Durch die Zeit

Tag: Marcel Proust

Proust, Marcel: Recherche

Ab heute zehn Seiten täglich. So das Vorhaben. Heißt, ich bin im August Oktober 2021 damit durch – denke aber, ich schaff es etwas schneller.

1984 / 1985 das erste Mal gelesen. Mit absoluter Begeisterung nach dem ersten Satz, der – »Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen« – jetzt nicht gerade so der Burner ist. Aber dann beschreibt Proust ja auf den ersten Seiten ausführlich, wie es ist, wenn man einschläft oder meint noch wach zu sein, während man schon eingeschlafen ist … das ist einfach nur großartig und was er dann auf den nächsten (je nach Augabe 3.000 bis 5.172) Seiten macht, ist ganz einfach Weltliteratur.

Ende des letzten Jahrtausend dann auch immer mal wieder bei einer Lesung in Köln dabei gewesen und mir über die Jahre die 135 (!) CDs zusammenschenken lassen und x-mal gehört.

Aber nun Lust auf die eigene Lektüre der kommentierten Ausgabe mit der dazughörigen Enzyklopädie und einem Bildband.

Ein richtiges Leseprojekt mache ich nicht draus, aber der Plan ist – im Moment zumindest – wenn ich blogge, dann auch immer ein, zwei Sätze zu Proust zu schreiben.

499.436 in 1.572

Diesen Beitrag widme ich nocheinglaswein – denn ohne sie hätte ich einfach in einem Buch weitergelesen.

Und es begab sich vor mehrern Tagen, dass ich auf dem Blog von besagter nocheinglaswein auf einen Beitrag stieß, in dem sie kurz schrieb, dass sie gerade ihre Bücher, korrekter deren ISBN-Nummern, scannen würde. Das hat mich elektrisiert und einen Nachrichtenaustausch später, hatte ich die App auf meinem neuen Tablet.

Zugegeben, es macht Spaß die Kamera auf den Barcode zu halten und – schwupps – hat man Titel, Autor, Verlag, Seitenzahl, Erscheinungsjahr, Cover und manchmal noch mehr auf dem Display. Gut, manchmal funktioniert es nicht sauber, da muss man die ISBN selber eintippen. Gut, manchmal hilft das auch nicht so richtig weiter und man mus alle Angabe selber eintippen. Und wenn man nicht aufpasst, fehlt irgendeine Angabe oder den russischen Autorennamen hat man in mehreren Schreibweisen, oder die Titel sind falsch, oder …

Es ist eine Sauarbeit (vorallem, weil gefühlt 80% meiner Bücher keinen Barcode besizten)!  Dutzenden von heftigsten Niesanfällen später weiß ich also: Ich besitze mindestens 1.572 Bücher (ein paar sind noch bei E.) die es auf insgesamt 499.436 Seiten bringen. Davon habe ich 65,3% der Bücher und 58,8% der Seiten gelesen. Stimmt natürlich alles nicht. Zum einen verstecken sich hinter mancher ISBN-Nummer mehrbändige Werke und nicht alle Bücher weisen Seitenzahlen auf.  Kann man ein Lexikon, welches man seit 30 Jahren nutzt nun als ‚gelesen‘ kennzeichnen oder nicht und wie verfährt man bei Bildbänden, Reiseführern, Sammelbänden, …

Aber ich weiß jetzt wenigstens, welche Bücher mir über die Jahre verloren gegangen sind (u.a. „Der Untertan“ von Heinrich Mann – Pflicht in jedem deutschen Haushalt) und was für Schätze lagern (u.a. ein Erstdruck von Frans Masereel).

Am interessantesten ist aber die Aufzählung der TOP-14-Autoren. Handke und Kafka sind meiner frühen Jugend geschuldet. Warum Frisch sich nicht da vorne findet wundert mich, da ich so gut wie alles von ihm gelesen habe, da scheint doch einiges verloren gegangen zu sein:

  1. Marcel Proust
  2. Thomas Bernhard
  3. William Shakespeare
  4. James Joyce
  5. Bertolt Brecht
  6. Philip Roth
  7. Arno Schmidt
  8. Fjodor M. Dosotjewskij
  9. Ralf Rothmann
  10. Hermann Broch
  11. Peter Handke
  12. Hermann Hesse
  13. Franz Kafka
  14. Wolfgang Koeppen

WMDEDGT 9/19

Jeden Monat fragt Fr. Brüllen, was man denn so heute gemacht hat. Na dann:

6:00 – Der Wecker und so … ist alles aus den letzten Beiträgen bekannt, da ändert sich gerade nicht viel.
6:25 – schon auf dem Rad
6:38 – macht es Pling an der Stechuhr
6:44 – Büro aufschließen, Tee kochen, Rechner hoch fahren, es genießen, dass ich ein eigenes Zimmer habe, Mails checken (es gibt sogar welche), dann den einen Flyer fertigmachen (nur noch eine Kleinigkeit) und ausdrucken (das  dauert!). Und so geht es den ganzen Vormittag. Mal das, mal jenes – alles irgendwie neu und ich frage B. Löcher in den Bauch.
12:10 – Ich muss mich richtig für  eine Mittagspause unterbrechen und ziehe mir ein paar Tramezzinis rein, die ich eigentlich zusammen mit Rolli-A. essen wollte. Aber da ihre Assistenz krank geworden ist, kann sie nicht zur Arbeit kommen und musste sich selber ‚krank‘ melden.
12:25 – Das eine Excel-Problem lässt mich nicht los, also wird weiter gemacht. Zufällig lösche ich dann noch eine Datei, darf sie komplett neu machen und lösche darauf hin eine zweite. So kann man sich auch Arbeit machen. Nur noch Kleinigkeiten, also nehme ich mir mals das Indesign-Handbuch vor, denn ich bin zwar firm aber noch lange nicht fitt.
16:14 – Echt? Schon? Zeit vergessen. Mal nach Hause.
16:35 – Lokalzeitung lesen. Freunde von uns sind im Urlaub und haben sie umgeleitet. Sie ist das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt wird … aber was war ich als Student stolz, dass ich dafür Kulturkritiken schreiben durfte und mir damit z.T. meinen Lebensunterhalt bestritt.
16:55 – Tageslektüre (immer noch 3. Reich, jetzt aber 3. Band). Mir fallen aber nach ein paar Seiten die Augen zu  also …
17:14 – Kurznickerchen mit Marcel Proust auf den Ohren
17:31 – Bisschen Computer, aber lustlos. Hab‘ da gerade keinen richtigen Zug dahin.
18:04 – Mal ganz langsam Richtung Küche. Feierabendbier (alkfrei), Fleischbrühe (echte, wenn auch aus der Tiefkühle), Suppennudeln – was braucht man für ein Festessen mehr?
18:33 – Festmahl mit Fernsehen. Da der Mann nicht zu Hause ist, darf’s für Minuten auch dann mal die Privaten sein.
19:45 – Das Vorabendprogramm ödet mal wieder ohne Ende, aber so richtig viel Power habe ich nicht mehr, dennoch:
19:50 – Glas Wein und weiter in der „Adlon-Verschwörung“ von Kerr.
21:10 – Der Mann kommt auch mal nach Hause und bringt die neue Schreibtischlampe mit. Wir schwätzen, schauen mit einem Auge noch einen Krimi, planen mit einem anderen Auge eine Wellness-Wochenende (oder was es dann auch immer werden wird).
22:00 – Mir quillt die Müdigkeit aus den Augen. Ich bin es halt nicht mehr gewohnt, acht Stunden zu arbeiten und acht Stunden auch etwas zu tun zu haben. Das wird nicht mehr lange dauern, dass ich mit ein paar Seiten Kerr im Bett liege und darüber einpenne.

nine to ten

Heute morgen um 9 aus dem Haus und um 22 Uhr zurück. Dazwischen knapp 250 Kilometer mit dem geliehenen Auto und eine Veranstaltung, die man um die Hälfte hätte kürzen können. Aber es sind ja wahrlich nicht alle wie ich so wortkarg – was ja wohl auch gut ist, wenn ich an Proust denke, der aber nie ein Schwätzer war. Jetzt noch ein Glas Wein, dann doch noch etwas lesen und morgen sicher nicht um 6 schon auf.

WMDEDGT 2/19

Jeden Monat fragt Fr. Brüllen, was man denn so heute gemacht hat.

4:25 – Ich werde von mir selbst unsanft geweckt. Auch erotische Träume können ganz schöner Horror sein. Den Rest der Nacht verbringe ich quasi turnend.
6:00 – Neue Weckzeit, heißt aber nicht, dass ich wacher aufwache und aufstehe. Gleich ins Bad, und wiegen (400 gr mehr als gestern. Hat die Waage noch alle?)
6:14 – Küche. Tee. Brote schmieren. Zeitung laden. Tee trinken. Zeitung lesen. Happy-Pille schlucken.
6:37 – Aufbruch.
6:47 – Die Straßenbahn fährt schon wieder nicht. Ich kapier es einfach nicht. Überall steht 6:47 – aber sie fährt entweder vier Minuten früher oder später oder gar nicht. Also den Bus (aber der ist auch ganz schön, wenn auch nicht so schön, wie der um 6:28).
7:00 – Heute Job 1, also: Bloß keine Hektik. Aber immerhin 2,5 Vorgänge – für theoretisch acht Stunden!
8:00 – Da ich heute aber bei einem Ausschuß noch Protokoll führen soll, schaue ich mir mal ein altes an und drucke ein paar Unterlagen aus. Danach, ach, ich guck mal so rum …
10:00 – Mal runter zu Job 2, dort ist ja die neue Kollegin, mit der ich die Stelle teile. Kennen tun wir uns nicht, nach 3 Minuten sind wir aber auch beim Du.
10:45 – Wieder oben. Zeit tot schlagen. Es ist schon leicht grausam.
13:00 – Vor der Ausschusssitzung gibt es Mittagessen in Form von den flachsten und trockensten Schnitzel die ich je gesehen und gegessen habe zusammen mit etwas aus Kartoffeln, was ein Gratin sein soll aber nicht ist. Den Nachtisch streife ich nur mit einem Blick, keine Lust auf gummiartiges Plastik.
13:15 – Die Sitzung beginnt 15 Minuten früher, es wollte wohl keiner eine zweite Portion – sehr nachvollziehbar. Der erste Vortrag über Vorsorgevollmacht ist richtig aufschlussreich, der zweite über die Bilanzen und Prognosen ebenfalls. Die Diskussion, bzw. was die Teilnehmenden so als Diskussion bezeichen, dagegen komplett überflüssig und redundant bis …
15:15 – Meine große Stunde. Ich darf einen Pipifaxfurz vorstellen. Die sieben Minuten gestalten sich aber sehr schwierig, weil mein Chef in der Ankündigung meines Beitrages schon alle wichtigen Inhalte dreimal aufgezählt und erläutert hat.
15:55 – Auch dieses Grauen – also diese Sitzung – hat ein Ende.
16:30 – Auf der Straßenbahn zurück. M. gesellt sich für ein paar Stationen zu mir und wir sprechen über die Statistiken, die er gerade gezeigt hat. Zum Abschied schlägt er mir freundschaftlich aufs Knie – so viel Nähe hätte ich ihm nie zugetraut.
16:45 – Einkaufen. Es gibt heute abend mal wieder unsere Variante des Nizza-Salats.
17:15 – Mein großer Computer hat ne Macke. Er verbindet sich immer nur für 30 Sekunden mit dem Internet, dann hat er keine Lust mehr – für 30 Sekunden. *nerv*
17:25 – Der große Computer hat die Lust verloren am Spielen und ist nun mit dem Internet verbunden. Mails, Flickr.
17:45 – Tageslektüre.
18:15 – Küche. Salat richten, s.o.
18:45 – Aperitif auf dem Sofa mit Fernsehn. Ich kann Proll.
19:15 – Der Mann erreicht den heimatlichen (kalten) Herd, macht sich sein Salatdressing und wir essen zusammen.
20:00 – Etwas Nachrichten
20:17 – Ich komme auf die, wie ich finde, gute Idee Sex Education zu schauen.
22:21 – Da morgen ein echt langer Tag, richte ich meine Sachen für die Schulung in K. übermorgen. Denn nach dem Job morgen gehts gleich zum Psychodoc, von dort aus gleich zum Bahnhof und von da aus dann zum Rhein.


Man kann es nicht genug bestaunen

Ich lese u.a. gerade den Briefwechsel zwischen Marcel Proust und Reynaldo Hahn. Im Brief vom 3. (oder 4.) September 1896 schreibt er u.a. etwas über ein Bild von Quentin Massys und einen Autoren namens Georges Ohnet. Beide nie gehört.

Drei Minuten später:

Ich höre Musik von Reynaldo Hahn (Spotify).

Ich lese ein paar Zeilen in einen Roman von Ohnet (Darknet).

Ich gucke mir das Bild von Massys an (Google).

So langsam werde ich dann doch alt

Das hat aber auch etwas Gutes, wie ich gerade feststelle. Fast Gutes. Vor zwei Wochen einen Roman zu Ende gelesen, den ich so gut nicht fand. Geade eben entdeckt, dass ich ihn vor 20 Jahren schon mal gelesen habe – mit Begeisterung.

Noch ein paar Jahre – dann brauche ich mir wohl keine Bücher mehr zu kaufen und lese das Tausend, was im Regal steht, einfach nochmals.

Bis dato war ich echt stolz auf mich, dass ich nur wenige Sätze brauche um mich zu erinneren, ob oder ob nicht. Tja, da tauchen wohl erste, dicke Lücken auf.

Aber Proust und Joyce und Dostojewskij und Schiller und Schmidt und Jahnn und Gray und … nochmals so lesen zu können, als wäre es das erste Mal. Das hat definitiv was!

Scheinbar hat die Demenz auch gute Seiten.

Wann …

… kommt endlich mal wieder die Zeit, wo ich einfach ‚Eule‘ sein darf und nicht ‚Lerche‘ sein muss???

Im Studium gab es mal drei Jahre, da konnte ich in meinem Rhythmus leben – und das war einfach gut!!!

Aber ansonsten werde ich gezwungen gegen meine innere Uhr zu leben. Kann das gesund sein?

Auch wenn ich nicht Romane schreiben kann – aber ein bisschen Proust steckt daher in mir auch.

Ich bin ein Goncourt

Romane hätte ich gestern schreiben können! Ach was – Romantrilogien! Ich hätte sowohl Marcel Proust wie die Brüder Goncourt in den Schatten gestellt. Ich schwör! Aber man gab mir keinen Stift, keinen Block, keinen Computer.

Eingeladen waren wir auf einen Geburtstag. OK, es hätte uns etwas stutzig machen können, dass wir in ein Restaurant eingeladen wurden, einem etwas besserem. Es hätte uns noch stutziger machen können, als uns Gastgeber U1. mit Fliege entgegentrat. Vor allem, als die restlichen zwölf Gäste auftraten, hätte es mir wie Schuppen von den Augen fallen müssen – aber ich war schon so gestresst!

Die vermeintliche Geburtstagsparty entpuppte sich dann als Hochzeitsparty, U1. und L. hatte sechs Stunden zuvor und zwölf Stunden nach der Ankunft aus dem 4. Urlaub in diesem Jahr ihre Partnerschaft zur Ehe upgegradet. Aber das wäre nur der Rahmen zum Roman gewesen.

Inhalt der Romane wären die Gäste gewesen … und ich weiß nach wie vor nicht wo anfangen. Psychodynamisch waren das Explosionen. U2. und I. setzten sich beispielsweise so weit wie möglich auseinandern, weil sie nicht mehr miteinander sprechen. U2 sprach lange Zeit nur mit S., was mal eine sehr, sehr gute Freundin von mir war, wir aber seit Jahren aus ungeklärten Gründen keinen Kontakt mehr haben. Ihr Mann J. dagegen musterte mich ähnlich wie U2 beständig. Mir gegenüber saß ein nicht ganz unwichtiger Pfarrer (W.), der mir von V. vorschwärmte, als sei er verliebt (dabei ist er schwul und hat V. erst letzten ihrem Mann angetraut). Daneben saß eine weitere wichtige Geistlichkeit (K), die alles tat, um nicht wichtig zu erscheinen. M. hielt sich auffallend zurück, und E. mühte sie mehr ab, als dass es ihm Spaß machte. Drohnend in der Mitte dann R., der den Altersvorsitz übernahm und keine Zweifel daran ließ, dass man zu huldigen hätte, ihm natürlich.

Die meisten kenne ich ganz gut, einzeln genommen mag ich sie sogar – aber in der Runde: als Beobachter Stress pur! Was da alles abing – herrlich.

Ich hab mich dann – nach Jahren zum esten Mal wieder – zu S. und J. gesetzt. J. motze wie die Jahre zuvor schon destruktiv vor sich hin, S. macht dann sogar auch mir dann ein freundliches Gesicht, während U2 versuchte mich zu vereinnahmen, G. dagegen sauer war, dass ich nicht mich zu ihm setzte … Also versuchte G. an E. ranzukommen, der aber lieber mit U3 im Gespräch war, so dass erstmal nur M. übrig blieben, mit dem G. aber nicht so richtig kann. K. und W. gingen dann in irgendwelche Konkurrenz, worauf I. als Therapeutin einschritt, was wiederum L. …

Es war ein Fest, ein echtest Fest

 

Über die schreibende Schulter geschaut

So genau weiß man es nicht, aber Marcel Proust soll in seinem 51-jährigen Leben an die 50.000 Briefe geschrieben haben (und die waren alle länger als eine WhatsUp-Nachricht!). Diese ungeheure Zahl ist, schaut man sich dessen Leben und Arbeiten an, nicht wirklich unwahrscheinlich, denn der Mann verbrachte Jahre seines Lebens in seinem Zimmer und schrieb – u.a. auch seinen fetten geilen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Seit Januar habe ich 572 von ihnen in den beiden neuen Briefbänden gelesen und bin nach wie vor fasziniert. Proust als Type ist schon recht eigenartig, eine verklemmte Schwester (der Zeit geschuldet), wohl auch einen Tuck hypochondrisch und in gewisser Weise auch immer mal wieder versessen. Andererseits muss das ein kluger, liebenswerter Kerl gewesen sein, der vor Empathie nur so gestrotzt haben muss. Und so eigen er wohl gewesen war – eitel, trotz auch des späten übergroßen Erfloges, war er nicht.

In geschätzt über der Hälfte der Briefe erwähnt er zwar seine schlechte Gesundheit mit einem Satz – um sich dann anderen Themen zu widmen. Dass kann enervierend ausfühlich sein, wenn es um die Möbel, die Teppiche, die Stühle, die Vorhänge, die Tische, das Bett, der Schrank, das … für die neue Wohnung geht, andererseits schreit es nach mehr, wenn er zur seinen literarischen Arbeiten Stellung nimmt. Aus den Briefen spricht etwas ‚Herzensgutes‘ – was mich vermuten lässt, dass es genau das, was die anderen an ihm nicht verzweifeln ließ, denn er konnte auch durchaus penetrant sein, wenn sein liebendes Herz verbotenerweise mal wieder höher schlug.

Mich freut’s, dass ich auch heute am Bloomsday fertig geworden bin, denn – oh Wunder, oh Zeichen – Marcel Proust und James Joyce sind sich einmal bei einem Abendessen begegnet. Im Jahr seines Todes 1922 am 18. Mai im Hotel Ritz auf Einladung des Mäzenenpaars Sydney und Violet Schiff. Mit dabei – und das muss man sich mal vorstellen – waren noch Igor Strawinsky und Paplo Picasso. Daraus müsste man doch mal einen Film oder ein Theaterstück machen (und etwas von der Wahrheit abgehen, denn nach unterschiedlichen Berichten hatten sich Joyce und Proust nichts oder nur Nichtigkeiten zu sagen).

Und hier noch ein Brief an Emmanuel Berl vom 26. Oktober 1919 der mir deswegen so gut gefallen hat, weil, hätte ich mit Proust eine handschriftliche Korrespondenz geführt, er mir das wohl (auch) geschrieben hätte:

Cher ami,

Ich bin außer Stande, zwei Zeilen zu schreiben. Ich will Ihnen aber doch sagen, dass ich heute Morgen einen Brief von Ihnen erhalten habe, der mir das größte Vergnügen bereitet hat, denn ich habe darin die mysteriösen Arabesken wiedererkannt, die Sie ironischerweise als Ihre Schrift bezeichnen. Aber dieses Mal habe ich, entweder liegt es an meinen Augen oder Sie haben sich selbst übertroffen, kein einziges Wort entziffern können. Ich weiß sogar nur deshalb, dass der Brief von Ihnen stammt, weil ich jede ganz besondere Form der Unleserlichkeit wiedererkannt habe, die die Ihre ist. Aber ich habe sie wiedererkannt wie man aufgrund der Manier sagt „diese Zeichnung stammt von jenem Künstler“, ohne dass man die Signatur gesehen hätte. Wenn Sie ihre Briefe an mich nunmehr diktieren wollen, berauben Sie mich des Vergnüngens, diese Zeichen bar aller rationalen Bedeutung zu betrachten, die in meinen Augen aber ihre Gesichtszüge nachzeichnen. Aber immerhin wüsste ich, was Sie mir sagen wollten.

Ihr ergebener

Marcel Proust

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

Kritzelkomplex

Just another WordPress.com site

heat'n'eat

The way I cook/Wie ich koche

wirbelwind68

ich lebe intensiv und reflektiert

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

KenterKönig

und anderes aus der weiten Welt

Winterlicht

Worte und Bilder

herschelmann fotoblog, bestpixel-photowerkstatt-hamburg.de

einige mehr oder weniger tolle Ideen um die Fotografie und die Bildbearbeitung

Rummelschubser

Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia