Durch die Zeit

Tag: Tod

Erinnerung aus gegebenem Anlass

Nachher dann noch zu T., private Abifeier. Letzter Woche auch schon bei ihm gewesen, da war Abiball. Bei der Zeugnisübergabe war ich dann aber nicht dabei.

Man begeht die Hochschulreife in der Zwischenzeit groß und ausführlich.

Bei mir damals gab es eine lauwarme Rede des Vizedirektors, die Übergabe des Zeugnis, anschließend ewas zu trinken, etwas Musik und gut war’s. Mir hat man damals dann vorzugsweise konduliert, nicht weil mein Abi so schlecht gewesen wäre (immerhin 2,4! was für meine schulische Begeisterung einer 1,1 gleichkommt) sondern da mein Bruder – der genau wie T. heißt – ja kurz davor tödlich verunglückt war.

Und wie sehr man meine Leistung schätzte, brachte wohl am Besten mein Vater zum Ausdruck, der mir mit folgenden Worten ‚gratulierte‘: „Vor zwei Jahren hätte ich keine fünf Mark auf Dich gesetzt.“

Mir ist gerade etwas bitter.

Lesekreis

Es wird schwierig. K. ist aus Lukretz ausgestiegen. Kommt zwar, liest aber nicht mehr mit. 40 Seiten in 2, 3 oder 4 Wochen sind ihr zuviel. Andererseits liest sie brav in einem anderen Lesekreis jede Woche 15 Seiten im „Doktor Faustus“ von Thomas Mann. Da wir mit Lukretz dann doch bald durch sind – I. ist es, die gerade auf Seiten pocht – erste Überlegungen, was danach kommt. In der engeren Auswahl derzeit

  • G.W. Seebald: Die Ringe des Saturns (352 Seiten)
  • Thomas Mann: Josef und seine Brüder (1.344 Seiten)
  • Hermann Broch: Der Tod des Vergils (522 Seiten)
  • Virginia Woolf: Orlando (256 Seiten)

Mit Mann und Broch könnte ich mich anfreunden, Woolf kenne ich schon und Seebald interessiert mich nicht die Bohne. Das Problem: Den Mann können sich alle vorstellen, aber K. würde gerne das in „kleinen Happen“ lesen, also so 15 bis max. 20 Seiten von Termin zu Termin (der wegen ihr bei uns selten alle 14 Tage statt findet wie einst vereinbart). Gehe ich selbst von 25 Seiten aus, sind es immer noch 54 Termine – und das ist selbst für einen Thomas Mann in meinen Augen definitiv zu viel.

Vom Gefühl her schaut die Situation nicht gut aus. Denn 50 Seiten wird sie nicht akzeptieren (was ich bei dieser Art von Literatur innerhalb von zwei Wochen gut zu schaffen ansehe) und darunter habe ich echt keine Lust, denn so nett sie sind, aber auf richtige Textarbeit wollen sie sich dann doch nicht einlassen. Mir ist aber meine Zeit zu schade dann für  15 oder 20 Seiten zwei Stunden zu opfern, in denen dann Gemeinplätze ausgetauscht werden und man einfach frei und will assoziiert. Ich mag es einfach nicht, wenn im Text das Wort „Baum“ vorkommt und dann erzählt wird, wie toll es damals in Schweden war, weil da auch Bäume waren. Das hat mit dem Text leider nix zu tun (außer, es ist ein schwedischer Text, der das Gefühl von Bäumen im Urlaub beschreibt).

Ich bin gerade unsicher. Ein Teil von mir sagt: Alles hat seine Zeit. Und alles hat auch seine Zeit gehabt.

Ein anderer Teil sagt: Warum sich nicht bemühne, dass so gut wie möglich durchzusetzen, was ich (!) will. (Man lese hierzu mein nicht veröffentliches Tagebuch zur Therapie).

Aus der Laberrunde – oder: format c

Dieser Tage mal wieder monatliche Laberrunde. Wenig Lust. Aber bei der nächsten bin ich nicht dabei und da wollte ich dieses Jahr schon noch mal hin.

Schweres Thema danna auch gleich – Tod und Vergänglichkeit – weil es bei zweien aus der Gruppe gerade anlag. Gegen Ende verengt sich die Debatte etwas auf das Thema Haushalt auflösen bzw. ein Leben auflösen. Wie anstrengend es sei, eine ganze Wohnung oder vielmehr noch ein ganzes Haus leer zu räumen.

Und ich denke so mir: Ich mach’s meinen nicht vorhandenen Kindern ja echt leicht. Die 1.200 Bücher sind super schnell im Papiermüll veschwunden , und die Gegenseite mit meinen ganzen ‚Papieren‘ noch schneller. Dann noch etwas Sperrholz und das Zimmer ist so gut wie leer. Schlafzimmer noch einfach. Ein Schrank Klamotten, ein Bett, ein paar Cockrings und mein Bär. Also wenn man sich ranhält, ist das an einem Tag erledigt.

Denn ‚mein Leben‘ findet sich dann doch eher auf der Festplatte. Dort liegen alle meine Fotos, all‘ meine Texte, die ganze Auseinandersetzung mit der Literatur, auch bspw. pdfs meiner beiden alten Blogs (das eine hat über 1.000 Seiten), fast alle Briefe der letzten zwei Jahrzehnte … .

Und auch wenn das alles auf drei externe Platten gesichert ist – das ist schneller gelöscht als alle Bücher auf die Straße gebracht.

Ich hoffe ja immer noch, dass es mit der Cloud weitergeht, denn dann würde ich alles dahin verlagen und ein paar Leuten Zugriff geben, damit sie, wenn ich denn mal nicht mehr bin, sich einfach umgucken können, was es dann da so gibt. Was sie dann damit machen … ist dann die Entscheidung der Lebenden.

Geheimnis des Körpers

Die Katholen unter uns verstehen ja die Anspielung des Titels. (Für die Nicht-Katholen: In der katholischen Messe gibt es zwischen Wandlung und Kommunion eine kleine Passage. Der Priester stimmt an: „Geheimnis des Glaubens“ und das Volk antwortet „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“ (übrigens eine christozentrische Akklamation – wie ich gerade gelernt habe.))

Und ich frage mich gerade, woher die langen Haare an / in den Ohren / Nase, an den Brustwarzen oder auch am Sack plötzlich herkommen. Denn wachsen, wie das Haupt- oder Barthaar, tun sie ja nicht, sie sind einfach plötzlich da. Wie auch dieses fast 15 cm lange Brusthaar, was meine erste Freundin in Begeisterungsstürme versetzte – während ich hoffte, sie würde an einer anderen Stelle mal ihre Finger spielen lassen, aber das ist jetzt wieder eine andere Geschichte.

 

 

FJS

Ich wünsch ja niemanden den Tod. Wenn ich so richtig ärgerlich auf jemand bin, dann wünsche ich ihm die Krätze an den Hals, oder ne feine Geschlechtskrankheit oder Mundgeruch, Akne, Hautreizungen. Und mein Mann meint immer, dass ich als Katholik, ja was vom Strafen verstünde. Nun ja – ich lass das mal unkommentiert, aber so richtig laut wiedersprechen kann ich da auch nicht.

Das ist auch der Grund, warum ich gegen die Todesstrafe bin. Die, die wirklich Scheiße gebaut haben, die sollen sie auch auskosten. In der „Göttlichen Komödie“ hat Dante ja schon ein paar Vorschläge gemacht, aber ich muss zugeben, dass ich mir da mehr erwartet habe.

Gestern Nacht noch eine Doku über Franz Josef Strauß gesehen, der gerade in Bayern als Nationalheiliger gefeiert und verehrt wird. Ich konnte mit ihm ja noch nie, auch wenn ich ihm eine gewisse Intelligenz nicht absprechen kann. Und ich gestehe, das ich noch heute genau weiß, wo ich war, als ich im Radio von seinem Tod erfahren habe – und ich weiß auch noch, das ich vor lauter Erleichterung / Freude auf das Lenkrad schlug und „Endlich!!!!“ brüllte.

Was war das damals für eine Nation, die so einen Typen hat walten lassen? Ich glaube, das war so, als wäre Josef Blatter heute Bundeskanzler.

Und mal wieder spannend, wie diese (eher schlechte Doku) versuchte, ihn reinzuwaschen. Dass seine Tochter, die ihr Ministerinnenamt ja auch wegen Mauschelei verloren hat, nichts Schlechtes an ihm finden konnte, versteht sich ja von selbst. Aber das heutige CSU-Männer/Frauen auch nicht ein Körnchen finden an ihm, das zumindest „suboptimal“ gewesen sein könnte … Und der eine „Biograph“ damit gleichzog? Ein zweiter Biograph kam nur zweimal zu Wort und schien um ausgewogenen Kritik immerhin bemüht zu sein, aber das war so ein Alibi-Gedöhns.

Gedenken wir also Bertold Brecht:

Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber.

Nein, sie tut es nicht

Nächstes Jahr werden es dann 30 Jahre sein, dass mein ältester Bruder bei einem Verkehrsunfall umgekommen ist. Heute sind es 29. Und ich vermute, ein weiteres Jahre wird den Umstand nicht ändern, dass ich immer sehr, sehr froh bin, wenn der 30.4. wieder hinter mir liegt. Dieser Schock bleibt einfach. Denke, da kann man durchaus auch von Traumatisierung sprechen, wenn ich das letztens richtig verstanden habe. Viele andere Tode hat man ja kommen sehen, wegen Krankheit oder Alter. Der jeweilige Tag ist zwar meist auch dann überraschend, und man ist traurig und vielleicht entsetzt und es ist wie ein kleiner Schock, aber dieser Tode ‚funktionieren‘ einfach anders. Die Psyche hat ein paar Chance mehr, ihn dann zu verarbeiten, einzuordnen – aber so?

Und wenn ich dann diese Unglücksfälle im Fernsehen sehe, die Katastrophen u.s.w., dann frage ich mich immer, was hat das für Spätfolgen in den Familien, manchmal ja auch in einer Gesellschaft? Und denkt heute noch ein Schwein daran, um da Unterstützung zu leisten? Wie viele Jahre ist der Tsunami jetzt her? Wann wurde das letzte Mal um Hilfe gebeten? Mag sein, dass behauptet wird, die materielle Not sei gelindert ist (was sie definitiv nicht ist) – doch was ist mit der seelischen?

Man mag mir sagen was man will, aber in dieser scheinbar ‚aufgeklärten‘ Gesellschaft ist neben schwulen Fußballspielern der Tod das größte Tabu. Selber über Kinderpornographie wird in der Zwischenzeit mehr gesprochen und geredet, da ist richtig etwas in Gang gekommen und tapfer wird gegen Vorurteile gekämpft. Aber aktive schwule Fußballer kann es nicht geben und der Tod ist ein Thema für den Herrn Pfarrer bei der Beerdigung für die knappe Stunde. Danach …

Irgendwas ist ja immer....

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