Durch die Zeit

Tag: Mediation

Konflikte gesucht

Denn ab heute darf ich ganz offiziell mediieren. OK, meine Ausbilderinnen möchten danach einen kurzen Bericht / Analyse, damit ich mir keinen Blödsinn aneigne … aber ich darf jetzt.

Ab morgen gehe ich mal auf Konfliktsuche, denn die Konflikte der anderen sind ja zudem immer spannender als die eigenen.

Praxis schlägt Theorie

Heute in der Mediationsausbildung. W. weigert sich einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, sie fühle sich in ihren Freiheitsrechten beschränkt bzw. beraubt. P. findet das so gar nicht gut und besteht darauf dass alle Teilnehmenden eine Maske tragen, wenn sie sich im Raum bewegen.

Für die Eskalation brauchen die beiden Frauen keine vier Minuten.

Dann greift die Ausbilderin ein – und zeigt mal so im Nebenbei, wie elegant man so einen Konflitk dann angehen kann.

Eine Lösung kommt zwar nicht zustande – was aber nicht an der Methode liegt, sondern an der Konfliktlösungsunwilligkeit von W.

Mediationsausbildungstagebucheintrag

  • Eine der Teilnehmerinnen lud uns gestern Abend zum Grillen ein, auch dabei war ihr 13-jähriger Sohn – genannt N. –, der sich nicht nur von seiner besten Seite zeigte, sondern auch wirklich ein überaus hübsches Menschenkind ist. Bei der Dankesorgie auf den sozialen Kanälen danach schrieb eine andere Teilnehmerin u.a.: „… sehr nett euer N.“. Ich hätte mich das als schwuler Mann nie getraut, denn ich wäre wohl sofort in den Verdacht geraden, auch päderastisch unterwegs zu sein.
  • Bei einer dieser Übungen musste ich einen 8-jährige Jungen geben, scheinbar überzeugend, denn die anwesende Ärztin diagnostizierte sofort ADHS. War schon alles eher lustig, aber als ich dann die Trainerin, die in den Raum kam um uns zu beobachten, mit in die Szenerie nahm, und sie als „Tante“ bezeichnete, war an ernsthaftes Arbeiten nicht mehr zu denken. Ich kann also auch lachen.
  • Da der erste Tage eher langweilig war, ausreichend Zeit gehabt darüber nachzudenken, warum ich mich verweigert habe, als wir aufgefordert wurden, eine Reisefahrungen zu erzählen.

Tagesschnipsel

  • Die Übungsmediation war extrem anstrengend, weil N. es uns beiden Mediatoren echt nicht einfach gemacht hat. Aber das war in der Hinsicht gut, dass mir mal wieder klar geworden ist, dass auf der Sachebene ich ein echter Profi bin, aber das Emotionale nicht in dem Maße im Focus habe, wie wichtig / notwendig und gut ist.
  • Wenn ich mich dann traue, auf das Emotionale zu gehen, bringt das die Mediation weiter und ich bin da weitaus standfester, als ich immer so denke.
  • Scheint gerade ne gute Kombi zu sein Therapie und Mediationsausbildung.
  • Nicht umarmen zu dürfen tut fast noch mehr weh als nicht zu sehen. Überträgt man Viren, wenn man bei der Umarumung die Luft an hält?
  • Scheinbar lassen sich mehr Menschen gerne küssen, als gedacht. War heute zwar nur ein theoretisches Thema, der Wunsch aber äußerst deutlich.
  • Ich lerne für mich zu sorgen und bin mir dankbar, dass ich mir morgen frei genommen habe.

Weiterbildungsurlaub – Tag 5

Der Tag beginnt mit der Überlegung, ob im Bett bleiben vielleicht doch eine Alternative sein könnte.

Die Fenster-Statistik vermeldet: Heute ein absoluter Frauentag, wengistens die Richtungen sind gleichberechtigt, ansonsten keine Besonderheiten. Die Detailanalyse und das dadurch erarbeitete Ergebnis werde ich nachreichen.

Zur Entspannung dürfen wir erstmal einen Brief an uns selber schreiben, bis es zu einer Live-Mediation kommt. Da fließen dann nach wenigen Minuten die Tränen und die Stimmung ist zumindest für den Vormittag erstmal im Eimer. Aber damit war ja zurechnen, denn „Konfliktspenden“ haben Wein-Potential. (By the way, wer ein Konflikt spenden will, ich nehme sie alle ab.)

Dann weitere Übungsrunde, beide Mediatoren haben ‚Angst‘, weil ich den Oberarzt gebe und verlieren sich leider etwas, obwohl ich ganz ‚lieb‘ bin. Aber aufschlussreich. Aber dann reichts auch, war ein echt volle, intensive und kraftzehrende Woche.

Es gibt zwei Leute, die ich bei der Verabschiedung umarme, das ist einmal N. (wen wunderts) und – voll krass – „Voll-Krass“.

Weiterbildungsurlaub – 1. Tag

Nach dem ersten Kennenlern- und Schnupperwochenende, nun die erste Präsenzwoche. Es wird noch eine zweite geben, nächstes Jahr aber erst, die dann auch das Ende markiert.

Die, die aufhören wollte ist leider doch wieder dabei, weil das erste Wochenende dann doch „voll krass“ war und sie „voll viel“ hat mitnehmen können und jetzt bereit ist, sich auch „voll einzufühlen“. OK.

Drei neue sind auch dabei, wovon eine bei der letzten Übung so ehrlich ist zuzugeben, dass sie Angst vor mir hat, weil ich so „realistisch“ bin.

Auf N. hab‘ ich mich gefreut und gestehe ihr in der zweiten Pause, dass ich gerne dann mit ihr in eine gemeinsame Intervisionsgruppe will. Sie will auch und so ist der Vormittag schon mal gerettet.

Viel Wiederholung, viel klein-klein – aber das ist für die, die keine Beratungserfahrung haben natürlich wichtig. Ich langweile mich schon etwas und hab blöderweise mein Buch vergessen, in das ich bei solchen Seminare dann halbe Romane schreibe.

Mittags bin ich lieber alleine unterwegs, gehe mit mir Nudeln essen (6,15 €) und verstecke mich vor einem Exfreund (jetzt nicht Exfreund im Sinne, dass wir mal ein Paar waren (auch wenn wir mal im Bett waren)). Ich hab’s gerade echt nicht so mit sozialen Kontakten, mit schwierigen sozialen Kontakten erst recht nicht.

Nachmittgas dann eine erste richtige Übung, die beiden (Übungs-)Mediatoren sind nach zehn Minuten am Rande ihrer Möglichkeiten, kämpfen sich dann aber echt gut durch. Die Rückmelderunde war dann das Wichtigste vom Tag.

Abschließend noch eine nette Übung, die N. und mir einfach viel Saß gemacht hat. Gemeinsam lachen ist schon ganz schön.

 

Zweiter Tag

Sag‘ ich mal so. Meine theoretischen Kenntnisse zum Thema Kommunikation sind also nach wie vor auf dem neusten Stand und mindestens gut fundiert, meine praktischen Kenntnisse – wenn ich denn dann will – so, dass das Feed-Back nichts vebesserungswürdiges zu melden weiß. Aber da übe ich ja jede Woche mindestens drei Stunden.

Für mich heute etwas langweilig und wenig Neues – aber das war zu erwarten gewesen. Irgendwie auch OK, denn nach der Horror-Alptraum-Nacht heute war ich eh wenige unkonzentriert.

Zweiter Versuch

Ein erster Versuch ist vor zwei, drei Jahren kläglich gescheitert. Ich hab‘ damals zwar etwas Hilfe gebraucht um herauszufinden, warum es scheiterte, aber dann war klar: Mit der Gruppe möchte ich die Mediations-Ausbildung nicht machen. (Und wie mir heute aufgegangen ist: Auch nicht mit der damaligen Leitung).

Heute also die ersten drei Stunden des Kennlernwochenendes, das dazu dient zu schauen, ob man wirklich jetzt über ein Jahr das ein oder andere Wochenende und die beiden Wochen verbringen will.

Wir sind zwölf, ausgeglichenes Geschlechterverhältnis, ansonsten ein bunter Mix von jedem und allem. Die beiden Teamerinnen erscheinen auf den ersten Blick strukturiert (was mir ja immer wichtig ist) und fürsorglich (was mir auch ganz gut gefällt – es gab nicht nur Obst und so gesundes, faieres und friedliches Zeugs, sondern auch Gummibärchen!). Erfahrung bringen sie auch mit – die Zeichen stehen jedenfalls gut, auch wenn ich mich erst am Ende wirklich entscheiden werde, schließlich kostet die Ausbildung ein paar tausend Euro.

In einen der Teilnehmer habe ich mich bereits verliebt. Der ist wohl um die 30, kommt aus dem Sozialbereich und ist einfach ein locker-sonniges Gemüt, der selber glaube ich gar nicht weiß, wie fein-ironisch er ist. Jedenfalls so ein richtig erfrischendes Menschenkind.

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