Durch die Zeit

Tag: Theater

Tempo (Nachtrag)

Scheint eine veritable Sommererkältung zu sein.

Aber kneifen ist heute nicht, Dutzende von Kinder (letztes Jahr waren es an die 100) warten auf mich, vielmehr: warten darauf, sich verkleiden zu dürfen und dann fotogarfiert zu werden (von mir – aber wichtiger sind natürlich die Kostüme des Theaters).

Aspirin hilf!

(Notfalls halt Ibo 600 – heute zu geizen wäre falsch.)

Shakespeare – remember

Während ich richtig lange mit P. telefoniere – andere Menschen werden für solche Gespräche bezahlt – schaut mein Mann im Fernsehen Shakespeare, den „Sommernachtstraum“. Die letzten Minuten bekomme ich auch noch mit und erinnere mich nach den ersten Zeilen sofort an meinen zweiten Theaterabend meines Lebens: Shakespeare: Sommernachtstraum. Siggi Schwienteck als Puck (soviel sei verraten – denn wer jetzt gut googlen kann, weiß wann und wo das war). Es war schlichtweg der Beginn meiner Theaterleidenschaft. Nicht nur, weil Schienteck an einem Seil nicht nur über die Bühne sondern auch über die Zuschauer schwang und so tat, als würde er loslassen, sondern auch weil es eine Schülervorführung war. Wenige Jahre später haben mir verschiedene SchauspielerInnen vesichert, dass nach der Premiere die Aufführuntg vor 1.000 SchülerInnen so das Schlimmste ist, was man sich vorstellen kann, denn: Die sind so ehrlich! Ja, das waren wir, im Kollektiv und zwar so richtig ordentlich.

Zurück zu Sommernachtstraum. Ich war 14, vielleicht 15, älter jedenfalls nicht, durfte das Schüler-Abo nur deswegen haben, weil mein älterer Bruder mich begleitete. (Aber nur dieses eine Jahr, dann war ich ’selbständig‘ und durfte auch die beiden Mitschülerinnen danach immer nach Hause bringen, was zwei Jahre später interessanterweise arg, arg lange dauerte).

Zurück zu Sommernachtstraum.Da gibt es so eine Szene, da steht eine Schauspielerin auf der Bühne, wendet sich zum Publikum und gesteht mit allem Schmerz und Verzweiflung der Welt: „Ich bin hässlich wie ein Bär.“ Komplette Stille im Haus, alle tief betroffen ob dieses Schicksals – dann schlägt irgendemjemand (mein Cousin, wie sich später herausstellt) trocken dreimal in die Hände. Totenstille danach. Und danach … das Publikum brüllt, lacht, applaudiert, tost, kriegt sich nicht mehr ein, die Schauspielerin auf der Bühen dreht sich um, man sieht ihre Schulter zucken, ich denke im ersten Moment, sie heult, dabei wird sie von Lachsalven geschüttelt, rennt dann von der Bühne, schmeißt die komplette Szene.

Erst Minuten später geht es auf der Bühne weiter – es war ein Fest.

Die anderen halt mal wieder

Komme gerade von einem türkischen – genauer: alevitischen – Tanz- und Musikabend. Nicht ganz so mein Ding, aber ich bin halt, um meinem Mann einen Gefallen zu tun, mitgegangen, der davon irgendwie nie genug bekommen kann. (Er guckt sich jetzt die zweite Hälfte noch an – ich habe mich mit (echten!) Magenproblemen mal schon verabschiedet.)

Für eine gewisse Zeit finde ich das schon hören- und sehenswert – aber ich erkenne halt so gut wie keine Unterschiede, und wenn da einem nicht wirklich was erklärt wird, dann wird es ein Einerlei mit Unterschieden.

Derweil aber darüber nachgedacht, was eine gleichgroße Menge Deutscher im östlichsten Anatolien auf die Bühne bringen würde, wenn sie auch einen „Deutschen Tanz- und Musikabend“ veranstalten würde.

Meine Generation könnte wohl gerade noch ein paar Lieder der neuen deutschen Welle anstimmen, Lieder von Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer wären wohl auch dabei – ich würde sogar Stefan Sulke (!) anstimmen können -, und ganz Mutige dann noch BAP. Aber über die ersten zwei Zeilen würden wohl nur die wenigsten hinauskommen. Sehr wahrscheinlich käme es dann zum Absingen von Werbesongs – Vorsicht Ohrwurm: „Mars macht mobil, …“ –  Und Tanz, also ‚deutscher Tanz‘ … Fehlanzeige.

Meine Elterngeneration würden sicher noch ein paar Volkslieder mit allen Strophen hinbekommen und – jedenfalls die aus meinem Kreise – ausreichend Kirchenlieder mit allen Strophen bis der Arzt kommt. Aber – mal abgesehen vom biblischen Alter dieser Generation jetzt – wäre es mit dem Tanz auch nicht weit her.

Klar gibt es auf Dörfern immer noch besondere Tänze und Lieder, die aber nie eine regionale Verbreitung gefunden haben. Die aus dem Nachbardorf standen wohl schon längst in Konkurrenz. (Ich vermute, die Bayern muss ich mal ausnehmen, die bekommen außer Bier trinken dann doch noch paar Tänze und Lieder hin – aber gehört Bayern wirklich zu Deutschland?) Und wenn es dann noch Lieder und Tänze gibt, aus welchem Jahrhundert stammen die? Die sind gegen die Tänze und Lieder, die ich heute gehört habe, ja noch nicht einmal in der Pubertät.

Und selbst wenn ich in die E-Musik gehe, gibt es kein kollektives Wissen oder Erinnern an Musik. Test gefällig? Die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart kennt so gut wie jede/r: daa dada dadadada daa daa daa da da da da da daa …und wie geht es weiter?

Klar, es gibt Erklärungsmodelle, warum sich eine Tanz- und Liedtradition in Deutschland nie über Jahrhunderte flächendeckend entwickeln konnte – aber das ändert jetzt gerade nicht den neidischen Blick.

 

P.S. Es war meine erste Veranstaltung in einem Theater, dass mit einer Personenkontrolle am Eingang aufwartete. In welchem Land, in welcher Zeit leben wir denn?

 

Alle Jahre wieder

  • Theaterfest zur Spielzeiteröffnung
  • Auch ohne offizielle Anfrage (wie in den letzten vier oder fünf oder gar vielleicht sechs Jahren) erkläre ich mich bereit, wieder zu fotografieren.
  • Und zwar kostümierte Kinder vor Hintergrund. Dieses Jahr eine Sänfte (zum reinsitzen) vor Waldhintergrund mit Plastikbaum.
  • Der Andrang gewohnt enorm.
  • Die Ausnahme in diesem Jahr: Um 13:33 Uhr gibt es für vier Minuten nichts zu tun. Zeit, um eine Kollegin meines Mannes bitten zu können, uns einen Kaffee zu holen. (Denn mein Mann hat die Aufgabe, die gemachten Bilder auszudrucken und wer weiß, wann das nächste Kind kommt. Nach vier Minuten.)
  • Gegen 14 Uhr frage ich meinen Mann, ob noch genug Geld da ist, für einen weiteren Kaffee. Seine Antwort: „Es reicht für eine Kanne – die Frage ist, wer sie holt!“ Er am ausdrucken, ich am photographieren, alle anderen am an- oder auskleiden (und mit Kindern ist das nicht ganz soo einfach).
  • „Kann ich Ihnen gerne gleich holen. Einfach nen Kaffee oder was anders?“ Eine Mutter! Zwei der drei Kinder habe ich schon abgelichtet. “ Wenn die Dritte durch ist, hole ich es Ihnen.“ Mein Mann greift zum Geldbeutel. „Lassen Sie das bloß stecken!“ Zehn Minuten steht der Kaffee da, die Spenderin schon über alle Berge.
  • Nach drei Stunden Kind einrichten, auf den Boden knien, Foto machen, hochkommen, Speicherkarte übergeben, andere Speicherkarte nehmen, Kind einrichten, auf den Boden knien … werde ich tierisch müde.
  • Offiziell dauert das Shooting vier Stunden. Wie immer werden es fünf.
  • Die Abteilungschefin duzt mich. Das gab’s noch nie.
  • Die Pressefrau, die mich sonst gefragt hat, ob ich … schaut nicht einmal vorbei.
  • Die Tageszeitung findet, wie immer, gefallen an der Aktion. Ich nenne meinen Namen und werde gebeten zwei Kinder zu fotografieren und zwar so, dass es für den Tageszeitungsfotografen gut aussieht, von meiner Position aber unmöglich wäre, auch nur eins der Kinder zur Hälfte aufzunehmen.
  • Die Thunfisch-Tramezzinis meines Mannes schmecken wie jedes Jahr zu diesem Zeitpunkt einfach nur geil.
  • Ich trinke – entgegen aller meiner Gewohnheiten – zwei Flaschen Wasser, pinkeln muss ich dennoch nicht.
  • Einige Mütter machen sich die Mühe, auf mich zuzukommen und sagen „Danke“ oder „Schöne Aktion“ oder sowas.
  • Eine Mutter kommt auf mich zu und sagt: „Danke, dass Sie sich mit der Inszenierung so viel Mühe geben. Ich hätte nie gedacht, dass ein Handhaltung soviel ausmachen kann.“
  • S., J., und V. überraschen mich mit jeweils einer Umarmung – dass ich nach Schweiß stinke, müssen sie halt in Kauf nehmen.
  • Wir haben gerade versucht zu rekonstruieren. Über 225 Bilder ausgedruckt, entspricht, da Mehrfachdruck, min. 150 Kindern, d.h. im Durchschnitt zwei Minuten pro Kind. Will ich gerade selber nicht glauben … aber wir sind das gerade nochmals die Abläufe durchgegangen … der Durchschnittswert ist realistisch. Denn es gibt Kinder, die stehen wie eine 1 und da braucht es dann 20 Sekunden um 4 gute Fotos zu machen, bei andern braucht man 3 Minuten, bis sie überhaupt die Füße auf dem Boden haben.
  • In dem Moment, als ich zu Hause war, und ich die Hose ausziehen wollte, klingelt es an der Tür. Unter die Dusche kam ich dann erst ne gute Stunde später.
  • Und nach der Dusche hieß es: in einer Stunde kommen 4 Gäste … aber geplant ist geplant: Sekt – Salat mit geräucherter Forelle – Rindergulasch mit Pilzen und Knöpfle (natürlich selbstgemacht) – Tarte Tartin / diverse Getränke.
  • Morgen nach den Abwasch … da lege ich mich in die Badewanne … oder so … oder was anderes …

Geht’s noch?

Zur Zeit bin ich ja echt so etwas vorsichtig. Und ich hab schon etwas länger überlegt, ob ich da mittelalterlich kochen will. Und als mir endlich klar war, dass ich die Herausforderung annehme, da kam die Absage. Das ist Frust hoch zwei. Und ne Freundin, U.,  meinte zudem heute abend, dass ich um 22:30 Uhr für sponate Korrekturarbeiten auch zu Verfügung stehe bei einem Brief an den Chef, den man durchaus mal hätte noch diskutieren können … aber so einer, der keine Arbeit hat … der nickt doch alles ab … oder welche Rolle habe ich da gerade? Und die vier stressigen Stunden heute im Theater … logisch, dass da niemand „Danke“ sagt. Ich darf immerhin mit gutem Erfolg mal um eine (!) Freikarte betteln (aktiv).

„Ich bin der Welt abhanden gekommen“ dichtete dereinst Friedrich Rückert. Ich dichte dann mal aus aktuellem Anlass: „Die Welt ist mir abhanden gekommen.“ Scheiß gerade aber sowas auf drauf, wer oder was aktiv oder passiv ist.

Alle Jahre wieder

Theaterfest. Die Damen- und Herrenschneiderein stellen Kinderkostüme bereit. Die Bühnenbildner stellen einen Wand auf mit einem Waldmotiv, daneben zwei antike Säulen. Die Requisite stellt eine venenzianische Gondel davor. Die Beleuchtung stellen zwei Scheinwerfer auf. Der Theaterphotograph überlässt Computer und Photodrucker.

Und dann stehen kostümierte Kinder Schlange, um vor dieser Kulisse von mir photogarpiert zu werden. Dann ist, wie in den letzten Jahren, wieder Akkordarbeit angesagt. Mal auf den Knien, dann nur gebückt. Mal ein Kind hochheben, mal ein Kind runterheben. Vier Stunden und wohl weit mehr als 100 Kinder.

Die Badewanne hatte ich mir verdient.

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