Durch die Zeit

Tag: schwul

Der Beginn meiner Sexualität (0)

Gerade von Carolin Emcke ihren eher autobiographischen Essay mit dem Titel „Wie wir begehren“ gelesen. Sie schildert darin ihren Weg in die Homosexualität  und versucht zu analysieren, was sie hinderte. Immer wieder wechselt sie den Blick und sinnt darüber nach, inwieweit sie im Ausland – wo sie ja als Journalistin immer mal tätig ist – mit ihrer Homosexualität umgehen darf und kann bzw. auch andersrum, ob sie Homosexuelle in diesen Ländern darauf ansprechen kann.

Insgesamt ist das ein recht lesenswerter Essay, gut, er hat so ein paar Längen und so ganz ohne Pathos kommt sie dann auch nicht aus, aber er ist echt lesenswert, vor allem für Heten. Mir als Schwuler gefielen ein paar prägnante Formulierungen, ein paar Zusammenfassungen von Ereignissen, die Kernaussagen jedoch, das habe ich selbst erlebt (sind Emcke und ich ja ähnlichen Alters). Was ihr wirklich gelingt ist aufzuweisen, wie scheißegal es ist, wer wen liebt und warum. Dass es nur ein Aspekt eines Menschen ist, denn ein Schwuler kann genauso ein Arschloch im Beruf sein wie eine Hete und eine Hete genauso einfühlsam sein kann wie eine Lesbe und ein Transgender kann genauso gut analysieren wie … So was scheint schwer in die Köpfe zu gehen, aber wie sie das macht, das ist wirklich beachtenswert.

Aber immerhin ist mir durch die Lektüre ein Licht aufgegangen. Es ist sicherlich nicht spektakulär, aber es befriedet so ein bisschen.

Es sind jetzt bisher sechs Seiten Text geworden, die in etwa aufzeigen, warum es bei mir solange gebraucht hat, dass ich sagte: Ich bin schwul. Die meisten Heten stellen sich die Frage, warum sie Heten geworden sind, ja dann doch nicht so.

Ich werde diese sechs Seiten nochmals in Ruhe durchgehen – und wenn es dazu keinen Aufschrei gibt, dann auch in zwei, drei Etappen hier hochladen. Vielleicht fühlt sich ja die ein oder der andere ‚berufen‘, Stellung zu nehmen.

Teil I

Wieder unter den Lebenden

Kopf zwar noch etwas dicke, Nase und Ohren auch noch etwas zu, die Stimme nun noch leicht belegt aber das Fieber hat sich immerhin verflüchtigt und heute war ich schon mal den halben Tag auf.

Meine Herrn! Drei Tage am Stück im Bett gelegen. Das hat es echt noch nie gegeben. Hin und wieder bekomme ich schon mal eine Erkältung, aber dass sind immer so Turbo-Sachen, nach 24 Stunden oder so ist es durch. Aber das hier?

Am Montag war ich ja irgendwie noch zuversichtlich, am Dienstag habe ich dann glücklicherweise bis auf drei Termine alles komplett abgesagt, ohne Rücksicht auf irgendwelche Verluste.

Der eine Termin war dann heute morgen noch beim Neurologen, auf den ich jetzt an die vier Monate gewartet habe wegen den Händen. Immerhin, ich muss zugeben, Herr Dr. K. hat sich wirklich Mühe gemacht, mich nicht nur der Apparatemedzin unterworfen – ist das eklig, wenn auf einmal die Finger zucken, weil die Arzthelferin etwas Strom an den Arm legt – sondern sich nach allen Regeln der Kunst den Händen gewidmet. Dass die nicht die kräftigsten sind ist ja eh bekannt – was will man von einem schwulen Querflötenspieler schon in der Hinsicht anderes erwarten – aber dass man meine gespreizten Finger mit so wenig Druck schließen kann … jedenfalls ein paar unwichtige Nebenbefunde, was die Schmerzen betrifft … bekanntes Schulterzucken.

Mich dann noch für die Generalprobe für Samstag zu C. geschleppt – das war’s dann für heute aber sicher. Morgen darf ich noch zu Hause bleiben und bis auf Markt keine weiteren Aktionen.

Hey, ist das schon das Alter???

3 Buchstaben

Spannende Beobachtung meinerseits. Immer wenn ich in den lezten Tagen gefragt wurde, wo ich denn im Urlaub war, war die Antwort: „Auf einem Campingplatz an der Ostsee.“ Hin und wieder wurde noch gefragt, wo denn genau – und Dahme scheint bekannter zu sein, als ich es mir habe je vorstellen können.

Was daran so ’spannend‘ ist, dass ich die drei Buchstaben FKK vor Camping immer fortlasse. OK, meinen ‚Kolleg*innen‘ möchte ich das echt nicht auf die Nase binden, nicht in der Situation, aber der Friseurin heute? Die hätte mir dann dennoch die Haare geschnitten. Und warum nicht auch gegenüber guten Bekannten? Was ist so schlimm daran?

Was steckt da also in mir, dass nackt-sein irgendwie nach wie vor bäh ist und zwar mehr noch als schwul sein? Und woher hab‘ ich das eigentlich?

Minderheitenvorteil

Der Vorteil als schwuler Sohn einer streng katholischen Familie: Man ist ja durch un durch pervers und daher eh der bunte Hund, der komplett unberechenbar ist. Also während des Heimaturlaubes im Süden des Landes dann doch wegen der Wärme öfters mal die Hose ausgezogen und im Baumwollbody durch die Gegend getanzt. Alle haben so getan, als sei das normal, weil sie wohl denken, das wir Schwule immer so …

‚Entlastung‘ – oder: Pauschalierung macht’s halt einfach

Schoß mir gerade in den Kopf. Ich bin ja der einzige (offen lebender) Schwule in meiner Familie. Und da Vaters- und Muttersfamilie alle aus dem katholischen … Also war das für meine Eltern halt immer schon so ein Crux (sic!), dass gerade sie nen schwulen Sohn … und jetzt kapiere ich gerade als meine Mutter letztens anrief, um mir mitzuteilen, dass es Tante B., ihre jüngste Schwester, ja ganz, ganz, ganz schwer hätte, da deren ältester Sohn, S., Moslem geworden ist!

Es gibt also Schlimmeres.

Und da ist einfach so vernunftsunmäßig, so blöd, so … nur weil manche schwul sind, meint irgend so ein Typ in Amerika – dank der ‚genialen‘ Waffenpolitik – 50 Schwule abzuknallen, worauf hin der nächste Gehirnamputierte meint ein Einreiseverbot … erlassen zu wollen, für alle, die gefährlich sind …

Warum fehlt es den Menschen am Mut zu denken? Weil den Finger auf andere zu zeigen einfach leichter ist.

 

 

Männerschutz

Es sind ja nur wenige Männer, die den Blog hier mitlesen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass man sich mal real trifft ist – bis auf die, die ich eh schon kenne – verschwindend gering. Und schätzungsweise ist der größte Teil der wenigen Männer, die hier mitlesen, nicht schwul – und könnte daher Angst haben (was Heten-Männer sich immer einbilden, nur weil sie einen Schwanz haben, dass Schwule uunnbbeeddiinnggtt mit ihnen Sex haben wollen) dass ich sie anbaggern werde. (Ihr lieben Heten-Männer, nur mal so gesagt: Wir Schwule gehen nur mit Typen in die Kiste, die wir irgendwie mögen, oder weil die Typen irgendetwas versprechen. Ein Schwanz zu haben reicht nicht aus. Sorry für das.)

Denen sei gesagt. Lasst euch einen Bart wachsen bzw. rasiert euch einfach drei Tage nicht. Dann könnt ihr noch so geil aussehen, noch so ne hübsche Beule haben, noch … Bart (egal ob Viertel-, Halb- oder Vollbart oder alle möglichen bzw. unästhetischen Varianten) geht einfach gar nicht.

Das ist mir klar geworden, als ich mir meinen Vollbart mal wieder auf die perfekten 4,5 mm stuzte und ich mich mal wieder wunderte, dass der Bart an manchen Stellen schneller wächst als an anderen.

Einbildung oder gibt es das wirklich?

 

H. is calling

H. bekommt von mir jährlich die Sylvesterkarte, dafür bekomme ich unter dem Jahr mal eine Urlaubskarte von ihm – und das ist unser Kontakt. Seit Jahren schon. So richtig lebendig war er ach nur am Anfang, als er bei mir vor der Kamera stand und wir dann – aber Stunden später – in der Kiste gelandet sind. Ich hab nach Sex selten so einen glücklichen Menschen gesehen wie ihn, denn für ihn war es der erste ‚richtige‘ Sex mit einem Mann, d.h., ich hatte ihn von vornherein als schwul angesehen (gut, das er verheiratet war und zwei Kinder hat — was solls?) und ihn auch klar wissen lassen, dass er ein verdammt attraktiver Mann ist. Er hat sich das erste Mal erobern lassen und nicht irgendwie Rubbelaktionen mit Leuten hinter Büschen gehabt, die er nicht wirklich mochte. Er ist das einzige Modell, mit dem mir das passiert ist – sonst trenne ich Foto und Sex dann doch absolut. Bei ihm bereue ich es auch nciht, denn wir konnten und können das sehen was angesagt ist und mischen es auch nicht.

Etwas später stand ich ihm Modell und hatten nach getaner künstlerischen Arbeit noch Zeit für ein hübsches Schäferstündchen auf einer 80-cm-Matratze. Wieder etwas später hatten wir ein sehr ertragreiches 3er-Shooting, dessen Fotos ich hüte wie ein Augapfel.

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Das ist eins der Fotos, die damals entstanden. Ich lasse jetzt mal komplett offen, wer wer ist und wer wo stand oder lag. Ist ja auch nicht so wichtig.

Nun über flickr seit Tagen Mails. Krise, privat wie beruflich. Mir noch unklar, worin es genau besteht. Aber da ich gelernt habe, Fragen zu stellen … Und, dann doch etwas überraschend hat er durchblicken lassen, wir sollten mal wieder zu den Apparaten greifen. Da er jünger als ich bin, wird es sich bei ihm noch lohnen – ich bleib als Modell für die nächsten 20 Jahren außen vor.

David Bowie

Als ich heute morgen von seinem Tod aus dem Radio erfuhr war mein Gedanke: „Hä, der lebte noch?“

Wie man sieht: Ich bin kein Bowie-Fan und ohne die Nachhilfe aus Funk und Fernsehen könnte ich auch nicht einen einzigen Song von ihm nennen. Viele werden jetzt Kübel von Schande über mich kippen – das mag genauso gerechtfertigt sein wie auch nicht.

Spannend wurde es für mich, als ich mich begann zu erinnern, wie Bowie eigentlich aussah. Und da erinnerte ich mich sehr, sehr  gut wie viel Angst er mir immer gemacht hat. Mit seiner selbstbewußten androgynen Erscheinung hat er mir nämlich schon immer (s)einen heftigen Spiegel vor Augen gehalten.

Als ich im Studium war und regelmäßig in der Mensa essen ging, begab es sich, dass mein Stammplatz immer in der Nähe des schwulen Stammtisches war und ich, unbeleckt und noch unschwul, die immer anstarrte und mir klar war: Nein, kreischende Männer mit abgestreckten kleinen Finger sind einfach affig. Blöd war nur, als mir klar wurde, dass ich gerne Sex mit Männer habe, dass ich Angst hatte: Wer schwul wird / ist, muss sich so affig benehmen. (Unter uns: Ich konnte das dann auch mal für eine Zeit richtig gut – war mir aber absolut zu anstrengend.)

In der Zwischenzeit weiß ich, dass Bowie wie Mercury mir einfach deswegen Angst machten, weil ich irgendwo in mir wusste, dass ich ein bisschen wie sie bin (also sexuell gesehen, nicht musikalisch, da reiche ich denen nicht einmal den halben kleinen Fingernagel) und mich als guter junger Mann aus extrem guten katholischem Hause davon natürlich zu distanzieren hatte – mit aller Gewalt.

Was ich heute so von Bowie gesehen habe: Könnte sein, dass er nachträglich für mich ne Ikone wird.

 

– 25

Ich gucke, wenn es sich ergibt, auf Alpha ja wirklich gerne die „Tagesschau“ „vor 25 Jahren“. OK, damit dürfte jetzt allen denkenden MitleserInnen mein Alter so einigermaßen klar sein (wenn es das nicht bereits schon war).

Die Faszination liegt nicht nur daran, die ‚Geschichte(n)‘ schon zu kennen, sondern auch das Hirn anzustrengen und die Namen zu den (irgendwie) bekannten Gesichtern wieder zu finden. Bei manchen ist so geprägt, dass es gefühlt keine Sekunde dauert, obwohl die schon seit 24 Jahren keine öffentliche Rolle mehr spielen.

Und irgendwie bin ich ganz froh, dass ich auf den meisten Bilder, die es von mir gibt, nix anhabe. Denn wenn ich sehen würde, was ich vor 25 Jahre so angezogen habe (stand ich da eigentlich schon nackt vor der Kamera, eher nicht, da stand was anderes, aber nicht vor und mit Kamera … ) ich meine, gestern habe ich Rita Süssmuth gesehen (klingelt es im Hirn? „Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit“ und im Grunde die einzige CDU-Politikerin, die AIDS nicht als Strafe für Schwule gesehen hat – danach war sie zehn Jahre, da von Kohl abserviert, Präsidentin des Dt. Bundestages) mit Schulterpolstern von ca. 1 Meter Länge (auf beiden Seiten) …

Als Kind habe ich immer gelacht, wenn ich frühe Bilder meiner Eltern gesehen habe. Vielleicht auch ein (Mit)Grund, warum ich schwul geworden bin, um dieses hämische Lachen des Eigenerzeugten nicht hören zu müssen.

Aber ich möchte, falls doch mal solche Bilder von mir aus der Zeit auftauchen sollten, darauf hinweisen: Unter der Jeans – nur das Feinste!

 

Was man nicht alles aus Verzweiflung und Vergesslichkeit tut!

Gerade für einen Kommentar hier ne gute halbe Stunde gesucht und überlegt, wer dieses geile schwule Buch geschrieben hat, von dem ich nach wie vor so total begeister bin (dass ich darüber eben Autor wie Titel vergessen habe. Mit nem Ständer in der Hand (eigen oder fremd), denkt es sich irgendwie nicht gut).

Aber jetzt auch hier die Empfehlung für das beste schwule Buch des lezten Jahrhunderts. 1997 (oh!) schrieb ich dazu:

Hans Scherer – Remeurs Sünden – Eichborn Verlag Frankfurt, 1997

J. schickte mir, mit zwei anderen Büchern, dieses Buch einfach zu. Es kommt ja auch aus ‘seinem’ Verlag, wird ihm wohl auch nichts gekostet haben – er sagte jedenfalls nichts. Begann am gleichen Abend noch etwas darin zu lesen und bekam fast einen Schreianfall, als ich an folgende Stelle kam. Remeur, ein schon wohl etwas älterer Schwuler hat sich einen Jungen aufgegabelt, einen 17jährigen um genau zu sein, schlicht, ein ‘Hasenkind’, wie ich es vor ein paar Wochen auch hatte. Sie gehen miteinander ins Bett, treiben es heftig. Und dann:

Ein zauberhafter Liebesappart, der ablief wie ein aufgezogenes Uhrwerk, sich in der Erschöpfung von neuem aufzuziehen schien und von neuem ablief, bis sie beide lachend unter dem Bett lagen, prustend darunter hervorkrochen. „Das glaubt uns kein Mensch“, sagte Remeur, „Schwule erleben mehr, sag’ ich ja immer. Wie heißt du eigentlich?“ „Alexander“, sagte der Junge, der gar nicht aussah wie ein Alexander, eher wie ein kleiner, genußsüchtiger Gabriel. (21)

Das ist die literarische Begründung, warum ich vor zwei, drei Jahren wieder mein G. in den Namen genommen habe.

Es ist ein geiles Buch, in mehrfacher Hinsicht. Einerseits steht einem der Schwanz, bis auf die letzten Seiten, beständig steif und hart steil aufragend vom Körper weg und will ‘genommen’ werden, andererseits ist es wirklich eine ehrliche, unverblümte Sittenschilderung. Das ist mehr oder weniger schwules Leben, zwar auch nur in Auszügen und ein klein wenig, wie immer im Roman, geschönt – aber so ist es nun eben mal. Von der treuen Beziehung bist über Stricher, Klappen, Parks und Saunen. Kein Deckmäntelchen, in welcher Art auch immer, wie ausgebreitet, aber schwanzfixiert ist das Ganze dann auch wieder nicht.

Die Episoden aus Remeurs Leben werden im Krankenhaus erzählt. Der eine Zimmernachbar erzählt es dem anderem. Das ist der Aufbau. Die Binnengeschichten kommen dann entweder als eine Art auktorialer Erzählung oder als Ich-Erzählung daher. Abwechslungsreich gestaltet und mit recht gutem sprachlichem Niveau. Manchmal heißt ein Schwanz eben Schwanz, dann Penis oder Latte – es kommt auf die Zusammenhänge an.

Anspielungen auf Proust und weitere Literatur, einige wirklich gute Reflexionen – absolut nicht schlecht das Ganze.

Als er den Jungen kennen lernt beschreibt er ausführlich, was dieser an hat. Dann:

Entweder hat der Junge Geschmack und Geld oder eine Mutter, die ein Faible für Mode hat, vielleicht hat er auch alles, Geld, Geschmack und Mutter, dachte Remeur, ich möchte wetten, erträgt auch eine lindgrüne Unterhose. Dazu das Lachsrot der Haare, Remeur fing an, sich auf den späteren Nachmittag zu freuen.
Der Junge trug eine weiße Unterhose. (18)

Nein, dieses Buch ist wirklich gut und absolut empfehlenswert. Kann mir zwar gut vorstellen, wie so manche Hete rote Ohren bekommt, aber die Lust, die in den Texten mitschwingt, wird wohl auch eine Hete spüren.

Das Gute an dem Buch, daß es nicht einseitig ist. Alles bekommt seinen Raum, sein Maß, nichts wird übermäßig übertrieben oder weggelassen. Es ist eine Lebenswirklichkeit von Schwulen, die hier geschildert wird – und das ohne Erklärungs- oder Bekenntnischarakter. Es ist nun halt mal so, basta.

Es wird wohl für die nächste Zeit neben meinem Bett liegen.

Die Folgen des ersten Kapitels: Es war spät, ich legte mich schlafen und träumte eine ganze Nacht lang das Buch weiter, hatte in meinen Träumen ein erotisches Abenteuer nach dem anderen, einen Orgasmus nach dem anderen. Es war sozusagen die geilste Nacht, die ich je erlebte. Blieb lange im Bett liegen, schlief immer wieder ein, um ein nächstes Kapitel im ‘Traumbuch’ zu lesen und zu erleben.

13. Dezember 1997

Später der Text für lexikon homosexuelle belletristik:

Überraschend wäre es nicht, wenn sich „Remeurs Sünden“ von Hans Scherer zu einem ‘schwulen Bestseller’ entwickelt, überraschend wäre es auch nicht, wenn er in wenigen Jahren als ‘schwuler Klassiker’ angesehen wird. Scherer gelingt es nämlich, schwules Leben, Lieben und Leiden ohne Verklärung oder hymnische Überhöhung, ohne falsche Scham oder Auslassungen und ohne Bekenntnis-bzw. Erklärungs-Triaden darzustellen: Ein schwules Leben hat seine eigenen Formen und Probleme, basta.
Zwei Männer liegen im Krankenhaus. Einer, Herr Mellenthin, beginnt über Tage hinweg seinem namenlosen Zimmernachbarn eine Geschichte zu erzählen, und zwar Episoden aus dem Leben Remeurs, der z.T. selbst zitiert wird. Ein selbstbewußtes schwules Leben ohne jede Frage, was da Remeur führt, eines, das nur wenig ausläßt. Und so handeln die einzelnen Episoden von den ersten sexuellen Erfahrungen am Düsseldorfer Rheinufer, von Erlebnissen in Saunen oder Parks, von der Anmache auf der Straße oder in der Klappe, von Strichern etc. Dazwischen die achtjährige Beziehung, die plötzlich vorbei ist, die spezifischen Probleme des alternden Schwulen.
Das alles kommt nicht nur selbstbewußt daher, sondern mit einem hohen Maß an Echtheit und Ehrlichkeit, auch wenn es nicht das ganz typische Leben Homosexueller ist – wie sollte es auch möglich sein. Die Besonderheit des Romans liegt darin, daß die Erzählungen aus der schwulen Welt sich nicht nur auf sexuelle Episoden beschränken, oder nur auf Liebesleid / Liebesglück, sich auch nicht nur mit Seelenqualen des Coming-outs herumschlägt und auch nicht sich in Erklärungs- und Verteidigungsmodelle verliert, sondern allem seinen berechtigten Raum gibt.
Ein schwules Leben – und das vielleicht mit einem allgemeineren Anspruch – zwischen zwei Buchdeckeln zu bekommen, ist wahrlich kein leichtes Unterfangen. Scherer kann man aber problemlos zugestehen, daß er eine gelungene Lösung gefunden, sprachlich wie erzähltechnisch eine hohes Niveau durchgehalten hat. Spricht der Buchumschlag von „brillante[r] Sittengeschichte“, so könnte man noch das ein oder andere Kapitel an- und einfügen. Aber ein Anfang ist gemacht und: An „Remeurs Sünden“ werden die schwulen Romane der nächsten Jahre sich messen lassen müssen.

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