Durch die Zeit

Tag: Wein

Flott, flott, flott

Das ist nun, wenn ich ich richtig nachgezählt habe, meine 12. Wohnung. Und die dritte, in der ich über einen Keller verfüge, der den Begriff auch verdient. In der letzten Wohnung war es eher ein historisches Lehm-Feucht-Biotop, wo auch alles kaputt gegangen ist, was wir – aus Doofheit – da reingestellt haben.

Meine ersten Erinnerungen an den ersten Keller sind natürlich kindheitsmäßig mit Angst verbunden, weil man ja nie wußte, ob a) ein schwarzer Mann wartet oder man b) dort eine Leiche finde. Kurz nach dem wir ausgezogen sind, hat man da auch eine Leiche gefunden, der Sohn von unten links hat sich dort aufgehängt.

In der nächsten Wohnung gab es einen gigantisch großen Keller, der eigentlich ein Hobbyraum war und einen Haushaltskeller. Den fand ich eigentlich immer noch am besten. OK, in dem anderen konnte man sich mal in aller Ruhe und Wärme einen runterholen, aber im Haushaltskeller stand das ganze eingemachte Obst, was ich über die Jahre komplett vernichtet habe und später die guten Weine meines Vaters.

Doch oft ist man da nicht wirklich hin.

Jetzt bin ich eigentlich täglich im Keller. Denn a) ist dort die Waschküche (was ich ja richtig toll finde und auf was ich mich so richtig freue ist, dass ich im Sommer die Wäsche im Hof auf der Wiese aufhängen kann! Und ich werde alles tun, dass sämtliche Unterwäsche so hängt, dass die meisten Leute erröten können) und b) der eigentliche Keller. Der dient derzeit als Zwischenlager für die Müllkippe, aber auch die Weine und Biere sind dahin gelangt. Also geht es flott derzeit treppab und treppauf

 

Der Keller

So lautet einer der fünf autobiographsichen Erzähltexte von Thomas Bernhard, die alle absolut und uneingeschränkt (!) lesenswert sind. Aber den Keller meine ich jetzt nicht, sondern unseren.

Mein Mann scheuchte mich heute hinunter, um gemeinsam zu schauen, was weg kann. Und es ist so, wie Komilitone U. vor Jahren schon behauptete: „Der Keller ist nichts anderes als eine vorgelagerte Müllhalde“.

Aber auch im Dreck – „denn Gold findet man auf der Straße und Straßen sind aus Dreck gebaut“ (M.M.W.) – fand ich noch ein paar kleinere Schätze, u.a. eine Zeitungsfoto, auf dem ich als Jüngling zu sehen bin (bald wohl auch hier), ein paar Casetten von denen ich hoffe, dass ich sie noch digitalisieren kann (eine Raubkopie einer tollen Lesung und ein sechsstündiges Interview, was ich vor Jahren (*lach* – da war ich 21) mal mit einem KZ-Häftling geführt habe), ein paar andere Fotos, u.s.w.

Und – unvermeidlich – noch einige Exemplare Unterwäsche, die letztendlich dann doch noch gut in mein Unterwäschenmuseum gepasst hätten. Aber den Plan habe ich ja in der Zwischenzeit aufgegeben. Vom knappsten String bis zum Ganzkörperbody hatte ich echt alles, in allen Stoffen, Schnitten, Farben, Fabrikaten, … Richtig sicher bin ich mir nicht mehr, aber ich meine, dass ich auch einen Leopardenfell-String hatte. Interessant zu beobachten, dass ich, als ich die Teile noch mal kurz durch bin, bei fast jedem sofort wieder wusste, wie sie sich trugen und warum ich sie aussortiert habe. Fünf Teile haben dann nochmals Gnade gefunden.

Ach ja: Und Wein ist echt ausreichend da. Ein ganzer Schrank voll. Von mir gekauft. Aber komplett vergessen.

 

Let’s talk about sex!

V. hatte mal wieder angefragt, ob wir nicht uns bald wieder treffen könnten, denn es gäbe noch einige Fragen zu ihrer Geschichte. OK, heute hatten wir leichte Anlaufschwierigkeiten und ich hab‘ mal abgewartet, ob sie die Kurve bekommt – hat sie dann nicht. Egal. Also bin ich dann nach dem ersten Glas Wein mitten rein ins Thema und schnell wurde klar, dass es nicht um die Story geht, sondern um das reale Sexleben von ihr.

Ich schätze mal, sie ist an ihre Grenzen gegangen, auch wenn vieles kompliziert umschrieben werden musste. „Blasen“ heißt dann nicht „blasen“ sondern „in die Kniee gehen“ und „anal“ ist eben dann „das zweite“ … aber zugegeben, in ihrem Alter hätte ich wohl mit meinem ehemaligen Praktikumbetreuer, so ein Thema nie angesprochen.

Was mir mal wieder aufgefallen ist, dass es mir überhaupt keine Probleme mehr (!) macht, diese ganze Thematik anzusprechen und die Dinge auch beim Namen zu nennen. Das scheint ihr auch gut getan zu haben, denn es gab dann schon den ein oder anderen Moment, bei dem die Klarheit in ihr wohl nichts geändert, aber zu mehr Verständnis gesorgt hat. Ich hab‘ das spätestens daran fest gemacht, als sie mitten drin einfach meinte: „Du solltest das professionell machen“.

Aber es war mal wieder enorm spannend und mal wieder musste ich mich an die Nase fassen und mir sagen: Nur weil Du denkst, dass es so sein könnte, muss es lange noch nicht so sein!

Nachtrag

Wer wissen will, wie meine Entscheidung in diesem Fall gefallen ist: Nach ewigen Grübeleien, ob ich nicht doch vielleicht noch schnell einlade und mein Mann kocht oder wir kochen und ich lade die ein, oder doch die anderen und dann nur bei Wein und Käse oder vielleicht doch so richtig heftig kochen, dann aber nur für P. … ich denke, für mich wird’s am Freitag bei meinem Lieblings-Italiener F. geben:

  • Prosecco
  • Gamberetti, Aglio, Olio e Pepperoncino
  • Fegato alla Venezina oder vielleicht doch Costolette d’agnello alla Guglia beziehungsweise Saltimbocca alla Romana
  • Formaggio

Zudem haben die einen recht ordentlichen Rosé, den ich an sich ja eh gerne trinke, ein Grappa wird danach auch drin sein und finanziert – und das ist das Schönste daran – ist es auch, denn meine Tante G. hat vorab die Rechnung für meinen Mann, P. und mich übernommen.

Trink, Brüderchen, trink!

Hin und wieder bekommen mein Mann und ich so komische Flashs. Dann müssen wir beispielsweise so schnell wie irgendwie möglich die Küche neu streichen. Das kann uns Jahre überhaupt nicht gejuckt haben, aber wenn, dann überkommt es  uns. Oder Regale müssen komplett ausgeräumt, ausgemistet und wieder eingeräumt werden.

Jetzt haben wir es auf unsere Weinvorräte abgesehen. Letzte Woche machten wir eine von den ‚guten‘ Flaschen auf und mussten feststellen, dass auch der mal wieder überlagert war und wir ihn in den Ausguss schütten konnten. Und so öffnen wir seit Mitte letzter Woche eine Flasche nach der anderen mit dem Ergebnis, dass die Küchenflaschen zu 80% im Ausguss landeten. Jetzt gehen wir an die Vorräte im Keller. Wer also auf eine Flasche vorbeikommen will, bitte.

Seltenheitswert

Kneipenabend! Also einen halben zumindest. Mit A. Aber der dann ganz.

Vor – nun gut, einigen – Jahren war das eher üblich. Aber dann kam ne neue Mode auf. Für das gleiche Geld, was man in der Kneipe für miesen Wein ausgab, konnte man sich ne richtig gute Flasche kaufen. Außerdem musste man nicht bestellen und warten – und es lief die Musik, die man selber wollte und notfalls, ja, notfalls konnte man einfach die Hosen ausziehen.

Aber es hat auch was. Denn in der Fremde rückt man dann doch näher zusammen. Viel weniger Ablenkungen. Es hat fast etwas mehr Vertrauteres im Gespräch an sich. Zumindest hat es da eine weitere Möglichkeit. Mir zumindest sind ein paar wenige Frage leichter gefallen. Möglicherweise gab es auch etwas andere Antworten, als wenn man nun ganz unter sich gewesen wäre.

Fazit: Schöner Abend! Gerne wieder!

(Lässt sich einrichten!)

Heute kochen wir wieder selber

Nicht, das es gestern schlecht gewesen wäre – aber die Erhellung war es dann (leider) doch nicht. Und der Service musste sich auch erst noch einrumpeln. Die Aperetifs kamen mit der Vorspeise (gingen dann aber auch aufs Haus), die OK war – aber, eben wie der Hauptgang: Das war alles gut gemacht, ohne jede Frage, aber weder irgendwie raffiniert oder überraschend. Die Weine, die wir probierten waren, bis auf den letzten, eher so iner Mitte anzusiedeln. Aber immerhin hatte sich dann der Service gefangen und als wir uns zum Schluß noch ein Sorbet mit Wodka geleistet haben, kam der Ober mit der Frage, ob es denn viel oder wenig Wodka sein sollte. Mein Mann nahm wenig, ich sagte „Etwas mehr“ woraufhin ihm mit einem breiten Grinsen „die Hand ausrutschte“ und er mir wirklich großzügig eingoss. Dann doch noch die Käseplatte – bis auf den einen eine anständige Zusammenstellung – gefolgt von zwei hervorragenden Bränden.

Und schließlich die Rechnugn. Falsch, wie ich auf den ersten Blick feststelle – es fehlten beide Brände. Kellner kam, macht ein entgeistertes Gesicht und flüsterte „Wenn Sie es niemanden sagen … dann lassen wir die einfach weg.“ Wem hätte ich es denn sagen sollen?

Kurz: Wir warten den Kartenwechsel ab und gehen wieder hin. Denn das Ambiente ist angenehm und wenn wir unsere Erwartungen etwas runterschrauben, dann dürfte das wieder ein recht vergünlicher Abend werden.

So, jetzt aber in die Küche: Das Risotto mit Trüffel macht sich ja nicht von allein. (Natürlich nur Trüffel aus dem Glas – geschenkt bekommen, muss jetzt mal weg.)

Ich könnte es mir ja leisten …

… mich um 23:45 mit einer Tüte Chips und Bier oder Wein auf das Sofa zu fläzen, mir  ausgiebig die Eier kratzen und Super Bowl gucken. Falls ich es bis vier durchhalte, kann ich morgen ja ausschlafen (steht eh nix auf dem Programm), falls nicht – vorletzte Nacht habe ich da auch gepennt, geht ganz gut.

Mit den Grundregeln bin ich jetzt vertraut – ich glaube die SZ hatte das ganz unterhaltsam gemacht – und so unspannend ist diese männliche Art der Befördung eines fast runden Gegenstandes  ja auch nicht.

Das eine Auge liebäugelt mit dieser Aktion, das andere schielt nach dem richtigen Bett.

Projekte über Projekte

Wenn das Geld stimmen würde, käme ich auch ohne Arbeit gut aus.

Bei den Geschenken dieser Tage – nehme ich mal wieder den heldenhaften E. aus – handelte es sich in erster Linie um Flaschen. Überwiegend Rotwein, gefolgt von Öl und Essig. Zwei Gutscheine, ne drei sogar (yeah!) zweimal Buch, einmal Musik. Und drei Bücher. Finde es nach wie vor immer total mutig  mir Bücher zu schenken. OK, das eine war ein Kochbuch und da wir nur derer 40 haben ist die Gefahr, da was zu schenken, was schon da ist, echt gering. Das andere ein (eher schlechter Roman) von Suter, der vor fünf oder sechs Jahren erschienen ist. S. und D. schossen dann aber den Vogel ab. als sie mir ein eher dickes Buch überreichten: Die Bibel für jeden Tag. D.h., bei der Aufteilung braucht uman 365 Tage, dann ist man durch. Hat mich tierisch gefreut, denn das soll ja mein Jahresliteraturprojekt werden. Der nächste geeignete Einsteig wäre nach Vorwort heute – aber ich nehm dann den am 7. Februar.

Danteleseprojekt läuft ja nach wie vor, die „Hölle“ haben wir hinter uns.

Shakespeares Dramen wäre ja auch mal ne nette Aufgabe – chronologisch und zügig.

Aber da ich erfahrungsgemäß im Durchschnitt am Tag nur zu einer Stunde lesen komme und die Bibel schon täglich dann gut 15 Minuten in Anspruch nehmen wird verschiebe ich den Shakespeare mal mit der Begründung, dass ich noch keine anständige Gesamtausgabe der Dramen gefunden habe.

Nachtrag

Selten bin ich so ungern losgefahren wie zu dieser Hochzeit. Ob der überaus freundlichen Begrüßung dann genauso überrascht wie über die Tatsache, dass M. bestimmten Wein für mich gekauft hatte und ihn für mich in einem Privatversteck bunkerte.

Den Rest des Nachmittags / des Abends / der Nacht / des Morgens versteckte ich mich weder hinter meiner Kamera oder sorgte mich um das Büffet, räumte Geschirr zusammen, wusch es, … trank ein bisschen von „meinem Wein“ und hörte den anderen zu. Oh Gott, was für selbstgefälliges Geschwätz. Niemand stellte Fragen sondern erzählte / berichtete / toppte … nicht im geringsten Fall meine Party.

Und dann ist mir noch eingefallen, dass ich mit M. ja mal ein heftige Affaire hatte und er sich damals überlegte, sich von K., seinem jetzigen Mann zu trennen um mit mir ‚zusammen zu kommen‘. Er hat sich dann aber dagegen entschieden, da ich ihm zu kompliziert war. Heute wissen wir wohl beide, dass er einfach zu zwanghaft ist.

Im Auto zurück musste ich mir dann auch noch die Ohren zu halten, weil mein Mann und sein Ex meinten, die Welt erklären zu müssen. Demnächst gibt es für die beiden ein Grundkurs in Demokratie.

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