Durch die Zeit

Tag: Orgasmus

Ruft! Mich! An!

Ich besorg mir jetzt noch schnell ne 0190er-Numer und dann kann es mit dem Telefonsex los gehen. Mich hat heute Nacht eine Erkältung erwischt und meine Stimme hängt jetzt irgendwo zwischen Bariton und Bass, hat ein samtig-reibeisige Timbre wie eine warme Hundezunge und ist sowas von geil, da kommt selbst die Stimme von B. nicht mehr mit. Ich könnte mir dauernd selber schweineigeliges ins Ohr flüstern, ist aber nicht ganz so wirksam, weil ich ja schon weiß, was ich hören werde. Ich glaub‘ zwar nicht, dass meine Stimme jetzt alleine jemanden zum Orgasmus bringt – aber als Wegbegleiter bin ich jedenfalls derzeit der absolute Geheimtipp mit Erfolgsgarantie für Frau und Mann – denn nicht nur Leander hat da Erfahrung und zudem ist meine Phantasie mit dem bisschen Fieber gerade so richtig in Fahrt! Das rechtfertigt dann auch den etwas höhren Minutensatz.

7 Monate Ruh‘!

Die muss nur mit ihrem Spiegel kommen und dann anfangen zu murmeln „… zwei o.B. … drei fehlt … vier und fünf überkront … sechs … äh …. sechs …“ und ich verkrampfe mich mehr als kurz vor’m Orgasmus. Auch wenn sie nicht bohren musste, gab‘ es dann doch die obligatorisches „professionelle“ Folterreinigung.

Ich bin und bleibe bei der Zahnärztin einfach nur eins: Ein Schisser!

Familienessen

Seit ich meinen Mann kenne bzw. seit wir zusammen sind – das werden dann bald auch schon mal 20 Jahre! – gibt es das ‚Familienessen‘: drei Paare, sechs Schwule und jeder ist mit jemanden zusammen oder ist dessen Ex. Anfänglich haben wir jeden Sonntag zusammen reihum gegessen, wobei das gemeinsame Gespräch immer höher gewertet wurde als das, was auf den Tisch kam. Heute ist es nach wie vor nicht anders, auch wenn wir uns seltener sehen, vielleicht nun nur noch alle sechs bis acht Wochen.

Heute hatten L.+U. eingeladen  – Feldsalat mit Schmanddressing (was für ein Verbrechen, aber das ist hier üblich), Kürbissuppe (überraschend gut, da mal nicht so dick, sondern quasi ‚klar‘), Rinderbraten mit Rosenkohl und Spätzle (OK, da haben sie sich übernommen), Vanilleeis mit heißen Himbeeren (nun, richtig viel falsch kann man da ja nicht machen); insgesamt dennoch ein überdurchschnittliches Essen – E.+M. brachten Weihnachtsgebäck als Geschenke mit, wir steuerten ein Stück Stollen als Geschenk bei.

Gegen Ende des Essen wurde der Papst Thema, dann die katholische  Kirche an sich – und wie das so an solchen Essen ist, ein Thema gibt das andere. Jedenfalls habe ich dann irgendwann kurz angeschnitten, wie es mit meinem „Begehren“ mir so erging und fragte dann auch die anderen, wie es bei ihnen war.

Und plötzlich haben sechs Männer einfach mal die Hosen runter gelassen und erzählt, welche Probleme oder auch nicht sie hatten auf dem Weg zu kapieren, dass sie nicht der ’sexuellen Norm‘ entsprechen. Und es war eine überaus spannende Erkundung, was wen wie beeinflusst oder auch nicht hat. Echt reichhaltiger Stoff, viele Differenzen, viele Fragen, viel Kopfschütteln.

Wir waren schon immer ein offener Kreis – da wurde zur Lasagne auch gerne mal wortreich und plastische die Erfahrungen mit Geschlechtskrankheiten ausgetauscht – aber ich fand das heute echt besonders, weil keiner eine ‚Gesprächshoheit‘ beanspruchte.

Und es tut sichtbar nicht nur mir sondern auch anderen gut, wenn man das Kind, das Thema, den Schwanz und den Orgasmus beim Namen nennt. Ansonsten hätte ich nicht letzte Woche folgende Rückmeldung bekommen, die mich einfach wohl auch heute bestärkt hat, es  mal anzuspielen: „Ich fand’s sehr toll und finde es großartig, endlich jemanden zu haben, mit dem ich über das, was wir fast so oft wie Zähneputzen betreiben auch wie über das Zähneputzen reden kann.“

 

Weg des Begehrens (4)

Teil III

Meine Patentante, Tante G., lebt seit wohl bald 60 Jahren mit meiner Nenn-Tante A. zusammen. Weder Tante G. noch Tante A. sind mit mir verwandt, es sind „Gruppenkinder“ meiner Mutter aus Vorkriegszeit. G. und A. sind ausdrücklich ‚Tanten‘. Es sind definitiv keine Freundinnen im familiären Sprachgebrauch. Und meine Mutter betont immer und immer wieder, dass die Tanten nicht alles gemeinsam unternähmen, um damit aufzuzeigen, dass es zwei Einzelpersonen sind und kein Paar. Mir geht es im Grunde am Arsch vorbei, ob sie nun nur Tanten sind oder ein lesbisches Paar oder eben beides – aber aufgefallen ist es mir dann doch (und wenn es so wäre, ich wäre echt stolz auf die beiden). Jetzt verstärkt durch die Emcke-Lektüre erkenne ich, wie durch den Sprachgebrauch ein möglicher Fakt so umgedeutet bzw. ‚umgesprochen‘ werden kann, dass alles ‚gut‘ ist und man moralisch sauber bleiben kann. Der dazugehörige Gedankengang geht dann eben so: „Da sie nicht alles zusammen machen, können sie nicht lesbisch sein, und daher kann ich mit ihnen ohne moralische Bedenken verkehren“. Selbstbetrug hat eh die größte Chancen. Anmerkung: Beide kommen aus dem pädagogischen Bereich. Als ich mein Coming-Out mit Mitte zwanzig hatte war es Tante G., die von allen am coolsten reagierte, als sie sinngemäß schrieb, schwul-sein wäre schon was anderes als hetero-zu-sein, aber das sei halt auch nur so ein Aspekt des Lebens und für sie würde sich nichts ändern …

Ich schätze, dass ich mit 13 meinen ersten Orgasmus hatte. Bis zu meinem 21. Lebensjahr hatte ich nur mit einem Mädchen / einer Frau ‚Sex‘ gehabt. Gegenseitige Befriedigung mit Jungs dagegen kommen ausgeprägter daher. Denn mit drei Jungs hatte ich mehr oder weniger ausgeprägte sexuelle Beziehungen. Die meisten Orgasmen in der Anwesenheit mit anderen hatte ich mit Jungs – aber auf die Idee, dass ich anders-sein sein könnte … Fehlanzeige, woher denn auch?.

1983 / 84 kam der Begriff Homosexualität zum ersten Mal für mich konkret vor. Und zwar in den Nachrichten. Da ging es einerseits um General Kiesling, der aus der Truppe entfernt werden sollte, weil er in Schwulenlokalen verkehrt haben sollte und damit ein Sicherheitsrisiko darstellte. Es stellte sich als falsch heraus, aber zeigt, dass der Verdacht, homosexuell zu sein, damals vollkommen ausreichte, um komplett diskreditiert zu werden. Es wundert mich nach wie vor, dass es der damalige Bundeskanzler Kohl war, der einen positiven Schlussstrich zog, indem er Kiesling komplett rehabilitierte. Und dann gab es aber vor allem noch die vier großen Buchstaben: AIDS. Die Schwulenseuche! Die trifft die, die einfach Sex haben, einfach so und das noch mit verschiedenen Typen außerhalb von Beziehungen, einfach mal so, dann mal hier, dann mal mit dem. Die einfach Lust mit ihren Schwänzen hatten und auch mit denen Dinge taten, die … unaussprechlich waren… anfänglich. Schwulsein, so prägte es sich damals durch die Bilder für mich ein, war schrill, bunt, laut – man zog im Fummel durch die Welt, kreischte und nannte alles, was einen Schwanz hat „Schwester“. Schwulsein war voller bärtigen Muskeltypen, die in Lederklamotten rum liefen und einen auf dicken Max machten, die Bierdose in der Hand zerdrückten während sie herzhaft rülpsten. Schwulsein bestand auch aus dandyhafte Typen, die nur Mode im Kopf hatten, nach Parfüm stanken, den kleinen Finger beim Teetrinken wegstreckten und ausschließlich ansonsten nur über Derrida zu reden wussten. Kurz, jeder Schwuler konnte man sofort an seinem Auftreten erkennen, jeder Schwuler tat alles, um als ein Zugehöriger einer (definierten) Randgruppe dazustehen.

Aber so negativ konnotiert das schwul-sein für mich zu der Zeit auch immer war – ich hatte dennoch eine Idee bekommen, dass es neben Frau, zwei Kindern, ein Haus, ein Auto und einem guten Bausparvertrag noch einen anderen Lebensentwurf geben könnte. Der wartete zwar mit vielen, vielen Fragezeichen auf … aber hieß es nicht Land auf Land ab sich Neuem zu stellen?

Teil V

Weg des Begehrens (1)

Intro

Im Gegensatz zu Emcke bin ich in einem sehr katholischen und damit auch sehr konservativen Elternhaus aufgewachsen. Dort war das Thema Sexualität, wen wundert’s, ein absolutes Tabu-Thema. Kam es dann doch, natürlich nur am Rande, zur Sprache, dann hatte Thema sofort einen negativen Beigeschmack, wurde flux quasi mit Scham übergossen. Keine Ahnung wie das genau funktionierte. Ich kann mich nur blass erinnern, dass meine Mutter, alles was auch nur andeutungsweise mit Sexualität zu tun hatte, negativ kommentierte. So gab es auch für verschiedenen Sendungen Fernsehverbot, denn dort gäbe es schamlose Inhalte. Und dieses schamlose Verhalten fing bei uns ja schon mit dem Küssen an von Leuten, die nicht verheiratet sind. Als Kind, auch als Jugendlicher (und eigentlich immer noch) wendete ich mich ab, egal ob real oder Fernsehen oder Kino, wenn sich zwei Menschen länger als drei Sekunden küssen. Nicht, weil ich meine, in ihre Intimität einzudringen, sondern weil es mir unangenehm ist, ich Scham verspüre. Das ist ein richtig langer Arm aus der Vergangenheit.

Und natürlich dann die gewissen bohrenden Nachfragen im Beichtspiegel (das ist eine Art Fragekatalog, den man vor der Beichte durcharbeiten soll, um auch bloß keine Sünden zu vergessen oder als zu gering zu erachten). Ab einem gewissen Alter wurde da gefragt, ob man „unkeusch“ gewesen sei „mit sich oder anderen“. Damit wurde ich konfrontiert, als ich noch gar nicht wusste, dass man mit dem Ding zwischen den Beinen außer pinkeln noch etwas anderes machen kann – aber es schwebte schon etwas über mir, was noch schlimmer sein musste, als lügen oder stehlen. Das Erschrecken war nicht gerade klein, als ich merkte, dass dieses Ding da unten seine Größe ändern konnte, ein unabhängiges Eigenleben führte. Mir war das für einige Zeit mehr als unangenehm, es war schlichtweg beängstigend, weil ich nicht wusste, was das zu bedeuten hatte. Ich war einem Teil meines Körpers willen- und hilflos ausgeliefert. Und dieses Nicht-Wissen, um was es sich da handelt war allemal schlimmer, als in den Jahren danach einen Ständer zu den unpassensten Situationen zu bekommen. Aber da ich schon damals mit der Mode ging und nur engste Hosen trug … . Und als man mir dann unfreiwillig beibrachte, was man mit diesem lebendigen Ding denn alles so anstellen kann, war jeder Orgasmus ebenso von Lust wie von Scham und Sünde belegt. Es hat Jahre gebraucht, dass ich mich nach einem Orgasmus eben nicht mehr schlecht fühlte. Dass es menschenfremd ist, die sexuelle Lust eines Pubertierenden durch Worte einschränken zu wollen kann nur von Verfassern stammen, die ihre eigene Sexualität (und ich spreche da bewusst jetzt mal nicht von Lust) verdrängt haben. By the way: Ich habe in der Beichte nie zu meinem ‚unkeuschen‘ Verhalten Stellung bezogen – und ich würde mich erinnern, wenn ich danach gefragt worden wäre.

Teil 2

Definitv für Grundeinkommen!

Monatliche Laberrunde, in die ich ja seit der neuen Supervisorin gerne gehe. In der Eingangsrunde eine Kleinigkeit erwähnt und eigentlich gar kein Interesse daran gehabt, es in der Runde zu besprechen. Und überhaupt, die Welt kann mich gerad mal kreutzweise, aber sowas von!

Die Supervisorin lässt aber nicht locker, will unbedingt wissen, wie ich mit der Situation umgehe, wie belastend es sei, wie ich das aushalte. Und weil das so eine Art Sondergebiet ist muss ich ein paar Fakten vorab aufzeigen. Die Gruppe ist plötzlich wie paralysiert: acht Augenpaar hängen an meinen Lippen und statt das in Kürze abzutun, weil ich der Welt gerade echt kein Wort gönnen will, werde ich eine Stunde lang mit Fragen und Nachragen und Überlegungen überschüttet – eine total überwältigende Aufmerksamkeit. Und erst mit Hilfe der Supervisorin dämmert mir langsam, dass aus all den Fragen, auch den kritischen, nicht nur Respekt und Achtung, sondern wirklichs Anerkennung für die Arbeit auf diesem Sondergebiet spricht. Und als wir zum ‚gemütlichen‘ weihnachtlichen Teil übergehen – bei alkoholfreiem (!) Sekt, drei Fischcremes, einem mehr als mißratenem Zwiebelkuchen und meinen Pizzaschnecken, die ruhig auch besser hätten sein können – sprechen mich zwei noch extra darauf an.

Die Gruppe findet meine Arbeit toll. Der Vorstand vom Verein lässt auch immer durchblicken, wie froh er sei, dass ich mitarbeiten würde. Der Projektleiter weiß ob des Lobes keine Worte mehr. Ein Abteilungsleiter stürmte heute in die Tür, um mit einem „Klasse gemacht die Seite, da sieht man, wer was kann“ sofort wieder rauszustürmen. Das Lehrling meines Mannes war ganz glücklich, als mit ihr ihre Bewerbung durch bin und das ein oder andere sagen konnte , und und und …

Das Doofe daran – und deswegen kann mich die Welt gerade kreutzweise, am und im Arsch lecken, aber sowas von: Diese ganzen Lobs und Anerkennungs und Respektes und Achtungs sind ja schön und gut – aber warum finde ich, wo ich anscheind so doof und unpraktisch dann doch nicht bin, keinen Job? Und warum haben dort, wo ich jetzt noch zwei Wochen arbeite, Typinnen und Typen , die mehr als sich das Schild „Ich-bin-wichtig-ach-was-sehr-wichtig“ umhängen nicht können, einen guten, wenn nicht gar richtig gut bezahlten Job? Ich kenne jetzt mindestens drei dort, die aufgrund ihrer totalen Unfähigkeit – „Äh können Sie mir mal sagen, wie ich das Internet wieder aufbekomme, dass ist plötzlich weg, das war aber noch nie so und gemacht habe ich auch nix“ so der Anruf in der Technikabteilung, als die werte Kollegin ihren Browser geschlossen hatte) – in der freien Wirtschaft nicht einen einzigen Monat überleben würden.

Und zu allem Überfluss hat mir heute Nacht mit meine Exfreundin noch so gekonnt einen runtergeholt, dass ich total abgegangen bin und das Sperma nur so klatschte. Aber: Ich hab dem ganzen total entfremdet zugeschaut und nichts gefühlt, nichts gespürt, nichts erlebt derweil. Selbst auf die seltenen erotischen Träume ist kein Verlaß mehr!

tumblr

tumblr ist im Grunde eine einzige große Waschmaschine mit der Besonderheit, dass sich an der „Wäsche“ nix ändert. Ich bin jetzt wohl seit drei Jahren dabei in Hinsicht auf nackte Männer (würde man nackte Frauen gucken, käme dieser Post zwei bis drei Jahre später) – und nun beginnt sich echt eine Menge zu wiederholen. Und selbst das bei abnehmenden Erinnerungsvermögen.

Aber was mich in der Zwischenzeit so richtig abtörnt: Wenn ich mir dann mal so einen kleinen Wichsfilm anschaue, dann wundere ich mich zu 87,3 Prozent, warum die meisten der gut ausgestatteten Jungs / Männer spermamäßig soviel hinbekommen, dass man sich ernsthaft fragen muss, ob das für einen Zeugungsakt eigentlich reicht. Der andere Prozentsatz (Taschenrechner gerade nicht zur Verfügung) scheint dagegen nach dem Orgasmus zeitnah für die überlebensnotwendige Flüssigkeitszufuhr sorgen zu müssen.

Mal wieder

Na, werde ich im Alter noch so ein Traum-Erotomane? Und warum kommen immer die anderen zum Orgasmus und ich eher selten (im Traum wohl gemerkt)?

Heute Nacht war es zwar nur ein mittelschönes Exemplar von Mann mit einem überschaubaren Schwanz, aber nicht weniger hocherotisch. Leider kam er in einer Zügigkeit, die mich dann schon sehr überraschte, aber immerhin gehörte er zu jener Sorte von Männern, die ihr Sperma nicht gleich wegwischen.

Doch nicht – zweifach

Gestern noch auf die Frage von U., wie ich denn auf der schmalen und dünnen Matrtze im Arbeitszimmer schlafen würde, mit einem stolzen: „Ich schlaf immerhin durch“ geantwortet. Denkste. Das war jetzt eine Nacht!

Aber immerhin – dazwischen irgendwann – mal wieder richtig geil geträumt. Diesmal war es ein jugendlicher Lieberhaber, der mir mehr als Avancen machte. Und wie das halt so ist mit der Jugend, er kam recht schnell und spritze mir seine Ladung auf die Brust, während mein Orgasmus dann wegen aufwachen ausfiel. Erinnerung an M2.

Werden es drei?

Was ist denn mit mir los? Jetzt schon der zweite Orgasmus in diesem Jahr – also im Traum. Damit habe ich sämtliche Traumrekorde jedenfalls gebrochen, weil ich üblicherweise (leider) nie sexuell träume. Diesmal war es noch konkreter als beim ersten Mal in diesem Jahr, war auch eine komplett andere Konstellation. Beim Aufwachen jedenfalls sehr, sehr kritisch mein Kopfkissen angeschaut.

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