Durch die Zeit

Tag: Thomas Bernhard

499.436 in 1.572

Diesen Beitrag widme ich nocheinglaswein – denn ohne sie hätte ich einfach in einem Buch weitergelesen.

Und es begab sich vor mehrern Tagen, dass ich auf dem Blog von besagter nocheinglaswein auf einen Beitrag stieß, in dem sie kurz schrieb, dass sie gerade ihre Bücher, korrekter deren ISBN-Nummern, scannen würde. Das hat mich elektrisiert und einen Nachrichtenaustausch später, hatte ich die App auf meinem neuen Tablet.

Zugegeben, es macht Spaß die Kamera auf den Barcode zu halten und – schwupps – hat man Titel, Autor, Verlag, Seitenzahl, Erscheinungsjahr, Cover und manchmal noch mehr auf dem Display. Gut, manchmal funktioniert es nicht sauber, da muss man die ISBN selber eintippen. Gut, manchmal hilft das auch nicht so richtig weiter und man mus alle Angabe selber eintippen. Und wenn man nicht aufpasst, fehlt irgendeine Angabe oder den russischen Autorennamen hat man in mehreren Schreibweisen, oder die Titel sind falsch, oder …

Es ist eine Sauarbeit (vorallem, weil gefühlt 80% meiner Bücher keinen Barcode besizten)!  Dutzenden von heftigsten Niesanfällen später weiß ich also: Ich besitze mindestens 1.572 Bücher (ein paar sind noch bei E.) die es auf insgesamt 499.436 Seiten bringen. Davon habe ich 65,3% der Bücher und 58,8% der Seiten gelesen. Stimmt natürlich alles nicht. Zum einen verstecken sich hinter mancher ISBN-Nummer mehrbändige Werke und nicht alle Bücher weisen Seitenzahlen auf.  Kann man ein Lexikon, welches man seit 30 Jahren nutzt nun als ‚gelesen‘ kennzeichnen oder nicht und wie verfährt man bei Bildbänden, Reiseführern, Sammelbänden, …

Aber ich weiß jetzt wenigstens, welche Bücher mir über die Jahre verloren gegangen sind (u.a. „Der Untertan“ von Heinrich Mann – Pflicht in jedem deutschen Haushalt) und was für Schätze lagern (u.a. ein Erstdruck von Frans Masereel).

Am interessantesten ist aber die Aufzählung der TOP-14-Autoren. Handke und Kafka sind meiner frühen Jugend geschuldet. Warum Frisch sich nicht da vorne findet wundert mich, da ich so gut wie alles von ihm gelesen habe, da scheint doch einiges verloren gegangen zu sein:

  1. Marcel Proust
  2. Thomas Bernhard
  3. William Shakespeare
  4. James Joyce
  5. Bertolt Brecht
  6. Philip Roth
  7. Arno Schmidt
  8. Fjodor M. Dosotjewskij
  9. Ralf Rothmann
  10. Hermann Broch
  11. Peter Handke
  12. Hermann Hesse
  13. Franz Kafka
  14. Wolfgang Koeppen

Zehn Minuten und Thomas Bernhard

  • So, jetzt ist es raus. M. verlässt die Abteilung (bzw. wird verlassen – so genau klar ist das nicht). Die Art und Weise, wie die oberste Führung mit ihm umgegangen ist, war definitiv nicht in Ordnung. Aber das er jetzt uns tritt, ist auch nicht gerade so ganz OK.
  • Ich liebe Thomas Bernhard (falls das jemand noch nicht wissen sollte): „Wir haben das Alter erreicht, in welchem wir selbst der Beweis sind für alles, was uns zu  unseren Lebzeiten zugestoßen ist.“ (Der Keller)
  • Ich bin gerade etwas froh, dass ich einigermaßen in Balance bin.
  • Jetzt stehe ich schon zehn Minuten früher als sonst auf, verpasse aber dennoch immer die eine Straßenbahn, die ich haben will. Wo, bitte schön, verschwinden diese zehn Minuten?

Tagesschnipsel

  • Mein alter Job ist nun offiziel besetzt. Ich kann nicht verstehen, dass die Kollegin, die schon länger als ich im Haus bin und die weiß, was es da (nicht) zu tun gibt, ihn übernommen hat. Einzige Vermutung: Sie ist in meinen Ex-Zimmer-Kollegen so verliebt, wie er in sie.
  • Vormittags mal etwas zu tun gehabt, nachmittags dann wieder Beschäftigungstherapie.
  • Komplett überraschend: Ich habe einen Adventskalender! T. hat sich vorgenommen, mir jeden Tag was per Mail / WU oder sonstwie zu schicken. Heute gleich mal mich um eine Reise beworben, wenn ich gewinne, muss sie mit.
  • Haushaltsverhandlunge in Verein 1. Ich muss morgen da nochmals konzentriert rüber, aber wir werden die Viertelmillionen wohl reißen. Angefangen habe ich vor Jahren bei 100.000.
  • Lesekreis. Erneute Diskussion, was wir nach dem Delius (der neue ist echt nicht gut) lesen. Doch nicht Bernhard, vielleicht Seebald oder gar Seume (nein, bei Reiseliteratur steige ich sofort aus), aber dann doch eher Goethe, wenn nicht vielleicht erstmal nen kurzen Bernhard … Ich habe dafür definitiv keine Nerven und lasse sie alleine diskutieren.

Haltbarkeitstest

Im zweiten Programm des Hessischen Rundfunks gibt es eine richtig gute, viel zu selten gesendete Literatursendung mit dem (mir unerklärlichen) Namen „Schöne Aussicht“. Neben den drei, vier Neuerscheinungen müssen die Teilnehmenden auch immer ein Buch lesen, das schon ein paar Jahre oder ein paar wenige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wenn ich mich recht entsinne firmiert dass dann unter „Haltbarkeitstest“. Die Frage: Hat ein Buch, was – sagen wir mal – vor 15 Jahre ein echter Aufreger war, heute noch Bestand? Sagt es noch was? Oder ist es schon veraltet?

Im Lesekreis lesen wir gerade „Tod des Vergils“ von Hermann Broch. Den Haltbarkeitsstest hat es definitiv nicht bestanden. Nach den ersten 200 Seiten haben wir heute beschlossen, nur noch die das Ende (ca. 30 Seiten) zu lesen und die dazwischenliegenden 200 Seiten zu überspringen (vielleicht finde ich ja ne gute Zusammenfassung irgendwo). Der Roman ist sicher ein wichtiges literaturhistorisches Zeugnis, aber aus dem Heute eine sehr anstrengende und wenig lohnende Zumutung.

Broch / Vergil bekommt jetzt noch einen großen Abschlussabend, dann werden wir wohl mit was „dünnem“ von Thomas Bernhard weitermachen und uns dann dem Gilgamesch Epos – auch nicht gerade dick – ergeben.

azzuro – bleu – azul – niebieski – blue

Vorgestern vor der Therapie hatte ich so richtig schlechte Laune, die allerschlechtest Laune würde Thomas Bernhard an dieser Stelle schreiben, und hab‘ der auch ein kleinwenig in der Einstiegsrunde Ausdruck gegeben. Ich glaube, dass ist so ein Nebentherapieerfolg.

Mir stinkt es gerade in beiden Jobs gewaltig: in dem einen habe ich nach wie vor nix zu tun und in dem anderen traut man mir nix zu. Da werden dann Bedenken geäuußert ob nach drei Monaten … und ob ich nicht noch erst noch warten will … und ich könne ja erstmal schauen, ob ich die eine Bescheinigung ausfüllen kann (d.h. da trägt man eine Adresse und einen Namen ein!) … seis drum.

Schon vor der Therapie war mir klar: Donnerstag mache ich blau. Nicht nur allein der Gedanke hat gut getan (wie überhaupt Therapie vorgestern, denn etwas entlastende hat sie dann schon, vor allem, mit dem Wunschkarusell am Schluss) sondern der ganze Tag gestern. Das Bemerkenswerte war (und ist): Ich hab‘ einfach kein schlechtes Gewissen – und es will sich auch heute, am zweiten Tag nicht einstellen.

Der Keller

So lautet einer der fünf autobiographsichen Erzähltexte von Thomas Bernhard, die alle absolut und uneingeschränkt (!) lesenswert sind. Aber den Keller meine ich jetzt nicht, sondern unseren.

Mein Mann scheuchte mich heute hinunter, um gemeinsam zu schauen, was weg kann. Und es ist so, wie Komilitone U. vor Jahren schon behauptete: „Der Keller ist nichts anderes als eine vorgelagerte Müllhalde“.

Aber auch im Dreck – „denn Gold findet man auf der Straße und Straßen sind aus Dreck gebaut“ (M.M.W.) – fand ich noch ein paar kleinere Schätze, u.a. eine Zeitungsfoto, auf dem ich als Jüngling zu sehen bin (bald wohl auch hier), ein paar Casetten von denen ich hoffe, dass ich sie noch digitalisieren kann (eine Raubkopie einer tollen Lesung und ein sechsstündiges Interview, was ich vor Jahren (*lach* – da war ich 21) mal mit einem KZ-Häftling geführt habe), ein paar andere Fotos, u.s.w.

Und – unvermeidlich – noch einige Exemplare Unterwäsche, die letztendlich dann doch noch gut in mein Unterwäschenmuseum gepasst hätten. Aber den Plan habe ich ja in der Zwischenzeit aufgegeben. Vom knappsten String bis zum Ganzkörperbody hatte ich echt alles, in allen Stoffen, Schnitten, Farben, Fabrikaten, … Richtig sicher bin ich mir nicht mehr, aber ich meine, dass ich auch einen Leopardenfell-String hatte. Interessant zu beobachten, dass ich, als ich die Teile noch mal kurz durch bin, bei fast jedem sofort wieder wusste, wie sie sich trugen und warum ich sie aussortiert habe. Fünf Teile haben dann nochmals Gnade gefunden.

Ach ja: Und Wein ist echt ausreichend da. Ein ganzer Schrank voll. Von mir gekauft. Aber komplett vergessen.

 

Thomas Bernhard, oder: Gar nicht so schlecht!

Die Lesung sollte um 19:30 beginnen. Da nicht nur der Veranstalter sondern auch C. und ich nun nicht wirklich berühmt bzw. bekannt sind (wir machen nur einmal im Jahr so eine Lesung) haben wir, wie jedes Jahr bisher mit 20 Leuten gerechnet. Bestuhlt wird immer für 30.

Um 19:20 waren schon die ersten drei Stühle besetzt, um 19:25 schon derer fünf. Um 19:32 musste H. dann in den Keller, um weitere 10 Stühle zu besorgen. Was mich echt gefreut hat, denn entweder zog Thomas Bernhard oder manche mögen es, wie C. und ich lesen. Wir teilen uns die Texte teilweise nicht nur nach Absätzen oder Sätzen auf, sondern bishin zu einzelnen Wörtern – wenn es passt. Im Grunde ist das – neben der Auswahl – die eigentlich Arbeit, herauszuarbeiten, wie wir die Stimmen verteilen.

Diesmal saß C. noch am Klavier, brachte noch einen weiteren C. mit der bei einem Stück das Cello beinahe zersägte – auf dem Programm standen Bartók, Janácek, Mozart und Skoryk – was sich als eine überraschend runde Sache erwies. (Und C. zu beobachten, wie er auswendig das Klavier an seine absoluten Grenzen bringt – klasse einfach!)

Kurz: Es hat – wie jedes Jahr – richtig Spaß gemacht!

Und: Der Aufwand hat sich wieder gelohnt.

Und: Ich wußte es schon immer – bei Bernhard kann man richtig gut lachen (was das Publikum – an den richtigen Stellen übrigens – auch tat).

Und: Der freiwillige Obolus am Ausgang, vermutlich war es der Musik geschuldet – aber für C. und mich wurde es zum ersten Mal dreistellig. (C. Nr. 2 hatte von sich aus sofort auf ein Beteiligung verzichtet, weil er sich bei seinem Job auch locker leisten kann – fand ich echt hochanständig.)

WMDEDGT 09/16

Mach‘ ich mal mit. Frau Brüllen fordert wie jeden Monat auf, den 5. eines Monats zu protokollieren: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

6:20 – M. gibt mir einen Guten-Morgen-Kuss. Ich döse weiter.
6:45 – Erstes Klingeln.
6:51 – Zweites Klingeln, aufstehen, Bad, Hemd anziehen.
7:08 – Brote machen. Während das Teewasser kocht, Kurzssprint zum Briefkasten, Zeitung holen, danach Tee und Lektüre.
7:21 – Klamotten anziehen, Sachen packen, Wohnung abschließen.
7:23 – Rad aufschließen (frisch aus der Reperatur) und die knapp vier Kilometer in Angriff genommen.
7:41 – Ankunft.
7:43 – Öffen Büro, Rechner hochfahren, Kanne Tee kochen.
7:50 – Mailprogramm öffnen: Keine Mails! D.h.: Wie fülle ich die Langeweile bis 12 Uhr aus. Daher scanne ich 15 Alt-Vorgänge und lege sie in der Datenstruktur ab, lese im Internet Zeitung, esse meine Brote, verändere weitere 200 Dateititel von „in ARCHIVnummer“ in „Archiv-Nr“ per STRG+V, schaue aus dem Fenster, kratze mich am Sack, spreche drei Sätze mit dem Abteilungsleiter, der ein eigenes Telefon verspricht, schaue aus dem Fenster, schaue auf die Uhr, … .
12:08 – Aufbruch nach Hause.
12:30 – Ankunft zu Hause. Klamotten aus, T-Shirt an. Anschließend Geschirr spülen und gleichzeitig eine Portion Bratkartoffeln machen.
12:55 – Bratkartoffeln nebst erneuter Zeitungslektüre.
14:00 – Hochfaren des Rechners, Mails checken (auch keine), Blog checken (zwei Klicks, nicht mehr), Flickr checken (Stillstand), Tumblr checken (gefühlt 200 neue Bilder von denen ich gefühlt 180 schon gesehen habe).
14:15 – Mittagsschlaf mit Autoerotik.
15:00 – Die nächste Tasse Tee wird gekocht. Anschließend Bibel-Lektüre (Blog-Projekt dazu HIER).
15:25 – Klamotten anziehen, Bernhard-Bücher schnappen, Kopien machen gehen.
15:50 – Festlegen, wer welche Stelle liest, nur kurz von M. unterbrochen.
18:10 – Während M. Brot backt, döppe ich die Bohnen, koche sie, mache Spätzleteig, presse den, lass eine große Portion Butter flüssig werden, trinke derweil einen Amaro, ne, zwei.
18:45 – Festliches Abendessen.
19:15 – Ich falle ins Fresskoma vor dem Fernsehen, bekomme aber inhaltich eigentlich nichts mit.
20:15 – Rufe P. an, um mit ihr einen Biertermin auszumachen.
20:28 – C. steht vor der Tür, etwas Geplaudere, dann erste Leseprobe.
22:40 – C. macht sich wieder auf den Heimweg, ich schimmel noch etwas vor dem Fernseher.
23:25 – Überraschend früh suche ich da Bett auf.

 

T.B.

Demnächst darf ich, wie in den letzten Jahren, wieder zusammen mit C. vorlesen. Begonnen hatten wir mit Joyce, dann kam Proust, dann Schmidt. Jetzt muss Thomas Bernhard daran glauben.

Als ich dem Veranstalter mailte, aus welchen Texten ich mir vorstellen könnte zu lesen – „Der Keller“, „Der Untergeher“, „Die Auslöschung“ – hatte der nix besseres zu tun, als das als Programm gleich mal als fix anzukündigen.

Das Wochenende jetzt reserviert, um aus den drei Texten passende, lesbare Stellen zu finden … und … ich blätterte also so durch die Texte, bei allen dreien hatte ich wenigsten ein paar Stellen noch im Hinterkopf die mich damals toll fand, fand sie dann zügig auch.

Ich fand’s dann schon erstaunlich, dass ich nach keinen zwei Stunden die drei Hauptstellen identifiziert hatte, dazu noch ein kleines ‚Rahmenprogramm‘ mit Gedichen von ihm und bei „Die Auschlöschung“ natürlich den ‚Witz‘, den ersten und letzten Satz als Rahmen zu lesen.

Mich erstaunt echt, dass ich bei Texten, die ich bspw. das letzte Mal 2001 gelesen habe, zwar nicht mehr die Seitenzahl weiß, wo die Stellen genau sind, aber wenn ich reinlese, weiß ich sofort, ob davor oder danach.

Und C. hat auf meine Mail sogar innerhalb 24 Stunden geantwortet, Montag um 20:30 erste Probe, die sehr lange dauern wird, da wir nicht nur die Rollen verteilen müssen – ok, da setz ich morgen schon mal dran – sondern auch abschätzen müssen, wie lange wir für welche Text brauchen und wo wir dann kürzen müssen / sollen / können.

Lesung

Seit drei Jahren darf ich ja einmal im Jahr ein Lesung veranstalten, d.h., C. und ich lesen vor. Bisher hatten wir Joyce, Proust und Schmidt (also deN Arno Schmidt). Der Veranstalter hat uns jetzt etwas unter Druck gesetzt, weil wir Mitten des Jahres immer noch mit keinem Vorschlag gekomen sind. Also wieder Not-Sitzung halbnackt auf dem Balkon und, siehe da, die Unispiration verfliegt nach wenigen Minuten und eine Stunde später haben wir ein 10-Jahres-Programm aufgestellt. Und für das mag ich C. so ungemein.

Wir lesen übrigens: Thomas Bernhard

WA TB

Thomas Bernhard lässt sich auch nicht lumpen. Gerade hat man die Werkausgabe bei Suhrkamp abgeschlossen. Gegenüber AS will man aber nur schmale ca. [sic!] 711,80 Euro.

Boa, juckt das in den Fingern.

 

+ 1989: Thomas Bernhard

Ich war 20 und ZDL. Ich lag mit Nierenkoliken in meinem knapp 8 qm großen Untermieterzimmer im Keller mit vergitterten Fenstern und Ausblick auf eine Garage. Ich kannte noch niemand in der Stadt oder im Krankenhaus. Aber es geschah dann doch, dass die Vermieterin mir Thomas Bernhard empfahl – so meine ich mich zu erinneren, auch wenn es eigentlich gar nicht passt. Egal. Also wankte ich jeden Tag zu erst zum Arzt („Kaufen Sie sich einen Kasten Bier – Bier warm machen – trinken – Treppen hoch  und runter – dann geht der Nierenstein schon irgendwann ab“ so der Arzt) dann in die Buchhandlung um mir eins der schmalen Bändchen nach dem anderen seiner autobiographischen Werke – Die Ursache, Der Keller, Der Atem, Die Kälte und Ein Kind – zu kaufen.

Und seitdem bin ich – „naturgemäß“ – Benhard verfallen. Seit ich seitenweise „in die entgegengesetzte Richtung“ gelesen habe und „in die entgegengesetzte Richtung“ nämlich in Richtung „Scherzhauserfeldsiedlung“. Und irgendwann hatte ich dann „Die Auslöschung“ in den Händen in meinen Augen das beste von ihm. Es gab bisher wenige Bücher, die ich nach 3, 4 Seiten wieder an die Seite legte und das Gefühl hatte, zwei Stunden intensiv gelesen zu haben.

Das sag ich, seit ich 7 Jahre alt bin

2014-04-26 11.34.12

Und ein paar Jahre später bekomme ich, naturgemäß, von Thomas Bernhard Unterstützung, der im „Der Keller“ von der Schule ja immer nur als „Geistesvernichtungsanstalt“ spricht.

Und das Tüpfelchen auf dem i: Das Schild hängt an meiner alten Grundschule!

Nachträglich

Jetzt dann mich doch entschlossen meine „Notizen aus der Maßnahme“ auch hier zu bloggen, wenn auch um fachliche Links und ein paar Kleinigkeiten gekürzt. Werde wohl oft eher nachtragen müssen, aber den Verlauf wird man, wenn man mag, doch (nach) verfolgen können.

Die Rubrik hätte ich ja gerne thomas-bernhardmäßig „Die Zeitvernichtungsmaßnahme“ genannt, aber sie wird dann doch einfach nur „Die Maßnahme“ heißen, denn als Journalist ist man ja meist der Neutralität verpflichtet.

Bär Bär

Am 14. des vorigen Monats hatte ich ja schon mal das Thema mit meinem Teddy-Bär, den ich ja Bär nenne. Und es hat mich wirklich nicht losgelassen, so dass ich über die letzten Wochen den Text weiter geschrieben habe. 8.250 Worte sind es jetzt geworden, ganz im Stile von Thomas Bernhard, den ich nach wie vor auf den Ohren habe, was es etwas vereinfachte. Schon lustig, was mir dazu während des Schreibens eingefallen ist, wo ich wirklich Schwierigkeiten hatte usw. Und das Bemerkenswerteste ist: Ich weiß immer noch nicht, wer mir meinen Bär überhaupt geschenkt hat und wann das war. Muss unbedingt Muttern fragen.

Erste Worte

Bin ja gerade auf einem Bernhard-Trip. Und ich bin mir sicher, wenn Bernhard über meine Maßnahme hätte schreiben müssen, dann hätte er sie als „Zeitvernichtungsmaßnahme“ bezeichnet. Und ich würde ihm nicht widersprechen, denn was ich mir heute anhören durfte, grenzte schon leicht an Folter, oder wie der Trainer in diesen Fällen immer zu sagen weiß: „Nein, das ist nicht Folter, sondern nur eine scharf Befragung“. Ich lerne also gerade – hört!, hört! – dass man den Nominalstil als Journalist vermeiden sollte, dass Nebensätze arg, arg böse sind (also so wie die USA), Fremdwörter noch viel, viel böser (also Iran oder so), das Sätze maximal 20 Wörter haben dürfen – uups, wie konnte ich gerade gegen diese Pflicht verstoßen? – und überhaupt: Hauptsache einfach. Ich hab‘ fünf Jahre in dem Job erfolgreich gearbeitet … und ich konnte mich heute heißer tippen, um immer wieder nur den einen Satz einzubringen: „Ausnahmen bestätigen die Regeln!“

Das Besondere heute aber war ein technischer Defekt, so dass alle Schüler in meinem echten Raum vom Internet abgeschnitten waren und plötzlich nicht mehr mit ihren virtuellen Klassenkameraden kommunizieren konnten sondern mit den Menschen, die leibhaftig neben einen sitzen. Nach elf Tagen richtete also mein Nachbar zur linken den ersten (!) Satz an mich.

T.B.

Herbst 1985. Ich im Zivildienst. Ich mit Nierenkolliken der heftigsten Art krank geschrieben. Die Vermieterin empfiehlt mir „Der Keller“ von Thomas Bernhard. Ich lese.

„Der Keller“ ist für mich ein ‚Lebensbuch‘ geworden, so wie es für Bernhard „Lebensmenschen“ gab (die es auch für mich gibt, zwei eigentlich). Und zur Zeit höre ich diese fünf autobiographischen ‚Romane‘ – die ich mir damals, angefixt durch den „Keller“ dann sofort reinzog – auf dem Weg zur Maßnahme, oder wie wohl Bernhard formuliert hätte, auf dem Weg zur „Zeitvernichtungsmaßnahme“. Bin beim dritten Band, „Der Atem“, wo es auch über das, Zitat: „normal glückliche Leben“ geht.

Und jetzt frage ich mich einfach seit Stunden, wie sieht ein „normal glückliches Leben“ denn eigentlich aus, oder, um in bernhardscher Manier zu bleiben, wie sieht das ’normal unglückliche Leben‘ aus? Wie viele Toten gehören dazu, wie viel Frust, wie viele glückliche Orgasmen, wie viel Geld? Und wie viel oder wie wenig von all dem anderen?

Für heute ist klar, dass ich im Gegensatz zum normal unglücklichem Leben ein unglücklicheres Leben führe – schließlich kam heute dann doch noch die Schicksalspost in Form einer Absage.

Die entgegengesetzte Richtung

Winter 1985 las ich, mit einem Nierenstein außer Gefecht gesetzt, in Mannheim auf Empfehlung meiner Vermieterin „Der Keller“ von Thomas Bernhard. Dort beschreibt er, wie er als 15-jähriger nicht mehr auf das Gymnasium geht, sondern in die „entgegengesetzte Richtung“, will heißen, er geht auf das Arbeitsamt, und sagt dort der Beamtin, dass er in die „entgegengesetzte Richtung“ möchte, eine Ausbildung möchte in der „entgegengesetzten Richtung“ und sie, nach langer Zeit ihm endlich eine Adresse in der „entgegengesetzten Richtung“ gibt, bei einem einfachem Lebensmittelhändler in der Scherzhauserfeldsiedlung, die nun wirklich für einen Salzburger in der „entgegengesetzten Richtung“ liegt. Der komplette Richtungswechsel.

Und morgen früh fahre ich nicht die Allee runter sondern werde sie in „entgegengesetzter Richtung“ hoch laufen, Vorstellungsgespräch. Und ich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn ich ab dem 1.4. dann für die nächsten Jahre in die „entgegengesetzte Richtung“ laufen / fahren müsste, auch wenn ich dadurch bei der Maßnahme der Agentur für Arbeit das ein oder andere verpassen würde (aber nichts, was man sich nicht auch so beibringen könnte oder beibringen lassen könnte).

Ich kann das Ganze so gar nicht einschätzen.

Hörbuch-Charts – ein erster Versuch

Meine Hörbücher ist ein Bereich, für die eine eigene Liste noch fehlt. Welche Hörbücher wann mit welcher Länge gehört und so. Und da ich mit der „Recherche“ aufwarten kann, dürfte ich eh das längste Hörbuch schon gehört haben. Es gehört jedenfalls in die Top Ten. Dann natürlich „Tschick“ von Herrndorf, aber nach „Buddenbrocks“ von Thomas Mann, gelesen von Gerd Westphal. Würde Ulrich Matthes „Die Auslöschung“ von Thomas Bernhard lesen – ich glaube, ich würde ihm täglich die Füße küssen, also Matthes, Bernhard ist ja schon tot – was ja ja vielleicht nicht stimmt, glaubt man dem Roman „Die Murau Identität“ von Alexander Schimmelbusch.

Aber da ich mir die Hörbuch-Top-Ten so genau noch gar nicht überlegt habe, kürze ich für heute ab. Sicher gehört jedenfalls „Die sizilianische Oper“ von Andrea Camillieri dazu, gelesen von Frank Arnold. In den letzten Tagen fast zwei mal durchgehört. Die Story ist einfach nur klasse, witzig und geschickt gemacht und Arnold liest wirklich mit einer Leidenschaft, die einfach dem Ganzen gut tut. Das ist einfach Frühlingslektürelust / Frühlingshörbuchlust pur.

Kaleidoskop eines Alltags

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Anton Weyrother

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