Durch die Zeit

Tag: R.

Arbeitsessen

Ich glaube R. fühlt sich etwas angepisst, dass ich zu den Arbeitsessen nie eine Flasche Wein mitbringe oder so. Jedenfalls hat er uns heute bei der einen dann verdursten lassen. Aber ich finde Gastgeschenke einfach doof. Wenn ich einlade, dann lade ich Leute ein, weil ich sie mag und weil ich Zeit mit ihnen verbringen will und weil ich will, dass es uns derweil gut geht. Da muss dann doch nicht die obligatorische Flasche Wein überreicht werden, die dann doch meist in den Kochtopf wandert, weil sich der Gast aber sowas von vergriffen hat.

OK, wenn man es geschickt anstellt, ist das mit den Gastgeschenkweinflaschen ein Null-Summen-Spiel, wenn man immer die weiterschenkt, die man bekommen hat – aber das torpediert dann den Sinn von „Geschenk“.

Wenn wir einladen, erwarten wir nichts und sagen dass auch immer äußerst deutlich, denn, so meine Begründung: Dass die Leute kommen und mir / uns ihre Zeit schenken, das ist Geschenk genug.

Aber seine eigene Einstellung sollte man nie als allgemeingültig betrachten.

Der Tag

Etwas später aufgestanden, da der Mann früh weg musste und erst abends wieder kam. Bei dem Wetter auf eine Hose verzichtet und den ersten Tee mit Grass in der Sonne auf dem Balkon. Ganz wenig Internet zwischendurch, dafür rechtzeitig das „Studio“ aufgebaut. R. kam auf die Sekunde pünktlich. Hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass er so jung ist, so muskulös und so zuvorkommend. Vor der Kamera machte er so, als täte er das täglich – es war sein erstes Mal. Oben rum sich ausziehen war null Problem, mal sehen, ob er beim nächsten Mal es auch untenrum tut. Danach weiter in der Sonne gesessen, bis unerwartet erst B. und dann H. aufschlugen, die Küche bevölkerten und das Abendessen um fast zwei Stunden nach hinten verschob.

Und dann – Trommelwirbel – der erste Spargel in diesem Jahr mit der zweifelsfrei weltbesten Sauce Hollandaise!

Jetzt im Strampelanzug im Spargelkoma auf dem Sofa.

Die Woche kann kommen.

R. und anderes

Ich bin ja wirklich nicht erst seit vorgestern auf dieser Welt. Und so die ein oder andere Erfahrung habe ich ja auch schon gemacht. Und so ganz auf den Kopf gefallen bin ich dann auch nicht, auch wenn ich sicher kein „Käpsele“* bin. (Boa – seit wie viel Jahrzehnten habe ich den Begriff nicht mehr verwendet?)

Heute hatte mich R. mal wieder eingeladen. Statt auf Salat und Käse auf Tomantesuppe und Käse. Ähh: I c h  e s s e  a u s  P r i n z i p  k e i n e  T o m a t e n  und w a r m e  T o m a t e n gehen GG AA RR  NN II CC HH TT. (Warum ich keine Tomaten aus Prinzip esse, hängt mit meinem Mann zusammen – ne andere Story, ein eigener Blogeitrag, wen(n)’s interessiert.) Und: Die hat geschmeckt, aber echt.

Also: Heute hatte mich R. mal wieder eingeladen. Und ich Naivling dachte: Na, halt einfach so. War aber nicht. Letztendlich gab es ein Haupt- und zwei Nebenthemen. Dass mich die Nebenthemen weit mehr interessierten, wird wohl niemand überraschen:

Hauptthema: Meine (bezahlte) Tätigkeiten im Förderverein für 2015. (Gesprächsdauer: ewig – im vergangenen Jahr hatte das einen finanziellen Ertrag von 700 € erbracht, 2015 wird es zumindest nicht mehr sein, außer ich dopple alle Vorbesprechungen.)

Nebenthema 1: R. hat eine CD-Sammlung in Umfang von gut 12.000 Stück (eher etwas mehr, denn ich weiß nicht, was in den anderen beiden Räumen noch ist, wo aber, nach Aussage von R., noch „ne Menge“ steht) und will sie auflösen – ob ich an klassischer Musik interessiert sei?

Nebenthema 2: e-books. Er hätte gut 300 auf seinem Rechner. So aktuelles. So eher anspruchsvolles. Ob er mir was schicken soll. Ich: Geht doch nicht, wegen Kopierschutz. Er: Aber die schickt mir mein Bruder immer und bei mir funktioniert es. Ich: Dann schick mir mals was zur Probe. Er: Mach ich. — Er hat was geschickt – es ist auf meinem Reader – problemlos.

* Ein Zündplättchen, im Alemannischen Käpsele genannt, ist eine pyrotechnische Munition für kleine Spielzeugpistolen, mit der ein Schussgeräusch erzeugt werden kann. Darüber hinaus ist ein „Käpsele“ auch ein kluger, gewitzter Mensch, immer gut für eine zündende Idee.

Aussichten, unterschiedliche

Immerhin scheint Ni. eine berufliche Chance zu haben. Klein, aber immerhin mal eine Chance. Würde mich für sie schon freuen, ich bin überzeugt, dass sie einfach gut ist.

Als ich gestern bei R. war, fragte er auch nach den Aussichten. Als ich da nichts präsentieren konnte, erzählte er lang und breit von einem Freund der Hartz IV bezieht und wie das so geht. Wie ihm dann der Übergang gelang, dass er letztens auf Kreuzfahrt war, kann ich mich nicht erinnern. Aber das war der Moment, wo mir klar war, dass ich den nicht nur teuren sondern auch guten Rotwein leer trinke.

Das wird in nächster Zeit echt eine Herausforderung werden nicht neidisch auf die zu werden, die Geld haben. OK, neidisch darf ich wohl sein, aber wenn ich es ihnen vorwerfe, dürfte es verdammt scheiße werden. Noch keinen Plan, wie ich damit umgehen werde.

71

R. hatte mich zu seinem Geburtstag eingeladen, 71 ist er geworden. Wie ich zu der Ehre komme, entzieht sich mir etwas, es ist ein eher lockerer Kontakt. Dementsprechend war ich etwas in Zweifel, wie der Abend werden würde, kenne ich doch aus seinem Kreis genau eine Person, ein Ex-Lover von mir.

In der Pizzeria saß ich dann also in einer Gruppe aus folgenden Personen:

  • H. – die Chefin der Organisation, bei der ich ehrenamtlich tätig bin. Irgendetwas zwischen Chefin und mögliche Freundin.
  • J.- eine Freundin von H. die ich nicht kannte, aber mit der ich nach 56 Sekunden auf der gleichen Wellenlänge war
  • B. – meine Supervisorin (Ehrenamt), nun ja, ich bin eher etwas reserviert ihr gegenüber
  • J. – den ich seit meinem Studium kenne, der mal so was wie ein richtig guter Freund war. Der Kontakt ist vor vier Jahren von einem Tag auf den anderen abgebrochen
  • S. – Freundin von J., die mich den ganzen Abend eher mied, am Ende aber fragte, ob wir uns mal darüber unterhalten wollen, warum es vor vier Jahren so brutal auseinander gegangen ist
  • L. + U. – Der Exfreund meines ‚Manns‘ und mit seinem Mann, die seit vier Jahren mit J. und S. sehr befreundet sind. Und mit denen wir nach wie vor seit 15 Jahren sehr gut befreundet sind.
  • X. + X. – Schwester des Einladenden mit Mann, die sich fremd fühlten, aber, auf den Großvater angesprochen, nur so sprudelten.

Der Abend war schon schön, aber auch extrem anstrengend, so dass ich gefühlt gegen 1 dann auch schon gegangen bin. Mein Mann wunderte sich dann arg, warum ich um 22:30 schon zu Hause war.

Krebs (2)

R. macht mich gerade etwas fertig. Wir hatten ca. 15 Jahre (!) keinen Kontakt, aber über einen gemeinsamen Freund waren wir grob übereinander informiert. Jetzt hat er Krebs, jetzt bin ich auch auf einer e-mail-Verteilerliste, mit Hilfe derer er über seine Krankheit etc. informiert. Letzte Woche kam eine Mail, ich habe nicht darauf reagiert, weil wir uns ja fremd sind, es andere gibt, die näher sind etc. Heute über einen anderen Kanal die Frage, ob ich die Mail bekommen hätte, wobei ich die Nachfrage eher so interpretiere, dass er gern eine Antwort hätte.

Über mein Ehrenamt habe ich ja auch J. „an der Backe“, ebenfalls Krebs, ebenfalls Chemo.

Und was soll ich da schreiben? Das alles wieder gut wird (woran ich nicht glaube)? Das das alles schon so seine Ordnung hat? Das es halt menschlich ist (was es ja auch ist)? Das es mir auch nicht gut geht?

Na ja, die Maßnahme ermöglicht es mir ja, morgen lange darüber nachzudenken und abends dann eine Mail zu schreiben.

R.

Ja klar, das hat jetzt auch noch müssen sein! *kotz* R. haben P. und ich damals in der ZDL-Zeit über ein Theaterprojekt kennen gelernt. Und R. hat uns beide fasziniert. Zwischen mir und P. kam es deswegen auch zu Eifersüchtlichkeiten – aber irgendwie haben wir es zu dritt damals geschafft, dass es überwiegend für alle gut war. Wir waren echt gut!

Mit R. lief es dann irgendwie schief. Ich gnügte nicht mehr seinen Ansrrüchen. Wir versuchten es auf einer Städtereise, um uns zu beleben. Aber das endete im Ende, ich war nicht gut genug – oder was auch immer.

Über P. all die Jahre informiert, wie es R. geht, was er macht etc. pp.

Und jetzt über P. die Info, dass R. Krebs hat. Und jetzt nach Jahren über Facebook erste Kontakte wieder mit R. Und er, ohne Schnörkel. „Warum ich?“

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