Durch die Zeit

Tag: Mutter

WMDEDGT 5/19

Jeden Monat fragt Fr. Brüllen, was man denn so heute gemacht hat. Na dann.

1:40 – Dann gehe ich doch auch mal ins Bett.
9:45 – Was? Jetzt schon aufstehen?
10:00 – Leicht verkatert und halbnackt stehe ich in der Küche und bin überrascht, dass mein Mann und E. schon munter am schwätzen sind. Kommt für mich nicht in Frage.
10:22 – Ich bin aber in der Lage Toast zu machen und Eier zu kochen.
10:55 – Der Abwasch steht an, siehe hier. Ich frage mich kurz, ob mein nackter Arsch eigentlich eine Zumutung für E. darstellt. Entschließe mich dann aber dagegen, denn a) kennt er ihn schon seit Jahre und b) ist er nach wie vor Manns genug, was zu sagen, sollte es ihn stören.
12:05 – E. und ich haben spontan entschieden, einen größeren Spaziergang zu machen und fahren dafür mit seinem Auto 8,9 Kilometer zum Ausgangspunkt.
12:25 – Ich laufe die Strecke nun zum 3. Mal, finde sie aber nach wie vor arg reizvoll. Wundere mich, dass sie mir das letzte mal so schwer gefallen ist, aber am Ende merke ich doch die Kilometer in den Beinen. Aber war einfach ein schöner Weg zusammen mit E.
16:30 – Wir schlagen in einem Schnellrestaurant auf, der Hunger ist zu groß nach 15, 16 oder 17 Kilometern. Das Handy hat schlapp gemacht, daher keine genauen Kilometerangaben.
16:35 – Wir wundern uns über den neumodischen Bestellvorgang – Rationalisierung ist scheinbar alles. Kapitalismus pur in bunte Farben – und alle machen mit.
17:00 – Zu Hause steht ein Sofa. Gut ist das.
17:45 – E. macht sich wieder ab.
17:47 – So ein Sofa ist einfach schön und gut. Ich gucke, wie jeden Sonntag, das volle Programm im ersten ab „Bericht aus Berlin“.
19:15 – Mein Mann hat heldenhaft alleine gekocht: Paniertes Schnitzel, Spargel, Kartoffeln und die weltbeste Sauce Hollondaise.
19:45 – Der wöchentliche Mutternanruf.
20:15 – Tatort.
20:22 – Irgendwie interessiert mich nicht der Tatort. Also blogge ich und suche im Netz nach allen Dingen, die ich eh nicht brauche. Zuvor aber doch wieder die Hosen aus, ist mir jetzt dann doch warum genung (und da flimmert der Tatortkommisar über die Scheibe – nackt am heimischen Schreibtisch).
21:12 – Aber über ZVAB bestelle ich zwei Bücher zu Hermann Broch, den wir ja als nächstes (um genau zu sein: „Tod des Vergils“) im Lesekreis lesen. Gesamtkostenpunkt nebst Porto: 9,80 Euro. Seinen Briefwechsel mit seinem väterlichen Freund über seine vielfachen Liebesbeziehungen (der Titel des Bandes lautet „Frauengeschichten“) lege ich mal auf meine Wunschliste.
21:45 – Ich grabe meine Magisterarbeit aus. Die ist jetzt 25 Jahre alt und beschäftigt sich mit dem Symbolbegriff bei Hermann Broch. Ich lese in das zweite, sehr theoretische Kapitel rein – und verstehe eher wenig. Aber im Hinterkopf dämmert was. Ich muss zugeben, die Schreibe ist echt nicht schlecht.
22:02 – Und wenn ich schon am Geld ausgeben bin, ersetze ich mein über viele Jahre geliebte Satin-Boxershorts, die jetzt nur noch aus Fetzen besteht, durch eine neue und haue nochmals 3,99 Euro raus. Jetzt aber Schluss!
22:12 – Ich rechne nach, wann ich theoretisch zur Arbeit muss und bin erstaunt, dass ich eigentlich erst um 13 Uhr da aufschlagen müsste, weil es morgen länger geht, da ich um 18 Uhr 120 km entfernt eine Präsentation (von 20 Minuten) halten darf / muss / soll / kann.
22:14 – Also noch ein Glas Wein auf S., die heute Geburtstag hat, denn ich werde morgen statt um 6 eineinhalb Stunden später aufstehen.

Noch ne gescheiterte Annäherung

„Heimat“-„Urlaub“. Also ein Wochenede in meiner Geburtsstadt. „Heimat“ ist das schon lange nicht mehr, aber eine andere hat es danach auch nie gegeben . (Köln hätte es werden können, wenn wir da nicht nach vier Jahren wieder weggezogen wären.) Muttern „feierte“ Geburtstag, d.h. die Restfamilie war heute essen. Aber zu sagen, zu erzählen hatte man sich so gut wie nichts. Ein paar Belanglosigkeiten eben, mehr nicht, nichts darüberhinaus. Ich find’s echt irgendwie traurig.

Wenn ich mir dann die Familie von E. bzw. T. anschaue, klar, da ist auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, echt nicht, aber dennoch, die interagieren, reden, sind sich irgendwie auch nah bzw. nehmen sich wahr … . Ich weiß in der Zwischenzeit auch nicht mehr, ob ich wirklich dahinter kommen will, warum das so ist, so geworden ist. Schräg ist das allemal und hat, vereinfacht gesprochen, einfach damit zu tun, dass es eine Menge von Tabus gibt.

Egal für heute, ich komm‘ eh nicht so richtig ran.

Es war halt einfach nur anstrengend und wenn man wo ankommt und gleich wieder weg will, dann ist es kein gutes Zeichen.

Schiller + Lührs + Familie

Ich hole mal aus! Als junger Mann, also alles zwischen 16 und 29, war ich ein begeisteter Theatergänger. Es muss 1986 gewesen sein, als ich als ZDL in Mannheim die Gelegenheit hatte ein Gastspiel der Münchner Kammerspiele bei den Schillertagen zu sehen. Es war der „Don Carlos“ mit dem grossartigen Peter Lühr als Grossinquisitor. Ungestrichen dauert der so ca. fünf Stunden. Die Inszenierung von Dieter Dorn kam mit weniger als drei Stunden aus, weil nicht der Text gestrichen sondern die Sprechgeschwindigkeit  enorm erhöht wurde. In den ersten Minuten dachte man, man wird nix verstehen, doch nach wenigen Minuten … .

Grandios, als kurz vor Ende der Grossinquisitor auftritt. Lühr war da schon um die 80, kam gestützt auf die Bühne. Und im Gegensatz zum bisherigen Sprechtempo sagte er seinen ersten Satz quasi in Zeitlupe: „Steh‘ ich vor dem König?“ Und als dieser das bejahte, sprach Lühr in unnachahmlicher Diktion die fälligen Respekt, Ironie und Überlegenheit gleichermassen ausdrückte: „Ich war’s mir nicht mehr vermutend.“

Und so ging es mir heute, als ich meine alte Mutter in der Reha besuchte und am Abend nicht nur meine Schwester sondern sogar mein Bruder Zeit hatten und wir zusammen zu Abend gegessen haben.

Unfreiwillig

Letzte Woche: Meine Mutter weist meine Schwester an, dass man den Schöpfer noch genau da in der Spülmaschine unterbringen kann. Mein Mann beugt sich zu mir rüber und flüstert prustend: „Wußte gar nicht, dass ihr Katholiken Euren Schöpfer wascht“ – sehenden Auge mißachtend, dass natürlich die Schöpfkelle gemeint war.

Weg des Begehrens (4)

Teil III

Meine Patentante, Tante G., lebt seit wohl bald 60 Jahren mit meiner Nenn-Tante A. zusammen. Weder Tante G. noch Tante A. sind mit mir verwandt, es sind „Gruppenkinder“ meiner Mutter aus Vorkriegszeit. G. und A. sind ausdrücklich ‚Tanten‘. Es sind definitiv keine Freundinnen im familiären Sprachgebrauch. Und meine Mutter betont immer und immer wieder, dass die Tanten nicht alles gemeinsam unternähmen, um damit aufzuzeigen, dass es zwei Einzelpersonen sind und kein Paar. Mir geht es im Grunde am Arsch vorbei, ob sie nun nur Tanten sind oder ein lesbisches Paar oder eben beides – aber aufgefallen ist es mir dann doch (und wenn es so wäre, ich wäre echt stolz auf die beiden). Jetzt verstärkt durch die Emcke-Lektüre erkenne ich, wie durch den Sprachgebrauch ein möglicher Fakt so umgedeutet bzw. ‚umgesprochen‘ werden kann, dass alles ‚gut‘ ist und man moralisch sauber bleiben kann. Der dazugehörige Gedankengang geht dann eben so: „Da sie nicht alles zusammen machen, können sie nicht lesbisch sein, und daher kann ich mit ihnen ohne moralische Bedenken verkehren“. Selbstbetrug hat eh die größte Chancen. Anmerkung: Beide kommen aus dem pädagogischen Bereich. Als ich mein Coming-Out mit Mitte zwanzig hatte war es Tante G., die von allen am coolsten reagierte, als sie sinngemäß schrieb, schwul-sein wäre schon was anderes als hetero-zu-sein, aber das sei halt auch nur so ein Aspekt des Lebens und für sie würde sich nichts ändern …

Ich schätze, dass ich mit 13 meinen ersten Orgasmus hatte. Bis zu meinem 21. Lebensjahr hatte ich nur mit einem Mädchen / einer Frau ‚Sex‘ gehabt. Gegenseitige Befriedigung mit Jungs dagegen kommen ausgeprägter daher. Denn mit drei Jungs hatte ich mehr oder weniger ausgeprägte sexuelle Beziehungen. Die meisten Orgasmen in der Anwesenheit mit anderen hatte ich mit Jungs – aber auf die Idee, dass ich anders-sein sein könnte … Fehlanzeige, woher denn auch?.

1983 / 84 kam der Begriff Homosexualität zum ersten Mal für mich konkret vor. Und zwar in den Nachrichten. Da ging es einerseits um General Kiesling, der aus der Truppe entfernt werden sollte, weil er in Schwulenlokalen verkehrt haben sollte und damit ein Sicherheitsrisiko darstellte. Es stellte sich als falsch heraus, aber zeigt, dass der Verdacht, homosexuell zu sein, damals vollkommen ausreichte, um komplett diskreditiert zu werden. Es wundert mich nach wie vor, dass es der damalige Bundeskanzler Kohl war, der einen positiven Schlussstrich zog, indem er Kiesling komplett rehabilitierte. Und dann gab es aber vor allem noch die vier großen Buchstaben: AIDS. Die Schwulenseuche! Die trifft die, die einfach Sex haben, einfach so und das noch mit verschiedenen Typen außerhalb von Beziehungen, einfach mal so, dann mal hier, dann mal mit dem. Die einfach Lust mit ihren Schwänzen hatten und auch mit denen Dinge taten, die … unaussprechlich waren… anfänglich. Schwulsein, so prägte es sich damals durch die Bilder für mich ein, war schrill, bunt, laut – man zog im Fummel durch die Welt, kreischte und nannte alles, was einen Schwanz hat „Schwester“. Schwulsein war voller bärtigen Muskeltypen, die in Lederklamotten rum liefen und einen auf dicken Max machten, die Bierdose in der Hand zerdrückten während sie herzhaft rülpsten. Schwulsein bestand auch aus dandyhafte Typen, die nur Mode im Kopf hatten, nach Parfüm stanken, den kleinen Finger beim Teetrinken wegstreckten und ausschließlich ansonsten nur über Derrida zu reden wussten. Kurz, jeder Schwuler konnte man sofort an seinem Auftreten erkennen, jeder Schwuler tat alles, um als ein Zugehöriger einer (definierten) Randgruppe dazustehen.

Aber so negativ konnotiert das schwul-sein für mich zu der Zeit auch immer war – ich hatte dennoch eine Idee bekommen, dass es neben Frau, zwei Kindern, ein Haus, ein Auto und einem guten Bausparvertrag noch einen anderen Lebensentwurf geben könnte. Der wartete zwar mit vielen, vielen Fragezeichen auf … aber hieß es nicht Land auf Land ab sich Neuem zu stellen?

Teil V

Alles eine Frage der Relation

Sonntägliches Telefonat mit meiner Mutter. Sie berichtet von einem Dirigenten aus meiner Jugendzeit, der demnächst ein Konzert leiten wird.

Ich: „Der muss doch jetzt uralt sein!“

Mutter, sehr bestimmt: „Nein, der ist nicht uralt, der ist nur ein Jahr älter als ich. Und ich bin nicht uralt!“

Meine Mutter wird dieses Jahr 80.

Kurze Woche

Montag hatte ich mir ja schon frei genommen, weil ich noch bei Muttern war und sich der Besuch dort wegen einer Fete ja um einen Tag verschoben hatte. Jetzt muss ich mir den Freitag auch noch frei nehmen, da Betriebsausflug ist, bei dem ich nicht mitfahre (2 Tage!). So bleibt mir morgen eben noch.

Der Abteilungsleiter stellte heute die gefährliche Frage, ob alles OK sei. Als ich ihm dann in Aussicht stellte, ab Anfang August wohl dann doch Däumchen-drehend hinter dem Schreibtisch zu sitzen, bewog es ihn, dann doch mal zu denken. Denn ab August habe ich einen Kollegen in meinem Zimmer – und das sieht dann sicherlich richtig doof aus.

Ober „Unternehmensbewertung“ was für mich sei? Keine Ahnung, nie gemacht.

Und wenn ich zwischen den Zeilen richtig gehört habe, dann ist das Problem von ihm: Wenn er mir keine Arbeit geben kann – es gibt Abteilungen im Haus, die nichts dagegen hätten, mir etwas zu delegieren.

Dennoch weiterhin: Ball flach halten.

Balance

Und die nächste Fete gerockt. Die Tochter des Hauses, die zusammen mit ihrem extrem geilen Freund mithalf, etwas später: „Hätte nie gedacht, dass das so Spaß machen kann.“

Jetzt gleich auf den Zug, es gilt Muttern über ein verlängertes Wochenende zu bespaßen und dann beginnt Montag eine Woche, wo jeder Abend mit irgendeinem Termin belegt ist.

„Balance“ konnte ich eh noch nie schreiben.

12

Ich werde noch Liebeling aller Fetenausrichter. Für Freund P. den Freitag hingegeben,  um einzukaufen, Wohnung umzurüsten, schnell noch drei Kuchen zu backen … und eben all das tun, wenn am nächsten Tag ab 15 Uhr 60-70 Leute kommen wollen.

Und mir war klar, dass es da ohne meine Mithilfe nicht gehen würde – was mir auch ganz recht war, denn ich bin nicht so ein Feten-Fredy und fremdel derzeit auch enorm.

Kurz und gut, die ersten kamen um 14:30, was für mich dann hieß mit der ersten Kanne Kaffee das Geschehen zu betreten, der letzte ging so gegen 2, was für mich und P. bis 2:30 hieß, noch schnell die letzten Gläser zu waschen und die Reste vom Büffet in die Kühle zu bringen. 12 Stunden am Stück quasi den Dobby gemacht – mehrfach gefragt worden, ob ich eine externe fremde Kraft wäre – aber immerhin P. es ermöglicht, sein Fest zu genießen. (Das Gleiche war ja Anfang des Jahres, als ich mich auch in die Organisations stürtze, einerseits weil ich mit den Lehrern nicht reden wollte und andereseits, weil ich es nicht mit an sehen kann, wenn mies Organisiertes die Fete zu beeinträchtigen droht, weil, bspw. keine Gabel mehr da sind oder kein Idiot Bier nachlegt. Wobei, diese Fete hatte ja dann noch ein ganz besonderes Nachspiel.)

Heißt: Ladet mich ein! Zeigt mir wo alles steht! Und stellt mir ne gute Flasche Weißwein in den Kühlschrank!

N., der mich lange Zeit überhaupt nicht erkannte, fiel mir zum Abschied um den Arm, wie er es noch nie gemacht hatte, P.’s Mutter knutscht mich jetzt auch ganz gerne und wenn wir noch geblieben wäre, hätte M. uns „ein bißchen was für einen Italiener“ dagelassen.

Spannend in erster Linie aber, das R. sehr konkret und nachhaltig Kontakt zu mir suchte. Wir waren mal sehr eng befreundet, was dann aber vor ca. 20 Jahren mit einem lauten Knall auseinander ging. Erst vor drei Jahren habe ich dann wieder Kontakt aufgenommen als ich über P. erfuhr, dass er Krebs hatte. Wir hatten uns zwar vor drei Monaten nach Jahren wieder gesehen, aber außer einem „Hallo“ war da kaum etwas gewesen. So wunderte ich mich schon, als er sich sehr persönlich für die damalige ‚Seelsorge‘ bedankte. Das Eis ist jetzt jedenfalls gebrochen – aber das ‚Herrische‘ an ihm, ist noch ausgeprägter als früher.

‚Entlastung‘ – oder: Pauschalierung macht’s halt einfach

Schoß mir gerade in den Kopf. Ich bin ja der einzige (offen lebender) Schwule in meiner Familie. Und da Vaters- und Muttersfamilie alle aus dem katholischen … Also war das für meine Eltern halt immer schon so ein Crux (sic!), dass gerade sie nen schwulen Sohn … und jetzt kapiere ich gerade als meine Mutter letztens anrief, um mir mitzuteilen, dass es Tante B., ihre jüngste Schwester, ja ganz, ganz, ganz schwer hätte, da deren ältester Sohn, S., Moslem geworden ist!

Es gibt also Schlimmeres.

Und da ist einfach so vernunftsunmäßig, so blöd, so … nur weil manche schwul sind, meint irgend so ein Typ in Amerika – dank der ‚genialen‘ Waffenpolitik – 50 Schwule abzuknallen, worauf hin der nächste Gehirnamputierte meint ein Einreiseverbot … erlassen zu wollen, für alle, die gefährlich sind …

Warum fehlt es den Menschen am Mut zu denken? Weil den Finger auf andere zu zeigen einfach leichter ist.

 

 

überlebend

Gerade im ZDF (?) aus der – wie ich finde guten – Reihe „37 Grad“ eine Folge gesehen, in der es um die überlebenden Geschwister ging. Weiß nicht, ob der Begriff gut ist, aber ich gehöre eben auch zu den ‚überlebenden Geschwistern‘ in der Familie. Ich bin – mag jetzt komisch klingen – nicht ‚der tote Bruder‘ bzw. ‚der tote Sohn‘. Mein Manko als überlebendes Geschwister.

Immerhin hat die eine Mutter aus dem Fernsehbeitrag gemerkt, dass für sie, als trauernde Mutter, es eine Reihe von Angeboten gibt, um mit der Situation – irgendwie – umzugehen. Für trauernde Geschwister – Fehlanzeige. (Ich kenne gerade eine einzige Initative, die sich für dieses Thema einsetzt – und das nur aus dem Internetn. In der Stadt, in der ich wohne, und die ist jetzt nicht gerade Provinz, gibt es genau 0 (in Worten: null) Angebote.) Interessanterweise hat sich aber die gleiche Mutter genauso verhalten wie meine: Das tote Kind / der tote Sohn ist das / der Wichtigere, Bessere … jedenfalls das / der, das / die meiste Aufmerksamkeit braucht – alles andere, und das heißt eben auch: alle anderen haben maximal Prio zwei, wenn überhaupt.

Mir ist das damals so gar nicht bewußt geworden, dass ich, als Bruder, als jüngerer Bruder, keine Raum, keine Platz für Trauer bekam oder irgendwie auch hatte. Ich hatte, als überlebender Sohn nun erst recht zu funktionieren, da die armen Eltern …

Das ist ein Lebensthema.

Grund, ausreichend, aktiv zu werden? Gerade im nahen Umfleld von E.’s Familie?

Vor langer Zeit

Gestern auf dem 50. meines besten Freundes P., den ich jetzt fast auf den Tag genau 30 Jahre kenne. Die einzige, die mich erkennt, ist seine Mutter. Allen anderen muss ich mit der Funktion „der Jugendfreund“ vorgestellt werden. Dann fällt bei ihnen der Groschen, stimmt, da gibt es noch jemanden.

Ich nehme es ihnen nicht übel, denn wenn wir uns überhaupt mal gesehen haben, dann liegt das letzte Treffen mindestens 27 Jahre schon zurück.

Ich finde das schon spannend, dass ich zwar alles über die (erweiterte) Familie weiß und mit verbundenen Augen ein Diagramm aufzeichnen könnte, wie wer warum wieso seit wann mit wem steht oder nicht oder nicht mehr oder jetzt doch wieder – aber es in den letzten beiden Jahrzehnten überhaupt keine Berührungspunkte gab. Seinen Cousin habe ich vor 10 Jahren das letzte mal gesehen, seine Cousine jetzt zum ersten Mal überhaupt. Immerhin scheine ich auf seine Tante D. Eindruck gemacht zu haben, wie er mir gerade mitteilte. Vielleicht ist ihr eingefallen, dass wir vor Äonen schon mal zu dritt nackt im Gras lagen?

Das Leseprojekt 2016

1.871 Bücher mit 522.219 Seiten habe ich bisher nachweislich gelesen. Und bis ich zu meinen 3.000 komme, muss ich bei der durchschnittlichen Lesensleistung 68 Jahre altwerden.  Mein Vater ist nicht so alt geworden.

Letztes Jahr schon entstand die Idee, doch mal „das Buch der Bücher“ zu lesen. Und immer dann, wenn ich es anmerkte erhielt ich im Grunde nur zwei Reaktionen. Die meiste: „Warum das denn?“ begleitet mit einem ungläubigen Blick, die andere: „Das ist kein Buch, dass  man einfach so liest“, begleitet mit einem finsteren, zurechtweisenden Blick.

Und zum Geburstag haben S. und D. dann diese Idee aufgegriffen und mir kurzerhand „Die Jahresbibel“ geschenkt. OK, die ist nun evangelisch was ich nun so gar nicht bin und darf das auch meiner Mutter nie erzählen, sonst enterbt die mich als gute Katholikin! Aber ich habe mir gedacht: Komplett andere ‚Geschichten‘ wird die evangelische Bibel ja schon nicht erzählen (obwohl zwei Bücher aus dem AT fehlen – die muss ich dann halt mal so mir reinziehen) und wenn ich meine, dann kann ich ja in meiner katholischen Bibel und in der Einheitsübersetzung auch noch nachlesen.

Will heißen, morgen, so das Vorwort, wäre ein guter Start mit der Jahresbibel zu beginnen und das Ziel ist, 365 Tage lang durchzuhalten jeden Tag eben zuerst Psalm, dann AT und schließlich NT zu lesen. 15 Minuten heißt es bräuchte man im Schnitt. Und ich vertrau‘ jetzt einfach mal darauf, dass die irgendwie bei der Zusammenstellung sich was gedacht haben.

Kann also sein, dass ich hier in den nächsten 365 Tagen das ein oder andere aus der Bibel zitiere. Man kann zu dieser Textsammlung stehen wie man / frau will – aber das es mit dem Koran zusammen der wirkungsmächtigste Text der Menschheitsgeschichte ist kann echt niemand leugnen – und das ist für mich der Hintergrund: Versuchen zu verstehen, was aus den Texten gemacht wurde.

Alle zwei Jahre wieder

Stress! Um 12 Uhr – und keine Minute später – gibt es Mittagessen. Vor dem Nachtisch muss aber die Küche gemacht werden. Um Punkt 18 Uhr dann Abendessen, auch wenn es den Nachmittagskaffee erst um 17 Uhr gab. Küche natürlich danach auch. Dann nicht zu spät ins Bett, denn um 9 gibt es Frühstück für Langschläfer. Und natürlich müssen mein Mann und ich kochen, aber natürlich nicht so, wie wir es uns vorstellen, sondern so, wie Muttern es will und natürlich ohne all die Dinge, die meine Schwester einfach nicht isst.

Mein Bruder verpisst sich schon seit Jahren zu seiner Freundin – die es offiziell übrigens nicht mehr gibt – und meine Schwester macht an diesen Tagen eins auf … egal.

Irgendwie so ein blöder Familienwahnsinn, gegen den ich einfach nicht ankomme.

Immerhin der Geschenkewahnsinn konnte dieses Jahr so richtig deutlich eingeschränkt werden. Hier mal ein Taschenbuch, da mal eine Flasche Schnaps, da mal Duschgel, da mal etwas Geld … alles im Sinne von „kleine Aufmerksamkeit“ … womit ich bis auf einen Moment gut leben konnte. Dazu muss man wissen: Mein Großvater väterlicherseits, den ich nicht kennengelernt habe, war ein wichtiger Mann in einem damals wichtigen Verlag. Und von ihm stammen noch ein paar sehr aufwändig gesetzten Bücher vom Beginn das 20. Jahrhunderts, die ich als Kind immer schon gerne durchblätterte.

Und diesmal ist mir aufgefallen, dass darunter ja auch Dante ist – was meine Mutter zum Anlass nahm, ihn mir dann auch noch auf den Gabentisch zu legen (und die vorgesehen beiden Falschen Wein dann auf den Balkon zum kühlen zu stellen).

Und so freue ich mich auf nächstes Jahr, denn dann bleiben wir turnusmäßig hier und feiern Weihnachten in erster Linie: entspannt.

Schau nach bei Dante

Mutter ruft an, ob ich nicht meine Schwester anrufen könnte, sie hätte ja Liebeskummer, besser Trennungskummer, sie solle aber nicht wissen, dass ich es von ihr, also von unserer Mutter wüsste und müsste halt so tun, als ob ich halt zufällig heute anrufen würde …

Ich soll also lügen? Und das auf Anraten, auf Bitten, auf Befehl meiner sehr katholischen Mutter? Eigentich müsste ich sie mal fragen, unter welchem Bereich sie „Notlügen“ im Sündenkatalog ablegt.

Bei Dante schafft man es damit locker in der dritten wenn nicht gar in den vierten Kreis der Hölle.

Das war anders geplant gewesen

Schon etwas ‚beschämend‘, dass ich „im besten Mannesalter“, die 100 Euro meiner 80-jährigen Mutter nicht generös ablehne, sondern sie dankbar annehme, weil sie wirklich die Haushaltskasse entlasten.

Manchmal dauert es halt

Mein Mann und ich sind ja jetzt schon einige Jahre zusammen. Dass das meine katholische Mutter nicht gutheißen kann, kann ich ja irgendwie verstehen und irgendwie auch nicht. Mich nervt nach wie vor, dass sie meinen Mann immer noch Siezt (!).

Gestern aber stand auf der Weihnachtskarte zum ersten Mal der Vorname meines Mannes in der ersten Zeile (!) und nicht wie sonst immer ganz unten hinter P.S.

Bär Bär

Am 14. des vorigen Monats hatte ich ja schon mal das Thema mit meinem Teddy-Bär, den ich ja Bär nenne. Und es hat mich wirklich nicht losgelassen, so dass ich über die letzten Wochen den Text weiter geschrieben habe. 8.250 Worte sind es jetzt geworden, ganz im Stile von Thomas Bernhard, den ich nach wie vor auf den Ohren habe, was es etwas vereinfachte. Schon lustig, was mir dazu während des Schreibens eingefallen ist, wo ich wirklich Schwierigkeiten hatte usw. Und das Bemerkenswerteste ist: Ich weiß immer noch nicht, wer mir meinen Bär überhaupt geschenkt hat und wann das war. Muss unbedingt Muttern fragen.

Deutschstunde

Vor fast genau 30 Jahren zum ersten Mal gelesen, die „Deutschstunde“ von Siegfried Lenz. Wollte es immer schon nochmals lesen und weil es gerade in Frankfurt gelesen wird, war das ein guter Anlass, denn das andere Buch, was ich gerade in Arbeit habe, ist gähnend langweilig.

Ist schon spannend zu sehen, an was man sich noch erinnern kann und an was nicht mehr. Der Bruder Klaas überraschte mich, bis er dann doch wieder dämmerte. Vollkommen vergessen hatte ich die Art und Weise der Mutter und nicht mehr so heftig in Erinnerung, wie vernagelt der Vater ist bzw. wird. Nach wie vor ein gutes Buch, auch wenn es mir diesmal schon so vorkam, als dass es Längen hätte. Überhaupt, bei dem Satzspiegel, den ich von zeitgenössischen Büchern schon gar nicht mehr kenne, dürfte das Buch im heutigen Druck wohl mehr als 400 Seiten haben. Und was ich überhaupt nicht mehr gut fand, war die fehlende Trennung beider Erzählungen, da verstehe ich einfach nicht, warum Lenz da nicht einmal einen Absatz eingeschoben hat, was vollkommen gereicht hätte.

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