Durch die Zeit

Tag: R.

Fremdkochen

Es war von H. und R. eher eine Notidee, mich und meinen Mann zu fragen, ob wir heute für sie und die vier Gäste kochen könnten. Sie hätten sich sonst das Hauptgericht liefern lassen müssen und dann eben noch irgendwie eine Salat beigesteuert. Aufgrund der Wohnsituation mussten sie uns dann eben auch noch an den Tisch bitten, auch wenn ich von H. weiß, dass mehr als sechs Gäste sie aus kommunikativer Sicht doof finden (was ich meist verstehen kann).

Ausgemacht war, wir kochen, sie zahlen die Einkäufe und legen das drauf, was sie meinen. Aber um das ging es auch nicht, denn würde man wirklich für Geld fremdkochend, dann wird die Klientel extrem klein. Wer zahlt denn schon den Mindestlohn für einen Koch, der für ein viergängiges Abendessen schon mal an die zehn Stunden braucht.

Das Amuse Geul haben wir als Weihnachtsgeschenk beigesteuert (Taubenterrine mit einer Cranberrymarmelade) und für so halt zwei Brote mit Salzbutter (Maldonsalz – da lass ich mich nicht lumpen *lach*). Dann gab es Feldsalat mit Orangendressing, Pastinakensuppe mit Ouzo und Roter Beete, Lammgulasch mit Rosenkohl und Serviertenknödel und schließlich Gelato al Café mit nem Orangenplätzchen.

Zugegeben, wir haben schon gestern damit angefangen, heute habe ich alleine sechs Mal den Feldsalat gewaschen … also es war schon Aufwand ohne jede Frage, aber auch deswegen, weil ich weiß, dass die Küche bei H. extrem klein und extrem schlecht ausgerüstet ist, so dass wir im Grunde alles vorbereitet hatten und nur noch Kleinigkeiten dort machen mussten. Alles andere war in zwei großen Taschen und einem Rucksack verstaut. Das fing beim Schneidebrett an, ging über die Messer bis hin zu den Handschuhen und endete in der kleinen Box mit den Keksen.

Das schönste Kompliment war dann, dass wir es so vollkommen unhektisch gemacht haben, so im Nebenbei eben, dass den Leuten bspw. dann erst am Schluss irgendwie aufgefallen ist, dass sie das Meiste vom selben Teller gegessen hatten, den wir halt zwischen den Gängen abgespült haben. Das hat mich / uns echt gefreut – denn ich habe schon immer den ’stillen Service‘ bewundert.

Ganz klar: Finanziell lohnt sich das definitiv nicht, das ist eine reine Freundschaftssache. Und klar ist: Für jede/n mache/n ich/wir das definitiv nicht. Aber R. hat schon mal für Ostern angefragt … und der hat ne richtig schöne Küche.

 

Wer viel arbeitet …

Wir werden ja recht selten zum Essen eingeladen (mal abgesehen vom „Familienessen“). Das passiert vielleicht zwei Mal, maximal drei Mal im Jahr. Mein Mann meint, das läge darin, dass wir kochtechnisch halt schon etwas vorlegen und die anderen sich dann nicht trauen. Da helfen dann auch Beteuerungen, Nudeln mit roter Soße würden reichen, nicht viel. Aber wenn wir eingeladen werden, dann sind die Essen zumindest gut, wenn nicht sogar sehr gut wenn nicht sogar raffiniert.

Bis auf eins. Auf der Burg. Vor zwei Jahre. Kein ‚richtige‘ Einladung, aber wir wurden – mit ein paar anderen Männern und Frauen – bekocht. Ich werde es bis zu meiner Demenz nicht vergessen, wie der ‚Koch‘ – mit mords Gedöhns den ganzen Tag über – sich bei denn Essgästen entschuldigt, dass der Fisch (ich glaube es war Zander für über 70 Euro) im Topf einach zerfallen sei, das sei ihm noch nie passiert, denn er würde ihn immer so vier bis fünf Stunden kochen, das müsse also am Fisch liegen … Wir spielen ja nur Mittelalter und haben daher keine Schwerter oder Waffen die scharf sind. Das war in dem Moment sein Glück. Boa, war das ein Frass!

Für Freitag bis Sonntag bin ich – kurzfristig – ich dann dran. Der ‚Koch‘ hat das Lager abgesagt und ich hatte großmundig davon gesprochen, dass ich mitkomme, wenn ich etwas zu tun habe. Jetzt habe ich die Soße. Dreimal Mittagessen für jeweils 15 Personen auf einer einfachen Feuerstelle. OK, Gemüsesuppe geht immer, ein paar Würstchen dazu, gut ist. Aber das ist dann nur Tag eins. Für Tag zwei hat man sich Kohlrouladen gewünscht. OKeee … und an Tag drei darf es dann ein Gulasch sein. Dazu halt immer mindestens eine Beilage, an zwei Tagen noch eine Süßspeise für hinterher.

A. wird mir helfen, aber das wird schon allein mit den Mengen ne Menge Arbeit werden.

Und da ich nicht auf der Burg schlafen kann (also, ich könnte, ich meine Platz wäre schon, einmal im großen Saal (nee, ich will schlafen und nicht Schnarchern zuhören) oder bei den Burgherren (aber da bekomme ich immer Panik, weil die ganz oben wohnen und wenn da Feuer unten an der Holztreppe ausbricht …)) quartiere ich mich wieder bei R. ein und seiner geilen, fetten Badewanne.

Projektvorlauf beendet

Scheinbar sind wir wieder mit der Welt verbunden. Einfach so. Gemacht hat niemand was – außer geschlafen.

Daher, bevor wieder etwas dazwischen kommt, die „Bibliothek der freien Bücher“, wie ich das Projekt jetzt genannt habe, mal in die Cloud geladen. Sind natürlich viele Klassiker dabei, die man eh über das Projekt Gutenberg bekommt, aber unter der Rubrik „Romane“ findet sich dann doch schon mal was.

Einiges habe ich auch einfach so aus dem Netzt – kompett legal übrigens – gezogen, wobei mich schon wundert, dass Musils Gesammelte Werke wirklich für umme angeboten werden.

Wenn E. bestätigt, dass alles funktioniert werde ich einen kleinen Kreis von Menschen auftun, die einerseits von der Bibliothek partizipieren, andererseits sie aber auch füllen. Das Problem dabei ist, ich muss Leute finden, die die Bücher lesen, die ich lese, denn mit Rosamunde braucht man mir nicht kommen. E. und M. habe ich schon mal im Auge, eigentlich müsste ich vor allem R. anhauen, denn der würde die Bibliothek aber so was von bereichern, denn der hat einen lesewütigen Bruder, der schon vor Jahren mit einem ähnlichen Projekt begonnen hat.

12

Ich werde noch Liebeling aller Fetenausrichter. Für Freund P. den Freitag hingegeben,  um einzukaufen, Wohnung umzurüsten, schnell noch drei Kuchen zu backen … und eben all das tun, wenn am nächsten Tag ab 15 Uhr 60-70 Leute kommen wollen.

Und mir war klar, dass es da ohne meine Mithilfe nicht gehen würde – was mir auch ganz recht war, denn ich bin nicht so ein Feten-Fredy und fremdel derzeit auch enorm.

Kurz und gut, die ersten kamen um 14:30, was für mich dann hieß mit der ersten Kanne Kaffee das Geschehen zu betreten, der letzte ging so gegen 2, was für mich und P. bis 2:30 hieß, noch schnell die letzten Gläser zu waschen und die Reste vom Büffet in die Kühle zu bringen. 12 Stunden am Stück quasi den Dobby gemacht – mehrfach gefragt worden, ob ich eine externe fremde Kraft wäre – aber immerhin P. es ermöglicht, sein Fest zu genießen. (Das Gleiche war ja Anfang des Jahres, als ich mich auch in die Organisations stürtze, einerseits weil ich mit den Lehrern nicht reden wollte und andereseits, weil ich es nicht mit an sehen kann, wenn mies Organisiertes die Fete zu beeinträchtigen droht, weil, bspw. keine Gabel mehr da sind oder kein Idiot Bier nachlegt. Wobei, diese Fete hatte ja dann noch ein ganz besonderes Nachspiel.)

Heißt: Ladet mich ein! Zeigt mir wo alles steht! Und stellt mir ne gute Flasche Weißwein in den Kühlschrank!

N., der mich lange Zeit überhaupt nicht erkannte, fiel mir zum Abschied um den Arm, wie er es noch nie gemacht hatte, P.’s Mutter knutscht mich jetzt auch ganz gerne und wenn wir noch geblieben wäre, hätte M. uns „ein bißchen was für einen Italiener“ dagelassen.

Spannend in erster Linie aber, das R. sehr konkret und nachhaltig Kontakt zu mir suchte. Wir waren mal sehr eng befreundet, was dann aber vor ca. 20 Jahren mit einem lauten Knall auseinander ging. Erst vor drei Jahren habe ich dann wieder Kontakt aufgenommen als ich über P. erfuhr, dass er Krebs hatte. Wir hatten uns zwar vor drei Monaten nach Jahren wieder gesehen, aber außer einem „Hallo“ war da kaum etwas gewesen. So wunderte ich mich schon, als er sich sehr persönlich für die damalige ‚Seelsorge‘ bedankte. Das Eis ist jetzt jedenfalls gebrochen – aber das ‚Herrische‘ an ihm, ist noch ausgeprägter als früher.

Satt und zufrieden

R. war gestern das erste Mal zum Abendessen da. Und anscheinend waren seine Erwartungen recht hoch, nachdem er schon einiges erzählt bekommen hat. Dass ich seinen Lieblingssekt und -rotwein da hatte war reiner Zufall, denn das wußte ich nicht. Der Rest war dann eben das Ergebnis langjährigen Kochens würde ich mal sagen. Er war es sich jedenfalls rundumzufrieden – was will man mehr.

Der andere hat’s

Mal wieder bei R. Alle zwei, drei Monate bittet er auf Wein und Käse, gepflegtes Gespräch, klassische Musik im Hintergrund. R. ist Mitte 70, einer der frühen schwulen Pioniere, Vater von drei Kinder, mehrfacher Großvater, hat verantwortliche Posten im sozialen Bereich gehabt, ist aufgeschlossen kritisch und lebt derzeit in zwei verschiedenen Städten, weil sein Mann eben nicht hier wohnt.

R. hat die größte CD-Sammlung die ich je in einem Privat-Haushalt gesehen habe. Ich schätze im Wohnzimmer sind es so gut 10.000. Ich weiß, dass es in den anderen Räumen auch noch welche gibt, aber da war ich noch nie.

Seit mehreren Monaten streamt er jetzt seine Musik – und will die CD-Sammlung abgeben.Bloß an welche Institution? (Selbstlos wie ich sein kann, bringe ich mal die Stadtbibliothek ins Spiel, dann hätte ich auch was davon, aber die werden ablehnen müssen, sie müssten einen Raum anbauen.)

Meine Idee alles auf ne Megafestplatte zu überspielen scheitert nicht nur an der Megafestplatte, sondern auch an dem, der’s macht.

Kann ich jetzt aber fragen, ob er mir, bis er weiß, wohin er sie abgibt, Dutzende wenn nicht hunderte CD irgendwie leiht, dass ich mir sie auf ne Festplatte übertragen kann? Und darf ich auch fragen, ob ich was von seinen gekrackten E-Books abbekomme, von denen er irgendwie mehrere hunderte hat? Oder gebietet es der Anstand zu warten, bis er selber fragt?

Ersatz(bank)

Es dauert bei mir meist ein bisschen, bis ich kapiere, dass ich (mal wieder) als Ersatz(partner) fungiere.

Vor Jahren schon mit R. Immer, wenn er keine Freundin hatte, war ich eine wichtige Person. Wir sind in Urlaub gefahren, haben uns stundenlang unterhalten, waren ‚dicke‘ … und dann, wenn er wieder in einer Beziehung war, dann war ich nicht mehr „echt“, da fehlte es an „Authentizität“ und was auch immer. Jedenfalls Stress. Jetzt ist er schon seit Jahren verheiratet und seitdem haben wir keinen Kontakt mehr. Letztes Jahr ‚flammte‘ er etwas auf, als ich von seiner Krebserkrankung erfuhr, wir haben mehrfach gemailt. Gegen Ende seiner Genesungszeit hat er mal geschrieben, es wäre schön, würde man den Kontakt intensivieren können bzw. wiederaufleben. Mit etwas Verzögerung habe ich dann darauf geantwortet – zurück kam dann eine eher problematisierende Mails mit dem Inhalt: „Wie soll man sich denn über Mail wieder annähern? Ist das Projekt nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?“ – Reagiert habe ich bisher nicht, vermute, dass ich es auch sein lasse.

Derzeit bin ich mal wieder gefordert. Nicht von R. Heute waren es so Themen wie: Welche Bettbreite ist ok? Lohnt sich ein Dampfdrucktopf? Und irgendwas wegen Handy. Gespräche, die man ’normalerweise‘ mit seiner Partnerin / seinem Partner führt.

Ich geb‘ zu, mir ist es manchmal etwas zuviel, zwei ‚Beziehungen‘ parallel zu führen – wie es mir dann auch zu wenig ist, wenn ich wieder zurück auf die Bank geschickt werde.

Aber immerhin – ich seh‘ es jetzt und kann es thematisieren bzw. oralisieren.

Nächste Stufe?

Mal wieder auf „Wein und Käse“ bei R. Der ist etwas über 70, hat eine recht bewegte, interessante Vergangenheit. Schwuler Aktivist der ersten Stunde (mit damals Noch-Ehefrau und zwei Söhnen). Normalerweise sprechen wir über ein bestimmtes Thema, bei dem wir beide auf unterschiedlicher Weise engagiert sind und dass Gespräch eher „dienstlich“ ist. Aber heute? Heute gab es dazu nicht den geringsten Anlass und wir haben einfach so geplaudert ohne dass einer die Rolle des Zuhörers zu übernehmen hatte. Und ihm war es sehr wichtig, dass wir uns diese Woche sehen, denn er ist viel unterwegs. Mich hat diese Dringlichkeit etwas überrascht und ich bin mal wieder … es erklärt sich mir gerade nicht wirklich. Egal.

Jedes Mal wenn ich bei ihm bin, inspiziere ich seinen Büchertisch, auf dem all das liegt, was eben so auf einem Büchertisch zu liegen hat, wenn man auf der Höhe der Zeit sein will. Heute kam – tata: Premiere – der Satz: „Nimm Dir ruhig was mit!“

Für den Rest des Monates habe ich jetzt also ausreichend Lektüre: „Das achte Leben“ von Nino Haratischwili – knapp 1.300 Seiten.

Arbeitsessen

Ich glaube R. fühlt sich etwas angepisst, dass ich zu den Arbeitsessen nie eine Flasche Wein mitbringe oder so. Jedenfalls hat er uns heute bei der einen dann verdursten lassen. Aber ich finde Gastgeschenke einfach doof. Wenn ich einlade, dann lade ich Leute ein, weil ich sie mag und weil ich Zeit mit ihnen verbringen will und weil ich will, dass es uns derweil gut geht. Da muss dann doch nicht die obligatorische Flasche Wein überreicht werden, die dann doch meist in den Kochtopf wandert, weil sich der Gast aber sowas von vergriffen hat.

OK, wenn man es geschickt anstellt, ist das mit den Gastgeschenkweinflaschen ein Null-Summen-Spiel, wenn man immer die weiterschenkt, die man bekommen hat – aber das torpediert dann den Sinn von „Geschenk“.

Wenn wir einladen, erwarten wir nichts und sagen dass auch immer äußerst deutlich, denn, so meine Begründung: Dass die Leute kommen und mir / uns ihre Zeit schenken, das ist Geschenk genug.

Aber seine eigene Einstellung sollte man nie als allgemeingültig betrachten.

Der Tag

Etwas später aufgestanden, da der Mann früh weg musste und erst abends wieder kam. Bei dem Wetter auf eine Hose verzichtet und den ersten Tee mit Grass in der Sonne auf dem Balkon. Ganz wenig Internet zwischendurch, dafür rechtzeitig das „Studio“ aufgebaut. R. kam auf die Sekunde pünktlich. Hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass er so jung ist, so muskulös und so zuvorkommend. Vor der Kamera machte er so, als täte er das täglich – es war sein erstes Mal. Oben rum sich ausziehen war null Problem, mal sehen, ob er beim nächsten Mal es auch untenrum tut. Danach weiter in der Sonne gesessen, bis unerwartet erst B. und dann H. aufschlugen, die Küche bevölkerten und das Abendessen um fast zwei Stunden nach hinten verschob.

Und dann – Trommelwirbel – der erste Spargel in diesem Jahr mit der zweifelsfrei weltbesten Sauce Hollandaise!

Jetzt im Strampelanzug im Spargelkoma auf dem Sofa.

Die Woche kann kommen.

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