Durch die Zeit

Tag: Straßenbahn

In der Straßenbahn

Neben und vor mir zwei Jungstudierende, männlich und weiblich, christlich angehaucht und gerade im Bekenntnismodus („Sowas kann ich halt nur mit Dir, da fühle ich mich halt so wohl, weißt du? So eher zuhause“). Zwei Haltestellen weiter steigt ein Kommilitone etwas weiter hinten in die Staßenbahn ein. Beide fänden es richtig gut, wenn er sich aber zu ihnen setzen würde. Also was machen sie? Genau, sie zücken ihre Handys und versuchen ihn auf sämtlichen Kanälen, die solch Jungstudierende haben (SMS, Whatsupp, FB, Insta, Anruf, …), zu erreichen – erfolglos. Dann versuchen sie es mit Gedankenübertragung und sind sich sicher, dass, wenn sie ihn nur intensiv genug anschauen, er sie auch bemerken würde. Aber auch dieser Glaube versetzt weder Berg noch den Kommilitionen. Nach ca. zehn Haltestellen kommt zumindest er auf den Gedanken, man könnte ja auch rufen – findet sie aber „echt nicht gut“ und eine Haltestelle weiter, wieder er, man könne ja hingehen. Lohnt dann aber nicht, weil sie an der nächsten Haltestelle gemeinsam aussteigen.

Einst

Vor Jahren hätte ich die Hitze echt besser ab haben können. Da wäre ich nach der Arbeit noch schnell mit dem Rad zu Schweinebucht gefahren, um den nackten Körper noch der Sonne anzubieten (und ggf. etwas zu schwimmen, aber nur etwas). Aber jetzt. Jetzt schleiche ich mich in die Straßenbahn, bin froh, einen Sitzplatz zu bekommen, genieße die Kühle des Supermarktes und bewege mich zu Hause im Zeitlupentempo.

Aber besser als frieren ist es allemal.

WSMDEGT 03/18

Wie letzten Monat, mache ich wieder mit bei der Frage: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

6:30 – Nichts neues: Der Wecker!
6:35 – Auch nichts neues: Nochmals der Wecker!
6:37 – Teewasser aufsetzten, Heizung aufdrehen, Bad gehen – und sogar anziehen.
6:48 – Brote schmieren, Zeitung laden, Tee schlürfen
6:50 – Zeitung lesen, Tee schlürfen, Heizung abdrehen – draußen hat es Plus-Grade, da braucht es das nicht mehr.
7:10 – Zeit für die Straßenbahn.
7:16 – Ich schaffe mal wieder die 3.
7:29 – Ich ’steche‘ mich ein.
7:35 – Es wird ein langer Tag, denn ich vertrete das Sekretariat bis 15:30. Etwas zu tun habe ich sogar und hin und wieder kein weißer Elefant, sondern Telefonklingeln.
12:18 – Ich hab‘ mir einen Burger verdient, jawoll!
12:49 – Zwischen den wenigen Telefonaten lese ich in „Friedinger“ von Stefan Kutzenberger.
15:40 – Auf der Straßenbahn und zurück.
16:05 – Bisschen Internet, Mails, nackte Männer, Blog … was halt so ansteht.
16:25 – Tageslektüre. Quäle mich durch drei Seiten von „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche (das Buch erreicht mich absolut nicht) und exzerpiere dann akribisch zwölf Seiten der echt spannenden Abhandlung „Das Leben nehmen – Suizid in der Moderne“ von Thomas Macho. (Nur damit das klar ist: Ich habe nicht im geringsten die Absicht mich zu suizidieren, sondern habe in einem anderen Kontext des öfteren mit suizidalen Menschen zu tun. Was Macho da auf den ersten 60 Seiten an Grundfragen stellt (Wem gehört eigentlich mein Leben? Mir? Den Eltern? Gott? Göttern? …) und an Denkmodellen aufzeigt, ist einfach rasend spannend.)
17:10 – Nochmals paar nackte Männer gucken und flickr gerade ziehen.
17:25 – Da ich gestern (endlich) mit „House of Cards“ fertig geworden bin (5. Staffel – in der Zeitung gelesen, dass die 6. gerade online geht), gönne ich mir nun Suburra. Derweil umziehen.
18:10 – Wieder auf die Straßenbahn.
18:20 – Wieder hätte ich die 4 fahren lassen und auf die 7 gewartet. Aber ich brauche die 4, nicht die 7!
18:45 – BMW*-Sport bzw. Alt-Herren-Gymnastik. T. quält auf angenehme Art, packe u.a. die 4 x 20 Alt-Herren-Liegestützen (also mit aufgesetzten Knien). Und damit die Psyche auch noch schön gequält wird, gibt es Schlager aus den 70gern – noch zehn Minuten länger, und ich hätte alles gestanden.
20:02 – Wieder zu Hause: Es gibt Börek, Tomatensalat und Bier. (Das kann mit nocheinglaswein natürlich nicht mithalten.)
20:50 – Der montägliche Chat mit U. Und wenn die Spontanität in eine Buchung führt, bin ich demnächst mir ihr an der Ostsee.
22:15 – Allgemeines Abschimmeln.
23:35 – Mal langsam ins Bett. Friedinger wartet.


*BMW = Bauch muss weg

Schritt für Schritt

8.730 ist die aktuelle Schrittzahl für heute. Aber nur deswegen, weil ich von der Arbeit nach Hause gelaufen bin (gut 5.000 Schritte in 40 Minuten). Und das deswegen, weil ich mir dachte, ich sollte auch mal schauen, ob ich auf 10.000 Schritte am Tag komme. Und nach den ersten vier Tagen steht fest: Das ist eine echte Herausforderung.

Es ist schon erschreckend, wie wenig ich mich derzeit bewege, da ich das Rad derzeit im Keller stehen lasse und die Straßenbahn nehme. Andererseits ist es wiederum faszinierend, dass so ein kleines Gerät, was gerade mal eine Zahl anzeigt, dazu animiert, Wege zu überlegen, die man gehen könnte.

Und es gibt noch einen weiteren schönen Nebeneffekt: eine weitere Excel-Tabelle, die man täglich pflegen kann.

 

Noch so’n Tick

Hin und wieder, eigentlich öfters, gehe ich, wenn ich auf die Straßenbahn oder auf den Bus muss, sehr, sehr rechtzeitig hin, um, auf der Bank sitzend, dann noch etwas Hörbuch zu hören und auf dem Handy etwas zu spielen.

Die Haltestellenbank als der Ort der Weltabgeschiedenheit.

Klimawandel oder was?

S. der ich wie ihrem Mann meinen derzeitigen Job zu verdanken habe, kam gegen Mittag zu mir runter, um mir Ihre Wochenkarte anzubieten (die sie dann doch zu Hause liegen gelassen hatte). Herr. Q., dem ich ja zu arbeitet, wünschte mir ein gutes Heimschwimmen. Der Weg von der Straßenbahnhaltestelle (200 Meter und noch ein paar) haben dann gereicht, bis auf die Haut nass zu werden. Warten hätte sich nit gelohnt. Äh, 1. Juni? Sonne? Nackt auf dem Balkon? War da mal nicht was?

Morgen leiht mir S. dann die nicht vergessenen Wochenkarte für den Rest der Woche.

Verschlafen

Den Tag. So gut wie jedenfalls. Bis auf den Abend mit A. und Spargel.

Jetzt noch einen Wein, etwas Winslow, viel Bett – und den Luxus, mir morgen ne Wochenkarte für den Nahverkehr zu kaufen, soo überhaaupt keeine Luust beii deer Käälte Raad zu faahren.

 

Nachtrag zu: Die Maßnahme (33)

Den dort erwähnten „netten Arsch“ kenne ich schon seit zwei, drei Jahren, wie mir gerade überfallsmäßig einfällt. Im Winter, wenn ich dann Straßenbahn fahren musste, stand er nämlich immer auch am gleichen Bahnsteig. Und mich hat immer schon gewundert, wie jemand so hübsch, wenn nicht gar schön sein kann, aber zugleich so was von langweilig wirkt. Er ist mir auch nur deswegen aufgefallen, weil er heute Morgen wirklich meinte mir die Vorfahrt nehmen zu können – worauf ich mich ja nie einlasse – und er, wohl leicht in seiner Männlichkeit frustriert, einen halben Kilometer später beweisen musste, dass er (scheinbar) mehr in den Beinen hat – und mich überholte. OK, ich war sicherlich schon mal fitter, aber noch bin ich Herr meiner geistigen Kräfte und der Erfahrung. Also guckte er dann schon etwas blöd – und ich hab‘ das gesehen – als ich an ihm 400 Meter später locker vorbeizog, weil er so brav war und wegen eines hirnamputierten Autofahrers bremste, während ich links vorbei bin und dem Deppen in der Blechkiste noch ein herzliches „Arschloch“ in die Fensterschreibe brüllte. Patt-Situation dann an der Ampel, kurzer Blickkontakt – unklar, ob man grinsen sollte oder cool tun – und ich geb’s einfach zu: Ich hab dann genau den Moment gezögert, dass er vor mir in den Pedalen war. Also die anderen drei Standradfahrer überholt und ich schön eine etwas längere Strecke hinter ihm her, also mein Vorder- an seinem Hinterrad – und immer schön gedrängelt, mal gehustet und so, damit ihm klar war, dass er noch ’nen Zacken zulegen muss, wenn er die Blamage nicht erleben will, dass ich ihn wieder überhole. Und er hat sein bestes gegeben.

Beim Radfahren bin ich echt so was von hetero – überholen darf man mich nur, wenn ich das will (oder einsehen muss, dass ich gegen ein 3.000-Euro-Rennrad mit einem Typen drauf, der jede Woche 1.000 km fährt, keine Schnitte habe). Noch kriege ich jeden, der es wagt – und dieses ’noch‘ möchte ich bis zum nächsten Geburtstag aufrechterhalten. Dann, ja dann werde ich das ein oder andere einsehen müssen – und es wird schwer, richtig schwer werden.

 

Anton Weyrother

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