Durch die Zeit

Tag: Zeit

Endlichkeit

Ab morgen also wieder. Hemd und Jackett. Aber keine Krawatte! Bis auf drei habe ich alle weggegeben und ne schwarze für Beerdigungen muss ich mir noch kaufen – ansonsten bleibt der Hals frei.

Irgendwie schön, wieder etwas in Lohn und Brot zu stehen, etwas zu tun, in Kontakt mit anderen zu sein, abends stöhnen zu können, was für ein anstrengender Tag das war, schimpfen zu können, was es für doofe Menschen es doch gibt.

Aber derzeit habe ich soviele Leseprojekte im Kopf. „Mann ohne Eigenschaften“ von Musil muss ich unbedingt mir nochmal reinziehen. Höre es gerade als Hörspiel und bin fasziniert von dem Gedankengut. Parallel derzeit ja Dante und die Bibel. Proust könnte auch mal ne Auffrischung brauchen, durch Shakespeare bin ich auch noch nicht komplett durch (chronologisch wäre da meine Idee), im Hinterkopf schwebt noch der Koran rum (aber nur wenn es einen Kommentar dazu gibt!) Und den „Don Quichote“, der muss auch nochmal sein.

Und manchmal denke ich, wie muss das sein, wenn man merkt, dass die Zeit nicht mehr reichen wird?

Nach der Badewanne – ein Credo

U. hatte sich heute wegen ausgefallener Chats ‚beschwert‘ und man merkte der letzten Mail deutlich an, dass sie etwas sauer auf mich war, da ich auch heute Abend nicht zu ihren Zeit ‚on‘ war. Aber der Geburtstag meines Mannes geht da vor.

Zuerst habe ich nur kurz und knapp und rational geantwortet und alles vermieden, um es zu keiner Konfrontation kommen zu lassen. Aber in der Badewanne, genauer beim Abtrocknen, entstand im Kopf folgende Mail, die ich so auch abgeschickt habe. (Eine unerhebliche Streichung, mit (…) kenntlich gemacht, war vorzunehmen.)

Ich find’s schade, dass wir den Montag-Termin nicht mehr haben können, aber da haben sich die Leben eben verändert.
Ich kann aber – vielmehr: Ich will aber andererseits nicht jeden freien Abend am Rechner sitzen und warten, ob Du Zeit hast und derweil meine Lebenszeit damit zu vertun. Mir wird nämlich immer mehr bewußt, wie verdammt endlich das hier alles ist.
Ich hatte schon mal geschrieben, dass wir uns einfach besser verabreden müssen, wann jede/r Zeit und Raum hat.
Denn wenn ich bspw. kurz nach 20 Uhr von einem (…) komme, bin ich zwar da, gucke auch in meine Mails, auf meine Blogs, gucke bei flickr, fc und tubmlr vorbei, bin aber noch lange nicht genug ‚da‘, um zu reden / chatten. Und wenn da dann eine Anfrage von Dir ist, muss ich sie irgendwie ignorieren / ablehnen, denn ich bin einfach noch zu sehr in den anderen verhaftet.
Ich versuche zudem ganz bewusst viel weniger hinter diesem Rechner zu sitzen (wie du ggf. auf das Fernsehen verzichtest) – so dass ich viele Nachrichten erst Stunden später lese – um mich mehr dem zu widmen, was mir nicht die Zeit stiehlt (wie bspw. tumblr, nackte Männer gucken, langweilige Nachrichten lesen, langweilige Blogs verflogen, sinnlos Sinnlose suchen …) sondern wieder mehr zu lesen (und dazu Anmerkungen zu schreiben, zu reflektieren, meine privaten Buchkritiken ’sauber‘ zu verfassen), mehr Musik aufmerksam und konzentriert zu hören, mir Wissen aneignen, konkreten Fragen nachzugehen und auch die Scheu vor dem Telefon wieder zu verlieren.
Ich möchte insgesamt (mit allen) wieder zu mehr Verbindlichkeit kommen und nicht auf dieses „schauen wir mal“ zu vertrauen, was nach meiner Erfahrung nach immer mehr in allgemeine Beliebigkeit abdriftet.
Ich möchte einfach wieder mehr definierte Mitmensch-Zeiten und Ich-Zeiten haben, ich möchte einfach nicht mehr zu jeder Zeit alles machen / können / leisten / hören müssen.
Das hat was mit Achtung und Respekt vor den anderen und vor mir zu tun. Ich bin einfach nicht gut, wenn ich nur mit einem halben Ohr jemanden zu höre, nur mit einem halben Hirn argumentiere, nur mit einer halben Leidenschaft leidenschaftlich bin, nur mit einem halben Herz dabei bin, …
Das alles schließt Zufälle / Spontanität nicht aus – macht aber Zufälle und Spontanität nicht zum beherrschenden Prinzip.

 

Gerade geht gar nicht

Immer wenn ich mit P. zusammen bin, fallen wir aus dem üblichen Zeit-Raum-Kontinuum. Während bei allen anderen meiner Freundinnen und Freunden so etwas wie Zeit ein ernstzunehmender Faktor beim Zusammensein ist, fällt dieser bei P. weitgehend weg (außer einer von uns muss auf den Zug). Und das eben nicht nur, weil wir die Zeit vergessen, sie einfach nicht mehr wichtig ist (wir haben ja uns), sondern auch, dass unser Alter keine Rolle spielt. Ich kann das schlecht formulieren, aber wir gehen nicht nur nach wie so miteinander um, wie wir uns vor bald 30 Jahren kennen gelernt haben, sondern allein die Tatsache, dass wir uns so lange kennen, ist gar nicht vorhanden. Er gehört eben genauso gut zu mir wie mein Schwanz oder sonst was – und darüber denkt man ja auch nicht dauernd nach, wie lange man das schon hat.

Wie schon zu Zivildienstzeiten leben wir nach uns und unserer Lebendig- / Müdigkeit. Sind wir nicht müde, sprechen wir eben weiter. Sind wir müde, kuscheln wir Arsch an Arsch und schlafen innerhalb Sekunden ein (ich! auch!). Wenn wir Hunger haben, essen wir was, wenn wir Durst haben, trinken wir was. Das heißt, wenn uns um kurz vor Mitternacht einfällt, dass wir ja so gut wie nichts gegessen haben, fangen wir an zu kochen, wenn wir meinen, jetzt täte ein Glas Weißwein gut, dann schenken wir uns das auch morgens um ein.

Man könnte behaupten, unser Zeitverhältnis sei gestört – mag sein, wenn er und ich zusammen bin – aber dafür haben wir auch Erkenntnisse gewonnen, die sonst niemand hat, wie bspw.: Wenn man eine gerade Anzahl von Stunden geschlafen hat  ist man weit aus müder, als wenn man eine ungerade Anzahl von Stunden geschlafen hat. Im Zivildienst haben wir dieses Gesetz aufgrund unserer vielfältigen Erfahrung aufgestellt. Hatten wir morgens um sechs Uhr Dienst und die Uhr zeigte vier Uhr, sind wir erst gar nicht mehr ins Bett. Zeigte die Uhr dagegen zwei Uhr, haben wir noch bis kurz vor drei Uhr gewartet, um eben drei Stunden zu schlafen. Und damals ist auch die zusätzliche Erkenntnis im Heimlichen gereift: Glaube versetzt Berge.

ZT

Streng genommen müsste ich noch 15 Tage warten. Aber da ich über P. Prozente bekomme und ich einfach mal irgendwas zum Freuen brauche, habe ich heute beschlossen, mir meine Rauchen-Aufhör-Belohnung jetzt zu bestellen, nämlich ein Buch. Gut 1.500 Seiten, 1.6 Kilogramm oder so schwer, Sonderformat. Es gehört zu den Büchern der Literaturgeschichte, von denen man schon mal was gehört hat, aber niemand kennt, der es gelesen hat. Zu diesen Brocken zähle ich u.a. den „Ulysses“ von James Joyce („zu schwer“) oder „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust („zu lang“ – na ja, etwas mehr als 3.000 Seiten). Aber da ich die beiden hinter mir habe (jeweils zwei Mal, wenn ich angegeben darf) gibt es jetzt eben „Zettel’s Traum“ von Arno Schmidt – die letzte deutschsprachige Herausforderung.

Jetzt muss P. nur noch ihre SMS checken, dann ihre Mails und dann es bestellen können. Prozente tun da richtig gut, denn für ZT hat man 348 Euro auf die Theke zu legen.

(Und jetzt kann ja jede/r ausrechnen, wie viel ich früher geraucht habe.)

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