Durch die Zeit

Tag: M.

Wiedergewählt

Bin mir gerade nicht so sicher, ob das eine gute Entscheidung war, nochmals für drei Jahre zu kandidieren, denn der Vorsitzende fand mal wieder kein Ende.

Immerhin ist G. jetzt mit dabei, der eher vernunftgesteuert ist. Dafür aber auch M., eher emotional-kompliziert.

Doch diesmal gibt es einen Rettungsanker: Im Fall der Fälle stehen sogar zwei Nachrücker bereit.

#510

bIMG_0191

Ähh – nur damit hier niemand auf einem falschen Gedanken oder Eindruck kommt. M., der unter dem Schlauchstoff sich befand, hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme definitiv keine Errektion. OK, er ist an sich gut ausgestattet, aber bei allen anderen Modells, die ich da rein gesteckt habe, kam der Schwanz immer extrem gut. Ich vermute, dass hat etwas mit der Flächigkeit zu tun und dem ‚Verwischen‘ der Proportionen. Besser kann ich es nicht erklären.

# 508

bIMG_0133

Zehn Minuten und Thomas Bernhard

  • So, jetzt ist es raus. M. verlässt die Abteilung (bzw. wird verlassen – so genau klar ist das nicht). Die Art und Weise, wie die oberste Führung mit ihm umgegangen ist, war definitiv nicht in Ordnung. Aber das er jetzt uns tritt, ist auch nicht gerade so ganz OK.
  • Ich liebe Thomas Bernhard (falls das jemand noch nicht wissen sollte): „Wir haben das Alter erreicht, in welchem wir selbst der Beweis sind für alles, was uns zu  unseren Lebzeiten zugestoßen ist.“ (Der Keller)
  • Ich bin gerade etwas froh, dass ich einigermaßen in Balance bin.
  • Jetzt stehe ich schon zehn Minuten früher als sonst auf, verpasse aber dennoch immer die eine Straßenbahn, die ich haben will. Wo, bitte schön, verschwinden diese zehn Minuten?

Musil lesen – #486

Ich war schon etwas überrascht, als ich das Foto zwischen Seite 492 und 493 entdeckt habe. Keine Erinnerung daran, es in den „Mann ohne Eigenschaften“ gelegt zu haben.

Aber es passt.

Denn die Erstletüre datiert auf August 1986. Und da es zu diesem Foto noch eine Reihe von anderen gibt ist klar, dass ich damals mit M. (hier auf Bild) auf dem Berghaus war (um als bekennender Hetero mit ihm ständig Sex zu haben).

Ohne dieses Beweise hätte ich mir das heute alles komplett anders zusammengereimt, vorallem, dass mit M. Ich meine mich zu erinneren, dass wir uns nur unendlich zögerlich aneinander angenähert haben. Aber so ist klar, dass ich mit 1986 definitiv das Thema Homosexualität auf der Pfanne hatte – und dann noch acht (!!!) Jahre bis zu meinem Coming-out brauchte. Heftig, heftig.

B'190810_4

Schöner wohnen

Heute das erste Mal bei E. + M. im neuen Haus. Da kann man einfach nicht möppern. Und im Garten gäbe es sogar einen Bereich für mit ohne Hose. Was wollte man mehr?

Blogeintrag mit Monsterwort

Ein Tag halt. Alles soweit im grünen Bereich. Der Höhepunkt wohl, dass ich spontan Quarbällchen gekauft habe (die ich sonst nie kaufe). | Ach so, die Ernennungsurkunde vom Regierungspräsidium lag auf dem Tisch. Jetzt bin ich also ganz offiziell stellvertretender Meisterprüfungsauschussvorsitzender. | Hilft mir aber auch nix, dass mein Mann und ich bei der Steuer irgendwas falsch machen. Wir suchen uns jetzt einen Steuerberater, da ich gestern fast einen Anfall bekommen habe. | Zwei Tage keinen Mittagsschlaf, daher gestern schon um kurz nach 10 ins Bett. Was A. sich gedacht haben mag? Dennoch plagende Träume, diesmal gab sich sogar der Papst die Ehre. | Ich darf echt nicht vergessen, dass ich Samstag Prüfungen abnehmen darf. Hätte heute schon den Dienst vergessen (der aber so ruhig ist, dass ich jetzt schnell schreiben kann). | Schaue auf Netflix Broadchurch (sehr empfehlenswert). Sie erinnert mich an meine Supervisiorin und er sieht so aus, wie ich mir meine große Liebe M. im Alter vorstellen kann. Beides lenkt ein wenig ab. | Am WE sollte ich echt mal versuchen, einen Tuck weniger zu denken oder zumindest das Zeugs aufzuschreiben (hier wohl eher nicht, was vielleicht auch gerade die Pausen hier erklärt). |

Soviel zu: „Ein Tag halt.“

Es wird auch mal wieder kürzer – nur heute nicht

Irgendwie komme ich so richtig gar nicht nach. Vor drei Monaten hätte ich aus den Erfahrungen der letzten 48 Stunden gut und locker für hier zehn Einträge verfasst. Jetzt reicht es gerade für ne kleine Liste, weil mir die Müdigkeit aus den Augen quillt, ich morgen um 7 raus muss, weil ich für Verein 1 um 8 in Aktion sein „will“ …

  • Yoga: Ich möchte mich definitiv nicht dabei sehen müssen und bemitleide die österreichische Lehrerin für den Anblick. Aber es tut einfach nur gut! Mit nur Yoga-Hose und nur leichtem T-Shirt und sonst nichts, ist es echt noch ne Ecke intensiver.
  • Bibliothek: Begegnung der 3. Art. Das Müffelmonster hinter dem Tresen für Rückgabe überschlägt sich vor Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Ich brauche unbedingt eine neue Version des Ausweises. O-Ton: „Da wir uns so gut kennen, machen wir das einfach mal auf dem kleinen Dienstweg – Sie bekommen in den nächsten zwei, drei Wochen ne Mail!“ Die Mail kam heute.
  • Warum hat „n1gw“ ihren Blog so plötzlich auf privat gesetzt?
  • Job 2: Die fachlich fundierte Kollegin muss sich Kinder-krank melden. Drei Kurzberatungen bleiben an mir hängen. Ich schwimme bei allen drei. Ich frage bei ihr nach – alles richtig gemacht.
  • Job 1: Der AL schmeißt mich mit Geheimaufgaben zu. D.h.: Er hat die Nase von Kollegin M.B. voll (ich eh) und M.B. wird mich kreuzigen und auf Ewigkeiten verfluchen, wenn sie mitbekommt, was ich da mache. Zugegeben, ich komme in einen leichten Loyalitäts-Konflikt – aber bei der Abteilung, ist ja eh nix zu holen. Dennoch, hab‘ das WE zum Denken.
  • Ist es verwerflich, dass ich einem Kandidaten, dessen schriftliche Arbeit ich heute dann doch schon korrigiert habe, einen halben Punkt zuschusterte, damit er nicht die Prüfung wiederholen muss?
  • Erotik wandert durchs Gemüt.
  • Letztes Jahr las ich mal irgendwo den Satz: „Nie erledigt man so viel, wie am Tag vor der Fahrt in den Sommerurlaub“. Mir scheint gerade, dass ich seit zwei Monaten jeweils am nächsten Tag für sechs Wochen in den Urlaub fahre.
  • E. würde jetzt vielleicht sagen: „B. hat Oberwasser.“ Es fühlt sich gerade so an, aber es ist ’nur‘, dass man mir Aufgaben zutraut. Die hätte ich auch alle in den letzten vier Jahren schon machen können. Arbeitslosigkeit ist in diesem Land selbstverschuldetes Elend – in vielen anderen Ländern ein gesellschaftlicher Missstand.

Tut mal gut

  • Das erste Lob bekomm ich von meiner neuen Kollegin M. Bei einem Beratungsgespräch hatte ich mich etwas eingemischt, ein Thema aufgegriffen und eine Hilfestellung gegeben. Danach meint sie, sie wäre sehr überrascht gewesen, wie tief ich schon in der Materie sei und wie gut ich das alles eingebracht hätte. Daher würde wir nun noch ein paar wenige Beratungen selber machen – dann könne ich das alleine.
  • Frau M., mit der ich noch nie ein Wort gewechselt habe, von Abteilung weiß-ich-nicht mit der Funktion keine-Ahnung, spricht mich an und will wissen, wir es mir in der neuen Stelle geht. Ich bedanke mich. Sie setzt zu einer längeren Erklärung an mit „Qualität setzt sich eben durch“ und „die Guten müssen oft so lange darben“ und „Sie haben den Hausschnitt ja eh komplett ‚versaut'“.

Ich freue mich, dass ich mich darüber einfach freuen und beides annehmen kann.

Erster Tag

Die neue Kollegin, M., empfängt mich freundlich. 80 Sekunden später erkundigt sie sich, ob man nicht schon mal gleich zum „Du“ wechseln könnte. Da hab‘ ich nix dagegen. Sie ist in etwa mein Alter und erinnert mich an Cindy von Marzahn. So ein bißchen von Aussehen und Statur, so ein bisschen von der Lebendigkeit und der Lust am Reden. Aber sehr viel angenehmer als Cindy und überaus fachkompetent.

Was bei der anderen Stelle knapp eine Woche gedauert hat, ist in zwei Stunden erledigt: Das Einrichten des Computers durch die IT. Drucker, Laufwerkberechtigungen, Freischaltungen, … Man ist ja jetzt ‚Berater‘. Also gibt es wortlos noch ein Diensthandy obendrauf, so dass ich mich jetzt zu den Top-Beratern des Hauses zählen darf. (Die Berater meiner anderen Abteilung haben nämlich kein Diensthandy – ja, ja, so kann’s kommen!)

M. hat meinen Arbeitsplatz mit allem notwendigen Material schon mal ausgestattet, darunter einen 50-cm-Lektürestapel – zu dem ich aber so gut wie nicht komme, weil sie mir lieber das erzählt, was es zu lesen gibt. Soll mir recht sein. Mir schwirrt nach einer Stunde der Kopf und ich werde wohl nen guten Monat brauchen, da bis ins Detail durchzusteigen. Aber ich freu mich drauf.

N., eine weitere Kollegin im Raum, mit ähnlicher Aufgabenstellung, wenn nur nicht so speziell, bietet mir nach 70 Minuten ebenfalls das „Du“ an (die restlichen beiden gehören zu meiner anderen Abteilung und duzen eh alles, was zwei Beine hat).

Beide AL’s geben sich (kurz) die Ehre und mir will scheinen, sie gehen sich beide etwas aus den Weg. Denn unser Vorschlag, sich dann mal in großer Runde zusammen zusetzen, um Strukturen, Verhältnisse, Zuständigkeiten etc. zu klären, damit wir ohne bürokratisches Gedöhns schnell ins Arbeiten kommen, stößt auf äußerst zurückhaltendes Interesse.

Insgesamt ist es ein komplett anderes Klima als in der anderen Abteilung. Im psychotherapeutischen Bereich würde man das als „freundlich zugewandt“ bezeichnen. Jedenfalls fühle ich mich wohl und ernstgenommen. Das tut gerade gut.

Krudes & Vergangenes

Gestern beim Psychodoc. Im Rahmen der Anamnese wühlt er etwas im Thema Sexualität rum. Ich lege nahezu ungeschminkt die Tatschen auf den Tisch. Er ist jetzt nicht gerade verwirrt, aber braucht ein paar Fragen, bis er alles auf dem Schirm hat. Als ich auf dem Weg zurück mir mal meine Geschichte in dieser Hinsicht anschaue, als wäre ich jemand anders, komme ich nicht umhin zu denken, dass das ja wohl ohne nen Knacks ja wohl schlecht abgegangen sein kann.

Und wir zur Bestätigung war das, was andere Leute nachts ‚Schlaf‘ nennen heute für mich ein leider unbewußtes Ab- und Drucharbeiten. Gemerkt habe ich es nicht nur, dass ich x-mal wach wurde und dann immer mit Traumfetzen zu tun hatte, sondern vor allem daran, dass ich gegen morgen von M. träumte. M., das war der Mensch, der mir mein Coming-out ermöglichte, mit dem ich eine Zeitlang auch was am Laufen hatte und der heute so ein Sehnsuchtsmensch für mich geworden ist. Leider waren wir immer in unterschiedlichen Prozesse unterwegs. Als ich mich noch wehrte schwul zu sein, hatte er sein Coming-out. Als ich es hatte und nur noch an Sex dachte, war er etwas weiter und suchte eine Beziehung, die ich zu dem Zeitpunkt partout nicht wollte und als ich dann, da hatte er schon längst eine beendet und …

Es hat mich dann heute morgen etwas traurig wie glücklich gestimmt, als ich beim Aufwachen noch seine Stimme im Ohr hatte. Hatte das gar nicht mehr so auf dem Schirm, wie angenehm sie doch war, mit welcher Modulation er arbeitet.

Echt froh gewesen, heute schon wieder einen freien Tag gehabt zu haben.

Letzte Blüte

Es ist das eine, in den Nachrichten zu sehen, wie Erdogan meint, Syrien bombadieren zu müssen. Es ist das andere, „unseren“ Flüchtling M. zu sehen, der erzählt, dass sein Onkel von einer türkischen Bombe letzte Woche getötet wurde. Der Onkel war in ein Nachbardorf mit dem Moped gefahren um Brot zu holen, weil es im Dorf selber aufgrund der Bombariderung keine Geschäfte mehr gibt.

Es ist schon eine verdammte Menge, was M. da aushalten muss. Und es ist schon ein verdammter Behördenapparat, der ihm einen Stein nach dem anderen in den Weg legt. Weil die Behörde schon wieder einen neuen Stein gefunden hat, darf er nicht mehr am Deutschkurs teilnehmen – und dabei heißt es doch landauf, landab, dass sei der Schlüssel zur Integration. Also kommt er jetzt halt regelmäßig zu mir und ich schaue, dass ich ihn da etwas vorwärtsbringe.

Ich würde schon gerne mal die ganzen AfD’lerInnen und Pegida-Ärsche jammern hören, wenn man ihnen auch nur ein Prozent von dem nehmen würde, was die Weltpolitik M. genommen hat. Diese egoistischen, asozialen Säcke legen sich nach ihrer Demo – „Man wird das doch mal sagen dürfen“ – wieder fett auf ihr Sofa vor den Fernseher, drehen die Heizung auf und futtern sich einen aus dem Kühlschrank ab, müssen weder um ihr noch um andere Leben fürchten und fallen, falls sie nix tun, in die ’soziale Hängematte‘, die für Menschen aus anderen Ländern nicht vorgesehen ist. Nun, sie werden mit ihrer Ignoranz – und das ist gewiss – den Weltenlauf nicht aufhalten können: Die Nationalstaaterei hat gerade ihre letzte Blüte.

Über die Grenzen

Gestern muss ich irgendetwas an mir gehabt haben.

Der Mann meiner Schwägerin, M., ist was Berührung betrifft aber so was von scheu. Wir kennen uns jetzt auch schon an die 20 Jahre, aber die intimste Berührung seit wenigen Jahren ist, dass wir uns zur Begrüßung die Hände geben. Gestern stand ich am Herd als er kam und hatte meine Hände nicht frei. Also sagte ich nur etwas zur Begrüßung, worauf er mich von hinten umarmte!!!

Beim Abendessen kam ich neben L. sitzen, der jetzt nicht berührungsscheu ist, sondern ganz ’normal‘ in der Hinsicht. Aber gestern hat er mich mindestens ein dutzend Mal angetascht, obwohl die Zeit, als er auf mich stand, jetzt auch schon 19 Jahre vorbei sind.

Ich bin ein Goncourt

Romane hätte ich gestern schreiben können! Ach was – Romantrilogien! Ich hätte sowohl Marcel Proust wie die Brüder Goncourt in den Schatten gestellt. Ich schwör! Aber man gab mir keinen Stift, keinen Block, keinen Computer.

Eingeladen waren wir auf einen Geburtstag. OK, es hätte uns etwas stutzig machen können, dass wir in ein Restaurant eingeladen wurden, einem etwas besserem. Es hätte uns noch stutziger machen können, als uns Gastgeber U1. mit Fliege entgegentrat. Vor allem, als die restlichen zwölf Gäste auftraten, hätte es mir wie Schuppen von den Augen fallen müssen – aber ich war schon so gestresst!

Die vermeintliche Geburtstagsparty entpuppte sich dann als Hochzeitsparty, U1. und L. hatte sechs Stunden zuvor und zwölf Stunden nach der Ankunft aus dem 4. Urlaub in diesem Jahr ihre Partnerschaft zur Ehe upgegradet. Aber das wäre nur der Rahmen zum Roman gewesen.

Inhalt der Romane wären die Gäste gewesen … und ich weiß nach wie vor nicht wo anfangen. Psychodynamisch waren das Explosionen. U2. und I. setzten sich beispielsweise so weit wie möglich auseinandern, weil sie nicht mehr miteinander sprechen. U2 sprach lange Zeit nur mit S., was mal eine sehr, sehr gute Freundin von mir war, wir aber seit Jahren aus ungeklärten Gründen keinen Kontakt mehr haben. Ihr Mann J. dagegen musterte mich ähnlich wie U2 beständig. Mir gegenüber saß ein nicht ganz unwichtiger Pfarrer (W.), der mir von V. vorschwärmte, als sei er verliebt (dabei ist er schwul und hat V. erst letzten ihrem Mann angetraut). Daneben saß eine weitere wichtige Geistlichkeit (K), die alles tat, um nicht wichtig zu erscheinen. M. hielt sich auffallend zurück, und E. mühte sie mehr ab, als dass es ihm Spaß machte. Drohnend in der Mitte dann R., der den Altersvorsitz übernahm und keine Zweifel daran ließ, dass man zu huldigen hätte, ihm natürlich.

Die meisten kenne ich ganz gut, einzeln genommen mag ich sie sogar – aber in der Runde: als Beobachter Stress pur! Was da alles abing – herrlich.

Ich hab mich dann – nach Jahren zum esten Mal wieder – zu S. und J. gesetzt. J. motze wie die Jahre zuvor schon destruktiv vor sich hin, S. macht dann sogar auch mir dann ein freundliches Gesicht, während U2 versuchte mich zu vereinnahmen, G. dagegen sauer war, dass ich nicht mich zu ihm setzte … Also versuchte G. an E. ranzukommen, der aber lieber mit U3 im Gespräch war, so dass erstmal nur M. übrig blieben, mit dem G. aber nicht so richtig kann. K. und W. gingen dann in irgendwelche Konkurrenz, worauf I. als Therapeutin einschritt, was wiederum L. …

Es war ein Fest, ein echtest Fest

 

Musil – Musik – Sex

Nächsten Monat lese ich mit C. zusammen Musil. Solangsam sollten wir ja mal anfangen zu planen. Aber ganz langsam. Erstmal Gedanken machen über die Musik, die C. spielen könnte. Ich erinnere mich, dass Clarisse und ihr Mann im Roman Klavier spielen – aber was? Wagner, wie ich dann im Roman finde. Und was finde ich noch? Ein Aktbild von mir, ein ganz frühes aber. Und wenn ich das jetzt richtig kombiniere, ist das von 1990, als ich den Roman das zweite Mal gelesen habe (aber anscheinend nicht fertig geworden bin), auf dem Berghaus, wo ich eine herrliche Woche mit M. verbracht habe – mehr Sex in einer Woche geht jedenfalls kaum (was nun wiederum nachvollziehbar erklären würde, warum ich nicht durchgekommen bin).

Etwas müde – # 442

Gegen 4 ins Bett gekommen, um 9 dann wieder auf, am frühen Nachmittag eine Stunde geschlafen. Ich mag diesen Zustand der Übermüdung dann schon, weil er mich fokussiert. Abendessen mit Mann, J., meiner Patentochter S. und ihrer Freundin M. Mein Gulasch – Eigenlob stimmt – gehört echt zu den besten, die ich je gemacht habe, schiebe es aber auf das fantastische Fleisch vom Metzger nebean (wobei der Kilopreis bei ihm gegenüber dem Discounter vier Euro billiger (!) war). Immer dann, wenn ich meine nächste Frage nicht anbringen konnte – war ich wegen der Übermüdung die Gelassenheit selbst, habe gewartet, bist wieder Luft war, und dann meine Frage gestellt. Und immer wieder muss ich erkennen: Ich hab’ne echt klasse Patentochter! Die ist nicht nur nicht auf den Kopf gefallen, sondern kann auch Fragen stellen!

2017-09-09 22.41.42

Wegen Dienst gestern schon „Pate I“ verpasst, jetzt zu spät für „Pate II“ gekommen – aber somit weiß mein Mann, was ich mir zu Weihnachten wünsche. Jetzt sag‘ bloß einer, ich sei nicht pflegeleicht!

Erfolgreich

Jedes Jahr vor dem Urlaub die gleiche Panik: Was nehme ich mit zu lesen??? Das muss ja gut sein, spannend, mit Gehalt, von Wert, von am besten namhaften, aber eher unbekannten Autoren, dass sollte frisch und elegant sein, aber auch zugleich tiefsinnig und unterhaltend, sowie …

Zudem muss es viel sein, denn welch‘ für ein Schicksal, im Urlaub ohne Lektüre dazusitzen (wobei gar nicht berücksichtigt wird, dass der nächste Buchladen nur schlappe 30 km entfernt wäre)?

Also heute gestöbert und überlegt, das Bankkonto angeschaut und nach geheimen Kassen gesucht (keine gefunden), nachgespürt, welche Bücher ein Wiederlesen lohnen … und per Zufall auf das HIER gestoßen – die Rettung! (Und das ist echt nicht unintelligent!)

So jetzt habe ich auch mit Hilfe von M., die heute die „Bibliothek der freien Bücher“ (falls jemand Interesse daran hätte, bitte melden) etwas aufgetankt hat und mit finanziellen Mitteln von weit unter 100 Euro eine prächtige Bibliothekt mit knapp 10.000 Seiten zusammen, die vom modernen Klassiker über Krimi bis zum aktuellen Roman quasi so gut wie alles beinhaltet. Mag ein E-Reader nicht sinnlich sein – für eine Leseratte wie mich, die mit dem Rad unterwegs ist, ist es nach dem Buchdruck die zweitbeste Erfindung von Welt. So kann ich also jetzt ganz entspannt in den Urlaub fahren und hab‘ für danach auch gleich noch genügend.

‚Willkommenskultur‘, bürokratisch

M. aus Syrien heute Mittag zu Gast. Mein Mann kümmert sich etwas um ihn, vor allem bei den ganzen Amtsdingen. Durchblick wer wann für was wie zuständig ist gibt es wohl auf theoretischer Basis. Praktisch ist es ein beständiges Rätselraten, welches Amt – bzw. welche Außenstelle – mit welchem Vorgang nun zu tun haben könnte. Will man eine bestimmte Nachfrage stellen, sitzen zwei Deutsche mit Notebooks eine Stunde hinter dem Rechner, um im Internet Möglichkeiten zu recherchieren. Immerhin, schon der 7. Anruf zeigt sogar – tata! – Erfolg. (D.h. konkret: M. weiß jetzt, dass der Vorgang noch in Bearbeitung ist – aber das weiß er schon seit Monaten.)

Davor fragte ich M., ob er irgendwelche Unterlagen hätte, denn ich hoffte auf eine Art Aktzenzeichen oder gar aufgedruckter Telefonnummer. Was an Papierkam M. dann auf den Tisch wuchtete, spottet echt jeder Beschreibung. Da ist ein Handbuch für die Steuererklärung eine Art Schullektüre für die 1. Klasse. Wenn ich mir vorstelle, ich würde in einem mir fremden Land mit einer mir fremden Sprache und Schriftbild soetwas serviert bekommen, ich fühlte mich einfach nur verarscht. (Zur Ehrenrettung der Ämter: Es gab bei den über 100 Seiten immerhin zwei in arabischer Sprache und Schrift.)

Outdoor, Sex, damals

Gute 14 Kilometer heute unterwegs. Nach ca. 10 Kilometer mache ich eine kurze Teepause an einer Bank und erinnere mich plötzlich, wie ich vor zwei, drei Jahren dort mit U. war. Sie saß auf rittlings auf meinen Schoß und ich bekam nicht nur einen Ständer sondern auch wahnsinnig Lust sie jetzt so ‚zu nehmen‘. Sie fand das dann etwas zu ‚öffentlich‘ obwohl da echt kaum jemand in der Entfernung vorbei kam und außerdem ihr Rock ja alles schön verdeckt hätte.

Keinen Kilometer weiter bleibe ich an einer leicht versteckten Lichtung stehen und bin mir sicher, dass mir M. vor Jahren genau an dieser Stelle mal einen geblasen hat. Das war in der Zeit, wo ich noch nicht schwul war aber mit M., wenn er dann da war oder ich bei ihm, jede Gelegenheit wahrnahmen, um sexuell aktiv zu sein.

Nicht, dass ich einen echten Hang zum Outdoor-Sex hätte – aber ich seh‘ und sah das meist eher pragmatisch. Daher kann ich mich auch ‚rühmen‘ mit M. in T. auf einem Stocherkahn ausgiebig der Lust gefröhnt zu haben (wobei wir, wegen zu vieler Zuschauer, das Finale dann doch in seine Bude verlegt haben). Ach, Jugend, …

Heute, früher und vielleicht demnächst (# 384-395)

Knapp 14 Kilometer heute durch den Wald. Frühlingshaft war’s und ich hatte genug zu denken. Morgen Termin beim Hauptgeschäftsführer (HGF), um um die Entfristung meiner Stelle vorzusprechen. Von meinem Abteilungsleiter (AL) weiß ich, dass im Hintergrund schon einiges läuft, auch der Betriebsrat (BR) ist schon involviert. Tja, da dachte ich, ich geh‘ mal ne Runde und lege mir einen Gesprächsschlachtplan für den HGF zu recht. Denn mein Coming-Out habe ich – neben M. – in erster Linie einem langem Spaziergang (für manche ist das dann schon eine Wanderung) zu verdanken, als mir im Gehen aufgegangen ist, dass meine Lust und mein Begehren in erster Linie mich betrifft und ich das Lustleben so zu leben hätte, wie es mir gefällt und nicht das, was meine Eltern und mein soziales Umfeld von mir (damals) erwartet(e). Keinen Monat später war ich geoutet.

Und zwischen drin versuchte ich Fotos im Stile von Frau und Herr K. zu machen – grandios und vollumfänglich daran gescheitert – und nicht deswegen, weil die Knipse dann irgendwie nicht mehr wollte! – tapste dann aber in einer Gegend rum, die ich wirklich schön fand und auf die ich mich freue, wenn dann auch mal etwas mehr grün zu sehen ist.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was Revolutionäres ist mir dann heute in Hinsicht auf Job und HGF dann nicht eingefallen. Es ist ja irgendwie schon aberwitzig genug für eine Stelle zu kämpfen, die mich komplett unterfordert aber wohl so was wie die letzte Chance auf dem (ersten) Arbeitsmarkt ist. Ob es was mit einer Entfristung was wird, hängt, meiner Meinung nach, schon lange nicht mehr von mir ab, da sind im Hintergrund, wie ich vom AL weiß, schon ganz andere Prozesse im Gange, denn die die Mitarbeiterin, auf deren Schwangerschaftsvertretung ich angeblich sitze und die jetzt dann zurück kommt, will niemand im Hause haben, denn sie gilt nicht nur als – höflich ausgedrückt – langsam sondern zeichnet sich in erster Linie durch Krankheitstage aus.

Bin gespannt welche Positon der HGF einnehmen wird – danach sind wieder die Auguren dran.

M. oder #381

Überraschenderweise fand ich heute eine Mail von M. in meinem Postfach. Ich war eigentlich davon ausgegangen, von ihm nichts mehr zu hören, brach der Kontak doch schon vor vier Jahren ab, von jetzt auf nachher.

Ist schon einige Jahr her, dass ich M. irgendwo im Netz ‚aufgetan‘ habe, wir uns dann recht bald trafen und recht bald stand er vor der Kamera. Mit C. zusammen mein liebstes Modell. Er hatte damals einen quasi ‚unschuldigen‘ Körper, der aber nur so von sexueller Leidenschaft ’sprach‘ – wenn er nackt vor der Kamera stand (was man hier ja nicht zeigen kann). Mich hat das damals sehr gereizt – dass er mich auch gerzeit hat, muss nicht extra hinzugefügt werden.

akt02_21

[Das Foto ist noch aus dem allerersten Shooting, als er noch seine Männlichkeit versteckte.]

Später hatte er auch Lust mit mir zusammen vor der Kamera zu stehen – und da sind ein paar Reihen / Serien enstanden, die wirklich zu den besseren Fotos von mir gehören.

Aber auch so hatten wir einiges miteinader zu tun. Er gerade mit der Schule fertig in einer Findungsphase in vielerlei Hinsicht und ich hatte halt offene Ohren, die ein oder andere Frage, das ein odere andere schiefe Grinsen, wenn er meinte, mir mal wieder ein U für ein X vormachen zu können oder vielmehr sich … war wirklich sehr lebendig das.

Und dann ist er zu seinem (ersten) Freund ab nach H. und ward nicht mehr gesehen, gehört, gelesen. Das hatte mir schon weh getan, denn ich hatte wirlich gedacht, dass da etwas mehr ist, dass es da bei einem ‚etwas‘ bleibt.

Die Mail muss ihm, wie er schreibt, echt Überwindung gekostet haben, denn da scheint viel Scham zu sein. Gut geht es ihm derzeit wohl auch nicht und was ich da zwischen den Zeilen zu lesen meine, lässt jetzt nicht gerade Himmel-hoch-jauchzend erahnen.

Geantwortet habe ich noch nicht.

Alle Jahre wieder

Gestern das alljährliche Treffen mit der Ausbildungsgruppe, das sechste Mal. Fast alle waren da, auch die, die schon nicht mehr mitmachen. Und wie immer zu Beginn ‚Stuhlkreis‘ mit der Frage: „Wie bin ich hier“. Erfahrugnsgemäß dauert dieser Runde gut zwei Stunden – und ich war so klug, und hatte vorher etwas gegessen.

Das hat schon etwas leicht magisches, wenn man sich dann trifft und innerhalb von Minuten wieder eine Vertraulich- und Offenheit herrscht, die man andernorts echt lange suchen muss. Man nimmt wirklich dadurch irgendwie am Leben der anderen teil, und es bedarf nur Stichtworte und komplexe Zusammenhänge sind wieder präsent. Jede/r packt halt aus, was war, was gerade beschäftigt. Das ist natürlich ein weites Spektrum. Relativ viele Todesfälle waren zu verzeichnen, ein paar schwierige Lebenssituationen, die ein oder andere Krankheit. Aber auch ne neue Beziehung bei M. 1, was echt alle richtig freute.

Natürlich sind da auch ein paar Leute darunter, die irgendwie von einem anderen Stern sind. M. 2. beispielsweise, die das letze Mal nur von ihrem Hund sprach, den sie dann Tage später wieder abgegeben hat und fröhlich ihre Jobs wechselt wie ich die Unterwäsche. Kann sie sich nur dadurch leisten, dass ihr Ex-Mann so doof ist und blecht, dass sich die Balgen bieten. Oder T., die vor zwei Jahren beschlossen hat, jetzt doch nicht lesbisch zu sein, sich einen Mann geangelt hat, in einer schicken Wohnung lebt und sich um den neuen Hund weit aus mehr kümmert, als um ihre 10-jährige Tochter, die in der Schule gemobbt wird. T.’s Hauptthemen waren der Hund und ob sie sich noch eine dritte Eigentumswohnung kaufen sollte. Nach ihr war zufällig ich an der Reihe und machte die Stimmung etwas kaputt, als ich schilderte, dass ich wohl bald wieder auf der Straße stehe, mein Mann gerade auch seit Wochen in der Krise ist und wir irgendwie so überhaupt nicht finanziell abgesichert sind (was bei den anderen aber sowas von defintiv der Fall ist).

Wurde dann aber doch noch ein heiterer Abend, auch wenn meine (erste) Tarte Tartin keinen großen Anklang fand (es gab einfach zu viele Nachtische) und meine kleinen Käsetartes irgendwie auch etwas untergingen in dem Gewusel.

 

Quäl dich!

M., (mit der ich in der Zwischenzeit nach diesem Vorfall immerhin wieder rede, obwohl sie bei einem klärenden Gespräch behauptet hat, das nie gesagt zu haben, drei andere aber es genauso gehört haben) meinte, als ich sie gerade im Verein 1 beim Dienst ablöste, ich sähe müde aus. Kann ich ihr nur zustimmen. Im Augenblick habe ich wieder so eine Phase, in der ich dann unendliche müde werde, wenn ich weiß, dass ich einen Termin habe. Egal was für einen Termin. Ob jetzt im Verein oder ein Kinobesuch, eine Essenseinladung oder eine auf einen Wein – ob das jetzt auch beim Date mit einem hübschen, willigen  Schwanzträger der in mein Beuteraster fällt auch so wäre, mag ich nicht zu beurteilen, weil nicht nicht vorgekommen – egal, zwei Stunden vor der vereinbarten Uhrzeit werde ich nicht nur müde, sondern todmüde. Das wird sich in ein paar Wochen auch wieder legen – das ist irgendetwas zyklisches, hat auch mit der Jahreszeit nichts zu tun. Aber es sind halt Wochen, wo ich mich quäle, täglich, weil irgendeinen Termin hat man immer.

Mit der Hand

Gestern bekam ich von I. eine Rückmeldung auf meine Sylvesterkarte. Sie bedankte sich dafür und gestand, dass sie längere Zeit gebraucht hätte, mich hinter dem Luftballon zu erkennen. Witzig daran ist, dass ich auf der Rückseite ihr noch einige Zeilen geschrieben und auch mit meinem Namen unterschrieben habe – aber das war wohl, mal wieder, so vollkommen unleserlich.

Müsste man Blogs handschriftlich führen – ich wäre definitiv nicht dabei. Denn wenn ich was mit Hand schreibe, dann ist es selbst für mich eine (zum Teil unlösbare) Herausforderung, das Geschriebene wenige Zeit später zu entziffern.

Immerhin halte ich mir zugute dass M., der kurz nach dem Abi schwerst verunglückte und es lange Zeit unklar war, ob er noch wird richtig sehen können, als ersten Sehtest eine Postkarte von mir vorgelegt bekam. Und als er immerhin die Hälfte vorlesen konnte waren alle komplett überzeugt, dass weder die Augen noch das Hirn geschädigt sein konnte.

Aber so eine schöne Kritik an meiner unleserliche Handschrift, wie sie Marcel Proust Emmanuel Berl teilhaben ließ, hatte ich noch nie und werde sie wohl auch nie bekommen. Proust schrieb ihm wohl im Okt0ber 1919 folgendes:

Ich will Ihnen […] sagen, dass ich heute Morgen einen Brief von Ihnen erhalten habe, der mir das größte Vergnügen bereitet hat, denn ich habe darin die mysteriösen Arabesken wiedererkannt, die Sie ironischerweise als Ihre Schrift bezeichnen. Aber dieses Mal habe ich […] kein einziges Wort entziffern können … .

Familienessen

Seit ich meinen Mann kenne bzw. seit wir zusammen sind – das werden dann bald auch schon mal 20 Jahre! – gibt es das ‚Familienessen‘: drei Paare, sechs Schwule und jeder ist mit jemanden zusammen oder ist dessen Ex. Anfänglich haben wir jeden Sonntag zusammen reihum gegessen, wobei das gemeinsame Gespräch immer höher gewertet wurde als das, was auf den Tisch kam. Heute ist es nach wie vor nicht anders, auch wenn wir uns seltener sehen, vielleicht nun nur noch alle sechs bis acht Wochen.

Heute hatten L.+U. eingeladen  – Feldsalat mit Schmanddressing (was für ein Verbrechen, aber das ist hier üblich), Kürbissuppe (überraschend gut, da mal nicht so dick, sondern quasi ‚klar‘), Rinderbraten mit Rosenkohl und Spätzle (OK, da haben sie sich übernommen), Vanilleeis mit heißen Himbeeren (nun, richtig viel falsch kann man da ja nicht machen); insgesamt dennoch ein überdurchschnittliches Essen – E.+M. brachten Weihnachtsgebäck als Geschenke mit, wir steuerten ein Stück Stollen als Geschenk bei.

Gegen Ende des Essen wurde der Papst Thema, dann die katholische  Kirche an sich – und wie das so an solchen Essen ist, ein Thema gibt das andere. Jedenfalls habe ich dann irgendwann kurz angeschnitten, wie es mit meinem „Begehren“ mir so erging und fragte dann auch die anderen, wie es bei ihnen war.

Und plötzlich haben sechs Männer einfach mal die Hosen runter gelassen und erzählt, welche Probleme oder auch nicht sie hatten auf dem Weg zu kapieren, dass sie nicht der ’sexuellen Norm‘ entsprechen. Und es war eine überaus spannende Erkundung, was wen wie beeinflusst oder auch nicht hat. Echt reichhaltiger Stoff, viele Differenzen, viele Fragen, viel Kopfschütteln.

Wir waren schon immer ein offener Kreis – da wurde zur Lasagne auch gerne mal wortreich und plastische die Erfahrungen mit Geschlechtskrankheiten ausgetauscht – aber ich fand das heute echt besonders, weil keiner eine ‚Gesprächshoheit‘ beanspruchte.

Und es tut sichtbar nicht nur mir sondern auch anderen gut, wenn man das Kind, das Thema, den Schwanz und den Orgasmus beim Namen nennt. Ansonsten hätte ich nicht letzte Woche folgende Rückmeldung bekommen, die mich einfach wohl auch heute bestärkt hat, es  mal anzuspielen: „Ich fand’s sehr toll und finde es großartig, endlich jemanden zu haben, mit dem ich über das, was wir fast so oft wie Zähneputzen betreiben auch wie über das Zähneputzen reden kann.“

 

Energie, wo bist du?

Ich hab nun wirklich keinen anstrengenden Job, bis auf die Tatsache, dass er quasi sinnlos ist. Und sonstien Stress habe ich nun auch nicht gerade, wenn man mal daovn absieht, täglich da zwei, drei, vier Seiten Bibel zu lesen. Schlafen tue ich so schlecht wie immer, so richtige schlimme Nächte gab es in den letzten Wochen verhältnismäßig wenige.

Und dennoch. Wenn ich um halb eins heim komme, bin ich mit der Bereifung am Ende und muss erst eine Stunde liegen. Irgendwie ist, als wäre zwar der Stecker in der Steckdose, blöderweise halt ist die Sicherung rausgefallen.

Mit den Nerven ist es auch nicht gerade so richtig gut bestellt. Und wenn ich an Weihnachten denke, dann wird das eine eher anstrengendes Wochenende. Immerhin, die Woche danach habe ich frei, E.wird da sein und was Sylvester betrifft – ich glaube ich halte es mir einfach frei, ob ich mit zu E. und M. gehe oder doch lieber mit mit in der Badewanne plansche.

wb141013_60

Weg des Begehrens (6)

Teil V

Der Weg in’s Bewusstsein, dass es so etwas wie Homosexualität einfach nur gibt – abgesehen von jeglicher gesellschaftlicher oder moralischer Bewertung – dauerte nach Erwachen der Sexualität über ein Jahrzehnt. Und erst dann konnte ich beginne mich damit auseinanderzusetzen, wo ich – sexuell gesehen – eigentlich hingehöre. Für zwei, drei Jahre begann eine nahezu asexuelle Zeit. Die Treffen und Nächte mit M. – die räumliche Entfernung war durch meinen Studienort noch weiter gewachsen – wurden seltener, es gab zudem mal die ein oder andere von einer Frau ausgehenden Vereinigung. Ansonsten war Onanie angesagt – und mir reichte das, denn: Es war vielleicht so etwas wie ein Brütezeit. Ich musste mich nicht für ein Geschlecht entscheiden, ich konnte mir Zeit lassen bzw. nahm sie. Das war bewusst so nicht gedacht und geplant gewesen und bewusst damals auch so nicht erkannt, denn ich sehnte mich, wie die anderen auch, nach Nähe, nach Wärme, nach Sex – aber irgendwo im Inneren war etwas, was mich warnte, mich auf irgendetwas einzulassen – es wäre eh eine Katastrophe geworden.

Die Uni-Mensa zeigte mir dann erneut, dass es auch hier Schwule gab, dooferweise war der schwule Mensatisch hauptsächlich von kreischenden und zu allem Überfluss noch übergewichtigen Tunten besetzt – und zu denen wollte ich nun wirklich nicht gehören. Aber die Augen, die Sinne und vor allem der angeblich ‚schwule Sinn’ waren geschärft. Eines abends beim wichsen stellte ich fest, dass ich am besten komme, am weitesten spritze, am lautesten stöhtne, es die größte Lust mir bereitete, wenn ich mir in der Wichsphantasie eben keine Frau mit einem Mann und mir als Dreier – eine alleinige Frau war schon länger von einem Paar abgeschafft worden – vorstelle, sondern die Frau schon aus dem Bett geschubst hatte und es allein mit dem Mann trieb … Das war der Moment, an dem sich eine Menge Puzzleteile wie von selbst sortierten, viele Dinge plötzlich einen Sinn gaben, offene Fragen sich in Antworten verwandelten. Von da ab bis zum meinem ersten ‚echten‘ Freund und kurz danach zu meinen Coming-Out waren es dann nur noch wenige Wochen.

Ich bin mir sicher, wäre ich in einer freieren Familie, in einer freieren d.h. aufgeklärteren Gesellschaft, in einem nicht so verkrampften CDU bestimmten Schulsystem aufgewachsen, vor allem ohne jene unverschämten und manipulierenden Fragen des Beichtspiegels, hätte es in meinem Umfeld auch nur einen Menschen gegeben, der erzählt hätte, dass es nicht nur Heten auf der Welt gibt … der Weg wäre nicht unbedingt einfacher gewesen, aber ein paar Jahre hätte ich schon sparen können.

Und auch wenn es ein bisschen pathetisch klingen mag: Bevor ich aber anfange mich aufzuregen, mich zu bemitleiden, denke ich an die schwulen Männer und Frauen vor mir, die noch weniger Hilfestellungen als ich hatten. Die für ihre Liebe bestraft wurden, in KZ’s kamen und ermordet wurden. Und ich denke an die Menschen, die nicht nach der ‚gesellschaftlichen Norm‘ lieben, die heute nach wie vor in bestimmten Ländern verfolgt, bestraft und getötet werden.

Aufklärung tut nach wie vor Not, nicht nur die sexuelle.

Weg des Begehrens (5)

Teil IV

Was danach folgte, ist dann wirklich kaum meiner Umgebung, meiner Familie, meinen Freunden, meiner Schule, ‚meinem’ Bundesland bzw. der Gesellschaft anzulasten – denn als ich nach dem Abitur für den Zivildienst in eine andere Stadt zog, eröffneten sich neue, andere Horizonte. Und das Licht der Erkenntnis schimmerte durch die ein oder andere Gehirnwindung bzw. traf die Seele, erreichte die Gemütserfahrung und die Gefühlswelt – wenn auch chaotisch.

P. lernte ich Ende 1985 kennen, M. zwei drei Monate später im Januar 1986. Zu beiden fühlte ich mich in einer überwältigenden Art hingezogen, wie es mir noch nie zuvor geschehen war. Bei beiden gab es im Laufe von 1986 ausreichend Situationen, bei denen ich nur hoffte – mir aber nicht mehr dabei dachte – dass sie mir nun endlich an den Schwanz gehen sollten. Taten sie aber nicht – es tat nur einer. Aus unterschiedlichen Gründen. P. ist heterosexuell und hatte von sich auch überhaupt kein Verlangen mir an den Schwanz zu gehen. Und M. traute sich lange nicht, mir zu gestehen, dass er schwul sei und dann doch gerne mal bei mir … . Als es ‚raus‘ war, stand ich auf, ging zur Toilette, pisste und hoffte, dass, wenn ich zurück käme, er nackt auf dem Bett läge. Was er dann aller Hoffnungen zum Trotz nicht tat. Dennoch: Die Folge war, dass es mit M. zu einer mehr als nur sexuellen Affäre kam. Er brachte mich u.a. dazu, dass ich mit ihm in Tübingen auf meinem ersten CSD ging, wenn auch total verschämt. Dafür lernte ich in seiner Schwulen-WG, dass es auch irgendwie ganz ’normale‘ Männer gibt, die schwul sind. Dass man weder im Fummel noch im Leder auftreten muss, dass enge Jeans auch OK sind. Das man einfach mit anderen Schwulen Spaß haben kann, gute Gespräche möglich sind, dass … ja dass es Menschen sind wie die anderen eben auch. Das Besondere war nur, das der Sex mit einem ‚Gleichgesinnten‘ viel mehr Spaß machte, als einfach gemeinsam zu wichsen. Sex war plötzlich auch ein Beziehungselement. Und diese Art von Sex war etwas, was man nicht nur praktizierte, sondern ausführlich zelebrierte und erlebte, nicht unter der Decke, sondern bei Licht und mit allen Sinnen. Wenn man im anderen Zimmer etwas hörte, dann hörte man halt etwas. Man musste nicht so tun, als hätte man nichts getan, sondern ggf. wurde das auch kommentiert – und ich grinste ohne Ende mit vermeintlichem hochrotem Kopf, wenn die Kommentare nicht spitz ausfielen. Was habe ich mich mit M. in Tübingen und in der WG wohlgefühlt.

Blöderweise lebten wir ca. 150 Kilometer voneinander getrennt, Treffen fanden daher äußerst selten statt, denn als Zivildienstleistender hatten wir nicht gerade ausreichend Geld, um jedes Wochenende sich mit dem Zug befahren zu können, mal abgesehen von den unterschiedlichen Dienstplänen, familiären und sonstigen Verpflichtungen. Aber mir was das ja auch irgendwie recht, denn: Ich war ja nicht schwul! Das betonte ich in jedem Gespräch, in jedem Brief, in jedem Telefonat. Betonte, das das, was da passiert wäre, eben ein Ausrutscher gewesen sei, eine Ausnahme, eine Art Zufall. Betonte es über den Zivildienst hinaus bis zu Beginn meines Studiums. Ich versäumte aber nie hinzuzufügen, dass ich mich auf den nächsten Besuch freue, vor allem auf die Nacht … .

Teil VI

Geschunden & gestunken

OK, die Überschrift ist grammatisch nicht korrekt, aber dafür hat sie Rhythmus. Aber geschunden sind die Hände schon, voll von Eiterbeulen und Pestwarzen … nee, so dramatisch jetzt auch wieder nicht, aber ein Pflaster brauche ich dann schon und nen halben Liter Handcreme, weil sonst die Haut reißt. Liegt wohl an dem offenen Feuer, vor dem ich Stund und Stund stand. Dass ich mir nicht alle Finger verbrannt habe, grenzt an ein Wunder.

Irgendwie war es ganz schön, dann aber auch zugleich anstrengend und ein bißchen komisch. Das sind meist ganz nette Typen – aber ich vermute, wenn man Mittelalter so exzessiv macht, muss man schon einen gewissen Hau haben.Und dann finde ich es schon bedenklich, auf so ein Lager zu fahren und sämtliche Essenseigenheiten mitzunehmen. Einer aß nur dann mit, wenn er den Pfeffer selber drauf machen konnte (wie ich beobachten konnte, eine ganz normale Menge, ich hätte wohl weniger genommen), seine Freundin grenzte sich komplett aus, da sie mit ihren diversen Allegien kocketierte und so ihren Part an Aufmerksamkeit einforderte. Dafür waren die beiden J. zuverlässige Esser, die nach dem zweiten Nachschlag höflich in die Runde frage, wer noch was wolle. Aufallend auch S. und N. Sind im Grunde sehr nett, er sogar der Vorsitzende des Freundeskreise, aber die sonderten sich bei jeder Gelgenheit hab. Als es Kohlrouladen gab fragte er mich, ob es noch welche gäbe. Ich verwies auf den großen Bräter an der Feuerstelle. Er stand auf, holte zwei, gab eins seiner Freundin und eins sich – aß weiter. Jede/r andere im Lager hätte gefragt, ob er wem was mitbringen könne.

M. mimte wohl wieder den Cheflogistiker. Denn man kann die ca. 50 Lager mit ihren gut 520 Menschen nicht einfach so auf die Heimreise schicken. Da benötigt es eine kontrollierte Abfahrt vom Gelände, was eh nur durch eine schmale Stichstraße zu erreichen ist. Ich habe mich dann nicht eingemischt – wunderte mich aber, das er sich so kompliziert anstellte. Zwar für alles eine Excelliste, aber das Vorgehen mit so vielen Umständen … gut, ich war dieses Jahr da nicht dabei, für nächstes Jahr hat man mich aber schon angefragt, ob ich denn auch da etwas helfen könnte (also bei der Ausfahrtunterstützung, nicht Planung).

Kochen auf offenem Feuer ist übrigens relativ anstrengend. Denn das ganze findet ja auch dem Boden statt, so dass man sich dauernd bücken muss. OK, man könnte auch Feuerschalen etwas erhöht stellen, aber dann grillt es einem die Eier noch stärker. Zudem die Holzschlepperei und die ganzen Schüsseln sind ja auch nicht aus Plastik. Dazu die Wege, denn vieles war ja im Orga-Zelt und musste auch – des Regens wegen – gleich wieder zurückgebracht werden. Dazwischen immer mal wieder etwas Holz spalten und es hinschleppen … so dass man verdammt früh anfangen muss, soll um 13 Uhr das Essen auf den Tisch stehen.

Vielleicht gibt es in ein paar Tagen ein paar Bilder von J. hier zu sehen.

Badewannen sind wohl die geilste Erfindung der Menschheit! Zumindest nach so einem Wochenende!

Projektvorlauf beendet

Scheinbar sind wir wieder mit der Welt verbunden. Einfach so. Gemacht hat niemand was – außer geschlafen.

Daher, bevor wieder etwas dazwischen kommt, die „Bibliothek der freien Bücher“, wie ich das Projekt jetzt genannt habe, mal in die Cloud geladen. Sind natürlich viele Klassiker dabei, die man eh über das Projekt Gutenberg bekommt, aber unter der Rubrik „Romane“ findet sich dann doch schon mal was.

Einiges habe ich auch einfach so aus dem Netzt – kompett legal übrigens – gezogen, wobei mich schon wundert, dass Musils Gesammelte Werke wirklich für umme angeboten werden.

Wenn E. bestätigt, dass alles funktioniert werde ich einen kleinen Kreis von Menschen auftun, die einerseits von der Bibliothek partizipieren, andererseits sie aber auch füllen. Das Problem dabei ist, ich muss Leute finden, die die Bücher lesen, die ich lese, denn mit Rosamunde braucht man mir nicht kommen. E. und M. habe ich schon mal im Auge, eigentlich müsste ich vor allem R. anhauen, denn der würde die Bibliothek aber so was von bereichern, denn der hat einen lesewütigen Bruder, der schon vor Jahren mit einem ähnlichen Projekt begonnen hat.

brigwords

Leben berührt - Gedichte und Geschichten

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

Kritzelkomplex

Just another WordPress.com site

heat'n'eat

The way I cook/Wie ich koche

wirbelwind68

ich lebe intensiv und reflektiert

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

KenterKönig

und anderes aus der weiten Welt

winterlichtblog.wordpress.com/

Jedes Bild ein Selbstbildnis

herschelmann fotoblog, bestpixel-photowerkstatt-hamburg.de

einige mehr oder weniger tolle Ideen um die Fotografie und die Bildbearbeitung