Durch die Zeit

Tag: Modell

Alles für die Kunst!

Einige Jahre lang stand ich durchaus gerne als Akt’modell‘ auch vor der Kamera. Da ich mit verschiedenen Fotografen gearbeitet habe, gab es reichlich Abwechslung, was die Location betrafen. Nicht immer war das temperaturmäßig dann für einen Nackten angemessen, aber wie J. da immer sagte: Alles für die Kunst!

Irgendwann ist es auch relativ normal für einen, nackt in Trümmerhäuse rumzukraxeln, während der Fotograf friedlich in seiner Ecke sitzen bleibt und nur noch Anweisungen gibt.

Nicht immer sind wir ungestört geblieben – denn so Ruinen und Abrisshäuser ziehen verschiedene Klientel an – aber das hatte nie irgendwelche Folgen, außer das die Betrachter mit teils großem Interesse verfolgten, wie so ein Shooting einigermaßen professionell abläuft. Mir war’s egal, ob da noch in zweiter / eine zweite schauen konnte, wie ich so ohne aussehe.

J. war schon immer der Mutigste unter den Fotografen, was streng genommen heißt, er war immer der, mit den für das ‚Modell‘ mutigsten Situationen. Dafür hat sich die Bezeichnung „Blitzakt“ bei uns eingespielt, heißt, man bespricht die genaue Position, Haltung, Blick und was sonst noch wichtig ist, springt aus den Klamotten … klick, klick, klick … und wieder rein die Klamotten. Denn Blitzakte haben wir immer dann gemacht, wenn im öffentlichen Raum, auf Aussichtsplattformen beispielsweise, doch ein paar Menschen mehr unterwegs waren.

Heute abend lasse ich dann auch mal wieder die Klamotten fallen, zusammen mit wohl 200 anderen – denn es gilt für einen Dreh das hießige Theater mit nackten Menschen zu füllen. Das wird ästhetisch jetzt nicht so der Genuß werden im Gegensatz zudem, was die sonst auf die Bühne bringen, aber, s.o., was macht man nicht alles für die Kunst.

H. is calling

H. bekommt von mir jährlich die Sylvesterkarte, dafür bekomme ich unter dem Jahr mal eine Urlaubskarte von ihm – und das ist unser Kontakt. Seit Jahren schon. So richtig lebendig war er ach nur am Anfang, als er bei mir vor der Kamera stand und wir dann – aber Stunden später – in der Kiste gelandet sind. Ich hab nach Sex selten so einen glücklichen Menschen gesehen wie ihn, denn für ihn war es der erste ‚richtige‘ Sex mit einem Mann, d.h., ich hatte ihn von vornherein als schwul angesehen (gut, das er verheiratet war und zwei Kinder hat — was solls?) und ihn auch klar wissen lassen, dass er ein verdammt attraktiver Mann ist. Er hat sich das erste Mal erobern lassen und nicht irgendwie Rubbelaktionen mit Leuten hinter Büschen gehabt, die er nicht wirklich mochte. Er ist das einzige Modell, mit dem mir das passiert ist – sonst trenne ich Foto und Sex dann doch absolut. Bei ihm bereue ich es auch nciht, denn wir konnten und können das sehen was angesagt ist und mischen es auch nicht.

Etwas später stand ich ihm Modell und hatten nach getaner künstlerischen Arbeit noch Zeit für ein hübsches Schäferstündchen auf einer 80-cm-Matratze. Wieder etwas später hatten wir ein sehr ertragreiches 3er-Shooting, dessen Fotos ich hüte wie ein Augapfel.

beaIMG_2887

Das ist eins der Fotos, die damals entstanden. Ich lasse jetzt mal komplett offen, wer wer ist und wer wo stand oder lag. Ist ja auch nicht so wichtig.

Nun über flickr seit Tagen Mails. Krise, privat wie beruflich. Mir noch unklar, worin es genau besteht. Aber da ich gelernt habe, Fragen zu stellen … Und, dann doch etwas überraschend hat er durchblicken lassen, wir sollten mal wieder zu den Apparaten greifen. Da er jünger als ich bin, wird es sich bei ihm noch lohnen – ich bleib als Modell für die nächsten 20 Jahren außen vor.

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