. pp.

Und jetzt über P. die Info, dass R. Krebs hat. Und jetzt nach Jahren über Facebook erste Kontakte wieder mit R. Und er, ohne Schnörkel. „Warum ich?“

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