Durch die Zeit

Tag: T.

Endlich: 4. Etappe

Dank T., der für den Transfer zum Startpunkt und vom Endpunkt sorgte, und Dank E., der heldenhaft mit mir wanderte, endliche die 4. Etappe eine ‚Steiges‘ gemacht, den ich vor zwei Jahren begonnen hatte. Probelm bei der 4. Etappe war einfach das, ich wäre mit öffentlichen Verkehrsmitteln nie wieder nach Hause gekommen.

Also stapften mehr als 100 Jahre Lebensalter 22 Kilometer durchs Land – und wäre Heine hier vorbeigekommen, er wäre ausgetickt und seine Winterreise wäre um einige Seiten länger.

Viel Wandererfahrung hab ich ja nicht – aber diese insgesamt 87 Kilometer muss man erstmal woanders finden.

Ich bin jetzt gerade echt runter mit der Bereifung, denn das Streckenprofil war jetzt nicht gerade unanstrengend.

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Das Bild hier nach gut einem Drittel der Strecke. Zwischenziel war die Burg da hinten in der Mitte, von der es dann aber nochmals sechs Kilometer bis zum Schluss ging.

 

So, …

… bin dann mal kurz Mosel gucken.

Tja, statt Neapel …

… wird es jetzt die Mosel.

Statt fünf Tage nur drei.

Aber immerhin hat sich die Reisebegleiterin nicht geändert, die nach wie vor verschiedene Lüste hat. Wie gut, dass ich sie auch habe.

Küssen kann man nicht alleine

Jetzt mussten halt mal T. und A. herhalten. Aber mir war einfach danach. Verdient hatten sie es ja eh schon lange. Und war ja auch nur jeweils ein ganz unschuldiger Kuss auf die Wange.

Tagesschnipsel

  • Mein alter Job ist nun offiziel besetzt. Ich kann nicht verstehen, dass die Kollegin, die schon länger als ich im Haus bin und die weiß, was es da (nicht) zu tun gibt, ihn übernommen hat. Einzige Vermutung: Sie ist in meinen Ex-Zimmer-Kollegen so verliebt, wie er in sie.
  • Vormittags mal etwas zu tun gehabt, nachmittags dann wieder Beschäftigungstherapie.
  • Komplett überraschend: Ich habe einen Adventskalender! T. hat sich vorgenommen, mir jeden Tag was per Mail / WU oder sonstwie zu schicken. Heute gleich mal mich um eine Reise beworben, wenn ich gewinne, muss sie mit.
  • Haushaltsverhandlunge in Verein 1. Ich muss morgen da nochmals konzentriert rüber, aber wir werden die Viertelmillionen wohl reißen. Angefangen habe ich vor Jahren bei 100.000.
  • Lesekreis. Erneute Diskussion, was wir nach dem Delius (der neue ist echt nicht gut) lesen. Doch nicht Bernhard, vielleicht Seebald oder gar Seume (nein, bei Reiseliteratur steige ich sofort aus), aber dann doch eher Goethe, wenn nicht vielleicht erstmal nen kurzen Bernhard … Ich habe dafür definitiv keine Nerven und lasse sie alleine diskutieren.

Vorfreude

Ich hoffe E. nimmt es mir nicht übermäßig übel, den ich schon längst in I. hätte besucht haben wollte, aber im März geht es jetzt erstmal für vier Tage nach Neapel mit der Ex. Lese gerade von Roberto Saviano „Die Lebenshungrigen“ und hab‘ davor mit Begeisterung auch „Der Clan der Kinder gelesen“. Und die Ferrante (nur 1. Band gut, dann nimmt es kontinuierlich ab) spielt ja auch dort. Dann gibt es noch Pompei, wo ich als Kind schon immer hin wollte und überhaupt … es ist a) Italien und b) am Meer und c) muss ich nicht alleine fliegen und d) ist es echt ein Versuch, was da dann die Angst mit mir macht und e) sind meinte Ex und ich derzeit auch nicht gerade Kinder der Traurigkeit und f) … ich glaube es ist einfach gerade dran, Neues zu entdecken.

Lieber E., im Januar und Februar hätte ich noch ein paar Tage Urlaub und wenn das mit dem Krieg nicht weiter eskaliert und vielleicht T. auch Zeit hat …

Berg & #489 & Hirsch

Da ich dieses Jahr – warum eigentlich? – kaum wandern war, habe ich die Gelegenheit beim Schopf gepackt und bin zu meinem Lieblingsberg gewandert. Sehr gemächliches Tempo und eher nur so grob orientiert, wie ich laufen wollte. Führte natürlich dazu, dass ich etwas von der Richtung abgekommen bin und einige Kilometer zusätzlich unter den Sohlen hatte – aber da Sonne und genügend Brote und Tee dabei …

Unterwegs war so gut wie niemand, drei Wanderer habe ich auf knapp 20 km gezählt, und selbst am und auf dem Berg dann weite Ruhe, stilles Nichts, viel Sonne, viel Wind und viel, viel blauer Himmel.

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Auf einen der Felsen hochgekletter und erstmal die restlichen Brote gefuttert, bevor ich mir ein fast hüllenloses ‚Sonnenbad‘ (den Begriff habe ich übrigens von Franz Kafka) gönnte (aus Faulheit habe ich die fetten Wanderschuhe angelassen, da ist immer so schwer reinzukommen).

Der Kaffee in einer Art Berghütte wurde mir dann furchbar vor drei Prolls vergrault, die wirklich nur Bullshit von sich gaben und dabei meinten, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Sie haben Bierpreise auf dem Ballermann verglichen und sind zu dem Schluss gekommen, dass, wenn das Bier teurer ist, man auch besser feiern kann.

Ich bin dann einfach T. auf der Straße entgegengelaufen, der so nett war, mich mit dem Auto dort abzuholen (ja, man kann es sich auch einfach machen und da hin fahren!), weil er mich eh treffen wollte. Zuhause dann auf dem Balkon ist er dann mit seinem Thema rausgerückt, weswegen er mich vor zwei Wochen hat ’sitzen lassen‘.

Es ist echt meiner Tätigkeit in Verein 1 und der Lebenserfahrung geschuldet, dass zumindest mir recht schnell klar war, warum und wie der Schuh ihn drückt bzw. warum die Situation ihn so gekränkt hat. Aber da T. echt nicht auf den Kopf gefallen ist, ist er dann mit meinen Fragen schon selber darauf gekommen, was eine Verschiebung im bestehenden System alles auslösen kann. Die Umarmung zum Abschied war mehr als herzlich.

Jungs in seinem Alter haben ja immer Hunger (selbst ich soll es damals gehabt haben – für eine kurze Zeit) und da eine leise keimende Leidenschaft fürs Kochen bei ihm hochwächst, durfte er dann gleich noch seinen ersten (fast flambierten) Hirsch (aus der Keule) braten und die Beilagen machen (Röstkartoffeln, Mischgemüse (frisch), Pilze). Ich mag sein Gesicht, wenn er dann isst und Erstaunen sich abzeichnet , dass er das ja gekocht hat.

Erinnerung aus gegebenem Anlass

Nachher dann noch zu T., private Abifeier. Letzter Woche auch schon bei ihm gewesen, da war Abiball. Bei der Zeugnisübergabe war ich dann aber nicht dabei.

Man begeht die Hochschulreife in der Zwischenzeit groß und ausführlich.

Bei mir damals gab es eine lauwarme Rede des Vizedirektors, die Übergabe des Zeugnis, anschließend ewas zu trinken, etwas Musik und gut war’s. Mir hat man damals dann vorzugsweise konduliert, nicht weil mein Abi so schlecht gewesen wäre (immerhin 2,4! was für meine schulische Begeisterung einer 1,1 gleichkommt) sondern da mein Bruder – der genau wie T. heißt – ja kurz davor tödlich verunglückt war.

Und wie sehr man meine Leistung schätzte, brachte wohl am Besten mein Vater zum Ausdruck, der mir mit folgenden Worten ‚gratulierte‘: „Vor zwei Jahren hätte ich keine fünf Mark auf Dich gesetzt.“

Mir ist gerade etwas bitter.

Vergessen

Eigentlich hätte ich in Verein 1 heute Dienst gehabt. Aber ich war nicht dort. Der Grund: Ich hatte es einfach überhaupt nicht auf dem Schirm. Ehrlich gesagt, habe ich das auch gerade erst entdeckt, als ich mal in den Kalnder geschaut habe. Das mache ich normalerweise mehrfach am Tag – nur heute … .

Ist doof, dass ich nicht hin bin, es ärgert mich auch etwas. Andererseits war es gut, dass ich heute frei hatte, etwas lesen, einen kleinen lustvollen Mittagsschlaf abhalten konnte. Später dann ein bisschen kochen – das Meiste hat eh mein Mann getan – und dann eben A. & T. zum Abendessen. Schön mal wieder, vorallem weil T., wie es mir scheinen will, ein kleinwenig auftaut.

Heute dann auch Rückmeldung von jener Person bekommen, mit der ich letztens so eine lustvolle Nacht hatte. Ich hatte ihr einen kleinen Text dazu geschrieben, wie ich es empfunden hätte und warum, denn es war schon besonders für mich in verschiedener Hinsicht gewesen. Für sie war es anscheinend ähnlich. Aber das besondere war, dass bei uns beiden ein gleicher Grundtenor herrschte. Jetzt liegen die Hürden natürlich hoch, sollte es zu einem „nächsten Mal“ kommen – aber anderereseits, bei dem Grundtenor?

Aufgewacht bin ich heute echt mies und wollte dem Tag noch vor dem Aufstehen dunkelblau geben. Er bekommt jetzt ’nur‘ blau, weil mich die aktuelle Arbeitssituation eben doch bis in den Schlaf beherrscht. A. & T. und mein Mann und mein Lusterlebniss der besonderen Art bekommen im Kopf ohne Diskussion dunkelgrün.

In memoriam

Heute, genau genommen gestern, wenn ich die Uhrzeit mir anschaue, ist der Todestag meines ältesten Bruders. Der 34. Also schon alles ne Ecke her. Aber der Tag ist immer irgendwie komisch. Und nach wie vor macht es irre Knoten im Hirn, dass ich nun viel, viel älter als mein ältester Bruder geworden bin.

Es gäbe darüber echt eine Unmenge zu schreiben, gerade was den bei uns mißratenen Trauerprozess betrifft. In der Zwischenzeit bin ich der Überzeugung, dass ein katholisch geprägtes Trauern im ‚Normalfall‘ vielleicht funktionieren mag – nicht aber wenn ein Sohn / Bruder im Jugendalter stirbt.

Es gäbe eine Unmenge darüber zu schreiben, mit welchen nahezu grandiosen Vermeidungsstrategien ich der Trauer ‚ausgewichen‘ bin oder vielmehr sie mir verboten habe bzw. mußte (?). Erst als ich gut 20 Jahren später in eine analoge Unfallsituation gekommen bin (in meinem Fall komplett ungefährlich, nicht einmal die Hose hatte was abbekommen) konnte ich das erste Mal weinen.

Es mag paradox klingen, aber über die Sprachlosigkeit, über das Schweigen könnte ich ebenfalls eine Unmenge schreiben.

Als ich dann die Neffen von E. kennenlernte, von denen der jüngste ja den Namen meins Bruders trägt, war das eine Wahnsinnsherausforderung, T. mit seinen Namen anzusprechen. Irgendwie war es wie ein ‚Sieg‘, als mir das mit der Zeit dann doch gelungen ist.

Irgendwie hat dieser Tod und die sich daraus ergebenden Folgen – und die Folgen habe ich echt arg, arg unterschätzt – ganz schön das Leben beeinflusst und mein jetziges Angstgedöhns hat sicher damit auch etwas zu tun, denn damals ist mir so eine ’naive‘ Sicherheit, es wird schon alles gut gehen, flöten gegangen.

Wenn ich mir das heute so anschaue, dann kann ich wenigstens konstatieren, dass ich mit dem Thema nach wie vor nicht hausieren gehe, aber damit einen einigermaßen guten Umgang gefunden habe und, wenn das es aufkommt (was aber eher selten ist, ist ja auch kein ’schönes‘ Thema) auch darüber differenziert reden kann. Hilft mir jedenfalls jetzt sehr im Umgang mit Menschen, die gerade trauern.

Es wird ein komischer Tag bleiben: Aber das darf es – jetzt endlich – auch.

 

Anton Weyrother

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