Durch die Zeit

Tag: Weißwein

Be-denklich

Im Supermarkt. Keine Kartoffeln! Nicht eine! Egal ob festkochend oder nicht. Nix. Nintsch. Im ersten Moment rege ich mich auf: „Was? Keine Kartoffeln? Es ist 17 Uhr, da muss es doch noch Kartoffeln geben!“ Da kommt immer und immer wieder mein Konsumentenherz durch: Wenn ich was will, dann hat der Laden es auch vorrätig zu haben. Also doch keine Kartoffelsuppe? Umdenken müssen? So spontan? Was für eine Herausforderung.

Hey, es gibt einen weiteren Supermarkt 150 Meter weiter. Der hatte Kartoffeln. festkochend, weichkochend, vorwiegend festkochend und sogar „Spargelkartoffeln“ die weder weich- noch festkochend sind, sondern scheinbar gar nix.

Im ersten Supermarkt gab es dafür auch den Rest: Hefe, Kondensmilch, verschiedene Mehlsorten, Weißwein und Kartoffelchips. Chips in Hülle und Fülle. Mit Essiggeschmack, mit Hühnchengeschmack, mit Holzkohlengrillgeschmack und mit Honiggeschmack. Mit Paprikageschmack und Zwiegelgeschmack mit … ach was weiß ich, gefühlt mindestnes 20 verschiedene Geschmacksrichtungen.

Keine Kartoffeln aber Kartoffelchips. Vermutlich hätte beim Fehlen letzteres sich mehr Menschen beschwerd.

Kundenservice

Weil er ja „eh nicht schlecht wird“, kaufe ich Weißwein in Schläuchen bei einem bestimmten Händler. Da stimmt das Preis-Leistungsverhältnis und außerdem gibt es ausreichend Bonuspunkte. (Ja, davon lasse ich mich auch locken, wenn es sich lohnt.) Ich tauche da also regelmäßig unregelmäßig auf, schnappe mir ein Schweinchen, nenne meinen Namen, dass das Bonuskonto auch gut gefüllt wird und bin auch schon wieder weg.

In letzter Zeit fiel mir auf, dass zumindest der Geschäftsinhaber meinen Namen auch so wußte.

Heute trat ich durch die Tür, da kam er mir mit dem Schweinchen schon entgegen: „Hallo Herr B., ich hatte durch’s Fenster gesehen, dass Sie kommen.“

Bis er es mir auch noch nach Hause bringt hängt sowohl von der Menge aber in erster Linie von der Qualität, sprich Preis ab. Ich arbeite daran.

Nun also doch

Die Einladungen sind raus. Aber ich mach‘ es so einfach (und preiswert ) wie irgendwie möglich. Es gibt ein Ragou, Pesto, Alio & Olio, ein paar wenige Pastasorten, Weißwein, Rotwein und Wasser. Fertig ist die Party. Sollte was vom schmalen Budget noch was übrig bleiben, stelle ich noch Prosecco in der Kühlschrank – denn den süffel ich ja wirklich gerne.

War jetzt echt eine spontane Entscheidung. Die Gästeliste ist überraschend lang geworden – aber da ja eher kurzfristig, wird sie noch etwas schmelzen. Und wenn es klappt, sind ein paar neue Gesichter dabei.

Gemeingefährlich

Auf dem Geburtstag von S. Kleine Einladung. Zwangloses Rumstehen. Kleinigkeiten zum Essen (80 Prozent aus dem Öko-Glas für teuer Geld, der Rest eine lauwarme Kürbissuppe und einen Maissalat, der nach der ersten Verkostung eines Gastes tiefsinning auf den Namen „Barrack-Obama-Friedensnobelpreis-Salat“ getauft wurde). Weißwein gab es auch. Gekauft bei einer renommierten Weinhandlung hier. Auf Empfehlung, denn S. hat weder von Wein noch von Maissalat eine wirkliche Ahnung.

Die Frage, die ich mir stelle ist: Kann man die Weinhandlung ob des Verkaufes von Salzsäure verklagen?

Der Tag *

Ab 5:30 wird zwar nicht zurückgeschossen, aber spätesten da ist meine Nacht zu Ende, da wälze ich mich dann irgendwie rum, schlafe immer wieder ein, träume immer wieder irgendwelche Scheiße, mache mir Gedanken über „wie-geht-das-wohl-weiter“ und fühle mich hin, ob der Pilz mal wieder sich an delikater Stelle sich ausgebreitet oder den Rückzug genommen hat.

Kurz nach acht dann doch auf, wenn auch ohne Lust, nach Bad-Gang die übliche halbstündige Niesattacke mit SZ-Lektüre. Meine Mann machte sich derweil vom Acker, der will zwei Tage noch auf der Burg schuften.

Den restlichen Vormittag vor dem Computer, erst die eine Mail an E. beantworten, dann noch ein paar Mails ehrenamtlicherweise und schließlich die lange, lange Suche nach kostenfreien epubs. Jetzt habe ich 150 Dateien auf dem E-Reader, was wohl an die 500 Bücher entspricht – aber ich bin noch nie so unglücklich hinsichtlich Lektüre in den Urlaub gefahren. OK, im Gesamtwerk von von Keyserling werde ich noch was finden, aber alles andere ist Not-Lektüre: Homer, Platon, Zola, Hugo, Dumas, Weiß, Shakespeare … halt alles ‚altes‘ Zeug aus meist Kategorie zwei. OK, etwas Zeitgenössisches ist noch – verbotenerweise – auch darunter, aber nix, was mich so richtig anspricht. Echt, auf den Kauf von Unterhosen, Klamotten, CDs, Küchenutensilien und was auch immer … no problem, aber Bücher?

Nach nem kleinen Mittagessen bei gaga hängen geblieben, Platz 35 schaffe ich zwar nicht mehr vor dem Urlaub – aber bis Ende des Jahres jetzt dann doch locker.

Und dann stand B. vor der Tür, der jüngere Bruder meiner Patentochter S. Er hätte gehört, ich würde heute für sie kochen. Als ich erläuterte hatte, dass ich vorgestern der Mutter gegenüber ausgedrückt hatte, man könnte ja gemeinsam kochen stand schon die Schwester S. vor der Tür. Nochmals die selbe Erklärung, dann rief die Mutter J. an.

Nach einigem Hin-und-Her folgender Speiseplan:

Dazu das Agreement von J.: „Du kaufst ein, Du kochst – ich mache die Küche, ich zahle!.“ Da stimmte ich doch gerne zu.

Mit der Patentochter dann zwei Stunden in der Küche – und da war irgendwie toll. Denn irgendwie wollte sie schon wissen, wie ich was warum so koche – und hat mich echt gelöchert -, andererseits hatte ich zwar das Heft in der Hand, aber S. hat gekocht und getan und angerichtet und … jedenfalls so, dass man sagen konnte: Ihr Werk. Und dazwischen hatten wir noch Zeit ganz locker und ungezwungen darüber zu reden wie es ihr geht, was das Studium macht, der Freund, die Zukunft … so ein Patenonkel-Patentocher-Gespräch in lockerster Atmosphäre.

Dass ich derweil der Kochpoetin nicht immer gefolgt bin, versteht sich. Hatte zum Teil anderes Ausgangsmaterial (Schlegel) oder auch Fehlendes (Minze) oder auch Unverständnis (warum die Karotten raus?) …  und während ich S. erklärte, warum sie was wie zu tun hätte fiel mir irgendwie auf, dass ich seit ich ihren Blog lese, in der Küche freier, mutiger, selbstbewußter, kreativer …. geworden bin. Ich kann das echt an nix Konkretem festmachen. Aber lese ich eines ihrer Rezepte, dann sehe ich die Arbeitsschritte vor mir und zugleich meine Varianten, Weglassungen, Hinzufügungen, Änderungen, Ergänzungen. Und ich lese viele Rezepte, wirklich, aber die von ihr … magic!

Abendessen war gut, auch wenn ich merkte, dass alle drei Redebedarf hatten, also gucken, dass jede/r zu seinen Zeiten kommt. Noch mitkommentiert den Probezeltaufbau von S., die sich nächste Woche nach Norditalien abmacht und als Onkel es natürlich nicht lassen können, ihr eine halbe Stunde lang vor google-earth zu erklären, wo gut wo nicht, wo guter Campingplatz wo doof – immerhin habe ich klar gemacht, dass sie mitschreiben soll. Aber habe ich damals auf so was gehört? Ja! Wenn es der Lieblingsonkel war! Aber der war Priester und erzählte immer eher was von Sünde und so …

B. tut mir mal wieder etwas leid, er kommt in der Familie nicht zu seinem Recht. Ich mag ihn, aber die Themen die er hat, die sind mir so fremd. Aber er hat heute ohne Protest den Salat gegessen und todesmutig ne Schnecke probiert (wobei es bei der einen dann nicht blieb). Als Nächstes habe ich Tauben in Aussicht gestellt … das scheint angekommen zu sein.

Und das war es dann auch. Jetzt zappe ich noch etwas, werde noch meine Handy-Farm besuchen und für Ordnung suchen und morgen?

Morgen: Hör-CD zurück in die Bib, Hörstöpsel kaufen (die 35-Euro-teuren vom letzen (!) Jahr haben heute endgültig den Geist aufgegeben) und sonst mögliche weitere Absagen ablegen … jedenfalls nichts, was mich animiert, morgen freudig aufzustehen.

„Der Tag“ ist übrigens ein wöchentliche aktuelle gesellschaftlich-politisch-kritische-kulturelle Sendung von HR2, die sich erlaubt, 55 Minuten lang über ein einziges Thema sich aus verschiedenen Sichtweisen kontrovers zu nähern – ohne Gebrüll, ohne Populismus, ohne Selbstdarstellungsneurosen.

# 187 – Kontrastprogramm

An den Bodensee eingeladen worden. Heute morgen mit ultradickem Kopf hingefahren. Im See schwimmen gewesen! Sonne genossen! Ne Portion Spaghetti genossen (musste sein). Und jetzt noch leicht bekleidet bei einem Glas Weißwein und einem ultraspannenden Tatsachenkrimithrillerwahnsinn.

2015-06-24 19.32.36

Da war doch was …

Liebe H., lieber W.,

da ich statt einkaufen zu gehen mit dem Rad nach M. gefahren bin, fehlte es heute Abend mir an Weißwein. Und was fand sich gut gekühlt im Kühlschrank? Der von Euch!

Ich hab mir das Etikett nach dem ersten Schluck dann auch genauer angeschaut … und siehe da … der kommt ja aus E.! Das Nest kenne ich eigentlich gar nicht, aber ich bin wohl gut drei Jahre jede Woche dort hingefahren worden / später hingefahren, um bei einer amerikanischen Lehrerin mir Unterricht auf der Querflöte geben zu lassen. Die Fahrt war zwar immer recht stressig und wenn man nicht geübt hatte auch richtig doof, aber E. hatte immer ein Supergespür und wußte ganz genau, wann wir einfach Tee tranken und ein paar Noten theoretisch durch sind oder sie die Stunde um zwei verlängerte, weil ich gerade super aufnahmefähig war und wieder (indirekt Lust) auf die nächste Qualitätsstufe hatte.

Also Danke nochmals für den schönen Abend mit Euch, für den Wein und jetzt zudem noch für ein paar wirklich gute Erinnerungen und da ich so groggy bin, suche ich bis zum schlafen gehen einfach auf Youtube ein paar Flötenstücke, die ich damals gelernt und gespielt habe, die Sicilienne von Faure (op. 78), das eine Flötenkonzert von Mozart (D-Dur?), diese ganzen Bach-Dinger und natürlich die Etüden von Köhler. Genau, die suche ich als erstes – Schlimmeres hat es auf der Flöte nie gegeben! (Den einen Ragtime für 5 (!) Flöten werde ich wohl nicht finden – aber ich erinnere mich noch gut an das miese h3 im pianissimo!)

Bis bald

B.

Kennst Du das Land …

Beim Warten auf die Straßenbahn kommt ein Reisebus die Straße herunter auf dem groß steht: Germania – Italia

Hätte ich keine zehn Liter (spanischen) Weißweins in den Händen gehabt, ich wäre losgelaufen und hätte ihn angehalten.

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