Durch die Zeit

Tag: Markt

Frust

Ich bin ja in einer Stadt und einer Familie groß geworden, wo es selbstverständlich war, dass jeder Einkauf auf dem Bauernmarkt begann. Was man da nicht bekam, wurde dann eben im Supermarkt gekauft.

Vor ca. drei Jahren habe ich hier dann begonnen, zumindest freitags auf einen super kleinen Markt zu gehen, um zumindest für das Wochenende Gesundes und Frisches aus der Region zu haben. Hat sich dann so ergeben, dass ich das Meiste bei einem bestimmten Bauern gekauft habe, der mich so ein kleinwenig an die Heimat erinnerte (siehe hier).

Und genau den Bauern vermisse ich seit drei, vier Wochen. Vor einer Stunde habe ich erfahren: Er hat alles (Haus, Hof, Felder, …) komplett verkauft und wandert mit seiner Frau nun nach Polen aus.

Echt, was werde ich den vermissen, denn jetzt gibt es dort nur noch gerade einen Stand, der mehrheitlich eigene Produkte verkauft (wenn auch nicht lange so viele unterschiedliche wie bei ‚meinem Bauern‘) und nicht das aus dem Großmarkt.

nulla dies sine linea (*1)

Zusammen mit „homo sum, humani nihil a me alienum puto“ (*2) meine zwei … ja was? … Leitsprüche … Lebenssprüche … Lebensansprüche?

Egal, mir gefallen beide ausnehmend gut und spiegeln mich bzw. meine Ansprüche an mich ganz gut wieder. Es war in der Schulzeit, als ich mit einer Klassenkameradin mal eine Diskussion hatte, wie denn wir uns in der NS-Zeit verhalten hätten. Was sie sagte, weiß ich nicht mehr, aber mir wurde damals klar, dass ich zum Widerstandskämpfer wohl wenig getaugt hätte. OK, damals wußte ich noch nicht, dass ich schwul bin – vielleicht hätte das meine Ausage damals etwas geändert.

Und den Titel meine ich bei Satre als Jugendlicher gelesen zu haben – aber dafür lege ich meine Hand sicher nicht ins Feuer. Eine Stunde am Tag wollte ich, so habe ich mir damals vorgenommen, lesen. Natürlich habe ich das nicht durchhalten können – so wie heute. Klar, ich habe in der Zeitung gelesen, etwas im Internet – aber das zählt alles für mich nicht, denn das bezog sich auf Literatur. Heute kam ich noch nicht dazu (und werde wohl auch nicht dazu kommen), gestern begeisterte mich ein Ralf-König-Comic (11.000 Jungfrauen), den ich noch gar nicht kannte und morgen – ich habe frei – muss ich zwei Texte schreiben, auf den Markt gehen, Bibel lesen (aber das zählt irgendwie nicht) und dann kommt für das Wochenende Ersatzsohn T.

Das schreib ich, glaub ich nur deswegen, um nicht schon wieder zu schreiben, dass mich die Supervisorin in der Laberrunde schlichtweg begeistert. Die hat heute mit zwei Sätzen einen Druck von mir genommen, weil sie eben mein Ding von einem Schritt Abstand sehen konnte.

Dennoch: Morgen weiter im „Das Büro“, Band 2.

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Für die, die nicht das GROSSE Latinum haben wie ich (immerhin mit genau 5 Punkten mühseeligst ersessen, weil das der Deal mit dem Lateinlehrer war, weil sonst der Grundkurs nicht zustande gekommen wäre):

*1: Keine Tag ohne Zeile (Näheres HIER)
*2: Ich bin ein Mensch, nichts Menschliches, denk ich, ist mir fremd. (Näheres HIER)

Seltenheitswert

Auf dem Markt bei Metzger Nr. 1. Wie immer richtig viel los. Dennoch, der Chef erkundigt sich bei der Kollegin, ob der Herr. B. – also ich – schon bedient werde. Der kennt meinen Namen!

Auf dem Markt bei Metzger Nr. 2. Die Frau des Chefs lässt für Zuhause Grüße ausrichten. Hat sie also jetzt auch kapiert, dass ich gewissermaßen ‚Frau‘ Innungsobermeister bin.

Zwiespältig

Auf dem Markt in meiner Geburtstadt – im Süden von Deutschland – dann wieder diesen großen Frust. Nicht nur wegen der Preise, darüber schrieb ich ja schon. Sondern diesmal: Da gibt es einfach alles. Und alles dann noch in verschiedenen Varianten. Alleine jetzt Trauben. Echte Trauben eben, vom Weinberg und nicht dieses Hochzuchtgedöhnstrauben, die zwar geil aussehen, aber nach wenig schmecken. Echte Trauben, das Pfund für zwei Euro – hier, wo ich wohne,  würde ich fünf freiwillig für die Hälfte der Qualität zahlen. Und dann das Thema Feldsalat: In der Heimat eine Wissenschaft, hier Einheitsnichtqualität in der eingeschweißten Schale.

Andererseits, beim Gang am Nachmittag durch die Stadt: Was für ein penetrantes zur Schau gestelltes Gut-Menschentum. Was für ein ich-zeig-mal-understament-mäßig-wieviel-Geld ich habe und eine Wahnsinns Reihe von Geschäften genau für die Leute, die viel Geld und wenig Ahnung haben. 500 Gramm „echte handgemachte italienische Pasta“ für 6,99 Euro, der man schon auf den ersten Blick ansah, dass es Massenware ist. Mal abgesehen davon, dass der „italiensche Feinkostladen“ mit Whiskey bzw. Whiksy warb, als gäbe es kein Morgen mehr.

Und zudem: Die Rote bei Hassler kann man nicht mehr essen. Die Rote an sich nach wie vor sehr gut, nur das Brötchen ein Schlag auf die Eier. Keine konkrete Ahnung wie viele Jahrzehnte ich da mir die Rote kaufte – aber gestern war es dann doch die letzte.

Warum nicht jeden morgen so?

Ich bin halbschlafend am Tee machen, da tanzt ein gerade noch junger Mann in die Küche herein. Nur mit einem langen T-Shirt bekleidet ist ihm scheinbar klar, dass er sich der hiesigen Kleiderordnung angepasst hat.

Als ich später vom Markt komme, ist er gerade der Badewanne entstiegen und nun immerhin mit einer Hose bekleidet. Als er wenige Minuten später spontan ein Foto will – während ich den Rucola entstängele – meine ich, dass er doch wisse, dass ich nur Aktaufnahmen machen würde. Woraufhin er die Hose fallen lässt und fragt, ob es so OK wäre.

Nun haben wir für Sonntag einen Termin (wenn er sich daran noch erinnert, denn ein bisschen sprunghaft ist er schon).

Ansonsten eine nette Einstimmung in den Tag – wäre mir aber jeden Morgen dann doch echt zu viel.

Projekt/hindernis

Manchmal überlege ich nahezu ernsthaft, mit einem Buch zu beginnen, dass diesen ganzen Wahnsinn der Nahrungsmittelindustrie, der Nahrungsmittelpreise und der Umgang damit beinhaltet. Ich bekomme regelmäßig die Krätze, wenn ich sehe, was sich Leute in den Mund und in den Körper schieben und behaupten, es sei nicht nur gesund sondern gut. Und ich bekomme Pickel, wenn die leichenblasse Leute in ökologisch mehr als fragwürdigen SUV’s vor den Bioladen vorfahren sehe, die dann im Laden nach „veganen Schnitzeln“ zu fragen.

Und da bläst die SZ heute natürlich genau in mein Horn:

Der Deutsche lässt sich seine Küche so viel kosten wie keiner sonst in Europa (im Schnitt 6200 Euro). Darin verkocht er ein Olivenöl, das billiger ist als das Öl für den Motor seines Autos. Bei Stiftung Warentest liest er dann, wie mies das Öl gepanscht war, um sich nun am Stammtisch über Lebensmittelskandale zu ereifern. Reiches Deutschland, Arme-Leute-Essen.

Und während ich das lese, klopfe ich mir auf die Schulter. Unsere Küche hat mit den beiden Geräten (Herd, Kühlschrank) vielleicht 1.200 Euro gekostet (und außer einem Zauberstab gibt es kein weiteres elektrisches Küchengerät), das derzeitge Olivenöl haben wir aus Griechenland mitgeschleppt, gestern stand ich lange in der Küche, um eine Fleischbrühe zu machen, einen Linseneintopf und – ich lob mich ja echt selten, aber heute muss das sein – ein echt klasse Rindergulasch für heute (mit Knöpfle!).

Und dann schneide ich noch schnell eine Zwiebel für den Rindfleischsalat (den ich immer aus dem Suppenfleisch mache – denn ich will so wenig wie möglich wegwerfen) und komme ins Grübeln. Ich, der ich freitags auf den Markt in den Kaufrausch verfalle und bei Gemüsestand gerne mal 30 Euro liegen lasse und überhaupt in Sachen Nahrung im Ruf der Heiligkeit stehe, bekomme feuchte Augen, wenn ich im Supermarkt den 5-kg-Sack Zwiebeln für 1,79 Euro entdecke – und ihn ohne Wenn und Aber nach Hause schleppe. D.h., die Zwiebel für den Salat hat uns 3 Cent (!) gekostet.

Könnte der Grund sein, warum ich das Buch nie ernsthaft angehe.

Kaufrausch, wöchentlicher

Mein Mann schüttelt jetzt schon immer leicht den Kopf, während ich freitags stolz präsentiere, was ich alles auf dem Markt gekauft habe. Die Frage: „Und wann sollen wir das alles essen?“ überhöre ich geflissentlich, denn ich sehe selber, dass wir uns da was einfallen lassen müssen (was bisher auch immer geklappt hat). Aber wenn ich daran denke, die gleichen Dinge dann im Supermarkt zu kaufen, schlage ich doch lieber zu. Allein Feldsalat. Was wir hier im Supermarkt bekommen ist zwar grün und versucht so auszusehen wie Feldsalat, was ihm aber meist nicht gelingt, und schmeckt genauso intensiv wie holländische Tomaten oder ausgepresste Salatgurken.

Da ich derzeit sehr früh auf dem Markt bin, mal den Metzger ausprobiert, vor dem sonst sich die längste Schlange immer bildet. 100 gr Lyoner sollten es werden, aber dann waren es noch 100 gr Schinken, eine kleine Leberwurst, Speckwürfelchen (aus dem Angebot!) und einen kleinen Fleischsalat. Das ist mal locker unsere Wochenration an Wurstwaren.

Und wann gab es das letzte Mal hier in den Läden Doraden?

Auf dem Markt

  • Beim ‚meinem‘ Bauer muss ich mich, vier Salatköpfe jonglierend, länger anstellen, da die Damen vor mir sich nicht entscheiden können, wie viel sie von was wollen. Der Bauer sieht mich, lässt seine Kundin stehen, kommt mit einer offene Tüte auf mich zu und mein: „Mach das mal da rein, ist doch einfacher“.
  • 14 Euro soll ich ihm dann später zahlen für: vier Salatköpfe, 1 Bund Schnittlauch, 1 Bund Petersilie, 1 Bund Rucola, 1 Bund Radieschen, 1 kg Zwiebeln, 1 Pfund Erbsen.
  • Egal wo ich anstehe, überall vergessen die Vorkäufer ihren Einkauf, so dass ein Teil der Verkäufer damit beschäftigt ist über den kleinen Marktplatz zu rennen.
  • Warum vorzugsweise Renter und vorzugsweise Mütter mit kleinen Kinder mit dem Rad über den Markt fahren müssen, entzieht sich meiner Nachvollziehbarkeit.
  • Nach Ewigkeiten wieder mal Erbsen in der Schote gekauft.
  • Zum ersten Mal in meinem Leben frische, ungekochte, unbearbeitete Rote Beete gekauft.

Auf dem Markt gibt es keine Nerven zu kaufen

Wie immer erst zum Fleisch. Zwei hinter der Theke. Sie packt für einen Käufer Wurst ein. Von der 100 Gramm, von der 75, von der 125, von der 200 … Hat der eine Großfamilie zu versorgen? Der Metzger selber ist mit einem anderen Kunde beschäftigt, der mal gerade so locker für 75,45 Euro Fleisch kauft. Und das dauert, bis 20 gleichgroße Rouladen geschnitten und ausgesucht sind. Und geizig wie dieser Metzger ist, er besteht auf die 45 Cent. In meiner Heimatstadt auf dessen Markt hätte der Metzger nicht nur eine Wurst dazugelegt sondern auch noch ein ordentliches Stück Speck – aber hier …

Rüber zum Fisch. Die Frau vor mir fällt in einen Kaufrausch. 62,77 Euro für Fisch. Bei jedem fragt sie, ob man ihn auch einfrieren könne. Die 15 Jakobsmuscheln muss sie also heute oder morgen machen. Die Verkäuferin rundet auf 60 Euro ab und legt noch einen Fischsalat zum probieren dazu. Das gefällt mir schon besser.

Zwischendurch noch zum Spargel. Davon haben die hier Null Ahnung. Den dicken, fetten Spragel, der meist strohig ist, verkaufen die hier zu Höchstpreisen – und Bruchspargel ist dann genauso teuer! Mein Spargel muss einen Durchmesser von 20 bis max 25 mm haben, dann ist er perfekt. Den findet man auch auf dem Markt, frisch aus der Region für unter 8 Euro, denn den kauft anscheinend niemand. Vor mit eine Kundin die genau acht Stangen will. Nach dem gefühlt 70 Stangen begutachtet worden sind, komme ich endlich dran.

Dann Gemüse. Ich packe ein: 3 x Radieschen, 3 x Salat, 2 x Rucola, 1 x glatte Petersilie, 1 kg. Zwiebeln, eine Handvoll Möhren. Der Bauer rundet auf 12 Euro ab. Ich habe gerade den Rucksack geschultert, da fällt mir ein: Petersilienwurz! Also die rausgesucht, wieder hinten angestellt. Der Bauer sieht das, nimmt mir sofort die beiden Wurzel ab, wiegt sie und sagt dann „1 Euro“. Ich winke mit einem 5-Euro-Schein, darauf er: „Ach lass, zahlste dann halt nächste Woche!“ So kenne ich das aus meine Heimat.

Großzügig – oder was man meint darunter zu verstehen

Es gibt sie dann schon, die wesentlichen Unterschiede zwischen Süd- und Mitteldeutschland, zumindest was das Verhalten der Standbetreiber auf dem Markt betrifft. In meiner Heimatstadt im Süden ist es selbstverständlich, dass man Obst, Gemüse und Salate am Stand probieren darf. Und es ist auch selbstverständlich, dass die Summe abgerundet wird, wie es auch selbstverständlich ist, dass es immer ein Extra gibt, entweder ein paar Karotten oder Möhren mehr, oder ein Stück Wurst oder was eben gerade greifbar ist. Ich genieße das immer sehr, denn einerseits befreit es einem von diesem kleinkrämerischem 7,78 Euro (in meiner Heimatstadt sind dass dann 7,50 und gut ist, plus zwei Zwiebeln) zum anderen hat man immer das Gefühl, ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Hier in Mitteldeutschland auf dem (kleinen) Markt gibt es nur einen Bauern, der ebenso verfährt. Bei ihm werden aus 7,78 dann auch bei guter Laune schon mal auch nur 7 – dafür gibt’s nix obendrauf auch wenn er, wie ich schon mehrfach beobachtet habe, sehr großzügig ist, wenn Leute für einen Kindergarten einkaufen. Da legt er dann auch schon mal 2,5 kg Kartoffeln oben drauf.

Und heute, so kurz vor Weihnachten, war das richtig ein Fest – Vorsicht: Ironie. Der Metzger hat sich vorweihnachtlich zu einem Preisnachlass von sage und schreibe 7 Cent, in Worten: s i e b e n Cent hinreißen lassen und hat dafür noch einen hässlichen Kalender wortlos über die Theke geschoben. Beim Bauern gab es den seit Wochen gültigen Einkaufspreis von 21 Euro obwohl ich heute entschieden mehr gekauft habe, als letzte Woche und zwei Karotten extra. Aber das Schnäppchen habe ich beim Bäcker gemacht. Musste mir noch ein Brötchen kaufen und da gab es bei meinem ersten Einkauf bei denen für 45 Cent noch ein hölzernes Schneidebrett (mit Sicherheit aus ökologischem Anbau und mit Mondleinöl oder was auch immer besprochen) obendrauf. Das nenne ich mal einen Fang!

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